Haftung für externe Links - Datenschutz

Hinweis und Belehrung

Aus gegebenen Anlass erkläre ich hier durch, dass eine rechtliche Haftung für den Inhalt externer Links - unter Anwendung der bundesdeutschen Gesetze und der Rechtsprechung - ausgeschlossen ist. Ich distanziere mich ausdrücklich von Inhalten, die mittels Verlinkung in meinen Veröffentlichungen eingebettet werden und möglicher Weise gegen Rechtsvorschriften verstoßen könnten.

Da die Verwendung von so genannten Cookies auf diesem Blog nicht erfolgt, schließe ich auch die Haftung - aus welchen Rechtsgründen auch immer - ausdrücklich aus.

Beiträge mit strafrechtlich relevanten Inhalt, wie beispielsweise Volksverhetzung, Beleidigung, üble Nachrede, Bedrohung sowie das Verwenden von verfassungsfeindlicher Symbolik, werden unangekündigt gelöscht und den zuständigen Ermittlungsbehörden zur Kenntnis geleitet.

Donnerstag, 31. Mai 2012

" CAN " kennt keiner!

Der Deutschlandfunk galt einst für mich - auch wenn er inzwischen sein 50jähriges Dasein begeht - als Ausgeburt des westdeutschen CDU-Michelstaats. Daran hat sich bis zum heutigen Tage nicht sehr viel geändert; auch wenn der Sender sich - dem Zeitgeist gemäß - längst eine angepasstere Programmstruktur und ein neues Logo sowie eine umfängliche Internetpräsenz gegeben hat.Selbst wenn die inneren Feinde der Demokratie, die 68er, die K - Grüppler und Salon - Linken, gegen die der CDU - Vasallensender einst tatkräftig mittels Wort und und Musik zu Felde gezogen war, zum  überwiegenden Teil bereits den Vorruhestand oder die Pensionierung und Verrentung genießen, so sind deren Einflüsse auf das gesamt gesellschaftliche Gefüge zeitweise noch präsent.

Ob nun in in Wort, Bild und Schrift oder auf den ungezählten Tonträgern, die Ära der Wilden 60er und Nach - 68er ist zumindest hier für immer und ewig sowie bei Bedarf griffbereit und kann den apolitischen Generationen nach ihnen sodann um die Ohren gehauen werden. Immer getreu der Devise: Seht her, dass waren die Feinde der Demokratie gegen die wir erfolgreich gekämpft haben.

In jene Zeit des nicht nur gesellschaftlichen Umbruchs gehört auch eine Musikrichtung, die stylistisch betrachtet, ihre Auswirkungen in der heutigen Wegwerf - und Vergiß-Dekade jenen Musikmüll zwar nicht verkaufsträchtig bestimmt, jedoch an dessen Rändern durchaus durchklingen lässt:  der " Krautrock ".

Auch wenn einst nur vage Aussagen darüber, was " Krautrock " eigentlich ist, in der damaligen Szene getroffen werden konnten, so lässt sich im Umkehrschluss zumindest klar definieren, was diese Musik nicht war: Hitparaden - Schlagerscheiße!

http://de.wikipedia.org/wiki/Krautrock

Zum Genre der hierunter zu subsumierenden Vertreter des Elektro - Rock zählten vormals die Musiker der Kölner Gruppe " CAN ".  Diese Formation gründete sich 1968 und stach durch eine Vermischung von hämmernden Beats mit elektronischen Klängen hervor; womit das in Vinyl gepresste Produkt manchmal so gar tanzbar wurde. Jedoch nicht in Form des Disco - Fox oder anderer noch zur Beat - und Pop - Musik - Zeit aktueller Tanzstile, sondern vielmehr als wildes, ektasisch vorgetragenes Umherspringen, mit schlagenden Extremitäten und unkoordinierten Kopf - und Haarschopfschütteln ( neudeutsch: Headbanging ).


" CAN " spielten Stücke, die oft epische Längen einnahmen oder sich im Gegensatz dazu nicht mehr als ein Lückenfüller anhörten. " CAN ", das war solider, rhythmischer, aber auch a-rhytmischer Prog - Rock mit sphärischen Zwischentönen, das waren Gitarrensoli und Percussionseinlagen, das war ein eunuchenhafter Gesang des japanischen Vocalisten Damo Suzuki, ein knallharter Schlagrhythmus des Jaki Liebezeit, ein wummernder oder brummender Kontrabass von Holger Czukay, eine alles zerfetzende Gitarre von Michael Karoli und die von Irmin Schmidt flirrend, zirpenden Töne aus den elektronischen Utensilien, einschließlich der Orgel, was alleinallem ein instrumentales Tohuwabohu von diversen Klangkörpern ergab.

http://de.wikipedia.org/wiki/Can_(Band)

Der ganze Musik-Spuk endete dann nach einer Dekade irgendwann im Jahre 1978, als sich die Gruppe endgültig auflöste. " CAN " war auch viele Jahre nach dem Ende der gemeinsamen Schaffenszeit, Kult unter den " Krautmusikliebhabern ". Längst hatten die vielen Jahre nach dem Erwerb des " CAN " - Albums " Soundtracks ", bei mir jene fünf Musikantennamen in Vergessenheit geraten lassen.
Bis ich am 29.05.2012 - eher zufällig während des Fensterputzens - die Sendung " Corso " von eben jenem - von mir seit jeher mit einer kritischen Distanz besehenen - DLF anschaltete und darin ein Interview mit dem Ex - Gitarristen und Mitbegründer der Formation, Irmin Schmidt, hörte, der an diesem Dienstag sage und schreibe 75 Jahre alt wurde. 75 Jahre sind aller Ehren wert, denn Irmin Schmidt war auch nach dem Abgesang von " CAN " weiterhin im Musikbereich aktiv. Er komponierte nicht nur für " CAN ", sondern auch für andere Künstler; so auch klassische Stücke.

http://de.wikipedia.org/wiki/Irmin_Schmidt

Irmin Schmidt arbeitete häufig auch mit dem deutschen Filmemacher Wim Wenders zusammen
Seine kreativste Zeit aber, verbrachte er bei oder zusammen mit den weiteren " CAN " - Musikern, wozu zeitweise auch:

Malcolm Mooney - Gesang

Rosko Ghee - Bass

Reebop Kwaku Baah - Schlaginstrumente

zählten.


" CAN " war eigentlich keine herkömmliche Musikgruppe, sondern wohl eher ein Experiment, dass dann 1978 beendet wurde.
An diesem Versuch schieden sich bereits bei dessen Beginn die Geister. So kommt es nicht von ungefähr, dass in der Anmoderation des DLF-Redakteurs vor dem Interview mit Irmin Schmidt, ein damaligen Musikkritiker aus der Schweiz zitiert wird, der über " CAN " einen Kübel voller billiger Polemik ausgoß und sein faschistoides Gedankengut in Formulierungen wie: " Sie sitzen auf Stühlen, dabei wäre der Elektrische Stuhl für diese Musiker eher angebracht ", auskotzte. Selbst wenn Musik immer noch eine Frage des individuellen Geschmacks sein sollte, wäre es für den DLF - Freischaffenden angebrachter gewesen, diese, aus dem eigenen Archiv ans Tageslicht gezogene Uralt-Kritik an der Kölner Gruppe " CAN ", zumindest inhaltlich gerade zu rücken, damit nämlich jenes Häuflein an Zuhörern, die zu jener Zeit als die Musik von " CAN " populär wurde, noch Quark im Schaufenster waren, ein unverzerrteres Bild zu dem Realzustand der BRD - Gesellschaft erhalten können. Da reicht es nicht, im Anschluss an jenes Zitat eines intellektuell Umnachteten, eine positive Kritik zum Schaffen von " CAN " einzuflechten.

Das typische Verblödende an den Wortbeiträgen des einstigen, westdeutschen Propagandasenders DLF wird, mehr als zwei Dekaden nach dem Fortfall dessen eigentlicher Existenzberechtigung über deutlich: In dem Wahn der Programmverantwortlichen, dem Postulat der Ausgewogenheit vollends zu entsprechen, verschieben sich die hierzu erforderlichen Koordinaten des politischen Blickfelds, wie von langer Hand geleitet, ständig nach rechts. Sei´s drum!


http://www.dradio.de/dlf/sendungen/corso/1768969/

Irmin Schmidt indes feierte seinen 75. und  erinnerte sich vielleicht an jene 10 Jahre " CAN ", die er entscheidend mit geprägt hatte. Da waren zum Beispiel:

" !9.10 Uhr Natürlich ist´s ausverkauft. War´s schon Tage vorher. Im vollbesetzten Saal ist es so andächtig still, wie beim sonntäglichen Gottesdienst, wenn die Heilige Wandlung zelebriert wird. Obwohl sich hier mindestens 400 Menschen tummeln, und sich in ihren Sitzen räkeln, rauchen, mitgebrachtes Bier trinken und vor allem: kiffen. Trotzdem ist es andächtig still. "

- Zitatende -
Aus: " Die Angst der Feuerwehr vor der Unberechenbarkeit der Sprinkleranlage. Was bei einem Konzert von CAN passieren konnte in: Ulli Engelbrecht / Jürgen Boebers: Licht aus - Spot an! Schlaglichter auf die Musik der 70er Jahre, Essen 1995, S. 39.

