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Mittwoch, 24. Oktober 2012

Led Zeppelin " Celebration Day " - Das Luftschiff rockt weiter.



Bestimmte Dinge im Leben können mit zunehmenden Alter und durch eine sachkundige Behandlung immer besser werden. Der Wein gehört dazu, der erst nach einer gewissen Lagerzeit sein Bukett entfaltet. Auch Whisky wird, je älter er ist, erst dann richtig schmackhaft. Für Weinbrand gilt das Selbe. Andere Konsumartikel, wie etwa ein teures Auto, sollte der Besitzer spätestens nach 5 bis 10 Jahren abstoßen, weil die anstehenden Reparaturen sehr kostspielig werden. Weitere Geräte, wie beispielsweise moderne Flachbild-Fernsehapparate geben noch weit vor dieser Zeitspanne den Geist auf. Wer dazu noch auf die Brüll - Müll - Werbung bestimmter Elektro - Verkaufsketten herein fällt, kann schon bei einem simplen Toaster unter 20 € sein Abschiedsständchen singen, sobald die Garatiezeit abgelaufen ist.

So versucht der Konsument in einer Industriegesellschaft ständig neue Geräte an sich zu binden, deren wahrer Nutzen zweifelhaft und deren Lebensdauer begrenzt ist. Gleiches gilt für die Musikbranche. Die Einweg - Mentalität der Musikindustrie im 3. Jahrtausend hat längst in sämtlichen Unterhaltungssparten Platz gehalten. Je kürzer die Verfallzeiten diverser, zunächst hoch gejubelter Interpreten, desto weniger kann sich der, durch Dauerberieselung und sinnfreinem Dazwischengequatsche,der auf ewig jung getrimmten Moderatoren, auf den ungezählten Radiokanälen, tagtäglich Malträtierte, davon überzeugen, dass der Mist, der dort hauptsächlcih abgenudelt wird, tatsächlich etwas mit Musik zu tun hat.

Das dieses nicht immer so sein muss, haben die Musiker Jimmy Page, Robert Plant, Jon Paul Jones und Jason Bonham am 10. Dezember 2007 bei ihrem Auftritt in der O2 - Arena in London / England vor 18.000 Besuchern gezeigt. Led Zeppelin formierte sich an jenem Tag, um  an dem Tributkonzert für ihren guten Freund und Atlantic-Gründer Ahmet Ertegun, der am 16. Dezember 2006 in New York verstarb, als Hauptgruppe aufzuspielen. Neben weiteren Musikgrößen, wie den Ex - Bassisten der " Rolling Stones ", Bill Wyman, der mit seiner Gruppe " Bill Wyman´s Rhythm Kings " ein Medley aus " Fanfare for the Common Man " von Emerson, Lake and Palmer, den " Yes " - Titel " The Fish " und Led Zeppelin´s " Kashmir " zusammen mit Chris Squire ( " Yes " ), Alan White, Simon Kirke ( " Free " ) vortrug. Zugegen waren dort ebenfalls Paul Rodgers ( " Free " ) Paolo Nutini und die Gruppe Foreigner, sowie Ex- " Ten Years After " - Gitarrist Alvin Lee und die Sängerin Maggie Bell.

Die weiterhin kontaktierten Organisten Keith Emerson ( The Nice ", " Emerson, Lake an Palmer ) und Rick Wakeman ( " The Strawbs ",  " Yes " ) waren am gemeinsamen Auftrittstag verhindert bzw. sagten dann doch ab. Der Gitarrist der " Who ", Pete Townshed wäre wohl aufgetreten, als er jedoch von der Reunion der " Zeppeline " hörte, winke er mit einem milden Lächeln ab und formulierte dabei: " Sie brauchen mich hierfür nun wirklich nicht. "
Dass zuvor 20 Millionen Menschen versucht hatten, Tickets für die die erste Headliner-Show der Band nach 27 Jahren zu bekommen, sei hier nur am Rande erwähnt, denn es wurden 18.000 Karten weltweit ausgelost. Die glücklichen Besitzer sahen dann ein Konzert der Superlative. Zwei Stunden bluesgetränkter Rock’n’Roll - eine Tour de Force, die sofort Teil der Led Zeppelin-Legende wurde. Die Gründungsmitglieder John Paul Jones, Jimmy Page und Robert Plant wurden dabei vom Sohn des verstorbenen Drummers John Bonham, Jason Bonham, unterstützt. Sie performten 16 Songs aus ihrem gefeierten Repertoire, inklusive einiger Meilensteine wie Whole Lotta Love, Rock And Roll, Kashmir und Stairway To Heaven.

Der aus dem dem Konzert entstandene Film Celebration Day war ab dem 17. Oktober auf 1500 Kino-Leinwänden über Omniverse Vision in über 40 Ländern zu sehen.  Diese Kino-Vorführungen konnten im Anschluss an die Film - Premieren in London, Los Angeles, New York und anderen großen Städten besucht werden.

http://en.wikipedia.org/wiki/Ahmet_Ertegun_Tribute_Concert


http://en.wikipedia.org/wiki/Celebration_Day_(film)

Wer jenes Ereignis verpasst hat, dem wird ab dem 16. November ein Tonträgerangebot vorgelegt, dass sich von der einzelnen Blu-ray - DVD für knapp 17 €, über eine Media - Box mit 2 CDs und einer Blu ray - DVD zu einem Preis ab 21 €, einer De- Luxe - Box, bestehend aus 2 Blu-ray - DVDs und zwei CDs sowie einer LP-Box mit 3 Platten, deren Preis noch nicht fest steht, erstreckt . Da dieses bereits bei diversen Internet - Versandhäusern im Angebot steht, kann sich die " Zep " - Fangemeinde vorab ein klares Bild über die dort enthaltene Song - Auswahl machen:

1. Good Times Bad Times


2. Ramble On

3. Black Dog

4. In My Time of Dying

5. For Your Life

6. Trampled Under Foot

7. Nobody's Fault But Mine

8. No Quarter

9. Since I've Been Loving You

10. Dazed and Confused

11. Stairway to Heaven

12. The Song Remains the Same

13. Misty Mountain Hop

14. Kashmir

15. Whole Lotta Love

16. Rock and Roll

Nun muss der Rock-Freund keine hellseherischen Fähigkeiten besitzen, um zu erkennen, dass jene konservierten Konzert-Mitschnitte von jenem denkwürdigen Ereignis vor 5 Jahren, dazu verkaufstechnisch gut eingefädelt, ein Volltreffer wird.
Nicht nur, weil es wohl das einzige, gemeinsame Konzert der Formation nach dem Tod des Schlagzeugers John Bonham am 25. September 1980 und der offiziellen Auflösung der Band am 4. Dezember des selben Jahres, sein wird, sondern weil es nahezu 5 Jahre gedauert hat, bis die Aufzeichnungen des Konzert in London veröffentlicht wurden. Da dürfte es dem eingefleischten " Zep " - Fan nicht schwer fallen, sich wenige Wochen vor den Festtagen, eventuell selbst zu beschenken.
Den " Led Zeppelin " - Freunden war die Verkaufsvoranzeige bei einem Internet-Händler denn gleich eine " Fünf - Sterne " - Bewertung wert, obwohl sie die Tonträger weder gehört noch die DVD gesehen hatten.
Bei aller Euphorie, würde ich da denn doch nicht soweit gehen, auch wenn dieses Verhalten wesentlich ehrlicher ist, als jene - wohl gekauften - Lobhudel-Rezensionen bei Büchern, wie denen von Sarrazin, Buschkowsky oder Kachelmann.

Mit exzellenter Musik von älteren Herren ist es eben so, wie mit gut abgelagertem Wein, sie wird im Laufe der Jahre immer besser, selbst wenn dieses von dem Gesamtumfeld nicht immer zu sagen ist. Allerdings sollte auch sie nicht überlagert sein, sonst wandelt auch sie sich in Essig um; und der schmeckt pur getrunken nicht. Deshalb ist es wohl verständlich, wenn " Zep " keine " Welttournee " startet.



Dienstag, 23. Oktober 2012

" Aber, aber, meine Herren. Nicht so stürmisch! Jeder kommt mal dran! " Anekdoten aus dem Alltag einer Tanzschule der 60er Jahre.




War das wieder ein Mist, den sich der SWR da mit seinem Tatort aus dem Muster-Ländle zusammen geschustert hat! Ein Umweltkriminalitätsbrei, fein garniert mit esoterisch - buddhistischen Schnick - Schnack und emotionalem Klimbim aus der Suppenküche der 2 Dekade des 3 Jahrtausends. Ich konnte gar nicht mehr hin sehen und entschloss mich, auf das III. Programm des Südwestfunks zu wechseln. Dort kam die Vergangenheit zu Wort. In Gestalt von Ulrich Kienzle, der auf einen langen Schaffensweg in den Öffentlich - Rechtlichen zurück blicken darf. Dann saß neben ihm Uschi Nerke, einstige Moderatorin des legendären Beat Club und jetzt bei Radio Bremen 1, wo sie diesen im Rundfunk moderiert.
Ferner war Burkhard Driest als Gesprächspartner eingeladen. Er saß ab den 60ern im Zuchthaus, weil er kurz vor dem Jura-Examen eine Bank überfiel. Ebenfalls in der Runde stand die Kabarettistin Maren Kroymann, die sich damals - aus einer Tübinger Professorenfamilie stammend - einen Namen als Sängerin und Schauspielerin machte.
Einzig der ewig grinsende Moderator der Sendung " Die 60er Jahre im Südwesten - Zeit des Umbruchs ", Markus Brock, war fehl am Platz. Er wurde erst 1963 geboren und hat deshalb von jener Aufbruchzeit nichts mit bekommen. Dennoch war die Sendung informativ, kamen nämlich jene Bilder und Filmberichte aus der Zeit der Pilzkopffrisuren, der provokanten Mode und des all gegenwärtigen Faschismus wieder aus den Archiven der Fernsehsender.

So stellt denn der SWR hierzu sachlich, nüchtern fest:

" Kaum ein Jahrzehnt hat Deutschland und den Südwesten so verändert wie die 60er Jahre. Die Amerikaner erobern den Weltraum, doch daheim auf der Erde häufen sich die Probleme. Die 60er sind die Jahre des Umbruchs und der Konflikte. Minirock und Beatmusik, sexuelle Revolution und gesellschaftlicher Wandel, die Heranwachsenden geraten mit den Konventionen von Gestern aneinander - auch im Südwesten. "

- Zitatende - aus:  http://www.swr.de/sonntagabend/-/id=98542/19w7x6x/index.html

So war es auch noch zum Ende dieser bewegten Dekade. Erst langsam vollzog sich in Wandel in den Denkstrukturen der Deutschen, die immer noch aus dem III. Reich jene Relikte herüber nahmen, wenn es darum ging,deren Hass und Wut gegenüber dem Anderssein der Jugend zum Ausdruck zu bringen.
Aus diesem Nachkriegsjahren wurden auch viele Konventionen im gesellschaftlichen Umgang von Generationen, aber nicht nur hier, weiter gepflegt und mit Gewalt und Sanktionen eingebläut.

So hatten Jugendliche aufzustehen, wenn ein Erwachsener in der S-Bahn nach einem Sitzplatz Ausschau hielt. Sie hatten einen " Diener " oder bei Mädchen einen " Knicks " zu machen, wenn sei einem Erwachsenen die Hand gaben. Sie hatten bei der Tanzstunde, die ab 15/16 Jahren obligatorisch für diese Zeit war, bei der Damenwahl, jenes " Fräulein ", mit " Darf ich bitten? ", anzusprechen und sich dabei leicht zu verbeugen.

Die Tanzschule von damals war ein Graus. Hier trafen überholte Verhaltens - und Höflichkeitsregeln auf pubertierende Jugendliche, deren Vorbilder eher die " Rolling Stones ", die " Beatles " oder die " Who " waren. Jene Musikgruppen in ihren poppigem Outfit, die zwar zunächst auch mit Schlips und in Einheitsanzügen auftraten, doch schon bald ihre Lieder in Fantasiebekleidung zum Besten gaben.

Wer die Tanzstunde besuchen wollte, musste damals im Westen auch Anzug, Krawatte und schwarze Lederschuhe tragen. Wenn also die Eltern ihren minderjährigen Bub oder das Mädle in einer der vielen Tausend Tanzschulen anmelden wollte, war zunächst ein Ausbildungsvertrag zu unterschreiben. Das hatte der Vater als der alleinige,gesetzliche Vertreter vorzunehmen. Danach wurde Geld kassiert. 90 Deutsche Mark für den Grundkurs, 30 Deutsche Mark für den Mittelball ( eine lächerliche Übertreibung für ein Treffen vieler junger mit älteren Menschen, die dafür noch viel Geld berappen mussten ) und die gleiche Summe noch einmal für den so genannten Abschlussball. ( dito ). Zudem musste eine Tanzpartnerin der Wahl den gesamten Abend über mit Getränken frei versorgt werden.
So, oder so ähnlich waren die Konditionen in Westdeutschland. und - in leicht abgewandelter Form - auch in der DDR.

Ich versuchte mich lange, vielleicht etwas zu lange, der drohenden Tanzschule in Bückeburg, die den Namen " Tanzschule Döring " hatte, zu verweigern. Schließlich traf mich die geballte Kraft der fast gleichaltrigen Mitschüler aus der Nachbarschaft und in der 8. Klasse. Einige Monate vor meinem 16. Geburtstag, im Herbst 1968, begann die Schnellausbildung und sollte bis zum Ende des Jahres beendet sein. Zunächst mussten meine Eltern viel Geld für einen Anzug berappen, der allerdings so gekauft wurde, dass er zur anstehenden Konfirmation im Mai 1969 auch noch passen sollte. Die damaligen Fachgeschäfte in Bückeburg, die Herrenoberbekleidung schon von der Stange verkauften, waren für diesen doppelten Anlass gut bestückt. So fiel denn meine Wahl auf einen dunkelblauen Anzug, ein weißes Nyltest-Hemd, einen dunkelbrauen Binder mit Gummizug und im Schuhfachgeschäft auf ein Paar schwarze Herrenschuhe, Größe 45, mit Brandsohle und spitzem Zuschnitt. Da waren denn mal locker 200 Deutsche Mark ausgegeben.

