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Sonntag, 31. März 2013

Mein Gott, Walter!

Beim vorösterlichen Aus - und Aufräumen vieler Schachteln mit Postkarten, Briefen und sonstigen Erinnerungsstücken in Form von Ansichtskarten sowie Fotografien in allen Variationen, betrachteten wir mit Interesse auch die Briefmarken aus längst vergangenen Zeiten. Was hatten die beiden deutschen Staaten nicht so alles an Motiven gedruckt, um die vielen Philatelisten zu beeindrucken? Neben irgendwelchen Gebäuden, Naturmotiven, fanden sich eine Reihe von Konterfeis der einstigen Politikern der DDR und BRD auf den Briefmarken.
Und, als hätte ich es geahnt, da waren sie wieder, die Marken mit dem " Spitzbart ", jenen wohl in West - und - größtenteils - auch in Ostdeutschland nicht gerade beliebten oder exakter formuliert, eines der best gehasstesten Staatsoberhäupter der
Nachkriegsgeschichte: Walter Ulbricht.

Joh, es kamen die Erinnerungen zurück.

In de Sechzigern  als die Deutsche Demokratische Republik so langsam den Antifaschistischen Schutzwall für Rentner duchlässig machte und die Züge gen Westen, mitten in das geografische Herz des Klassenfeindes zuckelten.Irgendwann in den Mittsechszigern erhielten meine Großeltern Verwandtenbesuch aus der DDR. Der Bruder meines Großvaters, Onkel Georg nebst Ehefrau, Tante Martha, durften aus Ellefeld im Vogtland für vier Wochen die angeblichen Vorzüge des kapitalistischen Auslands kennen lernen. Nun, Onkel Georg und Tante Martha waren längst Rentner und kannten viele Dinge nicht so genau wie wir. Das machte aber nichts, denn die Beiden brachten uns Holzschnitzfiguren mit, die wir wiederum noch nicht gesehen hatten. Und, was für uns Kinder viel interessanter war, sie hatten Ahnung von Pilzen und zauberten eine exzellente Pilzpfanne auf den Tisch.
Aus jener Zeit also waren mir die 10 Pfennig - Briefmarken noch in Erinnerung, die auf den Briefen klebten, die uns Onkel Georg schrieb. Meisten waren sie an meine Großeltern adressiert; zu Weihnachten aber bekamen wir eine eigene Karte. Auch da schaute uns der Erste Mann aus dem zweiten deutschen Staat von der Briefmarke aus an. Einst sammelte ich diese Marken. Und nun, mehr als 40 Jahre später habe ich
sie mir noch einmal angesehen, ehe sie mit den ungezählten Briefen, Postkarten und aussortierten Bildern in die Altpapiertonne gelangten.

Aber auch andere Marken waren darunter. Viele aus den 90ern, den Nachwendejahren. Was die Briefmarken oder im einstigen Amtsdeutsch Postwertzeichen voneinander unterschied, war aber nicht nur der Druck, sondern der damit ihr angegebener Wert. Während auf den DDR - Marken nur 10, später dann 20 Pfennig standen, erkannte ich auf den BRD - Briefmarken Werte von 40, 60, 80 Pfennig, später sogar 100 und 110 Pfennig und zum Schluss 55 Euro - Cent. Seit dem 1. Januar kassiert die Post jetzt 0,58 Eurocent für den Standardbrief.







Tja, und während ich so die alten Briefmarkenmotive anschaute, kam mir unweigerlich die Frage, warum in Westdeutschland die Deutsche Bundespost das vierfache an Briefporto verlangte, wie es einst die DDR tat? Oder warum ein Brief nach der Wende gleich 100 Pfennig, also eine Mark, dann sogar 1,10 Deutsche Mark und jetzt 0,58 Euro kosten muss? Könnte, es eventuell mit der Feststellung zu tun gehabt haben, dass auch die Bundespost von damals ihren Herren in den streng hierarchisch strukturierten Verwaltungen zu hohe Gehälter zahlte? So wie es heute auch der Fall ist?





Freitag, 29. März 2013

50 Jahre ZDF - so alt wird keine Sau!



 Gestern, also Gründonnerstag, als bei " Liga total " fest stand, dass die Dynamos aus Dresden nach gutem Spiel in Braunschweig nur knapp 1:2 verloren hatten, nachdem der Ex-Alkoholiker, Ex - Heidekönig und jetzige Familien - Opa Heiner Lauterbach in der ARD den bösen Kindesvater mimend doch in den Knast musste, zappte ich - ein wenig Erholung suchend - zum Rentnerkanal ZDF rüber. Wie es der Blogger - Kollege Verdins aus Österreich schon sehr richtig erkannt hatte: die Lerchen vom Lerchenberg in Main feiern sich dort selbst. Die Oberfeiertante hieß Maybritt Illner. Sie versuchte durch flapsige Sprüche ein wenig Schwung in die von ergaruten, jedoch mit getönten Haaren und Facelifting auf der großen Bühne der Selbstbeweihräucherung herum stehenden Ölgötzen aus dem Stall der Zwangsgebühren finanzierten Akteure zu bringen.

Alles sah ein bißchen plump gemacht aus. Vieles war bieder, bräsig, blöd. Anderes zu nostalgisch aufgebauscht. Nur die Lerchenberger selbst in ihrem exklusiven Heim aus Glas, Beton und Designer - Möbeln fanden es lustig, als jene alten Zossen aus der Zeit des Schwarz-Weiß - Fernsehens, der grell - poppigen 70er, der öden 80er, der von Angst vor Quotenverluste getriebenen 90er und der sinnfreien Sendeformate der Nachmillenniumsjahre aus der Konserve galoppierten.

Wenn das Zweite Deutsche Fernsehen sich feiert, dann setzt es von der Konkurrenz aus der Zunft der Printmedien ordentlich Hiebe. Weil der Ruch der inzestiösen Fleischbeschauung jener längst in die Jahre gekommenen Damen und Herren auch durch exklusive Sendetechniken nicht abgelegt werden kann.
In  einem " SPIEGEL " - Artikel wird orakelt, dass aus dem unendlichen Fundus von 5 Dekaden Programm, eigentlich nur drei wirkliche Säulenheiligen zu nennen sind: " Matula, der Privatdetektiv, Derrick, der Kriminalkommissar und Hans Rosenthal der ulkige Quiz - Moderator. So erhält der " SPIEGEL " - Beitrag deshalb den Titel " Matula, hol schon mal den Wagen, aber dalli, dalli! "

http://www.spiegel.de/kultur/tv/50-jahre-zdf-matula-derrick-kdd-nina-ruge-dalli-dalli-a-889491.html

Die ZDF - Sendungen mit einem höheren Bekanntheitsgrad lassen sich jedoch nicht nur an jenen drei Protagonisten fest halten. Zu erwähnen wären da: " Das Aktuelle Sportstudio, Der Große Preis,
Wette, das..., Disco, Die ZDF - Hitparade, Kennzeichen D,  ", um nur einige aus 50 Jahren zu nennen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_ZDF-Sendungen

Mensch, wie die Zeit vergeht!

