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Donnerstag, 31. Januar 2013

Das Amtsgericht Augsburg und die seltsame Auslegung der Meinungs - und Pressefreiheit.



Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Die Pressefreiheit hat in diesem, unserem Land, eine gleichrangige rechtliche Stellung.Auch der Datenschutz in Form der informationellen Selbstbestimmung ist nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverfassungsgericht als eines, mit Grundrechtseigenschaften behaftetes, weiteres Rechtsgut,  in diese, vom Staat besonders zu schützende Gruppe, einzustufen. So weit, so klar!
Unklar scheint diese Wertung allerdings dann, wenn andere Grundrechte, wie das Persönlichkeitsrecht, diametral jenen Rechtskonstituten entgegen stehen.
In jenen Konfliktfällen muss der Jurist eine Güterabwägung vornehmen. Welches schützenswerte Recht dann höher eingeordnet werden kann, bleib auch hier, eine Auslegungssache.

Das ist auch in jenem Fall so zu sehen, der sich bereits im Herbst 2012 zutrug und am Dienstag, 29. 01. 2013 seinen vorläufigen Höhepunkt erhielt. Der Ordnungsreferent der Stadt Augsburg Volker U. ( CSU, was sonst? ) schmiedet seit geraumer Zeit Pläne, um gegen den " Straßenstrich " in dem bayrischen Stadt vorzugehen. Die " Augsburger Allgemeine " berichtete darüber in ihrer Ausgabe. Deshalb entwickelte sich in dessen Internet - Forum eine lebhafte Debatte zu dem Für und Wider dieser geplanten Maßnahmen.
Im Zuge der dort entfachten Debatte, fühlte sich U. aufgrund einiger dort getätigter Äußerungen eines unter einem Pseudonym schreibenden Nutzers persönlich angegriffen und wehrte sich über einen von ihm mandatierten Rechtsanwalt, gegen jene als " ehrverletzend ", also beleidigend, bewerteten Formulierungen. Der bevollmächtigte Rechtsanwalt verlangte von der Redaktion der Tageszeitung die Herausgabe des bürgerlichen Namens, jenes Users, um gegen diesen mittels Unterlassungserklärung rechtlich vorzugehen.

Nachdem die Verantwortlichen des Presseorgans das Ansinnen verweigerten, zog der Herr Kollege den Strafrechtsknüppel aus dem Sack und stellte für den Mandaten einen Strafantrag. Im Zuge des Ermittlungsverfahrens - zunächst gegen Unbekannt - erließ das Amtsgericht Augsburg auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen Durchsuchungs - und Beschlagnahmebeschluss, der dann am 29. Januar vollstreckt werden sollte.
Noch bevor ein Rollkommando der Augsburger Polizei anrücken konnte, dann die Arbeitsmittel der Redakteure ( Laptop, PC, Notebook etc. ) beschlagnahmt hätte und den ganzen Schuppen damit de facto lahm legen würde, rückten die Redakteure den Namen des angeblichen Straftäters heraus.
Soweit, so rechtswidrig!

Dass es solche Aktionen nicht erst seit dem 29. Januar 2013 gibt, dürfte schon längst durch die " SPIEGEL " - Affäre vor mehr als 5 Dekaden bekannt sein. Einst - wenn auch auf großer Bühne - wollten Adenauer, Strauß und seine willfährigen Vasallen, das regierungskritische Nachrichtenmagazin aus Hamburg mundtot machen. Sie ließen Rudolf Augstein und andere einknasten und beriefen sich dabei auf das Strafgesetzbuch. So, wie es viele Tausende danach auch taten, wenn die Meinungsfreiheit und/oder die Pressefreiheit unterminiert werden sollte oder, wenn im Rahmen der Berichterstattung tatsächlich Rechtsvorschriften verletzt wurden.

Das Bundesverfassungsgericht hat hierzu viele Entscheidungen abgesetzt. Es hat dabei, nicht nur nach dem " Lüth " - Urteil häufig zugunsten der Medien Recht gesprochen. Es hat aber in vielen Fällen den Betroffenen von unsauberer oder unerlaubter Berichterstattung zu ihrem Recht verholfen.
Das höchste deutsche Gericht hat aber auch dabei Grundsätze entwickelt, nach denen Artikel 5 GG auszulegen ist. Ähnlich, wie es auch jene Voraussetzungen ausformuliert hat, nach dem staatliches Handeln zu werten ist: nach der Verhältnismäßigkeit.
Damit steht fest, dass in einem strafrechtlichen Ermittlungsverfahren nicht jedes mögliche und der der Strafprozessordnung vorgesehene Mittel, nicht jede Massnahme, die dort katalogisiert ist, auch angewendet werden kann. Bei " schweren " Taten ( Verbrechen ), besteht kein Zweifel, dass das Instrumentarium zur Aufklärung dieser Straftaten voll ausgeschöpft werden darf. Bei Bagatelldelikten, wie etwa Beleidigungen - auch wenn sie gegen einen Amtsträger ausgesprochen werden - ist es allerdings sehr fraglich, ob das Ermittlungsverfahren über massive Eingriffe in andere Rechtsgüter, vorangetrieben werden darf.