Die erste Tanzstunde, begann an einem Mittwoch im September gegen 19.00 Uhr. Die Tanzlehrer, ein älteres Ehepaar mit dem typisch westdeutschen Vornamen Ingrid und Heinz und dem durchaus geläufigen Nachnamen Döring, stellten sich kurz vor, ehe das Palaver um die Benimmregeln auf uns herein prasselte. Wer keinen Anzug trug, durfte sofort gehen. Gleiches galt für die Langhaarigen unter den mehr als 50 Jungmännern. Heinz Döring war ein exzellenter Berufstänzer mit knall harten Manieren und einer unerbittlichen Einstellung zum Leben und seinen Regeln in Westdeutschland. Ein rheinland - pfälzsischer Biedermichel eben. Seine Frau Ingrind, mit hoch toupierter Schwalbennest-Frisur, schwarz getönt von Wella, war eine ebenso exzellente Tänzerin. Das Paar hatte bereits Landesmeisterschaften gewonnen.
So erklärte uns " Uns Heinz ", wie sich ein Jungmann zu benehmen hatte, wenn er tanzen geht und " Ich Ingrid " brachte die Tanztechnik herüber. Ich höre sie noch mit schnarrzender Stimme durch den großen Parkettsaal befehlen: " Und links step, rechts step....!"

Mich kotzte das eigentlich an. Statt der blöden Tanzfuzzi-Musik hätte ich lieber " The Who " mit " My Generation ", die " Small Faces " mit " Shala la la lee " oder die " Rolling Stones " mit " Get of off my Cloud " gehört. Was für eine öde Schlager - Affen - Mucke von " Gitte ", dem Peter Alexander oder Hugo Strasser und seinem Orchester, der die Schlager der blöden Deutschsänger noch verschlimm besserte, indem sie nun instrumental auf dem Döring´schen Plattenhobel herüber krächzend, bei mir Ohrenschmerzen verursachten.

Ich flehte jeden Mittwoch den Lieben Gott an und betete, dass der Kelch in Form des heran nahenden VW Variant, VW Käfer oder des elterlichen Ford Taunus 12 M an mir vorüber ginge, weil die Karren plötzlich wegen eines technischen Defekts stehen blieben. Es traf kein einziges Mal zu. Immer wieder brachten uns die Elternteile heil und sicher zum Ehepaar Döring, das im Saal der Gaststätte " Altes Forsthaus " am Rande der Provinzstadt Bückeburg und des dort angrenzenden Harrl, auf ihre Beute wartete, um sie zu malträtieren. Nein, es war keine schöne Zeit, im Anzug, mit Schlips und " Salamander " Halbschuhen, deren Sohle so glatt war, das ein ungeübter Tänzer, wie ich, schon mal das Gleichgewicht verlieren konnte.

Aber, es traf hier nicht nur mich, sondern auch so manchen, sehr übereifrigen Mitstreiter, der einen Raketenstart hin legte, wenn Ingrid Döring ein paar Wochen nach Kursbeginn bei einem Langsamen Walzer, einer Rumba oder dem Cha Cha cha, plötzlich rief: " Damenwahl!" Dann stürzten die Mitstreiter wie von einer Tarantel gestochen los, ja, sie schossen wie eine Saturn - Rakete von dem harten Einheitsstuhl hoch, mussten auf halbem Weg zu der jeweiligen Auserwählten dann abrupt abstoppen, einen 45 -, 90 - oder im Extremfall 180 Grad Kurswechsel vollziehen, um sich - noch in der Rotationsbewegung befindlich - ebenso rasant auf eine alternativ ausgewählte Tanzpartnerin los zu jagen.

Ingrid Döring war aber auch hier nahezu unbestechlich, was die dann noch sitzen gebliebenen Damen betraf. Wer keine akzeptable Visage ergattert hatte und orientierungslos mitten im Saal, wie ein begossener Pudel herum stand, dem wurde kurzer Hand von Ingrid ein Monster zugeteilt. Und was es damals schon für - wohl aus dem nahezu unerschöpflichen Katalog der Mendel´schen Fehlgriffe entstandene - Dorfpommeranzen gab. Nicht alle so dick, mit einem Kampfgewicht von über 100 Kilogramm oder dem BMI ab 30 aufwärts,  wie die Fast Food - Krawummen von heute, aber dennoch potthäßlich. Mit Brille ( vulgo: " Brillenschlange " ), mit vorstehenden Zähnen ( vulgo: " Kanninchen " ) oder mit zerknitterten Gesicht und abstehenden Ohren sowie Sauerkraut - oder Drahtbürstenfrisur ( vulgo: " Blecheimer ", " Trampel Toni ", " Alpen - Zenzi " ).
Wer als zarter Knabe im Pubertätsalter, ein solches Monster zu schieben hatte, durfte getrost von sich behaupten, die " Arschkarte ", den " Zonk " oder die " Niete " gezogen zu haben.

Aber, halt! Um nicht gleich sexistisch zu sein, muss ich im selben Atemzug, auch nach über 4 Dekaden, fest stellen, dass es genau so viele männliche Schrumpfköpfe gab. Wo die Erbanlagen der Eltern voll durch schlugen, entwickelten sich schon in der pubertären Phase der wahre Dorftrottel. Rote Haare, dazu noch in Naturkrause, waren ein absolutes No - Go. Ebenso Glupschaugen, ein Säufergesicht und Segelohren. Wer dann dazu noch den Stallgeruch, den Achselschweiß oder sonstige Ausdünstungen auf die Tanzpartnerin einwirken ließ, hatte selbst bei den Damen mit nur mäßigem Aussehen sehr geringe Chancen, ein mildes Lächeln zu erhalten.

So entwickelte die Jungmännerwelt bei Döring´s einen perfiden Konkurrenzkampf, ja, einen wahren Kleinkrieg, ein Ausleseritual, wer, wie, wann, einen solchen Drachen schieben zu müssen, dieses verhindern kann. Da wurde bei dem Aufruf zur " Damenwahl " geschoben, geboxt und durch Bein stellen, Foul gespielt. Wer  auf dem spiegelglatten Parkett wegen der Brandsohlen unter seinen Tretern das Gleichgewicht verlor, zeitgleich ins Straucheln kam und wertvolle Sekunden verlor, musste seine Chancen, eine der wenigen gut aussehenden Damen zu ergattern, förmlich in den Wind schreiben. Ingrid Döring wusste von den fiesen Tricks und Kniffen und hatte zudem ein  Personengedächtnis wie ein heutiger PC mit einem leistungsstarken Prozessor und einer 200 GB Festplatte. Ihr entging nichts. Die besonders gewieften Taktiker, die sich zuvor in Sprungnähe einer der wenigen Top Models aufhielten, durften alsbald ihre harte Hand verspüren, wenn sie zu oft mit der gleichen Dancing Queen über das Parkett schwebten. Die wenigen Ausnahmen von der brutalen Regel waren jene auserlesenen Paare, die durch auffällig gute tänzerische Leistungen hervor stachen und von  " Ich Ingrid " mit der Gewähr einer festen Tanzpartnerschaft auf Zeit belegt werden konnten. Wie im Echtzeitleben von einst auch, waren es von 50 Paaren vielleicht 2. Der Rest musste den Kampf des Einzelnen mit der heran stürzenden Meute der Konkurrenten viele Male am Abend auf sich nehmen.

So erlitt mancher Jungmann buchstäblichen Schiffbruch bei der " Damenwahl ", wenn er zu rasant auf eine Dorfschönheit zu flog, weil er das Gleichgewicht bei dem Sprint verlor und kurz vor dem Ziel in die Knie ging, auf dem harten Boden der Realität oder den Schoss einer anderen, visuell eher unterdurchschnittlich ausgestatteten Teilnehmerin, landete.
Das höhnische Lachen der anderen Jungspunte und Landpommeranzen war ihm dann gewiss. Tanzmeisterin Döring kannte sie aber eben alle, die Kniffe, Verhaltensmuster und auch Fluchttendenzen, dann nämlich, wenn die " Damenwahl " für den auch nicht viel attraktiveren Provinzler in einem Super - Gau endete, weil er eine der Medusen abbekommen würde und sich deshalb klamm heimlich auf das stille Örtchen verdrücken wollte, um dort Eine zu rauchen. Mit einer nahezu an Lichtgeschwindigkeit ähnelnden Bewegung zog Ingrid ihren rechten Arm tentakelartig heraus, umklammerte die schmale Schulter des Milchreisbubis und stellte die unbeantwortet Frage: " Wohin so schnell, junger Mann? ", um diesen gleich an den nächsten Tanz zu binden, den sie jedoch mangels geeigneter technischer Fähigkeiten des Schülers sofort an die wartende Sitzengebliebene weiter vermittelte. Die Höchststrafe war dieses jedoch nicht.

Ingrid Döring suchte sich vor jedem Abend einen weniger Gelehrigen aus, mit dem sie den, zuvor vorgeführten Tanz, statt ihres Mannes nun erneut präsentierte. Die Grenzen des eigenen Könnens waren bei jenen Vorgeführten sofort erkennbar. Ingrid führte, der Schüler schob seinen Körper einfach nur mit. Tja, so gingen denn die Stunden, Abende und Wochen vorüber, ehe der Mittelball an stand. Zum Glück ergatterte ich hierfür eine wesentlich kleinere, aber dafür nicht hässliche Mitstreiterin, deren  Namen ich zuvor bei Döring´s in eine Liste eintragen lassen konnte. Als dann eine Tischreservierung für das Tanzpaar nebst Eltern erfolgte, schien der Kelch an mir vorüber gegangen zu sein. Leider erkrankte die holde Partnerin und so saßen wir - zum Glück für mich - ohne Ersatzdame an dem Tisch. Dafür kam Ingrid Döring vorbei und jagte mich auf´s Parkett. Sie hatte nicht viel Vergnügen dabei, denn unmittelbar nach Ende des Stücks entschuldigte sie sich, um an die weiteren Tische zu gehen.

Den Abschlussball, an einem Dezembersamstag, so kurz vor Weihnachten, überstand ich auch noch. Dieses Mal mit einer ebenfalls durchschnittlich aussehenden jungen Dame aus Bückeburg, meinen Eltern und ohne Ingrid Döring, die wohl meine Unlust zu der gesamten Veranstaltung registriert haben musste. Sie erstattete dieses Mal nur einen Höflichkeitsbesuch am Tisch. Auch dieser Abend verging sehr schnell. Nach Ende des Tanzkurses war für mich glasklar, dass ich dort nicht wieder auftauchen werde.

Viele Jahre später erzählte ich meiner besseren Hälfte von jenen Erlebnissen damals und wir stellten fest, dass es für eine Tanzschülerin auch nicht immer einfach war. Nicht, weil sie sich vor den vielen ungeübten Tänzern wappnen musste und rechtzeitig die Fußtechnik veränderte, wenn einer der Partner gar zu ungehobelt zu trat, sondern dann, wenn sie zu den eher begehrten jungen Damen gehörte, die sich des massiven Andrangs von jungen Herren kaum erwehren konnte. So verunglückten denn gleich mehrere Aspiranten der Dresdner Tanzschule an jenem Nachmittag auf dem Parkettboden, als sie einen Raketenstart bei dem Schlagwort " Damenwahl " hinlegten, durch die glatten Sohlen ins Schleudern kamen, dass Gleichgewicht verloren und auf den Knien weiter rutschend vor dem Stuhl der Sitzenden zum Halten kamen, was bei der Tanzlehrerin zu dem Ausspruch führte:
" Aber, aber, meine Herren! Nicht so stürmisch! Jeder kommt hier mal dran!"
Der übrige Saal tobte, die anderen jungen Damen und Herren bogen sich vor Lachen und die Verunglückten entfernten sich mit hoch rotem Kopf von der potentiellen Tanzpartnerin.

Auch solche Erlebnisse gehörten zum nicht sehr lustigen Alltag eines Jugendlichen in den 60ern. Längst haben Tanzschulen, ihre Grundkurse und die damit verbundenen spießigen Verhaltensmaßregeln, ihren Schrecken von einst verloren. Viele der Anbieter mussten dennoch aufgrund der sich rasant verändernden gesellschaftlichen Wertmaßstäbe und des jeweiligen Zeitgeistes für immer ihre Türen schließen. Wer aber - so wie ich - die Alte Schule von einst noch mit bekommen hat, wird an ihr heute noch zehren können.

Montag, 22. Oktober 2012

Alles grün, oder etwa nicht?



Die Frühnachrichten an diesem mausgrauen Oktobermorgen wiederholten im Vietelstundentakt eine Meldung aus dem Land der vermeintlich " Geizkragen ", dem Doppelstaat im Staate und den Dialekten mit den unverständlich vielen Zischlauten. " Isch dasch jetscht war? ", würde ein Schwabe aus Degenfeld, ein Württemberger aus Bietigheim - Bissingen oder ein Badener aus Villingen - Schwenningen sagen.
" Ja, spinne die jetscht komplett?", wäre die zweite Feststellung eines Bewohners dort. Und die dritte Reaktion wäre die besorgte Frage gewesen: " Wasch isch nuhre aus unser´Ländle gworde?"
Diese oder ähnliche Bewertungen hätten die Befragten noch vor 2 bis 3 Dekaden abgegeben, wenn sie in dieser Zeit zu der Wahl eines Oberbügermeisters der Landeshauptstadt Stuttgart hätten Stellung nehmen können.

Als gestern Abend gegen viertel acht unumstößlich fest stand, dass neben dem " Ländle " selbst, nun auch die Hauptstadt Stuttgart, in " grüner " Hand sein wird, kannte der Jubel zwar vor Ort keine Grenzen, im übrigen Bundesland Baden - Württemberg indes, schien das Ergebnis nicht überraschend zu kommen. Längst pfiffen es die Spatzen vn den Dächern der Metropole am Neckar, dass der Spitzenkandidat der Partei " Bündnis 90 / Die Grünen " Fritz Kuhn, erhielt 52,9 % aller abgegeben Stimmen; sein Pendant, der parteilose Sebastian Turner, der von der CDU, der FDP und den Freien Wähler nominiert war, landete deutlich abgeschlagen mit 45, 3 % hinter dem " Bündnisgrünen ".
Nach langen, zu langen 38 Jahren der Regentschaft von CDU - OBs, setzt sich auch in der Landeshauptstadt jener Trend fort, der bereits mit der Wahl von Winfried Kretschmann erkennbar wurde: die einst stramm konservativ - klerikalen Bewohner im " Ländle " sind der CDU und FDP überdrüssig.