Und weil die schwarze Garde aus Mainz so richtig die Sau beim Feiern heraus lassen will, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es deren Arbeitsplätze mit Beamten ähnlicher Verrentungsgarantie auf Pensionsanspruchsniveau nur deshalb gibt, weil der erste westdeutsche Bundeskanzler, der Urkanzler , der ewige Kanzler also, Dr. Konrad Adenauer zu Beginn der 60er Jahre hinter jedem Busch, jedem Strauch und jeder Hecke einen " Sowjeet " - Agenten lauern sah, der ihn, seine CDU / CSU und die vielen Wähler aus der Gruppe der Altfaschisten ans Leder wollte. So schwang sich denn der Kanzler-Greis aufs Podest und wetterte vom " Rotfunk " ARD so lange in das " Grundig " - Mikrofon, bis auch der letzte Depp aus Bayern verstanden hatte, dass er ein anderes Fernsehen wollte; das " Adenauer - Fernsehen ".
Dieses sollte von der CDU unterstützenden Großindustrie mit finanziert werden, unter der Fuchtel der Schwarzen stehen und jene missliebigen Beiträge erst gar nicht in das Programm aufnehmen, die der schwarz-braunen Mischpoke von damals nicht passten, weil angeblich zuviel Kritik geäußert wurde.
Das Bundesverfassungsgericht kassierte dieses Vorhaben bereits kurz nach Beginn dessen Umsetzungsvorbereitungen in dem Urteil vom 28. Februar 1961. Statt des " Adenauer - Fernsehens " gab es dann ab dem 1. April 1963 das Zweite Deutsche Fernsehen. Zu empfangen war der Sender jedoch nur mit Zusatzantennen, die dann auf dem Dach eines Hauses installiert werden mussten.

http://de.wikipedia.org/wiki/ZDF#Geschichte_und_Entwicklung

Was zu Versuchszwecken bis März 1963 noch eher primitiv und spartanisch als Studio eingerichtet war, wurde im Laufe der vielen Jahre - dank der vielen Gebühren - Milliarden - immer opulenter und luxuriöser. Die Studios und technischen Einrichtungen entwickelten sich von Holzbaracken zu Luxus - Ressorts. Im Gleichschritt stieg die Mitarbeiterzahl sowie auch deren Gehälter. Aus der einstigen Notlösung eines weiteren westdeutschen Fernsehprogramms mutierte eine der größten Sendeanstalten Europas, die zusammen mit dem Ersten sowie eines bundesweiten Radiosenders, nämlich dem Deutschlandradio das Fundament des öffentlich - rechtlichen Rundfunks und Fernsehens darstellt.

50 Jahre ZDF ist aber auch mit vielen Namen verbunden. Da waren es die Nachrichtensprecher, wie Heinz Wrobel, Gerhard Klarner oder auch Hajo Friederichs, Armin Basche, Wim Thoelke oder Rainer Günzler, Harry Valerien, Dieter Kürten.

 https://de.wikipedia.org/wiki/Heute_(Fernsehsendung)#1960er_Jahre

Was vor 50 Jahren eher als Ergänzung zum Ersten Fernsehprogramm gesehen wurde, verstand sich alsbald als Konkurrent zur ARD und dann auch den Privaten. Mit der tief greifenden Veränderung der Medienlandschaft, dem Einzug neuer Kommunikationsmittel, erreicht das Zweite Deutsche Fernsehen seit vielen Jahren aus dem Zuschauerspektrum kaum noch jüngere Menschen, weshalb das ermittelte Durchschnittsalter der ZDF - Glotzer bei sagenhaften 61 Jahren liegt.
Also doch: Rentnerprogramm!
Weshalb in dem zweiten Aufguss der Schulterklopforgie mit Illner und Company am morgigen Samstag die grau melierten Herren, die faltigen oder herunter gehungerten Damen sowie die ollen Kamellen aus der ZDF - Mottenkisten das Sagen haben werden.

Donnerstag, 28. März 2013

Ostereier mit Eis und Schnee!

Da dache doch schon jeder Mitteleuropäer, die kalten Tage des Winter 2012 / 2013 seien endlich vorbei. Doch! Pustekuchen! Der " Isige Gesell " will das Feld nicht kampflos räumen. Er schickte uns seit 14 Tagen immer wieder Schnee sowie Frost. Wann wird es Frühling?
Weil am Gründonnerstag das so genannte Karwochenende beginnt, aber auch der Brauchtum, die Vorgärten und Gärten mit bunten Eiern an den Sträuchern und Büschen sowie Bäumchen zu verunstalten, hofften viele Wintergeschädigte, dass der weiße Spuk dann ein Ende haben möge.
Nichts da! Es bleibt weiter winterlich kalt.
Deshalb überlegt sich so mancher Gartenbesitzer, ob das Osterfeuer nicht doch lieber im eignen Kaminofen bleiben soll. Der wärmt nicht nur die Füße, sondern auch das Gemüt.

Obwohl ab Anfang März schön einige Frühlingsblüher aus dem kurzzeitig von Schnee und Eis befreiten Flächen hervor lugten, hat der erneute Wintereinbruch sie nicht zur Entfaltung kommen lassen. Also gab es keine Märzenbecher, keine Krokusse und die Schneeglöckchen erfroren oder froren im eisigen Wind,der zu gefühlten minus 15 Grad und weniger führte.

Brrrrh - nichts wie weg. Aber wohin? Selbst in dem Sunshine State Florida gab es Frost oder sogar Schneefall. In der Ukraine bibberten die Bewohner bei Frostgraden vor sich hin. In Moskau brach der Autoverkehr zusammen, weil 60 cm und mehr Neuschnee fiel.

Klimaerwärmung, wo bist du?





Weil der Schnee in der schon relativ kräftigen Märzensonne langsam schmilzt, gibt es dennoch Hoffnung, dass die aufgehängten Ostereier nicht frieren.








 Wenn das dennoch der Fall sein sollte, können sie sich ja - wie im Vorgarten des Nachbarn zu sehen ist - eng aneinander reihen, um sich wechselseitig vor den Minusgraden zu schützen.
Auch Plastik ist nicht Kälte resistent. Eben!
Frohes Fest!

Und Mütze, Schal, Handschuhe, einen vorgewärmten Osterkorb sowie einen heißen Grog nicht vergessen!

OLG - NSU = Augen zu?


 Wenn sich eine Abiturientin / ein Abiturient nach dem Erlangen der allgemeinen Hochschulreife in einem rechtswissenschaftlichen Studium an einer der ungezählten Universitäten dieses Landes versuchen sollte, wird der Jurastudentin, dem Jurastudenten schon bald vermittelt, dass das bundesdeutsche Rechtswesen so einfach, wie es die Medienmeute oft darstellt und die Latrinen - Zeitung aus Berlin gerne haben möchte, eben doch nicht ist.
Da gibt es zunächst einen - für den juristischen Laien - schier unübersehbaren Aufbau bei den Gerichten. Wer sich hier einmal die Mühe macht und die Rechtszüge innerhalb der Gerichtsbarkeiten zu erlernen versucht, könnte sehr schnell verzweifeln. Was ist denn nun ein Landgericht? Was ein Landesarbeitsgericht? Oder was ein Landessozialgericht? Dann gibt es da noch Oberlandesgerichte. Und, was, bitte schön, unterscheidet sich dort von einem Amtsgericht? Nun, um jene Fragen beantworten zu können, muss eben ein angehender Jurist mindestens 3, 5 Jahre für das Erste Staatsexamen und weitere 2,5 bis zur Erlangung der Befähigung zum Richteramt fleißig lernen. Sollte sie oder er, denn sonst droht der Super - GAU, nämlich kein Berufsabschluss.