Im Augsburger wurde hier - einmal mehr - mit Kanonen auf Spatzen geschossen, um die Staatsräson zu wahren. In jedem anderen Bundesland nördlich des Weißwurst - Äquators hätte die Staatsanwaltschaft sich nicht zum Werkzeug eines empfindlich reagierenden Verwaltungsreferenten degradieren lassen und einen Durchsuchungs - und Beschlagnahmebeschluss bei dem Amtsgericht beantragt. In Bayern ticken jedoch die Uhren immer völlig anders. Hier ist der Bürger dann nicht im recht, wenn er einen Verwaltungsmitarbeiter oder sogar einen Beamten zum Kontrahenten gemacht hat. Und auch dann nicht, wenn dieser der CSU angehört.

So hatte der forsche User nicht nur seine Sieben Sinne nicht im Zaum, als er den CSU - Ordnungsreferenten in Augsburg verbal anpinkelte, sondern er hat das Pech, dass dieser sich auch angepinkelt fühlt. Merke: Wer in Bayern die Meinung äußert, sollte sich zuvor ein Rechtsgutachten erstellen lassen, ob er damit nicht einen der vielen schwarzen Provinzfürsten beleidigt, verunglimpft oder ihm dessen Ehre abschneidet - mehr ist ja verbal nicht möglich.   













Bei Rüpeleien im Netz ist es normalerweise so, dass der Foren-Betreiber den betreffenden Eintrag löschen muss, wenn er von ihm erfährt - von sich aus oder weil sich ein Betroffener beschwert. Das hatte auch die Augsburger Allgemeine in diesem Fall getan. Ob der Betreiber darüber hinaus auch die Identität des Nutzers offenlegen muss, entscheiden die Gerichte von Fall zu Fall.

Sonderregeln für die Presse

Nun kennt die Strafprozessordnung für die Presse aber an mehreren Stellen Sonderregeln, auch veröffentlichte Leserbriefe profitieren als redaktionell aufbereitete Information von diesem Schutz. Muss man ein Forum, das eine Zeitung auf ihrer Webseite anbietet, genauso bewerten? "Ganz bestimmt", sagt Martin Schippan, Rechtsanwalt für Medienrecht aus München: "Die Pressefreiheit umfasst ja die ganze Betätigung der Presse, und nicht nur den streng redaktionellen Teil."
Aber auch wenn man das nicht so sieht: Eine Durchsuchung betrifft die Redaktion in jedem Fall, egal, wonach die Staatsanwaltschaft in den Räumen sucht. Und genau das ist auch der Grund, warum die Kommentatoren bundesweit empört sind: Die Durchsuchungsanordnung sei völlig unverhältnismäßig gewesen. Auf der einen Seite die vom Grundgesetz geschützte Pressefreiheit und das Recht auf Unverletzlichkeit der Redaktionsräume, auf der anderen Seite eine allenfalls leichte Beleidigung.
Der Pressefreiheit muss der größtmögliche Schutz eingeräumt werden, das sagen die Gerichte bis hin zum Bundesverfassungsgericht (etwa in der Entscheidung um die Durchsuchung der Redaktionsräume des Cicero) immer wieder. Die Durchsuchung dagegen, so nennt es Martin Schippan, ist das "schärfste Schwert, das die Justiz in der Hand halten kann".
Der geschmähte Politiker ist angesichts des enormen Medienechos mittlerweile ein wenig zurückgerudert und räumt ein, "dass ich vielleicht ein bisschen gelassener hätte reagieren können". Er wolle sich nun mit "Berndi" an einen Tisch setzen und das Thema aussprechen. "Wenn sich die Person entschuldigt, werde ich auch die Anzeige fallen lassen", sagt Ullrich. Damit will Ullrich offenkundig die Diskussion schnellstmöglich beruhigen: Der Politiker tritt bei der kommenden Bundestagswahl im Wahlkreis Augsburg erstmals als CSU-Direktkandidat an. Die Augsburger Allgemeine hat angekündigt, rechtliche Schritte wegen des Durchsuchungsbeschlusses zu prüfen.

Mittwoch, 30. Januar 2013

Franz Xaver Kroetz, das " Packhaustheater im Schnoor" und die fehlgeleitete Besucherin.


