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Mittwoch, 20. September 2017

Herbstanfang


Von dem leider zu kurzen Ostsee - Aufenthalt zurück gekehrt, habe ich beim Inspizierten unseres Gartens fest gestellt, dass dort der Herbst eingezogen ist. Heimlich, still und leise hat sich der Sommer 2017 ( der eher keiner war ) verabschiedet. Die Vegetation unseres Refugiums verfärbt sich jetzt langsam aber sicher bunt.

Der große Wilhelm Busch schrieb einst dieses Gedicht:

In trauter Verborgenheit
(Wilhelm Busch)


Ade, ihr Sommertage,
Wie seid ihr so schnell enteilt,
Gar mancherlei Lust und Plage 
Habt ihr uns zugeteilt.

Wohl war es ein Entzücken,
Zu wandeln im Sonnenschein
Nur die verflixten Mücken
Mischten sich immer darein.

Und wenn wir auf Waldeswegen
Dem Sange der Vögel gelauscht,
Dann kam natürlich ein Regen
Auf uns hernieder gerauscht.

Die lustigen Sänger haben
Nach Süden sich aufgemacht,
Bei Tage krächzen die Raben,
Die Käuze schreien bei Nacht.

Was ist das für ein Gesause!
Es stürmt bereits und schneit.
Da bleiben wir zwei zu Hause
In trauter Verborgenheit.

Kein Wetter kann uns verdrießen.
Mein Liebchen, ich und du,
Wir halten uns warm und schließen
Hübsch feste die Türen zu. 


Bilder konnte er damals nicht fotografieren, nur zeichnen. Hätte er es gekonnt, wären diese jedoch vielleicht völlig andere gewesen?



- Maciej Wierzchowski alias Vanderson aus Polen mit " New Hopes " - 



Geld schießt Tore?


Vor vielen Jahre sah die Fußballlandschaft in diesem, unserem, Lande genauso aus, wie in der abgelaufenen Saison 2016 / 2017. Der " Überverein " aus München dominierte die 1. Bundesliga nach Belieben. Ein bis drei mögliche Konkurrenten hechelten dem medial hoch gejubelten FCB hinterher und wurden dafür bestraft, denn der " Wurst - Fritze " und seine mutmaßlich schwarzen Konten ermöglichten es, dass deren beste Akteure systematisch abgeworben wurden, um bei den Bazis ihr Profidasein auf der Ersatzbank - wenn auch dafür exzellent dotiert - zu verbringen.

Seit der maßlosen Entwicklung in den Transfers - und Gehaltsbereichen, reicht es für den bajuwarischen " Wurst - Hersteller " nicht mehr aus, wenn er die vermeintlichen Konkurrenten durch unsinniges Spieler - Abwerben schwächt, sondern das Duo Rummenigge / Hoeneß muss - mit Blick auf die europäische und internationale Konkurrenz - jetzt immer öfter in die Tasche greifen, um durchschnittliche Spieler für zweistellige Millionenbeträge verpflichten zu können. Aber auch der aktuelle " Bayern - Jäger ", der BVB 09 Borussia Dortmund, darf durchaus mit den - wohl noch nicht erhaltenen - Dembele´- Millionen auf Beutezug gehen und sich teure Spieler einkaufen.

Das machen die englischen " Premiere League " - Klubs schon längst. Die spanischen aber auch und der Vorreiter jenes Millionen - Geschacheres, die Vereine aus Italien, sie hinken inzwischen ein wenig nach, aber sind ebenso kräftig im Geschäft. Da es nach oben keine Grenze zu geben scheint, werden vielleicht - mit gütigem Abnicken der UEFA - demnächst Transfers von 300 bis 500 Millionen Euro über die große Bühne gehen.

Noch zu Beginn der Nullerjahre forderten die Gröfaze Beckenbauer, Hoeneß und Rummenigge über die Gründung einer Europaliga nachzudenken, in denen die so genannten Spitzenvereine in den nationalen Spielklassen gegeneinander antreten, um - völlig losgelöst von dem übrigen, den popeligen No Name - Klubs - einen Meister auszuspielen. Die Richtung des einstigen Trio Infernale aus Bayern war glasklar. So wollten die Klub - Größen noch mehr Geld in die ohnehin von des Hoeneß´windigen und strafrechtlich relevanten Geldeinnahmemethoden, dann in legaler Weise, die Vereinskonten aufblähen, um die nationale Konkurrenz vollkommen niederzuhalten. Die Großkotz - Idee aus München wurde verworfen. Inzwischen ist die aufgeblähte Champions League jedoch ein Ersatz - Spielort für jene Vereine, die vor lauter Millionen an Finanzkraft kaum noch gehen können.

Gestern habe ich auf einem der vielen " Sky " - Kanäle eine Wiederholung des CL - Gruppenspiels zwischen Celtic Glasgow und Paris Saint Germain gesehen. Das Endergebnis konnte ich bereits im " kicker " - Spielergebnisdienst via Internet nachlesen. Es lautete: 0:5!
Was jedoch viel frappierender als jene " Heim - Klatsche " für den schottischen Abo - Meister Celtic Glasgow war: Es standen einigen dort, im alt ehrwürdigen " Ibrox Park " von Glasgow, bei der gastgebenden Mannschaft Spieler von einigen Millionen Euro fiktivem Marktwert auf dem Platz; bei dem Gegner derer von mehr als eine halbe Milliarde Euro.

Geld schießt nun doch die erforderlichen Tore, damit sich das irrsinnige Personalkarussell bei diesen Klubs noch schneller dreht, die Millionen - Beträge binnen einer Begegnung wieder eingespielt werden können und Mannschaften auf den Rasenflächen stehen, in denen kein einziger Spieler die Nationalität des ansässigen Vereins besitzt. Und wenn, dann wurden diese schnell eingebürgert. Hauptsache der Klub kann im Poker um vermeintliche Stars, die dann und wann als Flop wieder abgegeben werden, mithalten.

In der kommenden Woche tritt der deutsche " Rekord - Meister " aus München gegen Paris SG und seine Halbmilliarden - Truppe um Neymar, Cabani und Mbappe´ und - nicht zu vergessen - Julian Draxler in dem nächsten CL - Gruppenspiel an. Ein Leckerbissen für alle FCB - Fans, die endlich einmal einen gleichwertigen Gegner in der " Arroganz Arena " sehen möchte. Und: Ich befürchte, sich endlich guten Fußball erhoffen, doch nur den der Pariser Legionärstruppe, bestaunen dürfen. Weil nämlich;

Geld schon immer Tore geschossen hat!


Igra Staklenih Perli aus Serbien und " Hare Aum " aus dem Album: " Apokaliptus " - 2012:




Dienstag, 19. September 2017

Schmeckt astrein!


 Vor einigen Tagen hatten wir bei der " Aldi " - Filiale in Dierhagen einen 1 - Kilogramm - Träger mit Nektarinen eingekauft. Das Obst war mit 1,19 € so billig, dass ich mich gleich danach fragen musste, wer daran überhaupt noch Geld verdienen konnte. Doch: Es funktioniert offensichtlich. Die Nektarinen stammten aus Spanien und wurden dort auf einer dieser gigantischen Plantagen geerntet und zwar noch gar nicht reif. Damit ungenießbar. Als ich die Plasteschale am Netz öffnete, schauten mich 8 grün - gelbliche Exemplare an. Ich schnitt eine von ihnen mit einem kleineren Küchenmesser auf. Dann biss ich in eine Hälfte hinein. Dieses war ein Fehler, denn die steinharte Frucht war zudem noch sauer. Ungenießbar, eben!

Ich ließ die Nektarine enttäuscht in den Obstkorb fallen. Ein weiterer Fehler, wie sich einige Tage später herausstellen sollte.

Die Tage verflogen, wir mussten am Sonntagmorgen eilig zusammen packen, denn die Unterkunft sollte bis 10.00 Uhr übergeben werden und - du ahnst es nicht - die Putzfrau schlug bereits um 9.05 Uhr vor der Eingangstür auf. " Nein, wir sind noch längst nicht fertig!", antwortete ich ihr ein wenig ungehalten. An einem Sonntag eine Ferienwohnung zu säubern, das ist sicherlich kein Vergnügen. Deshalb hatte ich wenig Verständnis dafür, dass die Reinigungskraft früher beginnen und damit auch eher fertig werden wollte. Sie fuhr mit dem Fahrrad wieder ab, denn es gab ein weiteres Objekt, dass sie zu reinigen hatte.

So packten wir unsere Sachen eiligst zusammen und legten auch das Obst in einen Beutel. Die Nektarinen waren jetzt beinahe reif. Sie sahen gelb - rot aus, so, wie eine dieser wohl schmeckenden Früchte auszusehen hat. Die angeschnittenen Nektarine hatte jedoch auf der Oberfläche Schimmel gebildet. Als: Weg damit in den Abfalleimer. Ich wunderte mich dennoch, wie schnell die zuvor unreife Frucht plötzlich reif war. Ich konnte sie ohne große Kraftanstrengung eindrücken.

Heute Morgen schnitt ich von den verbliebenen Nektarinen eine weitere in mundgerechte Stücke und legte sie mit einer Rispe Weintrauben in Tupperware. Das Obstfrühstück nimmt meine bessere Hälfte täglich mit zur Arbeit. Reife Nektarinen vom " Aldi " zählen eher selten dazu, denn das dort angepriesene Obst ist zumeist noch grün oder auch halb reif. Damit nach dem Kauf längst noch nicht essbar.