Und während der Konzertrezensent sich noch über weitere Besonderheiten zu diesem " CAN " - Auftritt im Herbst 1973 auslässt, die von Haschisch - Wolken versüßte Raumluft beschreibt, den alsbaldigen Abschied des japanischen Sängers Damo Suzuki, der zu den Verbrechern der Sekte " Zeugen Jehovas " konvertierte, bedauert und die technischen Finessen im Zusammenhang mit der musikalischen Darbietung des Kölner Quintetts unter die Lupe nimmt, ohne dabei nicht unerwähnt zu lassen, dass " CAN " inzwischen einen kommerziellen Erfolg verbuchen konnte, als die Formation mit der Titelmusik des verfilmten Krimis von Francis Durbridge " Das Messer ", einen Hit landeten, erinnere ich mich beim Lesen jenes, aus einem Protokoll erstellten Aufsatzes zu dem einstigen " CAN " - Konzert, an das Selbsterlebte im Zusammenhang mit der Gruppe aus Köln.

Da war der ausgeflippte Nachbar, ein junger Mann, so etwa in meinem Alter, der eine Löwenmähne trug, abgewetzte Jeans favorisierte und einen non - konformen Umgang zu seinen Eltern pflegte. Wir nannten ihn mit Spitznamen " Fuchs ". Warum " Fuchs "? Das kann ich so genau nicht mehr sagen. Ich vermute es stand im Zusammenhang mit seiner politischen Gesinnung, denn er war Kommunist. Oder zumindest tat er so, als sei er ein Solcher. " Fuchs´" Eltern kamen irgendwo aus dem Süden der BRD. Ich befürchte, es war Bayern. Sie hatten schon reichlich Lebensjahre auf dem Buckel. Sahen auch so aus: alt, grau, träge. " Fuchs " hingegen war - im Vergleich dazu - dynamisch, chaotisch, freakig. Er setzte sich manchmal einen Lederhut auf, der die Form eines Stenson hatte, aber keiner war. Breitkrempig, mit einer Speckschwarte eingerieben, glänzte er in der Sonne. Oberhalb der Krempe umringte ein Flower - Power - Band aus Stoff das Teil. " Fuchs " war auch ein Musikfan, so wie ich.
Wir saßen Stunden lang in einem von meinen Geschwistern und mir eilends umgebauten Kohlenkeller und hörten aus einer zusammen geklaubten Musikanlage, die aus einem Uralt - Radio, dessen Empfangsteil abgeklemmt war, das als Verstärker diente, einer zusammen gesetzten Box, in der sich zwei Lautsprecher befanden, nämlich ein über dimensionierte Bass und ein Hochtöner, sowie einem von " Fuchs " zur Verfügung gestellten Plattenhobel, den wir provisorisch über die Eingangsbuchse des Dampfradios der Marke " Grundig " verbunden hatten, Beatmusik. Genauer gesagt: Immer dieselben LPs, die ich mir von meiner Ausbildungvergütung, die mir nach Abzug des Kostegeldes in Höhe von 50 DM noch verblieb, inzwischen zugelegt hatte.

Das waren damals: Steppenwolf " At your birthday´s party ", Jethro Tull " Stand up " oder Rolling Stones " Let it bleed ". Eines Tages erschien " Fuchs " mit einem Mädchen bei mir. Er hatte die Flamme wohl über die Mittelschule,die er in Bückeburg besuchte, kennen gelernt. " Fuchs " bat mich, ihm die Platten und den Plattenspieler zu geben, weil er mit der Kirsche zusammen Musik hören wollte. Räusper! Ich habe ihm das vielleicht noch abgenommen, aber meine Heiligtümer in Vinyl her geben? Nee! Er flehte mich dann aber so lange an, bis ich ihm - schweren Herzens - die Hand voll LPs übergab. " Fuchs " dampfte mit der - eher unscheinbar aussehenden - Mitschülerin in das gegenüber liegende Nachbarhaus ab.
An einen anderen Tag danach trafen wir uns zufällig am Gartenzaun. " Fuchs " sah richtig happy aus und erklärte mir, dass er die Platten und den Plattenhobel am Nachmittag wieder bringen würde. Darauf war ich denn doch gespannt. Und tatsächlich, er erschien am späten Nachmittag an der Haustür. Freude strahlend übergab er mir meinen Vinyl - Schatz und hielt dabei noch eine LP von " Jethro Tull " mit dem Titel " This was " in den Händen. Dabei faselte er etwas von Geschenk für mich, das er in Bückeburg bei " Pelzig ", einem Einzelhandelsfachgeschäft für Musikinstrumente, Platten und Fahrräder, gerade gekauft habe. Ich möchte die Platte doch mal unten im Keller abspielen. Gesagt, getan. " Fuchs " ließ bei den " Tull " - Stücken seine wilde Haarpracht wallen. Hätte ich nicht ganz genau gewusst, dass es " Fuchs ", mein Nachbar war, der sich zu dem scheppernden Sound der " Jethro Tull " - Stücke bewegte, ich ich auf dem ersten Blick denken können, es handele sich um den genialen Ian Anderson, den Frontman und Flötisten der Band.

Wir hörten uns die LP bis zum letzten Stück an und beschlossen danach, einen ausrangierten Lautsprecher in das Zimmer von " Fuchs " zu deponieren, daran zwei Stränge Klingeldraht, den ich aus dem Geräteschuppen meines Vaters geholt hatte, anzuschließen und den weiteren Lautsprecher dann mit dem Eingang des Röhrenradios zu verbinden. Am nächsten Tag setzten wir den Plan in die Tat um. Nach einiger Zeit waren die Installationsarbeiten abgeschlossen. " Fuchs " ging in sein Zimmer im Nachbarhaus und wartete. Ich legte eine LP auf den Plattenspieler und hörte zunächst nur das obligatorische Knistern, jenes sattsam bekannte Geräusch, das einen Vinyl - Anhänger zwar nicht unbedingt erfreut, aber längst Kult geworden ist. Dann dröhnte " Tull " los:
" Bam, bam,bam,bam, bam, bamma, bam bam...." knurte der Bass  von Glenn Cornick bei dem ersten Stück " A new day yesterday ". Anderson sang:

" My first and last time with you
and we had some fun.
Went walking through the trees, yeah! "

" Fuchs erschien sofort am Fenster und jubelte mir, als ich selbst ans Kellerfenster kam, euphorisch zu: " Jaaaaah, es geht! Es funktioniert! Jaaaaah!"

Anderson sang inzwischen weiter:

" And then I kissed you once.
Oh I want to see you soon,
but I wonder how.
It was a new day yesterday
but it's an old day now.
Spent a long time looking
for a game to play.
My luck should be so bad now
to turn out this way.
Oh I had to leave today
just when I thought I'd found you.
It was a new day yesterday,
but it's an old day now. "

Dann hatte es sich zunächst ausge"tullt", denn " Fuchs´" Mutter erschien im Zimmer und beschwerte sich lauthals über den infernalischen Krach aus dem überlasteten Lautsprecher. " It´s a new day yesterday ", so dachten auch wir beide und brachen das Experiment ab.

Einige Tage später trafen wir uns wieder im " Beat " - Keller. Ich hatte Berufsschule gehabt und war deshalb schon gegen 4 Uhr zuhause. In der Schultasche lag meine neuste Errungenschaft: Eine LP von " CAN " mit dem viel sagenden Titel " Soundtracks ". Filmmusik also, von Celluloidstreifen, von denen ich als Provinzei nie etwas gehört hatte:

- " Deadlock "
- " Cream "
- " Bottom "
- " Deep End "
. " Mädchen mit Gewalt ".

