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Montag, 31. Dezember 2012

" Was machst Du eigentlich Silvester? "



Photographer: Florian Rommerskirchenbei WIKIPEDIA

Jedes Jahr zum Jahresende das gleiche Elend. Da wird oft auf Krampf versucht am 31. 12. irgendetwas zu organisieren, was danach aussieht, sich von den anderen Veranstaltungen abzugrenzen. Viele dieser so genannten Events führen in ein Fiasko, Nicht nur finanziell - zumeist für den Veranstalter - sonder auch für die Teilnehmer. So mancher Feiernde findet sich einige Stunden nach Mitternacht, also im Neuen Jahr, in einem Krankenhaus oder im Delirium wieder. Manchmal endet das zwanghafte Kampffeiern mit einem Totalverlust der persönlichen Gegenstände, wie Autoschlüssel, Haustürschlüssel oder Geldbörse, Personalausweis, EC-Karte und ähnlichen Dingen.

Auch der Nachhauseweg gestaltet sich dabei als schwierig zu organisieren. Taxen fahren zwar massenhaft, nur sind diese leider besetzt. Vielleicht sollte der Event - Besucher dann schon lieber bis zum frühen Morgen warten, denn dann verkehren immerhin die Busse und Bahnen Allerdings auch nur in den Städten. Auf dem platten Land oder in der öden Pampa sieht es damit schlecht aus.

Da trifft es sich gut, wenn der Feierwütige eine Einladung aus der Nachbarschaft erhalten hat oder in den eigenen Vierwänden eine Silvesterfeier abhält. Die Strecken sind nur relativ kurz und - sofern es erforderlich wird - kann ein Filmriss durch sofortiges Hinlegen auf den Boden abgemildert werden. Einige Stunden Tiefschlaf wirken auch hier wahre Wunder.

Bei den mehr als 40 Silvesterfeiern, die ich bereits auf dem Buckel habe, waren denn auch einige dabei, die nach dem Genuss von einigen Glas alkoholischer Getränke zu leichten Magenverstimmungen führten; mit der Konsequenz, dass der Neujahrstag ein Pendelverkehrs zwischen Sofa und Toilette war. Um diese unangenehmen Auswirkungen der Flüssigkeitsaufnahme zu minimieren, hatte ich mir alsbald angewöhnt, bei erhaltenen Silvesterfeier - Einladungen die eigene Blechkarosse mit zu nehmen. Damit war ein nachvollziehbarer Grund vorhanden, dem Hochgeistigen in einem sehr eingeschränkten Maße zuzusprechen.

Zu manchen Jahreswechseln zog es mich auf den Bremer Marktplatz, an den Osterdeich oder zu Bekannten nach Oldenburg. Der Besuch auf dem Marktplatz wurde alsbald als zu gefährlich erkannt, denn bei dem kollektiven Sauf - und Knallvergnügen flogen regelmäßig Feuerwerkskörper in die Menschenmassen, wobei es dabei Verletzte gab. Da lobte ich mir die Besuche an den eher weitläufigen Osterdeich, rund um das berühmte Weserstadion. Die Gefahr von einem durch betrunkene Vollidioten geworfenen Böller oder eine gezündeten Rakete getroffen zu werden, war dort eher gering. Amüsant waren indes die Kneipenbesuche in Oldenburg. Die fast menschenleere Innenstadt mit ihrer Einkaufszone,die nur schwach besuchten Studenten - und Szenelokale und das eher aus der Ferne betrachtete Silvesterfeuerwerk hatten etwas anheimelndes. Ich fühlte mich irgendwie frei von jedweden Zwängen, auf Knopfdruck ein fröhliches Gesicht aufsetzen zu müssen, nur weil Silvester war.

Und so stellte sich Jahr für Jahr auch bei mir die existenzielle Frage nach dem Aufenthalt an jenem Abend vor dem Jahreswechsel dennoch.
Schon Wochen vorher, spätestens aber zu den Weihnachtfeiertagen wurde unter meinen einstigen Kommilitonen mit hoch wichtigem Gesichtsausdruck die Frage gestellt:" Was machst Du eigentlich Silvester? "
Diese dann zu beantworten fiel häufig nicht sehr leicht. Weil ich mir dazu nie wirklich ernsthafte Gedanken gemacht habe. So auch zum Jahreswechsel 2012 / 2013 nicht. Denn inzwischen lautet die Standardantwort wieder: " Nischt! " Oder doch: " Die von jüngsten Enkel wieder eingefangene Erkältung auskurieren ". Bei Volksmusik, heißen Tee mit Honig und einem Päckchen Papiertaschentüchern.

Trotz alledem: Allen Bloglesern hier einen Guten Rutsch und ein gutes Neues 2013!!!!!!!!
 

Die Schatzinsel von Robert Louis Stevenson: Ein Vierteiler-Klassiker des ZDF aus den 60er Jahren.

Wenn das Jahr 2012 in seinen letzten Zügen liegt ( es sind immerhin nur noch 7 Stunden! ), dann erinnert sich so mancher aus der Fangemeinde des Ur- Fernsehens ( ohne Private, Werbemüll und überhöhte GEZ-Gebühren ) an die glorreichen Zeiten, als Fernsehfilme mit Niveau ( na,ja, überweigend mit einem gewissen intellektuellen Anspruch ) an die Tage und Wochen vor Weihnachten bis zum Jahreswechsel. Da liefen nämlich jene mehrteiligen Abenteuerfilme, die später dann häufig wiederholt und ( allerdings vergeblich ) erneut produziert wurden.
Was waren das für spannende Mehrteiler, die das ZDF ( hier stimmte die Eigenwerbung endlich mal, dass man/frau dort besser sieht ) und die ARD dem darbenden Zuschauer kredenzte:


- Robinson Crusoe


- Don Quijote von der Mancha

- Die Schatzinsel

- Tom Sawyers und Huckleberry Finns Abenteuer

- Die Lederstrumpferzählungen

- Der Seewolf

- Cagliostro

- Zwei Jahre Ferien

- Lockruf des Goldes

- Michael Strogoff

- Die Abenteuer des David Balfour

- Mathias Sandorf

- Tödliches Geheimnis – 
  Die Abenteuer des Caleb Williams

- Wettlauf nach Bombay

- Der schwarze Bumerang

- Der Mann von Suez


Als im Dezember 1966 die erste Episode des ZDF - Vierteilers " Die Schatzinsel " nach dem gleichnamigen Roman des englischen Schriftstellers Robert Louis Stevenson anlief, saß ich mit meinen beiden Geschwistern natürlich auf vor dem riesigen Holzkasten mit dem nur langsam hell werdenden Bildschirm und schaute zu, wie der Sohn eines englischen Gastwirtes mit dem Namen Jim Hawkins sein Seeabenteuer aufnahm.
Die erste Folge hieß " Der alte Freibeuter ", dem dann " Der Schiffskoch ", " Das Blockhaus " und " Die Entscheidung " folgten. Mundgerecht serviert in 4 x 90 Minuten Spielzeit, wobei die Gesamtspieldauer eigentlich " nur " 340 Miuten betrug, zeigen die Akteure:


Michael Ande: Jim Hawkins


Ivor Dean: Long John Silver

Georges Riquier: Dr. David Livesey

Jacques Dacqmine: Squire John Trelawney

Jacques Monod: Kapitän Alexander Smollet

Dante Maggio: Bill Bones

Jean Mauvais: Blinder Pew /James Brandon

Sylvain Lévignac: Der Schwarze Hund

Jacques Godin: Israel Hands

Jean Saudray: Ben Gunn

Ilsemarie Schnering: Jim Hawkins’ Mutter

François Darbon: Marc Hawkins, Jims Vater

sowie

Hellmut Lange: Erzähler

dem Zuschauer, wie eine französisch - deutsche ( oder auch umgedreht ) Kooproduktion zu einem Millionvonpublikum gemocht, sogar geliebt , aber vor allem gesehen wurde.

Die Handlung ist dabei nicht unbedingt zu kompliziert. Schließlich geht es wieder einmal mehr um die Frage, wer am Ende siegt: das Gute über das Böse oder ( nur in den aller wenigsten Fällen umgekehrt )?
Der damalige Schwarz - Weiß - Fernseher brachte uns in jenem Vierteiler in den Welt der Seefahrer, der Piraten und Abenteurer. Der Freibeuter - Schatz, um den es eben ging, spielte da nicht unbedingt die größte Rolle. Wichtiger waren jene Personen, die das Bild eines Jugen oder auch Mädchen in den Nachkriegsjahren und den 6oern versuchten zu prägen. Die Mutigen, die Kämpfer für Freiheit und Gerechtigkeit. Die Helden, sie waren es, die uns mit feuchten Händen ab 17.00 Uhr in dem durch einen Ölofen beheizten Wohnzimmer der Großeltern sitzen ließen. Die wirkliche Umgeben für eben jene vier mal Einundeinhalbstunden vergessen lassen durften.

Der Jim, dargestellt von dem blutjungen Michael Ende, war das große Vorbild. Zusammen mit seinen Unterstützern, Dr. David Livesey und John Trelawney und den Captain Alexander Smollet gegen den Schiffskoch John Silver und seine - aus einstigen Piraten des Seeräuberkapitains Flindt - bestehenden Mannschaft kämpfend.

Nach vielen, oft spannenden Minuten erreichte JIm Hawkins dann sein Ziel und nahm die Schatztruhe an Bord und segelte mit einem Teil des Schatzes zurück nach England.

http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Schatzinsel_(1966)#Handlung


Bei Wikipedia steht deshalb zu lesen

" Die Schatzinsel ist ein Abenteuervierteiler, der 1966 vom Regisseur Wolfgang Liebeneiner für den deutschen Fernsehsender ZDF in Co-Produktion mit dem französischen Sender O.R.T.F. hergestellt wurde. Der Vierteiler beruht auf dem gleichnamigen Roman des schottischen Schriftstellers Robert Louis Stevenson (1850-1894). In Frankreich und der DDR wurde die Serie in 13 Teilen ausgestrahlt"

- Zitatende - aus: WIKIPEDIA: " Die Schatzinsel "

So siegte auch hier das Gute über das immer wieder kehrende Böse und wir warenś zufrieden. Weil mir die Musik zu dem ZDF - Vierteiler so gut gefiel, versuchte ich das Lied mit den " 15 Mann auf des toten Mannes Kiste " auf meinem " Neckermann " - Kassettenrekorder mittels eines dort fest angeschlossenen Mikrophons auf Band aufzunehmen. Mit nur mäßigem Erfolg, weil der undefinierbare Singsang nicht nur noch verwaschener als im Original zu hören war, sondern auch, weil die Kassette ( eine C60 ) von einer derart miesen Qualität war, dass diese nach einigen Minuten zu leiern begann. Eine furchtbare Grütze quäkte über den dazu noch viel kleinen, weil ebenfalls eingebauten Lautsprecher. Aber, ich war sehr stolz auf das Ergebnis meines Versuchs über den Fernsehlautsprecher die " Schatzinsel " - Melodie aufgenommen zu haben.

Na, denn moal tau:

"
15 mann auf des toten manns kiste
johoho und ne buddel voll rum
schnaps stand stets auf der höllenfahrtsliste
johoho und ne buddel voll rum

der maat war senkrecht aufgespießt
mit smutjes spieß, den der steckenließ
der anblick smutjes war ähnlich fies
das blut ihm aus den ohren rann
und da lagen sie tot, 15 Mann
ein szenario was der teufel ersann
yohoho und ne buddel voll rum

15 mann auf des toten manns kiste
johoho und ne buddel voll rum
schnaps stand stets auf der höllenfahrtsliste
johoho und ne buddel voll rum

der steuermann lag in seinem blut
zu erkennen nur an seinem hut
dem käptn erging es auch nicht gut
ein Enterhaken hat ihn erwischt
da lagen sie tot im düsteren licht
wo im feuchten nebel der tag anbricht
yohoho und ne buddel voll rum

15 mann auf des toten manns kiste
johoho und ne buddel voll rum
schnaps stand stets auf der höllenfahrtsliste
johoho und ne buddel voll rum

es war ein säbelstreich oder ne unze blei
eine blutrünstige Metzelei
und über dieser barbarei
der hafenhimmel in rostigem rot
und da lagen alle 15 tot
durchsiebt von eisen, blei und schrot
yohoho und ne buddel voll rum

15 mann auf des toten manns kiste
johoho und ne buddel voll rum
schnaps stand stets auf der höllenfahrtsliste
johoho und ne buddel voll rum

aus Gold und Silber war der Schatz
mit funkelndem Diamantbesatz
und da lagen sie beim Ankerplatz
15 Mann, mausetot
abgemurkst im Abendrot
und wir teilten was sich uns darbot
yohoho und ne buddel voll rum

15 mann auf des toten manns kiste
johoho und ne buddel voll rum
schnaps stand stets auf der höllenfahrtsliste
johoho und ne buddel voll rum

wir verpackten sie in segeltuch
mit festem garn und einem fluch
und dann hievten wir sie hoch
mit yohievho und macht es gut
über die reeling in die dunkle flut
10 Faden tief sank die Teufelsbrut
yohoho und ne buddel voll rum

Sonntag, 30. Dezember 2012

Michael Rook: " Ich bin doch nicht blöd! " Oder etwa doch?