Nicht nur, weil diese während der Mappus - Regentschaft von einem Skandal in den nächsten taumlte, sondern wohl auch, weil den Schwarzen das Personal ausgeht. Einst, in den Nachkriegsjahren, waren sie nahzu unschlagbar, die Kiesinger, Filbinger, Oettinger, die Späth, Teufel, Müller, Maier - dann kam der dicke Mappus und wollte nach Gutsherrenart weiter regieren. das ging voll in die Büxen.
Ob nun " S 21 ", der sündhaft teuere Luxuspalast, der verkehrstechnisch unsinnig und aus Prestigezwecken im reichen Doppelland hoch geklotzt wird. Wer benötigt einen Luxus-Bahnhof, wenn die Masse der Reisenden entweder in Stuttgart verbleibt oder mittels veralteter Züge in die Provinz abgekarrt wird? Niemand!

Der voll gefressene Mappus sah es anders, seine Vollstreckerin Gönner auch und die anderen CDU - Abnicker gaben ihm Grünes Licht zum Knüppel - Pfefferspray und Wasserwerfereinsatz gegen seine eigenen Bürger, Wähler oder Sympathisanten vorging, war dort nicht nur die allgemeine Empörung groß. Mappus und seine Getreuen in der Landesregierung - allen voran, die aufgeblasene Gönner - verspielten damit den wohl noch vorhandenen Kredit. Dass es im Ländle längst nicht mehr kugelrund lief und der jeweilige Kandidat - in Analogie zum Nachbarland Bayer, wo einst auch ein Besenstiel mit dem Parteilogo der CSU hätte aufgestellt werden können, um 60 % Wählerstimmen auf sich zu vereinigen - mit dem Parteibuch der Schwarzen keinen Freifahrtschein zu Amt und Würden erhielt, war spätestens nach dem Ende der Ära Teufel besiegelt. Mappus quälte sich denn mit dem Ballast seiner Vorgänger herum und verstrickte sich dabei in weitere Skandale und Skandälchen. Die EnBW - Affäre dürfte hier nur die Spitze des Eisberges sein.

Nun hat das Land die konservativen Kräfte in Schwarz zunächst entsorgt und verspricht sich von den bodenständigen, ja Werte erhaltenen " Grünen "mehr Bürgernähe. Ehrlichkeit und Transparenz. Sicherlich, dass haben der MP Kretschmann und der eloquente Fritz Kuhn von der Pike auf gelernt. Winfried Kretschmann versuchte sich in pseudo - revolutionären Zeiten mit der westdeutschen Variante der Umsetzung von Marx / Engels - Lehren nach baden - württembergischer Art in einer KP - Sektierergruppe; Fritz Kuhn war einst bei den Altvorderen auf Bundesebene um Kelly / Bastians / Ditfurth auf Landesebene zusammen mit Rezzo Schlauch, Wolf-Dieter Hasenclever und eben Winfried Kretschmann als Gründungsmitglied dabei. Er überstand den, in den 80er Jahren latenten Konflikt zwischen Fundis und Realos nahezu schadlos, führte 1998 Koaltionsgespräche mit der SPD und dürfte für seinen durchgängigen Pragmatismus nun belohnt worden sein.

Auch wenn Stuttgart nicht Berlin ist, ein OB - Posten keinen Bundesaußenminister hergibt und die landeseigene Duftnote beim Politikmachen nicht jeden Nicht-BWler gefällt, steht seit gestern fest, dass konservative Grundeinstellungen mit grünem Weltbild kompatibel sind und diese Mischung sich alle Male für höhere Weihen nutzen lässt. Die Kuckucksuhr, die Schwarzwälder Kirschtorte und die Spätzle als Exportartikel mögen da als bieder, piefig und muffig gelten,wenn es in den Zeiten der Globalisierung, Fast Food - Kultur und Überwachungsexzessen in sämtlichen Lebensbereichen des Einzelnen eher gilt, die Auswüchse zu deckeln; dennoch das Bundesland BW ist auf dem besten Weg, die Forderungen nach mehr Ökologie und Basisdemokratie  in personifzierter Urform von Kretschmann und Kuhn auch auf dem Gebiet der Amtsführung umzusetzen. Statt Knüppel steht das Gespräch nun im Vordergrund - so ischt´s rächt!


Sonntag, 21. Oktober 2012

4 Mann auf des toten Kerl´s Kiste!

                                       (c) Storz bei dem Bundesarchiv, B 145 Bild-F049272-0002 / Storz / CC-BY-SA

Was waren das einst, den bewegten Siebzigern für schauspielerische Glanzleistungen, wenn der damalige Parteivorsitzende Strauß an jenen Jahr für Jahr wieder kehrenden Ereignis über die politischen Gegner aus dem sozial - liberalen und vor allem dem linken Spektrum so ordentlich vom Leder zog. Da blieb kein Abgeordneten - und Delegiertenauge trocken. Strauß wütete wie ein Beserker gegen die Ostpolitik des damaligen Bundeskanzlers Willi Brandt, gegen den " Augiostall in Bonn ", für den der Nachfolger Helmut Schmidt und der Vizekanzler Genscher verantwortlich sei und gegen die Linken oder noch steigerungsfähiger, die Kommunisten.
FJS war bis zu seinem Tod 1988 der große Zampano der CSU, der Dämagoge der Partei, der Vereinfacherer. Und nicht nur das; er war auch 1980 Kanzlerkandidat der CDU / CSU, nachdem sein Partei-übergreifender Rivale Kohl gegen Helmut Schmidt nur knapp im Wahlkampf unterlegen war.

Strauß hielt Kohl für absolut unfähig und äußerte diese Meinung auch öffentlich, wenn auch nur zu sehr speziellen Anlässen. Etwa dann, wenn ein CSU - Parteitag an stand. Was nach Strauß´Tod dort als legetime Nachfolger auftauchte, war im Vergleich zu dem politischen Schwergewicht, jeweils eine Lachnummer.

Theo Waigel, der Parteivorsitzende von 1988 bis 1999, der einstige Bundesfinanzminister im Kohl - Kabinett, hatte eher den Anstrich eines biederen bayrisch - schwäbischen Buchhalters. Er besaß nie jene rhetorischen Fähigkeiten des Vorgängers, konnte nie in scharfzüngiger Form jene konservative Gedankenwelt des CSU - Wahlvolks auf den Punkt bringen und stellte auch keinen schwergewichtigen Gegenpol zum Pfälzer Kohl dar.

Auch der Nachfolger Waigel´s, der Edmund " Eddie " Stoiber hatte nie das Charisma, das Strauß auszeichnete. " Stotter Eddie " bemühte sich redlich, der CSU auf Bundesebene wieder Profil zu verschaffen. Auch wenn " Eddie " beinahe Bundeskanzler geworden wäre und nur denkbar knapp dem SPD-Kandidaten Gerhard Schröder unterlag, so hielten nicht wenige ihn für eine Witzfigur. Einige seiner Reden erhielten Kultcharakter, denn in ihnen zeigte sich, dass der Stoiber, " Eddie " mit sehr viel wirrem Begriffen und in gedrexelten Worten , wenig auszusagen vermochte.
Stoiber behielt den Posten des Parteivorsitzenden immerhin 8 Jahre.

Ihm folgte der Erwin Huber, ein völlig überschätzter Parteignom, der zusammen mit dem gleichzeitigen Ministerpräsidenten Günther Beckstein das Duo Infernale in Spielzeugfigurformat abgab. Beide Zwerge fuhren das schlechteste CSU-Landtagswahlergebnis der Parteihistorie ein und mussten deshalb - nach nur einem Jahr Amtsausführung von 2007 bis 2008 - ihren Hut nehmen.
Huber verschwand ebenso schnell, wie er aufgetaucht war, in der Bedeutungslosigkeit der bayrischen Pampa.

http://de.wikipedia.org/wiki/Christlich-Soziale_Union_in_Bayern#Parteivorsitzende


Sein Nachfolger, der jetzige Parteivorsitzende Horst " Horschtl " Seehofer hatte bereits wenige Monate nach seinem Amtsantritt nicht nur mit dem Trümmerhaufen CSU zu tun, sondern musste sich auch noch wegen einer außerehelichen Affäre zu einer wesentlich jüngeren Frau, mit der er ein gemeinsames Kind hat, auch innerparteilichen Kritikern stellen. Seehofer hat in den Jahren eher zurück haltend agiert, wenn es um aktuelle, politische Fragen ging. Das war nicht immer so.

Bereits 1987 forderte er zusammen mit dem CSU - Granden und Berufsquerulanten Peter Gauweiler öffentlich, dass AIDS - Infizierte nach dem Bundesseuchengesetz der Meldepflicht unterliegen müssten und diese in gesonderten, kasernierten Unterkünften unter Quarantäne zu stellen seien.
Auch zur Ausländerpolitik äußerte sich unser " Horschtl " regelmäßig und verlangte dabei unter anderem, dass ein unkontrollierter Zuzug von Familienangehörigen, der in Deutschland arbeitenden Fachkräfte zu unterbleiben habe, weil dieses die Sozialsystem zusätzlich belasten würde. Sinngemäß phrasierte er, dass die Bundesrepublik nicht das Sozialamt der Welt sein könne.

Über die HARTZ IV - Gesetze urteilte er - wohl zutreffend -, dass diese der größte Murks aller Zeiten seien. Ferner plädierte er für eine Laufzeitverlängerung sämtlicher Kernkraftwerke, für eine Vorratsdatenspeicherung und gegen eine liberalere Integrationspolitik.

http://de.wikipedia.org/wiki/Horst_Seehofer#Politische_Positionen

Nun quälte er von Freitag an, die Anhänger und Parteimitglieder mit einer Grundsatzrede. Kämpferisch war sie ja, aber inhaltlich leer, wie die Köpfe vieler CSU-Mitglieder, die immer noch an ihren alten Zöpfen aus den 60er Jahren hängen. Immerhin kann der Ober-Bazi zurzeit mit breit geschwellter Brust in die vielen Kameras grinsen. Sein Überverein steht unangefochten an der Spitze und hält hinten sogar dicht. Das kann von seiner Partei nicht behauptet werden, denn die Zeiten der anstrengungsfreien absoluten Mehrheiten sind längst vorbei, auch wenn der " Horschtl " vielleicht wieder allein regieren darf, weil die FDP auch im Bauernland die Hufe hoch macht.
Wenn Seehofer´s Verweigerungspolitik, den grundgesetzlichen Pflichten aus dem Länderfinanzausgleich nachzukommen, allerdings fort gesetzt wird, macht er sich damit keine weiteren Freunde und könnte die Gedankenspiele ab 2017 als Kanzlerkandidat der CDU / CSU zur Verfügung zu stehen, noch ehe sie auch ansatzweise in Taten umgesetzt werden, wieder zu Grabe tragen.
So, wie es seine drei Vorgänger auch mussten, die nun zusammen mit ihm immer noch auf Straußen´s Müllkiste sitzen.


http://de.wikipedia.org/wiki/Christlich-Soziale_Union_in_Bayern

Samstag, 20. Oktober 2012

Drohnen drohen Dresdens Demonstranten.

                                                                                 (c) Paulae - WIKIPEDIA



Was war das einst für eine Aufregung. Nach dem 19. Februar 2011 in Dresden. Wegen einiger geistig verwirrter Neofaschisten drohte an jenem Tag der Ausnahmezustand. Nicht, weil es während der Demonstration gegen den Aufmarsch der selbst ernannten Retter des deutschen Volkes zu Ausschreitungen kam, sondern wohl eher, weil die aufmarschierende Polizei die Gegendemonstranten mit allen nur erdenklichen Mitteln der Überwachungskunst in die Ecke von potentiellen Straftätern stellte.
Da wurden im Umfeld der Demonstration von der sächsischen Polizei über eine Million Handyverkehrsdaten, 320.000 Rufnummern und die Bestandsdaten gespeichert, nämlich Name, Adresse und Geburtstag von 55.000 Demonstranten und von Personen, die sich zufällig in der Nähe des Geschehens aufgehalten haben. Diese Datenspeicherung auf Vorrat diente dann dazu, um jene Straftaten aufzuklären, die im Verlaufe der Demonstration registriert worden waren.

Zum Einsatz kam am 19. Februar 2011 auch ein technisches Wunder, dass im Polizei-Sprachgebrauch " Sensocopter " heisst und allgemein als Drohne bekannt ist. Dieses Aufklärungsgerät ist in mehreren Bundesländer zum Einsatz gekommen. Der Einsatz der Sensocopter ist rechtlich fragwürdig. Auch in Sachsen sollen sie ohne rechtliche Grundlage bei Demonstrationen und auch bei Fußballspielen eingesetzt worden sein. Der sich ausweitende Einsatz ruft die Datenschützer auf den Plan. Sie kritisieren die umfassende Videoüberwachung. Völlig zu recht, denn bereits 2009 hatte das Bundesverfassungsgericht  in einem Beschluss ausgeführt, dass die Anfertigung von Übersichtaufnahmen nach heutigem Stand der Technik für den Aufgezeichneten immer ein Grundrechtseingriff bedeutet. Denn auch bei Übersichtsaufnahmen könnten Einzelpersonen individualisierbar erfasst werden. Aufnahmen von Einzelpersonen sind grundsätzlich ein Verstoß gegen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, der nur unter ganz bestimmten rechtlichen Bedingungen erlaubt ist. Diese umfassenden Überwachungsmassnahmen mittels Sensocopter, mobiler Aufzeichnungstechniken oder fest installierter Kameras ist demnach verfassungswidrig.

Wen schert´s? Nur den Betroffenen, der sich später mit den für ihn nachteiligen Auswirkungen jener Überwachungsmassnahmen auseinandersetzen muss. So, wie die Jurastudentin B. aus Leipzig, die an jenem 19. Februar 2011 an der Demonstration in der Nähe des Dresdner Hauptbahnhofs teilnahm.  Sie schildert ihre Eindrücke bei der Demonstration als bedrohlich:

"Ich hab mich natürlich total bedroht gefühlt, von vorne die Polizisten mit den Helmen und der ganzen Montur, von der Seite die Polizisten von oben auch noch die Drohne, von vorne auch noch die Handkameras der Polizisten, die uns auch gefilmt haben. Dann hab ich im Nachhinein erfahren, dass auch noch mein Handy registriert wurde und das hat mich natürlich auch total geschockt, weil ich hab mich in der Situation eher wie ein Verbrecher gefühlt oder vielleicht sogar eher, wie der Nazi dann sich eigentlich fühlen sollte."

- Zitatende - aus:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/dlfmagazin/1897903/
Da wird das Demonstrationsrecht ausgehöhlt, weil jeder Bürger, der an einer genehmigten Versammlung teil nimmt auch gleichzeitig mit jenen Überwachungsmassnahmen rechnen muss, deren rechtliche Grundlage nicht erkennbar ist.