Es mag wohl an dem Umstand gelegen haben, dass mir das Stück " Spoon ", welches als Durbridge - Krimi - Titelmusik bekannt war und das ich als Single ständig mit abgeorgelt hatte, als im CVJM - Jugendheim unsere so genannten " Feten " liefen, immer noch gefiel und ich " CAN " zumindest hierüber kannte, und der sagenhaft günstige Preis von 12,90 DM für die Scheibe, dass ich mich zum Kauf entschloss. Fakt war aber auch: Die Songs kannte ich nicht. Woher auch, denn weder im provinziellen Bad Eilser - Umfeld der frühen 70er Jahre, zu dem auch das in einem historischen Gebäude untergebrachte " Kino " zählte, noch in der kleinstädtische Pendant in Bückeburg, das dortige " Residenz " - Kino hat je die oben genannten Filme gezeigt. Deshalb puhlte ich die LP aus meiner Akten - und Schultasche, zeigte sie stolz dem Nachbarn und zog dann die Vinyl - Scheibe aus dem Cover. Eher zufällig legte ich die B - Seite auf, die nur zwei Stücke enthält: " Mother sky " und " She brings the rain ".

Es knisterte nur leicht, kaum hörbar, dennoch störend, dann jagte ein Soundgewitter durch den Raum. Ein hammerharter Bass ließ die Membrane des dicken Lautsprechers beinahe zerreißen oder zumindest an der der Gummidichtung zum Lautsprecher - Korpus kleben. Eine verzerrte, fast Ohrenschmerzen verursachende Gitarre zerfetzte die Bassfiguren. Ein knüppelhart geschlagener Trommelrhythmus erfüllte den " Beat " - Keller, zerpflückt von zirrenden, flirenden, zirpenden Elektonikklängen. Dann setzte die bübchenhafte Stimme des Japaners Damo Suzuki ein und presste das Klangmonster auf die Erde:

" I  say mothers ain't too cool like mother sky,
I say mothers ain't too cool like mother sky,
I say mothers ain't too cool like mother sky,
I say mothers ain't too cool like mother sky.

I say mothers ain't too cool like mother sky,
I say mothers ain't too cool like mother sky,
Tell me for surprise if you're right,
Tell me for surprise if you're right.

Choooooooooo.

I say mothers ain't too cool like mother sky,
Tell me for surprise if you're right
And tell me for surprise of your life,
And tell me for surprise of your life.

Life and mother sky
And mother sky
And mother sky
And mother sky.

I say mothers ain't too cool like mother sky,
Tell me for surprise if you're right,
I say mothers ain't too cool like mother sky,
I say mothers ain't too cool like mother sky.

Talking to this end,
Talking to this end,
Talking to this end.

Shalaloooooooooo. "

" Fuchs " flippte völlig aus. Wie in Ekstase, wie im " Afri - Cola - Rausch ", wie eine wild gewordener Staubbesen aus den piefigen - miefigen 50ern, schüttelte er seine Löwenmähne hin und her. Immer wieder, Minuten lang - " I say mothers ain´t too cool like mother sky....." Damo Suzuki sang und sang und sang dieses immer wieder; bis das Klangwolkengebilde in sich zusammen brach und er leise vor sich her hauchte: " Choooooooooo...."

Nach 14 Minuten und 30 Sekunden war der ekstatische " Fuchs " ausgepowert, denn das " CAN " - Stück klang sacht, leise, ruhig aus; driftete ins Nirwana ab und ließ dem ebenso genialen Titel " She brings the rain " Platz.

" Leg noch mal auf!", forderte mich " Fuchs " auf. " Klar, mache ich! ", antwortete ich ihm wohl danach. " Fuchs " wurde " CAN " - Fan, obwohl er aussah wie Ian Anderson von " Jethro Tull ", nur ohne Bart und mit dunkleren, nicht rot-braunen Haaren. " Fuchs " lieh sich die Scheibe aus, weil unsere Lautsprecherverbindung technisch nicht das Wahre war und er den Ärger mit seiner frömmelnden und hinterm Mond lebenden Mutter scheute. " Mother sky " plärrte nun auf seinem Plattenhobel rauf und runter; Tage lang. Irgendwann wollte ich dann meine " CAN " - LP wieder haben. " Fuchs " sinnierte plötzlich nach einer Lösung. Ein Relais zur Regelung der Lautstärke sollte es sein, damit die Rockmusik nicht der Hinterwaldmutter, damit " Mother sky " und all die anderen Juwelen in meinem winzigen Fundus, nicht der Kirchen - Mutter weiter auf den Zwirn gehen; zumal sein jüngerer Bruder, der genau das Gegenteil von dem darstellte, was " Fuchs " verkörperte, nur klassische Musik liebte.Ein angepasster Milchreisbubi eben, der aufgrund von Kinderlähmung, die er bekam, weil seine klerikal - verbohrten Eltern ihn nicht impfen ließen,sein rechtes Bein leicht hinterher zog, ein Schulstreber dafür, mit lauter Einsen auf der Oberschule, dem " Adolfinum " in Bückeburg, der " Fuchs " nämlich ständig als Vorbild unter die Nase gerieben wurde.

Leider zerschlug sich unser Vorhaben, die Lautsprecherleitung technisch zu verbessern, dann nach einigen Tagen. Der permanent besoffene Vermieter, unser Nachbar, der rechts neben uns einen weiteren Gebäudeklotz hoch gezogen hatte, ein Maurer, wie mein Vater, ein Heimatvertriebener aus Ostpreußen, der mit seiner Sippe für dauernde Zwistigkeiten sorgte, hatte die beiden Klingeldrahtadern kurzer Hand aus dem Boden gerissen und " Fuchs " untersagt, die Leitung wieder zu installieren. Das Oberarschloch von nebenan war bereits zu jener Zeit Vorruheständler und ernährte sich tagsüber über wiegend von Sprit, den er bis zur Besinnungslosigkeit am Abend konsumierte. Im Vollrausch hatte er dann die bekannten Ausraster. Einer davon war die illegale Zerstörung unseres Lautsprecheranschlusses.
Wir waren sauer und ich schwor mir, dem versoffenen Scheißkerl es später bei Gelegenheit heim zu zahlen.

" Fuchs ", der " CAN " - Fan mit Anderson´scher Haarpracht zog mit seinen Eltern und den beiden Geschwistern - eine Schwester, die aussah, wie eine Zensi aus Oberunterammergau in Bazi-Land - war auch noch dabei, wenig später bei dem Besuffski aus und wohnte danach in einem Nachbarort. Ich traf ihn noch einige Male in Bückeburg und auf Feten im Jugendheim. Danach verloren wir uns aus den Augen.

Ähnlich verlief die Musikfreundschaft zu einem Wolfgang Stuwe, der einige Straßen entfernt, in Bad Eilsen auf einem Bauerhof wohnte. Wolfgang war Technik - Freund und hatte zu jener Zeit, als " CAN " Musik am Fließband produzierte, die Doppel - LP " Tago Mago " für 29 DM gekauft. Wir trafen uns einige Male, um die Scheibe bei ihm zu hören. Wolfgang besaß zwei Verstärker mit jeweils 140 Watt von " Quelle Universum ", vier Dual - Boxen zu je 100 Watt und ein selbst zusammen geschustertes Mischpult, das aus Bausteinen, die er bei " Völkner Elektronik " per Versand bestellt hatte, bestand.

Wolfgang legte nun die erste Scheibe aus dem Doppelalbum von " CAN " auf seinen teuren " Dual " - Plattenspieler auf, setzte den " Lenco Clean " - Arm auf die Einlaufrille der Platte und ließ den gedämpften Tonarm herunter gleiten.
" Paperhaus ", so heißt das erste Stück auf der " CAN "´schen LP. Ein über Siebenminutenstück. Es folgten " Mushroom " mit knapp vier Minuten und " Oh yeah ", das ebenfalls sieben Minuten Spielzeit vorweist. Dann war die A-Seite der 1. Scheibe zu Ende.
" Na, ja, nicht unbedingt mein Geschmack. ", dachte ich mir.
Wolfgang merkte dieses und legte postwendend die B - Seite der 1. Platte auf. " Halleluhwah ", so heisst der Titel. Ein fetziger Rhythmus knallte aus den vier Boxen. Wolfgang gab jetzt richtig Gummi und drehte weiter auf. Ein Beben durchzog den Raum. Wummernde Bässe, krachende Schlaginstrumente und ein zirpendes Tongemisch entlud sich aus den vier Boxen.