Jetzt konnte ich mir auch einen Reim auf den Killerpreis von 1,19 € pro Kilogramm Nektarinen machen. Sie werden in Spanien im grünen Zustand gepflückt. Das erledigen Erntehelfer aus dem Ausland. Es sind überwiegend Afrikaner aus dem ärmsten der armen Staaten dieses Kontinents. Dann werden sie transportfähig verpackt und im unreifen Zustand auf die zirka 2.200 Kilometer lange Reise geschickt. Dort reifen die Früchte zwar weiter, dennoch sind sie noch längst nicht genießbar. Auch dann nicht, wenn der Transporter irgendwo in Deutschland, dieses Mal irgendwo im Nordosten von Mecklenburg - Vorpommern in einem Lager abgekarrt werden. Vielleicht einen oder zwei Tage später, gelangen die Früchte zu den " Aldi " - Filialen. Dort stehen sie dann in den Obstauslagen und warten auf Käufer.

Vor vielen Jahren war die Qualität der " Aldi " - Artikel nicht gerade umwerfend. Obst und Gemüse galten schon damals als eher nicht genießbar, weil steinhart, teilweise noch grün und von mäßiger Geschmacksqualität. " Aldi " war einst der unumstrittene Marktführer unter den Discountern. Das hat sich längst geändert. So musste der Gigant auf die zunehmende Konkurrenz reagieren und dreht kräftig an der Sortimentsschraube; womit die Waren qualitativ besser wurden.
Was allerdings auch an den größerer gewordenen Angebotsmarkt liegt. Die Lebensmittelindustrie und die industrielle Landwirtschaft hat sich seit jener Zeit nahezu komplett verändert. Hochkomplexe Anbautechniken und Herstellungsmethode, bei denen reinweg gar nichts dem Zufall überlassen wird, sind überall vorzufinden.

Hier wird aufgrund der enormen Produktionsmengen mit Eurocent oder sogar Bruchteilen davon kalkuliert. Die Masse macht den Preis und deshalb wird auch erklärlich, warum die Hersteller zwar wenig Geld für ihre Produkte erhalten, aber dennoch überleben können. Und auch die Supermarktketten erwirtschaften dadurch riesige Gewinne. Weil zudem unvorstellbare Mengen an Lebensmittel vernichtet und von den Konsumenten einfach entsorgt werden, sind die Umsätze sowohl auf der Hersteller - und Abnehmerseite in Milliarden zu bemessen.

In den 1980er Jahren, als diese Märkte noch überschaubar waren, als " Aldi " nur billig, aber nie gut war, war meine Schwester, die von Haus aus ein Geizkragen par excellence ist, ständiger " Aldi " - Kunde, obwohl sie - bereits verheiratet und gut situiert - sich aufgrund ihres Einkommens eine andere Liga hätte leisten können. Sie hatte aber zusammen mit ihrem Mann ein Haus bauen lassen, das noch nicht abbezahlt war. Also sparte sie an anderen Stellen. So auch bei den Lebensmitteln. Eines Tages besuchte ich sie in dem neuen Eigenheim. Sie bot mir " Aldi " - Schokolade an. Nun, ich kannte die dortige Billig - Hausmarke - sie war geschmacklich das allerletzte unter den Schokoladen, weil nicht nur billig, sondern zudem auch billig gemacht.
Meine Schwester indes war begeisterte. " Schmeckt astrein! ", frohlockte sie als sie mir die Tafel Billig - Schokolade in gebrochenen Stückchen auf ihrem Wohnzimmertisch anbot. Ich nahm aus Höflichkeit ein Stück und ließ mir dabei nichts anmerken. Dieses widerliche Zeugs. Ich hätte das Stück am liebsten sofort ausgespuckt.

" Schmeckt astrein! ", das Obst, die Nektarinen vom " Aldi "? Nein, denn dieses wird halb grün zum Verkauf angeboten.

In Zingst haben wir uns an einem Tag den Luxus geleistet und 2 Pfirsiche und 2 Nektarinen, die die Größe eines halben Dutzends " Aldi " - Früchte hatten, geleistet. Der Preis war mit 10 Euro astronomisch - die Qualität allerdings unsagbar.



" Schmeckt astrein! " - aber nur dort.


" Fred " und " Salvation Lady " - 1971:





 





Montag, 18. September 2017

Jana Hensel auf Abwegen?




Gestern war der 16.September. Ein überwiegend nahezu wolkenloser Tag. Ein Tag, um die Zeit  am Meer, dem Strand und in der warmen Herbstsonne zu verbringen, Noch ein letztes Mal in diesem Jahr, schaue ich auf die Ostsee, den Zingst und die den weißen Strand. Ich halte einige Eindrücke mit der Kamera des Smartphones fest. Einige Fotos davon werde ich vielleicht noch einstellen.
Vorgestern war Freitag. Der erste Tag nach dem Auftreten des Sturmtiefs " Sebastian ". Es war deshalb windiger als heute. Dennoch hatten wir einige sonnige Stunden am Strand.

Am Abend hatten wir uns Fischsuppe zubereitet. Als Besucher der Ostsee - Region ist diese Delikatesse eine absolutes Muss. Meine bessere Hälfte wollte den Tag noch an der Glotze ausklingen lassen. Ich verdrücke mich derweilen in die untere Etage des Ferienhauses. Während der HSV gegen den " kleineren " Bruder aus Hannover mit 0:2 den Kürzeren zog, zog sich meine bessere Hälfte " Riverboat " rein.

Ich halte von diesen Labersendungen schon längst nichts mehr. Dort dürfen sich selbst ernannte TV - Größen, irgendwelche Politiker und Vertreter der einst bildenden Künste selbst darstellen. Da jedes dritte Fernsehprogramm über ein solches Format verfügt, verläuft ein Freitagabend auf diesen Kanälen nahezu identisch öde ab.
" Riverboat " wird bekanntlich vom MDR gesendet. Die Ausgabe vom 15. September 2017 kam aus Leipzig. Eigentlich nichts besonderes, denn die dortigen Moderatorinnen sind genauso blass, wie die geladenen Gäste.

Charles Brauer war an jenem Freitagabend anwesend; die Allzweck - Spass - und Klamaukgröße Liefers auch und eine Schriftstellerin, die Jana Hensel heißt (https://de.wikipedia.org/wiki/Jana_Hensel ) . Wäre meine bessere Hälfte via Facebook nicht mit ihr zufällig " befreundet ", ich hätte diesen Namen nie gehört.  Jana Hänsel ist Jahrgang 1976. Sie wurde in Borna bei Leipzig geboren. 1989 war sie demnach zarte 13 Jahre alt. Sie verließ Borna und studierte später in Marseille, Berlin und Paris. Danach war sie in verschiedenen Bereichen der schreibenden Zunft tätig und veröffentlichte hierbei das Buch " Zonenkinder ", das sich mit der kulturellen Anpassung der DDR - Jugend an die westdeutsche Gesellschaft befasst.
Aus aktuellen Anlass durfte sie nun innerhalb der " Riverboat " - Sendung ihren ersten Roman, der den Titel " Keinland " trägt, kurz vorstellen.

https://www.amazon.de/Keinland-Ein-Liebesroman-Jana-Hensel-ebook/dp/B0748GRQ3S/ref=cm_cr_arp_d_product_top?ie=UTF8

Nun, ja, es gibt seit vielen Jahren viel zu viele Bücher, die von eben so vielen Verlagen regelmäßig auf den Markt geworfen werden und dort . vollkommen unbekannt schon nach sehr kurzer Zeit verschwinden. Zumeist eher unbeachtet. Der Drang, dass talentfreie Schriftsteller oder - noch schrecklicher - so genannte Prominente ihren Senf über das Leben und andere Ereignisse der weiter zur Leseunwilligkeit abdriftetenden Bevölkerung zum Fraß hinwerfen, ist ungebrochen groß.

Auch wenn Hensel eher zu den Professionellen mit größerer beruflicher Erfahrung und einem gewissen Erfolg in dem Genre zählenden dürfte, war ihr Debüt - Roman in dieser Sendung denn wohl eher Beiwerk. Wichtiger als jener " Liebes - Roman ", dürfte wohl ihre glühende Verehrung der Kanzlerin Angela Merkel gewesen sein; der sie sogar einen Brief schrieb, nachdem der Wahlkampfauftritt im finsteren brandenburgischen Örtchen Finsterwalde in einem Getöse von Gegnern unter gegangen war. Hensel saß dort mit ihrem minderjährigen Sohn und wartete zunächst im Regen auf ihre " Angie ".
Doch ein nicht gerade großes Häuflein Krakeeler vermieste die Propagandashow der Kanzlerin. Hensel war nicht gerade amüsiert und schrieb ihrer " Angie " einen Brief, auf den die Bundeskanzlerin sogar in einem Telefonat geantwortet haben soll. Da muss die innere Zuneigung wohl sehr groß gewesen sein.

Und so schließt sich der Kreis des unsäglichen Propaganda - und Verkaufsshow der Jana Hensel für die CDU und Angela Merkel wieder. Dank ihres öffentlich - rechtlichen Fernsehauftritts konnte sie ordentlich die Wahlwerbetrommel rühren und für Merkel auch in ihrer einstigen Heimat ein gutes Wort einlegen. Schließlich gibt es neben 25 % potenziellen AfD - Wählern, noch die Mehrheit von über 40 % CDU - Getreuen, die gemeinsam gegen die linke - wenn auch völlig zerstrittenen - Front von Rot - Rot zu kämpfen hat.

Nein, die " Pöbler " aus Finsterwalde waren nicht lieb und nett zu ihrer " Angie " und auch das " Hau ab " sowie die zum Einsatz gekommenen Trillerpfeifen haben etwas Unbotmäßiges an sich. In den Zeiten des totalen Aufschwungs, des " Weiter so Deutschland " und der sonstigen Skandale während der GroKo, die jedoch nur CDU/CSU - Hansel zu verantworten haben, gehört es sich nicht, seine eigene Meinung öffentlich kundzutun. Schon gar nicht, wenn Frau und Mann - längst ergraut und SGB II - Dauerempfänger - dieser CDU / CSU so viel zu verdanken haben.

