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Dienstag, 31. Juli 2012

Bernhard Schlink´s " Der Vorleser ", ein Stück Zeitgeschichte in drei Episoden.


Der ausgebildete Jurist sollte zunächst eins sein: ein Generalist. Das bedeutet jedoch noch lange nicht, dass er seine Nase immer und ewig in die Angelegenheiten anderer Leute hinein stecken muss. Kraft langer und nicht ganz leichter, oft auch langsamer Ausbildung könnte er eines guten Tages zu der erhellenden Erkenntnis kommen, dass die Juristerei ( insbesondere die Paragrafenreiterei ) eintönig, öde und häufig auch lebensfremd sein kann.
So entfernt sich mancher Volljurist - nicht selten - aus dem profanen Metier der Rechtsanwendung und widmet sich der Muse der Schreib - und Dichtkunst.
Ein weltbekannter Vertreter aus der Kategorie der Dichterjuristen war beispielsweise Johann Wolfgang von Goethe; einer aus dem Bereich der vielen schritstellernden Rechtsgelehrten ist Berhard Schlink.


Als Bernhard Schlink, geboren am 6. Juli 1944 in der Nähe von Bielefeld, seinen Roman " Der Vorleser " schrieb, sind bei ihm sicherlich die allgemeineren Grundlagen seiner juristischen Ausbildung in den Vordergrund getreten. Er versieht die Haupthandlung, die ja eine - eigentlich verbotene - Liebesbeziehung zwischen einer 36 Jahre alten Bahnangestellten mit dem Namen Hanna Schmitz und dem 15 Jahre alten Schüler Michael Berg mit historisch belasteten Nebenhandlungen, wie einem Kriegsverbrecherprozess, in dem dann Hanna als SS-Frau des 300 - fachen Mordes angeklagt und verurteilt wird, einem Besuch in dem KZ Auschwitz und den verlogenen Entnazifizierungsversuche der 50er und  60er Jahre. Dass daneben die verspießte Gesellschaft in der Nachkriegsära unter der Ägide des Katholiken Adenauer im westdeutschen Wirtschaftswunderland auch mit eingeflochten wird, ergibt sich bereits aus den Rückblenden auf die Jugendzeit des Schülers Berg.

Der Autor erzählt in der Ich-Form, was den Roman eine gewisse Spannung gibt. " Der Vorleser " aus dem Jahr 1995 wurde ein internationaler Erfolg und konnte in vielen Sprachen übersetzt werden. Ein wesentlicher Grund dafür dürfte auch sein, dass sich der Verfasser Bernhard Schlink kritisch - distanziert zu jener NS-Zeit gibt und er die verbotenen Liebesbeziehung von einst, auch über 20 Jahre nach ihrer abrupten Beendigung durch den Wegzug der Hauptperson Hanna Schmitz, nicht mit einem Happy End beenden lässt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Vorleser



Als ich das Buch vor nahezu 16 Jahren auf meinen Geburtstagstisch legte und es später in mein eher spärlich bestücktes Bücherregal stellte, konnte ich nicht wissen, dass der Bestseller 2008 verfilmt werden würde. Erst die Nachrichten über die Filmarbeiten, brachten mich dazu es im Mai 2009 während eines Kroatienurlaubs wieder heraus zu nehmen. Ich las den Roman innerhalb eines Tages durch und schämte mich gegenüber meiner besseren und weit aus Literatur beleseneren Hälfte, dass ich das Schlink´sche Werk bislang verschmäht hatte.

Nun, der Film startete im Dezember 2008 in den Kinos der USA und wurde im Februar 2009 auch in der Bundesrepublik aufgeführt. Mit einem durchaus beachtlichen Erfolg, denn die Hauptdarstellerin Kate Winslet bekam für die Rolle der Hanna Schmitz einen Oscar.

Als der Kinofilm am 30. Juli 2012 von der ARD ab 20.15 Uhr zur besten Sendezeit ausgestrahlt wurde, musste er mit der ZDF-Olympiaübertragung konkurrieren und holte sich mit über 4,4 Millionen Zuschauer die Goldmedaille.
Der Film war indes in den USA nicht unumstritten. Einige jüdische Kritiker hielten ihn für verharmlosend und interpretierten in die Filmhandlung, den Versuch hinein, die Ermordung der jüdischen Bevölkerung relativieren zu wollen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Vorleser_(Film)#Kritik_und_Kontroversen

Vielleicht liegt es an dem vorzunehmenden Spagat, den ein Regisseur ständig vorzunehmen hat, wenn er einen exzellent geschriebenen Roman als Drehbuchvorlage so zu verändern hat, dass die Filmhandlung noch schlüssig erscheint. Leider gelingt diese Verrenkung nicht immer. So auch in dem Kinofilm " Der Vorleser ", der deutlich an Qualität im Vergleich zu dem Roman von Berhanrd Schlink verliert. Leider kommen auch die übrigen Darsteller nicht annähernd in den schauspielerischen Bereich von Kate Winslet. Vielleicht liegt es daran, dass in die Handlungsstränge und bei den Zeitsprüngen oder Rückblenden eben jene historischen Gegebenheiten nur angedeutet werden. Andererseits setzt das Werk von Bernhard Schlink erhebliche geschichtliche Grundkenntnisse voraus, die in dem Film nicht eingebracht werden konnten, weil die Gesamthandlung dadurch vollkommen zerfasert worden wäre.

Trotzdem hat es sich alle Male gelohnt, die Verfilmung " Der Vorleser " in der ARD zu sehen, denn wenn anspruchsvolleres Kino schon mal zur besten sendezeit ausgestrahlt wird, sollte die öde Olympia-Dauerübertragung in den Hintergrund treten. Weil in der BRD des Jahres 2012 noch nie so wenig gelesen wurde, ist es um so wichtiger zumindest gute Literatur vom Film her zu kennen, damit die flache Allgemeinbildung nicht noch weiter in den Keller sinkt.




Montag, 30. Juli 2012

Selbstfindung - Selbstverwirklichung - Selbstzweifel.

Unsere hoch technisierte und sozial kalte Gesellschaft duldet keine Versager. Jedenfalls dann nicht, wenn sie unterhalb der Einkommensskala von 1.000.000 € jährlich dahin vegetieren. Deshalb muss sich die Masse, der sich als arbeitende Bevölkerung definierenden Menschen, in dem täglich Kampf um den schnöden Mammon allzu häufig fragen lassen, ob sie/er den Anforderungen der eher tristen Erwerbswelt noch gewachsen ist. Wer dabei zu der Erkenntnis gelangt, dass dieses nicht der Fall sein dürfte, sinniert über Abhilfemassnahmen, die in vielfältiger Weise angeboten werden. Je nach individueller Finanzkraft reichen diese, von einem kostspieligen Seminar zur Behebung der Selbstzweifel über Gruppentherapien, deren Ziele die Stärkung der seelischen Abwehrmechanismen gegen die Abarten der feindlichen Leistungsgesellschaft sind, bishin zu Einzelgesprächen auf der Coach eines Psychologen oder Psychiaters.

Die Angst vor dem Versagen erscheint oft leistungshemmend. Mancher Zweifler lässt sich dabei von Nichtigkeiten, von Banalitäten bei der Bewältigung des alltäglichen Lebensstresses beeinflussen. Längst hat die so genannte Volkskrankheit des Burn Out, des Sich - Ausgebrannt - Fühlens, überhand genommen. Da hilft oft nur eine Radikalkur. Einfach abschalten und alle Fünfe gerade sein lassen. Wenn ein Ausgebrannter diese Fähigkeit nicht besitzt, könnte es kritisch werden. Dann droht der stufenweise Absturz in den Bereich der psychischen Erkrankung; mitsamt seinen existenziell vernichtenden Folgen.

Es gibt aber auch hier eine Möglichkeit, einen solchen Abweg zu vermeiden. Der Versuch einer Selbstfindung. Mancher begeht diesen Pfad über die Religiosität oder Spiritualität. In den späten 60er Jahren galt es als " in ", sich einer Religionsgemeinschaft anzuschließen, um hierüber seine Erfüllung zu erlangen. Nach relativ kurzer Zeit kehrten jedoch jene Jünger des unterschiedlichen Glaubens reumütig in den Schoss der Normal-Gesellschaft zurück, die ihnen je nach Art und Umfang des Abdriftens, dann durchaus eine weitere Chance zur Reintegration gab. Willkommen zurück an Bord des Luxusliners, deren Fahrt denn eher in Richtung der materiellen Selbstverwirklichung geht.

Und damit erhält sich der heutige, ohne größere Altlasten aus dem bisherigen Dasein dahin vegetierende Durchschnittsmensch die Chance, ohne Ideologien, ohne Religionen und andere Heilsbringer den Weg der erwünschten Selbstverwirklichung standhaft zu Ende zu bringen. Ob nun das auf Hochglanz polierte vierrädrige Gefährt, die katalogisierte Urlaubsreise oder das Full-HD-TV-Gerät, diese Wunderdinge können sehr schnell bei der Erfüllung eines - wenn auch nicht sorgenfreien - Lebens  gute Dienste leisten. Andere Selbstverwirklicher versuchen es mit einem - vielfach ausgefallenen - Hobby. Der Modelleisenbahner, der " Matchbox "-Miniatorauto-Sammler, der Philatelist usw. Einige Ersatzbefriedigungsarten sind dabei aktuell, andere wiederum " mega-out ". Immerhin können sie alle dazu dienen, vor der Tristesse des genormten, des grauen Alltags zu entfliehen.

Der Mensch benötigt solche Inseln der Glückseligkeit. Sie helfen ihm dabei, sich vor der Unbill des oft lebenfeindlichen Routinelebens in der Leistungs - und Industriegesellschaft abzuschotten. Wobei es nicht Jedem gelingt, seinem Alltag einen anderen Sinn zu geben. Dabei spielt das Alter des Sichselbstsuchenden eine durchaus gewichtige Rolle. Geht es einem jungen Menschen vielleicht eher noch darum, sich in der Grauen Masse der Beliebigkeit hervor zu heben, aus ihr heraus zu treten und dabei ordentlich die Ellenbogen zu benutzen, so kämpfen die Zugehörigen der Industriegesellschaft in ihrer Lebensmitte ab Ende Dreißig bis Mitte Vierzig um das angeblich verloren geglaubte Terrain der eigenen Identität zurück zu gewinnen und der vermeintlichen Fremdbestimmung zu entfliehen, während die Protagonisten ab den Silverager-Jahren die gewonnenen Annehmlichkeiten des materialistischen Lebens in vollen Zügen und somit auch mit viel Zeit im Rücken konservieren möchten.

Besonders hart ist der Kampf gegen gescheiterte Lebensplanungen, wobei die Rückschläge bei den ungezählten Versuchen der Selbstfindung, immer wieder neu verarbeitet werden müssen, im mittleren Alter. Besonders das männliche Geschlecht fällt dabei regelmäßig in eine massive Existenzkrise. Nach den Antworten, auf die Fragen: " Wer bin ich, wohin gehe ich und was will ich? ", suchend, verfallen Männer oft in Selbstzweifel. Auf der eventuelle folgenden, jahrelangen Identitätssuche gelingt es vielen Vertretern des angeblich starken Geschlechts nicht, neue Ufer zu erreichen. Die meisten der sich versuchenden Freischwimmer ertrinken, ehe sie anderes Land in Sicht haben, im Meer des Selbstmitleids. Die armen, die geplagten Vierziger aus der Kategorie der Mühsam und Beladenen, deren Berufstätigkeit sie zwar angestrengt, aber nicht ausfüllt. Deren familiäre Verpflichtungen sie immer als lästig empfinden und die Erziehungskompetenzen ihres /r Kindes/Kinder als Erwachsener, dann doch lieber den Fachleuten, somit den studierten Pädagogen in der Schule, abtreten.