Plötzlich stand Wolfgang´s Stiefvater in der Tür. Ein Gnom von Statur, allenfalls 1,60 m und schmächtig, aber aktiver Landwirt. Er nuschelte und krächzte Etwas, was ich wegen den Höllen - Lärm von " CAN " sowieso nicht verstand. Stuwe wohl auch nicht und deshalb pegelte der, als das Männlein ein paar Schritte auf uns zu kam, den Lautstärkeregler des Mischpults herunter und schrie: " Los, raus!" Der Zwerg machte auf den Hacken kehrt und schlug die Tür hinter sich zu, als er den Raum von Wolfgang verließ.
Der grummelte irgendetwass von " Idiot " oder so und drehte wieder auf. Jaki Liebzeit´s hämmernder Schlagrhythmus füllte den großen Raum: " Dadadatatadatatat!....", krachte es aus der Anlage. Dazu sang Damo Suzuki einen Text, den ich auch Jahrzehnte danach nicht verstand:

" Did everybody see this snowman standing in the wind alone?
When mother did that, pick his head and you're feeling sleepy at
It's my recording, stitch remain but I record in his head
Knowing that too big mouth, oh, ice can flow away, no one knows
Oh, shadow coming out while I call the story, storey that
Oh, sample all about spinning that all the time
My powers strike me out, did I slip this thing on their life?
And my god buying out, oh, it gets me inside

Searching for my brother, yes, I am
Searching for my brother, yes, I am
Searching for my brother, yes, I am
Searching for my brother, yes, I am

Did you see the day? Every fever may I search in
We can find now harder steam, change his kind, fly away

Oh, they're all alone there, let me in
Oh, she asked me the first day for my name
So she wasn't going where I was singing
Mushroom head, oh yeah, paperhouse, I went day, first the game
It wasn't a game after this
Moon shadow coming out while I call the story, storey that
Oh, it's all about spinning that all the time
Shoot all the proof and lust and shout and it's all, just you sow
Shoot all the proof and lust and shout and it's all, just you sow
Shoot all the proof and lust and shout and it's all, just you sow
Shoot all the proof and lust and shout and it's all, just you sow

Searching for my brother
Searching for my brother, let him, let him, let him up
Searching for my brother, let him, let him, let him up
Searching for my brother, let him, let him, let him up
Searching for my brother, let him, let him, let him up
Lalalalalalalalalala, let him up
Lalalalalalalalalala, let him up
Lalalalalalalalalala, let him up
Lalalalalalalalalala, let him up

Ash you and the hills are blue and she's so
Got my fever, why do I go? Got my fever, why do I go?
Got your soles into your shoes
Got my fever, why do I go? Got my fever, why do I go?
Lalalalalalalalalala, let him up
Lalalalalalalalalala, let him up
Lalalalalalalalalala, let him up
Lalalalalalalalalala, let him up
Lalalalalalalalalala, let him up
Lalalalalalalalalala, let him up
Lalalalalalalalalala, let him up
Lalalalalalalalalala, let him up
Lalalalalalalalalala, let him up
Lalalalalalalalalala, let him up
Lalalalalalalalalala, let him up
Lalalalalalalalalala, let him up
Lalalalalalalalalala, let him up "

Ein klasse Song. Eine Ohrenweide für den Hardrock - Liebhaber. Dann das eingestreute Wah-Wah - Pedal - Spiel von Michael Karoli. Spitze! Das war mein Geschmack! Das ist aber auch " CAN ". Musik aus dem Experimentierkasten. Sound - Collagen vom Allerfeinsten. Tanzbar, na klar! Damals schon!

Nun, die anderen drei Stücke, die Wolfgang mir von der DLP kredenzte, nämlich waren zum Teil in ähnlich epischer Länge, wie das 18:32er Stück " Halleluhwah ":

" Aumgn " auf der A - Seite der 2. Scheibe hat eine Spielzeit von 17: 22, " Peking O " auf der B - Seite von 11:35 und der letzte " CAN " - Titel auf diesem Album " Bring me coffee or tea " immerhin noch 6: 47.
Dann hauchte " Tango Mago " sein Leben in der Stuwe´schen Großanlage aus. Ich war beeindruckt. " Halleluhwah ", aller erste Sahne: " Wah,wah,wah,wah, wah,waaaaaaaah,waaaaaaaaah, waaaaaaaaaah!"


Die Jahre verflogen. Ich hatte keinen Kontakt mehr zu dem Bauern - Stiefsohn Wolfgang, zumal der sich später noch in der Junge Union engagierte. No - Go for me. Die Schwarzen auch noch! Never!
Als ich die Provinz verließ gehörte nur eine " CAN " - Scheibe zu meiner Sammlung. Auch später wurden es nicht mehr. Warum eigentlich?
Na, vielleicht, weil " CAN " - Musik sich nicht klassifizieren lässt. Kein Hardrock, kein Jazzrock, kein Pop. Schon gar kein 70er Jahre Mist a´la´" Sweet ", " Suzi Quadro ", " Bay City Rollers ", " Smokie " oder den Dreck von " ABBA " aus Schweden.

Erst vor 10 Jahren kaufte ich mir beim " PRO " - Markt in Bremen - Huchting das " CAN " - Album " Tango Mago " und jagte die Stücke durch meine 2 x 200 Watt Anlage mit den " Elac " - Boxen und dem Klotz von " Toshiba " - Verstärker.
" Wah, wah, wah, wah, wah, wah, waaaaaaaaaaaaaah, waaaaaaah, waaaaaaaaaaaaaaah!"

Zurück zum Konzert im Herbst 1973, irgendwo in Westdeutschland:
" 19.55 Uhr
Die Rauchschwaden verdichten sich. Würde man sie mit einem Messer schneiden können, ließen sich diese Blöcke durchaus als gemütliche Sitzgelegenheit für jene Zuhörer nutzen, die keinen Platz mehr bekommen haben und sich einfach auf den Boden legen. Als die Saalbeleuchtung ausgeschaltet wird, teilt sich der blutrote Vorhang......"

- Zitatende -
Aus: a..a.O., S. 40 -

" 20.10 Uhr
Czukay, der Bassmann, streift sich seelenruhig weiße Glacierhandschuhe über, packt sich energisch seinen Rickenbacker - Baß und ploppt ein monotes Riff. Erst fahrig, dann immer konzentrierter. Schmidts Orgel schaltet sich mit Rückkopplung dazu. Karoli kniet vor seinem Echo/Hall - Gerät, gleicht die Effektstärke mit der Lautstärke seiner Gitarre ab, während Liebezeit noch sehr verhalten, aber bereits mit Nachdruck die Felle seines Miniatur - Sets bearbeitet. "

- Zitatende -
Aus: a.a.O., S. 40

" 2014 Uhr
... Die Saaltüren öffnen sich nochmals, die Feuerwehr kommt herein: zwei Herren in Blau mit Walkie - Talkie. Sie streifen aufmerksam an den Sitzreihen entlang, bleiben hier und da stehen. Schnüffeln. Schauen. Und setzen sich dann nach ganz hinten. "

- Zitataende -
Aus: a.a.O., S. 40

" 20. 20 Uhr
Auf der Bühne bringen sich Can in Fahrt. Eine Improvisation über das Stück Future Days wird´s wohl werden..... Die Musik muß kontinuierlich fließen. Dann wird sie zu einem feingesponnenen Klanggeflecht. "

- Zitatende -
Aus: a.a.O., S. 40

" 20.25 Uhr
Kopf und Oberkörper vieler Zuhörer bewegen sich synchron zum starren Rhythmus. Eine vollkommene Einheit. Wir werfen nur zu gern unsere Gefühle auf den Gepäckwagen des Melodienzuges, den die Can steuern. Die Orgel kreißt.... Damo windet sich, quält sich glutturale Laute heraus, röhrt und röchelt, als wäre er nicht von dieser Welt...Michael tanzt dahinter, zerrt und zupft an seiner Klampfe... Handschuh-Holger hängt mit krummen Rücken vor seinem Verstärkerturm, stiert mit verklärten Augen ins Nichts und treibt unaufhaltsam Jaki, den Drummer, an.
-
 Zitatende -
Aus: a.a.O., S. 40/41

" 20.50 Uhr
Die Feuerwehr, schon etwas altere Semester, kann diesem sehr sinnlichen Konzert - Ereignis offenbar nichts abgewinnen. Man sitzt steif auf den Stühlen. Der eine gähnt und guckt auf die Uhr, der andere liest Jerry Cotton und kratzt sich mit einer Hand dauernd am Bein. Trotzdem sind sie auf der Hut, drehen häufig ihre Köpfe, blicken den Rauchschwaden hinterher, dann hoch zur Decke, zur Sprinkleranlage, dann wieder zur Bühne. "

- Ziatatende -
Aus: a.a.O., S. 41

" 21.00 Uhr
Plötzlich springt einer auf, rudert hektisch mit den Armen...

21.05 Uhr
Can bleiben unbeeindruckt von den hektischen Rennen und Rufen der Blauen.

21.13 Uhr
Als würde man aus diesem tiefen Schlaf gerissen, werden Zuhörer aufgeschreckt...
Das Publikum ist noch zu benommen, um phonstark zu protestieren, kommentiert aber die Feuerwehraktion mit spitzen Pfiffen....
Mit gurgelnden Geräusch bricht die Stromanlage zusammen.
Der mit dem Funkgerät schiebt Suzuki zur Seite, entschuldigt sich kleinlaut beim Auditorium: Tut mir leid, daß wir das hier unterbrechen müssen. Aber ihr müßt sofort mit dem Rauchen aufhören, sonst geht gleich die Sprinkler-Anlage los. Das müßt ihr verstehen. Tut mir echt leid!"