Nach den Angaben des sächsischen Innenministerium wird die Drohne zur Einsatzführung unter anderem bei Veranstaltungen genutzt. Sie soll dokumentieren, überwachen und bei der Aufklärung helfen. Umstritten ist der Einsatz der Drohne vor allem dann, wenn Menschenmengen ins Visier geraten.
Das sächsische Innenministerium beruft sich beim Einsatz von Videoüberwachungsgeräten ganz allgemein auf die Vorschriften der Strafprozessordnung, des sächsischen Polizeigesetzes, des sächsischen Datenschutzgesetzes und des Versammlungsgesetzes.
Für diese sogenannten "Übersichtsaufnahmen" bei Demonstrationen fehlt in Sachsen allerdings die nötige rechtliche Grundlage, da es heute durch die Zoomtechnik auch bei diesen Aufnahmen möglich ist, Personen einzeln zu erkennen.
Für die möglichen Anfertigung dieser Einzelaufnahmen gibt es jedoch keine Rechtsgrundlage, denn eine präventive Demonstartionsüberwachung durch die eingesetzte Aufnahmetechnik verstößt gegen das Grundrecht der informationellen Selbstbestimmung. So zeigt sich das CDU / FDP regierte Bundesland erneut als Vorreiter im systematischen Abbau von Rechten des Einzelnen gegen den Orwell´schen Überwachungsstaat.
Denn eine Drohne wurde bisher - außer in Sachsen - nur bei Demonstrationen in Niedersachsen eingesetzt. In anderen Bundesländern, wie beispielsweise in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Berlin, die ebenfalls über Sensocopter verfügen, schließen den Einsatz bei Menschenansammlungen, wie Demonstrationen und Fußballspielen kategorisch aus.

Die Frage stellt sich aber auch dort: " Wie lange noch? "


Freitag, 19. Oktober 2012

Oma Ahrens, der " Fit - Maker " und das Rindsgulasch " Oldenburger Art ".


Weil der Herbst und das Frühjahr bekanntlich dazu da sind, um die Gartenarbeit zu intensivieren, trieb es mich am letzten Wochenende hoch hinaus; in den Zwetschgenbaum nämlich. Der musste wieder einmal ausgeschnitten werden. Deshalb stellte ich die Leichtmetallleiter, die jedoch nicht leicht ist, denn sie lässt sich auf sagenhafte 10,40 m ausfahren, in den Baum hinein und kletterte an ihr hoch. Hinein in das langsam verwelkte Blattwerk und auf der Suche nach trocknen Ästen. Alsbald zeigten sich meine Werkzeuge für das Kappen der viel zu hohen Zweige in der Baumkrone nicht mehr geeignet. Ich stieg auf eine Baumsäge mit Stiel um. Und während ich die Krone ein wenig ausdünnte, kamen mir Erinnerung an jene Zwetschgenbäume, die ich vor vielen Jahren immer vor Augen hatte, als ich einen Schulkollegen besuchte, der damals ein Zimmer an der Bückeburger Straße, der Bundesstraße 65, in Stadthagen bewohnte.

Der Mitschüler, A. kam aus Wilhelmshaven. Jener Stadt am Jadebusen, die und deren näheres Umfeld zu dieser Zeit mehr Soldaten beherbegten als Zivilisten. Auch der Mitschüler A. war einst beim Bund. Er hatte sich für 4 Jahre als Zeitsoldat verpflichtet und war bei dem Fliegerhorst Jever im Ortsteil Upjever stationiert. Als Zeitsoldat brachte er es immerhin zum Dienstgrad des Stabsunteroffiziers; Besoldungsgruppe A 6 plus Zulagen. Als der Schulkollege dann 1974 sich für eines der vormals wenigen Schulzentren in Niedersachsen, an denen das Erlangen einer Hochschulzugangsberechtigung ermöglicht wurde, entschied, gab es diese Möglichkeit eben nicht vor Ort. Er musste deshalb nach Stadthagen, zum dortigen Berufsschulzentrum, und damit mehr als 200 Kilometer weg von seinem Wohnort Wilhelmshaven.

Das ist inzwischen mehr als 38 Jahre her. Und so kreisten meine Gedanken um jenen Mitschüler, der damals auch einige Jahre älter war als ich. Aber keineswegs vernüftiger. Es war auch für ihn eine Zeit, in der er manchmal unvernüftig blieb, obwohl er hätte vernüftig sein sollen.

So erwarb eben jener A. irgendwann im Sommer 1973 ein elektrischen Bauch - und Muskeltrainer, der unter dem Namen " Fit-Maker " verkauft wurde. Dieses kostspielige Gerät sollte angeblich die Muskulatur aufbauen, indem es über zwei, mittels verstellbarer Schlaufen anlegbarer Weichgummielementen, die über einen Transformator mit Schwachstrom versorgt wurden, jene Stromstöße auf die Haut und in die Muskulatur projizierte. Das Gerät war so konzipiert, dass sowohl die Stromstoßintensität als auch deren Taktung stufenlos verstellbar waren. Der stolze Besitzer des vermeintlichen " Fitness " - Trainers berichtete mir eines Tages davon und erzählte mir dabei, dass er den Wunderapparat auch auf volle Stärke gestellt habe, als er auf seinem Bett liegend, die Bauchmuskelatur trainieren wollte. Das Bett besaß einen Metallrahmen und war natürlich nicht schwer, so dass es durch die Vibrationen des " Fit - Maker " zu hüpfen begann. Die äußert verdächtigen Geräusche, brachten sodann die Vermieterin, Oma Ahrens auf den Plan, die wiederum etwas Verdächtiges, nämlich Damenbesuch witterte, den sie - wie es sich für eine Omi mit über 70 Jahren einst gehörte - dem Schulkollegen bereits vor Abschluss des Mietvertrags strikt untersagt hatte.
Nun, Oma Ahrens, lauerte dem Mitschüler am folgenden Morgen auf, um ihn zur Rede zu stellen.

Die peinliche Befragung, vollzog sich noch kurz vor dem Schulbeginn und gestaltete sich - nach meiner Erinnerung, die auf der Erzählung des A. basiert - so:

" Guten Morgen Herr A. "
" Guten Morgen Frau Ahrens "
" Herr A. hatten Sie gestern Abend Besuch? "
" Nein, wieso? "
" Aber ich habe da laute Geräusche aus ihrem Zimmer gehört. "
" Laute Geräusche? Nein, Frau Ahrens, das kann nicht sein. "
" Doch, Herr A. ich habe gehört, dass Ihr Bett quietschte."
" So, Frau Ahrens? Aber, da war kein Besuch."
" Tatsächlich nicht, Herr A. ? "
" Nein, Frau Ahrens. Ich habe trainiert. "

Die Augen der kleinen Oma Ahrens weiteten sich. Ungläubig schaute sie meinen Mitschüler an und drehte sich dann kopfschüttelnd um.
" Sie wissen aber doch, Herr A.,keinen Damenbesuch!", sprach sie noch beim Weggehen.
" Nein, Frau Ahrens, keinen Damenbesuch. Schönen Tag noch. ", antwortete mein Mitschüler uns ging zur Haustür. Er schloss die Tür seines Autos auf und fuhr in Richtung Berufsschulzentrum.

Diese Geschichte führte - nachdem ich sie einem anderen Mitschüler erzählte . auch bei diesem zu einer Lachsalve und trieben auch diesem- so wie  mir - die Lachtränen in die Augen. Als dieser mit mir wenig später morgens an dem Haus von Oma Ahrens vorbei fuhr, flachste er, am Steuer seines VW 1303 " Jeans " sitzend, plötzlich: " Gucke, die Gardinen sind schon aufgezogen, der " Fit-Maker " ist bestimmt schon weg. " Wir lachten lauthals los. " Fit-Maker " war von nun an der Spitzname von  A. aus Wilhelmshaven.

Und weil " Fit - Maker " manchmal unvernünftig war, kam es bei Oma Ahrens zu einer weiteren Begegnung der Dritten Art. Die Sommerferien waren Mitte August zu Ende, das zweite Schulhalbjahr hatte begonnen und " Fit-Maker " traf sich an einem heißen Augusttag spontan mit einigen Mitschülern in einer Stadthäger Kneipe. Dort trank er wohl einige Bier und Alster und fuhr dann am späten Nachmittag zum Haus von Oma Ahrens zurück. Weil er einen mordsmäßigen Appetit hatte, machte er sich kurzerhand eine Dose mit " Oldenburger Rindsgulasch " in einem mit Wasser gefüllten Topf, den er auf einen  Elektroplattenkocher stellte, warm. Weil es schnell gehen sollte, schaltete der hungrige Mitschüler jene Kochplatte auf die höchste Stufe III, legte sich auf sein Bett und schlief dort ein. Deshalb konnte er sich nicht mehr daran erinnern, wie lange er dort gelegen hatte, als er durch einen enorm lauten Knall aus den süßen Träumen gerissen wurde. Was war geschehen? Noch schlaftrunken schoss der einstige Mitschüler, wie von der Tarantel gestochen von seinem Bett hoch und knipste sofort das Licht an, denn es war inzwischen draußen dämmerig geworden. Ihm bot sich ein Bild des Grauens. An den weiß getünchten Wänden, bis hoch an die Decke, hatten sich bräunliche Spritzer und Kleckse verteilt, auf dem Teppichboden befand sich neben der Anrichte auf der der Zwei - Plattenelektrokocher stand, ein großer Brandfleck, die rechte Platte des Kochers glühte wie ein Hochofen. Von dem Topf war nur noch ein Torso erkennbar und die Blechbüchse, in dem sich zuvor das " Oldenburger Rindsgulasch befand ", war zu einem Klumpen zusammen geschmolzen. Kaum hatte der Schulkollege das Inferno wahr genommen, hörte er auch schon schleppende Schritte im Treppenhaus, die sich dann knarrend von Stufe zu Stufe in Richtung seines Zimmers bewegten. Das weitere Unheil in Gestalt von Oma Ahrens nahte.

Es pochte an der Tür. " Herr A. sind Sie da? ", schnarrzte die Stimme der kleinen Frau. " Herr A. machen Sie doch mal auf. ", bat die Vermieterin den noch unschlüssig vor der Tür stehenden Schulkollegen. Oma Ahrens drückte die Türklinke mehrfach herunter. Vergeblich, denn der Mitschüler hatte sich entschlossen, angesichts des Desasters an den Wänden, der Decke und dem Boden, seine Zimmertür nicht zu öffnen. Oma Ahrens blieb jedoch hartnäckig. Sie pochte erneut an das Türblatt und wurde nun etwas lauter: " Herr A., nun machen Sie doch mal bitte auf. Was war da los, Herr A. ? ", sprach die Vermieterin.
Mein Schulkollege änderte wegen der Hartnäckigkeit der Rentnerin die Taktik. Er schloss die Tür auf und stellte den rechten Fuß gegen das Türblatt, so dass die davor stehende Vermieterin nicht sofort in den verwüsteten Raum sehen konnte. Zudem hatte er das Licht wieder ausgeknipst. " Herr A., was war hier los? Herr A. was war das für ein lauter Knall? ", mit diesen Fragen bombardierte Oma Ahrens ihn sofort. " Nichts, nichts, Frau Ahrens. Es ist etwas herunter gefallen, Frau Ahrens. ", redete sich der Schulkollege heraus. " Nun, zeigen Sie doch mal, was das war. ", drängte die Oma ihn und schob sich in den Türspalt hinein. Gleichzeitig machte sie sofort die Deckenbeleuchtung an.
Ein entsetztes: " Um Gottes Willen! Herr A., Herr A.!Wie konnte das nur passieren, Herr A? Ich dachte, Sie sind so ein vernüftiger Mensch!" prasselte auf den, die peinliche Situation herunter spielenden Mitschüler herab.

Nachdem sich Oma Ahrens schnell wieder beruhigt hatte, sagte der Mitschüler ihr zu, den Schaden zu beheben. Er weißelte an folgenden Wochenende den Raum, verlegte neuen Teppichboden und reparierte den Brandfleck auf der Fußbodendielung. Der ebenfalls aus der Nähe von Wilhelmshaven stammende Mitschüler mit Namen Arnold half ihm dabei. So verbrachte das Duo seine Freizeit mit Maler - und Verlegearbeiten, die Materialien besorgte sich der Schulkollege von einem nahe gelegenen Supermarkt. " Oldenburger Rindsgulasch " für 1,69 DM je Dose gab es nicht, dafür gingen die Beiden beim Italiener in Stadthagen Pizza essen.

Als mir der Mitschüler diese Geschichte am darauf folgenden Montag erzählte, kam ich aus dem Lachen nicht heraus. Eine Dummheit war es alle Male, jedoch verlief das Malhör noch glimpflich.
Anders bei dem letzten Unglück, dass Mitschüler A. auf der Heimfahrt von Stadthagen nach Wilhelmshaven widerfuhr. A. absolvierte im 14tägigen Rhymtmus seine Familienheimfahrten. Einst wohnten seine Eltern dort, in deren Haus er ein Zimmer bewohnte. An jenem frühen Samstagmorgen im Februar startete A. noch vor dem Hellwerden mit seinem Opel Kadett in Richtung seiner Heimatstadt. Es war kalt, es hatte in der Nacht wieder gefroren. Auf dem Gehweg vor dem Haus von Oma Ahrens war es spiegelglatt. Die Straßen in der Stadt waren allerdings mit Salz abgestreut. So fuhr der Mitschüler zügig aus Stadthagen heraus, über Petershagen, Lade in Richtung Sulingen. Die dort verlaufende Bundesstraße 61 war zwar überwiegend in einem trockenen Zustand, trotzdem hatten sich an den Straßenrändern Eisflächen gebildet. Für die 180 Kilometer benötigte ein PKW damals mehr als 3 Stunden, deshalb drückte der Mitschüler auch in den vielen Kurven auf das Gaspedal.
Wenige Kilometer vor der Ortschaft Barenburg geriet der Kadett zu weit an den rechten Randstreifen, wo sich Eisflächen gebildet hatte. Der Mitschüler verlor die Kontrolle über das plötzlich ausbrechende Fahrzeug, das sich mit einer großen Geschwindigkeit in Richtung eines Ackers bewegte, dort eine tiefe Fahrrinne hinein pflügte, dann abgebremst wurde, sich seitlich mehrfach drehte und dann auf der Beifahrerseite liegen blieb. Der Schreck saß dem Mitschüler noch in den Gliedern, als er vergeblich versuchte, die Fahrertür zu öffnen.