Ein solch dauergestresster Familienvater muss dann ja zwangsläufig nach neuen Identitätsmerkmalen suchen. Was kann ein solches Exemplar vom Leben noch erwarten? Da hilft meistens nur die Flucht in eine andere Welt. Die der Vergangenheit, als die Jugend noch unbeschwert, das soziale Umfeld überschaubar und die Verpflichtungen an einer Hand abzählbar waren. Dieses Refugium von einst möchte sich der dauerbelastete Mann zurück erobern. So drückt er sich vor allen unangenehmen Aufgaben und zieht sich ein sein selbst geschaffenes Schneckenhaus zurück. Mancher Versuch, dem tristen Restleben dadurch zu entrinnen, endete genauso kläglich wie er begonnen hat. Wenn nämlich eine Ersatzbefriedigung für das als eher unausgefüllt empfundene Dasein zu einer Lachnummer verkommt. Da kann der Bewohner eines auf ökonomische Autonomie konzipierten Lebensparks durchaus eine glatte Bauchlandung hinlegen, wenn plötzlich fest steht, dass dem Projekt die Insolvenz droht, weil der Initiator Gelder in die eigene Tasche gesteckt hat. Da kann dem Motorrad fahrenden Asphaltcowboy mit Zwei-Mann-Zelt im Topcase und einer 25 Jahre jüngeren Begleiterin im Rücken, schon mal der Gliederschmerz heimsuchen, wenn er auf einem knüppelharten Zeltboden nächtigt. Oder es mutiert der Mittvierziger zum Pausenclown, weil er die illegal herunter geladenene Rummelplatzmusik zwar über eine High Tech - Anlage den Anwesenden um die Ohren schlägt, aber selbst dabei vergisst, dass er weder die Schunkel - Rumpel - Mucke mit ihren sinnfreien Texten favorisiert noch die Kondition eines Zwanzigjährigen bei dem Durchhalten bis zum Morgengrauen besitzt. Da wird das self fulfilling prophecy zur Farce, der Selbstfindungstrip zur Höllenfahrt, der Selbstverwirklichungswahn zur Krankheit des eigenen Geistes und die permanent vorhandenen Selbstzweifel am eigenen Ego zur Mixtur aus Pest und Cholera.

Sonntag, 29. Juli 2012

" Der Architekt ", ein Film über das Ende einer Lebenslüge.




 Am Freitag,27. Juli 2012 wurden ja bekanntlich die XXX. Olympisches Sommerspiele der Neuzeit feierlich eröffnet. Mit viel Pomp, Gedöns und Geknalle. Wer sich die 4 stündige ZDF-Übertragungsorgie nicht antun wollte, hatte bis auf einige, wenige Ausnahmen, nur wenig Freude an dem Alternativangebot der übrigen Sender. Zu den sehenswerten Beiträgen an diesem Freitag zählte zweifelsohne " Neue Vahr Süd " von Hermine Huntgeburth und  " Der Architekt ", der auf dem Spartensender Eins Festival gleich im Anschluss danach lief.

Der Film wurde bereits 2008 in den Kinos gezeigt; mit mäßiger Resonanz. Eigentlich schade, denn er handelt von einem Familienkonflikt, wie ein solcher sich in der harten Realität des Lebens hunderttausendfach abspielt. Ein Sozialdrama ohne Happy End, ohne großes Getöse, eher mit leisen Untertönen und mit Darstellern, die auf das sonst übliche egomanische Gehabe vollkommen verzichten.

Georg Winter ( hervorragend dargestellt von dem bayrischen Schauspieler Josef Bierbichler ) ist 58 Jahre alt, lebt in der Hansestadt Hamburg und ist von Beruf ein durchaus erfolgreicher Archtitekt. Kein Schicki-Micki-Spinner mit Archtitektenhaus, Porsche und Designermöbeln, sondern einer von der eher ruhigen, der unscheinbaren Sorte. Seine Frau Eva (Hilde van Mieghem) stammt ebenfalls aus einer Architektenfamilie und zwar aus einer einflussreichen, denn sie hat über ihren Vater Georg auf die Karriereleiter gehievt.

Bei einer öden Preisverleihung irgendwann, irgendwo in Hamburg, kommt es zu einem Eklat als Georg als Preisträger nach einer kurz gehaltenen Rede mit den üblichen Danksagungen die Contenance verliert und Eva´s Vater, der inzwischen schon betagt,nur noch als Gastdozentent an der Universität einige Vorlesungen im Fachbereich Architektur hält, anraunzt. Georg ist sauer, verlässt die Veranstaltung und geht zu Fuss nach Hause. Er wird dann von Eva mit dem PKW eingeholt. Beide betreten anschließend die stilvoll eingerichtete, gemeinsame Wohnung, wo sich Georg einige Whisky genehmigt und seinen Frust ablässt. Eva erinnert ihn dabei, dass er nur durch ihren Vater und sie zu dem geworden ist, was er heute darstellt. Georg hat sich derart in Rage geredet und echauffiert, dass er wegen seiner Herzerkrankung einen Schwächeanfall im Bad erleidet und zu Medikamenten greifen muss.

Einige Zeit danach erscheint Eva auf der Baustelle und teilt Georg mit, dass seine in Österreich lebende Mutter verstorben sei. Georg hat sie seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen. Angeblich sei die Beziehung zwischen ihnen nach dem Tod seines Vaters völlig zerrüttet. Eva, die mit einen Akzent sprich ( Hilde van Mieghem ist ja gebürtige Belgierin ) erinnert ihren Mann an seine familiären Wurzeln und appelliert an dessen Gewissen. Georg lässt sich schließlich breit schlagen und fährt zusammen mit den beiden erwachsenen Kindern Reh (Sandra Hüller) und Jan (Matthias Schweighöfer) zur Beerdigung seiner Mutter in die Alpen.

Während der Fahrt wird Georg abgelenkt und begeht einen Fehler, wodurch der PKW ( ein Mittelklasse- BMW ) von der Straße abkommt und in einen Schnee bedeckten Weg abdriftet. Da das Fahrzeug keine Winterreifen aufgezogen bekommen hat, nur Heckantrieb besitzt, bleibt es im Meter hohen Schnee stecken. Die Familie steigt aus und geht den restlichen Weg in das abgelegenen Bergdorf zu Fuss. Das kleine Örtchen inmitten der Tiroler Alpen zeigt deutlich, dass die dort vorhandenen Strukturen auch einige Dekaden nach dem Weggang von Georg noch vollkommen intakt sind. Es gibt die Respektspersonen, den Bürgermeister, den Pfarrer, den selbstständig Schreiner und weitere Bewohner, die sich aus der sonstigen Armut los lösen konnten. Georg´s Mutter hatte dieses zu Lebzeiten nicht mehr geschafft. Sie bewohnte ein kleines Holzhaus, in dessen Innersten die Zeit stehen geblieben ist.
Einfache Wohnverhältnisse, die durch Hand gemachte Möbel, veraltete sanitäre Einrichtungen und dunkle Zimmer. Die beiden erwachsenen Kinder der Winters kommen mit den Verhältnissen in der Tiroler Einöde eher schlecht als recht klar.

Eva versucht das Haus ein wenig wohnlich zu gestalten und räumt auf. Dabei bemerkt sie in den geführten Gesprächen, dass Georg sich noch weiter von ihr entfernt. Er isoliert sich zunehmend. Als Eva ihn in der Nacht zum Sex verführen möchte, stößt ihr Mann sie mit einem eruptiven Ausbruch weg. Eva befriedigt sich selbst und schläft ein. Georg trifft beim Heruntergehen in die Stube des mütterlichen Hauses die Tochter und beginnt von seiner Jugend zu erzählen. Er zeigt Reh Alben und Fotos aus jenen Tagen, verklärt dabei aber nicht die Vergangenheit. Spätestens hier wird deutlich, dass Georg ein emotionaler Mensch ist. Er nimmt seine Tochter in den Arm, drückt sie fest an sich heran; ob es zu inzestiösen Handlungen kommt verschweigt der Film indes.

Am Tag der Beerdigung geht er der mysteriösen Hannah (Sophie Rois) und ihrem Sohn Alex (Lucas Zolgar) auffällig aus dem Weg. Als Eva ihn deswegen anspricht, leugnet Georg, sie näher zu kennen. Auch beim Leichenschmaus und sträubt er sich, Hannah Beachtung zu schenken. Mit seiner Weigerung, die offensichtlich unaufgeklärte Vergangenheit seiner Familie zu erläutern, eckt er an. Als Hannah ihn eher zufällig an der Tankstelle trifft, führen beide ein eher belangloses Gespräch. Georg erklärt ihr, dass er Winterreifen hat aufziehen lassen müssen. Sie erwartet jedoch etwas völlig anderes von ihm. Hannah betreibt ein kleines Geschäft, zu dem Georg sie begleitet, um eher aus Verlegenheit ein Tüte Milch zu kaufen. Georg möchte den unfreiwilligen Aufenthalt beenden. Nachdem das Fahrzeug startklar ist, lädt er seine Frau und die beiden Kinder ein und fährt los. Ein Lawinenabgang hat jedoch die einzige Zufahrtsstraße blockiert, so dass die Familie wieder umkehren muss.

Sie kehren in das einzige Gasthaus im Ort ein, um dort zu Essen. Bei der Bestellung gerät Georg in einen Disput mit der, sie bedienenden Betreiberin, die ihn offensichtlich aus vergangenen Tagen noch kennt und hasst. Georg steigert sich in das Streitgespräch hinein, wird nur kurz von Eva beruhigt und verlässt wütend das Lokal, als ihr die dumm-dreiste Wirtin seinen Speisewunsch verweigert.
Bedingt durch die Straßensperrung müssen die vier Besucher länger am Ort verweilen, so dass Georg noch Gelegenheit findet, die Grabstätte der Mutter aufzusuchen. Mit dem Steinmetz möchte er die Grabsteinfrage klären und wird dabei überrascht, denn seine Mutter hat dieses bereits zuvor geklärt.

In der Kirche eröffnet der Pfarrer das Testament der verstorbenen Mutter und lüftet damit auch das Geheimnis zwischen Georg und Hannah. Beide hatten vor mehr als zwei Jahrzehnten ein Verhältnis. Aus der Liason ist der Sohn Alex hervor gegangen, der nun wiederum der Haupterbe nach der Mutter wird; während Georg nur seinen Pflichtteil erhält. Ein Eklat ist damit vorprogrammiert. es kommt zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Eva und Georg; auch die beiden Kinder wenden sich von ihm ab. Der Sohn wirft ihm vor, dass er ein Lügner und nie sein Vater gewesen sei; seine Tochter stößt ihn von sich und Eva erklärt ihm, dass er sie wohl nie geliebt habe. Er bejaht diesen Vorwurf und kränkt sie mit der Feststellung, dass er sie aber doch geheiratet habe.

Als die Familie dann endgültig abfahren will, bekommt Georg auf der Toilette der Tankstelle einen weiteren Schwächeanfall. Dieses Mal wirft er keine Pillen ein. Er geht durch die Seitentür der Tankstelle hinaus und durchquert ein tief verschneites Feld. Die übrigen Drei sehen ihm wortlos nach und fahren von der Tankstelle in Richtung Straße, während Georg in den Ort zurück gehen will. Einige Kilometer weiter bricht er in einem Schneehaufen am Straßenrand tot zusammen.


