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Donnerstag, 31. Dezember 2015

Jahreswechsel 1976 / 77 mit " 801 ", der Steve Miller Band, und Roxy Music - bis Frank Zappa´s " Zoot Allures " erklang.



Ein Eisgrauer hat bereits viele Jahreswechsel hinter sich gebracht. Die Mehrzahl von diesen, möglicher Weise nicht ganz nüchtern; einige eventuell im Bett; andere wiederum in Gesellschaft auf einer der massenhaft angebotenen Veranstaltungen.

Hier und da, dann und wann, gab es auch einen kuriosen, einen unvergessenen Jahreswechsel. Wie zum Beispiel den 1981 / 1982, als ein damaliger Bekannter aus Wuppertal mich im Mensa - Wohnheim der Universität in Bremen besuchte und wir um 24.00 Uhr die Knallerei aus dem 11. Stockwerk des Betonklotzes beobachteten.
Oder jenen der Jahre 1988 / 1989, als ich im PKW, auf dem Rückweg von einem Bekannten aus Bremen - Findorff kommend, dann mit Raketen beschossen wurde und nach dem Eintreffen in der Mietwohnung, eine dort über ein Dachfenster des Treppenhaus eingeschlagene, ausgebrannte Silvester - Rakete vorfand, die - ehe sie verglühte - ein Loch in den Holzboden hinter ließ.

An die meisten Jahreswechsel kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Sie sind, wie so viele davor und danach, einfach spurlos in meiner Lebensbiografie eingegangen. Einfach weg

Nicht so, der Silvestertag 1976. An diesem Tag, einen Freitag, fuhr ich von Wilhelmshaven nach Oldenburg und verbrachte dort den Jahreswechsel in einer der vormals vielen Studentenkneipen. Diese lag irgendwo in dem Bereich zwischen Wallstraße, Theaterwall und Stau; jedenfalls in der Innenstadt.

Ein Bekannter hatte hierfür - vorsorglich - Eintrittskarten besorgt. Dieses war - wie sich später herausstellte - gar nicht notwendig gewesen, denn in dem Lokal waren außer uns, höchstens zwei Dutzend weitere Gäste. So saßen wir denn bis in die frühen Morgenstunden und quatschten, tranken Bier, Sekt und Wein und hörten jene Musik, die zu dieser Zeit eben gehört wurde: englischsprachigen Rock. Die LP - Sammlung des Kneipiers, der hinter der Theke stand und den Ausschank bewerkstelligte, war imposant. Hierin fanden sich viele, der im folgenden aufgelisteten Alben:



http://rateyourmusic.com/list/popandcircumstance/1976_top_lps/


https://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Zappa


Der Pächter, ein junger Mann mit schulterlangen Haaren und eine hochdeutschen Akzent, war vorher in Berlin, hatte dort ein Studium begonnen und wechselte dann - weil er nicht mehr zum Wehrdienst gezogen werden konnte - nach Oldenburg. Er studierte dort irgendein geisteswissenschaftliches Fach. Da der Bekannte ihn wohl bei anderen Musikveranstaltungen kennen gelernt hatte, diskutierten sie die gesamte Zeit über Bands, Alben und Live - Auftritte.

In dieser Zeit spielte er einige LPs, die im Jahr 1976 neu erschienen waren. So auch die Gruppe " 801 " und ihr 1976 erschienenes Live - Album (https://web.archive.org/web/20070927204827/http://www.manzanera.com/shopmaster/EXP16CD.htm ). Später dann " Roxy Music " Viva - Roxy Music ", das gleichfalls Live - Aufnahmen beinhaltet ( http://www.discogs.com/Roxy-Music-Viva-The-Live-Roxy-Music-Album/master/58393).

Die beiden Musik - Anhänger diskutierten weiter. Es vergingen eine Stunde nach der anderen. Als schließlich der Jahreswechsel kurz bevor stand, rafften sie sich auf, mit uns draußen vor der Tür anzustoßen. Wir betrachteten uns das eher sparsame Feuerwerk innerhalb und außerhalb der Stadt und kamen dann in die Musikkneipe zurück. Der Betreiber legte weitere Scheiben auf und setzte die Diskussion mit dem Bekannten fort, dessen Freundin langsam unruhig wurde. Ihr gefiel es nicht, dass sich der Musikfan nur mit dem Kneiper unterhielt.

Es vergingen weitere Stunden. Gegen halb vier Uhr morgens legte der Mann hinter der Theke dann Frank Zappa´s " Zoot Alures " auf. Es war quasi der Rausschmeißer für uns. Meine Bekannte und ich wollten zurück nach Wilhelmshaven; das wilde Zappa´sche Gedröhne war das Startsignal zur Heimfahrt. Auch wenn ich zu der Zeit eine Vielzahl von LPs des Gitarren - Hexers kannte, meine Richtung war Frank´s Musik nicht unbedingt. Im Gegensatz zu den beiden Diskutanten. Die legten jetzt erst richtig los. Der Freundin des Bekannten und eingefleischten Zappa - Fans, mit Namen Cornelia J. platzte der Kragen. Sie blaffte ihren Lebensabschnittsgefährten an der Theke an und erklärte ihm unmissverständlich, dass sie nicht gedenke, den angefangenen Morgen allein an dem Tisch zu sitzen. Cornelia fuhr mit uns mit. Sie wohnte in Varel - Obenstrohe, einem Ort in der Nähe von Wilhelmshaven.

Wir starteten mit meinem R4 in Richtung Autobahn 29, an den Abfahrten Oldenburg - Ohmstede, Rastede, Ohmstede, Hahn - Lehmden und Jaderberg vorbei. In Varel brachte ich dann die immer noch stink sauere Cornelia bis vor die Haustür des elterlichen Grundstücks. Dann setzte ich die Fahrt auf der A 29 bis zur einstige Autobahnendstelle bei Sande fort. Es war ein heller Morgen, obwohl die Sonne erst in mehr als 3 Stunden aufgehen würde.

Ich amüsierte mich über Frank Zappa, die wütende Cornelia und dachte so bei mir, dass es noch verrücktere Musikfans als ich einer war gibt. Frank Zappa forever - zum Jahreswechsel 1976 / 1977. Vor beinahe 40 Jahren.

Also dann: Guten Rutsch in das Jahr 1976 mit:

" 801 " und " Baby´s on fire " - Live 1976:





" Roxy Music " und " If There Is Something " - Live  aus dem " Viva " - Album:



Frank Zappa und "  Zoot Allures " - Live:


Du hast dich nicht verändert!



Der wahrhafte Knaller des Jahres 2015 ist nicht die VW - Affäre, nicht die " Flüchtlingskrise " und nicht die " AfD " / " Pegida ", nein, er ist viel älter. Genauer gesagt: Er ist - noch - 66 Jahre alt. Er wurde am 30. August 1949 in Kronstadt / Siebenbürgen geboren. Er misst sagenhafte 168 Zentimeter und ist damit 10 Zentimeter größer als Bernie Ecclestone, Helene Fischer sowie 12 bzw. 14 Zentimeter größer als Annett Louisan und Michelle.

Sein Name ist Peter, Peter Maffay. Tja, und der gute Peter hat sich - laut Klatsch - Presse und anderen, tragenden Säulen, dieser, unserer Gesellschaft - vor einigen Wochen von seiner 4. ( ! ) Ehefrau getrennt.

Peter hat eine 28jährige zur LAG ( Lebensabschnittsgefährtin ) auserkoren. Eine Pädagogin aus Thüringen. Hoho!

Nun, der jute Peter ist da nicht gerade zimperlich, was Liebe, Lust, Leidenschaft und Treue, Trost, Tralala, angeht.