Wer kennt sie nicht, die brüllende TV - Werbung des Elektronikhändlers aus der zweit größten Stadt Bayerns, aus Ingolstadt? In regelmäßigen Abständen offeriert der Media - Markt, der der Media - Saturn - Holding zuzuordnen ist, angeblich " Super - Angebote ", " Schnäppchen " oder " gnadenlos Preis reduzierte Artikel " von der Audio - Converter - CD über Leuchtmittel bis zum Zoom-Objektiv. Da wird in knalligen Farben, mittels markiger Sprüche sowie in einer extrem schnellen Bildabfolge dem Zuschauer suggeriert, dass der Handelsgigant nur für ihn die Super - Sonder - Preise kalkuliert hat. Neben dem " Geiz ist geil " des inzwischen in das Imperium mit aufgenommenen Konkurrenten Saturn - Hansa, blökt der Media - Markt die Feststellung heraus " Ich bin doch nicht blöd ".

Tatsächlich bringt es der oberbayrische Goliath auf satte 20, 3 Milliarden Euro Umsatz ( Zahl aus 2011 ). Da möchte der neutrale Betrachter den Glauben haben können, dass diese Zahlen und die dahinter stehenden Kunden nicht lügen. Die Realität sieht indes ein wenig anders aus. Wer sich einmal die Mühe macht, in den ersten Stunden nach Öffnung einer Filiale die dezent versteckte Ecke mit dem Namen " Reklamation " in Augenschein zu nehmen, wird sein blau-weißes Wunder erleben. Lange Menschenschlangen bilden sich dort und jeder Wartende hat mindestens einen Artikel in seiner Hand, unter dem Arm geklemmt oder schiebt diesen mit den Füßen in der Verpackung vor sich her. Die gekauften " Media - Markt " - Gurken funktionieren nämlich nicht oder nicht mehr.

Viel heiße Luft für wenig Substanz also. So, wie es in der Werbebranche eben üblich ist. Da wird sehr oft ein Popanz aufgebaut.

 http://de.wikipedia.org/wiki/Media-Saturn-Holding

Den Grüßaugust mussten zwei Ex-Manager dieses Konzerns jedoch nicht mimen als sie vor einer Strafkammer des Landgerichts Augsburg standen. In einem 6 Monate andauernden Prozess hatten sich hier nämlich der Ex - Media - Markt - Deutschlandchef mit dem Namen Michael Rook und ein ehemaliger Buchhalter des Konzerns wegen des Verdachts der Bestechung zu verantworten. Hintergrund ist eine
Schmiergeldaffäre bei Media Markt, die nunmehr sukzessive sanktionsrechtlich abgearbeitet wird. Zwar mahlen die Mühlen der bayrischen Justiz bei Halunken - Schurken - oder Provinzpolitikstücken nicht immer schnell, dennoch wurde im Fall des Elektronikriesen mit der Verarschungsreklame ganze Arbeit geleistet.

Am 9. November 2011 klingelten in den frühen Morgenstunden die Polizisten an der Wohnungstür des Deutschlandchef des Elektronikhändlers, Michael Rook, und verhafteten diesen sofort. Rook wurde in dem von der Staatsanwaltschaft Augsburg beantragten und von dem dortigen Haftrichter ausgestellten Haftbefehl gewerbliche Bestechung in 70 Fällen vorgeworfen. Laut damaligen  dringenden Tatverdacht soll er zusammen mit anderen Tatverdächtigen einem Anbieter von Verträgen für Breitband-Internetanschlüsse für insgesamt 3,5 Millionen Euro gezahltes Schmiergeld ,ihm  im Gegenzug ermöglicht haben, diese Produkte exklusiv in den Märkten der Kette verkaufen zu dürfen. Neben Rook , dem Buchhalter wurden zuvor fünf weitere Verdächtige verhaftet, die zu diesem Zeitpunkt bereits in Untersuchungshaft saßen.

Der verantwortliche Staatsanwalt Christian E. in Augsburg hielt nicht nur einen drigenden Tatverdacht für begründet, sondern unterstellte im Fall des Ex - Managers Rook auch  Flucht- und Verdunkelungsgefahr.
Der Media Mark - Konzern hatte den Deutschlandchef bereits Ende Oktober suspendiert und prüft seit dem, ob zivilrechtliche Regressansprüche gegen ihn geltend gemacht werden könnten.
Rook gehört seit 1987 der Unternehmensgruppe an und leitet seit 2006 Media Markt Deutschland. Seit diesem Jahr sitzt er zudem in der Geschäftsführung der Media-Saturn-Holding.
Der Media-Saturn ist in dieser Zeit zu Europas größter Elektronikhändler aufgestiegen. Er gehört mehrheitlich zum Handelskonzern Metro. Minderheitsgesellschafter sind die Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals und Leopold Stiefel. Um die Machtverhältnisse bei Media-Saturn streitet sich Großaktionär Metro derzeit mit Kellerhals vor Gericht. Knackpunkt sind die umfangreichen Mitspracherechte der Minderheitsaktionäre, die die Metro gerne aushebeln würde.


Nach Presseangeben läuft es bei Media-Saturn indes auch an anderer Stelle nicht rund. Die Elektronikketten gehören zu den wichtigsten Gewinnquellen der Metro, gerieten aber zuletzt wegen der Konkurrenz der Internethändler unter Druck.

Das laufende Strafrechtsverfahren traf deshalb den Konzern in einer denkbar ungünstigen Zeit und führte mit Sicherheit zu einem Imageschaden, da Ermittlungen gegen 19 Mitarbeiter der Holding geführt wurden.

http://www.merkur-online.de/nachrichten/wirtschaft-finanzen/deutschlandchef-media-markt-verhaftet-1482423.html

Nun ist der Prozess nach sechs monatiger Hauptverhandlungsdauer zu Ende gegangen. Die beiden Hauptverdächtigen wurden wegen Bestechung zu einer Haftstrafe von 4 Jahren und 3 Monaten sowie im Fall des einstigen Deutschlandchefs von 5 Jahren und 3 Monaten. Dieser bestritt die gegen ihn erhobenen Vorwürfe, die durch detaillierte Angaben innerhalb der von den übrigen Angeklagten abgelegten Geständnisse, bewiesen werden konnten. Rook sah sich indes als unschuldig Verfolgter und forderte über seine Verteidiger einen Freispruch. Die Große Strafkammer des Landgerichts in Augsburg sah dieses indes völlig anders und verurteilte ihn zu einer relativ hohen Haftstrafe. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig, da Rook über seine Verteidiger Revision beim BGH einlegen kann. Ob der das Ergebnis aus diesem Verfahren anders sieht, steht auf einem anderen Papier. Wird das Rechtsmittel verworfen, ist auf dieser Ebene ernst einmal zappenduster.

Für den Ex - Deutschlandchef dürfte es danach noch knüppeldick kommen, sollten zivilrechtliche Ansprüche durch seinen vormaligen Arbeitgeber tatsächlich durch gesetzt werden, weil Rook dem Konzern einen materiellen Schaden beigebracht haben könnte. Geld, vor allem das an ihn und andere Beteiligte gezahlte Schmiergeld, hat der Manager längst nicht mehr. Die Knete wurde von ihm für Reisen, Hotelaufenthalte, Luxus-Fahrzeuge und eine gekaufte Zweitwohnung verbraten. Und weil ja bekanntlich einem nackten Mann nicht in die Tasche gegriffen werden kann, muss sich der in seiner Brüllwerbung als " nicht blöd " hinstellende Elektronik - Golitah etwas anders einfallen lassen, um Regressansprüche realisieren zu können.

Freitag, 28. Dezember 2012

Aus alt mach neu oder werden Schokoladenhohlkörper recyclet?



Die Schlachten sind geschlagen, die Weihnachtsgeschenke an die Frau und den Mann gebracht und die familiären Herzspitzendiskrepanzen durch Trennungsübereinkunft beseitigt worden. Die zweibeinigen - überwiegend hoch verwöhnten - Monster haben die Präsente längst ausgepackt, für uncool oder cool befunden oder waren ab heute dabei den Gutschein einzutauschen. Es kehrt wieder langsam Normalität in die Innenleben der Weihnachtsgestressten ein.
Der tägliche Ablauf in der Familie normalisiert sich zusehends.

Nur in den Lebensmitteltempeln herrscht bis zum 31. 12. 2012 noch Konjunktur. Da werden die geplünderten Regal wieder aufgefüllt, die typischen Weihnachtsartikel aus den leer gefegten Verkaufsständern zusammen geschoben oder in einige Ramschkisten hinein gelegt.
Die Restposten aus dem Kalorien - Kabinett finden sich sofort in Form von Preis reduzierten Artikeln in eigens dafür vorgesehenen Behältnissen wieder. Da stehen sie nun, grimmig oder grinsend den potentiellen Kunden anschauend und warten darauf doch noch mit genommen zu werden. Besonders die vielen nicht verkauften Hohlkörper sind alle Jahre wieder ein begehrtes Objekt für Reisnachlasse. Ob nun 30, 50 oder sogar 70 %; sie alle sollen, ja müssen eigentlich an die Frau / den Mann gebracht werden. Ansonsten droht ihnen? Ja, was denn nun?

Landläufig wird hierzu spekuliert, dass jene Schokoladenhohlkörper wieder verwendet werden. Doch weit gefehlt! Ihnen droht eben nicht der manuelle Striptease ihres bunten Stanniolpapiers, des anschließend Abtransports und der Wiedereinschmelzung zum späteren Osterhasen. Dennoch ist die Frage berechtigt, was sich aus den nicht abgesetzten Exemplaren noch machen lässt.

http://www.gutefrage.net/frage/weihnachtsmaenner---osterhasen

Wenn sie also nicht eingeschmolzen werden, dann müssen sie nun einmal auf anderem Weg aus den Geschäften verbannt werden. Schließlich benötigen die vielen tausend Supermärkte die Verkaufsflächen für andere Artikel, insbesondere Saisonartikel wieder. Die Frage nach dem wohin mit den vielen der allein in der BRD produzierten 147 Millionen Schokoladen -Weihnachtsmännern von Milka, Lindt, Ferrero, Lidl, Aldi, Feodora, Hachez, Brand, Gepa Fair oder Nestele´ von denen 108 Millionen in diesem Jahr zum Verkauf anstanden, lässt sich denn doch beantworten. Von den mehr oder weniger sehr gut schmeckenden ( Lindt ) bis mäßigen Geschmack aufweisenden ( Ferrero )

http://www.testberichte.de/suesses-knabbereien/417/schokolade/weihnachtsmann.html

werden die meisten Schoko - Männer eben über Sonderangebote oder Schenkungsaktionen an Kinderkrippen oder ähnliche Einrichtungen aus den Handel genommen.


Den Tod durch Einschmelzen müssen deshalb keine Weihnachtsmänner hinnehmen; allenfalls den des Vernichtens durch Entsorgungsaktionen. Tja, und da eben 9.000 (!!!) Tonnen hergestellte Schokolade auch in dem kommenden Jahr erneut die Fabriken ab September wieder in Form von Schokoladenhohlkörper ( nur Weihnachtsmänner, denn für Osterhasen gibt es noch eine größere Herstellungsmenge ) verlassen werden, kommt ein recyclen gar nicht in Frage. Wäre ja noch schöner, wenn Schokolade wieder verwertet werden muss!

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Knallerbsenstrauch?



 Ein weihnachtlicher Verdauungsspaziergang bei milden 10° Plus ist doch mehr als nur eine willkommene Abwechselung für den überfrachteten Magn. Oder, etwa nicht? Da wurden denn die drei Enkel, jene Racker, die seit einigen Tagen jenen Quadratzentimeter des bewohnen Raumes umgepflügt und in einen Abladeplatz für vielerlei Utensilien verwandelt hatte, eingekleidet und zum Gang mit den Millionen präpariert. Natürlich durften die Puppenwagen - vor 2 Tagen mühsam und schweißtreibend aus der voluminösen Umverpackung heraus geschält . nicht fehlen. Also: Haustür auf und ab ins Freie!