Der Film hat deshalb kein Happy End, weil er eine kritische Sozialstudie herüber bringen möchte,denn
die Winters sind eine gutbürgerliche Familie, wie sie im Buche steht. Zwar verfügen sie über materiellen Wohlstand, emotional sind sie aber voneinander entfremdet. Während Tochter Reh als angehende Konzertviolinistin der ganze Stolz des Vaters ist, hat dieser für den nichtsnutzigen Sohn nur wenig übrig. Mutter Anna ertränkt ihren sexuellen Frust und die mangelnde Aufmerksamkeit ihres Gatten mit reichlich Alkohol. Obwohl die Figuren gewollt stereotype Züge tragen, gelingt es den Schauspielern immer wieder emotional dichte Augenblicke zu schaffen, die angenehm unkonstruiert wirken. Besonders unauffällige Szenen wie der Leichenschmaus oder der Besuch im Haus der Mutter erzählen geradezu beiläufig von den zwischenmenschlichen Beziehungen der Familienmitglieder. Dementsprechend sind auch die leisen Dialoge, wie etwa zwischen Rois und Bierbichler, am intensivsten, während die theatralischen Gefühlsausbrüche von Hüller und Mieghem eher gewollt wirken. Georg wird von Josef Bierbichler so gespielt, wie es einem frustrierten, jedoch funktionierenden Erfolgsmenschen geziemt: als typischer Grandler, wie ihn der unvergessene Weltklassetrainer Ernst Happel hätte nicht besser darstellen können.

Um seine Illusionen beraubt, die einstige Jugendliebe Hannah vergessen wollend und dabei die Herkunft verleugnend, begibt sich Georg in die verlogene Scheinwelt des spießigen hanseatischen Großbürgertums und geht daran zu Grunde. Erst als Georg in seinen Geburtsort zurückkehrt, wird er mit den wahren Lebenskampf wieder konfrontiert, in einem Milieu, aus dem er einst geflohen war - aus der materiellen Armut eben. Neben dem abgeschiedenen Schauplatz verdeutlicht Regisseurin Weisse die Isolation und Verlorenheit der Figuren auch mehrmals, indem sie ihre Darsteller alleine und unter großer Anstrengung durch den hohen Schnee stapfen lässt. Im Gegensatz zu solchen beschwerlichen Bildern gelingen der Regisseurin andererseits immer wieder Augenblicke voller subtilen Humors. Im besten Fall wird daraus eine kabarettistische Höchstleistung wie die Essensbestellung im örtlichen Wirtshaus. Mit einer grandios unterkühlten und zickigen Maria Hofstätter als Bedienung entspinnt sich hier ein absurder Dialog über Speisekartenbürokratie und dem darüber intendierten Fremdenhass auf alle Personen, die nicht Einheimische sind und auch keine Tiroler.
Mit einer Familie in einer Extremsituation verfügt " Der Architekt " über die besten Voraussetzungen für ein wirkungsvolles Kammerspiel. Im Verlauf des Films lässt die Regisseurin Ina Weisse ihre Figuren jedoch zunehmend mit ihrem Schmerz allein, anstatt sie miteinander zu konfrontieren. Dieses ist wohl so gewollt, um die längst vorhandene Zwangslage aller vier Beteiligten, miteinander auskommen zu müssen, zu verdeutlichen. Zwar entgeht dem Film damit reichlich Konfliktpotenzial, was sich vor allem darin zeigt, dass die Handlung gegen Ende erheblich an Dynamik verliert, aber die kalte Businesswelt, die mit dem Sprung auf der Karriereleiter einhergeht, lässt keinen andere Darstellung zu.
Ein exzellent verfilmtes Stück Sozialgeschichte im III. Jahrtausend, innerhalb einer verlogenen Scheinwelt aus Materialismus, Egoismus sowie geheuchelter Zufriedenheit, aus der sich der Hauptdarsteller nicht ganz unfreiwillig über den einsamen Tod endgültig verabschiedet.

Darsteller/Regie


Georg Winter        Josef Bierbichler

Eva Winter            Hilde van Mieghem

Jan                        Matthias Schweighöfer

Reh                       Sandra Hüller

Hannah                 Sophie Rois

Alex                      Lucas Zolgar


Regie                    Ina Weisse

Kamera                Carl F. Koschnick

Drehbuch              Ina Weisse, Daphne Charizani

Musik                   Anette Focks



Da kann der TV-Glotzer schon mal sämtlichen Wiederholungsbrei, die Olympia-Dauerberieselung und den sonstigen Brüll-Müll-Schund getrost vergessen und dieses als billigen Versuch, auf dem Sender zu bleiben mit einem süffisanten Lächeln quittieren. Solche Filme sind es wert, sie mehrfach zu genießen.

Freitag, 27. Juli 2012

Mittelalterliche Minne mit modernen Methoden.



                                                                                    (c)Sigismund von Dobschütz - WIKIPEDIA


Die drei Hauptabschnitte im Leben eines Menschen lassen sich in etwa so skizzieren:

- Kindheit und Jugend

- Heranwachsen und Erwachsensein

- Alter und Tod

In dem ersten Segment finden sich auch eine Phase wieder, die sich Pubertät nennt. Eine schwierige Zeit für den sich im Alter ab 12 bis 14 Jahren befindlichen Jugendlichen. Weder Fisch noch Fleisch, weder Mädchen noch Frau, weder Kind noch Erwachsener. Dass dabei auch das Interesse an dem anderen Geschlecht geweckt wird, kommt noch verschärfend hinzu. In dieser Zeit kann es dann häufiger vorkommen, dass so mancher Pubertierende ein über sämtliche Normen hinweg gehendes Verhalten an den Tag legt. Wenn die Hormone Rock ´n ´Roll tanzen, bleibt oft kein Auge trocken. Zu wahren Kapriolen lassen sich aber auch die heranwachsenen Mädchen hinreißen. Da wird herum gezickt, was das Zeug hergibt. Es wird opponiert, bis die Schwarte kracht.

Zu den weiteren Besonderheiten in dieser von Hormonen und Testestoron geprägten Zeit zählt zweifelsohne die erste Liebe, der erste Liebeskummer und eben auch die so genannte Liebeskrankheit. Gäbe es sie allesamt nicht, würde dem Heranwachsenen mit Sicherheit ein Stück der eigenen Identität fehlen und die Erfahrungen auf diesem Gebiet wären später eben nicht vorhanden. Dennoch gilt auch hier: " Jugend schützt nicht vor Torheit und Alter nicht vor Dummheit. " Das gilt auch uneingeschränkt für das Liebesleben.

" Der Topos der `Liebeskrankheit' mit ihren klassischen Symptomen des Erbleichens und Errötens, Zitterns, der Sprachlähmung und dem Bluten aus Mund und Nase ist im ganzen lateinischen Schriftum des Mittelalters verbreitet; er findet sich in poetischen, medizinischen, theologischen und philosophischen Texten. Im vorliegenden Aufsatz wird untersucht, in welcher Weise die volkssprachige höfische Dichtung das literarische Muster von Liebe als Krankheit für ihre Konzeption der höfischen `minne' aufgreift. Schließlich wird eine Antwort auf die Frage skizziert, weshalb der Liebe (bzw. der minne) im 12./13. Jahrhundert die Gestalt des Pathologischen verliehen wird. "

- Zitatende - aus: http://www.springerlink.com/content/t757368530125g72/

Tja, und was vor einigen hundert Jahren bereits Usus war, das übersteigerte Werben des Mannes um das Weib, dass dann als " Minne " im weitestens Sinne angesehen wurde und sich teilweise in schaurig - schönem Gesang, den so genannten " Minnesang " widerspiegelte, hat auch im 3. Jahrtausend weiterhin seine Existenzberechtigung.

                                                                    (C) WIKIPEDIA - Minne
http://de.wikipedia.org/wiki/Minne

Was vormals durch Leier, Laute oder Keltischer Harfe der Angebeteten lauthals vorgesungen wurde, erledigt der heutige Liebestolle über facebook, iphone oder smartphone. Da wird gecirct, gesülzt und gesponnen, wie nichts Gutes. Und wen es dann im Liebesrausch so richtig erwischt hat, der leidet oft unter Schlafstörungen, Trübung des Bewusstseins oder Appetitlosigkeit. Wenn die Auserkorene jedoch die wilde Balzerei nicht zur Kenntnis nimmt und alles Liebeswerben für die Katz ist, hilft nur noch der Suff. Dahin führt es denn auch so manchen jungen Troubadour. Schmerzhaft sind die Einschnitte im Gefühlsleben schon; vor allem dann, wenn es mit dem Ersten Mal so gar nicht klappt. Selbstzweifel werden den jungen Casanova schon plagen, weil die anderen Mitkonkurrenten längst mit ihren angeblichen Erfahrungen im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht kokettieren. Doch alles Betteln, Beten und Lügen, Aufschneiden,Ignorieren und Männchenmachen hilft nichts, wenn die Auserwählte die Kalte Schulter zeigt.

Mit zunehmenden Frust kommen auch die Selbstzweifel. Ist man / frau für diese auf Jugendwahn, makellosem Körperbau und Konsum aufgebauten Welt doch nicht gut genug?
Dann hilft nur noch eins: In das eigene Zimmer einschließen und das Kopfkissen über das Haupt legen und dabei Trübsal blasen. Das kann so lange andauern, bis die Erwachsenenwelt mit dem ihren gnadenlosen Ellenbogenmentalität an die Zimmertür klopft. dann heißt es Aufwachen aus dem Wunschtraum und die Liebeskrankheit schnellstens auskurieren, sonst droht HARTZ IV und der Absturz ins gesellschaftliche Nichts. Der Paarungmarkt wird dadurch noch kleiner und so mancher Gescheiterte bleibt für viele Jahre ganz alleine. Dann kann der moderne Minnesang endgültig beendet werden.



Donnerstag, 26. Juli 2012

Studiosus legere et scriptio non posse oder warum die Generationen iphone,smartphone und ipod immer dümmer werden.


(c)Vectorized by User:Nandhp

Vor einigen hundert Jahren galten Studenten ( es gab nur männliche zu dieser Zeit ) in der Bevölkerung als angesehen. Schließlich stellten sie den akademischen Nachwuchs dar, der für die Wissenschaften nicht nur wichtig war, sondern den Herrschenden half, das Volk weiter zu unterjochen und auszubeuten. Später gehörten Studenten gar zu den enthusiastischen Horden von Kriegsbefürwortern und Kriegstreibern, die der Kaiser und später der Gröfaz aus Braunau am Inn benötigte, um an der Macht zu bleiben. Die Gelehrtensprache zu jener Zeit war Latein. Damit separierten sich die Studierten von den Nicht-Akademikern und dem Plebs.
Da Studenten zu jenen Zeiten eher als arm, als mittellos galten, lautete ein aus den Jahrhunderten zuvor übernommener Spruch:


Pauper studiosus sum, peto te viaticum.

Ich bin ein armer Student und bitte um eine Wegzehrung!

Diese Zeiten sind längst vorbei. Dank staatlicher finanzieller Unterstützung in Form von BaFöG-Leistungen oder Stipendien können heute auch solche Studiumwilligen an die Hochschulen, deren sozialer Hintergrund eher bescheiden ist. davon gibt es jedoch nur sehr wenige, denn die Masse der StudentInnen kommt nach wie vor aus eher gut situierten Elternhäuser. Während die Berechtigung zum  Studium einst nur über das Gymnasium möglich war, gelten in der heutigen Zeit auch andere Hochschulzugangsberechtigungen. So zum Beispiel das Fachabitur. Allerdings gilt der Zweite Bildungsweg immer noch als Studium Zweiter Klasse, wenngleich die beruflichen Chancen dadurch  nicht unbedingt vermindert werden.