" Peter Maffay heiratete viermal. Seine erste Ehefrau – die Lehrerin Petra Küfner – heiratete er 1975; beide trennten sich 1979. 1981 gab er der befreundeten Musikerin und damaligen Lehramtsstudentin Chris Heinze das Jawort. Diese Ehe hielt bis 1986.[21] Ein Jahr zuvor hatte das in Tutzing am Starnberger See lebende Paar seine Tochter Nina adoptiert.[22] Von 1990 bis 2000 war Maffay mit der 17 Jahre jüngeren Promotion-Agentin Michaela Herzeg verheiratet.[23] Sie trennten sich bereits 1999.[24] Seit diesem Jahr war Maffay mit der 26 Jahre jüngeren Tania Spengler liiert, die er 2003 heiratete. Im gleichen Jahr kam der gemeinsame Sohn Yaris zur Welt.[25] Die Familie lebt in Tutzing sowie auf einer Finca auf Mallorca. Zur Finca gehört eine kleine Kapelle.[26] Anfang Dezember 2015 wurde bekannt, dass sich Peter Maffay von seiner Frau getrennt hat.[27] Seine neue Partnerin ist eine 28-jährige Gymnasiallehrerin im thüringischen Nordhausen.[28] " 

- Zitatende - aus: " Wikipedia - Peter Maffay -


https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Maffay


Seine frisch Auserkorene soll denn auch singen können. Hier - frei verfügbar im Netz - eine Kostprobe:






Oh, ja, wie war das noch gleich 66 minus 28?


Macht: 38! 

Oder 66 geteilt durch 28? 

Macht: 2, 03. 

Hmmmh! Also Peter ist mehr als doppelt so alt, wie Hendrikje. Die soll also Pädagogin und Hobby - Sängerin sein.


Peter ist Berufsmusiker und Hobby - Pädagoge. 


Er singt seit 40 Jahren ( zumindest versucht er es ) und hat dabei, wie ein 

Chamäleon ständig sein Aussehen verändert. Aus blutjung, jünger, alt, ist inzwischen eine Großvater - Visage geworden.

Wie passt das mit einer knackigen 28jährigen zusammen. Ganz einfach! 


Es geht der einen Seite um Karriere, Kohle, Klamauk und der anderen 

Seite um Egozentrik, Eitelkeit und Ewige Jugend. Die gibt es aber nicht 

für Moneten, Macht, Mumpitz - Maffay!



" Wenn der Schwanz steht, schwindet der Verstand! ", hat mir mal ein


Ausbilder in meiner Lehre gesagt - das ist 46 Jahre her. Wenn die Haut schrumpft, schrumpft aber offensichtlich auch das Hirn. 


Manno, Peter, wie hasté dir verändert?







Mittwoch, 30. Dezember 2015

Bilder des Jahres 2015



Noch knapp 25 Stunden, dann dürfen die Mitteleuropäer das Jahr 2015 nach Christi Geburt der Vergangenheit zurechnen. Es war ein durchaus turbulentes Jahr; mit vielen Ereignissen, mit Frieden, Krieg und alledem. Mit Freude, Leid und alledem; mit Sieg oder Niederlage.

Während die ungezählten Jahresrückblicke bereits abgespult worden sind, weil sich die TV - Stationen auf die Silvester - Sendungen eingerichtet haben, darf jeder Einzelne doch noch sein eigenes 2015 Revue passieren lassen.

Wohlan:


Januar:

Eine Virusinfektion legte uns für knapp 3 Wochen lahm.


Februar: Start unserer Renovierungsarbeiten im Erd - und Obergeschoss. Streichen bis der letzte Pinsel fällt.

März: Wieder ein Geburtstag. Der eingeladene Cousin will nicht gehen und doziert bis 3.00 Uhr morgens über " Ostrock ".

April: Kurzurlaub über Ostern in Kroatien. Das Meer hat uns gefehlt. Wir werden wieder kommen.

Mai: Wir streichen immer noch. Kein Ende in Sicht. Wir planen den Kauf eines neuen Gebrauchten in Leipzig. Dr. Mazda ist rund erneuert worden. 10 Jahre sind genug.

Juni: Nebenbei wird sich mit Gartenarbeit verlustiert. " Uns Udo " Lindenberg im Berliner Olympiastadion - Ein unvergessenes Ereignis!

Juli: Und noch ein Geburtstag. Der Cousin erscheint erst am folgenden Tag. Wir werden ihn zum letzten Mal sehen.

August: Puuuuh, Hochsommer mit Temperaturen über 30° C. Wer soll das aushalten?

September: Ende der Renovierungsarbeiten und ein letzter Geburtstag in meinem Geburtsort.

Oktober: Der Herbst naht. Der Holzstand ist noch nicht abgebaut. Es gibt Stress im familiären Umfeld.

November: Ein trauriger Monat. Erinnerungen an vor 10 Jahren werden wieder wach.

Dezember: Weihnachten mit Schnee in Österreich. Wer hatte das schon? Der 10. Hochzeitstag, ein 50 Geburtstag und das Jahresende wird gefeiert.


Was sonst noch in der übrigen Welt geschah, kann hier nachgelesen werden:


https://de.wikipedia.org/wiki/2015


Ach, ja, ich trauere um:

Ulrich Beck, Edgar Froese, " Ritchie " v. Weizäcker, Fritz J. Raddatz, Leonard Nimoy, Wolram Wuttke, Helmut Dietl, Günter Grass, Klaus Bednarz, Percy Sledge, Werner Zimmer, Ben E. King, B.B. King, Walter Moosmann, Christopher Lee, Harry Rowohlt, Gerhard Zwerenz, Egon Bahr, Hellmuth Karaseck, Helmut Schmidt, Henning Mankell, Allan Toussaint, Elfriede W., Jörg L., Gaston Salvatore, Lemmy Klister.

R.I.P.


Legen wir dennoch 2015 ad acta, mit Bildern des Jahres und einem klasse Titel von Gary Burton: " Vox Humana ", geschrieben von Carla Bley:





Die Schellackplatte, die Musiktruhe und das Wohnzimmer der 1960er.




Sie zählten zu den hohen Zeiten des westdeutschen Wirtschaftswunders als Statussymbol der aufstrebenden, bürgerlichen Mittelschicht: die Tonmöbel; insbesondere die Musikschränke oder auch Musiktruhen.

Das monströse Möbel sieht - für den heutigen Betrachter - so aus, als habe ein technisch beschlagener Einrichtungsexperte bei der Planung derselben, nie so richtig die Kurve bekommen. Klobige, eckige, auf Stelzenfüßen stehende Kästen zierten ab Mitte der 1950er Jahre die zu Wohnzimmer erkorenen Räume der westdeutschen Haushalte, deren Eigentümer bereits den braunen Spuk aus ihren damit durchtränkten Hirnen verbannt hatten.

Die Wunderkisten ( zumeist mit kombinierten sowie integrierten Radio - Schallplattenwechsel - Mono ( Stereo ) - Lautsprecher(n) ), wogen oft 100 Kilogramm und mehr.
Deshaln wuchteten gleich zwei Möbelauslieferungsfahrer die bestellten Ungetüme in die Häuser und Wohnungen. Für in der Parterre, Souterrain oder ersten Geschoss wohnenden Kunden, bedeutete dieses keinen großartig, schweißtreibenden Aufwand. Doch, wehe, wenn die bestellten Truhen in Dachgeschossunterkünfte von drei - und mehrgeschossigen Häusern gehievt werden mussten.

Stand sie nun erst im trauten, gleichförmig ausgestatteten Wohnzimmer ( Tütenlampe, Cocktailsessel und  ein Kachel belegter Nierentisch mit goldfarbig verziertem Rand zählten unter anderem dazu ), erforderte es weiteres, handwerkliches Geschick, die Wundertruhe zu bedienen. Wer sich die, auf beige - farbigen Hochglanzpapier im handlichen DIN5 - Format im verschließbaren Unterschrank zum Röhrenradio liegende Bedienungsanleitung nicht genau durch gelesenen hatte, der bekam ein nicht unerhebliches Probleme mit den technischen Teilen des Tonmöbel.