Bereits nach wenigen hundert Metern wird jedoch klar, das der Feiertagsspaziergang zwar eine sehr gute Idee war, jedoch eine halbe Stunde vor 12.00 Uhr mittags bei anderen Dresdner in Dölzschen und Naußlitz keine große Gegenliebe fand. Unsere Kalorienverbrenn-Kampftruppe nebst drei vierrädrigen Transportern zeigte sich alsbald alleine auf weiter Flur. Je höher der Weg uns in Richtung des Dresdner Talkesselrands führte, desto ruhiger wurde es um uns herum. Lediglich einige PKW jagten an uns vorbei. Waraus möglicher Weise zu schließen war, dass diese bei " Mutti " oder sonstigen Verwandten zum Mittagsessen eingeladen waren.

Weiter spazierten wir mit den drei Enkeln nun talabwärts zurück. Der jüngste der Aktivisten hatte inzwischen schlapp gemacht und lag - selig schlafend - im Buggy. Die beiden größeren der Energiebündelbrigade zeigten sich indes von des Bruder´s Schlafphase unbeeindruckt und es musste ständig Abwechselung her, um den vielleicht doch etwas langweilig Weihnachtsspaziergang aufzulockern.
Da traf es sich gut, dass an den ansonsten kahlen Vorgärten und der Parkanlage eine Reihe von Knallerbsensträuchern standen, die ihre weißen Früchte noch zeigten.

Knallerbsensträucher waren einst in meiner Kindheit auch ein beliebtes Objekt, um - je nach Jahreszeit - seinem Spieltrieb und der eigenen Neugier freien Lauf zu lassen. In Windeseile wurden die seltsamen Früchte herunter gerupft, in einer Hand gesammelt, um sie dann mit " Schmackes " auf den Asphalt des Gehsteigs zu werfen. Ein leises " Plopp " und dann hatte die weiße Kugel ihre Form verloren. Flach wie eine Flunder lag sie auf dem dunklen Straßenbelag, drum herum eine Ring aus einer wasserähnlichen Flüssigkeit. Andere der Mitstreiter von einst zeigten eine brutalere Methode, den Knallerbsne den Graus zu machen. Sie kullerten die weißen Kugeln auf den Gehsteig oder die Straße und traten sie nacheinander platt. Bei jedem kraftvollen Tritt gab es eine mehr oder minder lauten Knall. Deshalb ja auch der Name.

Eigentlich nennt sich diese Knallerbse nicht so, sonder ist bei den Botaniker als Schneebeere (  Symphoricarpos albus ) bekannt. Sie ist in ihrem Verbreitungsgebiet, nämlich in Nordamerika und Nordeuropa in die Kategorie der Zierhölzer eingestuft worden. Die Beeren sind deshalb nicht genießbar, ja, in etwas größeren Mengen verzehrt, lösen sie Vergiftungserscheinungen, wie z.B. Brechdurchfall aus.


http://de.wikipedia.org/wiki/Gew%C3%B6hnliche_Schneebeere

Einen Popularitätsschub erfuhr der Knallerbsnestrauch in der BRD und im deutschsprachigen Ausland auf eine ganz andere Art und Weise. Der große Meister der Verarschung, der Herr mit der Killerplautze, der Master ESC Germany, Stefan Raab,erwähnte diesen Strauch in seinem Country - Song " Maschen - Draht - Zaun " 1999, in dem er bekanntlich einen damals im Fernsehen ausgetragenen Rechtsstreit, bei dem es um die Beseitgugn eines solchen Gewächses gng, veralberte.

Na, dann mal los:

I'm a lonesome rider,
I'm a real tough guy,
I tell you livin' ain't easy butevery day I try.
I've seen a million places.
Baby I get around
with a sixpack of beerand a Maschendrahtzaun.

Im a hardworking man.
I dont need much in life.
I got my horse, I got my boots,
a hat and a knife.

All I really needcan surely be found
I need girls, I need whisky
and Maschendrahtzaun.

Maschendrahtzaun in the morning,
Maschendrahtzaun late at night,
Maschendrahtzaun in the evening,
Maschendrahtzaun makes me feel alright.

And if I ever be king
and I get a crown
then it would surely be made ofMaschendrahtzaun...

All the ladies wanna have me,
I'm a handsome boy
and all the boys want me too,
in especially Siegfried und Roy.

I'm a sexmachine, baby,
I had more girls than James Brown,
and I fucked them all
on the Maschendrahtzaun.

But now the time has gone by
and something happened to me.
I'm only half the man
I used to be.

I was the sexiest man
in the whole big town
before I ripped my balls
on the Maschendrahtzaun.
[ From: http://www.elyrics.net  ]

Maschendrahtzaun in the morning,
Maschendrahtzaun late at night,
Maschendrahtzaun in the evening,
Maschendrahtzaun makes me feel alright.

And if I ever be king
and I get a crown
then it would surely be made ofMaschendrahtzaun...

I was also a Sheriff,
I was fighting for right.
I was protecting law and order
every day, every night.

I was hunting a man
with a big fat Bauch.
And I caught him in the back of a
Knallerbsenstrauch.

But now the story is over.
I had a good good life.
I still got my horse,
my boots and my knife.

I did a lot of travelling,
but now I settle down,
at the Knallerbsenstrauch
on the Maschendrahtzaun.

Maschendrahtzaun in the morning,
Maschendrahtzaun late at night,
Maschendrahtzaun in the evening,
Maschendrahtzaun makes me feel alright.

And if I ever be king
and I get a crown
then it would surely be made ofMaschendrahtzaun...
then it would surely be made ofMaschendrahtzaun...
then it would surely be made ofMaschendrahtzaun...
Yeah...!


Montag, 24. Dezember 2012

In der Weihnachtsbäckerei.


Puuh, nicht jedes Jahr wird der Stress vor dem Fest sich so auswirken, wie in 2012. Die Innenstädte zeigten sich zum Bersten gefüllt, die Kaufhäuser, Supermärkte und sonstige Einzelhandelsgeschäfte auch. Das ist gut für den Handel, das ist gut für die Konjunktur, das ist gut für die Kanzlerin Merkel. Sie wird in einigen Tagen ihre obligatorische Neujahrsansprache vor einem Millionenpublikum halten dürfen. Die salbungsvollen Worte wurden - alle Jahre wieder - natürlich aufgezeichnet. Mit einer kraftvollen Gestik, einer entspannten, aber bestimmt wirkenden Miene, macht Merkel gegen alle Miesmacher, in diesem, unserem Land, mobil.
Das ist auch notwendig, denn im Wahljahr 2013 wird es für den Durchschnittsmichel knüppeldicke kommen: Höhere Strompreise, höhere Preise im öffentlichen Nahverkehr und saftige Nebenkostennachforderungen für die Mehrzahl der Mieter, sind nur einige Beispiele.

Da hilft es manchmal, um bei den Lebenshaltungskosten zu sparen, wenn man/frau wieder auf die gute alte Küche zurückgreift. Warum immer Fertigfraß? Warum eigentlich ewig " Mc Doof "? Und warum ständig Tiko - Pizzen? Selbst ist der Mann / die Frau, wenn es darum geht, sich Genießbares zuzubereiten.

Früher, ja früher, also vor einigen Jahrzehnten, galt es als selbst verständlich, wenn die Gerichte in der eigenen, eher bescheiden eingerichteten Küche gekocht, gebraten oder gebacken wurden. Ob nun Apfelkompott, Buntes Huhn, Cordon Blue , Dampfnudeln, Eisbein, Frikadellen, Grütze, Hühnersuppe, I , J , Kasseler-Kotelett, Labskaus, Meerettichsoße, Nudelsuppe, Ochsenschwanzsuppe, Pfannkuchen, Quarkkuchen, Rosinenstollen, Stampfkartoffeln ( Pürre´), Tomatencremesuppe, Ungarisches Reisfleisch , Vanillecreme , Wiener Schnitzel , X, Y, Zanderfilet, dieses alles wurde eigenhändig und zeitintensiv zubereitet und danach den Lieben von Mutti kredenzt.
Aber es wurde dabei ein riesiger Aufwand betrieben - genauso wie heute, nur dass es diese Auswahl und Mengen am Lebensmittel nicht gab.

Deshalb wurden einige Tage vor dem Fest der Backofen angeheizt, die Backbleche eingefettet und Backformen aus dem Schrank geholt. Wenn es draußen kalt und ungemütlich war, gab es rege Betriebsamkeit in der Küche. Mit Mehl, Milch, Zucker, Eiern, Kakao und Schokoladenstreuseln zogen die Hobbybäcker in das Schlachtfeld. Nachdem der Teig zubereitet war, hieß es die Plätzchen oder Kekse durch kleine Stechformen anzufertigen. Wer diese auch nicht hatte, ließ seiner Kreativität eben freien Lauf.
Zügig füllten die kleinen Hände das Backblech. Dieses verschwand dann im Ofen.
Nach einigen Minuten waren die Leckereien goldgelb oder leicht bräunlich ( schwarz durften sie nicht werden, denn sonst waren sie ungenießbar ).

Anschließend gab es einen Zuckerüberzug, einen Mantel aus Streuseln oder es wurde wurde mit einem Pinsel heiße Schokolade drüber gestrichen. Fertig!

Wie singt der gute Rolf Zuckowski in seinem Klassiker:


In der Weihnachtsbäckerei


gibt es manche Leckerei

Zwischen Mehl und Milch

macht so mancher Knilch

eine riesengroße Kleckerei.

In der Weihnachtsbäckerei

In der Weihnachtsbäckerei



Wo ist das Rezept geblieben

von den Plätzchen, die wir lieben?

wer hat das Rezept

verschleppt



Na, dann müssen wir es packen

einfach frei nach Schnauze backen

Schmeißt den Ofen an

ran!



In der Weihnachtsbäckerei

gibt es manche Leckerei

Zwischen Mehl und Milch

macht so mancher Knilch

eine riesengroße Kleckerei.

In der Weihnachtsbäckerei

In der Weihnachtsbäckerei



Brauchen wir nicht Schokolade,

Zucker, Honig und Succade

und ein bischen Zimt?

das stimmt.



Butter, Mehl und Milch verrühren

zwischendurch einmal probieren

und dann kommt das Ei

vorbei.



In der Weihnachtsbäckerei

gibt es manche Leckerei

Zwischen Mehl und Milch

macht so mancher Knilch

eine riesengroße Kleckerei.

In der Weihnachtsbäckerei

In der Weihnachtsbäckerei



Bitte mal zur Seite treten,

denn wir brauchen Platz zum kneten

Sind die Finger rein?

du Schwein!



Sind die Plätzchen, die wir stechen,

erstmal auf den Ofenblechen,

warten wir gespannt

verbrannt.



In der Weihnachtsbäckerei

gibt es manche Leckerei





Zwischen Mehl und Milch

macht so mancher Knilch

eine riesengroße Kleckerei.

In der Weihnachtsbäckerei

In der Weihnachtsbäckerei

Na, denn: Allen Bloglesern hier ein Frohes Fest und besinnliche Feiertage!

Samstag, 22. Dezember 2012

Warum es am 24. Dezember keine Gerichtstermine gibt. Eine Vorweihnachtsgeschichte von Advocatus Diaboli. Niedergeschrieben von selbst.



Es war einmal, vor 25 Jahren, ein nicht mehr ganz so junger, doch noch jung an Erfahrungen,in einer westdeutschen Großstadt praktizierender Anwalt. Ein Anwalt, wie jeder andere auch, aber auch wiederum nicht. Er hatte nicht viel, außer den unbändigen Drang, anderen Mitmenschen helfen zu wollen, aber dabei immer noch Mensch zu bleiben. Ein großartiges Unterfangen, in den Endachzigern, bei über 100.000 zugelassenen Rechtsanwälten in Westdeutschland und mehr als 1.000 in jener Großstadt. Da heißt es, um jeden Klienten kämpfen, auch wenn er nur Mist am Hacken hat und am Ende die Gebührenrechnung nicht bezahlt oder noch schlimmer: sie nicht bezahlen kann. Das gesamte konkurrierende Berufsumfeld war zudem feindlich gesinnt. Jeder haute Jeden bei der Rechtsanwaltskammer ( einem Kontrollorgan mit einer nahezu göttlichen Symbolkraft, bestehend aus alten Tattergreisen jenseits der 70 und einer dauerfrustrierten Geschäftsführerin mit dem emanzipierten Namen S. - G. ) in die Pfanne. Sie unterstellten diesem ein berufliches Fehlverhalten, wenn der eigene A.. in einem Verfahren zu sehr geröstet werden könnte. Keine guten Startvoraussetzungen, um für Recht und Gerechtigkeit zu kämpfen.