Was sich seit den 90er Jahren jedoch an den allgemein bildenden Schulen aufzeigt, ist die Abspaltung zwischen den Gymnasium als Regelschule , der Mittel - oder Realschule als Auffangbecken für gescheiterte Gymnasiasten und der Volksschule als absolute Restschule des Prekariats, der Abgehängten , der Doofen.
So entwickelt sich ein elitäres Denken bei den Abiturienten,dass von den dortigen Pädagogen noch gefördert und forciert wird. Wenn dann dieser, sich zur Elite zählende Abiturient an die Universität gelangt, erlebt er sein Blaues Wunder. Aus der allgemeinen Hochschulreife, dem Herrschaftswissen von einst, die durch die Abwahl fundamentaler Fächer, wie Deutsch, Mathematik, Physik,Chemie oder Geschichte, dann zu einem " ALDI " - Abitur mutiert, lässt sich für das Studium nur noch wenig Honig saugen. Bereits in den ersten Semestern werden eklatante Lese - und Rechtschreibschwächen bei den Damen und Herren Studiosus offen zu Tage treten, die sich dann spätestens bei dem Vordiplom nicht mehr reparieren lassen.
Die Generation, für die der Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln nur eines der leichteren Übungen zu sein scheint, scheitert dabei regelmäßig an der Abfassung von wissenschaftlichen Texten. Es treten haarsträubende Orthographiefehler auf. Auch das Lesen von Fachbüchern wird zu einem nahezu unüberbrückbarem Hindernis. Die Genration " Doof " hält Einzug in die Almer Mater.

So beklagten kürzlich einige Professoren, dass die heutigen Studenten enorme Lese - und Rechtschreibmängel aufzeigen würden.

" Junge Studenten haben nach Erkenntnissen von Hochschullehrern große Probleme mit der Rechtschreibung. Auch stießen Professoren in schriftlichen Arbeiten häufig auf Grammatikfehler. Zudem fehle vielen die Lesekompetenz, wie aus einer bislang unveröffentlichten Umfrage unter Philologie-Professoren hervorgeht.


"Ein Problem ist auch die mangelnde Fähigkeit mancher Studenten, selbstständig zu formulieren und zusammenfassende Texte zu schreiben", berichtete Professor Gerhard Wolf von der Universität Bayreuth am Montag. An der Umfrage hatten sich Professoren von 135 deutschen geisteswissenschaftlichen Fakultäten beteiligt.

Die Ergebnisse seien "bestürzend", sagte der Wissenschaftler. Eine mögliche Ursache für die sprachlichen Defizite sieht Wolf in Mängeln im Schulunterricht. Zu befürchten sei zudem, dass auch die junge Lehrergeneration bereits über derart schlechte Kenntnisse verfüge, dass sie nicht in der Lage sei, die Fehler ihrer Schüler zu erkennen und zu korrigieren. "

Dass diese Kritik nun ausgerechnet von der Universität Bayreuth stammt, der Brutstätte des CSU-Politnachwuchses und dem Tummelplatz des Karl Theodor von und zu Guttenberg, dem Plagiatsmagier und Berufslügner, mag eher Zufall sein. Fakt ist jedoch, dass jene Erkenntnisse, die wohl aus einer wissenschaftlichen Studie stammen, denn medial heißer gekocht, als serviert werden. Wäre die jetzige Studentengeneration nur " dumm ", so wäre es um den wissenschaftlichen Nachwuchs und die erforderlichen Kräfte in den akademischen Berufen schlecht bestellt. Sie würden an der beruflichen Realität allesamt scheitern. So ist es jedoch nicht. Folgerichtig stellt denn auch der Journalist Peter Zudeick in einer Glosse hierzu fest:


" Die Jugend ist verroht, verwahrlost, hat keine Ehrfurcht vor dem Alter, keine Achtung vor der Überlieferung, sie kann nichts, weiß nichts, hat keine Ziele, keine Ideale, keine Zukunft. Und jetzt kommt die bei Alt und Jung beliebte Rätselfrage: "Na, wer hat das gesagt und wann?" Antwort: Alle haben das gesagt, und zwar schon immer. "Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos." Sagt ein Keilschrifttext aus Chaldäa um 2.000 vor Christus. Tausend Jahre später, Babylon: "Die heutige Jugend ist von Grund auf verdorben, sie ist böse, gottlos und faul." Na, also. Rund fünfhundert Jahre später jammert ein gewisser Herr Sokrates in Athen: "Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte."


Und was lernen wir daraus? Entweder sind junge Menschen tatsächlich die Seuche, und zwar immer und überall, oder wir müssen feststellen, dass auch große Geister nicht immer der Gefahr entrinnen, in die Rolle des alten, galligen, knatternden Dummschwätzers zu verfallen, für den früher alles besser war und heute alles schrecklich ist. Am schrecklichsten ist es natürlich gerade jetzt. Also in unserem Heute. Vor allem an den Universitäten.

Der Student von heute kann nicht lesen, nicht schreiben, nicht logisch denken, nicht argumentieren, er weiß nichts und versteht nichts. Ja, gut, das mag ein bisschen pauschal klingen, aber Professoren von 135 geisteswissenschaftlichen Fakultäten können schließlich nicht irren. Und was sagt uns das? Logisch: Junge Menschen, die nur noch simsen und twittern und facebooken, können mit altertümlicher Syntax, Grammatik und Semantik natürlich nichts anfangen.

Müssen sie das denn? Nö. Heutige Abiturienten, sagt der Initiator der Studie, verfügen über große Medienkompetenz, sind flexibel und setzen sich so auf dem Arbeitsmarkt leichter durch als frühere Generationen. Na, also. Was willste denn noch mehr? Das reicht nicht für ein geisteswissenschaftliches Studium, sagt der Professor. Mag sein. Dann lasst sie doch nicht rein ins geisteswissenschaftliche Studium. Macht ne Aufnahmeprüfung und lasst sie alle durchfallen. Ende der Fahnenstange.

Okay, damit macht man sich vielleicht nicht besonders beliebt. Aber es wäre konsequent. Denn es wäre doch auch möglich, dass die jungen Menschen, die trotz hochgradiger Sprach- und Denkunfähigkeit Geisteswissenschaften studieren wollen, schlicht fehlgeleitet sind. Falsch beraten von ihren Lehrern und Eltern. Vielleicht wollen sie ja alle nur in die Politik. Und da ist Grundvoraussetzung, dass man sich im Satzbau verheddert, mit der Grammatik kollidiert, die richtigen Worte nicht findet. Aber simsen kann wie ein Weltmeister.

Also lieber VWL oder BWL studieren, vielleicht auch Jura, das ist am unauffälligsten, am besten aber irgendeine Naturwissenschaft. Medizin plus Ausspracheprobleme reicht zum Wirtschaftsminister, Physik plus Wortfindungsprobleme macht eine Bundeskanzlerin. Also frisch ans Werk, oh Jugend. Die Nation wartet auf euch. "

Nun ja, nobody is perfect, selbst ein Professor nicht oder, wie es die Lateiner behaupten:

"Nam quod in iuventus non discitur, in matura aetate nescitur."



Was in der Jugend nicht gelernt wird, lernt man im Alter niemals.

Wie wahr, wie wahr!





Die kriminellen Machenschaften der Doris J. Heinze oder: Da kann dem Zwangsgebührenzahler schlecht werden.


Es gibt unter uns Erdenbürger eine ungenannte Zahl von Halunken, Betrügern und Nassauer, deren einziges Lebenselixier es ist, ohne große Mühe möglichst schnell, lange und unwiderruflich am Wohlstand teilzunehmen, ohne dafür große Mühen und Anstregungen einbringen zu müssen. Ob nun das Medium Internet, was nahezu unbeschränkt zum Beschiss einlädt, die vielfältigen Abarten der Vermögenverschiebungen durch Wirtschaftsdeliquenten oder das alltägliche Prozedere beim Waren - und Geldaustausch. Diese Felder dienen Menschen, denen einzige Triebfeder es ist, andere hinter das Licht zu führen, um ihnen Moneten aus der Tasche zu ziehen, als wahre Tummelplätze auf denen sie ihre erhöhte kriminelle Energie in Taten umsetzen können.

Eine beosnders perfide Methode, sich Vermögensvorteile zu verschaffen, stellt der Umgang mit zu verwaltenen Fremdgeldern dar. Ob nun Schurken in Form Nadelstreifen - und Markenanzug tragender Bankmanager und sonstiger überbezahlte Protagonisten aus dem Genre, Verwalter von Fremdgeldern, wie Rechtsanwälte, Notare oder Immobilienverwalter oder leitende Mitarbeiter von Institutionen, wie zum Beispiel die öffentlich-rechtlichen Rundfunk - und Fernsehanstalten, sie alle könnten Wege und Mittel finden, um an die ihnen anvertrauten Gelder zu gelangen.
Sachwalter fremden Eigentums und Vermögens sind hier auch die ungezählten Ressortsleiter bei den Öffentlich- rechtlichen, so auch beim Norddeutschen Rundfunk. Jener Vier-Länderanstalt, die die Größte im ARD-Verband darstellt; somit auch das höchste Finanzaufkommen verwaltet.

Die zwangsweise beigetrieben Gebühren von den Radio - und Fernsehbesitzern werden bekannt von der GEZ zunächst verwaltet. Eine Einrichtung also, die mit Milliarden Euro jongliert und diese Beträge den angegliederten Anstalten nach einem zuvor festgelegten Schlüssel zukommen lässt, Diese wiederum errechnen ihren Finanzbedarf selbst und geben diesen dann an die GEZ weiter. Eine krisensichere Methode, zumal die Gebühren seit Jahren gestiegen sind.

Von den Mitarbeitern, die aus dem ihrer Rundfunk - und Fernsehanstalt zustehen Goldtopf sich fürstlich bedienen können, gehören zweifelsohne die Programmchefs. Es sind leitende Angestellte mit sechsstelligen Jahresgehältern. Eine von ihnen war Doris J. Heinze. Sie übte von 1991 bis 2009 diese Funktion aus, bis durch Recherchen der Süddeutsche Zeitung zu Tage kam, was kaum ein Mitarbeiter des NDR für möglich hielt: Heinze führte ein kriminelles Doppelleben.

http://de.wikipedia.org/wiki/Doris_Heinze

Als Fernsehspielchefin war es ihr gelungen, unter einem Pseudonym eigene und Drehbücher ihres Mannes bei ihrem Sendern eingeschleust und dafür beträchtliche Honorare abkassiert haben. Heinze wird seit einigen Wochen der Strafprozess vor dem Landgericht in Hamburg gemacht. Die dortige Staatsanwaltschaft wirft ihr Bestechlichkeit, schwere Untreue und Betrug in mehreren Fällen vor. Heinze drohen hierfür mehrere Jahre Haft.
Damit endet auch eine Karriere, die einst vor 23 Jahren begann und im Jahre 2009 jäh unterbrochen wurde, als nämlich ruchbar wurde, dass Heinze eine erstaunliche Kreativität bei ihren kriminellen Machenschaften an den Tag legte, So schrieb sich im Verbund mit ihrem Mann Claus Strobel, der unter dem Pseudonym Niklas Becker eine Vielzahl von Drehbüchern schrieb, die wiederum von Hand verlesenen Filmfirmen mit der Heinze in Kontakt stand realisiert werden konnten, weil Heinze diese Projekte als Ressort - Chefin selbst unterzeichnete. Damit verdiente sie nicht unerhebliche Honorare und dieses, obwohl ihr Gehalt beim NDR mehr als 100.000 € jährlich betrug.