Hierin waren nämlichen eine Vielzahl von Erläuterungen zu den Funktionsweisen des Radios sowie des Plattenspielers enthalten. Anhand der betexteten Abbildungen konnte sich jeder Käufer einer Musiktruhe daran versuchen, die Geräte in Gang zu setzen. Über die Rückwand des riesigen Kastens gelangte der Nutzer zu den Antennenanschlüssen für das eingebaute Radio. Werkseitig war nur eine Wurfantenne mitgeliefert. Der Empfang von Sendern wurde dadurch allerdings sehr eingeschränkt; ebenso die Empfangsqualität.

Später konnten dank der UHF - und VHF - Antennentechnik, der Empfang einer Vielzahl von Radiosendern ermöglicht werden.

Sehr interessant war aber auch die technische Beschaffenheit des integrierten Plattenwechsels. Der konnte auf drei Umlaufgeschwindigkeiten eingestellt werden. Neben den heute noch üblichen 33 1/3 Umdrehungen für das Abspielen von LPs, der 45er Geschwindigkeit für Single - Platten, gab es noch die Einstellung von 16 2/3 - und die von 78 Umdrehung pro Minute. Letztere galt als Abspielgeschwindigkeit bei Schellackplatten.

Als meine Eltern sich zu Beginn den 1960er Jahre ein Musikentruhen - Monstrum des Herstellers " Kuba  " zulegten, waren sie natürlich stolz; zumal ein solches Wunderding eine Vielzahl von Monatslöhnen kostete und - wie einst üblich - in bar bezahlt werden musste.


https://de.wikipedia.org/wiki/Kuba-Imperial


Die " Kuba " - Musiktruhe lieferte ein Händler mit dem Namen Göbel aus Stadthagen. Er erschien bei der Lieferung des Möbel persönlich und führte die dort eingebauten Geräte sogar vor. Dazu gab es - gratis - drei Schellackplatten:

- " Florentinische Nächte " von Rudi Schuricke und Orchster

- Der Südwind der weht " von Maria Mucke, Lonny Kellner, Lucie Schulz und Klaus    
  Gross

- " Der alte Seemann, kann nachts nicht schlafen " von Liselotte Malkowsky

Irgendwann im Verlaufe der folgenden Jahre durften auch wir als Jugendliche die Musiktruhe bedienen. Und wir machten uns ab und an einen Spass daraus, die 78er - Schellackplatten mit einer 45er - Geschwindigkeit oder 33 1/3 - Umdrehungen abzududeln. Es hörte sich natürlich grausam an. Der Gesang von Schuricke klang so, als hätte er einen Bremsklotz verschluckt. Und wenn unsere Beat - Musik - Single auf dem Plattenteller lagen, jodelten wir " Help ", " Sha La La La Lee " oder " I can´t get no Satisfaction " mit 78er - Highspeed ab. Micky Maus, war dagegen gar nichts.

Tja,, die Jahre verflogen, die Zeiten änderten sich und das Musiktruhen - Monster wich einer modernen Stereo - Anlage von " Nordmende " mit " Braun " - Boxen. Einen Plattenspieler legten sich meine Eltern allerdings nicht mehr zu; dafür besaß ich deren zwei.
Und auch diese Geräte ließen sich mit drei Geschwindigkeiten bedienen. So kam es vor, dass eben die drei Schellackplatten unserer Eltern auch aufgelegt wurden. Wenn der Alkoholpegel hoch genug, die Stimmung es auch war und die Jungs und Mädels aus der Nachbarschaft unbedingt Tango tanzen wollten.
Dann konnte ich mal kurz einige Jahre Musikhistorie mittels simplen Dreh am Geschwindigkeitsregler überbrücken. Auf den " Beatles ", den " Small Faces " und der als härteste Rockgruppe der Welt benannten " Rolling Stones " folgte "Rudolf " Rudi " Schuricke und seine herzerweichende Schmalzstimme im Tango - Rhythmus bei " Florentinische Nächte ".

Schöööööööööööööööööön!



Montag, 28. Dezember 2015

" Durchgeknallt ": Die späten 1960er Jahre reloaded.



Die Weihnachtsfeiertage 2015 sind bekanntlich vorbei. Sie werden - auch dieses ist bekannt - nie wieder kommen. Dafür droht - auch dieses ist bekannt - Weihnachten 2016 und zwar in 361 Tagen!

Während ich das familiäre Freudenfest noch Revue passieren lasse, erinnere ich mich dabei gerne an den TV - Abend vor dem leicht flackernden Kamin im Hause der Kinder und Enkelkindern. Da gab es - bei einer guten Flasche Sekt - ein Schmankerl aus der Filmbranche des vergangenen Jahrhunderts und Jahrtausende. 1999 nämlich, produzierte ein gewisser James Mangold, auf Grundlage eines Buchs von Susanna Kaysen, den Streifen " Girl, Interrupted " ( sehr frei übersetzt " Durchgeknallt " ).

In einer der Hauptrollen ist die damals erst 24jährige Angelie Jolie zu sehen. Sie spielt eine " Abgedrehte " in den späten 1960er Jahren, die in eine Einrichtung für seelisch Kranke eingeliefert wird, dort heraus flieht und wieder zurück gebracht, sich mit der weiteren Hauptdarstellerin Winona Ryder  versucht, einen eher aussichtslosen Kampf gegen die, von der Pharmaindustrie kontrollierte Lobby von derartigen Anstalten zu führen.

Immerhin arbeitet der Film jene Bedingungen - wenn auch etwas klischeehaft - heraus, mit denen sich die " Verrückten " von vor 50 Jahren abzufinden haben, wenn sie von und vor der Gesellschaft geschützt, ihren Weg in die " Klapse " angetreten haben. Die Bedingungen von damals sind zwar nicht mehr mit den heutigen ohne weiteres vergleichbar, doch das Ziel des " Wegsperrens " ist das gleiche geblieben. Die Allgemeinheit muss vor den von ihr produzierten " Irren " geschützt werden.

Die Wege sind nahezu identisch. Jene " Abgedrehten " werden mit Psychopharmaka voll gepumpt. Sie werden ruhig gestellt. Sie werden ihrer Menschenwürde entledigt. Im Namen der Allgemeinheit, des Gesetzes und des Profits.

Da, wo die Bedingungen sich vermeintlich verbessert haben, wo die Einrichtungen humaner zu sein scheinen, gilt dennoch das Prinzip des " Einsperrens ". Ein Film also, der an Bedeutung nie verlieren wird, auch wenn die Zeiten sich geändert haben. So, wie die Musik in dem Streifen.

" Verrückte ", " Durchgeknallte ", " Abgedrehte " haben ihre eigene Welt und oft ihre eigene Musik.

" The Chambers Brother " und der " Feten - Knaller " aus den späten 1960ern, " The Time Has Come Today ":



https://de.wikipedia.org/wiki/Durchgeknallt_(1999)




" Verrückte ", " Durchgeknallte ", " Abgedrehte " haben ihre eigene Welt und oft ihre eigene Musik. In diesem Sinne " Gut´s Nächtle "!

Simply Red - Live at Royal Albert Hall



Der Musik TV - Sender DeLuxe Music lässt dann und wann die nostalgischen Töne aus den 1990ern erklingen. So auch am 2. Weihnachtstag 2015, als ab 18.00 Uhr die Truppe um den Popbarde Hucknall mit dem einleuchtenden Namen " Simply Red " seine Sangeskunst in einem Live - Auftritt in der alt-ehrwürdigen Royal Albert Hall unter Beweis zu stellen versuchte.