(C) Jürgen Howaldt, Bremen,  bei Wikipedia
Er unterhält eine eigene Web - Seite unter: 
http://www.treffpunkt-howaldt.de/

Vor einiger Zeit  las ich, dass ein Teil der einst breiten und zudem politischen Bremer Kulturszene verloren zu gehen drohte, nämlich das " Packhaustheater im Schnoor ", dessen Leitung im Juli 2011 bei dem dortigen Amtsgericht - Insolvenzgericht - einen Insolvenzantrag gestellt hatte.Aufgrund von Verhandlungen mit möglichen Investoren konnte der Spielbetrieb knapp 1 Jahr später wieder aufgenommen werden. Immerhin existiert das " Packhaustheater " bereits 37 Jahre lang. In diesem Zeitraum gelang es den dortigen Verantwortlichen mit geringen finanziellen Mitteln einen Beitrag zur Umsetzung des Anspruchs auf bezahlbare Kleinkunst für Jedermann zu leisten. Es wäre in der Tat ein herber Verlust gewesen, hätte dieses nun der Vergangenheit angehört.

Einst, nämlich zu Beginn der 80er Jahre saß ich einige Male unter der leider überschaubaren Zahl von Besuchern und schaute mir die anspruchsvollen Darbietungen des kleinen Ensembles im Schnoorviertel, einem der baulich attraktivsten Stadtteile Bremens, an. Aufgeführt wurde zu jener Zeit ein Stück von Franz Xaver Kroetz mit dem dem einprägsamen Titel " Mensch Meier ".
Der Schriftsteller, Dramatiker, Regisseur und Schauspieler, geboren 1946, schrieb das Stück " Mensch Meier " 1977. Es wurde in der Folgezeit auf verschiedenen Bühnen aufgeführt. Wohl deshalb, weil es jene  anerzogenen, gelebten und weiter gegebenen Illusionen des " Kleines Mannes " wunderbar darstellt und dieses Trugbild durch sich ständige wiederholende Existenzmechanismen noch ausdrücklich hervor hebt. Es sind auch hier die Alltagsprobleme der kleinen Leute, die dieses Stück noch heute jenen Realismus einhaucht, der bei der Mehrzahl der übrigen Künstler längst verloren gegangen zu sein scheint.

Franz Xaver Kroetz war einst in der Deutsche Kommunistische Partei ( DKP ) und wurde deshalb auch von der DDR hofiert. Dieser Umstand lässt das Sozialdrama keineswegs als ideologisiertes Schauspiel erkennen. Kroetz selbst trat 1980 aus dieser Partei aus, ohne jedoch den system - und gesellschaftskritischen Anspruch mit der danach geschriebenen Stücken und Drehbüchern sowie in einer Reihe von Fernsehfilmen in Frage zu stellen. 

http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Xaver_Kroetz

Da saßen wir nun an einem Abend im Frühjahr des Jahres 1981 im " Packhaustheater ", auf einem der mittleren Plätze der nur mäßig besuchten Vorstellungen und warteten auf die Akteure. Die Eintrittskarte für Studenten war mit 6 DM erschwinglich. Weshalb ich es mir auch finanziell leisten konnte, zusammen mit einigen Kommilitonen der Uni dieses Schauspiel anzusehen. Das Ambiente des " Packhaustheater " war eher bescheiden und so  zeigte sich wie immer auch das Bühnenbild. Spartanisch inszenierte Theaterstücke waren die Regel. Weshalb die Bühne für den Kroetz´schen Drei - Akter mit nur wenigen Requisiten ausgestattet war. Das Theaterstück selbst war indes von beißender Sozialkritik gefüllt. 

Nach zirka einer Dreiviertelstunde wurde das Bühnenbild umstellt, weshalb eine so genannte " Zigarettenpause " eingelegt werden konnte. Der Vorhand schloss sich dazu und eine Reihe von Besuchern hatte sich bereits erhoben und wollte  gerade in das Außengelände des Theaters, als eine Zuschauerin - so um die Mitte 40 - plötzlich los wetterte: " Warum applaudiert ihr denn nicht? Die haben doch so toll gespielt. Wieso steht ihr auf und wollt einfach so gehen? " Ein anderer Besucher antwortete ihr: " Warum gehen? Das ist doch nur ´ne kurze Pause. Es geht gleich mit dem zweiten Akt weiter!"
Peinlich berührt von der Unkenntnis der Dame sahen wir uns an und mussten grinsen. Anscheinend hatte sich die Frau zuvor nicht mit dem ausliegenden Begleitheftchen zu dem Kroetz´schen Stück beschäftigt. Peinlich berührt ob ihres Lapsus, schlich sich die Besucherin davon und ward zum zweiten Akt nicht mehr gesehen. Wir mussten uns auch danach über so viel Naivität amüsieren. Zumindest taten alle Anwesenden so, als hätten sie auch hier den vollen Durchblick gehabt.
Das Kroetz´sche Theaterstück hinterließ bei mir jedoch nicht wegen des eher peinlichen Zwischenfalls einen bis heute bleibenden Eindruck, sondern eher wegen des unverfälschten Realitätsbezugs bis in diese Zeit.