Heinzes Methodik war jedoch bei den regisseuren und Autoren im Umfeld der jetzt Angeklagten längst bekannt. Aufgrund der Abhängigkeiten von Heinze wagte es jedoch kein Eingeweihter, hiergegen vorzugehen. So dauerte es viele Jahre bis die Gerüchte um die kriminellen Machenschaften der Eheleute Heinze und Strobel aufgedeckt werden konnten. Einen Teil des entstandenen Schadens, der durch die Ex-NDR-Mitarbeiterin entstanden ist, hat sie bzw. ihr Mann bereits durch Rückzahlungen an ihren ehemaligen Arbeitgeber wieder gut gemacht. Die strafrechtliche Seite ihres Verhaltens wird davon jedoch nur peripher tangiert, denn damit wird nur das Strafmaß beeinflusst; die kriminellen Handlungen indes stehen außer Zweifel.

Justitia wird das letzte Wort haben und Heinzes angestrebter, geruhsamer Lebensabend im luxuriösen Ambiente ist zerplatzt wie eine Seifenblase. Dieses Krimi - Drehbuch hat kein Happy End.

Der Deichgraf zu Wilhelmshaven.





Für den durchschnittlich belesenen und informierten Norddeutschen ist die Stadt Wilhelmshaven ein Begriff. Für einem in Mitteldeutschland lebenden Bundesbürger dürfte die korrekte Beantwortung der Frage, wo diese Stadt liegt, erhebliche Probleme verursachen. Ein Süddeutscher oder Ur- Bayer wird eine solche geographische Nuss wohl kaum knacken können und wenn, dann treten spätestens bei der Orthographie Fehler auf, denn das " Wilhelmshaven " wird mit " Vogel - V " geschrieben und nicht wie es bei den Pendaten im Binnenland üblich ist mit " f ". So besteht denn nicht nur in der sehr unterschiedlichen geographischen Lage der Stadt Wilhelmshaven zu dem südlich belegenen Örtchen Bodman - Ludwigshafen ( nicht zu verwechseln mit der Stadt Ludwigshafen am Main ) am Bodensee der sichtbare Unterschied, sondern eben auch in der Schreibweise des " haven / hafen ).

Wilhelmshaven also, benannt nach dem Kriegstreiber und Menschenschinder Kaiser Wilhelm I., hat eine geschichtliche Verbundenheit mit dem Meer, dem Jadebusen, an dem die Stadt liegt und der Kriegsmarine, von der die Stadt seit 1863 profitiert, denn Arbeitsplätze sind auch in dieser Region rund um die angrenzenden Landkreis Friesland sowie dem sich danach folgenden Ostfriesland eher rar.

http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelmshaven

Deshalb wird das Militärische seit Jahrzehnten hoch gehalten. Die Marine als größter Arbeitgeber wird hier immer hofiert. Da steht auch der entsprechende Umgang miteinander nicht weit weg von den militärischen Gepflogenheiten.

Vieles muss zwar nach den rechtsstaatlichen Grundsätzen geregelt, einige Dinge jedoch werden militärisch betrachtet nach der Maxime " Befehl und Gehorsam " umgesetzt. So auch bei einer Maßnahme, die die Gemüter der Betroffenen in der Jadestadt in Wallung bringt. Da beschloss nämlich der in Brake ansässige I. Oldenburgischer Deichband rund um den Voslapper Deich einen Schutzzaun hoch zu ziehen. Hiermit wird der über viele Jahrzehnte für Personen eingeräumte Zugang zukünftig verwehrt. Es dürfen dort nur noch Schafe weiden und sich Berechtigte aufhalten. Aus, vorbei mit dem Deichspaziergang am Sonntagnachmittag! Mit der nach Gutsherrenart durch gepaukten Maßnahme werden aber nicht nur Einheimische, also Wilhelmshavener vergräzt. sondern auch Besucher und Touristen, die vielleicht doch ein wenig Geld in die klammen Stadtkassen spülen.

Den Verantwortlichen des Deichbandes ist das Ansinnen der Bewohner indes schnurzpiepegal. Sie lassen weiter an dem Mega-Zaun werkeln und Kilometer für Kilometer abtrennen. Koste es, was es wolle. Zumal ja auch die Mittel dafür von der Landesregierung im fernen Hannover bewilligt worden sind.
Das zuständige Ministerium gibt sich arglos.
Der Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz, Dr. Stefan Birkner ( FDP ) hat jedoch die erforderlichen Finanzmittel für die Einzäunung der Voslapper und Alt-Voslapper Deiche bewilligt.




 
 
Die Bürger sind jedoch weder befragt noch informiert worden. Erst als die Grenzbautruppen ím Auftrag des I. Deichbandes zu Oldenburg anrückten und die ersten Meter des sogar mit Stacheldraht bewehrten Zaunes setzten, schwante den Wilhelmshavenern, was für ein Halunkenstück dort am laufen war. Zu spät!


Dennoch regte sich Protest. Die Medien wurden eingeschaltet und die berichteten zwar über die Deichabsperrung, jedoch eher unkritisch.
So kanalisierte sich der Bürgerprotest auf einigen Webseiten, auf denen mit Vehemenz der Rückbau des Deichzaunes gefordert wird. Bislang ohne Erfolg!





Wir schreiben das Jahr 1976, genauer gesagt: Es ist grauer Novembertag in jenem Jahr. Ein Sonntag in Wilhelmshaven. Nach einer kurzen Fahrt mit meinem lindgrünen Renault R4 erreichen wir den Wilhelmshavener Stadtteil Voslapp, der sich an Rüstersiel anschliesst. Am Voslapper Groden-Süd gab es einst genügend Parkplätze, um unmittelbar von dort eine Deichwanderung zu absolvieren. Der Wind bläst ordentlich und ist frisch, so wie fast immer ab Spätherbst an der See, am Wasser. In der Ferne sind einige Industrieaufbauten zu sehen. Die Großanlage des einstigen Chemiegiganten ICI, um die es Jahre zuvor bereits heftige Diskussionen gab.
Die Wanderung beginnt, denn Spaziergang wäre ein wenig zu tief gestapelt,weil doch einige Kilometer zurück zu legen waren. Auf dem Deich begegnen uns einige Fahrradfahrer; sonst sind nur Schafe zu sehen, die unterhalb der Deichkrone weiden. Eine Idylle eigentlich, denn der Naturverbundene befindet sich zwischen dem Wasser, dem Meer und dem geschützten Land. Der Wanderer fühlt sich irgendwie frei. Er lässt die Seele baumeln und bemerkt gar nicht, dass es langsam schon wieder dunkel wird und eine lange Strecke hinter ihm liegt.

So im Jahre 1976. Mehr als 3,5 Dekaden später ist es vorbei mit der uneingeschränkten Wanderei, mit den Spaziergängen bei Wind, in unmittelbarer Nähe zum Wasser, dem Jadebusen, der ein winziges Bruchstück der Nordsee und des gigantischen Ozeans, des Atlantiks darstellt. Seit Beginn des Jahres 2012 weiden nur noch Schafe auf den Deichflächen. Sie sorgen dafür, dass das Gras kurz gehalten wird und sind als ökologische Deichpolizei zu sehen. Der Mensch ist hier nicht mehr erwünscht; Zuwiderhandlungen werden polizeilich verfolgt, wenn er die Deiche in Voslapp betritt. Armes Wilhelmshaven, bedauernswertes Niedersachsen.


Was waren das einst für Zeiten, ab 1976 in Wilhelmshaven, in Rüstersiel und Voslapp oder umzu, als der freie Gang, der erlaubte Spaziergang noch sicher gestellt war. Ohne Zaun, ohne Stacheldraht und Drohungen mit der Polizei, einem Bußgeld und sonstigem staatlichen Maßnahmen.

Selbst der "olle" Kaiser Wilhelm I., der eigentliche Herrscher über die Wilhelmshavener Deiche, hat es nie gewagt, diese für die unfreien Bürger von damals sperren zu lassen. Der Deichgraf in Hannover, der Promovierte von der FDP lässt es zu, dass sich die Geschichte indes ad absurdum füht.

Wir wollen unseren alten Kaiser Wilhelm wieder haben! Zumindest in dieser Hinsicht!

Mittwoch, 25. Juli 2012

"Sumpfklinik.de", eine Notiz aus der Provinz.



Auf die Frage: " Wer war Reiseweltmeister?", "Wer trank vor vielen Jahren weltweit pro Kopf das meiste Bier?" und " Wer war Weltmeister im Meckern?", lautete die Antwort: Deutschland!
Gut, dass es noch Tschechen und Iren gibt,denn die haben die Teutonen von ihrem Platz als Biertrinkernation Nummer Eins inzwischen abgelöst; allerdings nur landesweit, denn auf ein Bundesland bezogen, sind wir Sachsen einsame Spitze im Bierkonsum je Frau/Mann ( 206 l jährlich!).
Was die anderen beiden Kategorien angeht, dürfte das Reisen als Maßstab des individuellen Wohlstands einer Nation, tatsächlich die Bundesdeutschen an der Spitze sehen,denn in der BRD werden jährlich einige Milliarden für Urlaubsreisen ausgegeben. Und das Meckern, dass auch im Urlaub nicht fehlen darf, gehört selbst verständlich dazu; wenngleich dieser Begriff eher unbestimmt sein dürfte, denn Kritik könnte bereits als Meckern ausgegeben werden und Meckern ansich könnte sich auch auf das Kritisieren beziehen.
Wie dem auch sei, der Bundesmichel ist hierin - weltweit betrachtet - einsame Spitze.

So gilt es als ein Zeichen besonderer Individualität, wenn der Kritikus seinem Lebenfrust freien Lauf gibt und meckert, was das Zeug hält. Das kann auf vielfältige Weise geschehen. Ob nun schriftlich, mündlich oder in Form eines allgemeinen Protestverhaltens; die Meckerei kennt hier keine Grenzen.

Wenn sie sich auf Personen bezieht, kann daraus sehr schnell ein handfester Streit entstehen. Möglich ist dann, dass dieser die Dritte Gewalt beschäftigt. Der mündige Bürger von heute muss sich nun einmal nicht alles bieten lassen. Das gilt auch im Verhältnis Staat und Verwaltung zu jedem Einzelnen, in diesem, unserem Lande. Da kann es zu heftigen Kontroversen, zu langwierigen Prozessen und zu langatmigen, medialen Auseinandersetzungen kommen.

Ein Musterbeispiel für des BRDlers liebste Freizeitbeschäftigung bietet ein Ereignis aus der schaumburgischen Provinz. Dort, wo sich in der Regel spätestens ab 22.00 Uhr Fuchs und Hase Gute Nacht sagen, ist eine Provinzposse am köcheln, die nicht nur Politiker, Bürger und neutrale Beobachter in Rage versetzt, sondern auch die Frage nach der Einsichtsfähigkeit der Beteiligten aufwirft.