Und dennoch ist es nicht jeder Juristin, jedem Juristen vergönnt, kraft dem in den Vorlesungen, Seminaren und Repetitorien eingebläutem Wissen, die nicht vorhandene Logik der Rechtswissenschaften zu verstehen; geschweige denn, nach den Buchstaben des Gesetzes zu handeln. Und zwar so, dass es Lieschen Meier und Fritzchen Müller auch versteht.

Einst verwiesen meine Hochschullehrer in den vielen Veranstaltungen auf die erheblichen Defizite, unter denen die Jurisprudenz leider immer noch leidet. Eine verquastete Sprache durch Fachtermini, die außer den Juristen selbst, kaum jemand versteht. Und selbst innerhalb des einst erlauchten Zirkels an Rechtskundigen gibt es nicht wenige, die bei der Problemlösung auf ihnen eher unbekannten Rechtsgebieten, wie der berühmte Ochs vor dem Berge stehen. Nach gesagt wird dieser Berufsgruppe aber auch, dass sie über keine oder oft nur wenig soziale Kompetenz verfügen. Weshalb vor vielen Jahren der Versuch gestartet wurde, dieses Manko im Rahmen von Reformstudiengängen ein wenig auszugleichen.

Auch daraus wurde nichts, weil die Berufslobbyisten in der Politik und das reaktionäre Lager in den Universitätsverwaltungen hier sehr schnell einen Riegel vorschoben. So wird denn das Gros der Absolventen immer noch nach der erreichten Prüfungspunktezahl ausgesiebt. Wer ein Prädikatsexamen hingelegt hat, darf Richter werden, in den Beamtendienst eintreten oder erhält den Zugang zu höheren Weihen in der Wirtschaft.
Der Fachidiotismus grassiert auch hier und gibt dabei anderen Qualitäten des Aspiranten für jene Posten kaum eine Chance.

Vor diesem Hintergrund dürfte denn auch die Entscheidung des Strafsenats am Oberlandesgericht ( OLG ) in München zu sehen sein, die da lautete, in dem anstehenden Prozess gegen das mutmaßliche Mitglied der Mörderbande mit dem verschleiernden Namen Nationalsozialistischer Untergrund ( NSU ) Zschäpe sowie weiteren angeklagten Helfern und Helfershelfern nur 50 Sitzplätze für akkreditierte Journalisten zur Verfügung zu stellen und diese nach Eingang des jeweiligen Antrags aufzuteilen. Das Ergebnis daraus ist bekannt: Es hätten nur deutsche Presse - oder Medienvertreter berichten dürfen.
Ein Aufschrei ging durch die Medienlandschaft.Der ausländische Teil der auf das Münchner OLG einprügelnden Schreiberlinge, Kommentatoren und Besserwisser hielt sich indes in Grenzen, denn schließlich haben Zschäpe und Konsorten " nur " türkisch - griechische Ausländer ermordet. Dennoch setzte es von allen Seiten Hiebe für den 6. Strafsenat unter dem Vorsitz von VROLG Manfred Götzl, der nach dem dortigen Geschäftsverteilungsplan für Staatsschutzdelikte zuständig ist. Nun fragt sich der juristisch nicht Kundige, warum einer aus Zwickau, also aus Sachsen kommende bzw. damals dort wohnende Gruppe von mutmaßlichen Straftätern in Bayern, genauer gesagt in München, der Prozess gemacht wird?
Auch hier ist das Gesetz nämlich die Strafprozessordnung eindeutig.
Bei der Auswahl des zuständigen Gerichtsstandes hat der Gesetzgeber der Staatsanwaltschaft ein Wahlrecht eingeräumt und dabei den Gerichtsstand des Tatortes, des Wohnortes und de Ergreifungsortes als Reihenfolge aufgeführt.
Da 5 der im NU - Verfahren angeklagten 9 Morde in München verübt wurden, ist ein Münchner Gericht, also das Oberlandesgericht örtlich zuständig.
Und so schwadroniere die bayrischen Medien schon von eine " Prozess der Superlative ":

 http://www.br.de/nachrichten/nsu-mordserie-prozess100.html

Und nicht nur das. Weil das OLG München so klein nun einmal nicht ist ( http://www.justiz.bayern.de/gericht/olg/m/bezirk/ ), der Einfluss der CSU dafür immer sehr groß bleibt, könnte der Strafsenat seine Entscheidung bereits nach kurzer Zeit revidieren .
Vom Gesetz her ( hier gilt das Gerichtsverfassungsgesetz ) haben die fünf Berufsrichter nichts unrechtmäßiges getan, denn der nach § 169 GVG bestehende Grundsatz der Öffentlichkeit in Gerichtsverhandlungen ist ein sehr hohes Gut. Wer durch Verletzung des Gebots ein Verfahren führt, läuft Gefahr in einem Rechtsmittelprozess nicht nur gerüffelt zu werden, sondern auch eine Aufhebung des Urteils hinnehmen zu müssen. Die Schwarzkittel fürchten einen solchen Fall, wie der Teufel das Weihwasser - auch im Bazi - Land. Denn auch der Strafsenat beim OLG München kennt die vielschichtige Rechtsprechung hierzu ( http://dejure.org/dienste/lex/GVG/169/1.html ).

Was allerdings Recht ist, bestimmt manchmal eben nicht ein Gesetzt, sondern die Einfluss nehmende Politik und de sagt dann schon mal: Es ist bald Wahl, Freunde rudert sofort zurück, sonst gibt´s für uns alle Saures.
Na, da sind wir aber gespannt, was ab dem 17. April sonst noch geschieht. ob mit oder ohne zugelassene ausländische Gerichtsberichterstatter.






Mittwoch, 27. März 2013

Wo ist Alf geblieben?








Wenige Wochen vor Vollendung eines weiteren Jahrzehnts, geistern mir in den wenigen, sentimentalen Minuten, die ich mir früh morgens beim Lesen und Radio hören nehme, so einige Gedanken an längst vergangene Fernsehserien durch den Kopf. Dabei ertappte ich mich, wie ich an den US - Schwarten " Dallas ", " Denver " oder den Schinken aus dem Glottertal namens " Schwarzwaldklinik ", die eine oder andere Erinnerung wieder auffrischen wollte. Nee, nicht wirklich, oder doch?
Nun, die verblödenden 80er Jahre hatten aber auch einige Highlights im Petto. So zum Beispiel " Kir Royal " von Helmuth Dietl, " Miami Vice " mit den beiden US - Drogenermittlern  Don Johnson  und  Philip Michael Thomas in den Hauptrollen oder aber auch die heimelige Familiensoap " Ein Heim für Tiere " mit dem unvergessenen Siegfried Wischnewski.