Immerhin hat der Londoner Musikgeschichtsbau schon schlechtere Veranstaltungen mit noch mieseren Interpreten ertragen müssen. Als das Konzert vom 26. Mai 2007, dass die Gruppe im Rahmen der Abschiedstournee gab, ebenfalls bei dem Bezahlsender " Netflix " auf  dem Speiseplan steht, kommt natürlich nicht von ungefähr; schließlich vertreibt dieser parallel dazu eine DVD - Verleih für satte 8 engl. Pfund pro Monat.
Die Verkaufs - DVD indes dröhnt mit 212, 68 EUR und in der Deluxe - Ausgabe sogar 263,98 EUR in die tauben Ohren des Konsumenten. Dafür gibt es jedoch gute Qualität. Und, wer ein echter Anhänger des Schmalz - Barden nebst großer Begleitgruppe ist, der wird sich vor solchen läppischen Beträgen nicht schrecken lassen - Madonna und anderen Konsorten nehmen diese Beträge schon für ein einzigen Auftritt.

Also dudelte der private Musikkanal - als ein übrig gebliebenes Relikt aus den Hochzeiten von MTV / VIVA, eben jenes Konzert des inzwischen im Gesicht rundlichen Hucknall herunter. Tja, ob er wirklich singen kann?

Dem Edel - Fans im Rund der Londoner Royal Albert Hall war´s eh egal. Die Masse - auch in die berüchtigten Wechseljahre gekommen - grölte lauthals mit. Hucknall gefiel es. Er spulte das volle Abschiedsprogramm ab:


02 So Beautiful
03 For Your Babies
04 The Death Of The Cool
05 So Not Over You
06 They Dont Know
07 Night Nurse
08 Lady
09 Stay
10 Holding Back The Years
11 Debris
12 Good Times Have Done Me Wrong
13 Oh! What A Girl!
14 Thrill Me
15 Stars
16 Sunrise
17 Money's Too Tight To Mention
18 Fairground
19 Something Got Me Started
20 If You Don't Know Me By Now


Zu guter Letzt gab er einen Soul - Klassiker zum besten. Mit " If You Don´t Know Me By Now " von der Rhythm and Blues - Band " Harald Melvin and the Blue Notes " aus dem Jahr 1972. Das hätte er mal besser gelassen. Bei den ersten Passagen gefror mir das Blut in den Ader. Brrrrrrrrrh! Hucknall hat kein R u. B. - Saft in den Adern. Das passt nicht!
Doch so schlecht fand ich sein Konzert von vor mehr als 8,5 Jahren insgesamt dann doch nicht.
Auch wenn die " S. R. " - Hysterie, der Hype um diese Band, der in den 80ern und 90ern in England gemacht wurde, mir gehörig auf das Trommelfell schlug.

https://de.wikipedia.org/wiki/Simply_Red

Nun, ja, Musik ist immer noch Geschmackssache. Und bevor ich mir den Helene Fischer - Weihnachtslieder - Schwachsinn in die Gehörgänge blasen lasse, ertrage ich eher die exzellenten Bläser von " Simply Red ".

Das Traumhotel: Kasernierte Urlaubsexotik auf Kosten des Zwangsgebuehrenzahlers.



Das alte Jahr wird - aus der Sicht des TV-Konsumenten betrachtet - grausig zu seinem Ende kommen. Neben der unübersehbaren Zahl an Wiederholungen, droht dem Glotzer auch noch die Ödnis des Wintersport - Einerlei; jedoch ohne den dazu erforderlichen Schnee. Wenn dadurch so manches Großereignis auf bundesdeutschen Boden abgesagt werden muss, träumt der Fernseh - Junkie sofort von einem Urlaub, weit, weit weg der bitteren, Wetterlage vor Ort und unbeeinträchtigt von Klimawandel sowie kahlen Landschaften bei zu milden Außentemperaturen.
Was trifft jene Bedürfnisse dabei besser, als eine auf die Mattscheibe gepappte Traumlandschaft mit Traumwetter und Traumhotel?

Just diese Idee überkam vor knapp 13 Jahren den Österreicher Karl Spiehs. Er entfloh den halb flachen, meerlosen Ebenen Niederösterreichs und ließ die Sinne dabei in Gestade schweben, deren Erreichbarkeit alle Male vom Geldbeutel abhängt.
Erster exotischer Haltepunkt des Spiehs´schen Traums war Thailand. Genauer gesagt, die Halbinsel Phuket. Ein längst erschlossenes Urlaubsparadies für Strand - Restaurant - und Puffgänger. Immerhin entfleuchte der einstigen Crew, die sich aus deutsch - österreichischen Schauspielern und Mitarbeitern zusammen setzte so mancher Seufzer, ob des traumhaft schönes Strandes. Dieses Verhalten werden wohl auch die vielen Zuschauer in den nächsten Folgen übernommen haben, als sich verdiente und weniger verdiente Visagen der seichten bis überschaubar mimenden Unterhaltungskunst auf Mauritius, Bali, in Mexiko, auf den Seychellen, in Indien ( Insel Goa ), Afrika ( Südafrika ), Dubai / Abu Dhabi, Karibik, China, Malaysia, Kap der Guten Hoffnung, Chiang Mai und Sri Lanka die Klinken der Hoteltüren in die Hand gaben.

Der teuere Spaß wurde selbstverständlich über das Milliardenaufkommen durch den zur Zahlung verpflichteten Bewohner und Nutzer der entsprechenden Abspielgeräte bezahlt. Und da eben die Bandbreite der ständig wieder kehrenden Fratzen in solchen Serien oder den ungezählten Fernsehfilmen bis hin zu den austauschbaren Krimis, zwar mit steigenden Gebührensummen größer wurde, allerdings die Qualität der schauspielerischen Leistungen im gleichen Maße dramatisch abfiel, entschlossen sich die Spiehs - Truppen, den Schmarren " Traumhotel " höchstens zwei Mal pro Jahr aufzulegen.

Das war auch gut so, denn durch die elendig lange Verwurstung jenes Formats in Form ungezählter Wiederholungen in den Satelliten - Sendern der alten tante ARD, amortisierten sich die exorbitant hohen Produktionskosten doch.

Eine solche Wiederholung zeigte nun im Zuge der Weihnachtsprogramm - Orgie unter dem Motto " Seicht säuselt der fehlende Schnee " die ARD höchstpersönlich am 2. Weihnachtstag, Samstag, den 26. 12. 2015. Es zeigte doch tatsächlich als wiederholte Wiederholung ( letztmalig vom 08, 02. 2015 ), " das Traumhotel " - Malediven, dass in der Serie der träumerischen Folgen des Spiehs aus Niederösterreich am 21. Jänner des Jahres 2011 - na, so gerade vor 5 Jahren, dem TV - Athleten auf die Augen geklatscht wurde.

Die Story ist kurz, blöd und damit realitätsfern:
    

TV-Urlaubsepisödchen vor türkisblau leuchtender Meereskulisse.

Nein, hier ist nicht alles eitel Sonnenschein: Verhalten weist die Schildkrötenretterin Sandra (Angela Roy) auf Missstände hin - und läutert nebenbei einen Geschäftsmann (Helmut Zierl). Auch zwischen Stefan (Francis Fulton-Smith) und seiner Geliebten (Mirjam Weichselbraun) blitzt und donnert es. Aber Gemach: Hotelchef Winter (Christian Kohlund) heilt alle Wunden.
 Cast und Crew
Genre:
Urlaubsepisödchen
Land:
D/A
Jahr:
2011
Regie:
Otto W. Retzer
Kamera:
Claus Peter Hildenbrand
Musik:
Michael Hofmann de Boer
Darsteller:


Um es gleich auf den berühmten Punkt zu bringen: Ich habe während des Durchzappens der vielen Kanäle im fernen Unterschleißheim in der Nähe des mir fremden München, nur wenige Minuten dieses Dünnschisses ausgehalten, ehe ich den bajuwarischen FCB - Hofberichterstattungssender " Sport1 " mit seiner " Dart " - Orgie auf den Leim ging. Länger auf Sendung zu bleiben hätte meiner zuvor verspeisten Bio - Gans - Keule im eigenen Magen nicht gut getan; sie wäre im hohen Bogen wieder im Klosett gelandet. Schade, um das teure Stück Fleisch, nebest Thüringer Klößen und Rotkraut, selbst gemacht.