Unter der Netzadresse http://www.sumpfklinik.de/ findet sich eine sehr übersichtlich aufgemachte Seite, die sich mit dem Problem des Neubaus einer Klinik in dem Ort Vehlen, Kreis Schaumburg, befasst. Hier steht zu lesen, dass seit 2008 ein Bauvorhaben kritisch begleitet wird, dass ein in die Landschaft hinein geklotztes Klinikum mit einem Investitionsvolumen von 95 Millionen Euro ( möglich, dass es mehr als 135 Millionen Euro werden ) betrifft. Es soll inmitten von einst landwirtschaftlich genutzten Flächen entstehen und so genügend Raum für spätere Erweiterungen bieten.

Das Schaumburger Land ist reich an Grünflächen, hat viele Wälder und dürfte eher als Puffer zwischen der Landeshauptstadt Hannvover und dem bevölkerungsreichen Ostwestfalen zu sehen sein. Es ist im Laufe der letzten Jahrzehnte somit zum Einzugsgebiet der Großstädte Hannover und Bielefeld geworden.
Durch infrastrukturelle Gegebenheiten weist der Landkreis Schaumburg seit 1987 eine positive Bevölkerungswanderungsentwicklung auf. Trotz rückläufiger Geburtenraten erhöhte sich die Bevölkerungszahl durch Zuzug aus den anderen Kreisen, Städten und durch ausländische Bürger sukzessive.

Damit verändern sich die Lebensbedingungen insgesamt. Als im Jahr 2008 der Neubau eines Klinikums auf der Grünen Wiese an der Peripherie zu der Ortschaft Vehlen beschlossen wurde, um die bisherige Akutversorgung ökonomischer zu gestalten, ließ der Protest gegen dieses Vorhaben nicht lange aus sich warten. Während der planerischen Abläufe zum Bauvorhaben Großklinikum Schaumburger Land erhoben eine Reihe von schaumburger Bürger hiergegen Einwände.

 http://sumpfklinik.de/category/einwande/

Nun mag dahin gestellt bleiben, ob der Landkreis Schaumburg tatsächlich ein Großklinikum benötigt. Allerdings steht fest, dass die vorhandenen Kliniken in Stadthagen, Rinteln und Bückeburg den Erfordernissen einer modernen medizinischen Versorgung schon vor vielen Jahren nicht mehr gerecht werden können. Dieses dürfte wohl auch der Anlass für die Planung des Klinikums an der Vehlener Peripherie gewesen sein. So trifft hier wieder einmal die Politik auf die Wirklichkeit in Form des Bürgerprotestes. Einerseits steht längst fest, dass die Bundesdeutschen im Durchschnitt von Jahr zu Jahr älter werden, womit die medizinische Seite dieser demographischen Entwicklung zu beachten wäre. Andererseits wird die Landschaft und die Natur durch solche Mammut-Projekte irreversibel zerstört oder in Mitleidenschaft gezogen. Was erst zu betoniert ist, kann nur schwer wieder renaturiert werden.

Anhand der eingestellten Beiträge unter der Webseite Sumpfklinik. de wird erkennbar, dass hier keine Chaoten und Maschinenstürmer des III. Jahrtausend am Werk sind. Es handelt sich um besorgte Bürger, deren Anliegen wohl eher der Landschafts- und Naturschutz ist. Die anderer Seite der Baubefürworter dürfte mit ökonomischen Argumenten ins Feld ziehen. Das Schaumburger Land ist kein mit Arbeitsplätzen reich besätes Terrain. Im Gegenteil: Hier sind seit den letzten 20 bis 30 Jahren viele Jobs verloren gegangen. Ob dieser Trend durch einen Betonklotz wie das geplante Klinikum aufgehalten werden kann, muss indes bezweifelt werden. Ein solcher, spezieller Arbeitgeber benötigt Fachkräfte. Die werden anderswo rekrutiert. Allenfalls die Zulieferer oder kleinere Dienstleister könnten von dem Großklinikum Schaumburger Land profitieren. Dieses werden aber wohl vorallem die an dem Millionenbau unmittelbar Beteiligten tun - weshalb auch von dieser Seite aus betrachtet, der Protest nachvollziehbar ist.

Dass hier aber nicht nur gemeckert wird, sondern dabei auch Alternativen aufgezeigt werden, ergibt sich allein aus dem Inhalt der durchaus professionell aufgebauten Webseiten. Meckern ist gut, wenn es sich um konstruktive Kritik handelt. Ein solcher Fall liegt hier alle Male vor.

50 Jahre Rolling Stones und noch kein Ende in Sicht.




Wenn ein Jubiläum begangen wird, könnte dieser Anlass zumeist feucht-fröhlich enden. Wenn dabei eine  magische Zahl, wie es die 50 nun einmal ist, davor steht, dürfte jenes Jubiläum eine gewisse Aufmerksamkeit erfahren. Wenn aber eine der  kommerziell erfolgreichsten Musikgruppen der Welt ein solches Jubiläum aufweisen kann, rauscht es in den Gazetten, werden "olle Kamellen" aus den Archiven der TV-Sender geholt und erinnern die Radiostationen durch das Abspielen einiger der ungezählten Tonträger an die vergangenen Schaffensperioden.

Dass über die Rolling Stones so ziemtlich alles gesagt, geschrieben und gesendet wurde, dürfte einem Interessierten längst klar sein, denn schon viel zu lange sind die Männer um Mick Jagger, wenn auch in wechselnder Besetzung, im Geschäft.

 Der Ursprung der Formation findet sich irgednwann Ende des Jahres 1961 in Datford, das zur Grafschaft Kennt gehört, als sich Mick Jagger und Keith Richards zufällig dort an einem Bahnsteig begegneten. Was hieraus entstand, kann u.a. nachgelesen werden:


http://de.wikipedia.org/wiki/The_Rolling_Stones

Nun sind beide Protagonisten mehr als 50 Jahre in der Musikbranche zu Hause; haben diese seit den 60ern mit verändert, für viel Wirbel und Skandale gesorgt und eine Menge Britische Pfund, Amerikanische Dollar und Euro verdient. Eigentlich könnten sie sich getrost in den Ruhestand versetzen lassen. An das Aufhören denkt das Ensemble noch lange nicht; im Gegenteil: Für das kommende Jahr ist eine Welttournee geplant und - so die unbestätigten Meldungen - diese mit dem " Ur-Stone " Bill Wyman ( 75 ) am Bass. Alter schützt vor Rock´n ´Roll und ähnlichen Musikrichtungen dann doch nicht.

http://www.rollingstone.de/news/meldungen/article284830/the-rolling-stones-tour-fruehestens-2013-und-bill-wyman-ist-zurueck.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Bill_Wyman



Weshalb die Band inzwischen 790 Alben und 2173 Tonträger veröffentlicht hat, lässt sich nur damit begründen, dass es genug Fans auf dieser Welt gibt, die ihre Musik immer noch hören wollen. Warum nicht? Schließlich sind ihre Einspielung alle Male zeitlos. Warum also keine Tournee um den Globus starten?
Na, denn auf ein gutes Gelingen!

Dienstag, 24. Juli 2012

Lärmhölle Rheintal und warum Verkehrsminister Ramsauer nichts dagegen unternimmt.



Schon Heinrich Heine wusste 1822 zu sagen:


Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,

daß ich so traurig bin.
Ein Märchen aus uralten Zeiten,
das kommt mir nicht aus dem Sinn.
Die Luft ist kühl und es dunkelt,
und ruhig fließt der Rhein.
Der Gipfel des Berges funkelt,
im Abendsonnenschein.


Seitdem sind 190 Jahre vergangen,es ist sehr viel Wasser an dem längst Fluss Deutschlands geflossen und der selbst hat sein Gesicht erheblich verändert. Zeitlich betrachtete ist er älter geworden, de facto zeigt er jedoch ein sehr modernes Gesicht. Der Vater Rhein, der Fluss aller Flüsse in der BRD und der Lastenträger des heutigen, des modernen Verkehrs.

Eine hoch gezüchtete Industriegesellschaft benötigt eben Transportwege, die es den Herstellern, Anbietern und Konsumenten von Waren ermöglichen, ökonomisch zu arbeiten. Wenn Güter von Rotterdam nach Basel bewegt werden sollen, dann geschieht dieses unter Zuhilfenahme von kostengünstigen Transportmitteln. Der globalisierte Erdenbürger, der Bewohner eines Industrielandes, der Konsum orientierte Mensch im 3. Jahrtausend erwartet, dass er zu seinen - oft von der Werbemafia beeinflussten - Lebensgewohnheiten,  jene Verbrauchsgüter erhält, die er sich wünscht und dann auch bezahlt. Das ist der Grundsatz der Konsumgesellschaft.
" Ich kaufe, also bin ich ".



Dieser Lebensinhalt verursacht Lärm. Lärm, den eigentlich niemand haben möchte, der aber mit jedem Transport, der durch jede angebotene Ware, jedes produzierte Gut entsteht, Verkehrslärm nämlich. Der nicht weg zu diskutierende Nachteil der mobilen Gesellschaft, der immense Schäden verursacht und exorbitante Folgekosten nach sich zieht.

Zu den stark frequentierten Verkehrsader in Europa zählt die Rheinstrecke der Deutsche Bahn zwischen  Koblenz und Bingen

http://de.wikipedia.org/wiki/Linke_Rheinstrecke

http://de.wikipedia.org/wiki/Rechte_Rheinstrecke

Was vor vielen Jahrzehnten den Bahnreisenden, aber nicht nur diesen, als Hochgenuss landschaftlicher Eindrücke entlang des großen Vaters der deutschen Flüsse galt, was mittels Dampflokomotive, rumpelnden Erster bis Dritter Klasse Wagons und in einem eher beschaulichen Tempo sich in unmittelbarer Ufernähe von Köln über Bonn nach Mainz und von Troisdorf über Neuwied nach Wiesbaden bewegte, waren Personenzüge und wenige Güterzüge in Zeitabständen von mehreren Stunden. Damals, als die Eisenbahn hier Bahnkreuzungen noch mit von Hand herunter zu kurbelnden Schranken, mit manuell zu stellenden Weichen und von viel Personal begleitend, betrieben wurde, war der Faktor Lärm fast kein Thema.
Das änderte sich schlagartig in den Nachkriegsjahren, den Wirtschaftswunderjahren und der Elektrifizierung und den rasant steigenden Güter - und Verkehrsaufkommen.

Die vielen, idyllisch am Fluss liegenden Ortschaften mit ihren Häusern im typischen Baustil, sie bekamen sukzessive den Wandel des Lebens zu spüren. Aus den wenigen Zügen wurden alsbald viele Dutzend und dann einige Hundert. Die Technik veränderte sich ebenfalls. Aus den Dampflokomotiven mit einigen Anhängern oder Wagons wurden Diesellokomotiven und leistungsstarke E-Loks, die 50 und mehr Güterwagen ziehen; es wurden IC-Züge und ICE-Geschosse, die mehr als 150 Km/h oder bis zu 300 Km/h fahren. Die Gleisbetten indes wurden nur marginal angeglichen, die Trassenführungen gar nicht. Es kam, wie es kommen musste: Die Zugfrequenz bei Tag und Nacht wuchs, die Züge wurden länger, aber die Zugtechnik bliebt veraltet.