Zu diesem Schlachtfeld kam ein weiteres - weil die eigene Herkunft eher bescheiden war - das wichtigste, nämlich das um die Gebühren, die Knete, den Zaster, die Patte - einst in Deutsche Mark gezahlt. Der Herr Advocatus Diaboli ( Kurzform jetzt immer AD ) bezog deswegen  in den ersten 1,5 Jahren Arbeitslosenhilfe ( die es damals noch gab,  wo jene Transferleistungen durch die Solidargemeinschaft noch nach dem AFG geregelt waren ) und " Schwarzgeld " ( das es immer noch gibt, wenngleich auch dieses nicht vor einer Pleite schützt, wenn es falsch angelegt wird und andere Parasiten dem Staat die Steuer vorenthaltend, dieses durch noch größere, parasitär agierende Berater wieder verbrennen statt in Vermögen anzulegen ). Das eine Finanzierungsmittel war legal und betrug in etwa 700 DM monatlich, die anderen Einnahmequellen waren illegal und zudem stark schwankend und machten zirka 300 DM monatlich aus. So versuchte der AD sich über Wasser zu halten. Die Miete für eine 2 Raum - Wohnung mit Duschklo und kleiner Küche zu einer extrem lauten Hochstraße zeigend, betrug um die 450 DM. AD konnte deshalb die weiteren Verpflichtungen, wie Berufshaftplichtversicherung, Beiträge zur Rechtsanwaltskammer, Kfz - Versicherung usw. bestreiten, weil er während der Zeit des 2. Staatsexamens gespart und zudem einen Bankkredit aufgenommen hatte.

AD war also kein wohl habender Fernsehanwalt mit Villa, Pool und Sportwagen. Die mit einem Kollegen gemeinsam geführte Kanzlei lag zudem in einem schmuddeligen Stadtteil der Großstadt. Dort, wo das Elend und die Not ein Gesicht trug, dort, wo es hunderte Junkies, Kleinkriminelle und Arbeitslose gab, dort lebten aber auch andere gesellschaftliche Randgruppen, wie Schüler, Studenten, Professoren. Ein durchmischtes Bevölkerungsgefüge also. AD mochte dieses Ambiente, obwohl er dort selbst nicht wohnen wollte. Die Gefahr, als Einbruchsgeschädigter registriert zu werden war zu groß, als Frauenfeind stigmatisiert zu werden, weil ein freigesprochener " Vergewaltiger " das Büro einige Male aufgesucht hatte, war noch größer und jene, von den eigenen Mandaten angepumpt und beschissen zu werden, am größten.

Als das Büro, die Kanzlei von AD und seinem Sozius so langsam zu Laufen begann, flatterten dann die Terminsladungen herein. Nach einigen Monaten sollte darüber verhandelt werden, ob eine Klage zu Recht oder zu Unrecht erhoben worden war, ob über einen Antrag entschieden werden kann, ein Angeklagter verurteilt oder freigesprochen ,ob das Verfahren eingestellt wird,  usw. usf. Da lagen die mausgrauen Umschläge in verschiedenen Größen und Stärke, mehr oder weniger dick, auf dem Schreibtisch der Azubine, der Aushilfe oder auf dem eigenen und warteten darauf geöffnet zu werden. Dann folgte das typisch, ratschende Geräusch, wenn der Brieföffner, bei " Hellweg " oder der " Hans Soldan - Stiftung " gekauft,in die Umschlagsenden gesteckt und schnell zum anderen Briefende geführt wurde. Mit diesen Ladungen lagen manchmal auch gerichtliche Verfügungen oder Beschlüsse bei. Da hieß es unter anderem, dass ein benannter Zeuge geladen werden soll, dass dieser Zeuge - sofern von der eigenen Partei benannt - nur dann geladen werden kann, wenn ein Zeugengebührenvorschuss eingezahlt wird ( es galt auch hier der Grundsatz: " Ohne Schuuuuß kein Juuus! " ) oder es wurde - welch erfreuliche, für das sich permanent  im Keller befundene Bankkonto, leicht aufhellende Nachricht - der eigenen Mandantschaft ( ob nun Kläger - oder Beklagtenpartei ) Prozesskostenhilfe bewilligt. Dieser Begriff ( fachinternes Kürzel: PKH ) wirkte sich motivierend auf das gesamte Arbeitsumfeld des AD auf, denn nun gab es Kohle vom Papa Staat.

Der Brieföffner ratschte auch an jenen Tagen im Oktober 1987 die eingegangene Post. Sie war - wie in den vielen Monaten davor und danach - von dem Zusteller mit dem schönen Vornamen Hubert übergeben. Hubert war ein gebürtiger Franzose mit einem deutschen Vater und lebte zuvor im Umland der Großstadt. Und weil er eben auch französisches Blut in seinen Ader fließen hatte, sprach er sich auch französisch aus, nämlich ( phonetisch ) " Über ". Über bekam ein Jahr später Ärger mit der Staatsanwaltschaft, trennte sich von seiner Lebensgefährtin und flog bei der Bundespost raus. Schade, eigentlich war er ein netter Mensch.
 Da lag sie nun, die geöffnete Post. Einige Schreiben waren auch von anderen Rechtsanwaltskanzleien, weitere von Behörden aus der Stadt oder noch andere von Versicherungen. Summa summarum brachte uns " Über " etwa zwei Dutzend Poststücke. Die blauen Umschläge waren dabei die gefürchtetsten, denn da stand meistens etwas unangenehmes im Schreiben drin. Entweder eine Anklage, ein Mahnbescheid, eine Ladung. Lag so ein Ding auf dem Schreibtisch, musste es genauer gelesen werden, denn es galt dann, eine Frist oder einen Termin in ein eigens dafür geführten Kalender einzutragen.

Ja, und so´n blauer Brief mit Ladung vom Amtsgericht und einen umseitigen richterlichen Hinweis, war auch dieses Mal dabei. Da prangte auf der ersten Seite unter dem Briefkopf " Amtsgericht...." das Wort " Ladung ", dann war dort der Wochentag, " Mittwoch " und das Datum " 23. Dezember " und das Jahr " 1987 " zu lesen. Huch, einen Tag vor Heilig Abend also. AD notierte den Termin in seinem Büroraum - und in seinem eigenen Kalender. Danach las er die übrige Post und sortierte sie zu den dazu gehörigen Akten. Ordnung muss eben sein!

Die Wochen vergingen und weil der Termin näher rückte, ließ sich AD die Akte einige Tage vorher wieder vorlegen. Die Wiedervorlage ist wichtig, weil es sein kann, dass der Rechtsfall nicht immer einfach war, weil riesige Schriftsätze mit noch größeren Kovoluten eingereicht wurden, um eigentlich zu schreiben, dass die Partei nichts zu sagen hat. Um sich aufzumänneln vor dem eigenen Brötchengeber mit Namen Mandat A bis Z oder dem Gericht zu erklären, dass frau/man, entweder keine, nur wenig oder doch Ahnung von jener Rechtsmaterie hat.

Dieser Fall war indes überschaubar. Es wurde eine Forderung aus einem Vertrag gerichtlich geltend gemacht. Den zunächst beantragten Mahnbescheid hatte der Mandant, ein " Sportsudio " mit Namen " A " selbst angefertigt und bei Gericht eingereicht. Das funktionierte eher unkompliziert: Es musste ein Mahnbescheidsvordruck gekauft werden ( Kosten einst 2 DM ), dieser wurde dann ausgefüllt, mit Gerichtskostenmarken versehen und dann bei der dortigen Poststelle abgegeben. Möglich war auch, die Gerichtskosten nachdem eine Rechnung durch die Landeshauptkasse zugesendet wurde, den Betrag mit der Angabe des Aktenzeichens zu überweisen. Diese Variante dauerte jedoch etwas länger. Also, die Mandantschaft des AD hatte den Mahnbescheid selbst auf den Weg gebracht, weil ein Mitglied des Fitness - Studios seine Monatsbeiträge nicht bezahlen wollte.

Das Klientel dieses Fitness - Studios war höchst eigenartig. Dort trafen sich einst viele Anhänger der Muskelkultur a´la´Arnold Schwarzenegger, Dolph Lundgren oder Sylvester Stallone. Manche hatten allerdings den Körperbau eines Zwerg Nase und die Hirnmasse eines Spatzen, was sich in den schriftlichen Ergüssen an das Gericht wider spiegelte. Oft versuchten diese Freizeit - Rambos mittels Anabolika, Stereoiden oder Eiweißgetränken, die dann literweise an dem Ausschanktresen des Fitness - Studios herunter gegurgelt wurden, ihren Körper zu malträtieren. An den einfachen Trainingsgeräten fanden diese sich eher selten ein. Einige sagten sich doch: sowohl als auch und schwitzten vor der Einnahme der Dopingmittelchen mindestens ein Handtuch durch. Eine seltsame Truppe, diese Kerle im Sportstudio " A ", dass dachte sich auch AD, als er eines Tages wegen einer Vollmacht zu diesem Rechtsfall sich dort vorstellte.

Diese bekam er dann mit den Unterlagen zu dieser Rechtssache. Der Vertrag war ein so genannter, aber vormals durchaus üblicher, Knebelvertrag, der eine Laufzeit von 2 Jahren beinhaltete und sich jeweils automatisch um ein weiteres Jahr verlängerte, wenn er nicht 3 Monate vor dem Vertragsablauf von 2 Jahren schriftlich, per Einschreibebrief gekündigt wird. Und hieran scheiterten auch viele Mitglieder eines Fitness - Studios. Sie waren oft unwissend, einfach zu unerfahren oder meist nur dumm, um sich die benannten Allgemeine Geschäftsbedingungen ( Jura-Kürzel: AGB (s) ) durchzulesen. Jene Verträge mit denen eine Fitnesswütiger dann geknebelt wurde, waren längst Anlass für ungezählte Streitigkeiten, bis hin zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe, der dann die Klausel als nicht mit dem AGBG vereinbar erklärte und sie schlankweg kassierte. Zwischenzeitlich aber tobten die Schlachten vor den Gerichten um rückständige Entgelte, Mitgliedsbeiträge oder einfach nur Gelder, um Kündigungen, Kündigungen aus wichtigem Grund, weil der nicht mehr Zahlungswillige ein ärztliches Attest vorlegen konnte, dass ihm irgendein Wehwehchen am Rücken oder sonstwo ( Hirn eingeschlossen ) bescheinigte, woraufhin er nicht mehr trainieren könne, ohne seine Gesundheit zu ruinieren.

So einen Fall hatte auch AD an Land gezogen. Ein türkisch-stämmiger Klient des Fitness-Studios " A " hatte einen solchen " Persilschein " ( solche Atteste waren üblich, denn neben der Juristenschwemme gab es damals schon die Ärzteschwemme und viele Weißkittel, die mit ihren Praxen am Hungertuch nagten, weshalb eben diese Dirnendienste für Patienten getätigt wurden ) nach der Kündigung eingereicht und nochmals gekündigt. Die Beiträge davor wollte er aber nicht zahlen, weil er - so seine von einem Halbgaren, wohl Rechtsreferendar, schriftlich eingereichten Behauptungen als Klageerwiderung - eben von Beginn an krank gewesen sei und hätte nicht trainieren dürfen. Es ging um 8 Monatsbeiträge a´35 DM, also 280 DM. Das war zwar damals auch nicht gerade sehr viel Geld, für einen Arbeitslosen aber sehr wohl, denn das war der ehemalige Beklagte auch noch. Nichts zu holen, so schwante es dem AD. Viel Papier für wenig Gebühren, geisterte ihm zudem noch im Hinterkopf herum. Und das Ganze auch noch einen Tag vor Heilig Abend. Bei dem nass-kalten Schmuddelwetter auch noch zum Gericht laufen. Es gab schönere Dinge.