Und dennoch frage ich mich bei solchem cineastischen Dreck immer wieder, wie es schwachsinnige Regisseure und Produzenten sowie talentfreie Darsteller immer wieder schaffen, der Herren - Rasse so zu imponieren, dass diese ohne Murren den Button Number One zu drücken? Gewohnheit? Oder ist es einfach nur das harte Leben jenseits der Schmarotzer - Szenerie, die sich Kunst im Fernsehen nennt?




https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Traumhotel

Freitag, 25. Dezember 2015

Warum es am 24. Dezember keine Gerichtstermine gibt. Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte von Advocatus Diaboli. Niedergeschrieben von selbst.




Die juristische Weihnachtsgeschichte in diesem Jahr erzählt von einer " abgedrehten " Oberstudienrätin aus dem noch " abgedrehteren " Berlin, der einstigen Hauptstadt der DDR, der geteilten Reichshauptstadt und wieder vereinten Bundeshauptstadt. Dort, wo die multi - kulturelle Gesellschaft seit Jahrzehnten ( zumindest im einstigen Westteil ) ihre exotischen Blüten treibt und jedem Pegidioten, einem Sympathisanten und anderweitigen rechten Bedenkenträger wider der Überfremdung durch Kebap - Döner - Sushi - Buden, die dicken Tränen der Traurigkeit in die Augen treibt, weil hier die Leitkultur des christlichen Abendlandes inzwischen die Spree und Havel gerunter geflossen ist.

Nur, in den späten 1970er Jahren war dieses Phänomen noch nicht ganzflächig vorhanden. Da gab es zwar das bunte West - Berlin, aber auch das mausgraue Ost - Berlin und drum herum waberten die grauen Nebel der sozialistischen Realität, mit Fünf - Jahres - Plan, Trabi - Fahrkomfort und alledem. Für den Westler, dem von der eigenen Geschichte überrollten Noch Einmal Davongekommen, war das geteilte Berlin eher ein temporäres Ärgernis. Er setzte auf Zeit und die, die sprach für den kapitalistischen Westen, weil dort die Wirtschaft zur Befriedigung der nicht - elementaren Grundbedürfnisse, absolut betrachtet, besser prosperierte.

Die Mandantin des Advocatus Diaboli ( AD ) kam aus dem Westteil des gespaltenen Berlin. Sie hatte dort Lehramt in der Ausrichtung der Sekundarstufe II für Gymnasien, mit den Fächern, Biologie, Deutsch und Geschichte studiert. Keine Dumme, also. Die damals etwa 40jährige, mit dem bürgerlichen Namen Annette B. - W. ( den vollständigen Namen nenne ich hier nicht ), sie war eine Emanzipierte ( was sich aufgrund des Doppelnamen ableiten lässt ). Sie war zu den bewegten Zeiten der 68er, der APO - Hochphase aktiv; später setzte sie sich für den Umweltschutz ein.

Annette B.-W. war Mutter von zwei Kindern. Sie war eine Zeit lang verheiratet, wurde in den 1980ern geschieden und wegen erheblicher, psychischer Auffälligkeiten in eine geschlossene Klinik zur - zwangsweisen - Behandlung eingeliefert. Dort verbrachte sie einige Jahre. Das Sorgerecht erhielt der Kindesvater, ihr Ex - Mann. allein übertragen. Annette B.-W. bekam nur ein eingeschränktes Umgangs - und Besuchsrecht zugebilligt. Mehr nicht - wegen ihrer Psychose oder war es sogar Schizophrenie?

Annette B.-W. wurde dann mit Mitte 40 in Pension geschickt. Sie war dauerhaft dienstunfähig und als vormalige Beamtin erhielt sie weiterhin einen Großteil ihrer Bezüge. Vom Staat, von der senatorischen Behörde der Stadt Berlin, von der Allgemeinheit.

Auch sonst war die Mandantin B.-W. vermögend. Sie besaß - aufgrund der Scheidung - mittlerweile ein großen Bremer Haus im so genannten Viertel, was sie zum Teil vermieten konnte. Ihre Pensionsbezüge waren - für damalige Verhältnisse - durchaus üppig. Als Oberstudienrätin im Ruhestand erhielt sie mehr Altersversorgung als vielleicht 5 Rentner von der LVA. Das waren doch schon Privilegien?

Die Mandantin suchte eines Tages den AD in seiner Kanzlei auf und hatte wegen verschiedener Verkehrsordnungswidrigkeiten Probleme mit der Führerscheinstelle der Freie und Hansestadt - Stadtgemeinde - Bremen. Die wollte ihr eine Medizinisch - Psychologische Untersuchung aufdrücken. Nun hatte die Mandantin wegen ihrer Erkrankung Bedenken, dass ihre Fahrerlaubnis entzogen wird. Sie waren zwar unbegründet, dennoch wollte die Mandantin einen Rechtsanwalt zu Rate ziehen.

AD konnte ihr helfen. Es kam weder zu einer MPU - Anordnung, noch zu einem Entzug der Fahrerlaubnis. Die Kostenrechnung für die Tätigkeit von AD übernahm die Rechtsschutzversicherung. Die Mandantin war sehr zufrieden.

In den Folgejahren betraute sie AD regelmäßig mit weiteren Rechtsfällen. So auch in einem 1990er Jahr, wenige Wochen vor Weihnachten. Ein Mieter, den die Mandantin erst vor Kurzem aufgenommen hatte und der mit ihr einen schriftlichen Mietvertrag eingegangen war, zahlte seine Miete nicht. Zudem bedrohte er die Mandantin mehrere Male. Als es an einem Dezembertag zu einer erneuten Auseinandersetzung kam, rief die Mandantin des AD in der Kanzlei des AD an und hinterließ einen langen Text auf dem Anrufbeantworter ( AB ), weil das Büro an einem Sonntag natürlich nicht besetzt war.
Sie bat hierin, gegen den Mieter sofort vorzugehen. Doch, wie?

Die Räumungsklage gegen den Mieter war schon bei dem Amtsgericht Bremen eingereicht. Was also konnte AD noch für Frau B.-W. im juristischen Sinne tun? Als die Mandantin am folgenden Montag, wenige Tage vor Weihnachten, im Büro von AD anrief, einigte der sich mit ihr auf ein persönliches Gespräch - noch am gleichen Tag. Die Mandantin erschien und schilderte AD von der durchaus komplizierten Wohnsituation bei ihr. Der Mieter musste nämlich, um in sein Zimmer zu gelangen, durch den Flur der von der Mandantin selbst genutzten Wohnung. Bei diesen Anlässen kam es regelmäßig zum Streit zwischen ihm und der Mandantin B.-W. Der Mieter blieb renitent. Er zahlte keine Miete,er wollte - trotz der erfolgten,fristlosen Kündigung - nicht ausziehen und er bedrohte die Mandantin weiterhin. Was kann diese, ausser der längst laufenden Räumungsklage - auf dem weiten Feld der Juristerei - gegen ihn noch tun?