Ein weiterer Dauerbrenner war die Ulk - Serie " Alf ". Wie alle aus den USA importierten Nonsensproduktionen, schlug auch " Alf " in den Vorwendejahren Quoten technisch betrachtet, wie eine Bombe ein. " Alf ", dass war der Außerirdische von dem Fantasieplaneten " Melba ", der mit dummen Sprüchen und chaotischen Aktionen die ZDF - Zuschauer zum Lachen bringen sollte.
Dieses gelang sicherlich nicht immer, zumal der US - amerikanische Müll. der aus dem " Slapstick " - Genre ausgegraben wurde und noch wird, mit dem Humor dem biederen Bundesdeutschen nie kompatibel gestaltet werden kann.
So mühte sich den " Alf " und seine Gastfamilie, die Eheleute Tanner nebst der beiden - schon damals völlig verzogenen - Gören Lynn und Brian sowie unter Zuhilfenahme der Nachbar Ochomonek um ein wenig Erheiterung im grauen Alltag des westdeutschen Berufslebens.
Das schon damals bräsige ZDF mitsamt seinen CDU - Kohl - Lobhudel - Truppen brachte es dennoch fertig, den Außerirdischen vom 5. Januar 1988 bis zum Frühjahr 1991 in insgesamt 100 Episoden dem dann vereinigungsgeschwängerten Gesamtdeutschen auf dem versilberten Tablett des Vorabends zu kredenzen.

In der US - Serie fungierten:



In der deutschen Synchronisationsfassung lieh der Schauspieler Thoma Piper, der Sohn des unvergessenen Heinz Piper ( dieser ist in dem Kult - Sketsch " Dinner for one " als Ansager zu sehen ) dem Alien Gordon Shumway alias " Alf " seine Stimme. 


http://de.wikipedia.org/wiki/Alf_(Fernsehserie)

Zugegebenermaßen, nicht jede Folge konnte mich einst in den späten 80er Jahren wirklich überzeugen. Hinzu kam, dass das nervige Gelächter aus der Konserve, dass die Yankees ständig untergemischt hatten, oft nicht zu den Dialogen und der Szenerie passte. Sei´s drum: " Alf " war vormals eben kultig. Das erkannte auch die Spielzeugindustrie und gab Gummi. Der Markt wurde alsbald von den " Alf " - Figuren überschwemmt und jeder Spross ab dem lauffähigen Alter hielt den Melbanianer spätestens ab Weihnachten 1988 in seinen zarten Händchen.

Es ist nun mehr als 25 Jahre her, seit Gordon Shumway für Furore auf der Mattscheibe des Kohl - Deutschlands sorgte. Irgendwann in den 90ern kramte der Verdummungskanal " Pro7 " die " Alf " - Serie wieder aus der Mottenkisten und versuchte damit die unendliche Sendezeit eines Vollprogramm billiger zu gestalten. Danach konnte der Bundesrepublikaner den " Alf " auf diversen weiteren Sendern als Wiederholungen beglotzen. Ob hier sämtliche Folgen ausgestrahlt wurden, kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden, denn einige Programme nahmen den " Alien Life Form " nur mit wenigen Episoden in das Angebot auf.

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Alf-Episoden

Da las ich doch gestern Abend, kurz vor dem Ende des quälend langweiligen, weil einseitigen Fußballqualifikationsländerspiel zwischen den hoch bezahlten DFB - Kickern und den Maurern aus Kasachstan, dass der Spartensender " RTLNitro ", dass ist ein Kanal, den wirklich kein Zuschauer benötigt ( Einschaltquoten weit unter 1 % ), dass " Alf " dort zum wiederholten Male aufgelegt wurde.
Nun, selbst bei der unverfänglichen Sendezeit ab 19.20 Uhr wird mich auch ein Anfluch von Nostalgie nicht dazu bewegen können, mir den Schmus aus den 80ern noch einmal anzutun. Ich befürchte, mir kommen dabei vor Rührung die Tränen, denn schon damals war zum Zeitpunkt der Erstausstrahlung durch den Rentner - Kanal ZDF klar, warum die Zwangsgebühren stetig steigen mussten.


http://de.wikipedia.org/wiki/RTL_Nitro



Dienstag, 26. März 2013

" Happy Birthday To You! You Live In A Zoo!"


Das menschliche Leben hält so manche Überraschung für einen Erdenbürger parat.Ist es nach der Geburt ein ständiger Lernprozess, den der noch sehr junge Sprössling zu durch laufen hat, so ändert sich dieses spätestens mit dem Erreichen der berühmt berüchtigten Teenagermarke von 10 Jahren. Hier nehmen die Einflüsse aus der Erwachsenenwelt stetig zu und das Interesse des Nachwuchses an diesen Vorgaben, Regeln und Geboten im gleichen Maße ab. Nicht nur, dass dadurch frech opponiert und sich ab dem vollendeten 18. Lebensjahr das unverbriefte Recht der Selbstbestimmung heraus genommen werden darf, nein, auch die Beckmesserei nimmt dabei astronomische Größenordnungen an. Sobald dann die 20er - Marke erreicht ist, schaut der Jungsput oder die junge Frau hier und da schon mal in die berufliche Zukunft und möchte den Älteren sofort zeigen, dass Lebenserfahrung allein nicht als berufliche Qualifikation ausreicht.

Das ist gut so, dass ist der Anspruch der Folgegeneration auf eigene Lebensinhalte. Mögen sich diese auch noch so sehr von denen der Eltern unterscheiden. Damit lebt eine sich auf Modernität und permanenten Wandel eingerichtete Gesellschaft.

Wird die 30er - Grenze dann angekratzt und überschritten, hat das irdische Dasein längst andere Schwerpunkte gesetzt. Ob nun beruflich oder auch im eignen familiären Umfeld. Häufig sind bereits eigene Kinder vorhanden, die diese und vor allem die Folgejahre bestimmen sollten.

Mit 40 und mehr erwartet die Gesellschaft, dass ein mitten im Leben stehender Kerl mindestens drei Dinge von sich behaupten kann: a) ein Haus gebaut zu haben, b) ein Kind gezeugt zu haben und c) ein Baum gepflanzt zu haben.

Die Reihenfolge bei der Erfüllung jener machoistischen Forderungen ist indes beliebig. Dieses gilt umso mehr, als dass der Durchschnittsknilch nunmehr in eine gefährliche Zeitspanne hinein gerät, die da " Midlife Crises " heisst und von der Wissenschaft ständig untersucht, des Öfteren folgende Merkmale aufweisen kann:

a) Es wird ein teures Auto gekauft, mit dem Mann(man) herum spielen und protzen kann und mit dem Mann (man) den vermeintlich zu klein geratenen Penis künstlich um etliche Zentimeter verlängern darf;

b) Es wird nach einer wesentlich jüngeren Partnerin als Frau oder Nebenfrau oder Lebensabschnittsgespielin Ausschau gehalten ( wer einen Ödipuskomplex vorweist, sucht in den selteneren Fällen eine ältere Partnerin ), mit deren Hilfe dann das bisher verpasste Leben durch neue Inhalte aufgewertet werden muss;

c) Es wird ein Weg gesucht, auf dem Mann (man) die längst verflossene Jugend wieder zurück geholt werden soll, indem er über die tollen Jahre des Erwachsenwerdens schwadroniert, diese mittels ausschweifenden Konsum von sinnlosen Dingen zurückzuholen gedenkt und dabei die eignen finanziellen Möglichkeiten permanent überschätzt.