So schrieb das ND noch 1986 zu dem Theaterstück " Mensch Meier ":


                " Befangen in Illusionen "


" Mit „Mensch Meier" stellt die Berliner Volksbühne ein Stück des BRD-Autors Franz Xaver Kroetz vor. Die Familien und Ehepaare, die kleinen Leute in den deftigen Volksstücken dieses Dramatikers sind den Existenzmechanismen heutiger monopol-kapitalistischer Industriegesellschaft bis zu totaler Entfremdung ausgeliefert. Sie alle sind unzufrieden mit dem, was sie umgibt. Aber sie drängen nicht auf Veränderung der Umstände. Sie hegen die Illusion, daß es genügt, sich selbst zu ändern. Da steckt die bittere Tragikomik der Kroetzschen Figuren. Und die Bitterkeit bleibt, selbst wenn er ihnen wie in dem 1977 entstandenen Volksstück „Mensch Meier" eine Chance gibt — die Chance zu lernen.
Otto Meier allerdings scheitert. Er ist ein ungelernter Arbeiter, ausgerüstet mit einem überdrehten Selbstbewußtsein, das sich als rundum aufmanipulierter kleinbürgerlich-bornierter Dünkel entpuppt. Sein Sohn Ludwig will Maurer werden, während Otto und Ehefrau Martha einen Beamten aus ihm machen möchten — wegen der sozialen Besserstellung. Doch Ludwig findet keine Lehrstelle und liegt den Eltern auf der Tasche.
Um sich einmal ein Vergnügen leisten zu können, bittet der Sohn um Geld, das ihm der Vater nicht gibt. Prompt bestiehlt er die Mutter. Die fünfzig D-Mark fehlen ihr beim Einkauf im Supermarkt. In der peinlichen Situation dort brüskiert sie ihren Ehemann. Ludwig, wegen des Geldes vom Vater verhört, schweigt verstockt, nimmt die Demütigungen hin — und verläßt die Eltern. Angesichts seiner Ohnmacht tobt der Hausherr und demoliert die Wohnung, da verläßt ihn auch Martha. So zappelt Otto Meier schließlich als ein Opfer im Netz der Illusionen und Phrasen von Freiheit und allgemeiner Wohlfahrt.
Obwohl scheinbar ganz alltägliche Handlungen ablaufen, ist das Geschehen von bedrückender Tragik. Zwar lernt Sohn Ludwig nun Maurer, zwar arbeitet Martha nun emanzipiert als Verkäuferin und setzt ebenfalls aufs Lernen — aber Ottos Verzweiflung relativiert alle Hoffnung.
Eine Aufführung des Stückes hierzulande kann sich den Vorgängen nicht kommentarlos nähern. Für Siegfried Höchsts Inszenierung liefert Jochen Finke mit einer ironischen bühnenbildnerischen Anspielung auf westdeutsche Fernsehklischees, die ein fragwürdiges Wohlleben vorgaukeln, einen kritisch-wertenden Rahmen. Damit, wie auch durch die Musik der Gruppe Pankow, ist freilich nur ein Akzent gesetzt. Höchst faßt die Figuren unmittelbar. Sie sprechen — wie das der Autor ausdrücklich wünscht — dialektfrei. So geht zwar deren „depperte" Dümmlichkeit und womöglich das eigentliche Kolorit des Volksstückes verloren, andererseits gewinnt das Ganze an Allgemeingültigkeit für die Alltagswelt, in der die Meiers leben. Dennoch hätte die offenkundige geistige Enge der Figuren wie deren gesellschaftliche und geschichtliche Ferne eine zwar nicht denunzierende, wohl aber behutsam distanzierende Wertung vertragen. Hier blieb Höchst unentschieden. Er hatte — scheint mir — zuviel Respekt vor dem Eigenleben Kroetzscher Gestalten, das er nun allerdings glaubhaft entwirft..... "
                                     - Zitatende - aus:




Das " Packhaustheater " im Bremer Schnoorviertel habe ich in den Folgejahren noch einige Male besucht. Später war es mir aus beruflichen und familiären Gründen nicht mehr möglich. Die dort gesehenen Stücke hatten nicht nur einen ernsten Hintergrund, sondern waren zum Teil als satirische Darbietungen eher belustigend. Etwas ohne viel Pomp, Getöse und Getue. Deshalb ist es um so erfreulicher, dass das " Packhaustheater " weiter existiert. 












Dienstag, 29. Januar 2013

PS - Ein Mal im Leben ein richtiges Auto fahren.



Aus den Abgründen der ostdeutschen, westdeutschen sowie gesamtdeutschen Fernsehproduktionen, die ein Zwangsgebührenzahler im Laufe der Dekaden, wie ein Ritt durch die unendliche Wüste des beliebigen Blödsinns, erleiden musste, ragen hier und da einige, ihn dann rettende Werke heraus, deren Qualität sowie Bezug zum Realismus auch sehr lange Zeit danach noch Eindruck hinterlassen.
Zu jenen gelungenen Fernsehfilmen zählen zweifelsohne die insgesamt 8 gesendeten Folgen aus der verfilmten Geschichte mit dem zunächst unverfänglichen Titel " PS " sowie die zwei Folgestaffeln " Franz Brodsinski " und " Feuerreiter ". Alle 16 Folgen waren ab dem 18. Mai 1975 bis zum 19. März 1979 bei der ARD zu sehen.