Mit dieser und anderen Fragen schien sich auch die Mandantin des A.D. zu beschäftigen. Deshalb rief sie nach Büroschluss in der Kanzlei des A.D. an und textete dort dessen AB. voll. Ellenlanges,teilweise wirres Geabbel mussten sich die Azubinen des A.D. Am nächsten Morgen anhören. Dieses über Tage. Der AB blieb das liebste Kommunikationsmittel der Ex-Oberstudienrätin B.-W.
Einige Tage vor Weihnachten 🎅, zu Beginn der 3. Adventwoche, erschien die Mandantin im Büro des A.D. und hat diesen um ein dringendes Gespräch. Frau B.-W. schilderte ihm von einem weiteren, heftigen Disput mit ihrem Mieter.Nun wollte A.D. gegen den Querulanten weiter vorgehen; mittels Einstweiliger Verfügung.
A.D. legte also los. Er diktierte wie ein Weltmeister, liess sich von der Mandantin eine Vollmacht unterschreiben, dazu eine eidesstattliche Versicherung und hat die HUK-Coburg Rechtsschutzversicherung um die Kostenzusage. Danach warf er persönlich den Antrag auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung in den Nachtbriefkasten beim Landgericht Bremen.
Ein paar Tage darauf rief der zuständige Richter an. Er kannte A.D. inzwischen aus anderen Verfahren. Nein,also,so ginge das nicht und nein,er sehe sich außerstande,diese Einstweilige Verfügung so zu erlassen. Und,ja,wenn der Verfügungsgegner dann auch noch Widerspruch einlegen wird,und es sei ja in drei Tagen Weihnachten 🎄 und da dürfe er ja bekanntlich keine Termine abhalten. Also: Man solle sich doch so irgendwie einigen. A.D. versprach dem gestressten Richter sein bestes tun zu wollen und er werde überlegen, nach Rücksprache mit der Mandantin, den Antrag zurück zu nehmen.
Nun hatte A.D. den Zong wieder in der Hand. Er überlegte lange,ob er die Mandatin anrufen sollte. Immerhin war in drei Tagen Weihnachten 🎄; das Fest der Liebe, der Familie und der Geschenke. Er entschloss sich nicht anzurufen. Die folgenden zwei Tage blieb es im Fall von Frau B.W. ruhig. Kein vollgetexteter A
B - himmlische Ruhe!


Der Heilige Abend kam,der 24. Dezember brach an. Die Gerichte hatten zu. A.D. fuhr alleine ins Büro. Die Straßenbahnen waren fast leer. Alle Bremer bereiteten sich auf das Frohe Fest vor. A.D. natürlich auch. Als er die Bürotür aufschloss,sah er,dass der AB blinkte. Er spielte die Nachrichten ab. Neben einigen Weihnachtswuenschen war auch eine Nachricht von der Mandantin B.-W. drauf. Sie textete, dass sie sich mit dem Mieter geeinigt habe. Sie möchte kein Gerichtsverfahren mehr und wünsche eine Fröhliche Weihnachten.


Das war für A.D. so, wie die unumstrittene Tatsache, dass es am 24. Dezember eben keine Gerichtstermine gibt!

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Dienstag, 22. Dezember 2015

Jahrgang 1953 über Jahrgang 1953.

Da fand ich doch kürzlich in dem unendlich großen Fundus des World Wide Web unter dem Suchbegriff " Jahrgang 1953 " diesen Trailer. Alle Sequenzen des Videos kamen mir verdammt alt vor. Ob das wohl etwas mit mir zu tun haben könnte?

Wie dem auch sei, die Zeit jagt an uns vorbei. Das Jahr 2015 ist bald Geschichte. So, wie es jene Einspielungen in dem Werbefilmchen es längst sind. Sicherlich werden nicht alle auf den großen Müllhaufen geworfen. Aber, wer erinnert sich noch dran? Eigentlich nur die Eisgrauen.


video





Ach, ja, unter dem Suchbegriff " Jahrgang 1953 " konnte ich auch den Begriff " Rente " lesen. Na, schön, vielleicht sind sie sicher?

In diesem Sinne: Gut´s Nächtle mit " LaDüsseldorf " und " Zeit / Time " aus dem Jahr 1978 - Donnerwetter, dat sind auch schon 47 Jahre her.


Die Weihnachtsbäckerei.



Noch knapp  2 Tage, noch weniger als 40 Stunden, dann steht das lang ersehnte Christkind vor der Tür. Und... es bringt, neben allerlei Tinnef. Gedöns und Konsumdreck, wie es in vielen Familien der Fall ist, irgendwo weit weg von zuhause, im österreichischen Murau ob Mur, selbst gebackene Kekse. Da kann der gesamte Industrie - Teig mir gestohlen bleiben:



Hmmmmmmmmmmmmmh:









Joh, in der Weihnachtsbäckerei: 



Neun Tage im Winter - Ein französischer Film über ein kompliziertes Beziehungsgeflecht.



Wer nicht nur die klassisch - französische Lebensart, das Land in Gänze und die Esskultur nebst die dort hergestellten Weine mag, ja, sogar liebt, der kommt um viele, der aus Frankreich stammenden Filme nicht hinweg. Wobei nicht immer jene Klassiker mit den ungezählten Stars von einst gemeint sind. Auch der neuzeitige, der junge französische Film hat durchaus klasse und ist anspruchsvoll. 
Da sendete der deutsch - französische Gemeinschaftssender " ARTE " kürzlich den Streifen " Neun Tage im Winter ", der sich im wesentlichen mit familiären Beziehungskonflikten auseinandersetzt, ohne jedoch ausschweifend und damit langweilig zu werden.

Der Schriftsteller Aurelien ( Robinson Stevenin ), der sich seit Jahren von seinem Elternhaus abgekapselt hat und die dort gelebte Kindheit sowie Jugend in die eher dunkle Vergangenheit seines Lebens abstellt, erfährt, dass seine Eltern im Krankenhaus an ihren schweren Verletzungen, die sie bei einem Verkehrsunfall erlitten, verstorben sind. Er fährt dataufhin - nur sehr widerwillig - in die Bretangne, um dort deren Haus zu verkaufen. Bei der Fahrt, aber besonders während des Aufenthalts kommen ihm viele Erinnerungen an jene, dort verlebte Zeit, in der er nochmals das sehr gespannte Verhältnis zu seinen Eltern und vor allem, zu seinem älteren Bruder, dem er sich unterlegen gefühlt hat, Revü passieren lässt.

Als Aurelien in dem kleinen Ort Saint - Lunaire an der bretonischen Küste für einige Tage verweilt, trifft er eine Reihe von Menschen wieder, die ihm eine Zeit begleitet haben. So auch den Immobilienmakler, seinen alten Freund Herve´, der inzwischen verheiratet ist. Mit diesem klärt er den Verkauf des elterlichen Anwesens ab. Eigentlich hatte er geplant, die Angelegenheit zügig abzuwickeln, zumal sich auch sofort einige Kaufinteressenten einfinden. Herve´bemüht sich, das Ansinnen seines einstigen Freundes umzusetzen und lädt einige potentielle Käufer zu einer Hausbesichtigung ein.    
Weil ein bestellter Handwerker jedoch nicht erscheint, ist Aurelien gezwungen länger in dem malerischen Küstenort zu bleiben. So trifft er sich regelmäßig mit der krebskranken Mado und verbringt mit ihr viel Zeit. Die Erlebnisse aus Aurelien´s Kindheit werden wieder wach.
Auch als er viele persönliche Gegenstände der Eltern aus dem Haus betrachtet, kommen ihm jene  Reminiszenzen, die er längst verdrängt zu haben glaubte.

Er ruft in einem Anflug von Sentimentalität und Selbstzweifel seine vormals große Liebe Emma an. Diese bittet ihn, ihre fünfjährige Tochter für einige Tage zu sich zu nehmen. Aurelien sagt spontan zu und holt beide vom Bahnhof ab. Doch zu seiner Enttäuschung muss Emma sofort wieder abreisen. Die folgenden Tage mit ihrer Tochter bringen ihn indes zum Nachdenken. Er überlegt, ob er ein Buch, dass verlegt werden soll, von dessen Qualität Aurelien jedoch nicht überzeugt ist, wieder einstampfen zu lassen. Er ruft seinen Verleger an. Dabei kommt es zu einem heftigen Streit.
Emma´s Tochter bekommt das von Aurelien wütend geführte Telefonat mit und möchte deshalb sofort wieder abreisen. Nur mit Mühe gelingt es Aurelien sie davon abzuhalten.