21.18 Uhr
Jetzt werden die Buh-Rufe lauter.

21.10 Uhr
Die Musiker stehen irritiert und unschlüssig in ihrem Instrumentarium herum....
Und plötzlich heißt es lapidar:
" Wir spielen noch ein bißchen Spoon, und machen dann Schluß. Wir können uns nicht mehr konzentrieren....

21.40 Uhr
Und obwohl - was eigentlich jeder verstehen kann - jetzt alles vorbei, und kein echtes Can-Konzert mehr zu erwarten ist, legt das Quintett nun wie eine richtige Rockband los. Knappe zehn Minuten gönnen sie sich für ihr Gimme A Spoon in The Afternoon, zerreißen das Thema, kippen die Logik..."

- Zitatende -
Aus: a.a.O., S. 42

" CAN " kennt heute niemand mehr, es sei denn, er gehört zu denjenigen Auserwählten, die einst in eines ihrer legendären Konzerte hinein kam, die beinahe 3 Stunden Klangteppich erlebte und sich danach fragte: War es Musik aus einer anderen Welt? So, wie ich einst vor 40 Jahren.





Irmin Schmidt wurde am Dienstag 75 Jahre alt. Ein Veteran der experimentiellen Musik; Jaki Liebzeit durfte drei Tage vorher seine 74. begehen; er ist gebürtiger Dresdner. Und so schließt sich irgendwie der " CAN " - Kreis wieder. " Halleluhwah, gimme a spoon in the afternoon and bring me coffee or tea!"

Dienstag, 29. Mai 2012

Hummelflug

Die jetzt Fußball lose Zeit macht einem Anhänger des populären Rasensports so richtig rastlos. Was soll er denn am Samstagabend ab 18.00 Uhr von der Sportschau erwarten, wenn kein Fußball in den Ligen gespielt wird? Wie sieht denn das Programm des ZDF - Langweilers ASS eine Stunde vor Mitternacht an diesem Tag aus? Oder welche Berichte finden sich denn am Sonntag in der ZDF - Sportreportage oder in der danach folgenden ARD - Sportschau?

Ruhelos zappte ich denn auch am Sonntagnachmittag in den Kanälen herum, ehe ich dann doch bei der ZDF - Sportreportage hängen blieb und die brachte unter anderem einen Bericht über das Formel1 - Rennen in Monaco, dem Fürstentum und Reichen - sowie Steuerhinterzieherparadies. Da jagten die hoch gezüchteten vierrädrigen Monster in den engen und dafür eigens abgesperrten Gassen und Straßen herum und herunter. Einer gegen Alle, alle gegen einen und natürlich für Geld.

Wüsste ich es nicht, dass es sich dabei um Sport handelt, so hätte ich doch erhebliche Zweifel, dass dieses um die Runde fahren, einen Wettkampfaspekt haben könnte. Die High - Tech - Geschosse, die für Millionen konstruiert und im Rennen - bestenfalls - nach einer bestimmten Anzahl von Runden die Ziellinie überfahren, sehen schon Furcht erregend aus. Wenn sie dann am Start aufeinander losgelassen werden, sich touchieren, drehen oder so gar überschlagen.

Da sind riskante Überholmanöver zu sehen und ausgeklügelte Boxenstopps. Vor den Augen der monegassischnen Fürstenfamilie zeigt der Renn-Zirkus jedes Jahr wieder, was in ihm steckt: viel Moneten, Prestige und Technik.

Tja, und während in dem stark verkürzten Beitrag des ZDF über den Großen Preis von Monaco nur kurz und knapp der Rennverlauf geschildert wurde, erinnerte ich mich an eine Schilderung eines Bekannten aus Ostfriesland, der Ende der 90er und in den ersten Nachmilleniumsjahren zu den Rennen auf den Nürburgring und der Strecke am Hockenheim fuhr, um den Motorzirkus dort live zu sehen.
Billig waren die Eintrittskarten schon damals nicht, beschwerlich war auch die Anfahrt, denn der ostfriesische Fan musste bereits in den frühen Morgenstunden mit dem Zug aufbrechen, um rechtzeitig vor dem Rennbeginn einzutreffen.

Da hatten es die Rennsportfreunde, die sich rülpsend und laut furzend nach und nach zu ihm gesellten besser. Die wohl beleibten Herren, mit leicht ergrautem, oft schon sehr schütteren Haar oder Halbglatze waren bereits eine Woche vor dem Großereignis angereist, kampierten auf dem Veranstaltungsgelände im Zelt, Caravan oder Wohnmobil, grillten, soffen und gröhlten dort lauthals die Deutsche Nationalhymne, als mal wieder Michael Schuhmacher das Rennen gewann.

Nun, lange ist´s her! Michael S. fährt immer noch - oder exakter formuliert: schon wieder -, allerdings jetzt hinter den anderen, wie Vettel, Webber oder Alonso, Rosberg und wie sie sonst noch alle heißen, hinter her.
Immer mit dem gleichen infernalischen Krach der Motoren, die derart hoch getunt sind, dass ihr Geräusch sich anhört, wie ein Schwarm Hummeln, die gerade zum Hochzeitsflug ansetzen.
Es gibt sicherlich andere Sportarten, deren martialische Ausübungsweise und deren undurchsichtige Regeln, einen Laien zur Verzeifelung bringen. Rubgy etwa, American Football auch oder Baseball, sind für mich Böhmische Dörfer. Und das einschläfernde Plop.Ploooop,Plooooop, manchmal kombiniert mit orgiastischem Gestöhne der weiblichen Kontrahentinnen oder lautem Gegrunze der männlichen Pendanten, dürfte neben dem Halsverrenkungsaktivitäten der Zuschauer zu den eintönigen Sportarten gehören, die sich der Interessierte bestenfalls am Rande ansehen sollte.

So summten denn die Herren in ihren motorisierten Raketen noch immer über den Bildschirm, während ich die Kaffeemaschine anwarf und diese in Kombination mit den eigenen Betriebsgeräuschen, eine wahren Technomusik - Rhytmik produzieren: " Mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmhhhhhhhhh,mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmhhhhhhhhhh,mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmhhhhhhhhhhhhhhh,ratatatatatata,ratatatata,ratatatata!
Urheberrechtlich schützenswert ist dieser infernalische Lärm leider nicht, weil er nämlich - anders als der " Hummelflug " von Rimski - Korsakows, leider keine eigenen schöpferischen Gedanken wieder gibt. Muss er auch nicht, denn wenig später war der Gesumme eh vorbei!

Der Himmelsaufstieg

Der Pfingstsonntag des Jahres 2012 sollte eigentlich der Erholung dienen, dennoch entschloss ich mich, in einem Anflug von Wahnsinn, den bereits mit leicht rot gefärbten Früchten stehenden Kirschbaum zu besteigen. Nachdem die 6 m lange Aluleiter ausgezogen war, erklomm ich - sommerlich leicht bekleidet - den uralten Baum, um beinahe in der Spitze der Krone angekommen, meine zarten Finger nach den begehrten Köstlichkeiten auszustrecken. Rein vorsorglich hatte ich den Plasteiemer der Enkelkinder als Behältnis für die Kirschen auserwählt, denn - nachdem unsere gefiederten Freunde in schöner Regelmäßigkeit den Kirschbaum angeflogen hatten, um dort zu wüten - war mein Optimismus, was die Beute angeht, eher gedämpft. Tatsächlich waren jedoch meine Bedenken eher unbegründet, weil sich der Reifegrad der Rotfrüchte eher als ausbaufähig zeigte und die Anzahl der Früchte doch noch zufrieden stellend war.

Nach einer halben Stunde war das Sandeimerchen voll und meine Mission für heute beendet. Erleichtert stieg ich die Aluleiter hinab und betrat wieder festen Boden. Solche Kletteraktionen sind nicht unbedingt das, was ein Mann reiferen Alters sich ständig antun muss, zumal die körperliche Fitness degressiv mit der Jahreszahl abnimmt und das dazu führt, dass bei jedem Schritt in die luftige Höhen des Baumes, zuvor dessen Gefährlichkeit gut abgewogen sein sollte. Da sich der Nachbar ebenfalls als Kirschesser geoutet hatte, teilte ich die vorläufige Ernte brüderlich und füllte ihm eine Plasteschale voll mit Kirschen.