Die Idee zu der Serie brachte der hessische Drehbuchautor und Schauspieler Robert Stromberger (  http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Stromberger )ein; die Regie führte Dieter Meichsner, ein Dramaturg, Schriftsteller und Produzent ( http://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Meichsner ).

Die Beantwortung der Frage, weshalb die vier Staffeln mit zu den so genannten " Quotenbringern " der Mittsiebzigerjahren zählen, lässt sich auf ein Wort reduzieren " Auto ".
Wer die historischen Abläufe rund um des Deutschen liebstes Kind im Zeitraffer Revue passieren lässt, wird wissen, dass gerade dieser Zeitabschnitt tatsächlich die Mobilitätskultur der BRD entscheidend verändert hat. Wer hier die Fakten noch in Erinnerung hat, der weiß, dass es ab 1975 bis 1979 ca. 2, 1 bis 2,6 Millionen zugelassene Fahrzeuge gab. Genauer:   


1975
2 1066
1 353,5
804,9
52,3
1976
2 312,1
1 356,9
1 019,3
64,1
1977
2 561,3
1 411,9 
1 196,7
77,3
1978
2 663,8
1 522,2
1 242,5
101
1979
2 623,4
1 690,8
993,8
61,2


Jahr
Neuzulassungen
Ersatzbedarf
Bestandszugang
Altzulassungen

Der kann sich auch daran erinnern, dass es in dem Jahrzehnt wegen der ständig steigenden Pkw - Zulassungen, die Zahl der Verkehrstoten exponential stieg und noch zu Beginn der 1970er bei über 19.000 lag. Dann jedoch, nach Einführung der gesetzlichen " Gurtpflicht " kontinuierlich sank, jedoch im in den hier relevanten Jahren immer noch bei 14.000 Verkehrstoten lag.
Mit den permanent ansteigenden Zulassungszahlen veränderte sich auch das Fahrzeugangebot.
Waren es in den Nachkriegsjahren die eher biederen Modelle der einheimischen Hersteller von Volkswagen, Opel, Ford, Mercedes Benz, BMW oder Borgward, drängten ein Vierteljahrhundert später die ausländischen Konkurrenten, wie ,Renault, Peugeot ,Citroën sowie auch italienische Marken, wie Fiat, Lancia, Alfa Romeo auf den stark expandierenden Markt.

In dieser Zeit spielt die Fernsehserie " PS ". Die ersten vier Folgen behandeln die Tücken eines Automobilkaufs, mit denen sich die bundesdeutsche Durchschnittsfamilie Schmitting auseinandersetzen muss. Die aus Darmstadt stammende Eheleute Schmitting erwerben bei einem örtlichen Autohaus einen Mittelklassewagen der fiktiven Marke Atlantis Amalfi CS 1800. Das Fahrzeug wurde zuvor aus einem Fiat 132 Chassis mittels Einbaus von Fahrzeugteilen anderer Hersteller, so auch VW und Mercedes, in ein Fantasie - PKW umgeändert.  


http://de.wikipedia.org/wiki/PS_(Fernsehserie)

   
Die beteiligten Personen dieser Geschichte, rund um einen Fehlkauf waren längst bekannte, aber zugleich  brilliante Schauspieler wie Günther Pfitzmann, Gerd Baltus, Liane Hielscher, Karl-Heinz Heß, Uwe Dallmeier, Gernot Endemann, Gottfried Kramer.

Viele Jahre später wird die Fernsehserie dann auf DVD produziert und stellt damit ein haltbares Stück westdeutscher Fernsehgeschichte dar:

DVD 1
Folge 1 Der neue Wagen (Erstsendung 18.05.1975) ca 65 Min.
Folge 2 Kleingedrucktes (Erstsendung 21.05.1975) ca 65 Min.

DVD 2
Folge 3 Restalkohol (Erstsendung 25.05.1975) ca 65 Min.
Folge 4 Das Urteil (Erstsendung 29.05.1975) ca 85 Min.

DVD 3
Folge 5 Garantie (Erstsendung 13.06.1976) ca 75 Min.
Folge 6 Folgeschäden (Erstsendung 15.06.1976) ca 80 Min.

DVD 4
Folge 7 Der Unfallwagen (Erstsendung 18.06.1976) ca 75 Min.
Folge 8 Die Schuldfrage (Erstsendung 22.06.1976) ca 90 Min.