Dann nahte der 23. Dezember 1987. AD setzte sich an seinen Frühstückstisch und trank seinen Ostfriesentee mit Kluntje, schob eine Scheibe " Aldi " - Toastbrot mit besserer " Schwartau " - Erdbeermarmelade hinein und legte eine weitere Scheibe des weißen Industriebrots in den Toaster. Er aß jetzt ein Käsetoast mit billigen " Aldi " - Scheibenkäse ( Geschmacksrichtung Emmentaler ), trank seinen Teebecher aus und räumte die Utensilien in den Kühlschrank, der neben der " IKEA " Anrichte, der " IKEA " - Spüle ( nur mit einem Becken ) und dem " IKEA " - Besenschrank stand. Dann zog er seine Allwetterjacke, ohne Innenfutter an, schnürte seine Schuhe von " Deichmann ", Marke " Ecco ", die er bereits zu Studentenzeiten gekauft hatte, zu und verließ gegen 8.10 Uhr  das Haus in der W. - Straße 81 in jener Großstadt, um in sein Büro zu fahren. Der PKW Marke Mazda 323 Hatchback mit 86 PS rollte über die vollen Straßen und brachte ihn in den nahe gelegenen anderen Stadtteil zu seinem Büro.
Die Parkplatzsuche war wie seit Jahren, wie immer, ein Lotteriespiel. Er parkte irgendwo in einer der schmalen Nebenstraßen am Gehsteigrand ein. Hier, wo alte, vor sich hin gammelnde Backsteinbauten im typischen Stil dieser Stadt standen, wo das akademische Prekariat ( diesen Ausdruck gab es zwar damals noch nicht, er traf dennoch zu ), die verbeamteten Lehrer und Hochschullehrer, wo Studenten, Schüler, Aussteiger wohnten, stieg er aus dem PKW aus und ging einige hundert Meter zu Fuß.

AD schloss das Büro in einem solchen Wohnhaus auf und knipste die Neon - Deckenbeleuchtung an. Er zog seine Jacke aus und stellte die mitgebrachte Tasche, in der er die Akten und Unterlagen transportierte zur Seite. Er hörte den Anrufbeantworter ab, auf dem sich mehrere Nachrichten befanden. Auch die, dass sein Kollege heute nicht käme, weil er einen Termin im Knast hatte. Einen Tag vor Heilig Abend? Na, egal!  Er begab sich zu der Kaffeemaschine, bereitete für sich das Dauergebräu zu, dessen Zutaten regelmäßig im " Eduscho " - Shop mit Stehcafe´an der Ecke zu der engen Straße, in dem das Büro lag, gekauft wurden. Hier, wo sich arbeitslose Ausländer mit Hehlern und Dieben aus dem Drogenmilieu trafen, um ihre Geschäfte abzuwickeln. Hier, wo eines Tasse Kaff´nur 0,50 DM kostete und auch so schmeckte. Hier, wo die anderen Advokaten auch aufkreuzten, wenn sie vom Gericht kamen und sich die Nutten aus der H. - Straße trafen, bevor sie zum Fitnesstraining in jenes Studio gingen, für das AD sich in einigen Stunden ins Zeug legen sollte.

Die Kaffeemaschine brodelte unaufhörlich. Endlich war das Gesöff fertig. AD nahm dieses Mal die haltbare Milch aus der kleinen Flasche, denn das Verfalldatum rückte näher. Der Kühlschrank, der sich im hinteren Teil des schlauchartigen Raumes befand, dessen Ende eine Toilette mit winzigem Handwaschbecken und einer antiquierten Spülung beschrieb, würde spätestens am Abend für einige Tage ausgestellt werden, um Stromkosten zu vermeiden. Die Milch, die AD zuvor bei der " Minimal " - Filiale in der Straße gegenüber gekauft hatte, war noch gut. AD rührte sie in die schwarze Brühe ein und verließ den Platz, um sich hinter seinen Schreibtisch zu setzen. Er trank seinen Kaffee und holte das Diktiergerät aus der Schreibtischschublade. Der kleinere Aktenstapel, den er am Tag zuvor dort aufgebaut hatte, sollte - musste aber nicht - noch vor Weihnachten abgearbeitet werden. Gegen 8.30 Uhr wurde die schrottige Eingangstür aufgerissen und die Auszubildende Jannine S. kam herein. Wie immer war sie dezent geschminkt und gab ein leicht lächelndes " Guten Morgen! " von sich. " Morjen, Jannine! ", entgegnete AD ihr. Dann informierte AD sie darüber, dass der Kollege C. heute nicht mehr käme, weil er Knastbesuche abstatten würde. Die Auszubildende quittierte dieses mit einem: " Ja, ist gut!" und setzte sich hinter ihren Schreibtisch und vor die monströse " Olympia " - Schreibmaschine mit Kugelkopf, die AD noch aus Studienzeiten mitgebracht hatte.

Während die Auszubildende auf dem Pedal des Kassettenabspielgeräts herum trampelte, diktierte AD seine Schreiben und Schriftsätze zu den aufeinander liegenden Akten. Ödes Zeugs, irgendwelche Anschreiben an Versicherungen, Behörden und weitere Klagen und Klageerwiderungen. Jannine unterbrach ihre Tretorgie und rief: " Du hast nachher Termin!" " Joh, Akte liegt schon hier. Danke!" rief AD zurück. Das kollegiale " Du " war in der Szene üblich, in der sich linksorientierte Advokaten gegen die Scheiß - Spießer aus den großen Spießer - Büros abgrenzen wollten und den Büroablauf und damit auch ihr spärliches Personal sozialisierten. Ergo: " Du " war nichts persönliches im Umgang mit den Mitarbeiterinnen, sondern eine floskelhafte Anrede. " Kannst Du mir diese Sachen noch tippen? ", fragte AD die weiter auf dem " Olympia " - Monstrum herum hämmernde Azubine. " Ja, mache ich!", rief sie zurück, ohne dass das Gekloppe dabei aufhörte.

Es vergingen fast 3 Stunden, dann waren auch die frischen Diktate abgetippt, korrigiert ( das musste in jedem Fall sein ) und unterschrieben ( auch das war absolut erforderlich ). Jannine war fleißig und motiviert. AD und sein Sozius hatten sie von einem anderen Büro übernommen, das ihr Vater als Rechtsbeistand ( das war einst ein Zwitter zwischen Jurist und Volljurist ) unterhielt, weil sie sich mit diesem überworfen hatte. Nun sollte sie die Ausbildung zur Rechtsanwaltsgehilfin ( heute - fachangestellten ) beenden. Sie zwar psychisch ein wenig labil und heulte einige Male wie ein Schlosshund, wenn wieder ein übler Schriftsatz in dem Unterhaltsprozess, den AD für sie gegen ihren Vater führte, eintraf, aber sie war eben auch zuverlässig.

Die Uhr zeigte 12.00 Uhr an und AD verließ seinen Büroraum. Nun musste er noch zirka 1,3 Kilometer Fußweg zum Gericht zurücklegen. Dafür würde er vielleicht 15 Minuten benötigen. Genug Zeit also, um die übrige Post noch abzugeben, Briefmarken zu kaufen und zurück zum Gerichtsgebäude zu gehen, denn der Termin war für 12.30 Uhr anberaumt. AD zog seine Jacke an, verabschiedete sich von der Azubine und verließ das Büro. Er bog links in den Straßenzug, an dem sich die " Eduscho " - Filiale befand, passierte einige Geschäfte und diverse Kneipen, die Puffstraße, die Straßenkreuzung an der es in einigen Tagen wieder die sattsam bekannte Silvesterrandale geben würde, ein Theater und ein Szene - Cafe´, in dem ein sehr bekannter Bundesligafußballtrainer seine Zeitungen las und das Frühstück einnahm, ehe er über eine stark befahrene Kreuzung an einem Fluss zum Gerichtsgebäude gelangte. Er begab sich aber zunächst zur Hauptpost und erwarb einen Bogen Briefmarken zu 50 Pfennig sowie einige weitere zu 30 Pfennig. Dann kehrte zu seinem Zielort, dem Amtsgericht zurück.

Es war einige Minuten vor halb eins. Der Termin stand im Sitzungssaal 124 kurz bevor. AD ging die Treppen in den ersten Stock des Gebäudes hoch und öffnete eine Zwischentür, durch die er in den Flur gelangte. Hier saßen einige Personen auf den Stühlen, andere standen herum und unterhielten sich. Kurz vor Weihnachten war nicht mehr so viel los in den Gerichten. Einige Richter machten längst Urlaub, andere von ihnen hatten keine Lust, sich durch Streitereien die Weihnachtsfeiertage vermiesen zu lassen; sie terminierten ab der 3. Dezemberwoche einfach nicht mehr. Der Richter, mit dem es AD und die Gegenseite zu tun hatte, jedoch nicht. Er wollte auch einen Tag vor Heilig Abend seinen Aktenstapel abarbeiten und hatte seit 09.00 Uhr bis 12.30 Uhr gut ein Dutzend Rechtssachen abgewickelt.  Die Tür öffnete sich und ein Pulk Menschen verließ laut quatschend den Gerichtssaal. AD vernahm einige Gesprächsfetzen, wie " Ist ja ganz gut gelaufen! " oder " Na, denn Frohes Fest " und " Ja, danke gleichfalls! ".
Jetzt rief die Protokollführerin, die gewöhnlich rechts neben dem Richter(n) saß, die Streitsache von AD auf.  Der Lautsprecher quäkte also: " In der Sache " Fitness - Studio " A " gegen U., die Beteiligten bitte in Saal 124 eintreten! ". AD ging schnurstracks auf die Tür zu. Hinter ihm folgte die Gegenpartei, der Beklagte, der Nichtzahler.

Der Richter C. war schon 10 Jahre im Geschäft. Er hatte bereits eine Halbglatze, war von eher sportlicher Statur, vielleicht 1,75 m groß und durchaus schlank. Richter C. war zu diesem Zeitpunkt 43 Jahre alt. Nicht mehr ganz jung, aber auch kein alter Knochen, wie einige seiner Kollegen, die in den kommenden Jahren in Pension gehen würden. Da saß er nun, rechts neben ihm die Protokollführerin, links neben ihm ein Rechtspraktikant, und fragte gleich den anwesenden Beklagten, ob er auch dieser sein: " Herr U.? " Antwort: " Ja " " Nehmen Sie doch bitte da Platz . " Richter C. zeigte auf den Stuhl links neben seinem Podest, dass nur durch eine weitere Eingangstür in dem Sitzungssaal zu erreichen war. AD indes wusste, dass er auf der gegenüber liegenden, damit auf der rechten Seite vom Richterstuhl aus gesehen, Platz nehmen sollte. Richter C. begann, in wenigen Worten den Streitstoff zusammen zu fassen. " Der Kläger, also Herr Ut. als Inhaber des Fitness - Studios macht 280 DM zuzüglich 4 % Zinsen seit dem... " Richter C. stockte und fragte dann nochmals den AD: " Herr AD, seit wann werden Verzugszinsen geltend gemacht? " " Na, ja, seit Zustellung des Mahnbescheids. ", antwortete der etwas nervös. " Aja, also seit Zustellung des Mahnbescheids geltend. "
" Sie haben da ja einen Vertrag unterschrieben, Herr U. Nicht wahr?" U. versuchte irritiert zu tun: " Vertrag? Ach so, ja, das ist meine Unterschrift. ", antwortete U., nachdem Richter C. das Original in Höhe hielt und genau zu erkennen war, dass dieses Schriftstück unterschrieben war; nämlich von U.