Immerhin hatte der Baumaufstieg auch etwas mit aktiven Sport gemein, denn sämtliche Gliedmaßen und Muskel werden dabei beansprucht. So setzte ich mich denn auch ruhigen Gewissens an den Mittagstisch und verzehrte dort eine Portion Beelitzer Spargel; eine Köstlichkeit, deren Preis sich noch weit unter dem der Kirschen bewegt. So hatte ich für den Hausverzehr die erste, wenn auch nicht zuckersüße Ernte eingefahren und den aus luftigen Höhen in das Geäst des Baumes einfallenden, gefiederten Konkurrenten gezeigt, wer der wahre Herr der Lüfte ist.

Donnerstag, 24. Mai 2012

Ich wollt´, es wäre Nacht und die Roboter kämen!










Es gibt im Leben eines Menschen viele Dinge, die - je nach Interessenlage - sehr wichtig, wichtig oder eher unwichtig sind. Katalogisiert nun ein Erwachsener hiernach die vielen Verpflichtungen, die an ihn tagtäglich heran geführt werden, ein, so kann er mit diesem gewonnenen Wertigkeitgefüge für sich eine Entscheidung treffen, ob er eine daraus resultierende Tätigkeit sehr gerne, gerne oder gar nicht beginnt. Jenseits des notwendigen Zwangs zum Erwerb des schnöden Mammon, werden aber auch so genannte Hausarbeiten oder exakter: Haushaltstätigkeiten danach einzustufen sein.

Wer nun, wie eine erkleckliche Anzahl in diesem, unserem Lande, ein Eigenheim zu unterhalten hat,  ein Objekt durch vertragliche Verpflichtung unterhalten und instandhalten muss, der kommt oft nicht darum herum, regelmäßig wieder kehrende Arbeiten zu verrichten.
Ob nun das manchmal lästige Rasen mähen, das Hecke schneiden oder das Laub entsorgen, alle Jahre wieder, stellen sich jene Tätigkeiten und Aufgaben ein.

Das ist auch im Haushalt so. Nach dem Motto: Ohne putzen keine Durchsicht, begab ich mich heute in den Vormittagsstunden zunächst die obere Etage, um dort - bewaffnet mit Eimer, Lappen und Putzmittel, Zeitungspapier, Plastesack und Spinnwebebesen - einen verspäteten Frühjahrsputz aufzunehmen.
Geschlagene 4 Stunden benötigte ich, um in den beiden oberen Etagen die Fenster von jenen Hinterlassenschaften zu befreien, die Fliegen, blühende Bäume und Sträucher sowie der Regen verursacht hatten.

Eifrig wischte ich zunächst Scheibe nach Scheibe mit einem feuchten Lappen ab, presste aus diesem das restliche Wasser heraus, trocknete sie dann mit jenem Lappen oberflächlich ab und rieb sie mittels Zeitungspapier trocken. Mühsam, mühsam hangelte ich mich von einem Fensterflügel zum anderen und erreichte schließlich - schon reichlich ermattet - das Bad.

Tja, was soll ich sagen: Während mich die Begleitmusik von Camel, Jethro Tull und Iron Maiden zu waren Höchstleistungen inspirierte kam mir der Gedanke, dass es eigentlich hierfür auch einen Computer gesteuerten Roboter geben müsste; so einen, wie ich ihn in einer Meldung in einem noch heute Morgen gelesenen " SPIEGEL " gesehen habe. Ein aus Kunstsoff und Metall bewehrten Androiden, der je nach Bedarf, die unangenehmen, die lästigen, die Schweiß treibenden Tätigkeiten des Lebens erledigt. Dieses natürlich ohne zu murren, ohne 40 Stunden - Woche und Tariflohn.

Und während ich meine Reinigungsutensilien zusammen suchte, diese fein säuberlich in die untere Etage verbrachte, mich noch darüber wunderte, dass - wie auch in diesem Jahr - unser im Vorgarten stehende, wunderbar aussehende Goldregen, im wahrsten Sinne des Wortes, die Fensterscheiben und Rahmen mit gelben Blütenstaub vergoldet hatte, dröhte von oben her aus den 400 Watt - Boxen von JBL ( meinem heimlichen Schatz! ) der Titel der Gruppe Gasific, Gas & Electric mit dem viel sagenden Namen " Are you ready ? ". Ich sang aus voller Kehle und inbrünstig mit: " Yes, I´m ready! Yes, I´m ready! " - zumindest mit dem elenden Fenster putzen für heute. Dabei wünschte ich mir noch für den kommenden Tag - an dem geht es nämlich weiter -, dass es Nacht werde und eben jene Gartenroboter, umfunktioniert zu fleischlosen Fensterputzern, kämen.


Mittwoch, 23. Mai 2012

Rhododendron, eine vergängliche Pracht!


Laut WIKIPEDIA soll es weltweit 1.000 unterschiedliche Sorten von Rhododendren geben. Einige haben sogar giftige Eigenschaften.
Der einfliegenden Hummel dürfte das wohl egal sein.



Die Pflege der wunderbar blühenden Büsche ist zeit - und arbeitsintensiv. Vielleicht eher as für Rentner. Wer allerdings die Gehölze regelmäßig ausschneidet, wird dafür ab Mai fürstlich belohnt.





Es soll ja viele Zeitgenossen unter uns geben, die auf Rosen stehen und hier eine wahre Wissenschaft bei der Pflege der stacheligen Blumen entwickeln. Unser Fall sind die Dornen bewehrten Stöcke, die zwar auch herrlich blühen, indes nicht.



Während sich eine zweite Hummel brummend an der Blüte labt, kommen einige Erinnerungen an die vielen Spaziergänge im Rhododendron-Park in Bremen Horn-Lehe zurück. Ein wunderschön angelegtes
Areal, inmitten einer Großstadt. Inzwischen muss ein Besucher dafür Eintritt berappen. Ja, Bremen ist längst arm geworden und auch nicht so sexy wie Berlin.

Wer war eigentlich Daisy Door?







Beim Durchlesen eines kürzlich für sage schreibe 0,97 € zuzüglich 1, 45 € Versandkosten erworbenen Exemplars mit dem viel sagenden Titel " Licht aus-  Spot an! Schlaglichter auf die Musik der 70er Jahre " - dessen Autoren der Musikredakteuer Ulli Engelbrecht sowie Jürgen Bobers sind - erworbenen Buches, stieß ich bereits auf den ersten Seiten auf mir längst entfleuchte Lebensinhalte jener Zeit. Da waren das " Pillhuhn ", da waren " The Sweet " und " Clerasil " gegen Pickel sowie " Tampax " gegen die sonstigen, widrigen Umstände der Pubertät, wieder ganz nahe. Auch sonstige Ereignisse werden in dem - wohl eher als zeitgeschichtlich einzuordnenden - Buch plötzlich wieder präsent.
Die Olympischen Sommerspiele von 1972 in München und der Anschlag auf die israelische Equipe, das Sonntagsfahrfahrverbot wegen vermeintlicher Benzinknappheit, das Waldsterben, der Smog-Alarm in den Großstädten, die grell-bunten, taillierten Hemden, Schlaghosen und Synthetik - Pullunder usw. usf.

Und, siehe da, es tauchte bei der Musik von damals - neben den von mir gehörten Gruppen - auch ein Titel auf, der während einer Folge der - ansonsten eher beschaulichen - Serie " Der Kommissar " im ZDF lief: " Du lebst in deiner Welt ". Die Interpretin " Daisy Door ", brachte das Stück im Dezember 1971 heraus.
Es wurde ein Nummer Eins-Lied, obwohl die Sängerin zuvor kaum bekannt war und sich eher in der grauen Masse der Beliebigkeiten unter den Schlager-Mamseln abmühte.

Der durchschlagende Erfolg von Door entstand anlässlich der 39. Folge des ZDF-Dauerbrenners, in dem Erik Ode einen Kriminalkommissar mimt, der seit dem 3. Januar 1969 in beinahe monatlichen Abständen auf Verbrecherjagd ging. Zusammen mit weiteren, im öffentlich - rechtlichen Fernsehen regelmäßig erscheinenden Schauspielern, wie den Gebrüdern Wepper, brachte es die ZDF - Krimi - Serie auf beachtliche 97 Folgen, ehe sie am 30. Januar 1976 eingestampft wurde. Da sämtliche Episoden in schwarz - weiß abgedreht wurden, kamen die farblichen Geschmacksverirrungen der einstigen Jahre, die von der Flower - Power - und Beatbewegung geprägt waren, nicht richtig zur Geltung.