Das Flair der 70er Jahre lässt sich dabei wieder in das eigene Zimmer bringen. Und so sehen es auch die Rezensenten bei Amazon:

http://www.amazon.de/PS-Geschichten-ums-Auto-DVDs/dp/B0013LE8F8/ref=cm_cr_pr_product_top



Leider hat es die alte Tante ARD nicht mehr fertig gebracht, die Serie mit ihren 16 Episoden insgesamt zu wiederholen, obwohl die Programmverantwortlichen sonst nicht gerade zimperlich sind, wenn es um das häufige Abnudeln alter Filme geht. So bleiben die Staffeln 3 und 4 für den Interessierten zunächst als nicht mehr existent. Entschädigt wird der TV - Nostalgiker jedoch mit den ab 2008 angebotenen acht Episoden der Kult - Serie. 

Montag, 28. Januar 2013

" Fließbandbabys " von den Politrockern " Floh de Cologne ".


Die bewegten 60er Jahre brachten nicht nur Durchzug in den " guten " Stuben, den Schlafzimmern und - falls überhaupt vorhanden - den Kinderzimmern, nein, sie veränderten auch die Musiklandschaft nachhaltig. So entwickelte sich neben der Beat - und Popmusikszene, das vielschichtige Rockgenre und hieraus eine besondere Richtung: der Politrock.
Zu dessen namhaften Vertreter Gruppen, wie " Ton, Steine, Scherben " mit dem unvergessenen und leider viel zu früh von uns gegangenen Rio Reiser, " Lokomotive Kreuzberg ", " Ihre Kinder ", " Schmetterlinge " oder " Oktober ", aber insbesondere auch " Floh de Cologne ".

http://de.wikipedia.org/wiki/Politrock

Die " Flöhe " wurden am 20 Januar 1966 von Kölner Studenten zunächst als politisches Kabarett gegründet. Die erste Musikformation bestand danach aus:


Jürgen Alleff bis 1968
Udo Weinberger bis 1968
Britta Baltruschat bis 1968
Markus Schmid bis 1974
Gerd Wollschon bis 1976

Später gesellten sich die Musiker:

Hansi Frank ab 1966
Dieter Klemm ab 1967
Dick Städtler ab 1969
Theo König ab 1972
Vridolin 


hinzu und waren an den eingespielten Alben beteiligt.

Nun, die " Flöhe " aus Köln tourten dann in der westdeutschen Republik herum und durften auch auf einigen größeren Musikfestivals bestaunt werden. Legendär war wohl ihr Auftritt 1970, als sie auf der Insel Fehrman nach dem Gitarren - " Gott " Jimi Hendrix die Bühne betraten. Der US - Amerikaner gab hier nämlich sein letztes Konzert vor seinem Tod.

Dass die " Flöhe " sich politisch der DKP hingezogen fühlten, tat ihrer textlichen sowie musikalischen Qualität keinen Abbruch. Im Gegenteil: Durch ihre provozierenden, Kapitalismus kritischen und oft mittels Fäkalsprache dargebotenen Meinungen, wurden ihre Lieder erst interessant.

Bis zu ihrer Auflösung spielte die Truppe diese LPs bzw. CDs ein:


  • Vor Gebrauch Kopf schütteln 1966
  • Tra-Ri-Tra-Ra, die Pest ist da 1966
  • SimSAlabimbambaSAladUSAladim 1967
  • Zwingt Mensch raus 1968
  • 7.Programm 1969
  • Fließbandbabys Beat-Show 1969
  • Rockoper Profitgeier 1970
  • Rock-Jazz-Rakete Lucky Streik 1972
  • Geier-Symphony in Rock-Dur 1973
  • Mumien, Kantate für Rockband 1974
  • Rock-Show TILT 1975
  • Rock-Revue Profitgeier &; Co. 1976
  • Prima Freiheit 1978
  • Koslowsky Rockoper 1980
  • Faaterland 1982



.http://de.wikipedia.org/wiki/Floh_de_Cologne

Dass die Kölner Rockgruppe zum einen in deutscher Sprache verfasste und vorgetragene Texte bevorzugte und zum anderen sich darin  politisch agitierend zeigte, machte sie eher bei einem intellektuellen, genauer gesagt, einem links - intellektuellen Publikum bekannt. Die breite Masse, zumal dem musikalischen Mainstream hinterher laufend, konnte mit den beißenden, gesellschaftskritischen Liedern kaum etwas anfangen.
Da " Floh de Cologne " somit als Politrocker klare Kante zeigten, kam es nicht von ungefähr, dass ich über meinen Nachbar " Fuchs " Diederich, der sich als bekennender Kommunist outete, eines Tages ein Album der Kölner Formation vorgelegt erhielt. Es war die Rockoper " Profitgeier ", die sich sodann auf meinem Plattenteller im Beatkeller des elterlichen Hauses drehte.