Bei den Frauen kann sich die Krise in der Lebensmitte in dem zwanghaften Drang, den eigenen Körper mittels chirugischer Eingriffe, wie Lifting, Fettabsaugen und Botox - Orgien ausdrücken. Die darüber versuchte Kompensation, des sich schleichenden Verabschiedens aus der Zeugungsschlacht, ähnelt in Extremfällen dem untauglichen Versuch, aus dem biologisch programmierten Hautschrumpfungsprozess zu entfliehen. Dank industrieller Produktion von Kosmetika kann auch ein sukzessive alternder Körper durchaus attraktiv wirken, wenn die volle Dröhnung an Tuschkastenfarben in die Visage, auf das Haupt oder sonstige Körperzonen gelangt. Wer den Glauben an sich selbst und ein im eigenen Leib implantiertes Gen der ewigen Jugend nicht so schnell aufgeben möchte, der lässt sich zusätzlich von Master Mang aus München für viel Geld verunstalten. Die Silikonkissenindustrie leistet hierbei eine gewichtige Rolle, damit Mang und Konsorten nie erwerbslos werden.

Sind die 40er abgelaufen, ist die eigene Brut über das Gröbste hinweg getragen oder ist der Anlauf des Mannes, in den reifen Vierzigern einen Neuanfang mittels jüngerer Gefährtin und Zweitfamilie vielleicht in die Brüche gegangen, wäre es durchaus möglich, dass sich die in die Silver Ager - Jahre gekommenen Gestressten getrost zurück lehnen und auf ein halbwegs erfülltes Leben zurück blicken.
Doch daraus könnte für die Betroffenen mit Kindern sehr schnell nichts werden, denn es droht die Dritte Generation in Gestalt der Enkelkinder. Wer hier nicht sehr schnell den berühmten Riegel vorschiebt, könnte alsbald zur Hilfsperson bei der Erziehung, Versorgung und Betreuung degradiert werden. Eine andere Gefahr besteht in dem zu hoch dosierten Verwöhnaroma, das der Vertreter der Geraden Linie erhält, indem all jene nunmehr selbst erkannten Fehler bei der Erziehung des eigenen Kindes oder der Kinder, durch großzügiges, materielles Hineinpumpen in das / die Wunderkind/er wieder gut gemacht werden sollen. Selbstlos spielen die Großeltern in diversen Varianten jetzt den Chauffeur, den Drei - Sterne - Koch oder die Hausbank, wenn es um die Finanzierung jener unendlichen, von der Brüll - Müll - Werbung vorgegeben Konsumgüter oder Statussymbole geht.

Solange des Singleleben des vielleicht geschiedenen " Alten Sacks ", der Mann / man ja mit dem Erreichen des 50ten ist, keine großartigen Veränderungen aufweist, versucht sich der in Erst - Zweit - Dritt - oder Vielehe gescheiterte eventuell nicht noch einmal bei der Partnersuche und lässt eben " Alle Fünfe " gerade sein. Ein anderer Gestrandeter gibt nichtssagende Heiratsannoncen bei der lokalen Presse auf, geht zu einer teuren Partnervermittlungsagentur und lässt sich hier kräftig abzocken oder schlägt den virtuellen Weg über eine Internet - Fleischbeschauungsbörse ein.
Nur der Geläuterte hat es längst aufgegeben, einen Begleiter für den Rest des Lebens zu suchen, düst, schippert oder reist mobil dafür in der Weltgeschichte herum oder kramt in einem Anflug von nostalgischer Verklärung in den verblichenen Fotoalben.
Eine andere Spezies aus der Kategorie der vom Leben Desillusionierten gräbt sich in einer winzigen Wohnung ein, säuft oder sieht täglich 18 Stunden fern.

Da der Anspruch auf Vollständigkeit bei der Benennung lebenserhaltender - und lebensrettender Dinge oder Maßnahmen hier nicht besteht, sind selbstverständlich auf weitere Un - Ab - oder Arten möglich, die bei dem Bestreben, die uns gegebene Zeit irgendwie tot zu schlagen, zu verbringen und zu nutzen, denkbar.


Der Homo sapiens ist als das gefährlichste Raubtier auf diesem Planeten auch dabei sehr variantenreich.

Da klapperte es am 20. März, dem Tag vor dem kalendarischen Frühlingsanfang, im Treppenhaus des Kanadischen Blockhauses in Murau / Steiermark in den sehr frühen Morgenstunden, nämlich ab 5.20 Uhr. Der Versuch der beiden Enkeltöchter leise zu sein, scheiterte bereits im Ansatz. Dennoch wurde hörbar getuschelt, als die Türklinke zum Gästezimmer herunter gedrückt war. Flugs verschwanden da zwei Gratulantinnen unter das wohlig warme Oberbett. Nach einer kurzen Ruhephase startete dann die ältere Enkelin ihre sattsam bekannten, von kindlicher Logik bestimmten Monologe über jene Großereignisse aus dem eigenen Leben. Und während der nicht endende Wortschwall, der kaum zu stoppende Redefluss und die, an die, in den Hochzeiten der Informationsverbreitung, durch die Unzahl von Nachrichtenmedien verbreitete Unart über sämtliche Themen berichten zu müssen, dabei locker übertroffen wurde und damit beinahe an Körperverletzung grenzende Wortstakkatos auf mich herein prasselten, zog ich brummend, wie ein Teddybär, den Bettzipfel über meinen Kopf, in der Hoffnung, damit eine Schall dämpfende Wirkung zu erzielen. Doch weit gefehlt! Damit hatte ich erst den Ergeiz der künftigen Rentenbeitragszahler geweckt. Nun wurde gewühlt und getobt. Als dann - erheblich später - auch noch der dritte Racker in das Zimmer gelangte, war an einer kurzzeitig eingetretenen Ruhe nicht mehr zu denken. Wechselweise lauteten sodann die Angriffsbefehle der Generälin: " Alles auf Oma; alles auf Opa! ".

Selbst der dezente Hinweis, dass ja eigentlich heute der runde Geburtstag anstünde und eher ein Ständchen in dem üblichen Singsang des meistens Ohrenschmerzen verursachenden " Happy Birthday " fällig sei, wurde von den drei Enkeln in den Wind geschlagen. Stattdessen verballhornte die Älteste das Geburtstagslied in englischer Sprache so:


" Happy Birthday to you
  You live in a zoo.
  You look like a monkey.
  And you smell ( act ) like one too. "


Damit hatte sie einen Lacher gelandet. Der dann noch größer wurde, als sie auf die Frage, ob sie diese Verulkung auch im Kindergarten gesungen habe, ein klares Ja folgen ließ und die Zusatzfrage, ob denn die anderen Kinder ihren Vortrag veerstanden haben, ein noch deutlicheres Nein folgte.

Immerhin: Sie hatte doch nicht einmal Unrecht, wenn es auf das Erwachsenenleben bezogen wird.
    




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Samstag, 16. März 2013

Eine verbotene Nummer?