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Kommissar

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Episoden_von_Der_Kommissar

In diesem Umfeld spielte sich auch die 39. Folge mit dem viel sagenden Titel " Als die Blumen Trauer trugen ", den das Idee gebende Duo Ringelmann / Reinecker ( ein ehemaliger SS-Propagandist ) wohl in Anlehnung an den damaligen Zeitgeist in der Rockmusik-Szene spielen lassen.
Die Handlung ist denn einfach strukturiert und gibt tendenziell eher die Sichtweise der vom faschistischen Deutschland ab 1932 geprägten Elterngenerationen wieder.

http://home.arcor.de/poesenau/deutsch/joker.htm

Obwohl es sich um einen biederen Krimi aus einer Serie handelte, wurde das dort gespielte Lied " Du lebst in deiner Welt " ein so genannter One-Hit-Wonder, da innerhalb kurzer Zeit in Westdeutschland mehr als 500.000 Single dieses Songs verkauft werden konnten.

Auch wenn der Schlager-Tante " Daisy Door " damit ein Coup gelungen war, zeigte sich dieser Umstand jedoch - auf ihre Zukunft bezogen - als nicht Karriere beeinflussend. " Daisy Door ", mit bürgerlichem Namen Evelyn van Ophuisen, wurde am 30. Januar 1944 in Duisburg geboren. Sie versuchte sich im nicht mehr ganz so zarten Alter von 20 Jahren, nämlich ab 1964, im Show - Biz; zunächst unter dem Pseudonym Eve, unter dem sie zusammen mit ihrer Schwester Liane einige - erfolglose - Platten aufnahm. Ab 1967 spielte sie dann unter dem Künstlernamen " Daisy Door ", den sie in Abwandlung der US-amerikanischen Schauspielerin Doris Day kreierte, eine Reihe von Vinylscheiben ein. Die Titel, sämtliche verlegt von der Schallplattenfirma ARIOLA, fanden sich allenfalls in den Wurlitzer - Musikboxen in Kneipen, Kaschemmen oder billigen, piefigen Pinten wieder.  

http://de.wikipedia.org/wiki/Daisy_Door

Den Erfolg von " Du lebst in deiner Welt " hat die Duisburgerin wohl eher glücklichen Umständen zu verdanken. Damals saßen auch viele Jugendliche zum kollektiven Glotzen der platten und genau so dämlichen Unterhaltung, wie sie sich in abgewandelter Form tagtäglichen in den ungezählten Kanälen wieder findet, mit ihren von der Maloche gestressten Eltern zusammen, um eben fern zu sehen. Auch wenn der ZDF - Kommissar ziemlich altbacken daher kam, hatten einige Folgen sehr wohl einen sozial-kritischen Anstrich. Es wurden Generationenkonflikte, Jugendkriminalität und Drogenkonsum aufgegriffen und zu einer Standardhandlung verwurstet, innerhalb derer es meistens um Mord und Totschlag ging.
Die längst vorhandenen gesellschaftlichen Umwälzungsprozesse kamen allenfalls am Rande vor.
Immerhin zeigte die damalige Fernsehserie mehr Inhalte als viele amerikanische Müll-Serien davor und danach. "Daisy Door " indes half dieses nur wenig; sie lebt heute immer noch in der Pütt-Stadt Duisburg und hat wohl das Trällern aufgegeben.

Es war auch besser so.



Tja, und einige Tage nach ihrem gespielten Liedchen beim Kommissar kam meine um zwei Jahre jüngere Schwester mit ihrer Single in der Hand in unseren " Beat - Keller " und bat mich das Traktat abzuspielen. Wohl an, ich tat ihr den Gefallen. Ähnliche Ausreißer hatte sie einst auch schon mit dem verblödeten Anti-Drogensong " Am Tag als Conny Kramer starb ", der von der hübschen, aber völlig Talent freien Juliane Werding auf den Markt geworfen wurde und tatsächlich ein Hit wurde. Geändert haben weder Door´s noch Werding´s Sangeskünste meine stringente Abneigung zu dem Schlagermüll, wenngleich sich deren Schund - in einer variantenreichen Art und Weise vorgetragen - nicht mit dem Oberdreck von Blanco und Konsorten vergleichbar ist.



Dienstag, 22. Mai 2012

Stayin´Alive und so weiter und so fort...


                                                   AVRO- WIKIPEDIA
" Du kannst schon an meinem Gang erkennen, dass ich ein Frauentyp bin, da muss man nicht lange drum herum reden.
Laute Musik und warme Frauenkörper – das ist meine Welt.
Ich bin von klein an herumgeschubst worden, aber jetzt ist für mich alles in Butter – du brauchst dich nicht mehr um mich zu kümmern.
Wir könnten uns gemeinsam darüber Gedanken machen, welche Auswirkungen die Lektüre der „New York Times“ auf die Menschheit hat – wir können’s aber auch lassen...
Egal, ob du ein Bruder oder eine Mutter oder sonst was bist:
Sieh zu, dass du überlebst!
Fühl nur, wie die Stadt förmlich explodiert und alle zittern und beben –
wir jedenfalls überleben!
Klar, ich habe auch meine Höhen und Tiefen,
und wenn ich beides nicht haben kann, versuch’ ich’s doch wenigstens.
Ich habe Engelsflügel an meinen Schuhen.
Ich bin ein Tänzer, und das ist schon mal die halbe Miete.
Alles im Lot, verstehst du?
Ich lebe immer von Tag zu Tag.
Die „New York Times”? Komm, vergiss es…
Und wenn ich mal in einer Sackgasse lande, wird mir schon irgendwer helfen – zu überleben... "

Zu dieser Erkenntnis kam Tony Manero vor knapp 29 Jahren in dem Tanz-Schinken mit gleichem Namen, der von " Rambo-Rocky - Racheengel " Sylvester Stallone produziert wurde. Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Film war beschissen, floppte und gehört in die Tonne der großen Irrtümer des letzten Jahrhunderts gekloppt. John Travolta, beseelt von seinem Eintänzer-Erfolg " Saturday Nightfever " ließ sich dazu breit schlagen, erneut eine tuntenhafte Rolle als Disco-Table-Dancer anzunehmen. Nun, er hätte es auch so geschafft, für die Goldene Himbeere vorgeschlagen zu werden.
Was an Dämlichkeiten und hirnrissigen Dialogen in dem Kino der verblödeten 80er Jahre sonst noch produziert wurde, ist - verglichen hiermit - noch intellektuelle Hochkultur.
Wie auch immer, der Mist - 5 Jahre nach der Tanzorgie " Saturday Nightfever " wird auch nicht dadurch besser, dass die Bee Gees hierzu erneut den Soundtrack lieferten.

http://www.mcdustsucker.de/disco/alben/staying.htm

http://www.rottentomatoes.com/m/staying_alive/

Ich habe mir damals beide Tanz-Klopper nicht angeglotzt. Zum einen, weil ich keine Kohle dafür hatte, zum anderen, weil ich lieber zu einem Konzert von Thin Lizzy. Black Sabbath oder Birth Control gegangen bin.

Da Musik - bekanntlich - reine Geschmacksfrage ist, kamen mir die näselnden Brothers Gibb auch nicht mehr ins Haus. Der Eunuchen-Gesang zu S. N. oder auch " Stayin´Alive ", der in den öden Radio-Hitparaden rauf und runter gedudelt wurde, ging mir - gelinde gesagt - auf den Zwirn.

Schwann drüber!

20 Jahre danach, die noch dämlicheren 90er Jahre gingen in die letzten Runden, erwarb ich beim Tonträger-Versandhandel 2001 eine Doppel-CD der Bee Gees. Hierauf sind auch jene - klasse bis guten - Titel enthalten, die einst meine pubertären und prä-pubertären Jahre von 1967 bis 1969 umspannten; jener Zeit also, in der die Bee Gees ihre sensationellen Welterfolge feierten.

Der Bremer " Beat Club " ging auf Sendung und in jenen Jahren - noch als Schwarz-Weiß - Ausgabe - traten die Bee Gees dort in schöner Regelmäßigkeit auf. Als Fan der erstklassig aussehenden Moderatorin Uschi Nerke ( eigentlich war ich heimlich in sie ein wenig verliebt ) habe ich die Ausgaben auf dem  Monster -  Fernsehapparat  meiner Großeltern, der im Wohnzimmer stand, alle gesehen.
Da standen sie nun und sangen " New York Mining Disaster 1941 ". " Massachusetts ", " Spicks & Specks " oder " To love somebody " live oder es wurden auch Konserven der Hits " Words ", " World " und 1st. of May / Lamplight " eingespielt. In dieser Zeit entstand - bis zur vorläufigen Trennung 1969 - eine innige Verbundenheit zwischen Robin Gibb ( den anderen Gibbs wohl auch ) und der Redaktion von RB " Beat Club "; ja, vielleicht so gar eine Zuneigung zueinander.

Längst zu Weltstars aufgestiegen, hatten die drei Gibb-Brüder für ein Interview immer genügend Zeit, sofern ein RB-Redakteur bei ihnen höflich anklopfte. Sympathisch waren sie schon. Singen konnten sie alle Drei alle Male und gut aussahen sie auch, die drei Gibbs aus England, die ja eigentlich auf der Isle of Man geboren, ihre Kindheit und Jugend in Down Under verlebten, ehe sie nach England zurück kamen.