Die nächsten Tage mit dem Kind verlaufen eher in Harmonie. Aurelien beschäftigt die Kleine und bringt sie zu anderen Kindern in ein Hort. Langsam gewöhnt er sich an seinen Gast.
Zwischendurch wird Aurelien von seinem Freund, dem Immobilienmakler Herve zu einem Essen eingeladen. Dessen Frau, eine gut aussehende, jedoch ihm gegenüber schroff auftretende Dame, brüskiert ihn beim Essen durch ein ungehöriges Benehmen. Als Herve kurz den raum verlässt, droht dessen Frau ihn mit den Worten, dass er - Aurelien - ihren Mann gefälligst in Ruhe zu lassen hat.

Als Mado ihn nachts plötzlich anruft, weil sie ihr nahendes Ende spürt, kommen Aurelien weitere Zweifel, ob er sein jetziges Leben so weiter führen soll. Mado verstirbt und wird wenig später im Ort beigesetzt.
Zu der Beerdigung erscheint unerwartet auch sein Bruder Cyril. Es kommt später zwischen den beiden zu einem heftigen Streit, der in eine wüste Schlägerei mündet. Nachdem sich beide abreagiert haben, erzählt Cytril, der als Arzt arbeitet, dass ihn seine Frau Knall auf Fall mit Kind verlassen hat.
Die Brüder versöhnen sich und regeln nun gemeinsam den Verkauf des Elternhauses.

Während eines Besuchs von Aurelien und Herve in der Schule, geraten beide in schwärmerische Erzählungen aus ihren gemeinsam verbrachten Schuljahren. Dabei gesteht dieser ihm, dass er homosexuell ist und ihn liebt.
Aurelien geht auf die Avancen von Herve nicht weiter ein, sondern trifft sich mit seinem Bruder. Die beiden versuchen nun gemeinsam Emma´s Tochter zu beschäftigen.
Als Emma ihn aus den USA über Handy anruft, hofft er, dass sie doch noch zu ihm zurückkehrt. Diese Hoffnung muss Aurelien nach ihrer Rückkehr begraben.

Dafür hat er sich mit seinem Bruder versöhnt und findet, als er nach neun Tagen den Ort wieder verlässt, neuen Elan, um ein weiteres Buch über seine Familie und Vergangenheit zu schreiben. nachdem er mit sich und dieser ins Reine gekommen ist.

Der Streifen ist ein eher ruhiger Film mit deutlichen Untertönen und einer anspruchsvollen Art, schwelende Familienkonflikte aufzuzeigen. Französisches Kino also, dass realitätskonform bleibt und nicht in melodramatische Züge abschweift.

Tief durchatmen, die Familie kommt - Das ZDF zeigt Weihnachten vom anderen Stern.



Die Öffentlich Rechtlichen haben es eigentlich einfach: Sie können mit den Zwangsgebühren, die sie in Milliardenhöhe jedes Jahr einkassieren, so ziemlich alles machen, was sie wollen. Deshalb sind die vielen Fernsehfilme, aber insbesondere die Krimis von nur mäßiger Qualität. Doch dann und wann gibt es auch eine Produktion, die durchaus erwähnenswert ist. Selbst dann noch, wenn die bekannten - den Glotzer seit Urzeiten - begleitenden Fratzen dort die tragenden Rollen spielen. Das Schisma der Vollzeitprogramme im Jahre 2015 ist - wie bereits schon nach der Einführung dieses US - amerikanischen Irrsinns -, dass es genug Sendezeit gibt, jedoch keine qualitativ höher wertige Sendungen.
Und just genauso verhält es sich mit der Riesenschar der Schauspieler, die in der Gebühren alimentierten Suppenküche von ARD, ZDF oder deren Unterprogramme, ihr ansonsten karges Dasein fristen würden, wäre, ja wäre da nicht der inzestiöse Grundgedanke der beiden großen Versorgungsanstalten in Gesamtdeutschland. Wer einmal seine Visage in die Kameras der staatlich kontrollierten Anstalten hinein gehangen hat, wer dabei auch noch eine ordentliche Quote absahnt, der hat quasi einen Versorgungsvertrag auf Lebenszeit.

Diie Ex - " Tatort " - Kommissarin Andrea Sawatzki, die einst transusig in Frankfurt herum ermittelte, hat in dem Sumpf der wechselseitigen Posten - und Rollenschiebereien, sich einen Doppelpack geschnürt und einen Roman geschrieben, der nun verfilmt wurde. Für beide Versuche gibt es Moneten, zumal sie darin auch noch eine Hauptrolle spielt. Ihr zur Seite stehen Axel Milberg ( " Tatort " - Verbrecherjäger aus Kiel ) sowie Günther - Maria Halmer ( Beliebigkeits - Darsteller ab 65 Plus ) und ( du ahnst es nicht ! ) " Uns " Uwe Ochsenknecht.

Eine Melange also, die de facto eigentlich nur Schund und Schrott verspricht. Doch: Du glaubst es nicht, die als Komödie angesagte Geschichte, sie hat durchaus Niveau und sogar realitätsbezug.

Es geht in dem von Sawatzki nieder geschriebenen Roman um das leidige Thema Weihnachten. Was sonst, in dieser vorweihnachtlichen Zeit? Es geht um die überzeichnete Situation eines - längst in die Jahre gekommenen - Ehepaars, dass krampfhaft bemüht ist, das jährlich wieder kommende Großereignis mit dem Namen Weihnachten irgendwie zu meistern, ohne dabei das Gesicht zu verlieren. Ein sinnloses Unterfangen; jedenfalls unter den Bedingungen der Sawatzki´schen Charaktere in ihrem verfilmten Roman.

Zu Weihnachten haben sich nämlich der Demenz kranke Vater ( Halmer ), die Schwiegermutter - im Erotik - Genre unterwegs und  die dominante Mutter so wie der hypochondrische Bruder Hans - Dieter und deren putzsüchtige Frau Rose die Gästeliste aufgefüllt. Kinder gibt es natürlich in der ZDF - Schmonzette nicht.

Das ist gut so, sonst würden die noch mitbekommen, dass der Makel, mit Töpfen, Pfannen und Kartoffelschäler nicht umgehen zu können, in Wahrheit keiner ist, denn es gibt ja " McDoof " und den " Pizza - Bringdienst " um die Ecke.

Sawatzki´s Gudula  kann nicht kochen, deshalb gibt es zu Weihnachten Küchen - Chaos. Dass nebenbei so mancher Brüller auch zum Rohrkrepierer wird, weil die Pinte vorhersehbar ist, mag daran liegen, dass eben die Chose sich als abgedroschen zeigt. Nach dem Motto: " das weiß ich! " , war denn schon so manche Slap - Stick - Einlage irgendwo, irgendwann, irgendwie schon mal gesehen. Sei´s drum. Es gab schon schlechtere Fernsehfilme zu Weihnachten, in der Zeit, in der die Wiederholung Hochkonjunktur hat.

Und weil  Gundula Bundschuh ( Andrea Sawatzki ) nicht nur eine Ehekrise zu bewältigen hat, sondern dann den Weihnachtsbesuch der gesamten Bundschuh - Bagage zu ertragen hat, gibt es am Ende des Films 8 Mal Pizza " Weihnachts - Edition ", garniert mit angebrannten Rotkohl. Wohl bekomm  ´s!



Genre:
Weihnachtskomödie
Land:
D
Jahr:
2015
Regie:
Vivian Naefe
Produzent:
Regina Ziegler
Drehbuch:
Mathias Klaschka
Kamera:
Peter Döttling
Musik:
Martin Probst
Darsteller:



Was macht der Thomson an der Döhlener Straße?



Bei der Rückkehr aus einem Geschäft in der Kesselsdorfer Straße musste ich wegen der Sanierung der Poststraße einen kleineren Umweg in Kauf nehmen. So führte mich dieser an die Döhlenerstraße. Eigentlich kein besonderes Ereignis, wäre, ja wäre, da nicht - schlagartig - jene Zeit zurück gekommen, die ich in den späten 1990er Jahren in Delmenhorst bei Bremen verbracht hatte. Damit verbunden waren jene - obligatorischen - Besuche der " pro Märkte " im " Roland Center ", das im Stadtteil Huchting, auf die damals noch grünen Wiesen geklotzt wurde, und dem wesentlich größeren Pendanten am Neuenlander Feld, in Sichtweite des winzigen Bremer Flughafens.