Der Unfall blieb nicht unbemerkt. Ein Landwirt, der zufällig mit seinem Trecker auf dem eigenen Hof herum fuhr, eilte sofort zum Unfallort und half dem geschockten Mitschüler aus dem Fahrzeug. Er hatte dabei Glück im Unglück, denn außer einer eingebeulten Beifahrertür war der Rest des PKW heile geblieben. Der Landwirt zog den Opel Kadett vom Acker, während dessen seine Frau dem erbleichten Schulkollegen einen Korn einschenkte, damit er sich erst Mal beruhigen konnte. Dann nahm der Landwirt einen Druckreiniger, säuberte den völlig verschmutzten PKW noch und fragte, ob er auch tatsächlich weiter fahren könne. Irgendwelche Schäden wollte er nicht ersetzt haben und von der Polizei hielt der Bauer gar nichts. So konnte der Schulkollege seine Heimfahrt - wenn auch erheblich verspätet - fort setzen.
Auf der Rückfahrt von Wilhelmshaven nach Stadthagen hielt mein Schulkollege bei dem freundlichen und hilfsbereiten Landwirtspaar noch kurz an und bedankte sich mit einem Blumenstrauß für die Rettungsaktion. Die Bauersfrau gab ihm bei der Verabschiedung noch die Worte mit auf dem Weg: " Junger Mann, fahren Sie immer vorsichtig. Es passiert hier immer etwas!"
Der " Fit-Maker ", der Mitschüler A. aus Wilhelmshaven fuhr zwar mit seinem Opel Kadett nun langsamer, aber nicht, weil er sich die Worte der Frau aus dem Dorf Nahe Barenburg gemerkt hatte, sondern weil der 2. Gang ständig heraus sprang. Als dann auch noch die Vorderreifen einseitige Abnutzspuren aufwiesen, stellte er den hoch betagten Kadett einem Bekannten vor, der ihm riet, in einer Fachwerkstatt die Spur nach messen zu lassen.

Das Ergebnis des Werkstattbesuchs war denn noch ernüchternder als befürchtet. Der Kfz_Meister riet ihm schlankweg: " Das mit dem 2. Gang ist nicht Ihr Hauptproblem und die Spur könnten wir auch nachstellen,nur: Ihre Achse hat sich verzogen, da ist nix zu machen. Den Karren können sie weg schmeißen!"
Leicht geschockt fuhr der Schulkollege vom Werkstatthof und ließ später den Opel verschrotten. So zeigte sich, dass das dicke Ende dann doch zum Schluss kommt.
" Fit - Maker " war damals ein Lebenskünstler, ein Unikum, der sich dann mit mir zum BWL-Studium nach Wilhelmshaven begab, wo wir uns nach frustrierenden 4 Semestern verabschiedeten. Er schrieb sich an der GHS Kassel ein, erreichte dort das Vordiplom in BWL und studierte dort Wirtschaftswissenschaften weiter, ehe er in den frühen 80er Jahren das Studium abschloss. Ich habe ihn danach aus den Augen verloren.
Als ich vor einigen Tagen seinen Namen bei Google eingab, erhielt ich einen Artikel über ihn in einer Lokalzeitung aufgeführt, worin von seiner Teilnahme als 60jähriger am New York Marathon 2010 berichtet wurde. Hier belegte er  einen sehr guten Platz.  Alle Achtung! Ein wirklicher " Fit - Maker ", dieser Mann!



Mittwoch, 17. Oktober 2012

Annette Schavan: Aus dem Leben einer CDU - Frau mit dem Hang das geistige Eigentum der Anderen in freigeistliches, wissenschaftliches Arbeiten einzusetzen.



Was ist ein Plagiat? Ein Produkt eines Plagiators, der die fremde geistige Leistung eines Anderen raubt, um es als das Seine auszugeben? Eine Frau, die also plagiiert ist eine Plagiatorin?
So oder so ähnlich dürfte es sein.

http://de.wikipedia.org/wiki/Plagiat

In Anlehnung an das lateinische Wort " plagium ", das mit " Menschenraub " zu übersetzen ist, lässt sich konstatieren, dass eine Plagiatorin sich auf einen Raubzug begeben hat, wenn sie aus Büchern oder anderen Veröffentlichungen etwas wortgetreu abschreibt, ohne dieses zu kennzeichnen und es anschließend als ihren eigenen Gedanken ausgibt. Wer also plagiiert, der raubt den geistigen Gedanken, die Leistung eines Anderen. Raub ist in unserem Rechtssystem strafbar. Das Rauben geistigen Eigentums demnach auch.

Das Rauben im Namen des Herrn, des Allmächtigen, des Gottes ist ebenso strafbar, wie jenes im eigenen Namen, um damit etwas an sich zu besitzen, was einem nicht gehört. Wer Worte, Gedanken oder Bewertungen in einem veröffentlichten Buch abschreibt und diese dann in seine selbst verfasste und veröffentlichte wissenschaftliche Arbeit verwendet, ohne sie entsprechend zu kennzeichnen, der begeht einen Raub, auch wenn dieses im Namen des Herrn geschieht.

So ließ sich denn die gläubige und praktizierende Katholikin Frau Dr. Dr. h.c Annette Schavan bei der Erstellung ihrer Dissertation im Jahr 1980 wohl von der Bibel fehl leiten, als sie in Ermangelung eigener geistiger Fähigkeiten, die abgedruckten und veröffentlichten Gedanken anderer Menschen in ihrer Dissertation " Person und Gewissen. Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung " eben nicht unter Kenntlichmachung in der dafür - auch damals schon - üblichen Form als Zitate abdrucken und veröffentlichen. Die Prüfungskommission der Düsseldorfer Heinrich - Heine - Universität will diese unsaubere Vorgehensweise nicht bemerkt haben. Es war Schavans Glück, denn anderenfalls wäre sie wegen eines Täuschungsversuchs von dem weiteren Prüfungsverfahren ausgeschlossen worden.

So half der Katholikin der Bibelspruch:

" Christus spricht: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht."

Matthäus 11,28-30

auf ihrem weiteren Weg über die Katholische Kirche in die Politik, wo sie es aktuell zur Bundesministerin für Bildung und Wissenschaft im Kabinett Merkel gebracht hat.
Schavan hat hier mit den Tücken des Zeitgeistes zu kämpfen, der sich darin zeigt, dass immer weniger Nachwuchs ein immer schlechteres Niveau an den Schulen und Hochschulen verkörpert. Zudem wird zwar viel Geld in die Bildung und Ausbildung gepumpt, welches offensichtlich nicht ausreicht, um die gebeutelten Forschungs - Lehranstalten auf Zukunft zu trimmen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Annette_Schavan


Nach dem Pisa - Schock, schwang sich die einstige Ministerin für Kultus, Jugend und Sport zusammen mit der Kollegin in Bayern, der inzwischen abgesägten Strauß - Tochter Hohlmeier auf, um den Glanz ihrer beiden schwarzen Länder in einer späteren vergleichenden Untersuchung durch ein besonders gelecktes Outfit während einer Bundesratsitzung zu präsentieren.  Grinsend, wie Honigkuchenpferde, saßen denn die beiden Stuten in der ersten Reihe, als die Studie offiziell vorgestellt wurde und fest stand, dass die von ihnen repräsentierten Bundesländern die besten Ergebnisse dort einfahren konnten.

Ihr klerikal - konsveratives Weltbild verhilft ihr zwar innerhalb der CDU die eigenen Sichtweisen und Positionen zu den vielfältigen Aufgaben, die sie mit dem Amt, zunächst in Baden - Württemberg, dann als Bundesministerin in Berlin übernommen hat umzusetzen, für eine zukunftsorientierte Bildungspolitik reicht es bei weitem nicht aus. Schavan hat immer noch nicht erkannt, dass die atomisierten Schul - und Prüfungssysteme, bedingt durch den verfassungsrechtlichen Grundsatz des föderalen Staats, der diese Aufgaben in die Hände der Länder legt, nichts taugen. Sie taugen deshalb wenig, weil eine Vergleichbarkeit
 der Lehrinhalte kaum möglich ist und es dadurch zu Verwerfungen innerhalb des unisono nicht durchlässigen, dreigliedrigen Schulaufbaus kommt. Schavan will auch nicht wahr haben, dass die Hauptschule, die einstige Volksschule, tot ist. Diese Schulart produziert seit vielen Jahren nur Abgehängte, HARTZ IV - Empfänger und das Prekariat von morgen. Sie hat damit ihre einstige Funktion, als Vermittlerin zwischen Schule, Berufsausbildung und Beruf verloren. Es gibt diese Ausbildungsberufe nicht mehr, die mit einem - wenn überhaupt - dort zu erreichenden Abschluss erlernt werden können.

Auch die Realschule, die vormalige Mittelschule, stirbt ab. Das einstige Bindeglied zwischen durch diese Schulart vermittelten Wissensfundament und der Berufsausbildung in schon anspruchsvolleren, späteren Tätigkeitsfeldern, hat längst an Bedeutung verloren. In vielen Kommunen, Städten und Kreisen werden Realschulen mangels ausreichender Schülerzahlen sukzessive geschlossen.

Das Gymnasium, die vormalige Oberschule, ist oft ab der 4. Klasse zur Standardschule verkommen. Die Mehrzahl der Schüler quält sich - mehr schlecht als recht - durch die verbleibenden 8 Klassen und wird dank eines feingliedrigen Abwählsystems als Abiturient auf die Universitäten oder Ausbildungsbetriebe los gelassen. Mit dem Ergebnis, dass viele Universitätsdozenten über das lausige Niveau der dortigen Studenten klagen, so auch der Altphilologe Wolf von der Universität Bayreuth, der im " SPIEGEL " 40 / 2012, S. 48 ff., von den erheblichen Problemen der Studierenden vom Schreiben und Denken berichtet.

Die Grundmuster des Jammerns über die Folgegenerationen sind seit vielen Dekaden zwar nahezu identisch, dennoch führen die dramatischen Veränderungen innerhalb der globalisierten Gesellschaft zu nicht unerheblichen Wahrnehmungsstörungen und Bewusstseinstrübungen bei vielen Abiturienten und Studenten. Wer sich während einer Sauf - und Kotzreise auf " Malle " von einem - wohl angetrunkenen - Gymnasiallehrer das Attribut " Elite " an das Revers heften lässt, wird tatsächlich davon ausgehen, zur geistigen Elite dazu zu gehören. Wer - in Verkennung der eigenen kognitiven Fähigkeiten - über ein so genanntes " Uni - Hopping " meint, an den " doofen " Universitäten in den Ostbundesländern mal eben den Bachelor, den Master oder eine Promotion geschenkt zu bekommen, wird das böse Erwachen erleben, wenn zudem die Fächerbelegung so gestaltet werden soll, dass ab Donnerstagabend die von den Eltern subventionierte Frau Tochter mittels Semesterticket ab 22.00 Uhr an der Haustür klingelt, um sich auf das Verwöhnwochenende vorzubereiten. Wer materielle Wohltaten in den Vordergrund stellt, statt sich mit Studieninhalten zu befassen, muss sich nicht wundern, dass der asiatische Kommilitone, die südamerikanische Kommilitonin, bei den Vorlesungen jeweils in der ersten Reihe sitzend, das Studium mit einer 1,0 abschließt, aber dafür kein iPhone, keine Designer - Klamotten trägt, keinen BMW fährt und auch keinen Urlaub mit den Eltern machen kann.

Mit jenen und weiteren Problemen, hervor gerufen durch eine Diskrepanz zwischen Fiktion und Realität in dem bundesdeutschen Schul - und Hochschulalltag kämpft die liebe Annette seit geraumer Zeit. Geleitet von ihrem Allmächtigen, der es vielleicht doch richten wird.

" Der Herr ist mein Hirte,
  nichts wird mir fehlen.
  Er läßt mich lagern auf grünen Auen
  und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
  Er stillt mein Verlangen;
  er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen.
  Muß ich auch wandern in finsterer Schlucht,
  ich fürchte kein Unheil;
  Denn du bist bei mir,
  dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.
  Du deckst mir den Tisch
  vor den Augen meiner Feinde.
  Du salbst mein Haupt mit Öl,
  du füllst mir reichlich den Becher.
  Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang,
  und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit. "

- Psalm 23 -

Ein Stoßgebet gen Himmel muss denn Schavan wohl aktuell auch absenden, denn ihr hängen die Plagiatsjäger im Nacken. Sie soll in ihrer o.a. Dissertation unsauber gearbeitet und plagiiert haben.
Auf der Internetpräsenz des Nachrichtenmagazins " SPIEGEL - Unispiegel " steht zu lesen:

" Schavan wurde zunächst von einem anonymen Aktivisten, der sich "Robert Schmidt" nennt, ins Visier genommen. Er wirft der Ministerin vor, auf 92 der 351 Seiten ihrer Promotion Stellen aus "nicht oder nicht ausreichend" kenntlich gemachten Quellen übernommen zu haben. Daraufhin begutachtete Stefan Rohrbacher von der Universität Düsseldorf ihre Arbeit. Er wirft Schavan eine "leitende Täuschungsabsicht" vor und bemängelt 60 Stellen: Sie habe oft nicht deutlich gemacht, wie stark sie sich bei Sekundärliteratur bedient habe. Manch angegebene Originalquellen habe sie offenbar gar nicht gelesen. Wie ein Beispiel aus dem Gutachten, das dem SPIEGEL vorliegt, zeigt, handelt es sich bei Schavan meist um so genannte Verschleierungen: "Die Dissertationsschrift behandelt hier die Positionen von Wilhelm H. van der Marck und Josef Fuchs, ist dabei jedoch erkennbar abhängig von Auer, der aber nicht genannt wird", heißt es unter anderem in Rohrbachers Gutachten. Der Vorwurf ist - zumindest meist - eben nicht, dass Schavan ihre Quellen komplett verschweigt, sondern dass sie oft nicht deutlich macht, wie viel sie übernommen hat. "

- Zitatende - aus: " Die Ungleichen " von Lena Greiner und Oliver Trenkamp " in:

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/plagiatsaffaere-um-doktorarbeit-schavan-und-guttenberg-im-vergleich-a-861600.html

Um welche Stellen es sich dabei in ihrer Doktorarbeit handelt, lässt sich hier nachlesen:

http://schavanplag.wordpress.com/

http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Analyse:As

Da weist doch tatsächlich ein Plag - Jäger der guten Annette nach, dass sie im wissenschaftlichen Sinn nicht sauber gearbeitet hat. Nun mag es sein, dass der Bundesmichel - in Analogie zum Herr der Fußnotenentferner, dem abgeschobenen zu Guttenberg - auch hier argumentiert: Warum wird die Dame nicht in Ruhe gelassen? Wieso soll sie von ihrem Amt als Bundesministerin zurücktreten? Nur weil sie vor mehr als 30 Jahren in einer Doktorarbeit gemogelt haben soll? Sie will doch nicht als Ärztin arbeiten!