Die Anzahl der auf diesem Planeten zugelassenen Personenkraftwagen nimmt täglich zu. Nicht nur in China, nicht nur in Amerika oder in Russland. Damit kämpft jeder PKW - Besitzer einen einsamen Kampf mit dem schleichenden Identitätsverlust, denn in der riesigen Masse der rollenden Wohnzimmer mit High Tech - Innenleben, lässt sich nur dann ein PKW - Führer ab und zu heraus heben, wenn er in seiner Chaise eine Besonderheit vorweisen kann. Einst waren es bunte Verzierungen, Sportfelgen oder Rallaystreifen, dann Aufkleber gegen und für Etwas, später Metallicfarben und heute ist es die schiere Größe der fahrenden Schüssel, die allenfalls als Unterscheidungsmerkmal aufwarten kann.
Da bietet es sich doch förmlich an, die Kennzeichen des eigenen Gefährts so zu gestalten, dass deren Kombination aus Buchstaben und Ziffern auf ein spezifisches Merkmal der dazu gehörigen Person hinweist.
Und - nichts leichter, als das - jene Kombination eben als einzigartig zu erschaffen.

In einigen Ländern beginnt das Kfz - Kennzeichen mit einer Buchstabenkombination, der eine Zahlenkombination folgt. So, wie es beispielsweise in Dänemark praktiziert wird:


http://de.wikipedia.org/wiki/Kfz-Kennzeichen_(D%C3%A4nemark)

Andere Staaten setzen dem amtlichen Kfz - Kennzeichen zunächst eine Zahlen -, dann eine Buchstabenkombination ein. Dieses wird seit 2011 in Spanien gehandhabt::


http://de.wikipedia.org/wiki/Kfz-Kennzeichen_(Spanien)

Sehr kreativ indessen zeigen sich - wie sollte es auch anders sein - die Vereinigten Staaten von Amerika. Hier werden die Kraftfahrzeugkennzeichen nicht einheitlich ausgegeben und kreiert, sondern es ist in jedem Bundesland ein eigenes Prozedere hierfür vorgesehen. Dabei sind den Sonderwünschen beinahe Tür und Tor geöffnet. Weil das Land mit dn angeblich unbegrenzten Möglichkeiten nun auch sehr groß ist, eine enorme Anzahl von Fahrzeugen aufweist, die zudem riesige Mengen an Benzin / Diesel täglich verbraten, sind die Varianten bei den Kfz - Kennzeichen auch nahezu unbegrenzt. Jedem sein Kennzeichen eben. Dieses ist längst zum Symbol des persönlichen Lebensstils oder des Ausdrucks geworden, der hiermit in das Umfeld getragen wird.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kfz-Kennzeichen_(Vereinigte_Staaten)

Und da nahezu alles erlaubt ist, was sich des übergewichtigen Durchschnittamerikaners als überlebenswichtig erscheint ( beispielsweise Knarren aller Art, um sich gegen Feinde zur Wehr setzen zu können - Aliens einbezogen ), zeigt sich die Gestaltung der Kraftfahrzeugkennzeichen auch äußerst kreativ.
Das dachte auch der Amerikaner James Cyrus Gilbert aus Atlanta im US - Bundesstaat Georgia als er auf dem Weg zur dortigen Kraftfahrzeugzulassungsstelle war. Gilbert ist von Beruf Hairstylist.Er lebt als Homosexueller in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft. Diese ist im Bundesstaat Georgia verboten, weshalb eine Eheschließung nicht möglich ist.
Der US - Bürger Gilbert wollte dennoch zeigen, dass er sich für die Rechte der Homosexuellen stark macht, indem er ein Kfz - Kennzeichen anbringen lassen möchte, dass da lautete: " 4GAYLIB ". Er blitzte damit bei der Behörde ab. Auch ähnliche Wort - und Zahlenkombinationen, die auf seine Homosexualität Rückschluss gaben, bügelte die Zulassungsbehörde mit den Argument ab, dass jene Kennzeichen eben verboten seien, weil das Schwulsein in dem Bundesstaat Georgia offizielle nicht erlaubt sei.

Gilbert, der Bürger des Landes mit der angeblich liberalsten Verfassung will jedoch für seine Rechte weiter kämpfen:

http://magazin.spiegel.de/reader/index_SP.html#j=2013&h=9&a=91203397

Und während ich den " SPIEGEL " - Artikel las, das verlogene US - Heucheln von der liberalen Verfassung, dem freien Land und den unbegrenzten Möglichkeiten mir an anderen Skandalen und verbrecherischen Handlungen der US - Behörden noch einmal vor Augen führte, kamen mir Gedanken an die Kennzeichenvergabe in diesem, unserem Lande.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kfz-Kennzeichen_(Deutschland)

Auch hier gibt es verschiedene Beschränkungen. So insbesondere für Buchstabenvarianten, die auf im Nationalsozialismus gebräuchliche Abkürzungen hinweisen:

 http://de.wikipedia.org/wiki/Kfz-Kennzeichen_(Deutschland)#Unerw.C3.BCnschte_Erkennungsnummern

Immerhin auch eine Art von Verbot. Andererseits werden eben die Wunschkennzeichen in allerlei Kombinationen heraus gegeben:

http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Vanity_plates?uselang=de

Wer seinen Schlorren dann noch mehr liebt, als seinen Partner ( dieses wird bei den Fahrern bevorzugt ), der lässt die Initialen auf das Blech drucken. Wer seine Stadt besonders attraktiv findet, gibt die einfache oder zweifache Buchstabenkombination noch einmal auf dem Kennzeichen wieder. Wer besonders witzig sein will, ergänzt die Buchstaben des Zulassungsortes durch ein oder zwei weitere nach dem Bindestrich.

Und hiernach wäre der Hinweis auf die sexuelle Einstellung des Besitzers in der BRD durchaus möglich:

G - AY 1 bis 9999
GA - Y 1 bis 9999
HO - MO 1 bis 9999

Na, denn: A - MI 1234 , G - O 5678 , HO - ME 910!

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_aller_Kfz-Kennzeichen_der_Bundesrepublik_Deutschland

" I 'm Going Home by Helicopter " - Mr. " Ten Years After " spielt nie mehr.


 Der tägliche Tsunami an Meldungen, Nachrichten und Informationen erschlägt den normalen Rezipienten, noch bevor der so richtig registriert, was da draußen in der Welt, hier in diesem, unserem Lande oder quasi in der eigenen Stadt - also vor der Haustür - alles passiert ist, sind diese Mitteilungen bereits veraltet. Viel Info - und Datenmüll lässt sich sicherlich gleich nach dem Drei-Affen-Prinzip ausblenden, was dann noch übrig bleibt könnte durchaus interessant sein. Beim Filtern der Meldungen vom 6. und 7. März 2013 muss mir wohl entgangen sein, dass der ehemalige Gitarrist der englischen Rockgruppe " Ten Years After " während einer Operation in einem spanischen Krankenhaus verstarb:

http://www.bluesnews.de/news-reader/items/alvin-lee-verstorben.html

Der 68jährige Musiker lebte zuletzt in seiner Wahlheimat in Südspanien, wo er zwischenzeitlich ein weiteres Album aufgenommen hatte. Er titelte es " Still On the Road to Freedom ". Eine Hommage an eines seiner vielen Alben, dass er bereits 1973 zusammen mit dem Musiker Mylon LeFevre aufnahm.
Vielleicht wollte Alvin die Zeit noch einmal um 4 Dekaden zurück drehen, als er mit Ende 20 am Zenit seines künstlerischen Schaffens angelangt war? Möglicherweise war sein gesundheitlicher Zustand nicht so, wie er es nach außen kundtat, denn Lee beabsichtigte mit dem neuen Album erneut auf Tour zu gehen. Dorthin, wo er sich ab den frühen 1960er Jahren hingezogen fühlte.