Als vor mehr als 2 Jahren der Südwestfunk (SWR) eine Reportage über den Bahnlärm innerhalb des Rheintals sendete,  konnte ich es kaum glauben. Da lebten Menschen in Häusern, die nur wenige Meter von den Bahngleisen entfernt stehen. Da herrschte in diesen Wohnung beim Vorbeifahren der Zugmonster eine Lautstärke wie in einer Großraumdiskothek oder einem Rockkonzert. Mehr als 100 Db wurden gemessen, die von der DB verursachten worden; jeden Tag, 7 Tage in der Woche, 52 Wochen lang, 12 Monate hin fort. Terror, wie er in den schlimmsten Alpträumen eines Verkehrslärmgeplagten hätte nicht dargestellt werden können.
Gestern Abend zeigte nun das WDR Fernsehen jene Dokumentation im Rahmen seiner Reihe " Die Reportage ". Ich konnte mich nicht mehr exakt an jene vielen Sequenzen erinnern, die eindeutig wieder geben, unter welchen Lärmbelastungen die Bewohner und auch Besucher des sich auch dort wunderbar idyllisch zeigenden Rheintals heute leben müssen. Aus dem Unesco-Weltkulturerbe " Oberes Mittelrheintal " ist sukzessive eine Lärmhölle geworden. Der Bericht zeigt auf, wie der moderne Massenverkehr, selbst wenn er ansich eher klimafreundlich, per Bahn erfolgt, den dort lebenden Menschen und dessen unmittelbares Wohnumfeld zerstört. Was richtiger Weise über viele Jahrhunderte in Einklang mit der Natur gewachsen ist, wird durch den Lärmterroristen Deutsche Bahn zerstört.

In der Reportage kommen deshalb auf Sachverständige zu Wort, deren getroffene Feststellung nieder schmetternd sind. Es wird sich an dem Zustand in absehbarer Zeit nichts ändern. Die noch in der Erprobung befindlichen Lärm mindernden Bremssystem für die Güterzüge können allenfalls ab 2014 probeweise eingesetzt werden, sofern die zuständigen Stellen in Minden und Berlin dieses absegnen. Eine Übertunnelung kosten einige Milliarden Euro und wird von dem zuständigen Ministerium bzw. dem Minister Dr. Peter Ramsauer kategorisch abgelehnt; ebenso die Forderung, die Strecken links - und rechtsrheinisch durch Reduzierung der Güterzuganzahlen zu entlasten. Ramsauer will stattdessen diese Hauptverkehrsader noch weiter ausbauen und den Güterverkehr steigern. Ein perverses Ansinnen, wenn die heutigen Zustände zugrunde gelegt werden.

So wird in dem bereits mehr als zwei Jahre alten Bericht des SWR resignierend konstatiert:



"Wie mehr als in den Lärmschutz aber investieren Bund und Bahn in den Ausbau des Streckennetzes, um noch mehr Güterzüge auf den Weg zu bringen. So wird zur Zeit mit Hochdruck an der europäischen Güterfernverkehrsstrecke Genua-Rotterdam gearbeitet. Ab 2015 – nach dem Ausbau des Gotthard-Tunnels – sollen dann noch mal 20 bis 50 Prozent mehr Güterzüge – so die Schätzungen - durch das Nadelöhr Mittelrheintal rattern. Güterzüge mit einer Länge von bis zu 1.500 Metern. Ein Horrorszenario für die gebeutelte Region, in der jetzt schon immer mehr Dörfer aussterben, weil die Menschen flüchten. Dann – so Frank Gross von der Bürgerinitiative „Pro Rheintal“, könne man im Mittelrheintal einfach nicht mehr leben. Schon heute ist das Welterbetal eine aussterbende Region. Einzelne Gemeinden wie Stolzenfels oder Assmanshausen haben bereits bis zu 50 Prozent der Einwohner verloren und gleichen Geisterdörfern. Der Titel UNESCO-Welterbe wird im Mittelrheintal unter diesen Bedingungen nicht zu halten sein. Denn was ist eine Region noch wert, in der die Menschen nachweislich krank werden, weil es durch den Bahnlärm dauerhaft einfach unerträglich laut ist. "

So kommt der Zuschauer auch beim betrachten der Wiederholung dieser Reportage im WDR Fernsehen zu dem Ergebnis, dass hier mit aller Gewalt ein Landstrich verschandelt und nahezu entvölkert wird, wenn die Politik nicht bald Konsequnezen aus dem unerträglichen Lebenbedingungen zieht.

http://www.wdr.de/tv/diestory/sendungsbeitraege/2012/0723/durchzug.jsp

Deshalb haben sich längst Bürgerinitiativen gegründet, die auf die lebensfeindlichen Bedingungen in der von der Bahn verursachten Lärmhölle aufmerksam machen und Abhilfemassnahmen vorschlagen. Leider ist hier keine Lobby vorhanden, die Ramsauer und anderen Verantwortlichen mal so richtig den Marsch bläst.




Wenn einer eine Reise tut,.... III. Episode: Mir san mir am Starnberger See.




Da waren sie wieder, die eigentlich unbekannten BAB-Abfahrten auf der A93 in Richtung der Landeshauptstadt des Freistaats Bayern: Regnitzlosau, Marktdrewitz oder Pfreimd bishin zum berühmten Autobahndreieck Holledau; 276 lange Kilometer, an einer sicherlich landschaftlich reizvolleren Strecken innerhalb des südlichsten Bundeslandes. Die Hallertau, als größten Hopfenanbaugebiet in Zentralbayern bildet danach den Anschluss an die stark frequentierte A9 von Berlin nach München. Ich habe - symbolisch von dem Kollegen Octapolis ausgerichtet - auch dieses Mal einen freudigen Gruss des Bierkenners aus der Nachbarschaft hinterlassen. Als dann die auch gefühlten 276 Kilometer beendet waren, begann es wie aus Eimer zu schütten. Die übliche Sommerbaustelle, die sich bereits wenige Kilometer nach der Autobahnraststätte Holledau vor dem A9-Nutzer auftat, ließ die Stimmung sinken und den Glauben an ein sonniges Wochenende mit den Enkeln ins Wanken bringen.

So quälten wir uns in Richtung München, um am Autobahnkreuz Neufahrn die Blechkolonnen zu verlassen. Der letzte Rest der Strecke war denn nur noch ein Katzensprung. Da waren wir also, in dem Städtchen, dass längst zum Speckgürtel der Millionenstadt zählt. Dass hier nicht gerade ein sozial benachteiligtes Klientel wohnt und lebt, wurde mir wieder spätestens nach dem ersten Blick aus dem Fenster des Gästeschlafzimmers bewußt. Schmucke Ein - und Zweifamilienhäuschen standen dort gegenüber. Gepflegte Rasenflächen, adrette Vorgärten und ordentliche Gehsteige.Wenn auch nur versprenkelt, lugte eine weiß-blaue Rautenfahne an einem eigens dafür aufgestellten Masten hervor. Na, klar doch, Lokalpatriotismus muss sein. Ein Kirchturm im Sichtfeld, sagte mir darüber himaus sofort,dass ich mich eben in einem katholisch geprägten Bundesland, in Bayern, befinde.
Wenn unsere älteste Enkeltochter nebst Schwester im Schlepptau nicht das Wecken in den frühen Morgenstunden ( 7.00 Uhr? ) erledigt hätte, wir wären unisono durch das Glockengeläut im Kirchturm aus den Träumen gerissen worden. Ein hämmerndes Geräusch von mindetens 90 Dezibel durchdrang den Schlafraum. Aber, wir waren bereits vorher wach.

Die pfiffige Enkeltochter ließ den Redeschwall nicht ein einziges Mal abreißen, denn es gab ja auch viel zu erzählen. So oft sehen wir uns nun auch nicht! Recht hat sie, die Großeltern dann dafür umso intensiver mit dem Erzählen von eigenen Erlebnissen in Beschlag zu nehmen. Das gemeinsam Frühstück, dass ich jetzt beinahe routiniert, auf den Tisch zauberte, war wieder Anlass genug, um sich mitzuteilen. Jetzt war auch die mittlere Enkeltochter dabei; der Filius, mit seinen 1,5 Lenzen, hatte da andere Ansinnen. Ihm schmeckte es außerordentlich gut. Ich hatte den kürzesten Weg und die längsten Arme, um seine Bedürfnisse nach Eß - und Trinkbarem zu befriedigen. Inzwischen waren ihm dichte, dunkelblonde Haare gewachsen, die er als eine Art 60er "Pilzkopffrisur" trug. Ein bißchen sah er aus wie der leider viel zu früh verstorbene Ex-Gitarrist der Rolling Stones, Brian Jones. Ach, was, die Nostalgie ließ ich schnell beiseite. Er hatte einen gesunden Appetit, was wohl an dem guten Frühstück lag.

Gegen Mittag ging´s dann los: Auf zum Starnberger See. Ich muss gestehen, dass ich diesen nur durch die Vorbeifahrt auf der A8 her kannte. Eine Bildungslücke, wie sich schon bald heraus stellen sollte. Denn die Hinfahrt zum Gewässer, entlang des Olympia Parks und des ´72er Olympia Geländes, einschließlich des Olympia Stadions, in dem der FCB seine vielen Meisterschaften und mehr feiern konnte, war wesentlich interessanter. So kam denn auch das Gespräch auf den Weltstadt-Klub, das vergeigte CL-Finale " dahoam " und den Besuch der irischen Elternseite in jener ominösen Woche im Mai. Was ich bis dato nicht wusste: Der Schwiegersohn nebst Vater gesellten sich zu weiteren 79.000 Zuschauern in das Münchner Olympiastadion und noch weiteren Zehntausenden auf dem Gelände zum Public Viewing. So Fußball verrückt, wie Christopher, der irische Vater und Opa, nun einmal ist,denn er war selbst vor vielen,vielen Jahren Profi beim englischen Premier League Club Aston Villa, wollte er sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Tja, der Ausgang des Spiels ist nun längst Vergangenheit, die Dramatik der Niederlage des FCB " dahoam " abgearbeitet und die Schuldigen geschasst: der Manager Nerlinger war der Bösewicht; er musste gehen!

Aber, die Begegnung hatte noch ein Nachspiel: Tausende rot-weißer Fans standen schweigend auf dem Gelände, saßen weinend im Olympiastadion und schlenderten mit gesenkten Häuptern gen Heimat. Nein, was für eine Trauer. Wie konnte das nur geschehen? Einzig die Fans der Blues gröhlten, tröteten und sangen bis zum Morgengrauen; soweit sie nicht schnellstens aus der, sich in kollektiver Depression befindlichen Landeshauptstadt mittels unverzüglich gecharterter und mit einer Ausnahmestarterlaubnis bedachter Sondermaschinen bereits wieder auf dem Heimflug befanden. Getreu dem Motto: Nur weg mit den Spassverderbern!

Mir verlieh die vom Schwiegersohn erzählte Geschichte vom Olympiastadion-Besuch am CL-Endspielabend wahre Flügel. "Wer so arrogant auftritt, hat selber schuld, wenn er verliert. Die Chnacen haben sie auch nicht genutzt, weil Gomez ein Ausfall war; Schweinsteiger aber auch...usw.usf.", dozierte ich. Na, ja, mein Beileid hielt sich auch jetzt noch in sehr engen Grenzen. Die CL-Nachlese war gerade beendet, da hatten wir unser Ziel auch schon erreicht. Den Starnberger See vor den Augen, stiegen wir zu einem Spaziergang am Ufer aus. Hier also wohnt die Prominenz, die GEZ-Gebührenabzocker rund um jene angeblich Film - und Fernsehstars, wie:

Lauterbach,Glas,Wepper, aber selbst sie wohnen nicht direkt am See, denn da ist es exorbitant teuer. Hier lebt und zelebriert den Reichtum nur der wahre Geldadel:


http://www.zeit.de/2006/52/Starnberg

Und weil der See der fünftgrößte in der BRD ist, gibt es ja noch genug Platz für den Plebs, die vielen Besucher - so wie wir - und auch Sportler, wie Segler, Ruderer,Surfer.