Nun, des Durchschnittsmichels Denkstrukturen sind nicht nur simpel, sie sind auch zudem von konservativen Werten geleitet. Wer unsere vermeintliche Elite, die Damen und Herren Politiker ständig kritisiert, deren Leistungen in Frage stellt und zudem ihnen ihren Doktortitel nicht gönnt, ist ein Staatsfeind. Früher hieß es in Westdeutschland, er sei ein Kommunist. Mit Staatsfeinden oder Kommunisten wird nicht diskutiert. Sie sind für das gemeine Fußvolk Luft. Sie dürfen nicht beachtete werden. So kam es, wie es in solchen Fällen immer kommen muss: Es baute sich eine Front gegen und eine solche für Schavan auf. Die Opposition fordert ihre Demission, die Kanzlerin und die Schwarzen stärken ihr den Rücken. Dennoch wird auch dort so mancher Parteifreund das Messer im Gewande tragen, um bei Bedarf zuzustoßen.

Und wenn es auch hier nicht eine perfide Stimmungsmache, ja sogar eine Verschwörung der GRÜNEN; der Sozen und der Kommunisten ist, dann mindestens eine solche der gleich geschalteten " Linkspresse ". Schavan hatte schon die richtige Richtung vorgegeben, als sie in ihrer Funktion als Ministerin für Kultus und sonstigen Gedöns in Baden - Württemberg untersagte, einen angeblich extremistischen, weil  sich zur Antifa bekennenden Lehrer nicht in den Schuldienst einzustellen .

http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Csaszk%C3%B3czy

Sehr radikal, diese gegen Radikale auftretende Schavan.
So radikal, dass sie als junge Studentin vergaß, einen Grundkurs im wissenschaftlichen Arbeiten zu belegen, bevor sie ihre Dissertation anging und damit außer Acht ließ, dass zum exakten Abfassen einer Doktorarbeit das Angeben der Quellen gehört, von der sie die Grütze übernommen hat, die sie dort verzapfen durfte. Schavan hätte doch eher ihr Diplom anstreben sollen und eine entsprechende Abschlussarbeit als Übungseinheit absolvieren sollen, ehe sie sich an höhere Aufgaben heran wagt.
Die biedere Annette war damals noch sehr jung ( Geburtsjahr 1955 ), hatte von der Wissenschaft keine Ahnung und von den Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens noch weniger. Auch 1980 galt deshalb:

"Wovon ich einen Begriff habe, das kann ich auch mit Worten ausdrücken" - Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)


Jetzt fallen ihr diese einstigen Defizite wieder auf die Füße. Sollte die Prüfungskommission tatsächlich - wie der Gutachter jetzt konstatiert - eine Täuschungsabsicht erkennen und als Konsequenz den Doktorgrad, der nach BRD - Recht mit dem Namen geführt werden muss, aberkennen, ist ihr Rücktritt vom Ministeramt unvermeidlich. Getreu des lateinischen Grundsatzes:


Ex iniuria ius non oritur
 





Dienstag, 16. Oktober 2012

Jörg Kachelmann polemisiert im Duett mit Ehefrau Miriam über Recht und Gerechtigkeit und erzählt auch Märchen aus der Provinz.



Da saßen sie nun: Der Jörg, die Miriam, der Günther und plauderten sich warm. Die Kachelmanns mussten sich alsdann warm anziehen, denn die drei Herren in der weiterhin geladenen Gesprächsrunde hatten ein ganz anderes Kaliber. Linksaußen der einstige Dirigent des Orchesters " Blut, Lügen, Sex " ( oder auch umgedreht ), der vormalige Chefredakteur der " BILD ", Hans Hermann Tiedge, der nach seinem Jura-Studium und einem Volentariat bei dem Hamburger Abendblatt, sie alle durch georgelt hatte, die mit Klatsch - Tratsch, rechter Gesinnung und sonstigen Latrinenparolen sowie Ausweiden der prominenten Spielvarianten im Unterleibsgenre, jede Menge Moneten verdienen.

 http://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Hermann_Tiedje

In der Mitte nahm der gebürtige Dresdner, Ex - Staatsminister des Inneren und Innenminister sowie FDP-Mitglied Gerhart Baum Platz. Der sich hier und da noch zu aktuellen politischen Themen eindrucksvoll zu Wort meldet und als Rechtsanwalt praktiziert.

http://de.wikipedia.org/wiki/Gerhart_Baum

Als Rechtsaußen fungierte der Strafrechtsprofessor, Ex - Bundesverfassungsrichter Winfried Hassemer, der ebenfalls in Frankfurt als Rechtsanwalt zugelassen ist.

 http://de.wikipedia.org/wiki/Winfried_Hassemer

Drei Volljuristen also gegen zwei Laienrichter, die es sich mit ihrer gemeinsamen Buchveröffentlichung zur Aufgabe gemacht hatten, über das Unrecht im Rechtsstaat, dieses, unseres Landes zu Gericht zu ziehen. Ein sehr hoher - vielleicht zu hoher - Anspruch, für zwei Ahnungslose. Nicht, weil sie sich im Namen vieler, denen tagtäglich Unrecht durch die Justiz, die Behörden und die vielen Volksvertreter wiederfährt, nein, sie beabsichtigten ihre Sichtweise der Dinge in der eigenen Sache kundzutun.

Die Causa Kachelmann, Jörg, hatte zuvor den Mediendschungel in Unruhe versetzt. Es rauschte gewaltig im BRD - Blätterwald, als ruchbar wurde, dass der damalige Wettermoderator und Dampfplauderer der MDR - Sendung " Riverboat " am Frankfurter Flughafen verhaftet worden sein soll. Was danach von der einheimischen Medienindustrie losgetreten wurden, grenzt in der Tat an eine Hetzjagd. Die Latrinenblätter überboten sich in der Produktion sinnfreier Aufmacher zu der Person des Herrn Kachelmann, dessen Sex - und Liebesleben sowie der gegen ihn erhobenen Beschuldigung der sexuellen Nötigung.
Das ist nun mehr als 2,5 Jahre her. Nachdem die Medienmeute abgezogen war, wurde es für einige Wochen ruhig um den Moderator, ehe nach 132 Tagen Untersuchungshaft im Mannheimer Gefängnis, das Tor zur Freiheit für Kachelmann geöffnet werden musste.

Der Ablauf des weiteren Strafverfahrens bis zum Freispruch sind bekannt, denn die Medien berichteten darüber in aller Ausführlichkeit. Die Revisionsanträge der Staatsanwaltschaft und der Nebenklägerin gegen das am 31. Mai 2011 verkündete Urteil wurden später zurück genommen.

http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%B6rg_Kachelmann#Gerichtsverfahren

Ein weiteres Zivilverfahren Kachelmanns gegen seine Ex - Geliebte, der er gerichtlich untersagte, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe der Vergewaltigung und gefährlichen Körperverletzung weiterhin öffentlich zu wiederholen und dabei zu behaupten, es sei eine Vergewaltigung gewesen, endete mit einem Urteil des LG Köln zu seinen Gunsten. Auch sonst keilte der freigesprochene Ex - Moderator gegen seine Ex zurück und erhob eine Schadenersatzklage, mit der er die Erstattung der in dem abgeschlossenen Strafverfahren von ihm gezahlten Beträge für dort aufgetretene Sachverständige verlangt. Er möchte gerne 13.352, 69 nebst Zinsen von der einstigen Freundin erstattet bekommen. Das ist zwar das juristische Ansinnen, dass allerdings auf weniger als tönernden Füßen steht, denn dazu müsste Monsieur K. seiner Ex-Gespielin nachweisen, dass sie ihn wissentlich und wollentlich gegenüber den Ermittlungsbehörden einer Straftat bezichtigt hat, die keine war. Das ist hier nicht der Fall, denn der zur Anzeige gekommene Fall wurde später über die erhobene Anklage auch öffentlich in einem Strafverfahren verhandelt. Die wahre Zielrichtung dürfte wohl eher den Rachegelüsten des Herrn Kachelmann zuzuordnen sein, denn bei einem Freispruch trägt die Staatskasse alle Kosten und notwendigen Auslagen des Angeklagten ( §§ 464 Absatz 1,464 a Strafprozessordnung ). Ob Kachelmanns Privatgutachterkosten notwendig sind hat das Landgericht Mannheim entschieden und zwar zu Ungunsten von Kachelmann. Nun möchte er diesen Betrag als Schadenersatz für die - nach seiner Ansicht und der irrigen seines Rechtsvertreter - wegen der angeblich falschen Beschuldigung der Ex - Geliebten in ihrer Strafanzeige, von dieser ersetzt bekommen haben. Wohl an, Herr Wetterexperte. Die Sonne scheint für ihn nach dem ergangenen Freispruch in Mannheim wieder. Die Gesetze sind indes die Alten geblieben.
Weshalb ein unbefangener Rechtskundiger aus den möglicher Weise in Betracht kommenden Normen ( §§ 823 Absatz 1 BGB, § 823 Absatz 2 BGB i.V.m. § § 469 Absatz 1 StPO, § 824 Absatz 1 BGB ) keine, vorsätzliche, fahrlässige oder sittenwidrige Schädigung zu erkennen vermag.
Die Strafanzeige ist nicht leichtfertig gestellt worden, denn es gab konkrete Anhaltspunkte für eine strafbare Handlung des Ex - Moderators, weshalb er ja auch zunächst in Untersuchungshaft genommen, hiernach Anklage gegen ihn erhoben und - nach deren Zulassung durch die Strafkammer des Landgerichts Mannheim - eine Hauptverhandlung durchgeführt wurde.

http://www.spiegel.de/panorama/leute/kachelmann-verklagt-ex-geliebte-auf-schadensersatz-a-840054.html

So stellt sich die Frage: Wem nutzt das?
Unabhängig davon, dass es sich angesichts des vermuteten Vermögensstands des in der Schweiz lebenden Kachelmann, hierbei nur um " Peanuts " handeln kann, ist dieses Zivilfahren, dass am 28. Oktober 2012 zur mündlichen Verhandlung ansteht, wohl eher als ein weiterer Schritt eines von ihm nun eingeleiteten Rachefeldzuges anzusehen.

Gleiches gilt für das Buch der Eheleute Kachelmann, das vor einigen Tagen auf den Markt kam. Hier lassen sich die beiden Justiz - " Experten " über die Selbige in der BRD aus. Was in dem Pamphlet nachzulesen ist, wird bereits mit dessen Inhaltsangabe über deutlich:

http://www.amazon.de/gp/reader/B008X82UFE/ref=sib_dp_kd#reader-link

Verkaufstechnisch geschickt gewählt, veröffentlicht der Verlag das Machwerk zum Zeitpunkt der gerade eröffneten Frankfurter Buchmesse. Ein Schelm, der dabei Böses denkt? Auch das " SPIEGEL " - Gespräch in der Ausgabe 41 / 2012 ab Seite 138 ff, gehört zu der offensichtlich verfolgten Strategie der Kachelmanns, die Verkaufszahlen des Buchs " Recht und Gerechtigkeit - Ein Märchen aus der Provinz "
in die Höhe zu treiben. Die Ex-Geliebte, die in dem " Märchenbuch " mit vollem Namen genannt wird, blieb indes auch nicht untätig und erwirkte gegen beide Autoren eine einstweilige Verfügung, womit es den beiden Romanschreibern untersagt wird, ihren vollständigen Namen dort zu nennen.Somit mussten die Mitarbeiter des Verlags in Handarbeit die zum Verkauf anstehenden Buchexemplar einzeln sichten und den Namen der vormaligen Gespielin schwärzen.

Damit aber noch nicht genug: In der Gesprächsrunde bei Günther Jauch am vergangenen Sonntag ab 21.45 Uhr, zogen die Kachelmanns weiter gegen den Unrechtsstaat zu Felde, phrasierten über eine männerfeindliche Justiz und ließen kein gutes Haar an der Presse. Damit bewirkte sie zunächst den Gegenwind durch die drei anwesenden Herren. Der flapsige Tiedgen konterte gleich zu Beginn des Palavers, das die Kachelmanns veranstalteten, jene Argumente aus, die von den Eheleuten eben gegen eine, oft einseitig berichtenden Medienmeute, einbrachten. Was letztendlich dazu führte, dass der Wadenbeißer der frei berichtenden Presse, um die " BILD " - Zeitung, die " BUNTE " und den " FOCUS " in einer durchaus aggressiven Weise die beiden Autoren anging. Allerdings nicht nur, weil er die Angriffe auf die diversen Medien in der BRD in dem Buch der Kachelmanns für unsinnig hält, sondern weil er das Buch insgesamt als " oberflächlich " und " einfach geschrieben " bewertet.

Dass die beiden Möchte - gern - Justizkritiker mit ihrer, von Plattitüden geleiteten Sichtweise zur generellen Funktionalität der bundesdeutschen Strafjustiz im allgemeinen und des abgschlossenen Strafverfahrens gegen ihn, Jörg Kachelmann, im besonderen, bei den Juristen Baum und Hassemer auf Granit bissen, war nicht nur klar, sondern wohl auch beabsichtigt. Sonst wäre das Abendgespräch nämlich zu einer reinen Verkaufsshow für das Buch der Kachelmanns auf GEZ-Gebührenzahlerkosten ausgeufert.
Auch wenn die Herren Baum und Hassemer unumwunden konstatierten, dass es angesichts der Vielzahl von Strafverfahren in der bundesdeutschen Justiz, auch zu den dann sattsam bekannten Irrtümern kommen kann, widersprachen sie den Hypothesen der Kachelmanns, dass die Dritte Gewalt inzwischen zu einem Männer fressenden Monstrum verkommen sei, welches gerade in Vergewaltigungsverfahren deutlich seine Fratze zeige.