Die Merkel - Lobhudel - Henseleien in der Sendung gingen denn wohl meiner besseren Hälfte gewaltig auf die Nerven. Sie schaltete die Glotze ab und ärgerte sich so sehr, dass sie zunächst nicht einschlafen konnte. Und dieses, trotzt des Strandaufenthalts.

Der Bericht über den Auftritt von Frau Hensel während des gemeinsamen Frühstücks weckte die Neugier in mir. Wer ist diese Jana Hensel? Was will diese Jana Hensel? Wohin geht diese Jana Hensel?

Während ich auf die schlafende Ostsee zwischen die Zingster Strandabschnitt 18 a und dem Horizont schaute, tippte ich auf dem elektronischen Wunderding herum und fand die Facebook - Seite der Schriftstellerin und mehr.

https://www.facebook.com/jana.hensel.37


Dort echauffierte sie sich, dass die " AfD - Pöbler " ihre " Amazon " - Seite " gekapert " hätten und dort herum " pöbeln ". " Häh? " AfDler "? Was ich dort las, war zwar zum größten Teil unqualifizierte " Rezis " zu dem Roman der Dame, aber von " Pöbeleien " war weit und breit nichts zu lesen. Gut, dass so mancher Kerl seinen Frust über das Buch der guten Jana ablassen musste, ist eher unter die Rubrik Alltagsgeschäft zu subsumieren. Aber: " Seite gekapert ", um einen so oft zitierten " Shit Storm " zu entfachen, das dürfte doch wohl völlig übertrieben sein.

So überlegte ich denn während des Lesens jener Einträge auf Madame Hensel´s Seiten folgendes:
Wer in einem Anflug von Vasallentreue des Merkel´s Politik in den Himmel hebt, den eigenen Sohn - obwohl völlig ahnungslos, weil zu jung - in sein krudes, politisches Weltbild mit einbeziehen möchte, dieses auch noch in einer öffentlich - rechtlichen Fernsehsendung abspult, muss sich später nicht wundern, dass es Gegenmeinungen gibt.
Hensel ist zu jung, um die politischen Abläufe nach ´89 zu verstehen; allerdings ist sie alt genug, um zu begreifen, dass das CDU - Wahlprogramm keines ist, denn Merkel ist kein Programm sondern eine Kanzlerkandidatin der CDU / CSU.
Das scheint die, von ihren einstigen Landsleuten im Osten so enttäuschte Romanschreiberin nicht verinnerlicht zu haben.

Jana Hensel auf Abwegen? Ja, weil sie hinter jeder Kritik einen AfD - Komplott vermutet. Doch, dieser Haufen ist nicht überall und nicht jede Gegenmeinung bedeutet, dass dahinter der rechte Wessi und/oder der braune Ossi steht.

Braun ist eine Farbe. Schwarz aber auch. Und beide Farben und Farbkombinationen bedeuten Rückschritt.


" Sesiones´Acidas ": " Tomorrow Never Knowes "
Album: " Espacio Negativo " - 2008:





Freitag, 15. September 2017

Koa Strandgebühren im Wangerland : Keine Strandbenutzungsabgaben überall?


Die chronisch klammen Städte und Kommunen sind permanent bemüht, irgendwie, irgendwann, irgendwoher neue Einnahmen zu generieren. So manche Gemeinde kommen dabei auf eher kuriose Ideen. Da wird beispielsweise eine Pferdesteuer erhoben, über eine Erhöhung der Grundsteuer sinniert oder die Neuinstallation von Blitzer diskutiert. Ob allerdings diese Einnahmequellen ausreichen, um die vielen Pleitestädte vor der drohenden Insolvenz gerettet werden können, dürfte zweifelhaft bleiben.
Nun sind zwei Gemeinden des Landkreises Wangerland in ihrem Drang, Gelder einzunehmen, von dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gebremst worden. Die beiden Kommunen hatten bislang für alle Besucher ihrer Strände einen Eintritt von 3 Euro pro Person am Tag verlangt. Dagegen klagte ein Bewohner eines Nachbardorfs. Die beiden untergeordneten Instanzen konnten keine Rechtsverletzungen des Klägers durch die kassierten Eintrittsgelder erkennen. Doch das Oberverwaltungsgericht Lüneburg ließ wegen der grundsätzlichen Bedeutung der zu entscheidenden Rechtssache die Revision zum Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zu.

Der dortige Senat entschied nun, dass die von den Gemeinden erlassenen Satzungen, auf die jene Erhebung von Eintrittsgelder für die Nutzung der dazu ausgewiesenen Strandabschnitte rechtswidrig und damit zum Teil nichtig sind.
Eigentlich müsste das Argument des couragierten Bewohners aus dem Nachbarort, wonach der Strand als Allgemeingut zu bewerten sei und deshalb kein reglementierter  Zugang in Form der Erhebung von Eintrittsgelder erfolgen dürfe, eigentlich schlüssig sein. Doch in den Zeiten wachsender Aufgaben bei schrumpfenden der stagnierenden kommunalen Kassen, wird dieses soziale Postulat der Verfassung schnell einmal zur Seite geschoben. Der ständigen Not gehorchend, Eurobeträge zur Deckung des Gemeindehaushalts einziehen zu müssen, greift so mancher Gemeinderat und verzweifelte Bürgermeister zu unlauteren Mitteln.
Nun denken die beteiligten Dorfvertreter öffentlich darüber nach, statt der Strandbenutzungsgebühren, die Parkplatzgebühren zu erhöhen oder die Reinigungsarbeiten auf diesem Strandabschnitt einzustellen. Selbst wenn die Kommune diesen Strandabschnitt nicht mehr reinigen würde, wiegt jene vermeintliche Einschränkung das grundgesetzliche Recht auf freien, unbeschränkte Zugang nicht auf. Ein Strandnutzer hat bereits beim Betreten dieser Flächen sauber bleiben, denn niemand spaziert gerne im eigenen Schmutz.

Die Frage, ob der Staat in seinem neo - liberalen Privatisierungswahn, auch den letzten Rest an Aufgaben kommerzialisieren darf, lautet nämlich eindeutig " Nein "!



Ein Sieg für den Kläger ?

Vielleicht! Die unterlegenen Gemeinden als Verlierer? Vielleicht! Eine Entscheidung der Vernuft? Ganz gewiss!



 

Donnerstag, 14. September 2017

Zingst weint

Nachdem der Hurrikan Katrina vor 12 Jahren nicht nur in New Orleans eine Spur der Verwüstung hinterließ, wurde von einem Jahrhundertsturm gesprochen. Als der Hurrikan Irma vor 12 Tagen vor den Küsten Floridas auftauchte, prognostizierten Fachleute,dass es der gewaltigste Orkan werden sollte,den die USA je erleben würden. Als vor 12 Stunden der Orkan Sebastian sich dem Nordwesten Europas erreichte, warnten viele Medien vor den hohen Windgeschwindigkeiten von bis zu 170 Km/h und zu erwarten den Schäden.
Herbststürme sind nichts besonderes. Sie kommen so regelmäßig wie der Herbstmarkt und die Herbstferien, in denen wir als Kinder regelmäßig selbst gebastelte, bunte Drachen in den dunklen, Wolken behangenen Himmel steigen ließen.
Jetzt wüteten also Irma in den USA und Sebastian in Deutschland. Bei solchen Windstärken kann kein Selbstbau - Drache aufsteigen.

Auch nicht hier oben im Nordosten des Landes Obwohl von dem Sturm zunächst nicht sehr viel zu spüren war. Nur der Himmel wurde dunkel. Es zogen Regenwolken auf. Bald danach schüttete es. Der stundenlang herunter prasselnde Regen brachte unseren Tagesplan durcheinander. Eigentlich wollten wir zum Strand radeln. Doch daraus wurde vorerst nichts. Der Himmel über Zingst weint. Immerhin haben wir keinen Orkan zu befürchten, der Verwüstungen und Schäden in astronomischen Höhen verursacht. Vielleicht können wir das Fahrrad, nach dem sich Orkan Sebastian verabschiedet hat, den Drahtesel wieder bewegen.
Bis dahin weint der Himmel über Zingst.


" Jane " und " Hightime For Crusaders " - ' Live At Home " 1976:



Dienstag, 12. September 2017

Die ARGE, das SGB, die Sozialgerichtsbarkeit. Ein Happy End?


Bis der Rechtsstaat richtig Recht spricht, muss der der Bürger damit rechnen, dass dieses oft sehr lange dauern kann. Um den Zeitraum zu überbrücken, ist es ab und zu ratsam, den Rechtsstaat mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Das geht aber nur, wenn der Verfahrensbeteiligte sich mit dem Recht auskennt. Hierbei mag manchmal auch das all wissende Internet eine gewisse - vielleicht auch kostenlose - Hilfestellung bieten.

Wenn ein ALG I - Antragsteller durch die beteiligte ARGE schlankweg über den berühmten Löffel balbiert wird, sollte er versuchen, den Weg des einfachen Widerstandes zu gehen.

Die ARGE München ist groß, chronisch überlastet und mit einer unfähigen Geschäftsführung versehen worden. Sicher sind die Führungskräfte mit Qualität in einem Bundesland, dass auf dem Papier mehrheitlich als wohlhabend einzustufen ist, als durchschnittlich gut bis besser bezahlt anzusehen. Doch ob sie damit auch besser, im Sinne von Qualität, zu betrachten wären, muss stark bezweifelt werden.