In jener Zeit also, in der ich während meiner regelmäßigen Besucher der beiden Filialen einer regionalen Kette für Unterhaltungselektronik und mehr, die Märker und später Euronen ausgab, um mein CD - Archiv zu erweitern, um eine Satelliten - Empfangsanlage zu erwerben oder eine ewig haltenden " Miele " - Bodenstaubsauger im Super - Sonder - Einmal - Angebot an Land zu ziehen, da standen diese Ungetüme - schon bald in Sichtweite der Kassenzonen - aus Plaste und Metall; voll gestopft mit der neusten Technik sowie Funktionen, die eigentlich kein Mensch benötigte:

Fernsehgeräte, so groß wie Küchen - Wohnzimmer - oder Schreibtische. Die Bildqualität war fantastisch, die Einbautiefen im Verhältnis zu der Bildschirmgröße, phänomenal und deren Preise astronomisch.
" Rückprojektionsfernsehgeräte, der Marken " Sony ", " Panasonic " und " Philips ", aber auch einstige westdeutsche Hersteller waren darunter, als da waren " Grundig ", " Telefunken " oder " Loewe ". Wohlklingende Namen im fort währenden Kampf um Marktanteile, Moneten und Macht.

Aber, es gab natürlich noch weitere Anbieter, dieser Giganten im unüberschaubaren Meer der TV - Beliebigkeiten:

http://www.hifi-forum.de/themen/produktarten-hersteller-az/rueckprojektionsfernseher/


Die Technik, die sich hinter jenen " Fernsehgeräte - Riesen " verbirgt, ist alt bekannt, die Umsetzung auf den Hausgebrauch indes, war beinahe revolutionär. Es ist ein Bildschirm in einem relativ schmalen Geräterahmen eingesetzt, der unter Zuhilfenahme einer Spiegeloptik das empfangene und umgewandelte Bild auf die große Mattscheibe projiziert.

https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCckprojektionsbildschirm


Dadurch gelingt es Bilder in einer hervorragenden Qualität und einer - bis dato - enormen Größe wiederzugeben.
Diese Gerätetechnik ist jedoch mit Nachteilen verknüpft. So muss nach einer gewissen Anzahl von Betriebsstunden, die im Fernseher eingesetzte Lampe ( Fachbegriff " Rückprojektionsfernseh - Ersatzlampe " ) ausgetauscht werden, weil die Bildqualität erheblich abnimmt; das gezeigte Bild milchig, an den Rändern leicht verschwommen bis unscharf und die Farbwiedergabe blässlich wird.

So eine " Funzel " kostete einst ab 200 DM bis zu 500 DM und mehr. Entscheiden war hierfür, wie beim Fußball, auf´m Platz, der Name des Herstellers. Und die Spassbremse setzte dort, der " Sony " - Fernseher, den es zudem zunächst nur in zwei Ausführungen gab. Der allerdings - mit weitem Abstand - das beste Bild lieferte. Ein Super - Gerät, von dem ich heute noch schwärme, wie von einer jungen Frau in jungen Jahren.
Beide Lebensinhalte waren sowohl vor 45, als auch vor 20 Jahren unerreichbar.

Schon allein wegen des exorbitant hohen Preisgefüges, kamen diese Geräte nicht in Betracht. Der Champion in der vormaligen Champions League, war - natürlich - " Sony ", von denen das größte Gerät 10.450 DM und der kleinere Bruder ( die Schwester ? ) noch satte 7.950 Mark kostete. Da gab es einst einen noch gut erhaltenen Mittelklassewagen im unteren Segment oder ´ne komplette " IKEA " - Küche.

Die Hersteller weiterer Rückprojektionsgeräte hielten nicht ganz so grausam die Kassier - Pfote hin. Einige begnügten sich mit Preisen unter bis weit unter 5.000 Märker. Dat war aber immer noch ´nen 14 - tägiger Urlaub für zwei Personen, irgendwo auf den Malediven, auf Kuba oder in einem höher klassigen " Riu " - Hotel auf Teneriffa, Fuerteventura oder Formentera.

In die Kategorie der eher niedrigpreisigen TV - Großgeräte fiel auch die Marke Thomson. Der Konzern bot anfänglich in den Klassen von 50 bis 59 Zoll nur zwei Geräte an. Und just eines dieser Methusalems stand dort an Straßenrand.
Es war ein " Thomson

 42 KH 412 S 100 Hz 106,7 cm (42 Zoll).


Einst kostete dat Ding ab  1998 so um die 3.500 DM. Ein Schnäppchen, im Vergleich zu den beiden " Sony " - Prügeln. Der " Thomson " - Konzern, der heute als  " Technicolor  " geführt wird und durch massive Übernahmen anderer Hersteller, wie " Telefunken ", " Saba " Nordmende " und später auch " Schneider " expandierte, bot ab 1998 eben jene Rückprojektionsgeräte an, deren Palette dann, dank der sehr guten Verkaufszahlen, sehr verbreitert wurde. Statt nur zwei Typen, gab und gibt es noch, 13 verschiedene Geräte.



https://de.wikipedia.org/wiki/Technicolor_(Konzern)

Tja, der gute " Thomson " stand nun an der Straße, genauer gesagt an der Döhlener Straße und ganz exakt beschrieben vor einem Abbruchhaus an der Fahrbahnmündung von der Döhlener - zur Anton - Weck Straße.
Er stand dort, einsam und verlassen. Das Stromanschlusskabel baumelte rechts vor der relativ großen Mattscheibe. Er sah schon reichlich ramponiert aus. Immerhin hat er mindestens 10, wenn nicht sogar 17 Jahre auf dem Gehäuse. Ein Relikt aus den Technik bewegten 1990er Jahren, die mit dem " Game Boy " im September 1990 begannen, sich über Kassetten - CD - Musik und eben Großbild - Fernsehgeräte entwickelten und mit diesen sowie ihren neuen Generationen zu Ende gingen; ehe das Internet die Konsumenten umkrempelte.

Der im Regen, in den trüben Spätherbsttagen des Jahres 2015 stehende, allein gelassene " Thomson " - Fernseher aus der Bauruine, er kam mir wieder in Erinnerung, als ich kürzlich erneut jenen kleinen Umweg beschrieb. Dieses Mal war er nicht mehr zu sehen. Vielleicht wurde er entsorgt? Vo einem der vielen polnischen Altwarenhändler, die mit ihren klapprigen Uralt - Transporter mindestens ein Mal im Vierteljahr alle Dinge, die ein Haushalt nicht mehr nutzt, kostenlos abholen. Möglicherweise hat ihn aber auch ein Technik - Kenner eingeladen, der solche Geräte überprüft und repariert? Mit einer inzwischen billigen, so um die 50 bis 80 Euro kostenden Ersatzlampe, lässt sich weiterhin ein gutes Bild auf den Schirm bringen.

Inzwischen zählen die TV - Geräte der Folgegenerationen längst zum Standard in den Haushalten. Riesige, oft mehr als  60 - Zoll - Klopper, zieren da einen Raum, der oft nur unwesentlich breiter ist, als das Gerät selbst und so flach wie ein Bügelbrett, mit Preisen unter 500 Euro - einem Bruchteil dessen, was jene Methusalem - Fernsehapparate einst kosteten.

Dieses alles, dank der Globalisierung, der Fronarbeiter - und Kindersklaventätigkeit in Asien sowie dem Verfall anderer Währungen, aber auch der Massenproduktion.
Was machte der " Thomson " nun so allein an der Döhlener Straße? Er hatte ausgedient. Er zählte zum berühmten Alten Eisen. Er war das Relikt einer Konsum - und Wegwerfgesellschaft. Nichts währt ewig! So is et!