http://www.alvinlee.com/

Auch wenn er durch seine musikalische Familie, aus der er stammt, vorgeprägt war, verlief seine Jugend alles andere als ideal. Das Elternhaus war arm und somit nicht in der Lage, das musikalische Talent des Sohnes zu fördern. Auch wenn Alvin bereits mit 12 Jahren passabel Klarinette spielt, aber dann mit 13 zu Gitarre wechselte. Er verehrte den Gitarristen von Elvis Presley, einen gewissen Scotty Moore, fühlte sich aber andererseits auch zum Jazz hingezogen. Einen Widerspruch der Musikrichtungen an sich, den Lee einige Jahre später bei der Gründung von " Ten Years After " in diversen Kompositionen auflöste, indem er seine Stücke als Fusion beider Richtungen veröffentlichen ließ. Zuvor versuchte er sich in unterschiedlichen Schülerbands. Die stilistische Ausprägung der Lee´schen Gruppen war bereits damals klar: Bluesrock.
Nicht von ungefähr, denn wer die frühen LPs der " TYA " 45 Jahre später hört, merkt sehr schnell, dass dort ein Musiker versucht die seine Jugendzeit abzuarbeiten. "
Seine Gastspiel im legendären Hamburger Star Club sollten dabei lediglich ein winziger Mosaikstein zu einer beginnenden, beispiellosen Karriere sein.

http://de.wikipedia.org/wiki/Alvin_Lee

Das der Höhenflug von "TYA" dann nur 7 lange Jahre anhielt war wohl dem exzentrischen Auftreten des Gitarristen geschuldet. Exzentrisch im positiven Sinne, denn Alvin Lee entwickelte sich und seinen unverwechselbaren Gitarrenstil weiter. In dieser Zeitspanne traten "TYA" in den einst weltbekannten Musiktempeln "Fillmore East ", " Marquee " oder " Budokan " auf. Sie spielten 1969 auf dem Festival in " Woodstock ", 1970 auf der " Isle Wight " und gaben 1973 eine ausgiebige Deutschland Tournee (  http://www.alvinlee.de/1973.htm ) Da aber Stillstand  in der Musik auch Rückschritt bedeuten kann. trennte sich Lee von seinen einstigen Mitstreitern ( Chick Churchill, Leo Lyons und Ric Lee ). Weshalb Alvin Lee auch seine Formationen dann ständig erneuerte, lag aber wohl auch eher an seinem dominanten Auftreten. Aus der Zeit von " Alvn Lee & Company, " Ten Years Later " und " The Alvin Lee Band " stammen einige klasse Alben. Unvergessen auch der Auftritt von " Ten Yeras Later " in der Essener " Grugahalle " anlässlich des  3. " Rockpalast " am 15. und 16. September 1978 als sie dort neben dem Ex - " Genesis " - Sänger Peter Gabriel, dem Blueser Paul Butterfield mit Band und vor dem größten Boxer aller Zeiten Ali auftspielten.

.http://www.alvinlee.de/1978.htm

Auch in den 80er Jahren war Alvin Lee mit seiner Band eine Nummer im Rock - Zirkus. Steve Gould am Bass und der Schlagzeuger Alan Young komplettierten die Formation.

http://www.alvinlee.de/

Alvin Lee spielte aber auch später mit weiteren Musikgrößen, wie Steve Windwood, Tim HinkleyIan Wallace Ron Wood, oder Mick Fleetwood. Während die einstigen Bandmitglieder von "TYA" - nach einer nur kurz andauernden Reunion - zusammen mit dem für Lee spielenden Gitarristen Joe Gulch weiter auf Tournee gehen, setzte Alvin Lee auf die Umsetzung eigener Projekte. 

" Ten Years After " galt in den 70ern als die Bluesrock - Band schlechthin, als Vertreter des High - Speed - Gitarrenspiels, als Stimmungsband - nicht nur wegen " I´m Going Home ", denn die Gruppe konnte mehr als nur dieses eine Stück. Ich favorisiere da eben die seichteren Stücke aus jener Zeit, wie " If You Should Love Me ", " Circles " oder aber " My Baby Left Me ", ein Stück, dass auch als Single über einige Jahre auf meinem Plattenteller lag:  


My baby left me; 
she would-n't tell a lie.
'Cause she said she would, 

she did, and she left me high and dry.
My baby left me; 

last night I heard her cry.
She would-n't tell me why,

 she just said, "Bye bye."

I used to sing the blues

; I thought I sang for real.
Now I know the feel and it hurts too much.
My baby left me; 

she left me all alone.
She's never comin' home 

and I want to die.

Alvin Left Us. He´s Going Home By Helicopter!

Donnerstag, 14. März 2013

Zuggespräche über die Leere der Lehre oder: Was hat sich eigentlich seit 1969 geändert?


Weil der Winter hier noch einmal eingezogen ist ( er hatte sich ja schon vorher angemeldet ) sind zurzeit die Züge der Deutsche Bahn noch voller als sonst. So mancher Radler, motorisierte Zweiradfahrer oder PKW - Besitzer zieht es doch lieber vor, das vermeintlich sicherere Verkehrsmittel zu nutzen, um von Dresden nach Freiberg, Chemnitz oder Zwickau zu gelangen. Darunter natürlich wieder viele Studiosi. Deren oft selbstdarstellerische Dauergespräche mittels Smartphone und Co. sind meistens kaum zu ertragen. Nun, ja, im Zeitalter der Massenkommunikationsmittel besteht die Gefahr, an der digitale Demenz zu erkranken, eben nicht nur in den eigenen Vier Wänden.
Da bietet denn ein intensiver Dialog zwischen zwei Auszubildenden au der gegenüber platzierten Sitzbank eine wahrhaftige Erholung.

Und weil das Gespräch nicht nur im gemäßigten Ton stattfand, sondern zunehmend dem wahren Leben sehr nahe kam, lauschte denn meine bessere Hälfte ein wenig, als einer der beiden Auszubildenden von seinem Leidensweg berichtete.
Er hatte zunächst eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann aufgenommen und diese nach 3 Jahren mit der Gehilfenprüfung abgeschlossen. Dann kam das böse Erwachen. der Bruttoverdienst in den ersten Jahren lag bei ca. 1300 EURO , was einem Nettoentgelt von etwas 800  Euro entsprach. Ein typischer Fall von trotz Arbeit arm. Der Mann musste deshalb durch HARTZ IV - Leistungen aufstocken. Die Firma ging in die Insolvenz. Das warś für den gelernten Einzelhandelskaufmannsgehilfen!

Er begann deshalb eine weitere Lehre als Tischler. Nach der Hälfte der Ausbildungszeit erlitt er einen Arbeitsunfall, erkrankte über einen längeren Zeitraum und erhielt die Kündigung durch den Betriebsinhaber. Er klagte erfolgreich vor dem Arbeitsgericht und musste wieder eingestellt werden. Der Chef indes war nicht begeistert und prophezeite ihm, dass er nur noch vor der Werkbank stehen würde. Daraufhin wechselte er den Betrieb und setzte seine Ausbildung fort.