Die allmächtige Regierungspartei, die schwarze CSU, deren Tentakel sich von dem Wolkenschloss der Bayrischen Staatsregierung aus, bis in den Heuschober einer Hochalm ausgebreitet haben, ist nämlich der Garant für Filzokratie und Vetternwirtschaft. So werden Verwaltungsposten auch auf unteren bis mittleren Ebenen mit schwarzen Getreuen besetzt. Dieses geschieht in Form einer vollständigen Umsetzung des ' 80er Jahre Kampfslogans " Freiheit statt Sozialismus ". Dieses Angstszenario existiert in einigen Bereichen des politischen Lebens im Freistaates - wenn auch latent - fort.
In Kenntnis dessen, empfahl ich dem auf Leistungen von der ARGE in München Wartenden, sich nicht mehr bei Besuchen abbügeln zu lassen; keine Telefonate mehr zu führen und sich über inkompetente Sachbearbeiter zu ärgern.
Ich entwarf einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung und setzte damit die ARGE unter Druck.

Der Urlaub nahte, die ARGE zahlte nicht. Da hieß es, an das Eingemachte heran gehen und dabei hoffen, dass die ARGE sich bald rührt. So vergingen drei Wochen im Hohen Norden. Doch bei der Rückkehr lag die Überraschung in Form eines Beschlusses des Sozialgerichts und der ARGE im Briefkasten:
Der Antrag wurde zwar aus formalen Gründen abgelehnt, dennoch fertigte die ARGE einen ALG - Leistungsbescheid und zahlte. Für die Monate April bis Juli nachträglich; für August nachschüssig. Damit war der Rechtsfriede wieder hergestellt.
Merke also:
In diesem,unserem Lande, gibt es nichtsdestotrotz nach wie vor den ehernen Grundsatz, wonach Recht bekommen und Recht haben zwar zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Aber Recht haben und Recht durchsetzen ebenso. Doch Recht durchsetzen und Recht bekommen manchmal zusammen passen. Dann nämlich, wenn die Justiz wegen Überlastung einiger Rechtzweige den informellen Weg des Telefonats einschlägt. Deshalb gilt auch im schwarzen Bayern, wenn der Stillstand der Rechtspflege droht, sollte der mündige Bürger den Umweg der einstweiligen Anordnung wählen statt auf Gerechtigkeit zu warten.

Gut' s Nächtle mit:



" Blue Oyster Cult " :




Dierhagen Remminisenzen

Als wir fünf Jahren einen 2 1/2 wöchigen Urlaub in dem ehemaligen Fischerdorf Dierhagen begannen, war das Wetter herbstlich, das Ostseewasser erträglich und der Strand beinahe leer.
Eine ideale Konstellation, um die Seele baumeln zu lassen.
Fünf Jahre danach hat sich zwar vieles auf dieser Welt verändert, einiges im Leben geändert, aber nicht in Dierhagen. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Das Dorf sieht noch so aus, wie im Jahr 2012. Es gibt einen Edeka - Markt, visavis einen Aldi und ein Fischverkäufer, der gleichzeitig auch Imbiss ist.
Daneben sind einige kleine Geschäfte angesiedelt; nur die Schlecker - Filiale gibt es nicht mehr, der Schuppen hat bekanntlich Insolvenz anmelden müssen und wurde abgewickelt. Heute ist dort ein Friseur.

So spazierten wir in Richtung des einst gemieteten Quartiers. Das Haus stand noch. Es sah genau so aus, wie 2012. Die ungeputzte, mausgraue Fassade, die schmuddeligen Gardinen und der unbefestigte Einfahrtsbereich. Es versprüht immer noch den Charme der untergegangenen DDR. Auch die Holzhütte im hinteren Grundstückbereich war zu sehen. Alles also wie einst. Ein verregneter Sommer, der Mückenplagen mit sich brachte und hier, auf dem Darß, wohl zu vollen Unterkünften geführt hat, verabschiedet sich - so, wie 2012. Da konnte selbst die letzte Butze vermietet werden. Nun stehen viele Quartiere wieder leer.
Dierhagen hat sich auch hier nicht geändert. Heute haben wir bei " Phoenix " einen Bericht über die Ostsee - Region von im bis zur polnischen Seite gesehen. Der Tourismus boomt dort. Es wird viel gebaut. In diesen unsicheren Zeiten bleibt der Bundesmichel eher in heimischen Gefilden oder zumindest in der Nähe. Das ist gut für diese Region. Vielleicht wählen dann weniger die Hetzer von der AFD. Doch auch der vermeintliche Wirtschaftsaufschwung kommt nicht überall an. Das gilt auch für den Darß, das Sylt des Ostens. Immerhin gibt es in Dierhagen flächendeckend nur noch gebührenpflichtige Parkplätze. Das scheint eine Neuerung zu sein. Oder haben wir es vor 5 Jahren nur nicht mit bekommen, weil wir nur mit dem Fahrrad unterwegs waren?

Montag, 11. September 2017

RTL plus - die Mottenkiste der Nullerjahre ist geöffnet.

Alle Jahre wieder wird ein weiterer Fernsehsender gegründet. Einer, den kaum ein Glotzer kennt, geschweige denn braucht. Dieser dümpelt alsbald im Quoten - Nirwana herum und lobpreist jeden Tag, den er überlebt. Wer allerdings eine große Familie mit viel Geld hinter sich weiß, den quälen derartige Existenzängste eher nicht.
Als vor mehr als 3 Dekaden der Privatsender RTL plus dem BRD - Michel in dessen normiertes Wohnzimmer geschickt wurde, war die Begeisterung zunächst groß. Endlich eine Alternative zu der niederen ÖR - TV - Landschaft. Doch schon bald kehrte bei dem euphorisierten Zuschauer die große Ernüchterung ein. Statt gebührenfreier Feinkost, gab es biedere Supermarktware in Form von ausgelutschten US - Serien, Spielshows und ein wenig freier Unterhaltung a' la " Tutti Frutti " ( Hugo Egon Balder's Brüste - Zeigen am späten Sonntagabend, bevor der Malocher zu Bett ging ).

Nach einigen Jahren, geprägt von Quotenschwund, hausgemachten Skandälchen und weiteren Niveaurückgangs, entschlossen sich die Senderverantwortlichen, die Kölner Bunt - Verblödungsanstalt umzubenennen. Aus RTL plus wurde nun nur noch RTL.
Damit wurde das Niveau keineswegs angehoben. Auch das zweite Kölner Kind, Super RTL erbrachte keine Qualitätssicherung; ganz im Gegenteil. Das Programm war nicht nur nicht besser, sondern noch schwächer. RTL indes kleckerte nicht, sondern klotzte. Nämlich zwei weitere Sender aus dem Sumpf der cineastischen Belanglosigkeiten: RTL II und RTL nitro - Motto: Viel hilft viel! Während die drei Schwestern des RTL - Quartetts vor sich herdümpeln,entschlossen sich die Kölner Krawallmacher,das längst eingemottete Urtier der bunten  Verblödungsunterhaltung wieder zu reaktivieren. RTL plus wurde aus der Kiste ausgegraben. Mit diesem Programm gesellen sich seit dem viele alte Bekannte aus der goldenen Ära der Endneunziger und der Nullerjahre in das Wohnzimmer des Glotzers.

Mit der Auferstehung des Fossils aus der Urzeit des Privatfernsehens kommt es zu einem dejavu des RTL - Fans mit den vielen Protagonisten aus dem Gerichtsshow - Genre.
Als da wären: " Das Jugendgericht", " Das Strafgericht " sowie das " Familiengericht ". Auch die jetzt aus der Konserve hervor geholten Gerichtsshows werden diesen Sender nicht attraktiver werden lassen. Immerhin versprühen diese etwas mehr Lebensnähe als ihre aktuellen, programmfüllenden Nachfolger, denen der Realitätssinn vollends abhanden gekommen ist. Was dort als Billigware tagtäglich verramacht wird, war vor mehr als 1 1/2 Dekaden noch etwas kostspieliger, denn die Damen und Herren Kollegen waren echt. Auch die Zielrichtung,nämlich die dem Präkariat zuzuordnenden Zuschauer einen Spiegel vorzuhalten, damit sich diese dort zügig wiederfinden können, ist keine andere.





Donnerstag, 7. September 2017

Seebad Barth im Regen

 
 
Der 6. September war ein Regentag. Kein ideales Wetter, um das Velo zu quälen. Deshalb entschlossen wir uns für einen Abstecher per Auto zum Seebad BARTH, das meiner besseren Hälfte noch aus DDR - Zeiten bekannt ist.
Seitdem ist viel Ostseewasser in dem dortigen Bodden auf - und abgelaufen. Das einstige Fischerörtchen hat sich seit der so genannten Wende wirlich gemausert. Die typischen Backsteinbauten, kleine, schnuckelige Häuschen mit noch kleineren Räumen, engen Treppenhäusern und putzigen Fenstern, die mit Butzenscheiben bestückt sind, wurden größtenteils saniert. Weiterhin entstanden einige Neu - und noch mehr Umbauten, die gewerbliche Nutzflächen aufzeigen. Der allgegenwärtige Tourismus bestimmt längst das Bild des Ortes.
Wir gehen zum Hafen. Es nieselt.

Es nieselt auch, als wir die Gotikkirche betreten. Beim Verlassen des einstigen Fischerdorfs nieselt es immer noch. Dennoch hat sich der Besuch in Barth am Bodden gelohnt. Die Bewohner haben in den Jahren nach unserem letzten Aufenthalt viel Geld investiert, um das Örtchen herauszuputzen. Der Tourismus ist hier die oft einzige Einnahmequelle und bietet den Menschen die notwendigen Arbeitsplätze an.
Trotzdem hat das kleine Seebad nichts vom maritimen Flair verloren. Es ist nur viel bunter und sauberer geworden. Regen gibt es aber immer noch.



Mittwoch, 6. September 2017

Darßer Impressionen

 
Hmh, der Wetterbericht für Mecklenburg - Vorpommern verhieß heute Morgen nicht gerade ein Urlaubsvergnügen. Ginge es nach den Vorhersagen von NDR - Info müsste es längst regnen. Doch der Himmel weint nicht; er ist nur grau.
Ich höre die weiteren Nachrichten und sehe dabei leicht gespannt aus dem Küchenfenster. Ich trinke meinen Kaffee, lese im " SPIEGEL " und warte, warte auf den großen. Regen.
Dann endlich, nach unserem Frühstück kommt er, der Regen. Es schüttet wie aus Kübeln. Es gießt wie aus Kannen. Es plästert wie verrückt.
It rains cats and dogs, wie der Engländer sagt.
 