Als wir dann in eine nahe gelegende Gaststätte einkehren, holt uns bald die Realität wieder ein. Die Preise sind zwar nicht gesalzen, dafür schmeckt das Wok-Gemüse viel zu lasch, aber um einige Euro höher als gewohnt. Nur die Bedienung war heimatlich geprägt; sie kam aus Chemnitz und lebt und arbeitet jetzt in München und an dem berühmten See der Milionäre, dort, wo Geld nach außen keine Rolle spielen sollte, die Straßen dennoch mit Teer und Split nur ausgebessert werden, die Nachbarschaftsstreitigkeiten das Amtsgerichts Stranberg überlasten, die angefochtenen Steuerbescheide den zu vielen Anwälten prima Gebühren in die Kasse spülen und der Verkehrsnotstand dann bereits nach wenigen Schneeflocken im heran nahenden Winter erneut ausbricht, wenn die öffentlichen Straßen zwar beräumt, bei den vielen Privatwegen jedoch ein Befahren mit den röhrenden Porsche - Mercedes - oder BMW - Kabrios unmöglich wird. Dann klingelt - wie oben im Bericht beschrieben - das Telefon bei der zuständigen Straßenaufsichtsbehörde heiß. Am Telefon ist dann meistens ein steuerzahlungsunwilliger Prominenter, der sich darüber beschwert, dass sein Vollkaskoanspruch gegenüber dem Staat, an den er ja keine oder viel zu wenig Steuern zahlt, nicht erfüllt wird und er wieder mit dem Jaguar oder sonstigen Blechbüchsen ohne Wintertauglichkeitszertifikat stecken geblieben ist. Ach, ja, die Stadt Starnberg hat die höchste Ärztedichte und damit die statistisch beste Relation zwischen Einwohner und niedergelassenen Medizinern. Warum wohl?




" Money talks " - bloß weg hier, dachte ich so und schaute auf einen vor meinen Füßen liegenden, von Gästen weg geworfenen Kassenbon. Hmmmh, für 2 Tafelwasser 5,20 € und 2 x Apfelstrudel 11,80 €, also 17,00 € ausgeben zu müssen, ist nun doch nicht gerade günstig - Starnberger See eben!

Montag, 23. Juli 2012

Wenn einer eine Reise tut,... II. Episode: Viktor Klemperer,Auguste Lazar und der sehr belesene Herr Leuven.

     (c)Beckstet - WIKIPEDIA

Der  Mensch ist ein Gewohnheitstier. Tier, deshalb, weil er sich oft so zeigt; mit niederen Instinkten agierend. Jetzt, wo der Sommer, die Ferien begonnen haben, die lustige Reisezeit in endlosen Blechkarawanen das Bild der Betonpisten prägt, die sonst der freien Fahrt für freie Bürger vorbehalten bleiben, kann es sehr oft erholsamer sein, mit dem Äquatorialbereich des eigenen Körpers zu Hause zu bleiben. Im eigenen Garten, an den Elbwiesen oder in der Sächsischen Schweiz ist es alle Male schön. Warum also sich auf " Malle " den obigen Körperteil verbrennen, das Geld aus der Tasche ziehen lassen ( die Spanier sind nämlich von einer Beinahe-Pleite bedroht, obwohl sie Europameister wurden ) und den Stress der An - und Abreise ( bei den Flügen ist es ähnlich ) über sich ergehen lassen?
Da der Mensch - wie oben ausgeführt - aber seinen Gewohnheiten ( die dann lieb und teuer sind ) nicht abhold werden darf, zieht es Millionen von Teutonen aller Altersgruppen und sozialen Schichten in die große weite Welt.

Dort - am Reiseziel - angekommen werden die Konsumgewohnheiten von zu Hause Maßstab getreu umgesetzt. Currywurst mit Pommes rot - weiß, Jägerschnitzel oder der gerade noch geduldet Döner werden als Essen in den Magen hinein gewamst. Auch die Flüssigkeitsvarainten sind bekannt: Bier ( am liebsten Pils ), Cola oder andere Hochprozentige dürfen nicht fehlen. Der Urlaub, die angebliche Erholung am Reiseziel, die besten Tage im gesamten Jahr verkommen schnell zu einer Sauf - und Fressorgie. Und, weil man ( frau aber auch ) die Gewohnheitstiere nicht nur auf der kulinarischen Seite in der Sonne braten lassen möchte, spricht man ( siehe oben ) auch deutsch! Holla, was will der Alemanne da noch mehr?

So vergeht Jahr um Jahr und den meisten der Gewohnheitstiere ist nicht klar, dass das Land ( bei immer mehr Bundesdeutschen: die Länder ), neben den drei Säulenheiligen Sonne,Meer,Strand, auch andere Sehenswürdigkeiten zu bieten hat. Diese bleiben jedoch im Verborgenen, denn dann müsste man ( sie oben ) denken oder es zumindest versucht, vielleicht so tun, als ob man ( siehe oben ) es tut.
Wenn ein Besuch eines Baudenkmals geplant ist, fällt es dem Touristen schon schwer, sich auf das dazu Gesagte zu konzentrieren. Da kommt häufig die Geschichte ins Spiel und da wird es wirklich kriminell. Was weiß der Durchschnittsmichel schon von der Historie anderer Länder? Nichts!
Wenn es dann noch um berühmte Personen geht, die vormals eine Stadt, eine Region oder ein Land geprägt haben, dann ist es noch schwieriger, seine graue Masse zu aktivieren. Bei  Personen der Zeitgeschichte ist es dann endgültig aus; nichts geht mehr.

Nachdem der normierte Pauschalreisende jetzt sein Fett abbekommen hat und dabei zu konstatieren ist, dass der einstige Sponti-Spruch aus den 70er Jahren " Wissen ist Macht, nichts wissen macht nichts! " dabei voll umfänglich zum Tragen kommt, kann es eigentlich - in Bezug auf die unterschiedliche Spezies des Touristen - nur noch aufwärts gehen. Und, tatsächlich, es gibt sie noch die Kulturreisenden. Ihre Zahl sinkt zwar stetig, da die Bevölkerung in diesem unserem Lande sukzessive vergreist und die Folgegenerationen an historischen Ereignissen, Fakten und Namen im Zeitalter des iphone -facebook - Gesumses hieran kaum Interesse bekundet. Dennoch, das Genre Reisen und Kultur existiert immer noch.

Auch in den Nachbarländern vollzieht sich eine ähnliche Entwicklung. Auch hier wird gegen den Bildungsnotstand gekämpft. Aber in den anderen europäischen Staaten sind die Bildungsreisenden noch vorhanden.
        (C)Klapae-WIKIPEDIA

Als am frühen Abend des 19. Juli 2012 in der unmittelbaren Nachbarschaft eine Besorgung zu erledigen hatte, begegnete mir dort  - eher zufällig - ein älterer Herr mit ergrauten Haaren und in einer legeren Kleidung, der mich nach einem kurzen Blickkontakt sofort ansprach. Er stellte mir die Frage, ob das Haus, vor dem ich den PKW abgestellt hatte, tatsächlich Viktor Klemperer gehört habe. Huch, nun musste ich einen Moment lang überlegen. Wo bin ich jetzt eigentlich und was hat diese Straße Am Kirschberg in Dresden mit dem mir bekannten Victor Klemperer zu tun? Er muss wohl meine leichte Unsicherheit in meinem Gesicht gesehen haben, denn der ältere Herr zog sofort einen handgeschrieben Zettel aus der Tasche und zeigte diesen mir. Dort Stadt es blau auf weiß: Am Kirschberg 19, Dresden.
Da dämmerte es mir. Auf den vielen Spaziergängen hatte mir meine geschichts - und ortskundige, bessere Hälfte von dem Literaten Victor Klemperer erzählt. Er wohnte bis kurz nach der Machtübernahme durch die Faschisten in jenem Haus " Am Kirschberg 19 " in Dresden. Dann musste er dort aufgrund der verbrecherischen Judenverfolgung mit seiner Frau, einer Nichtjüdin, ausziehen und das Anwesen einem lokalen Faschisten überlassen, wobei er den Umbau für jene einstige,nazionalsozialistische Geistesgröße auch noch aus seiner Tasche zu zahlen hatte.

http://www.das-neue-dresden.de/wohnhaus-victor-klemperer.html


Als ich mich mit einigen Fakten zu dem jüdischen Schriftsteller hervor tun konnte, war der letzte Rest der Reserviertheit bei dem Mann verflogen. Er outete sich als belgischer Staatsangehöriger, der in Leuven ( Löwen ) wohnend, hier als Tourist die Landeshauptstadt bereisen wollte. Aber nicht nur, um die üblichen Schmuckstücke unserer Stadt an der Elbe zu sehen,nein, er hatte es speziell auf diesen Schriftsteller abgesehen und offenbarte mir, dass er alle seine Bücher gelesen habe. Oh, jetzt musste ich etwas zurück haltender agieren. Damit konnte ich nicht dienen. Aber, mir waren eben noch jene biographischen Daten des Victor Klemperer in Erinnerung; schließlich waren wir vor einiger Zeit noch an seinem Grab auf dem Dölzschner Friedhof, der in unmittelbarer Nähe des benannten Wohnhauses liegt, gewesen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Victor_Klemperer

Die relativ kurze Unterhaltung wurde aber auch deshalb interessant, weil der belgische Besucher auch die weiteren Wohnadressen des Literaten aufgesucht hatte. Nun gab ich ihm mein Wissen über den Schriftsteller vollkommen weiter und erzählte ihm, dass er einst mit einer jüdischen Schriftstellerin mit dem Namen Auguste Lazar bekannt war, die wiederum eine längere Zeit in unserem Haus gewohnt hatte. Damals, als die Faschisten noch nicht an der Macht waren. Auguste Lazar erkannte die Absichten des Mörderregimes und emigrierte bald in die USA. Dort schrieb sie einige Bücher unter dem Pseudonym " Sally Bleistsift ", die durchaus erfolgreich verlegt werden konnten. Nach dem II. Weltkrieg kehrte sie nach Deutschland zurück und lebte weiter in Dresden. Eine Straße ist nach ihr benannt. Der Gast hörte mir aufmerksam zu. Ich sah in seinem Gesicht eine gewisse Freude, eine Erleichterung, dass es auch im Jahr 2012 noch beinahe Gleichgesinnte gibt, die die Historie nicht einfach wegklicken wollen.

Als ich ihm anbot, den Weg zum Dölzschner Friedhof und dem dortigen Grab des Schriftstellers Klemperer ein wenig zu verkürzen, und ihn bis zum Ende der Grenzallee in Richtung Friedhof mitnehmen zu wollen, dankte er mir mehrfach dafür. Ich hatte den Eindruck, mit Victor Klemperer verbanden ihn viel mehr als nur die von diesem verlegten Bücher, die der Gast aus Belgien allesamt gelesen hatte. Ich mochte ihn nicht dazu fragen, wollte nicht ins Fettnäpfchen treten oder ihn in Erklärungsnot bringen.
Aber aus meinen Aussagen, meinen Formulierungen und dem weiter gegeben Wissen, konnte er schon sehr wohl heraus hören, was meine Einstellung zu dem so genannten " Tausenjährigen Reich " und den dort lebenden Mördern und Verbrechern unter den Deutschen, aber auch anderen Völkern in Europa war.
Auch von daher könnte sich die Reise des älteren Herrn aus Leuven in Belgien gelohnt haben.