Zugegebenermaßen konnte ich den dort enthaltenen Stücken:


A1He, Hallo Stift1:21
A2Die Einen Kommen Erster Klasse Zur Welt2:32
A3Wir Stehen Am Rande4:54
A4Bekenntnis Der Unpolitischen Väter1:35
A5Auf Dem Arbeitsmarkt5:28
A6Der Kapitalismus Stinkt3:13
B1Wir Brauchen Keine Millionäre7:37
B2Die Luft Gehört Denen, Die Sie Atmen1:46
B3Profitgeier7:05
B4Wir Werden Immer Mehr2:24

Credits


nicht sonderlich viel Sympathie abgewinnen. Für mich waren die Lieder, als " Stift ", also " Azubi " im zarten Alter von 17 Jahren ohne Wert. Was wusste ich schon von Kapitalismus, geschweige denn die Kritik am Selbigen? Marx, Engels, Lenin, waren für mich eher nichtssagende Namen, denn im westdeutschen Geschichtsunterricht an einer westdeutschen Volksschule in der westdeutschen Provinz, kamen eben jene erst gar nicht vor. Genauso wenig, wie das Dritte Reich, die Judenvernichtung und der zweite Deutsche Staat mit der Bezeichnung DDR. Und wenn, dann nur im negativen Kontext. Da das Springer´sche Latrinenblatt seit der Gründung der DDR diesen Namen nur in An - und Abführungsstrichen schrieb,  dagegen ständig hetzte, war auch klar  was die verblödete Masse von den " Ostdeutschen " in der " SBZ " oder in der " Ostzone " und ihrem sozialistischen Staat zu halten hatte: Nichts!
Die Truppe aus Köln sah das natürlich völlig anders und behauptete deshalb in ihren Liedern schlankweg, dass nur der westdeutsche Staat, der Kapitalismus " scheiße " sei. Nur, es konnten leider zu wenige der eher kritisch eingestellten Jugendlichen mit jener - wohl etwas plumpen - Agitation zugunsten einer anderen Wirtschafts - und Gesellschaftsordnung tatsächlich etwas anfangen. So dümpelte denn " Floh de Cologne " eher auf dem weiten Meer , der sich mehr oder weniger  längst etablierten Jugendmusik herum. 

Auch mein Interesse an jener " Rockoper " mit dem schönen Titel " Profitgeier " hielt sich in sehr engen Grenzen.  So dudelte ich die Vinylscheibe denn nur ab, wenn mein Nachbar und Musikfreund " Fuchs " sich angesagt hatte. Er bemerkte wohl mein Desinteresse und zog die Platte alsbald wieder aus dem LP-Schuber, um sie zu sich nach Hause zu nehmen. " Floh de Cologne " blieben dann bei mir und auch in meinem Freundeskreis die Paradiesvögel im Rock - Urwald, dessen daraus aufspielende Musikgruppen unisono von der Elterngeneration mit " Hotten - Totten - Krach ", " Negermusik " oder " Gejaule " abgetan wurden.

Etwa vier Jahre später lag eine weitere Scheibe der " Flöhe " aus Köln auf meinen Knien, als ich nämlich bei einer der ungezählten Feten in jener Zeit, zufällig in die Plattenbox des Gastgebers herum stöberte, zog ich das Album " Fließbandbabys " der Politrocker heraus.
Irgendwie kam mir " Fuchs ", die Rockoper Profitgeier " und dessen einstiger Musikgeschmack wieder in den Sinn. Eher unwissend, bat ich den Fetenveranstalter, mir die LP auszuleihen, damit ich sie auf meinem " Grundig TK " - Tonbandgerät aufnehmen konnte. Der gute, wie auch finanziell wesentlich besser betuchte Hans Dieter Göbel aus Stadthagen tat mir dann den Gefallen. So entführte ich das Vinylalbum mit in mein Zimmer, legte es auf den dortigen Plattenteller und nahm folgende Stücke hiervon auf:


1Fließband
2Fließbandbaby, Manchmal Träum Ich
3Komm Mit Mir Ins Wegschmeißwunderland
4Sei Ruhig, Fließbandbabys
5Ford Capri
6Hey Johnny
7Arbeit Macht Freitag
8Wenn Springer Mal Rülpst
9Armer Junger Krupp
10Die Oberen Zehntausend
11Fließbandbaby, Wir Sind Wieder Wer
12Mäddchen, Mach Die Beine Breit
13Fließbandbaby, Du Sitzt Im Gefängnis




Die Gruppe bestand damals aus:


Und so blieb die LP noch einige Tage in meinen Händen, ehe der Sohn eines einstigen Möbelkaufhaus - Eigentümers sie wieder mit nahm. Die Aufnahmen lagen in der Folgezeit als Tonband in meinem Schrank, ehe ich sie eines Tages einem Schulkollegen aus der BAS vorspielte. Der war begeistert und wollte sie auf sein Tonband - Monstrum überspielen. Da saßen wir denn eines Nachmittags nach der Schule in meiner Bude, tranken Tee und rauchten selbst gedrehte Zigaretten der Marke " Drum " und hörten den " Flöhen " beim Agitieren zu. Insbesondere das " Springer " - Lied, mit dem die Domstädter die Altfaschisten und Adolf H. - Steigbügelhalter von einst durch den Kakao zogen, gefiel uns. 