Der Sommer 2017 war so, wie ihn Millionen Urlauber an der See, der Ostsee oder der Nordsee in den Tagen, Wochen und Monaten erlebten. Ein verregneter Sommer mit zu vollen Stränden, Restaurants und Autobahnen. Die beiden erstgenannten Bedingungen kann ein Urlauber vielleicht noch stoisch ertragen. Das schlechte Wetter nicht.
 
 
 
 
 

Gottschalk und der deutsche TV - Glotzer: Eine unendliche Geschichte?

Nachdem am gestrigen Sonntagabend auf vier Kanälen der bundesdeutschen Fernsehlandschaft der SPD - Kanzlerkandidat Schulz und die Amtsinhaberin Merkel sich wegen der angeblichen " Flüchtlingskrise ",dem Despoten Erdogan und des grenzdebilen US - Präsidenten ein retorisches Techtelmechtel abgeliefert hatten, wurde ab kurz vor 22.00 Uhr in der Sabbelrunde bei Anne Will noch ein wenig nachgewaschen. Hierzu waren bekannte und inzwischen auf das Rangiergleis abgeschobene Köpfe geladen worden.

Der Glotzer konnte dabei auch die einstige TV-Alkzweckwaffe Thomas " Tommy " Gottschalk begaffen. Der Wahl - Kalifornier aus dem fernen Malibu, von dort zwar nicht auf Kosten des Zwangsgebühren - Geknechteten frisch eingeflogen, gab sich sichtlich Mühe,um seine eigene politische Präferenz nicht durchschimmern zu lassen, doch dieses gelang ihm nicht vollständig. " Uns Tommy " dürfte als Mehrfachmillionär von Welt " Mutti " - Fan sein.
Viel interessanter als diese nicht gerade umwerfende Erkenntnis war aber seine Einschätzung zu der Qualität des zum medialen " Schlagabtausch " hochstilisierten TV - Klamauks. Er erkannte hier, dass dieser so richtig keiner war.
Aha, diesen Eindruck hatte die Mehrzahl der Glotzer wohl auch, durfte dieses aber nicht direkt äußern.
" Tommy " ließ es sich dennoch nicht nehmen, dem einstigen Geldgeber dafür - im Nachgang - ein einen virtuellen Kinnhaken zu verpassen. Einer, wie er,der dem dem " Rentnerkanal " ZDF  jedes Jahr Traumquoten bescherte, darf dieses ungestraft tun.
Womit er widerspruchslos behauptete, der deutsche TV - Konsument, sei ein seltsames, weil nicht durchschaubares Wesen. Obwohl er versucht habe, diesem über sein, vor einigen Jahren doch kläglich gescheitertes Format einer besseren Klatsch - und Tratschsendung, ein wenig amerikanische Normalität in die Gute Stube zu bringen, habe dieses pädagogisch wichtige Ansinnen leider kaum ein Zuschauer verstanden. " Uns Tommy " musste - vollkommen frustriert " nach wenigen Wochen die Segel auf seiner Luxusyacht streichen und zitterte desillusioniert in Richtung Malibu ab.

Dann erschien er - augenscheinlich gmvin seinem Busenfreund aus gemeinsamen ÖR - Fernsehtagen getrieben - aus der Versenkung, um mit Jauch auf RTL für ordentliche Einschaltquoten zu sorgen. Doch so richtig glücklich und zufrieden war " Tommy " bei dem Bunt - Blöd -Sender aus Köln nicht. In der zusammen geschusterten Sendung hatte nicht er, sondern  der Wahl - Potsdamer " Günnex " das Sagen. Zwei Alphatiere in einer öden Sendung, deren Inhalt nur auf diese beiden Prominenten abgestimmt wurde - das funktioniert nicht. Zumindest nicht in Germany.

Deshalb ließ sich " Uns Tommy " in Anne 's After Show - Laberrunde zu jenem Seitenhieb hinreißen, mit dem er den Bundesdeutschen die Fähigkeit absprechen möchte, die Politik auch - wohl eher nur - als eine reine Show zu sehen.
Dieses sei aber das hoch gejazzte " Giganten - Duell " am Sonntagabend keineswegs gewesen. Es habe nicht die dazu erforderlichen Rahmenbedingungen gehabt. Merkel und Schulz seien zu sehr in einem Korsett ei gezwungen gewesen.

Vollkommen richtig erkannt, " Tommy  ". Doch, woher kommt diese Unart? Die veramerikanisierte TV - Sch...


Samstag, 2. September 2017

Fruchtfliegen



Es begann vor einigen Wochen, so Ende Juli. Ich hatte jeweils eine Plasteschale mit Aprikosen und Nektarinen vom " Netto " - Markt an der Tharandter Straße mitgebracht. Nichts besonders, eigentlich. Doch aus dieser 1 Kilogramm schweren Verpackung, in der sich gelblich - zart rosarote Früchte befanden, entwickelte sich eine wahre Fruchtfliegenplage.

Das Obst kam wohl aus Spanien. Es wurde wohl halb grün von irgendeiner der vielen, viel zu vielen Plantagen abgeerntet, dann verpackt und auf einem der Hunderttausenden von LKW verladen, die Woche für Woche die Straßen - vornehmlich die Autobahnen - Europas verstopfen. Wenn die Früchte aus dem mehr als 1.800 Kilometer entfernten spanischen Obstplantagen in die Lagerhallen des Discounters gelangen, sind sie beinahe reif, also essbar.

Die Schale mit den Nektarinen lag jedenfalls in meinem Einkaufswagen. Nachdem ich diese zusammen mit weiteren Artikeln nach hause geschleppt hatte, öffnete ich das, straff  über dem Plasteschälchen gespannte grüne Netz und schob die Früchte auf die Obstschale. Dort blieben sie einige Tage liegen, den genießbar waren die spanischen Früchte längst noch nicht.

Doch: Das Zuwarten war auch gleichzeitig ein Fehler. Unter den Früchten musste sich wohl eine leicht angestoßene Aprikose oder Nektarine befunden haben. Und diese verursachte schon bald eine wahre Fliegeninvasion. Nach nur einigen, wenigen Tagen, schwirrten Dutzende dieser nur wenige Millimeter großen Fliegen auf der Obstschale herum.

Mit jedem weiteren Tag wurden es mehr. Ich untersuchte die anderen Früchte auf der Schale und warf zwei oder drei weitere, angestoßene und leicht angefaulte Früchte in den Mülleimer. Doch diese Aktion kam offensichtlich zu spät. Binnen weniger Tage wurde unsere Küche von Hunderten Fruchtfliegen bevölkert.

Ich griff zu der Chemiekeule und versprühte Insektenspray Der Erfolg war nahezu Null,..
Statt weniger dieser nervigen , winzigen Plagegeister, wurden es immer mehr.
Ich überprüfte erneut die Obstschale und fand ein weiteres, angefaultes Stück Obst. Endlich hatte ich die wahre Ursache für die Fliegeninvasion gefunden und damit den störenden Hautflüglern den Garaus gemacht, denn ohne Nahrung kein Überleben.
 Aber, dieser Gedanke entpuppte sich als Irrweg.

Am folgenden Tag saßen Hunderte Fruchtfliegen an der Decke, den Wänden, den Fliesen. Selbst in der Spüle, im Ausguss, im Abfluss entdeckte ich diese ungebetenen Gäste des Sommers. Auch im Kühlschrank hatten sich einige Exemplare niedergelassen.

Ich verzweifelte. Was für Bekämpfungsmittel hatte ich noch?

Gestern bemerkte ich, dass sich die Invasionsarmee aus den fernen Ländern, nicht mehr bewegte. Sie zeigte keinerlei Aktionismus. Auch auf der Obstschale war keinerlei Bewegung zu verzeichnen. Als ich heute erneut an die Küchenwände schaute, saßen dort viele Fruchtfliegen. Ebenso an der weißen Decke und an den Fliesenspiegeln.
Ich holte den Spinnwebenbesen hinter dem Vorhang hervor und begann, die Wände damit abzukehren. Hunderte Fruchtfliegen fielen dabei auf die Möbel und den Fußboden.

Sie waren allesamt tot.

Meine Radikalkur hatte ihnen so zugesetzt, dass keine einzige dieser Fliegen diese überlebte.

Den Fruchtfliegen erging es so, wie es auch Menschen ergeht, die ohne Nahrung bleiben - sie sterben, wie die Fliegen!

Gut´s Nächtle mit:

Onkel Herb Alpert und " Spanish Flea ":



 und Van Halen -  " Spanish Fly ":







 


Drei Wetter Taft


Mitte der 1970er Jahre warnten verschiedene Umwelt - und Klimaforschungsinstitute vor den negativen Auswirkungen eines immer größer werdenden Ozonlochs in der Erdatmosphäre. Sie wurden zunächst von der Politik und den Medien dafür müde belächelt. 
Einige Jahre später hatten eben jene Ignoranten es endlich verinnerlicht, dass dieses beschriebene Ozonloch sich nicht nur kontinuierlich vergrößerte, sondern damit die UV - Belastung durch ungefilterte Sonnenstrahlen sich negativ auf den Menschen auswirken könnte. Alsbald wurde das in den Milliarden von Spraydosen enthaltenen FCKW verboten. 

Eine wahre Hysterie umgab die Industrienationen und führte dazu, dass die Politik, die Gesellschaft und der einzelne Konsument nun nur noch auf die Bewerbung mit " FCKW frei " zu achten habe. 

Gelobt sei das, was uns nicht vernichtet!