Hierfür gibt es keinerlei Anzeichen; geschweige denn Statistiken, die jene Behauptung belegen. Im Gegenteil. Die vermutete Dunkelziffer der nicht zur Anzeige gebrachten Fälle dürfte um ein Vielfaches höher sein, als jene der jährlichen Verurteilungen. Was eine Geschädigte erwartet, wenn sie eine behauptete Vergewaltigung zur Anzeige bringt, ist meist nur den Opfern bekannt. Hochnotpeinliche Befragungen über intime Details, körperliche Untersuchungen bishin zum Vaginalabstrich und ein nicht immer vorurteilsfreies Verhalten der männlichen Kriminalpolizisten, sind nur einige Aspekte aus der Litanei des Ermittlungsprozedere. Welche Frau nimmt eine derartige Tortur auf sich, um ihre Rachegelüste auszuleben? Nur wenige! Und wenn, dann verstricken sich jene vermeintlich Geschädigten, die vorgeben Opfer einer Vergewaltigung geworden zu sein, bereits bei der zweiten oder wiederholten polizeilichen Zeugenvernehmung in Widersprüche.

Kachelmann hat als Angeklagter in der Tat die gesamten Verfahrensstationen eines bundesdeutschen Strafprozesses durch laufen. U - Haft, Vernehmungen, Haftbeschwerde, Haftentlassung, Anklageerhebung, Anklagezulassung und öffentliche Hauptverhandlung über 44 Sitzungstagen. Die Kammer des Landgerichts in Mannheim hat sich dabei mehr Mühe gegeben, als es bei einem No-Name-Angeklagten üblich ist. Da reichen vielleicht 2, 3 oder 4 Verhandlungstage aus, um nach den Plädoyers der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung, ein Urteil zu verkünden. Ein nicht - prominenter Angeklagter kann auch keine beträchtlichen Summen für Verteidiger, die als gewiefte Kollegen mit fundierten Kenntnissen der einschlägigen Normen auftreten, Privatgutachter oder Detektive ausgeben. Er hat diese Kohle nicht. Also verschreibt er sich dem oft lustlos agierenden Herrn Kollegen Pflichtverteidiger; mit der Konsequenz, dass eine Verurteilung hier eher wahrscheinlich wird.

Wenn Kachelmann als gut betuchter Mandant sich der juristischen Hilfe des Kollegen Birkenstock, Schwenn und in den vielen ungezählten Presserechtsverfahren, der des Rechtsanwalts aus Köln bedient, dann muss er diese Juristen auch bezahlen. Das konnte er. Wenn auch die bestellten Rechtskundigen ihn nicht von dem Ballast eines veröffentlichten Strafprozesses mitsamt dem sich darum rankenden Lügengebilde aus Vorleben und dem Ausschlachten des Prominentenstatus befreien konnten.

Wenn Kachelmann in seinem Buch beklagt, er sei in einer mit Ungeziefer verschmutzten Haftzelle eingesperrt gewesen, so war es sein Recht, diesen unhaltbaren Zustand über seinen Verteidiger bei der Anstaltsleitung zu rügen. Die Vorschriften in der Untersuchungshaftvollzugsordnung sehen ein derartiges Beschwerderecht vor. Was der Meister der Verdrehungskünste dem Leser suggerieren möchte ist klar: Der arme, der unschuldige Prominente erhält auch hier nicht einmal eine saubere Haftzelle. Statt Prominentenbonus, ein Prominentenmalus eben. Wer es glaubt, wird selig!

So quält er sich in seinem Buch über Recht und Gerechtigkeit und auch in der Jauch´schen Sabbelrunde am Sonntag mit Selbstzweifeln herum, ob es überhaupt noch lebenswert ist, dieses Leben als einstiger Untersuchungshäftling? Wer ein opulentes Dasein im Glanz der medialen Aufmerksamkeit - so wie Herr K. - kennt, kann sich wohl kaum mit der Rolle eines durch nummerierten Häftlings identifizieren. Da müssen doch Zweifel an dem Rechtsstaat aufkommen. Da müssen doch der Hass, die Wut, die Rachegelüste ins Unermessliche steigen. Knast bedeutet auch, dass der Eingeknastete viel Zeit hat, um über sich sowie sein bisheriges Leben und ein solches danach nach zu denken. Monsieur Kachelmann hat diese auch - so seine Behauptungen in dem Buch - genutzt und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass er sich nach einem Jahr Auszeit, nun um die zu vielen Opfer von justizförmigen Verfahren, die aufgrund jener Anzeigen der Furien, die behauptet hatten, vergewaltigt worden zu sein, kümmern möchte.

Ihn begleitet dabei seine Ehefrau Miriam, die Psychologiestudentin und Redekünstlerin aus dem Genre, mit vielen Worten, noch weniger zu sagen zu haben. Ihr Auftritt bei Jauch gestaltete sich zu einem wahren Feuerwerk der Selbstdarstellung einer Vordiplomantin im universitären Dunstkreis der dort Mühsam und Beladenen. Hach, sie habe den wissenschaftlichen Teil des Buches verfasst. Häh? Ist sie denn Wissenschaftlerin? Ist sie befähigt über aussagepsychologische Probleme in einem Vergewaltigungsverfahren zu schreiben? Nö, ist sie nicht.
Sie, die honorige Miriam Kachelmann aus " Leiptsch " ist nix! Dass wurde ihr und ihrem Göttergatten auch vom Volljuristen Hans Hermann Tiedgen unter die Nase gerieben. Als dieser sinngemäss feststellte:
Auch wenn Her Kachelmann noch viele Bücher schreibt, so ist und bleibt er dennoch nur ein " Wetter - Fuzzi ".

Wo ein Exponent der einfachen Kommunikations - und Denkmuster, nämlich der Boulevardmedien, nun Recht hat, da sollte ihm auch unwidersprochen zugestimmt werden.

Montag, 15. Oktober 2012

Leonard Cohen´s " Bird on a Wire ". Ein Streifzug durch die friedvollere Seite der " Wilden 60er Jahre ".



 Einst sangen die, ihren eigenen Weltschmerz verarbeitenden, zumeist jüngeren Menschen der öffentlich aufbegehrenden Generationsteile 16 bis 26 Plus, nahezu inbrünstig die Lieder eines Texters, Komponisten und Musikers mit dem Namen Leonard Cohen nach. Cohen selbst war zu diesem Zeitpunkt längst aus dem Alter eines, sich noch selbst findenden Menschen heraus gewachsen.
Er strebte eigentlich den Beruf des Schriftstellers an, was ihn als Singer - Songwriter natürlich nicht abqualifiziert. Ganz im Gegenteil. Dass am Ende der bewegten 1960er Jahre ganze Heerscharen seine melancholischen Lieder mit sangen oder auf der Klampfe spielen konnten, spricht wohl eher für die Qualität seiner Veröffentlichungen.

 http://de.wikipedia.org/wiki/Leonard_Cohen

Am Samstag ab 21.00 Uhr sendete nun 3sat eine Filmdokumentation über eine von Cohen 1972 bis 1973 absolvierte Europa - und Welttournee.
Diese Dokumentation mit dem deutschsprachigen Titel:  "Leonard Cohen: Bird on a Wire" zeigt den Künstler nahezu ungeschminkt. Die Kamera begleitet Cohen und seine Band während jener Tournee - hinter der Bühne, auf der Bühne und im Tourbus. Dokumentiert werden zudem Begegnungen mit Fans und Prominenten. In Deutschland traf er unter anderen Elke Sommer und Udo Jürgens. Weil Leonard Cohen im Tourbus unterwegs war, werden auch die anderen, die anstrengenden Seiten des einstigen Musikerdaseins gezeigt.  Der britische Filmemacher Tony Palmer begleitete Leonard Cohen ab 1972 auf seiner Welttournee und produzierte aus dem gedrehten Material einen Film über die Tour, die in Dublin begann und in Jerusalem endete. Zunächst sollte es ursprünglich ein reiner Promotion-Film für Leonard Cohen werden, dessen Plattenverkäufe zu diesem Zeitpunkt eher als gering einzustufen waren, denn der musikalische Zeitgeist wehte die Klänge verzerrter Gitarren, riesiger Lautsprechertürme und elektronischer Hilfsmittel herüber. Die Fans der leisen Töne, wie sie zum Ende der 1960er Jahre noch in Form der Flower - Power - Bewegung sich zeigten, waren längst auf dem Rückzug. Leonard Cohen zählte zwar nicht direkt zu jener Musikrichtung, kam jedoch ihnen näher, als beispielsweise Hardrock - Formationen wie Deep Purple, Black Sabbath oder Ten Years After.

Dennoch schaffte es Leonard Cohen später über seine Songs, nahezu eine ganze Generation zu bewegen. Ob nun "Suzanne", ", " So long, Marianne " oder " Sister of mercy " aus seinem ersten Album mit dem Titel " Songs of Leonard Cohen ", dass 1968 veröffentlicht wurde, verdeutlichen den einst gepflegten Musikstil des Künstlers. Er ist in den meisten Stücken nur von seiner Gitarre begleitet zu hören. Eine wehmütig, ja wimmernde Stimme, die anspruchsvolle Texte singt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Songs_of_Leonard_Cohen


Als er 1 Jahre das Album " Songs from a Room " eingespielt hatte, war er als Musiker nur mäßig bekannt; wenngleich auch diese Stücke durch ihren poetischen Grundanstrich intellektuell weit über dem Niveau der sonstigen Liedtexte von einst einzustufen sind. Cohen traf auch hier nicht unbedingt den Geschmack der Mehrheit von Musikkonsumenten.




Das dritte Album " Death of a Ladie´s Man " war zwar unter den mittlerweile zahlreichen Cohen - Fans als eher enttäuschend eingeordnete worden, dennoch nahmen ihm seine Anhänger den zeitweiligen Abstecher in das benachbarte Genre von Rock und Jazz nicht zu sehr übel, denn zu seiner anschließenden Tournee spielte er vor nahezu ausverkauften Häusern.




Der Filmemacher Palmer fing eben diese Tour ein. Mit der Sichtweise eines sie begleitenden Außenstehenden. Der jetzt gezeigte Film gibt die beinahe 2 Jahre so wieder, wie jene Konzerte letztendlich auch für sämtliche Beteiligten waren, mit allen Peinlichkeiten, den technischen Problemen und dem emotionalen Auf und Ab des Musikers.
Weil  Leonard Cohen die ungeschminkte Ehrlichkeit von Palmers Film scheute, untersagte er zunächst dessen Veröffentlichung und kümmerte sich persönlich um eine komplette Überarbeitung. Das ursprüngliche Filmmaterial ging dabei im Laufe der Jahre verloren und wurde erst 2009 wiederentdeckt. Aus den 294 Filmrollen machte Palmer einen neuen, jetzt ungeschminkten Film über die Cohen-Tour von 1972. Zugleich ist er ein Dokument des bunten,wenn auch nicht  freizügigen Lebens jener Zeit.

Auch hier spielt das Geld eine gewichtige Rolle. Wenn aufgebrachte Veranstaltungsbesucher ihren Eintrittspreis zurück verlangen, weil die Beschallungsanlage in einem hundsmiserablen Zustand ist und die Akustik in den Sälen von vor 40 Jahren kaum eine mittelmäßige Qualität aufzeigt, so versuchte sich der in bestimmten Kreisen  populäre Musiker in der Improvisation zwischen Konzertabbruch und Einbindung des Publikums. Die zu vielen Tücken der Technik in jener Ära, als Musikveranstaltungen dieser Art nicht den Status einer High - Tech - Demonstration besaßen, machten dem Zuschauer, der sich vormals damit begnügen musste, heute keine Angst mehr. Längst gibt es technische Möglichkeiten, mit denen auch diese Relikte des Beat - Pop - und Rockzeitalters auf den heutigen Standard aufgehübscht werden können.

Ein Ketten rauchenden Leonard Cohen, nebst ihn begleitender Band und Tourneecrew, finden sich in völlig verqualmten Hinterzimmern, dem jetzigen Backstage wieder, um sich auszutauschen. Wobei der Dokumentationsfilm deutlich hervor hebt, dass Cohen der große Messias, der leuchtende Stern am düsteren Abendhimmel seiner meist düsteren Lieder, zu sein scheint. Um ihm kreisen die Blicke, die Erwartungen werden, vom Publikum hoch geschraubt, auf ihn kapriziert, denn er ist der Messias. Wie zu jener Zeit es sein jüdischer Landmann Bob Dylan war, ehe dieser dem Spuk eines Göttlichen am Musikfirmament ein Ende bereitete, indem er mit der Mär aufräumte, er habe über seine ungezählten Lieder, eine klare politische Botschaft zu senden. 

Auch Cohen hielt schon zur damaligen Zeit in seinem Lied " Bird on a Wire " fest:



 Like a bird on the wire,
like a drunk in a midnight choir
I have tried in my way to be free.

Like a worm on a hook,
like a knight from some old fashioned book
I have saved all my ribbons for thee.

If I, if I have been unkind,
I hope that you can just let it go by.
If I, if I have been untrue
I hope you know it was never to you.

Like a baby, still born,
Like a beast with his horn.
I have torn everyone who reached out for me.

But I swear by this song
and by all that I have done wrong
I will make it all up to thee.

I saw a beggar leaning on his wooden crutch,
He said to me, "You must not ask for so much."
And a pretty woman leaning in her darkened door,
she cried to me, "Hey, why not ask for more?"

Oh like a bird on the wire,
like a drunk in a midnight choir.
I have tried in my way to be free.

Um es klar zum Ausdruck zu bringen: Leonard Cohen hat mich in der Zeit, die der gesehene Film versucht zu erläutern, nicht interessiert. Seine auf Kerzenschein, Rotwein, auf ausrangierten Matratzen wieder kehrenden Treffs mit Gleichaltrigen oder gleich denkenden Jugendlichen waren mir ein Graus. Der pseudo - intellektuelle Anstrich im Dunstkreis von Dylan - Liedern, Hermann Hesse´s " Steppenwolf " und Wilhelm Reich´s " Orgon Accumulator " erbrachten mir nicht jene erhellenden Erkenntnisse, dass die Welt um mich herum gemein, grausam und ungerecht ist, weshalb ich mich in eine andere einzwängen muss.
Wummernde Bässe, schrille Gitarrenriffs und ein knackiges Schlagzeugsolo, standen einst auf meiner Favoriten - Agenda. Geändert hat sich mehr als 4 Dekaden später daran nicht viel. Der Unterschied zu einst ist jedoch der, dass ich längst Leonard Cohens Stücke genau so oft und gerne höre.

Sonntag, 14. Oktober 2012

" Get your kicks on Route 66 " oder " There are no more kicks on Route 66 "?