Richter C. stellte noch einige Fragen an U. Dann kam er auf das Gefälligkeitsattest zu sprechen. " Herr U. sie haben ja nachgewiesen, dass sie ab dem ( es folgte ein Datum ) aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr bei dem Kläger trainieren konnten. ". U. antwortete ihm brav: " Ja. " AD intervenierte sofort: " Das haben wir bestritten! " " Ja, Herr AD, das mag schon sein, aber das Gericht ist kein Arzt und muss sich auf das verlassen, was in dem Attest steht. Und hier steht etwas wegen eines Rückenleidens und dass kein belastender Sport mehr betrieben werden darf. " " Das ist doch eine Allerweltsformulierung!", entgegnete AB. " Mag ebenfalls so sein. ", sagte Richter C. " Ja, also, Sie haben das Attest dann am ( es folgte ein weiteres Datum ) dem Kläger vorgelegt und dann noch einmal gekündigt." U. wiederum kleinlaut antwortend: " Ja. "
" Nun, " fuhr Richter C. fort " damit besteht ein wichtiger Grund für eine außerordentliche Kündigung. "
Dann kam Richter C. auf den Punkt: " Also, wenn Sie am ( es folgte ein Datum ) den Vertrag unterschrieben haben, denn Sie am ( es folgte ein Datum ) gekündigt haben, jedoch ohne triftigen Grund, denn der Vertrag endet ja erst am ( es folgte ein Datum ), danach am ( Datum ) erneut aus wichtigem Grund die Kündigung ausgesprochen haben, weil Sie jetzt ein ärztliches Attest dem Kläger vorgelegt haben, dann hat dieser einen Anspruch auf monatliche Mitgliedsbeiträge von 5 mal 35,-- DM, demnach 175,-- DM.
" Herr AD Sie machen für den Kläger ja zunächst bis Dezember 1987 rückständige Beiträge geltend und gehen davon aus, dass der Vertrag auch weiterhin, dann bis zum ( Datum ) hin fort besteht. Nicht, wahr? "
AD antwortete mit " Ja, richtig! "
" Wie wäre es mit folgendem Vergleich? Der Beklagte zahlt 175,-- DM und der Vertrag ist damit aus der Welt? ", wollte Richter C., ein wenig selbst sicher und von seinem Rechtspraktikanten nickend unterstützt, wissen.
U., also der Beklagte schaute ein wenig irritiert und fragte zaghaft nach: " Also ich soll dann 175 Mark bezahlen und dann nichts mehr? "
Richter C. etwas süffisant: " Ja, so ist es!"
" Na gut. Ich bin arbeitslos, aber dann bezahle ich das trotzdem. ", stellte U. fest.
" Dann darf ich den Vergleich so protokollieren, Herr AD? ", fragte Richter C. und sah mit ernstem Blick zu AD herüber.
" Na, gut, weil bald Weihnachten ist. Wir machen das.! ", entgegnete AD ihm.
" Widerrufsvorbehalt benötigen Sie aber hier nicht. Oder? ", wollte Richter C. noch wissen und setzte eine bedenkliche Miene auf und füge dann mit einem hörbar ironischen Unterton hinzu: " Ja, ja, der Herr Ut ( es folgte der vollständige Name ), der Harry! Ich kenne Herrn Ut. ( Name folgte ganz ) sehr gut. Ähmmh, ich meine natürlich privat!"
" Nein, nicht nötig!", schnarrte AD sofort zurück.

Richter C. sah zu der Protokollführerin herüber, die schon übereifrig mit dem Stift auf dem gelben Formblatt herum gestrichen hatte: " Frau Mustermann, dann protokollieren wir folgenden Vergleich:
1. Der Beklagte zahlt zur Abgeltung sämtlicher Forderungen aus dem Vertrag der Parteien vom ( Datum ) bis zum ( Datum ) einen Betrag von 175 DM.
2. Damit sind sämtliche Forderungen aus dem Vertrag vom ( Datum ) erledigt.
3. Die Parteien verzichten wechselseitig auf die Geltendmachung weiterer Forderung aus dem Vertrag vom ( Datum ) und nehmen den Verzicht wechselseitig an.
4. Die Kosten des Rechtsstreits und dieses Vergleichs werden gegeneinander aufgehoben. "

" Bitte lesen Sie noch einmal vor, Frau Mustermann! ", forderte Richter C. die Protokollführerin höflich auf.
Diese legte dann mit schneidiger Stimme los.
" Ist das so richtig wieder gegebn? ", wollte Richter C. von beiden Anwesenden noch wissen.
Nach einem hinter einander folgenden " Ja ", verkündete Richt C. noch:
" Beschlossen und genehmigt."
" Damit ist die Sitzung in dieser Sache beendet. ", gab Richter C. noch zu Protokoll.
Dann stand er auf und zog seine Robe aus. " Ja, das war´s denn für heute und dieses Jahr. ", seufzte er.
" Na, morgen ist ja Heilig Abend oder gibt es da auch Termine? ", stellte AD die etwas naive Frage.
" Nein, das dürfen wir nicht! Keine Termine an Heilig Abend! Da ist hier sowieso zu. " sagte Richter C.
" Vielleicht auch gut so, denn sonst würden so einige Prozesse wegen Weihnachten in der Sache beeinflusst werden. ", fügte AD hinzu.
" Ja, so kann man das schon sehen. ", antwortete ihm Richter C. Sein Rechtspratikant stand dabei neben ihm und lächelte mild.
" Na, denn: Ihnen ein Frohes Fest!", beendete Richter C. das Gespräch und wehte, die Robe unter dem Arm tragend nebst Praktikanten davon.
" Ja, danke gleichfalls! ", konnte AD noch gerade hinterher rufen. ehe die Zwischentür wieder zuklappte.

AD verließ das Gebäude und überlegte auf dem Rückweg zum Büro, woher Richter C. denn nun den Mandanten,der auf dem Gelände vor der Kanzlei das Fitness - Studio betrieb eigentlich kennt. Wenn der Richter ihn gut kennt, aber nur privat, dann muss es eine Verbindung zwischen den Beiden geben. Nur welche? Also Fußball? Nee, der Mandant war kein Fan des BL-Vereins. Was dann?
Im Büro angekommen, rief AD wenig später in dem Fitness - Studio an.
Die Mitarbeiterin meldete sich am Telefon. AD berichtete über den Ausgang des Prozesses. Er erwähnte auch noch, dass sich der Richter C. und der Mandant Harry privat kennen würden.
Der Mandant war selbst nicht anwesend. Er führte noch einen Klempnerbetrieb und musste eine Baustelle aufsuchen.
AD wollte gerade von einem Bäcker in der Nähe Kuchen holen, als das Telefon klingelte.
Die Mitarbeiterin des Fitness - Studios war erneut am Apparat und erzählte von einem Gespräch mit ihrem Chef. Demnach kannte der Mandant Harry den Richter C. sehr wohl privat. Von den illustren Besuchen in einem stadtbekannten Pärchenklub, und der Mandant Harry brüstete sich damit, dass er auch dessen Frau sehr gut kenne.
" Wie jetzt? ", wollte AD weiter genauer wissen.
Die Antwort war eher unspektakulär, wie auch simpel. Richter C. besuchte dieses Etablissement öfters, genau wie Mandant C. Richter C. mit Ehefrau, weil die umsonst hinein kam und Richter C. nur 150 DM statt 300 DM zahlen musste, während Mandant Harry den vollen Preis zahlen musste. Aber das war natürlich nicht der Grund des Sichkennenlernens. Der Mandant hatte dabei das Vergnügen, während C. jenes woanders suchte.

So legte AD den Hörer seines Telefons ein wenig desillusioniert auf, glaubte danach weder an die beeinflussende Wirkung eines Gerichtstermins einen Tag vor Heilig Abend, noch an Recht und Gerechtigkeit und schon gar nicht an die Unabhängigkeit der Justiz jenseits der fleischlichen Genüsse und sonstiger damit verbundener Laster. Immerhin aber daran, dass an Heilig Abend nie Verhandlungstermine vor Gericht in diesem Land statt finden.

Freitag, 21. Dezember 2012

Die Schlacht im vorweihnachtlichen Kaufland.

Da Heilig Abend nun mal am Montag ist, jedenfalls in diesem Jahr, bedarf es in vielen Haushalten und Familien einer erheblichen logistischen Meisterleistung, um das zur Versorgung erforderlich Quantum an Lebensmittel aus den unzähligen Konsumtempeln bis nach Hause zu transportieren. Oft mit ganzen Einkaufslisten bestückt, zieht der König Kunde zum Kauf. Weil auch nichts dem Zufall überlassen wird, muss die Weihnachtsversorgungsfahrt auch hier perfekt organisiert sein. Schließlich soll der Gastgeber auch eine angemessene Versorgung garantieren, wenn die Familienangehörigen bei ihm aufschlagen. Da artet     denn der Lebensmitteleinkauf zu einer waren Schlacht aus, zu einem Kampf um die angebotenen Waren, zu einem Gefecht um die raren Einkaufwagen.

Da jagte um kurz vor sieben Uhr morgens ein Gaspedaljunkie wieder in der 30er Zone in Richtung zur Wiesbadener Straße. Immer die gleichen PKW - Raser zum gleichen Zeitpunkt mit gleicher, weil wesentlich überhöhter Geschwindigkeit. Die kalte Luft, die durch das nur ein Spalt breit geöffnete Zimmer hinein strömte, machte mich sofort hell wach. Mit einem Satz war ich in den Clogs, die vor dem Bett standen und verschwand zügig in das Badezimmer. Anschließend hieß es Katzen füttern, Kaffeemaschine anstellen, Kaffeetasse holen. Nur langsam gewöhnte ich mich daran, dass es auch noch um 7.30 Uhr dunkel bleibt. Der Winter ist eine wirklich unangenehme Jahreszeit, jetzt, wo alles kahl ist, die Morgen kalt und die Tage kurz bleiben.

Gegen halb neun begann ich den Frühstückstisch zu decken. Zwischenzeitlich war auch meine bessere Hälfte wach und zeigte mir stolz ihre neue Pudelmütze, aus Wolle, bei ebay ersteigert. Wir diskutierten noch über die Ermittlungen im Fall des Ex - Bundespräsidenten Wulff, Christian, weil das Hamburger Nachrichtenmagazin ihm wieder vier Seiten gewidmet hatte. Dieser Halunke und Schnorrer: Lässt sich einfach vom Geerkens einen " Jura " - Kaffeeautomaten schenken. Für über 1.500,-- €.  Unsereins muss das Ding selbst finanzieren und ab stottern.
Noch ehe wir uns versahen, zeigte die Küchenuhr auf halb zehn. Jetzt wird es aber Zeit, den Weihnachtseinkauf zu erledigen.
Also angezogen und dann los gefahren.

Zunächst wurden die Getränke von dem Einkaufszettel gestrichen. Ein Kasten Mineralwasser, medium, ein Kasten Bier, gemischt. Dann gings weiter zum " Kaufland ". Schon beim Abbiegen auf die " Kesselsdorfer Straße " wurde uns klar und deutlich aufgezeigt, dass wir an diesem Freitagmorgen, den 21. Dezember 2012 gegen 10.00 Uhr nicht die Einzigen sind, die die Idee des " rechtzeitigen " Einkaufens hatten. Ein PKW hinter dem anderen Wagen, so schoben sie sich auf dieser Straße in Richtung Stadtmitte, und es wurden immer mehr, je näher wir dem Paradies " Kaufland " kamen.

Schon beim Auffahren zum Parkdeck schwante mir Böses, denn ich bemerkte sofort, dass es hier wie zu Ferienzeiten auf dem Frankfurter Flughafen zuging. Blech an Blech, Schlorren nach Schlorren, blank geputzter Wagen hinter blank geputztem Wagen, so fuhren sie hoch und herunter.
Dann, ich bog auf die Parkflächeneinfahrt, dann traf mich der Schlag: Die sonst vielen freien Betonflächen waren zugeparkt. " Auch Du große Sch... !", stieß ich den Fluch aus. " Hier kriegen wir keinen Parkplatz mehr! ", folgte die ernüchternde Feststellung. Dennoch, o Wunder, o Frohe Weihnacht, es wurden auch Plätze wieder frei. Mühsam manövrierte ich den Kombi in die enge Lücke. Jetzt hieß es: Einkaufswagen ergattern!

Mit ein wenig Glück und Geschick erbeuteten wir eines der rollenden Transportmittel. Ab in den Aufzug und hinuter in das Getümmel, das Gewühle, das Gewimmel. Die Luft war zum Schneiden. Stickig, verbraucht und durch die pustende Klimaanlage nur umgewälzt. Menschen, wohin das Auge blickt. Junge, Alte, Mittelalte, Dicke, Dünne, Kräftige, Schwarzhaarige und weiblich, Grauhaarige und männlich, mit gefärbten Haaren und hässlich, so schoben sie ihre Wagen durch die überfüllten Gänge. Vorbei an bis zum bersten gefüllte Regale, Tiefkühltruhen und Ständer. Entlang der Konserven, der Fleischartikel und den Milchprodukten.

Der eigene Einkaufskorb füllte sich zusehens. Obst, Gemüse, Kartoffeln, Brot, Mehl, Zucker, Rinderhack, Rindfleisch, Rinderknochen, Suppenhuhn, Putenschnitzel, Mettwurst, Emmentaler Käse. " Was für´n Käse, während dieser Zeit hier einzukaufen! ", fluchte ich innerlich.
Weiter ging´s ! Butter, Milch, Eier, Apfelsaft, Katzenfutter. Stopp! Noch was vergessen! Zurück auf Los? Kein Durchkommen, die Menschenmassen versperren die Querverbindung zu anderen Gang. Also, über einen Umweg, zurück in Richtung Eingangsbereich. Meine Durchplanerin und Initiatorin, die Chefin vom Einkaufsdienst kam mit zwei Hände voller Artikel zurück, derweilen hatte ich mich der 50 m langen Schlange angeschlossen, die sich dann weiter zweiteilend vor den besetzten Kassen gebildet hatte.