Das radikale Umdenken der Menschen, besser: der Industrie und Konsum orientierter Erdenbewohner, hat dazu geführt, dass diese, unsere, Erde sich selbst repariert hat, denn das gefährliche Ozonloch schließt sich langsam wieder. Trotzdem wird regelmäßig davor gewarnt, dass - eine ohne aufgetragene Sonnenmilch mit dem Schutzfaktor von 30 an aufwärts - blasse Haut, nicht der direkten Einwirkung des Himmelskörpers ausgesetzt  werden soll.

Obwohl die unzähligen Sprays längst FCKW frei sind, bedeutet dieses noch lange nicht, dass sie inzwischen völlig ungefährlich und umweltfreundlich geworden sind. Ganz im Gegenteil. Die Milliarden Sprays enthalten, jene Dose für sich, Treibgase, die zum Teil aus Butan, Propan oder Dimethyleter oder einer Kombination aus allen Elementen / Gasen bestehen. 


https://de.wikipedia.org/wiki/Sprühdose


Eine entleerte Sprüh - oder Spraydose für sich bedeutet indes keine Gefahr für Mensch und Lebewesen. Doch es soll ja unter diesen Erdenbewohnern auch eine Vielzahl von unvorsichtigen Menschen geben, die es nicht so genau mit dem Abschätzen und Einstufen von Gefahren nehmen.

Da gab es vor genau drei Wochen im sächsischen Örtchen Weinböhla in einem Einfamilienhaus an der dortigen Rathausstraße in den Morgenstunden einen Riesenknall. Die Wände der Nachbarhäuser erzitterten, die Scheiben bebten und die Konstruktion des Fachwerkhauses zerbarst.

Was war geschehen?

Nun, die Feuerwehr, der THW und die herbei geeilte Polizei, sie alle rätselten zunächst.

Dann kam der Grund dieses Infernos alsbald durch einen Sachverständigen an das matte Tageslicht jenes Augustsamstags. 
Eine 55jährige Bewohnerin hatte in ihrem Zimmer eine Vielzahl von Sprays oder Sprühdosen gelagert, die sie zwecks kosmetischen Korrekturen ihres dahin welkenden Outfits regelmäßig nutzte. 

Und so stellten die Einsatzkräfte und die Ermittlungsbehörden vor Ort fest:

Ausgangspunkt der Explosion war demnach ein Zimmer im Obergeschoss. In diesem befand sich eine Küchenzeile mit Waschtisch, auf welchem zahlreiche Spraydosen standen. Die 55-Jährige hatte unmittelbar vor der Explosion diese Sprays genutzt. Das entstandene Gas-Luft-Gemisch hatte sich dabei in dem Raum ausgebreitet und entzündet. Die genaue Zündquelle ist derzeit noch unklar. In Frage kommt insbesondere ein Warmwasserboiler, der sich ebenfalls in dem Raum befand.
Die Dresdner Polizei ermittelt nun wegen des fahrlässigen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion.   "

Aha, es waren also Sprays, die das Haus zum Einsturz brachten.

Doch: Wer benötigt derartig viele Sprühdosen mit Chemikalien zum Aufpimpen des eigenen Outfits? Tja, die Grundreinigung mittels Wasser und Seife ist dem Normalo inzwischen abhanden gekommen, weil die Verblödungswerbung diesem einhämmert, er / sie benötige mehr als nur jene zwei Hygienekomponenten. 

So lässt sich nach dem Grundsatz: " Viel hilft oft viel ", denn auch eigener Gestank leicht übertünchen. Und weil es dann auch noch für eine " perfekte " Frisur jede Menge Sprühmittelchen gibt, die die Haare betonartig an dem Schädel kleben lassen, benötigt so manche Dame ( ob nun verblühend oder nicht ) eine Reihe dieser Stoffe, damit sie die erforderliche  Alltagstauglichkeit vorweisen kann. 

So hat es die ältere Dame dann eher zu gut gemeint; mit der Umsetzung des Werbeslogan der Firma Schwarzkopf :





Aja, so sieht es also aus, wenn - nur -  die Damen ihre Frisuren in Form bringen. Bei den Kerlen ist das nicht mehr nötig, denn der Fast Food - Fraß hat ihnen die natürliche Kopfbedeckung ab Mitte Zwanzig geraubt.



Und deshalb hat auch " Donald Duck " Trump sein Haarpflege - Geheimnis gelüftet:





Manchmal kann auch Haarspray - falsch angewendet - zu einer hoch explosiven Mischung werden:


" Asik Veysel - Mogollar " : " Sen varsin orda ":




Freitag, 1. September 2017

" H ", wie Huntington



Der US - Bundesstaat West Virginia ist mit seinen knapp 63.000 Km² Fläche und 1, 83 Millionen Einwohnern, eher einer der kleineren Staaten. In der Hauptstadt Charleston leben zirka 52.000 Einwohner; die dortige Region umfasst derer um die 308.000. Zu den weiteren , größeren Städten zählen Partersburg, Morgantown, Wheeling und auch Hutington.

https://de.wikipedia.org/wiki/West_Virginia


Huntington, ein Stadt mit etwas mehr als 49.000 Einwohnern, liegt geographisch am Schnittpunkt zu den Grenzen der Bundesstaaten Ohio und Kentucky. Die Stadt verzeichnete einst, ab den 1950er Jahren, durch den dortigen Kohleabbau, durch Unternehmen der Chemischen - und Stahlindustrie sowie auch der Bahn als Transportmedium einen Boom, der allerdings in den 1980ern beendet war.

https://de.wikipedia.org/wiki/Huntington_(West_Virginia)

Huntington gilt jedoch seit einigen Jahren als Synonym für den - nicht nur - wirtschaftlichen Verfall, sondern auch den Drogenmissbrauch in den USA. Von den etwa 49.000 Einwohner werden mehr als 10.000 Menschen als Konsumenten von Heroin und weiterer Opioide gezählt.
Huntington, eine eher unbedeutende Stadt, eines ebenso unbedeutenden Bundesstaates, als
Hochburg des US - Drogensumpfes?

" DER SPIEGEL " berichtete mehrfach über die Drogen - Metropole Nummer Eins. Zuletzt in seiner Ausgabe 33 / 2017, auf den Seiten 46 ff. Unter dem Titel " United States of Heroin " befasst sich der Bericht vor allem mit dem nicht unbekannten Drogenproblemen einer komplexen, kapitalistischen Industriegesellschaft. In dieser geht es vornehmlich um die Frage der Erfüllung von Zwängen, die durch sie und ihre Exponenten formuliert sind. Wohlstand, Reichtum und gekaufte oder erkaufte Gesundheit einerseits, stehen im reziproken Verhältnis zu der Realität auf der Kehrseite der Medaille, die dann heißen muss: Armut.

Irgendwo dazwischen liegen die Drogenprobleme. Das Leben mit Suchtmitteln und der dadurch, von der Gesellschaft und dem Individuum billigend in Kauf genommene, schleichende Tod. Drogensucht ist indes längst kein Phänomen der Unterschicht oder der Arbeiterklasse, sondern sie schnürt die Gesamtgesellschaft zu einem Paket zusammen. Ob arme Bürger oder reiche Menschen, die Sucht macht davor nicht Halt.

In dem US - Städtchen Huntington allerdings, ist eine neue Qualität von Drogensucht entstanden. Die Opioidesucht von Massen. In dem Artikel wird versucht, eine Chronologie des Verfalls jenes Städtchens aufzuarbeiten. Es soll mit verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln begonnen haben, die eine ähnliche Wirkung wie Heroin aufweisen.

Es soll in den 1990er jahren begonnen haben, als opioidhaltige Schmerzmittel von Ärzten nach Operationen verschrieben wurden. Zunächst nur nach schweren Eingriffen. Ab den Nullerjahren lockerte sich die Verschreibungsmodalität. Zunehmend erhielten auch Patienten nach kleineren Eingriffen diese opiathaltigen Medikamente. Es entstand eine gewisse Abhängigkeit von einstigen Patienten. Zunehmend stiegen dann inzwischen Tablettenabhängige auf das wesentlich billigere Heroin um. Es entstand einer immer größerer Drogenmarkt, der alsbald unkontrollierbar wurde, weil er zunehmend auch Einwohner aus der weißen Mittelschicht umfasste.

Huntington verkam zu einer Drogenmetropole. Die Nachfrage dort, sie zog Tausende von Dealern und Kleindealern heran, die ein schnelles Geschäft witterten oder die hierdurch ihren so genannten Eigenkonsum zu decken gedenken.  Die Stadt wurde der Suchtentwicklung nicht mehr Herr. Die Verwaltung musste fast kapitulieren. Was jetzt an Aktivitäten in Huntington zu verzeichnen ist, kratzt an dem Suchtproblem allenfalls die Oberfläche ab.

In ihrer Verzweiflung stellten Verantwortliche ein Bild eines an einer Überdosis Heroin verstorbenen Paars in einem PKW, auf dessen Rückbank ein Kleinkind sitzt, ins Netz ein. Was soll das? Abschreckung bewirken?

Die Heroinabhängigkeit ist längst keine gesellschaftliche Erscheinung mehr, von der nur die Abgehängten, die Unterschicht, das Prekariat betroffen ist oder ein Teil des Musik - und Kunstgenre zu kämpfen hat, so, wie einst Janis Joplin, Keith Richards oder Kurt Cobain; Heroin hat dort die Mitte der amerikanischen Bevölkerung erreicht. Und aus diesem Sumpf gibt es in der Regel kein Entrinnen.
Da ist die Sängerin Amy Winehouse nur eines von unzähligen Opfern.

" H "

aitch/eɪt͡ʃ/

bedeutete einst in der Szenesprache Heroin und damit den Weg in den Tod. Nur wenige haben es geschafft, diesen Absturz, den körperlichen und psychischen Verfall, gepaart mit stigmatisierender Beschaffungskriminalität zu verlassen und eine Umkehr zu vollziehen. Aus 
" H " - Huntington werden es auch nur sehr wenige Bürger sein. 