Über die Vereinigten Staaten von Amerika, die USA, ist im Verlaufe der Jahrhunderte nach ihrer Gründung viel geschrieben, berichtet und gesendet worden. Ob nun Lüge , Halbwahrheit oder Wahrheit kann eigentlich unerheblich bleiben. Einem Amerika-Fan dürfte es auch völlig schnuppe sein, dass dieses riesige Land eigentlich nur ein Teil des Kontinents ist. Denn Kanada gehört nun einmal auch zu dem Kontinent, so wie die südamerikanischen Staaten auch Teil von diesem sind. Wer allerdings von Amerika spricht, der meint zuvorderst die USA.

Ein gewichtiger geschichtlicher Abschnitt dieses Landes ist dessen Erschließung. Für den Transport von Menschen und Gütern dienten einst Pferd und Wagen auf den vielen unausgebauten Wegen, kreuz und quer durch das Land, ehe die Eisenbahn diesen Konkurrenz machte. Eher zögerlich folgte der Ausbau des Straßennetzes, der dann jedoch mit einem enorm kostspieligen Programm in den 1950er Jahren durch den damaligen Präsidenten Eisenhower quasi aus den Boden gestampft wurde. Als Vorbild diente zur jener Zeit die Autobahn, die im III. Reich geschaffen wurde. Zuvor aber entstand 1914 die Idee, eine vom Norden der USA durchgängige Straße zu bauen, die eine möglichst zügige Verbindung an die immer noch boomende Westküste anbietet. Was bei einem einsamen Motorradfahrer mit dem Namen  Erwin G. Baker als Vision artikuliert wurde, setzte sich später, mit dem zunehmenden Autoverkehr, in die Realität um. Die Straßen der einzelnen Bundesstaaten wurden zu einem Interstate - Highway zusammen geschlossen, der dann den Namen " Route 66 " erhielt.

Diese Route galt über viele Jahrzehnte in den USA als Mutter aller Straßen. Nicht, weil sie dem Gedanken einer infrastrukturellen Straßenanbindung über mehrere US - Staaten tatsächlich entsprach, sonder eher, weil mit diesem Verkehrsweg der Mythos des freien, des unendlich weiten Amerikas in Form des motorisierten Individualverkehrs weiter lebte


http://de.wikipedia.org/wiki/Route_66

Viele Jahre später, das gigantische Straßennetz der USA hat sich inzwischen längst verselbständigt, werden überwiegend nur wehmütige Erinnerungen an die " Route 66 " aufrecht erhalten. So auch in der dreiteiligen Reportage über jene US - Staaten, die von der einstigen Hauptverkehrsander der USA durch quert werden. Die Folgen " Auf der Hauptstraße Amerikas ", " Im Herzen Amerikas " und " Amerikas weiter Westen " hangeln sich thematisch an dem Mythos " Route 66 " entlang. Die bereits im April 2012 bei " arte " gesendeten 3 Folgen, waren nun ab 10. Oktober 2012 in " 3sat " als Wiederholung zu sehen. So beginnt die erste Folge auf und entlang der einstigen Verkehrshauptader der Vereinigten Staaten an deren Ursprung: Ausgehend von Chicago (Adams Steet/Michigan Avenue) nahm die Route 66 ihren Weg diagonal in grob südwestlicher Richtung.

Dabei zeigt schon der erste Streckenabschnitt durch den Bundesstaat Illinois, dass das Befahren zur Zeitreise durch eine versunkene Welt wird. Deutlich erkennbar bleibt, dass der spätere, planmäßige Bau mehrspuriger „Interstate“-Autobahnen in den 60er Jahren der einstigen Hauptstraße Amerikas den Verkehr entzogen hat und damit den meisten Betrieben entlang der Strecke ihre Existenzgrundlage genommen worden war .Unmittelbar, nachdem die Route 66 die nördliche Metropole Chicago verlassen hat, wird sofort erkennbar, dass diese  eben nicht mehr die von Osten nach Westen führende Hauptverkehrsader der Vereinigten Staaten ist. Die Masse der in den 60er Jahren gebauten vielspurigen „Interstate“-Autobahnen hat längst den Großteil des Fernverkehrs aufgenommen.

Deshalb gleicht die Route 66 an vielen Orten des Staates Illinois einem Museum der 30er bis 50er Jahre. Die damaligen Ansiedlungen entlang der " mother of teh roads ", ob es nun Motels, Shops, Bars oder jene bekannten Tankstationen, sie liegen verlassen, vergessen, verwaist am Straßenrand. Eine Geisteratmosphäre, so der weitere Eindruck, der sich mit jeder Meile verstärkt. Das große Sterben an der " Sixty Six " setzte sich mit jedem fertig gestellten Autobahn - oder Highway - Kilometer fort.  Denn: Wer einst vom Verkehr auf der „66“ lebte, hat sein Geschäft längst aufgegeben und ist weitergezogen. So blieben die sattsam bekannten Ruinen von Tankstellen, Motels und Geschäften.
Doch andererseits, jenseits der verlassenen Dollar-Kultur, wurden einige der " 66 " - Reliquien mittlerweile liebevoll restauriert. Es entstand eine Ar Renaissance der " Route 66 " in Form der heimelige Erinnerungen an die guten, alten Zeiten und natürlich auch, um damit vom aufkommenden Nostalgie-Tourismus rund um die " Route 66 " zu profitieren.

Zu jenen 50er - Jahre Glanzsstücken der US - Unterhaltungsindustrie zählten damals die  Autokinos. Der Film berichtet über eines der letzten Freiluftkinos dieser Art., das an jeden Wochenende in Litchfield geöffnet wird. Es ist eines der letzten noch in Betrieb befindlichen Autokinos direkt an der „66“. Weiter geht es in den Nachbarort, wo ein Händler alte, chromblitzende Straßenkreuzer anbietet – Amerikas Sprit fressende  „Classic Cars“ mit ihren riesigen Heckflossen. Damsl kostete die Gallone des Kraftstoffs für die 1000 und mehr Liter fassenden Tanks dieser Monster nur knapp 30 US-Cent. Längst hat sich der Preis vervielfacht, weshalb die Wahnsinnskarren vom Markt verschwanden.

Ein weiterer Trend zum Normalen ist bei den Restaurants zu verspüren. Auch an der " 66 " sind kleine Familienrestaurants angesiedelt, die dem Durchreisenden eindeutig belegen, dass Reisen in Amerika auch ohne Fastfood möglich sind. Der Beitrag konstatiert deshab immer wieder, dass die Route 66 ist eine Straße der Kontraste ist. St. Louis, die Stadt am Mississippi, hat mehr als die Hälfte ihrer Einwohner verloren. Die Ruinen gespenstisch verlassener Fabrikanlagen und entvölkerter Stadtteile säumen die legendäre Landstraße. Natürlich spielt auch die Musik in dem ersten Beitrag eine gewichtige Rolle, wenn nach einem Cut plötzlich  der Rhythmus der Rapper in den Hip-Hop-Clubs auf die Straße dröhnt. Eine Subkultur hat auch hier ihren Platz im nicht mehr so stark pulsierenden Leben entlang der " Mother Road " erhalten. Wenige Meilen weiter, in den grünen Hügeln der Ozarks und Missouris, scheint die Zeit stillzustehen. Dort treffen sich Bluegrass-Musiker wie seit Generationen zu einer „Jam“ in einer alten Poststation. Zur Musik ihrer „Fiddle“ und der Gitarren tanzen die Leute den Square Dance.


Im mittleren Abschnitt der legendären Route 66, in Oklahoma und Texas, ziehen sich die Reste der alten Landstraße durch kleine, propere Städte. Hier erscheint Amerika so wie es sich selbst am liebsten sieht. Voller Paraphen und unter der Fuchtel religiöser fanatiker, die mit dem Dogma der Gottesfurcht das dortige Leben bestimmen. Die Orte und Städte gehören zum so genannten „Bibelgürtel“, in dem das Neuzeitliche ausgeklammert und die eigenwilligen Interpretationen zur Schöpfung zur Alltagskultur zählen. Selbst Tankstellen dienen dabei der Mission. Ein Ort des erzwungenen christlichen Lebens stellt die „Oral Roberts University“ in Tulsa im Bundesstaat Oklahoma dar. Sie ist die größte charismatisch-christliche Universität der Welt. Ein kontrolliertes, nach Verboten sich orientierendes Studentenleben zeigt sich  den über 3.000 Studenten tatgtäglich, denen unter anderem Sex vor der Ehe und Homosexualität verboten sind. Der Unsinn nimmt seine Steigerung jedoch darin, dass die Professoren und Stundenten die Evolutionslehre nach Darwin halten sie für Teufelszeug halten. Hallelujah!

 Die Route 66 führt dann bald  auch durch das Land der Cowboys. So trifft man in Oklahoma City und Amarillo gleich auf zwei der größten Viehmärkte der USA. Hier werden jeden Tag einige Millionen´Dollar umgesetzt. Die auf „Saloon“ getrimmten Steakhäuser sind die Attraktion der Gegend. Sie bieten eine besondere Mutprobe, den Verzehr eines zwei Kilo schweren Steaks. Wer es innerhalb einer Stunde schafft, ist Gast des Hauses. und kann die verzehte Menge im Wert von über 80 Dollar, soweit sie dann im Magen bleibt, als Einladung mit nach Hause nehmen.  Im zweiten Beitrag wird gezeigt, wie an Wochenenden sich  traditionsbewusste Texaner zu Kochwettbewerben treffen. Das Besondere dabei ist, das alles genauso aussehen und vonstattengehen muss wie zu den Zeiten der Pioniere. Die nostalgischen Planwagen, jene in den ungezählten US - Western abgedrehten Szenen mit den offenen Feuerstellen, dampfende Kesseln dürfen ebenso nicht fehlen, wie die altertümlichen Kostüme. Dieses Alles soll die Erinnerung an die Eroberung Amerikas wach halten. Und echte Cowboys singen dazu ihre Lieder vom Leben harter Männer in der Prärie.
Im Film geht es dann weiter durch die Ruinen der Geisterstädte aus den Anfängen des Automobil-Zeitalters, die bei Reisenden längst zu beliebten Fotomotiven geworden sind.

Eine weitere Seite dieser Nostalgie - Bewegung sind ungezählte Motorradgruppen, die in den Geisterstädten und drumherum jene grenzenlose Freiheit erleben möchten, wie sie in den Endsechzigern in dem Kultfilm " Easy Rider " vorgegaukelt wurde. Deshalb fahren jene Biker auf den Spuren des Kultfilms „Easy Rider auf der " 66 " durch die verlassenen Städte und Orte. Hier lebt die einstige Gegenkultur der " Hippies " wieder auf., denn die sich überall zeigende Faszination der einsam gewordenen Straße, wurde vor Jahren auch von den Hippies auf der Suche nach Orten für ein freies Leben wieder entdeckt. In der einst verlassenen Goldgräberstadt Madrid im Bundesstaat New Mexico leben sie noch heute, grau geworden und etwas verloren zwischen den Galerien und Boutiquen, die ihnen folgten. Ihren Hippie-Friedhof haben sie zu einem Platz der heiteren Trauer gemacht, zu einem berührenden Ort von Fantasien und Träumen.

Wenn es dann weiter geht, auf dem westlichen Abschnitt der Route 66, führt die Straße durch die US-Staaten New Mexico, Arizona und Kalifornien. Er durchzieht karge Landschaften, Wüsten und Indianer-Reservate. Und erst am Ende von Amerikas „Mother Road“ lockt der Sonnenstaat Kalifornien mit den, dann doch nicht eingelösten Versprechungen des American Dream. Die phantastischen Landschaften und ihre vielen Naturwunder am Rande der Route 66, innerhalb von Indianer-Reservaten liegen, entschädigen jedoch für die Ruinenbilder des zerplatzes USA - Traums, dem vergämnglichen " American way of life ". Zu dem Stamm der Laguna gehört das Route-66-Spielkasino. Ein Gesetzesprivileg, das Amerikas Ureinwohnern erlaubt, Kasinos zu betreiben, verschafft ihnen zum ersten Mal eine Art Wohlstand. So lässt das Geld der Zocker Arbeitsplätze, Schulen und Krankenhäuser entstehen. Auch die Hualapai-Indianer profitieren von der Wiederentdeckung der Route 66. Spät, aber nicht zu spät, erfahren die Vertriebenen, Verhöhnten und Vergessenen eine kleine Art der Wiedergutmachung.,denn sie streift den faszinierenden Grand Canyon.

Heute bieten indianische Führer Rafting-Touren auf dem Wildwasser des Colorado-Flusses an, der sich in über 1.000 Meter tiefen Schluchten durch die Felswände zwängt. Das für jenes gefährliche Abenteuer tief in die Tasche gegriffen werden muss, ist denn mehr als nur gerecht. Der letzte Beitrag zeigt auch, dass vor mehr als 9.000 Jahren die Vorfahren der hier noch lebenden Ureinwohner diverse Felszeichnungen hinterließen. Verschiedene Stämme haben  ihre Spuren in Hunderten von solchen Felszeichnungen im Canyon hinterlassen. Die Szenen aus dem Leben längst verschwundener Völker sind so gut erhalten, als wären sie eben erst entstanden. Mit Einbruch der Dunkelheit scheinen die tagsüber trostlosen Ortschaften an der „66“ zu erwachen. Bunte Neonlichter werben wie Filmkulissen für die erhalten gebliebenen Motels und Diner-Restaurants. Die Kleinstadt Seligman in Arizona ist stolz darauf, dass dank ihrer Initiative die Reste der Route 66 zum nationalen Kulturdenkmal der USA, zum „Historic Highway“ erklärt wurden. In der unwirtlichen Mojave-Wüste stehen zwischen Kakteen die Zelte der Goldgräber, die der Anstieg des Goldpreises in die Einöde gelockt hat. Nebenan bereiten sich Marine-Infanteristen auf den Einsatz im Wüstenkrieg vor.

Nach Kalifornien zog es bereits in den 30er Jahren die Karawane des Elends, der John Steinbeck in seinem Roman „Früchte des Zorns“ ein Denkmal setzte. Zahllose Farmer, die in den Staubstürmen Oklahomas alles verloren hatten und an den Küsten des Pazifiks die Versprechungen des amerikanischen Traums suchten, kamen mit ihren Familien über die Route 66. Einer von ihnen war Earl Shelton. Er erzählt seine Geschichte der Route 66 stellvertretend für alle, die aus dieser Straße Amerikas die „Mother Road“ machten.

Fazit: Beeindruckende Bilder aus dem Land der unbegrenzten Gegensätze und des Lebens auf Pump ohne Rückfahrkarte.