Anstellen, um zu Bezahlen! Nee, dass war nicht immer so! In den DDR - Jahren bildeten sich auch lange Menschenschlangen vor den Geschäften. Irgendetwas ergattern? Das ist schon länger her. Heute muss frau/man auch wieder anstehen - allerdings nur um Geld loszuwerden. Die Kassenschlange bewegte sich. Meter für Meter kamen wir vor dem heiß ersehnten Bereich vorwärts. Dann stand unser brechend volle Einkaufswagen vor dem Kassenlaufband. Bald war es geschafft! Zwischendurch gab es immer wieder einen Small Talk mit anderen Leidenden. Ich posaunte die kühne Forderung heraus " Weihnachten gehöre abgeschafft! " Ein jüngerer Mann grinste und nickte mir heftigst zu. Alles nur graue Theorie!

Dann wurde malocht, denn die kiloschweren Artikel mussten allesamt auf´s Band. Ruckelnd bewegte sich dieses Zentimeter für Zentimeter nach vorne. Nur unser Einkaufswahnsinn lag auf der schwarzen Fläche!
Die jüngere Kassiererin war trotz des enormen Betriebs noch immer gut gelaunt. Wahrscheinlich eine TZ, eine KapofaZ - Mitarbeiterin oder eine Aushilfe vor den Feiertagen. Das typische Scannergeräusch wollte nicht enden. Junge, junge, das wird ein Kassenbon ( vulgo im Jargon der hiesigen Kassierer: Zettel )! Dann, endlich die letzte Kiste, die letzte Tüte, die letzte Dose war eingescannt, kam die dicke Rechnung. Wieviel? Nee, dieses Weihnachtsfest nervt. Dieses Gefresse, dieses Gelaufe, dieses Gehetzte - es geht mir auf den Zwirn. Da fielen mir jene Zeiten wieder ein, als ich noch jung oder zumindest jünger und Student war. Hmmmh, da war es doch ähnlich. Riesige Menschenmassen wälzten sich durch die Innenstadt, die Bremer City, verstopften die Aldi - Filialen, später die Lidl - Märkte, die Netto - Niederlassungen. Sie verursachten einen Mega - Stau bei Ratio, bei Real, REWE, Marktkauf, Wertkauf oder wie sie sonst noch alle heißen und hießen.

Schwitzend und gestresst begaben wir uns zum Aufzug. Zurück zum Parkdeck, an die frische Luft und nichts wie weg. Die mit gebrachten Taschen und Einkaufskisten waren im Nu voll. Was für´n Berg! Dann musste der ganze Mist auch noch ausgepackt, eingeräumt und verbraucht werden. Neben dem Einkauf, dem Besuchsvorbereitungen, war denn auch noch das Essen, als weitere Stufe der Weihnachtswahsinnswoche zu beachten. Will ich das wirklich? Ich erinnerte mich an die wunderbare Ballade von Reinhard Mey - " Die heiße Schlacht am Kalten Büffet. Na, denn, guten Appetit:


Gemurmel dröhnt drohend wie Trommelklang

Gleich stürzt eine ganze Armee

Die Treppe herauf, und die Flure entlang

Dort steht das kalte Buffet

Zunächst regiert noch die Hinterlist

Doch bald schon brutale Gewalt

Da spießt man, was aufzuspießen ist

Die Faust um die Gabel geballt

Mit feurigem Blick und mit Schaum vor dem Mund

Kämpft jeder für sich allein

Und schiebt sich in seinen gefräßigen Schlund

Was immer hineinpasst, hinein



Bei der heißen Schlacht am kalten Buffet

Da zählt der Mann noch als Mann

Und Auge um Auge, Aspik um Gelee

Hier zeigt sich, wer kämpfen kann

Hurra, hier zeigt sich wer kämpfen kann



Da blitzen die Messer, da prallt das Geschirr

Mit elementarer Wucht

Auf Köpfe und Leiber und aus dem Gewirr

Versucht ein Kellner die Flucht

Ein paar Veteranen im Hintergrund

Tragen Narben auf Stirn und Gesicht

Quer über die Nase und rings um den Mund

Wohin halt die Gabel sticht

Ein tosendes Schmatzen erfüllet den Raum

Das rülpst und das grunzt und das quiekt

Fast hört man des Kellners Hilferuf kaum

Der machtlos am Boden liegt



Bei der heißen Schlacht am kalen Buffet

Da zählt der Mann noch als Mann

Und Auge um Auge, Aspik um Gelee

Hier zeigt sich wer kämpfen kann

Hurrah, hier zeigt sich wer kämpfen kann



Da braust es noch einmal wie ein Orkan

Ein Recke mit Übergewicht

Wirft sich auf's Buffet im Größenwahn

Worauf es donnernd zerbricht

Nur leises Verdauen dringt noch an das Ohr

Das Schlachtfeld wird nach und nach still

Aus den Trümmern sieht angstvoll ein Kellner hervor

Der längst nicht mehr fliehen will

Eine Dame träumt lächelnd vom Heldentod

Gebettet in Kaviar und Sekt

Derweil sie, was übrigzubleiben droht

Blitzschnell in die Handtasche steckt



Das war die Schlacht am kalten Buffet

Von fern tönt das Rückzugssignal

Viel Feind, viel Ehr' und viel Frikassee

Na denn: "Prost" bis zum nächsten Mal

Hurra, na denn: "Prost" bis zum nächsten Mal!



Das war die Schlacht am kalten Buffet

Und von dem vereinnahmten Geld

Geh'n zehn Prozent, welch noble Idee

Als Spende an "Brot für die Welt"

Hurra, als Spende an "Brot für die Welt"


Drei etwas andere Weihnachtsalben aus den ersten Nachmillenniumsjahren




 Da kreischte doch heute ab 08.00 Uhr in der unmittelbaren Nachbarschaft eine Motorsäge und ließ die unisono vom vielen Geklingel, Gebimmel und Geläut hoch sensibilisierten Gehörgänge auf  Durchzug stellen. Ein Wahnsinniger versuchte eine Uralt - Fichte von über 25 m Höhe zu kappen. Angedroht war die Aktion bereits vor vielen Wochen über unseren Nachbarn. Nach zwei Stunden gab der Kettensägen - Massacreur auf und entschwand mit die Kleintransporter auf Nimmerwiedersehen.
In den frühen Nachmittagsstunden durften sich meine Ohren von dem Radau ein wenig erholten, denn während des vorfestlichen Grundreinigens legte ich aus dem - schon beschriebenen - CD - Archiv einige Weihnachtsalben auf, genauer gesagt: es waren CDs. Und beim Bändigen des fauchenden Dampfreinigers kam mir die Idee, dass es ja Silberlinge sind, die schon einige Jährchen auf den Buckel haben und ihr tristen Dasein jenseits der sonstigen Scheiben fristeten. Deshalb werde ich nun - Motto: " Ehre, wem Ehre gebürt " - ein paar lobende Worte zu den herausgezogenen CDs finden.

A. Jethro Tull " Christmas Album ":

Na, ja, zu " Tull " gibt es nicht mehr viel zu sagen und geschrieben ist über diese Truppe um den Sänger, Flötisten und Komponisten Ian Änderson enorm viel. Wenn sich der Chef der scharf angespielten Flötentöne dazu entschloss im Jahre 2003 ein " Weihnachtsalbum " einzuspielen, hat das nicht nur monetäre Gründe gehabt. Kitschfreie Weihnachtslieder gibt es auch von anderen Interpreten, wenngleich nicht in jener Mischung aus Folklore, Klassik und Rock.

Es sind diese Instrumente und Musiker zu hören :

Drums – Doane Perry

Electric Guitar – Martin Barre

Keyboards, Bass – Andrew Giddings

Vocals, Flute, Acoustic Guitar – Ian Anderson

Bass Guitar – Jonathan Noyc

Drums – James Ducan

Mandolin – David Pegg*

Drums – Doane Perry

Bass Guitar – Jonathan Noyce*

 Keyboards, Accordion, Bass – Andrew Giddings

Vocals, Flute, Piccolo Flute, Mandolin, Percussion – Ian Anderson

Keyboards, Bass – Andrew Giddings

Arranged By [The Sturcz String Quartet] – Laszlo Bencker

Cello – András Sturcz

Producer [Additional Studio Production] – Leslie Mandoki

Viola – Gyula Benkö

Violin [1st] – Gábor Csonka

Violin [2nd] – Péter Szilágyi


Sie finden sich auf diesen Stücken wieder:

1. Birthday Card At Christmas                      3:37
2. Holly Herald                                             4:16
3. A Christmas Song                                     2:47
4. Another Christmas Song                           3:31
5. God Rest Ye Merry Gentlemen                 4:33
6. Jack Frost And The Hooded Crow           3:37
7. Last Man At The Party                             4:48
8. Weathercock                                            4:17
9. Pavane                                                      4:15
10. First Snow On Brooklyn                         4:53
11. Greensleeved                                          2:35
12. Fire At Midnight                                      2:26
13. We Five Kings                                        3:16
14. Ring Out Solstice Bells                            4:04
15. Bourée                                                    4:28
16. A Winter Snowscape                               4:57



Ob nun dieses Album als Konzeptalbum zu bewerten ist oder nur alten Wein in neuen Schläuchen darstellt, dürfte vielleicht Geschmackssache sein. Fakt ist: Wer im trüben Dezemberwetter bei einem heißen Tee, einer Tasse Kaffee oder einem Glas Punsch sich beim flackernden Kaminfeuer ein wenig entspannen möchte, sollte diese CD einfach in den Abspielkasten legen und die Gedanken um die Frage kreisen lassen, wie wäre es mit weißen Weihnachten?

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Weil es Weihnachtsalben wie Sand am Meer gibt, jeder Künstler ein solches doch irgendwann in seiner Laufbahn heraus geben muss, hatte sich der Deutschrocker Klaus Lage ( Tausendmal berührt, 1000 und 1 Nacht - Zoom! -, Monopoly und Faust auf Faust (Zahn um Zahn, " Schimi - Lied " ) etwas anderes hierzu einfallen lassen. Er klopfte einfach an die Türen der Mitstreiter im deutschsprachigen Folk - Pop - und Rockgenre und bat diese, doch bei einer WeihnachtsCD mitzumachen. Das Ergebnis lässt sich hören:

" Weihnachtsblues " - Geschichten - Bluenotes - so nennt sich das Doppelalbum, auf dem im Jahre 2004 nachfolgende Künstler wieder zu erkennen sind:

1. Zorkopork

Eine Weihnachtsgeschichte des Autors Henning Ahrens, die vom Master Himself, Klaus Lage gesprochen wird.
Es geht um einen kleinen Dinosaurier, der Zorkopork aufsucht, einen Wunderheiler, um von diesem denn auch geheilt zu werden. Ein Stück für den Nachwuchs.

2. Bluenotes: Schmerz

Ein Instrumentalstück mit bluesigem Touch.

3. Die Weihnachtsfeier des Seemanns Kuttel Daddeldu
Eine Weihnachtsgeschichte von Joachim Ringelnatz, dass vom Hamborger Achim Reichel gelesen wird. Typisch Achim, typisch Hamburg und dazu mit dem notwendigen norddeutschen Kollorit. Wunderbar!

4. Bluenotes: Stille Nacht

Das welt bekannte Stück wird hier instrumental per rauchigem Saxophonklang verjazzt. Prima gelungen.

5. Der kleine Herr Jakobi feiert Weihnachten

Eine Weihnachtsgeschichte von Annette Pehnt, gesprochen von Haindling, dem Hans - Jürgen Buchner hört man seinen bayrischen Akzent doch nach, auch wenn er sich alle ersichtliche Mühe gibt. Schön vorgetragen.

6. Bluenotes: The Baliff

Ein instrumentales Bluesrockstück.

7. Erna der Baum nadelt

Eine Kölsche Geschichte von Robert Gerhardt, Bernd Ellert und Peter Knorr über eine Malhör am Heiligen Abend, wenn der Weihnachtsbaum bereits schlapp macht.
Der Sprecher dieses Schwanks ist Gerd Köster

8. Bluenotes: Krempel

Ein Titel mit latein - amerikanischen Rhythmen.

9. Ein Weihnachtsgeschenk

Eine irische, sozial - kritische Geschichte um Suff, Pub und Klassenunterschiede vor Weihnachten von Bernhard McLaverty gelesen von Hannes Wader. Da auch Hannes wunderbar lesen kann, ist der sehr lange Vortrag ( 20 Minuten ) nie langweilig. Klasse!