" Steppenwolf " und der Klassiker " The Pusher " - 1969:


Donnerstag, 31. August 2017

Abschied vom Sommer oder: Was hast du am 31.August 1990 gemacht? - Ergänzung



Während der Himmel draußen weint, so, wie er es vor exakt 27 Jahren, an jenem 31. August 1990 auch getan hat, erinnere ich mich noch vage an die beiden Fahrten von Bremen nach Hankensbüttel und zurück.

Zunächst fuhren wir von der Waterloostraße in Bremen nach Bremen Obervielland.
Dort wurden zwei Zossen auf den Anhänger des befreundeten Paars geladen. Den PKW, einen uralten Mercedes 220 D mit Hängerkupplung, stellten die Eltern der Bekannten Christine H. zur Verfügung. Christine wohnte noch bei ihren Eltern, die ein kleines Einfamilienhaus in Bremen - Huchting erworben hatten. Christine war Einzelkind und wurde natürlich voll umfänglich umsorgt.

Ihre Eltern waren schon etwas älter als sie geboren wurde. Heute nennt die Sozialwissenschaft dieses wohl Spätgebärende. Christen war knapp über 20 Jahre alt, absolvierte eine Ausbildung und hatte selbst eine Fahrerlaubnis. Ihr Vater arbeitete in den letzten Jahren vor der Rente in einer Bremer Exportfirma; ihre Mutter war selbständig und betrieb in Delmenhorst einen winzigen Handarbeitsladen.
Wohlhabend waren die Eltern nicht, aber sie ließen es zu, dass ihre Tochter das sündhaft teure Freizeitvergnügen, den Reitsport, betrieb. Christine interessierte sich jedoch eher für das Geländereiten und Westernreiten und deshalb schlug sie sofort zu, als ihr der Kurzurlaub in der Heide angeboten wurde.

Nun, so fuhren wir vom Reiterhof Behrends in den frühen Morgenstunden in Richtung Achim los. Über Morsum, Blender und Verden, führte uns die Strecke in Richtung Walsrode. Auf der Landstraße 160 gelangten wir nach Kirchboitzen. Von dort verläuft die Bundesstraße 209 schnurgerade nach Walsrode. Über Westenholz, Ostenholz und Hartmannshausen gelangten wir dann auf die B 3 in Richtung Celle. Von dort über die L 282 nach Hankensbüttel. Nach zirka 3 Stunden war die Fahr beendet.

Dort verabschiedeten wir uns von Christine´s Eltern, die mit dem betagten Mercedes die Rückreise über die selben Strecke antraten. Eine Woche später holten sie bei strömenden Regen den Pferdeanhänger wieder ab. Dazwischen verbrachten wir ein paar heiße Sommertage in Hankensbüttel.

Auch wenn mein Vorschlag, das KZ in Bergen - Belsen aufzusuchen kein Gehör fand ( O - Ton meiner Ex. 2 das stinkt da!" ), konnte ich mich wenigstens mit dem Besuch der alten Hansestadt Salzwedel ( Einwand meiner Ex: " Das stinkt da! " ) durchsetzen. Zurück blieb bei mir indes auch die Erkenntnis, dass die künftige Generation der 1960er dann wohl eher eine andere Erziehung erhalten haben musste, denn die Kochkünste maßen sich eher bescheiden an, die Einstellung zu der Grundhygiene war sehr überschaubar und die Tatsache, dass Einzelkinder  und so genannte Nesthäkchen nicht unbedingt zur Selbständigkeit erzogen wurden, überwog in diesen heißen Augusttagen, im Sommer 1990 in der Südheide, dort, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen und Hornissen unser gemütlichen, abendliches Beisammensein störten.

Das ist nun schon sehr lange her, so lange, dass es mir erst jetzt wieder einfiel.


" Steamhammer " und " Autumn Song " -  1969:









https://www.viamichelin.de/web/Routenplaner?departure=%20Bremen&arrival=Hankensbüttel&arrivalId=31M2R2cTEwY05USXVOek13TmpRPWNNVEF1TmpBeU5EWT0=&index=0&vehicle=0&type=0&distance=km&currency=EUR&highway=false&toll=false&vignette=false&orc=false&crossing=true&caravan=false&car=hatchback&fuel=petrol&fuelCost=1.36&allowance=0&corridor=&departureDate=&arrivalDate=

Mittwoch, 30. August 2017

Abschied vom Sommer oder: Was hast du am 31.August 1990 gemacht?



Heute war es noch einmal richtig knackig heiß. So um die 28° C. Das soll sich angeblich am Donnerstag wieder ändern. Und auch danach, wenn ab Freitag der meteorologische Herbstanfang eingeläutet wird. So ähnlich zeigte sich das Wetter auch vor 27 Jahre. In der letzten Augustwochen des Jahres 1990.

Das neue Jahrzehnt war 8 Monate alt. " Wir " waren wiedervereinigt, Fußballweltmeister bei der WM in Italien geworden und auch sonst guter Dinge, dass wir, wir die Gesamtdeutschen es der übrigen Welt weiterhin zeigen werden.

Ich versuchte mich in diesem Jahr als Einzelanwalt in einem Büro in der Hastedter Heerstraße in Bremen. Und in jenem August mit einem Kurzurlaub vom 25. 08,  bis 01. 09. 1990 in einem kleinen Nest in der Heide, das Hankensbüttel heißt. Dort hatten wir für relativ wenig Geld ein Ferienholzhaus gemietet. Dort verbrachten wir genau eine Woche. Und die war bereits am Samstag, den 25. August sehr heiß. Es herrschten Außentemperaturen von mehr als 30 ° C. Die Nächte waren tropisch warm. An einen entspannten Schlaf war nicht zu denken.

Während wir abends bis Mitternacht noch ohne weiteres auf der Holzveranda sitzen konnten, die Lampen von Nachtfaltern sowie Hornissen um schwirrt wurden und die vielen Hofkatzen um ihre Milch bettelten, spielten der Bekannte und ich gegen einen Schachcomputer, den ich zuvor für viel Geld bei einem Fachhändler für Büroartikel gekauft hatte. Der Computer gewann ständig. Wir waren frustriert und gaben, bevor die vier Batterien im Inneren des Wunderdings ihren Geist aufgaben, selbst auf. Wir waren einfach zu schlecht.

Der heiße Sommerausklang 1990 endete abrupt am Samstag, den 01. September. Über Nacht zog eine Kaltfront mit Regen über den Teil Niedersachsens und Norddeutschlands und beendete nicht nur meinen Kurzurlaub, sondern auch den Sommer 1990.
Wir fuhren im strömenden Regen zurück nach Bremen. Danach wurde es nie wieder richtig warm.

Zurück blieben in meinem Gedächtnis, eine Fahrt nach Salzwedel über die einstige innerdeutsche, die so genannte Zonengrenze. Salzwedel gehörte bereits zum Bundesland Sachsen - Anhalt. Zurück blieb eine Erinnerung an einen unbesiegbaren Schachcomputer, einen frustrierten Bekannten mit Namen Norbert.

Was hast du in der letzten Augustwoche des Jahres 1990 gemacht? Schach gespielt und mich auf das Gebiet der ehemaligen DDR begeben. Und....? Ja, da war noch etwas...




Gut´s Nächtle mit;

" ID " und " Sunrise " - 1976 - Album: " Where Are We going Year ":




Aber, wie war das noch gleich mit dem Worl Wide Web oder Internet?

Ach, ja 1990 hieß es da:



Nun, ja, dann kann ich diesen Titel aus dem Internet nicht oder hätte ihn nie einstellen können:

" Terraplane " - " Into The Unknown " - 2006:





HARTZ, aber herzlich oder HARTZ: Hart, härter, am härtesten?



Der Ableger des ab Mitte der 1980er Jahre auf Empfang gegangenen Privatsenders RTL (plus ), mit dem sinnigen Namen RTL, versucht sich ab 1993 auf dem heiß umkämpften bundesdeutschen Fernsehmarkt bei dem Erreichen einer ordentlichen, weil Umsatz - und Werbeeinnahmen bringenden Zuschauerakzeptanz, die im Fachchinesisch auch Quote bezeichnet wird.
Das gelingt seit Jahren immer öfter nicht.

Nun hat sich das bunte Krawallo - Kind eigentlich von seiner Mutti, dem Flaggschiff aus Köln, nie richtig abnabeln können. Dieses zeigt sich nicht nur in elenden Wiederholungen irgendwelcher Serien, die vor Jahren schon in Mamis guter Stube abgekupfert aus den USA, dem Glotzer gehörig auf die Nerven gingen, sondern vor allem durch hirnrissige Doko - oder Realitysoaps, wie " Berlin Tag & Nacht ", die " Geissens " und " Köln 50667 ". Hier präsentieren Unterschichtsmodelle nicht immer die neuste, aber dafür Mode, die Methodik, ohne Maloche den 24 - Stunden - Tag herum zu bekommen oder auch intellektuelle Tiefflüge vor der laufenden Kamera so in einen Werbeblock zu verpacken, dass selbst das letzte, zurück geblieben RTL II - Eichhörnchen nicht vom Ast kippt und das Blödsinnsprogramm wegzappt, sondern die Chipstüte weiter aufreißt. 
Zu dem Versuch, auch sozialkritische Elemente in den Tuschkasten der grellen Programmfarben einzupflegen, zählte gestern der als " aufwendig produzierte " Nonsens " Hartz, aber herzlich ", der an diesem Tag zu Gast in Duisburg war. Genauer gesagt, die RTLer kramten in einem Areal herum, dass vor Jahrzehnten noch zu Duisburgs Vorzeige - Stadtteilen zählte. Die Eisenbahnsiedlung beherbergt noch zirka 1.300 Bewohner. Davon ist die Mehrzahl nicht oder nicht mehr erwerbstätig. Demnach zehren viele Menschen von staatlichen Zuwendungen, als Sozialtransfers. Exakter formuliert: Es sind HARTZER.
Die Einkommen liegen somit weit unterhalb der statistischen Einkommensgrenze. Dieses wird sodann in den gezeigten Fällen überaus deutlich. Wer sich vor der RTL II - Kamera und dem abgestellten Team in dieser pseudo - sozialkritischen Dokumentation tummelt, zählt zu den Abgehängten in diesem, unserem, Lande.