Die Kölner produzierten zwei Jahre später die Scheibe " Rock Jazz Rakete Lucky Streik ".
Auf dem Vinyl - Doppelalbum, dass während ihres Auftritts in der Kölner Stadthalle live mit geschnitten wurde, sind folgende Stücke zu hören:

 01. Countdown 6:15 
 02. Schön Ist Ein Jugendtraum 3:39 
 03. Sozialpartner-Blues 1:41 
 04. Streikposten 0:45 
 05. Kalte Wut 2:43 
 06. Wenn Ich Einmal Reich Bin 2:25 
 07. Streikposten 0:31 
 08. Gonzales 3:10 
 09. Karl Liest Ein Flugblatt 1:39 
 10. Die Wirtschaft Ist Jetzt In Gefahr 2:11 
 11. Der Imker 1:49 
 12. Streikposten 0:35 
 13. Deine Freiheit 4:27 
 14. Vergleiche 3:53 
 15. Der Löwenthatler 4:43 iesen Track herunterladen bei musicload.de
 16. Was Ein Kommunist Trinken Darf 2:49 
 17. Streikposten 0:26 
 18. Wenn Es Brennt 7:04 
 19. Streikposten 0:44 
 20. Lüge Zum Abschied 2:46 
 21. Freie Marktwirtschaft 3:51 
 22. Wenn Dich Jemand Fragt 1:09 
 23. Für Die Zukunft Sehen Wir Rot 1:35 
 24. Unternehmerrätsel 1:51 
 25. Saurier 3:21 
 26. Aktionseinheit 4:17 
 27. Wir Sind Millionenmal So Stark 3:11



Es folgte ein Jahr darauf die " Gei(y)er Symphonie "
Auf dem bei " Ohr " veröffentlichten Album sind zwar nur drei Stücke zu hören. Diese haben es allerdings in sich:

01 1. Satz: La Grande Tristesse (Requiem) (Floh de Cologne) 7.10
02 2. Satz: Danse Macabre (Totentanz) (Floh de Cologne) 13.02
03 3. Satz: Sérénade des vautours (Leichenschmaus) (Floh de Cologne) 23.30


http://ausdeutschenlanden.blogspot.de/2013/01/floh-de-cologne-geier-symphonie-in-rock.html

http://mutant-sounds.blogspot.de/2007/02/floh-de-cologne-geyer.html

Dass es die " Flöhe " geschafft haben, sich jenseits der meist englisch - sprachigen Politrock - Szene zu etablieren, war damals vor allem ein Verdienst ihres exzellenten Texters Gerd Wollschon.
Der stieg nach vier weiteren Platten 1978 bei der Gruppe aus und produzierte fortan neben Texten für Hanns Dieter Hüsch, auch sein eigenes Programm. Bereits ab 1970 veröffentlichte der in Polen geborene Künstler zusammen mit seiner Ehefrau eine satirische Reihe unter dem Titel " Sudelbücher ". Er zog sich in den 80er Jahren allerdings mehr und mehr aus dem Genre zurück und lebte zuletzt an der Costa Brava in Spanien, wo er leider am 9. September 2012 im Alter von 68 Jahren verstarb.

  http://de.wikipedia.org/wiki/Gerd_Wollschon

Die " Flöhe " veröffentlichten nach dem Ausstieg des Vordenkers Gerd Wollschon zwei Jahre später das Album " Koslowsky  -  eine "  Rockoper " - , das sich thematisch mit dem Schicksal eines Stahlhüttenarbeiters aus dem Ruhrgebiet auseinandersetzt, der wegen der Schließung des Werks in Nordrhein - Westfalen, bei der bayrischen Maxhütte anfängt. Das letzte Album " Faaterland " wurde 1982 heraus gegeben, ehe sich die Polit - Rockband ein Jahr später auflöste.

Am 17. Mai 1983 gaben die " Flöhe " in der Kölner Sporthalle vor 6.000 Besuchern ihr letztes Konzert. Mit ihnen traten Gruppen und Einzelinterpreten wie BAP, Hannes Wader und Dieter Süverkrüp sowie die unvergessenen Hanns Dieter Hüsch und Franz Josef Degenhardt  auf.

http://de.wikipedia.org/wiki/Floh_de_Cologne#Das_Ende

Die " Flöhe " tourten natürlich regelmäßig in der Provinz. Anderenfalls wären kaum über 3.000 Konzerte zusammen gekommen. So durfte ich sie Mitte der 70er Jahre in Minden / Westfalen bestaunen.Ein besonderes Ereignis war allerdings der Solo - Auftritt von Gerd Wollschon 1979 im " Pumpwerk " von Wilhelmshaven. Sein Programm " Solokabaretts für Staatsfeinde “, mit dem er einst schonungslos mit den gesellschaftlichen Verwerfungen in der BRD, aber auch mit dem " Funktionärskaste im real existierenden  Sozialismus " der DDR abrechnete, war beeindruckend, weshalb er minutenlange, stehende Ovationen erhielt.