Nun, ein Fall unter Zehntausenden. Nichts besonderes eigentlich, hätte der Auszubildende - inzwischen 25 Jahre alt und Vater eines Kindes - nicht von den Umständen während seiner Ausbildung erzählt.
Da der Einzelhandel, der im ersten Ausbildungsjahr eine Vergütung von sage und schreibe 283 Euro ( Ost ) gewährt, die sich dann bis zum 3. Ausbildungsjahr auf sensationelle 343 Euro steigert, hier der Kleinbetrieb mit Tischlermeister und vielleicht zwei, drei oder vier Gesellen. Eine Klitsche, die um das täglich Überleben kämpft und keine dauerhaft kranken Lehrlinge gebrauchen kann, weil deren Arbeitskraft ja billiger ist.

So oder so ähnlich sieht die Realität auf dem Berufsausbildungssektor im Jahr 2013 aus.

Bei der Schilderung  hat  der Auszubildende, der sich nun nebenbei noch als ebay - Powerseller versucht, um ein wenig mehr Geld in die Schatulle zu erhalten, wahrlich nicht übertrieben.



Mir kamen Gedanke an meine eigene Lehrzeit bei der Hermann Altenburg KG in Bückeburg. An die Fahrradfahrten von Bad Eilsen nach Bückeburg. An die Leerzeit vom 1. April 1969 bis 31. März 1972. Die mickrige Ausbildungsvergütung von 90, 120, 150 und zuletzt 180 / 210 DM. Die Arbeitszeiten von 8.00 Uhr bis 13.00 Uhr und von 14.00 Uhr bis 18.00 Uhr sowie Samstag von 8.00 Uhr bis 13.00 Uhr. Dazwischen die Berufsschule von 8.00 Uhr bis 15.00 Uhr und von 8.00 Uhr bis 12.30 Uhr. Im 14tägigen Turnus gab es dann einen Tag arbeitsfrei. Dennoch: Die 35 Stunden - Woche war nahezu Utopie.

So hieß es denn ab dem 1. April des Jahres 1969: Um 20 vor 7 aufstehen, waschen, anziehen, frühstücken, los fahren. Zunächst freudig pfeifend und singend, radelnd durch Klein Eilsen, auf der B83 fahrend (
http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesstra%C3%9Fe_83) nach Bückeburg.Der einstigen Residenzstadt des Fürsten zu Schaumburg - Lippe. Dort, wo vormals der Handel blühte, dort, wo eben viele Handwerksbetriebe, kleinere, allenfalls mittelständische Unternehmen angesiedelt hatten, dort, wo die Wirtschaft prosperierte. Dort gab es genügend Lehrstellen, da beinahe jeder Betrieb ausbildete. Goldene Zeiten also - auf dem Papier, den Statistiken und den politischen Schönfärbereien zu jener Zeit.


Hier durchlief ich das erste Ausbildungsjahr bei der Hermann Altenburg KG, einem alt eingesessen Groß - und Einzelhandelsunternehmen, das Eisenwaren, Sanitär und Haushaltsartikel vertrieb, im Lager.Das bedeutete, Hilfsarbeiten verrichten und bei der Erledigung der Kommissionen mit anfassen.
Danach verlagerte sich der Mittelpunkt meines Tätigkeitsumfeld in den Verkaufsraum, der ein halbes Stockwerk über dem Lager lag.An den Lehrinhalten indes änderte sich nur durch die Schule etwas.
So, wie es der Auszubildende im Zug schilderte und wie es mir weiter gegeben wurde, so hatte ich die Lehrzeit, die oft nur als Leerzeit empfand, auch in Erinnerung.
Mir fiel das Lied von Hannes Wader ein: " So was gibt es noch ", klar, doch, so was wird es immer geben:

Nach acht Jahren Schule konfirmiert, stand ich da mit meinem Zeugnis: Zeichnen, Singen, Religion gut.Mutter wollte gern, dass ich Schriftsetzer würde wie mein Opa, war aber nichts zu machen: zu viele Bewerber mit Abitur Vater war mehr für Maurer oder Tischler. Aber ich, klein und blass vom vielen Lesen jede Nacht, heimlich bei Kerzenlicht, Gedanken immer woanders und dann auf dem Bau, das ging eben nicht. Doch ich bekam eine Lehrstelle in einem Schuhgeschäft als Schaufenstergestalter.

Das ist doch ewig lange her,
ist vergessen, das war mal,
das gibt's heut nicht mehr.
So sollte man meinen und doch:
So was gibt es noch.
So was gibt es noch.

Erstes Schuljahr: vierzig Mark im Monat. Tagesablauf wie folgt: morgens um sieben zum Bus. Brote, Henkelmann in der Aktentasche und Ermahnungen: »Ernst des Lebens - Lehrjahre sind keine ...« und so weiter. Dann in der Firma Pampelmusen, Teebeutel, Joghurt einkaufen für die Kollegen zum Frühstück. Dann Ware auspacken, ins Lager einräumen, Etiketten kleben, dann Glühbirnen auswechseln - Mittagspause. Dann in den Schaufenstern Schuhe, Glasplatten abstauben, dann in den Keller, Arbeitsstiefel fetten. Neunzehn Uhr - Feierabend.

Das ist doch ewig lange her ...

Zweites Lehrjahr, 60 Mark im Monat, Tagesablauf genau wie im ersten. Nur alle vierzehn Tage Nachtarbeit. Dafür durften wir abends warm essen, auf Geschäftskosten. Ich bekam das erste Steak meines Lebens mit vierzehn. Einmal setzte sich der Chef zu uns und bestellte sich ein Mettbrötchen und erzählte, wie er angefangen hat mit einem Bauchladen, Schürsenkel. Durch Fleiß und Sparsamkeit heute Besitzer einer Ladenkette, Präsident des deutschen Schuheinzelhandels. Mein erstes Steak - ich hab es wieder ausgekotzt.

Das ist doch ewig lange her ...

Drittes Lehrjahr, 80 Mark im Monat, Tagesablauf wie gehabt. Hinzu kam das Bedienen der Kunden in Stoßzeiten, dann die Verwaltung des Gummistiefellagers, Aufblasen von Reklameluftballons und wachsender Unmut unter uns Lehrlingen. Gewerkschaften kannten wir nicht, aber trotzdem wurde ein Sprecher gewählt, und das ist in so einem Fall immer der Naivste oder Mutigste. Ich war beides, also sprach ich. Ergebnis: Ich bekam das Filzpantoffellager noch hinzu, durfte am Betriebsausflug nicht teilnehmen, und die Kollegen schnitten mich.

Das ist doch ewig lange her ...

Ende der Lehrzeit: was hatte ich eigentlich gelernt - so gut wie gar nichts. Dann die Prüfung, alle wussten, ich würde durchfallen, aber ich bestand. Freisprechung mit allem Drum und Dran, Streichquartett, Reden, Kaufmannsgehilfenbrief, Glückwünsche. Nur die Geschäftsleitung war sauer. Und warum? Sie hätte mich gern durchfallen sehen, um mich als billige Arbeitskraft noch ein Jahr länger behalten zu können. Nun, drei weitere Jahre habe ich das noch mitgemacht, bevor ich mich traute zu sagen: Das ist nicht mein Leben.