Was allerdings nicht bedeutet, dass diese Ruhrpöttler nicht auch einen bestimmten Charme versprühen. Ob nun alt oder junge, dick oder übergewichtig, mit oder ohne Berufs - und Schulabschluss, sie alle zeichnen einen Querschnitt dieses Problemviertels. Einst glänzte es dort, denn die ehemaligen Eisenbahnler verdienten in den Fabriken und auf den Zechen sehr gut. Das ist indes sehr lange her. Was geblieben sein dürfte, nennt sich Vergangenheit und daraus eine permanente Verklärung der rosarot gezeichneten alten Zeiten.

Nun muss der Alltag ohne großen Inhalt bewältigt werden. Das fällt nur allzu oft schwer, denn ohne Geld, hat dieses Leben seine sehr engen Grenzen. Duisburg, Eisenbahnsiedlung im Jahr 2017: das ist Leben am Rande der Stadt, am Rande der Gesellschaft und am Rande eines menschenwürdigen Daseins - für immer?

Wenn RTL II sich einer solchen Thematik annimmt, dann nicht ohne eine feste Absicht. Diese nennt sich auch mit den Armen Geld verdienen. Über die Ursachen erfährt der Zuschauer selbstverständlich nichts oder nicht viel. Schließlich ist der Sender selbst ein funktionierendes Rädchen im perfiden kapitalistischen System, dass sich zwar Soziale Marktwirtschaft schimpft, jedoch längst zum Spielball der Globalisierung geworden ist. RTL II ist kein Fürsprecher der HARTZER. Ganz im Gegenteil: Er profitiert von ihnen.
HARTZ IV ist kein Almosen des Staates, sondern ein notwendiges Übel, dass in die Welt gesetzt wurde, um den immanenten Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit zu verkleistern.

Das Leben mit HARTZ IV - Leistungen ist hart, noch härter sind die damit verbundenen Ausgrenzungen und die Vernichtung des Selbstwertgefühls, am aller Härtesten ist jedoch die Verlogenheit der Politik, die dieses entwürdigende Dahinvegetieren von Menschen in unserem Staat nicht durch die Gewährung eines ausreichenden Grundeinkommens unterbindet.


" Rare Earth " - Live 1974 und " Thoughts ":









Dienstag, 29. August 2017

Das Kunstwerk, der Landgerichtspräsident, die Räumungsklage.


Es ist mittlerweile 30 Jahre her, als im August ein kleiner, nicht mehr ganz so junger Mann, in der damaligen Kanzlei meines Kollegen und mir aufschlug. Er legte mir einen wild durcheinander gebrachten Stapel Papier auf den IKEA - Schreibtisch und bat mich, diese Dokumente einmal durchzusehen. Da eine Systematik nicht zu erkennen war, lies ich ihn zunächst eine Vollmacht unterschreiben und vereinbarte mit ihm einen Termin für den folgenden Nachmittag.

Ich legte den muffig riechenden Papierstapel auf die andere Seite des Schreibtisches und holte später einen,der typischen, blauen DIN A 4 - Hefter aus einem Stapel hervor, in dem ich die Unterlagen hinein legte.

Am folgenden Tag suchte ich die überreichten Schriftstücke wieder aus dem Hefter und begann diese Seite für Seite zu lesen und zu ordnen. Was mir darin zur Kenntnis gegeben wurde, hörte sich nicht gut an. Es war die Rede von einem gekündigten Mietvertrag, Mietrückständen und sogar einer Räumungsklage. Keine guten Vorzeichen für einen Rechtsanwalt und sein Bestreben durch einen gewonnen Prozess nicht nur Knete auf das Konto zu bekommen, sondern auch der Gerechtigkeit als praktizierenden Organ der Rechtspflege gedient zu haben.

In dem Papier - Chaos wurde es langsam lichter und ich hoffte, das dieser Kuddelmuddel nicht nur endlich beendet werden könnte, sondern nicht mehr schlimmere Schreiben in sich verbergen würde. Doch die Hoffnung trog mich. Es wurde wesentlich schlimmer, denn eine Zwangsräumung stand an, weil der Mandant G. durch das Amtsgericht Bremen ein Versäumnisurteil erhalten hatte, dass inzwischen längst rechtskräftig war. Der Vermieter ließ über eine piekfeine Bremer Kanzlei irgendwo in der Innenstadt, dort, wo die Monatsmieten zu hoch waren, wie ein Jahresumsatz unseres Büros, aus dem VU ( Versäumnisurteil ) die Zwangsvollstreckung betreiben.

Der zuständige Gerichtsvollzieher hatte längst einen Räumungstermin festgelegt. Aber auch das Amt für Soziale Dienste, das in solchen Fällen obligatorisch benachrichtigt wurde, hatte G. zu einem Gespräch geladen. Er erschien nicht. Er gab auch keine Schlüssel bei dem Gerichtsvollzieher ab. Er legte die Hände in seine schmuddelige Pluderhose und behauptete steif und fest, er habe so etwas wie Räumungsschutz.

Doch diesen hätte er beantragen müssen und zwar bei dem zuständigen Amtsgericht - Abteilung Mietsachen - ( so hieß es damals noch ).  G. indes war untätig. Er blieb untätig. Er nervte wegen seiner Untätigkeit. Der Räumungstermin stand fest. Er sollte in der darauf folgenden Woche stattfinden.

Es war damit zu spät, es war vorbei, bye, bye, Augustmond!

Ich versuchte G. die Situation zu erklären, ihm die rechtliche Seite plausibel zu machen. Er verstand wohl nur Bahnhof, denn G. hatte einen Dachschaden. Bei ihm fuhr der Fahrstuhl nicht ganz nach oben, Eigentlich hätte G. einen Betreuer zur Seite gestellt bekommen müssen. Er hätte vielleicht nach Bremen - Ost in die Geschlossene gemusst. Oder zumindest in das Betreute Wohnen für psychisch Kranke. Doch G. wohnte noch und lebte im Viertel - im Bremer Steintor.

Dort, wo sich die Multi - Kulti - Szene, der Bremer Kiez, die hanseatische Subkultur ballte. G. gehörte da eigentlich nicht hin, denn G. war krank.

Ich gab G. die Unterlagen wieder und erklärte ihm, dass ich in dieser Rechtssache nichts mehr für ihn tun könne. Das war´s! G. verließ das schmuddelige Büro in der Brunnenstraße 5 und ward seit jenem Tag nicht mehr von mir gesehen.

Einige Tage später erhielt ich kurz vor 18.00 Uhr einen Anruf von dem Landgerichtspräsidenten C., der mich wegen des Räumungsverfahrens von G. befragte. C. war Sozialdemokrat durch und durch. Er war Gewerkschaftler durch und durch. Er war ein sozialer, gewerkschaftlich tätiger Sozialdemokrat, wie es sie vormals zuhauf in Bremen gab. Die schwarzen Kritiker der CDU nannten diese Konstellation SPD - Filzokratie. Da war ein Fünkchen Wahrheit enthalten, wenn der Pygmäen - Stamm mit Namen Bremer CDU, diesen Realzustand geißelte. Aber, die andere Seite der Medaille waren solche Filzokraten, wie Henning Scherf, Landgerichtspräsident C. oder ähnliche Bremer. Es waren allesamt soziale Sozialdemokraten, die es damals noch vielfach gab.

Also, der Präsident am Landgericht C. rief mich so kurz vor 18.00 Uhr in meinem Büro an und wollte von mir wissen, ob in der Rechtssache des G. alle Möglichkeiten ausgeschöpft worden seien. " Ja! " ( § ), antwortete ich ihm ein wenig respektvoll, denn immerhin rief C. in seiner Funktion als Landgerichtspräsident an. Wann geschieht dieses schon? Eher dann, wenn ein Richter irgendwelche Hauptverhandlungstermine absprechen wollte. Also Richter C. wollte dann noch von mir wissen, ob ich wüsste, dass sich in der Wohnung von G. ein Kunstwerk befände. Ein Kunstwerk? Was für ein Kunstwerk? " Nein! ", antwortete ich dem Landgerichtspräsidenten, " Von einem Kunstwerk weiß ich nichts! "

" Na, gut, dann kann man da nichts mehr machen!", entgegnete er mir am Telefon und legte mit einem freundlichen " Auf Wiedersehen " auf.

G. wurde wohl am Tag danach geräumt. Der Gerichtsvollzieher hatte dabei das große Besteck aufgelegt. Ich erkannte dieses aus dem Räumungsprotokoll, dass ich bei der noch vorgenommenen Akteneinsicht lesen durfte. G. war also geräumt, doch sein Leben war damit nicht geordneter. Er wurde in ein Obdachlosenheim oder eine so genannte Unterkunft für Wohnungslose untergebracht. Dann verlief sich seine Spur im sozialen Dunkel einer Großstadt, die - wie heute durch angeblich zutreffende statistische Erhebungen - immer noch das höchste Armutsrisiko bundesweit in sich birgt.

Bremen ist arm, Berlin ist arm und sexy, Bayern ist überwiegend reich. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass dort keine geistig Verwirrten mit einem Kunstwerk in der Wohnung leben.

Gut´s Nächtle mit:

§ Julie " Jules " Driscoll and Brain Auger´s Trinity : " This Wheels On Fire " - 1968
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