10. Bluenotes: Track No 10

Der Titel sagt alles und nichts über die Interpreten aus, weil er nach kurzer Zeit wieder ausgeblendet wird.

11. Das Christkind und der Osterhase

Eine Geschichte über Hühner und andere Haustiere von Bernie Conrad, vorgetragen von Stefan Stoprok. Es geht auch um die Frage, ob das Christkind auch alle Geschenkwünsche erfüllen wird. Immer wieder spannend, die grundlegende Frage - aber nur für Kinder!

12. Bluenotes: Küss mich

Eine instrumentale Version eines Klassikers von Ella Endlich " Küss mich, halt mich, lieb mich! " - Auch an Weihnachten?

13. Ladung Blautannen

Der Autor und Vortragende Manfred Mauerbrecher bringt etwas aus Halle / Saale über Weihnachtsbäume der edlen Sorte. So sieht Jan das Frohe Fest mit einem Risiko behaftet, ob der Pole in Deutschland etwas Geld verdienen kann. Prima Geschichte über die andere Seite des Konsums.

Bluenotes: Ende der Nacht

Eins, zwei, eins, zwei... Hier wird gesungen, nämlich über jene Blautannen usw. Ein Blues auf Deutsch - Klasse!

Die zweite CD enthält:


1. Weihnachten bringt alles durcheinander

Der Autor ist der Wiener " Schmäh " - Adaptet Georg Kreisler, dessen eingenartiges, vom Spiebürger
handelndes Gedicht von Gerd Köster vorgetragen wird. Doch Weihnachten bringt diesen Angepassten aus dem Alltagstrott. Deutschland erwache - schaff´Weihnachten ab!

2. Bluenotes: Bluesy Morning

Schönes Klavierstück im C - Blues - Takt des Jazzblues.

3. Der unschuldige Tannenzweig

Der Autor und Interpret ist Thommie Bayer. Eine selbstkritische Aneinanderreihung von Weihnachtseindrücken und Weihnachtserlebten vergangener Jahre am Beispiel eines bürgerlich erzogenen Linksintellektuellen. Herrlich!

4. Bluenotes: Something´s wrong

Sehr bluesig, die Gitarre singt dazu.

5. Die 12 Schrecken der Weihnacht

John Updike hat die gesellschaftskritischen Gedanken nieder geschrieben. Hannes Jaenicke liesr sie eindrucksvoll. Das konsum - orientierte Weihnachten bekommt die eigene Fratze vor gesetzt.

6. Bluenotes: Tell me no lies

Die Posaune weint im Blues - Takt. Zum Dahinträumen. Sehr schön!

7. Weihnachtsüberraschung

Eine Ostseeepisode zu Weihnachten zum sensationellen Preis von 135 DM je Übernachtung im leeren Hotel der Nachwendezeit in einem Dorf an der Küste von Meck - Pomm. Ohne Essen vor Ort, dafür beim Italiener nach längeren Spaziergang und noch größerer Langeweile. Gelesen von Klaus Lage.

8. Bluenotes: Zweimal

Ein instrumentales Stück für Mundharmonika und Gitarre.

9. Das Geschenk der Weisen

Der Autor heißt O´Henry und stammt aus den USA. Er beschreibt in 600 Geschichten die Lebensweisen der Amerikaner im 19. Jahrhundert. Weihnachtsimpressionen in ärmlichen Verhältnissen. Vorgelesen von dem " Prinzen " Sebastian Krumbiegel. Schöne Geschichte aus der längst vergangenen Zeit.

10. Bluenotes: Go, tell it to the Mountain

Ein Klavierstück mit Blueshintergrund.

11. Weihnachtsmorgen
Der Autor Frank O´Connor beschreibt die Weihnachtsmorgeneindrücke eines englischen Jungen und die entäuschenden Geschenke von Santa Claus, der für ihn ein Buch und dessen Bruder ein Spielzeuggewehr mit Korken da gelassen hatte und dann von ihm,  dem älteren Kind einfach getauscht werden. Auch hier wird die Armut beschrieben und von Xavier Naidoo gelesen.

12. Bluenotes: Strange Mood

Ein dahin treibendes Stück mit Klavier -, Orgel - und Schlagzeugakzenten.

13. Weihnachtsnaach

De´ Kölsche Jong Wolfgang Niedecken sinniert auf Kölsch über zerplatzte Träume, während der Polizeichor singt und die Turmuhr schlägt, streitet und beschimpft sich ein Paar. Der " BAP " - Frontmann hat die Geschichte selbst geschrieben und wohl auch erlebt. Zum Nachdenken!

14. Bluenotes: Posaunenblues

Das Ende der anderen Weihnachtsplatte naht und verfliegt im Posaunengebrabbel.
Eine sehr gelungener Zusammenschnitt ist es schon, was der Klaus Lage hier veröffentlichen ließ.

Die Bertelsmann - Tochter " Random House " hat den " Weihnachtsblues " im Vertrieb.


Die dritte CD nennt sich " Smash X - Mas ", wurde 1999 veröffentlicht, 2002 in den Filialen bei " Rossmann " für ein paar DM verschleudert und enthält folgende Stücke:

1. Muran

Ein Titel des in den späten 90er aufgebauschten deutschen Sängers Oli P. Der heißt ja eigentlich mit vollständigem Namen Oliver Petszokat, adaptierte sehr erfolgreich das Grönemeyer - Stück " Flugzeuge im Bauch ", brachte dann noch einige Single heraus und spielt heute mit dem japanischen Spielzeugschwachsinn " Pokemon " um Geld.

2. Lou Bega: I Got A Girl ( Chrismas Mix )

Nicht unbedingt gelungen, dieser X - Mas - Mambo - Mix. Aber doch locker vorgetragen. Mambo No. 5 war um Längen besser.

3. The Chrismas Song ( Chestnuts Roasting On An Open Fire ) von Christine Aquilera.

Tja, dass sie singen kann, dürfte unstrittig sein. Viel Show gehörte aber in den späten 1990er zum Geschäft. Ein Versuch, das übliche Pop - Pathos auf eine besinnliche Weise mittels Weihnachtsgefühlen auf den Teppich herunter zu holen. Hörbar, mehr nicht.

4. N´SYNC und All I want is you ( This Chrismas )

Was um alles im Himmel der Bandname bedeuten soll, weiß ich bis heute nicht. Die Backstreet Boys oder auch die Kelly´s oder sonstige Boy - Girl - Groups haben mich nicht wirklich interessiert. Na, der Versuch, irgendwie Weihnachtsschwulsiges einzuspielen war auch nur ein solcher.

5. Gary Barlow: Don´t Need A Reason

Ist ´ne Ballade voller Schwulst über Liebe, Triebe und Hiebe zu Weihnachten selbst verständlich zutreffend. Nur: Jenes Pomp - Stück mit den schwulstigen Streicheinalgen verschlimm bessert die angeknackste Stimmung noch. Nee, net wirklich was für´s Ohr!

6. 2 Times ( Chrismas Mix )

Die gute Ann Lee hat mich mal im PKW auf einer Fahrt zu irgendeinem öden Gerichtstermin dazu gebracht, die Bose - Boxen hoch zu jagen. Da ich das Ding, noch die Dame kannte, gab mir meine einstige Azubine Nachhilfe, dafür habe ich sie durch die Prüfung gebracht. Generationskonflikte bringt solche Art von Ohrwurm - Musik nicht mit sich. Schön, wenn dazu auch noch Weihnachtsglöckchen und Schellen klingeln.

7. In Heaven : Christian Wunderlich

Wenn ein singender Schauspieler ein Schmalzstück aufnimmt, wird das volle Pulle in die Büxe gehen. So auch hier. Wunderlich kann nicht singen, Grönemeyer auch nicht und Westernhagen hat seine Stimme versoffen. Na, aus der Generation der New-Wave - und Punk - Eltern kann nix werden. So auch hier. Furchtbar kitschig.

8. When A Child Is Bor:  Lutricia McNeal

Hört sich an wie eine Ballade, grölt sich wie eine solche und ist eine Weihnachtsballade. Nö, viel zu aufgeplustert, um wirklich gut herüber zu kommen. Aber, wer in Heiland´s Namen ist Lutricia McNeal?

9. Come Take My Hand (Christmas Time ) von  DJ Bobo

Der Schweizer mit dem bürgerlichen Namen Baumann hat ja so allehand Musik heraus geworfen. Nicht immer gut, dafür aber erfolgreich. Der hiesige Weihnachtssong ist durchaus hörbar. Auch wenn er sich 8 Jahre später mit dem verblödeten Moralisten der Christenheit in der Schweiz wegen eines seltsamen Songs zum ESC anlegte. Warum eigentlich?

10. World Apart: When It´s Chrismas Time

Ja, wann ist denn eigentlich Weihnachten? Eine durchaus gängige Melodie mit Chorus - Sing - Sang und Herumgegeige und Gestreiche auf dem Synthiziser. Viel Aufwand für wenig Inhalt. Eher zum Überspringen im CD - Player geeignet.

11. GIL: Chrismas Time

Noch so´n Retorten - Sangesverband. Didi Bohlen hatte wohl seine Pfoten dabei drin. Na, wer vielstimmige Einlagen und Tonstudioabmische ohne Substanz mag. Gerne wieder!

12. Die 3. Generation: Mehr Schein als sein

Rap - Rock - Radau mit dem sozialkritischen Eindrücken eines Gefrusteten Anti - Familienfestakteurs. Dieser Text ist immer noch aktuell. Auch wenn die Folgeneration es eher wieder kuschelig und bequem nimmt. Verlogenheit gehört auch zu den Weihnachtsfestfeiernden. Warum soll es heute anders sein?

13. Marci will  nun wissen: Are You Coming Home For Chrismas?

Ein dahin schwebender Titel mit viel Gebimmel und Gebammel, ´nen Kinderchor und sanft streichenden Instrumenten. So richtig schön zum Dahinschwelgen in der prä - pubertären Phase des Lebens, wenn die Hormone voll in Wallung kommen.


14. The Cause: On Chrismas Time.

Hört sich wirklich zeitgemäß an.
Unabhängig davon, dass ich diese Experten aus dem Soft-Pop-Genre nicht kenne, ist es in der Tat immer wieder eine spannende Zeit. Zum Dahinschmalzen, dieses Stück.

15. Kisha: As long as there´s Chrismas

Stimme hat die Dame ja. Aber das behaupteten seit den 90ern und dem Pop-Popel-Plagiateuren nun einmal alle hoch getönten Sänger/innnen von sich. Joh mei, is denn schoa Weihnachten? Nö, aber bald!

16. Fusion: You Make Me Feel

Noch so ´ne Femin - maskuline Verschmelzung zweier mittelmäßiger Stimmen im einst zeitkonformen Outfit. Der Versuch ist auch hier nicht strafbar, wenn die Körperverletzung abzustellen geht. Nichts für Fans von gleichartigen Duos wie Cocker/Warren oder Bocelli/Brightman oder Jagger/Turner usw.

17. Heia, heissa,horch: Modern Talking und It´s Chrismas

Aber, aber Didi, dass sind Töne. Auch wenn Anders damals noch dein Kumpel war. Die Sangeskünste hören sich dünn an. Immerhin, ihr habt´s versucht!

18. The Kelly Family: White Chrismas

Der Klassiker leicht gerockt von den Halb-Iren und ihren strengen Herrn Papa. Stimme hatten ´s e ja alle: der Joey, der David und die Kathleen Anne, die Paddy....

19. Eric Benz: Rudolph The Red Nosed Reindeer

Verrapt und verrückt, der rotnasige Rudolph. Mal eine andere Version des Nervensongs, der jetzt überall plärrt. Dennoch - trotzt des Glockengeläuts - gelungen.

20. Mitch Kelly: ( We Walk ) Hand in Hand

Schön schmachtig, mit Gestreiche und Geklingel. Ein mässiger Sänger im angepassten Schwiegersohn - Outfit.

21. Gerhard Polt: Nikolausi

Herrlich, der Gerhard Polt, wie er sich bei dem Versuch, einem imaginären Kleinkind zu erklären, dass es zu Ostern eben keinen Nikolaus(i) gibt, in Rage redet. Ein sinnvoller Abschied von der eher sinnigen CD, die ich mir nie und nimmer zugelegt hätte, wäre der Dumpingpreis bei " Rossmann " nicht gewesen.

Trotz alledem und alledem: Weihnachtslieder gehören auch dieses Jahr dazu, sonst wäre es am 24. ja noch stiller in der Nacht,gelle!