Der Kometen hafte Aufstieg der Gruppe, in der auch noch der Schlagzeuger Colin Petersen und der Rhythmusgitarristen Vince Melouney mit mischten, führte nach und nach zu einem extremen Vermarktungsdruck. Hinzu kam, das sie mit Robert Stingwood, der ihre Werke bei Polydor veröffentlichen und verkaufen ließ, ein Moneten geiles Oberarschloch unter Vertrag genommen hatten, der sie hetzte, trietzte und quälte.

http://de.wikipedia.org/wiki/Bee_Gees#1967.E2.80.931968:_Beginn_des_weltweiten_Erfolges

In den Jahren ab 1967 bis 1969 folgten Mega-Hits. Die eiheimische " BRAVO " - Hitparade bestand zeitweise aus vier bis fünf Single-Titel der Bee Gees. Dass führt natürlich dazu, dass die Kritiker immer mehr Oberwasser erhielten und - vielleicht auch völlig zu recht - von sanftem, schmalzigen Pop-Sound schrieben. Auch der " Beat Club " - Publikum wurde unruhig und ließ seinem Unmut, ob der Dauer-Präsenz der Bee Gees in der Sendung freien Lauf, zumal bei einer dort ausgeführten Zuschauerwahl des besten Titels die Formation immer ihre Nase vorn hatte.


Der Komet " Bee Gees " verglühte nach knapp drei Jahren im All der unendlichen Musikstücke und Gruppen. 1969 war dann vorläufig Schluss für die drei Gibbs, zumal sich auch noch persönliche Differenzen innerhalb der Gebrüder einstellten. Robin nahm eine erfolgreiche Solo-Karriere auf, an der er bereits zuvor gearbeitet hatte. Auch Maurice und Barry blieben durchaus erfolgreich im Geschäft und produzierten Musikstücke zu dem englischen Fernsehfilm " Cucumber Castle ".

Mitte der 70er kam dann die Disco-Welle auf und führte in der Zeit ab 1975 zur Wiedervereinigung der drei Gibbs. Die " Saturday Nightfever " - Hysterie führte zu einer wahren Explosion an Tanztempeln in der BRD, in denen natürlich die Stücke der Bee Gees nicht fehlen durften.
Zu Beginnder 80er ebbte diese Musikwelle ab, womit sich auch die Bee Gees eher rar machten.
Allein Robin hatte auch in den 80er Jahren noch weitere Erfolge, so mit " Juliet ".

1988 verstarb der jüngste der vier Brüder Gibb, Andy im Alter von nur 30 jahren an Herzversagen; 2003 wurde Maurice Gibb zu Grabe getragen, nun, am 20. Mai 2012 ist Robin Gibb, das eigentliche musikalische Hirn der Bee Geese an Krebs verstorben, nachdem er einige Jahre versuchte, die Krankheit zu besiegen.

" Stayin´Alive " - Das bedeutet auch: Überleben im Chaos, dass da Leben heisst. Fakt ist auch, selbst wenn ich mich nicht per se zu den Bee Gees - Fans zähle, dass die Gruppe einige Jahre lang Musikgeschichte geschrieben hat, es nur relativ wenig Skandale um die einst gut aussehenden jungen Männer gab und sie - trotz der vielen Millionen verkauften Tonträger - immer auf dem Teppich der Realität geblieben sind. Wer kann das heute schon von sich behaupten? " Stayin´Alive ", eben! Auch wenn es bessere Songs von ihnen zu hören gibt.




Howgh, hugh, ugh! - Wir haben gesprochen!



                                                                  Sitting Bull portrait, 1885. Photograph by David Frances Barry (1854-1934).-WIKIPEDIA


Tag drei der staatlich verordneten Fan-Trauer ( dieses Mal auch außerhalb des Weißwurst-Äquators ) für alle FCB-Anhänger nach dem vergeigten CL-Endspiel, an dem das eigentliche Leben ungebremst weiter läuft. SPON titelte: " Dahoam is dahoam: Im Orsch!" und macht aus dem Herzen der dortigen HSV und Pauli-Gefolgschaften keine Mördergrube. Warum sollen die Hanseaten - auch hier stoßen sie auf eine breite Zustimmung - zusammen mit der erklecklichen Anzahl von Bazi-Getreuen in Norddeutschland in die kollektive Tristesse des schematischen Trauerns einstimmen?
Und während das Heer der FCBler noch immer in Schockstarre verweilt, bereiten sich unsere (hmmh?) bundesdeutschen Elite-Kicker auf die Chaoten-EM in Polen und der Ukraine vor. Das einzig wahre Genie Mesut Özil und auch Sami Khedira sind mittlerweile auch im Trainingscamp ( warum eigentlich Camp oder Lager?  Dat is ein Acht-Sterne-Hotel mit Rund-um-Wohlfühl-Ambiente! ) eingetroffen.
Es fehlen nur noch die Bayern!

Die müssen sich noch einem unnötigen Freundschaftsspiel gegen die Niederlande unterziehen. Frustriert und wohl auch wenig motiviert kann es dabei nur um das Prestige gehen und um die Feststellung, ob die Goldene Ananas aus Caracas oder aus Bangkok stammt. Ob bei diesem - natürlich von der ARD - übertragenen Gegurke der Erkenntniswert, dass der FCB eben nicht das Maß aller Dinge im Fußball ist, nun doch zu relativieren ist, erscheint indes sehr zweifelhaft.
Der Holländer und einstige Weltklassespieler Johan Cruyff hat zwar den destruktiven Stil der Londoner aus Chelsea gerüffelt, jedoch gleichzeitig fest gehalten: " Wer drei Elfmeter nicht verwandelt, gewinnt eben nicht!"

Schluss, aus, basta!

Irgendwo im Verbund der bajuwarischen Dauer-Elegie aus den Mündern des Trio Infernale ( Beckenbauer - Rummenigge - Hoeneß ) und der Schönschreiber sowie Lobhudeler ( Marquort - Sport"BLÖD" - SPORT1 ) erinnerte sich ein Journalist daran, dass der eigentliche Skandal ja zuvor in Düsseldorf statt fand. Die Relegationsbegegnung zwischen der dortigen Fortuna und dem Berliner Klub Hertha endete wenige Minuten vor dem Abpfiff im Chaos, nachdem es zuvor in den Blocks der Gäste und später denen des Heimvereins zu Tumulten kam. Bereits am Freitag, den 18. Mai 2012 wurde die mündliche Verhandlung vor dem DFB - Sportgericht in Frankfurt anberaumt. Das Ergebnis daraus stand am darauf folgenden Montag fest: Der Einspruch gegen die Wertung des zweiten Spiels in der NRW - Landeshauptstadt wurde als unbegründet zurückgewiesen.
Die von den Herthanern behaupteten regelwidrigen Benachteiligungen konnten nicht bewiesen werden, stellte das Gericht fest.

Tatsächlich wollte der unterlegene Verein dem Spruchkörper weiß machen, dass viele seiner Profis durch die auf den Platz drängende Fan-Meute " Todesnagst " gehabt haben wollen. Hierzu lagen jedoch keine konkreten Fakten vor ( wir nennen dat einen unsubtantiierten Vortrag ), noch konnten ärztliche Atteste dazu eingereicht werden. Immerhin hatten einige hoch bezahlte Spieler noch so viel Mut, den exzellent leitenden Schiedsrichter Stark massiv zu bedrängen, zu beleidigen und so gar zu schlagen.
Da muss die eigene Angst wohl in den Allerwertesten gerutscht sein.

Der Hertha blieb nun die Möglichkeit bis am Dienstag um 24.00 Uhr Berufung einzulegen und eine weitere Verhandlung vor dem DFB - Bundesgericht zu erreichen.
Das hat der Verein inzwischen getan. Damit kann die Causa Hertha-Düsseldorf noch maximal zwei Instanzen in Anspruch nehmen, das DFB-Bundesgericht und zuletzt das Schiedsgericht des Verbandes.
Hoffentlich hat dann die liebe Seele Ruh´!
Ein Wiederholungsspiel wäre angesichts dieser üblen Holzerei in beiden Partien für den neutralen Fußballinteressierten eine absolute Zumutung.

Dann wäre auch die Hertha gezwungen, über die Zukunft, einen Neuaufbau und den Manager Michael Preetz nachzudenken oder, um es mit den Worten von Friedrich Gottlieb Klopstock zu sagen:



„Wer ihrer einer werden will, muß hauptsächlich zwey Eigenschaften haben, nämlich eine grosse Geschiklichkeit, sich sehr ausdrückend zu gebehrden; und dann ein gar besondres Larvengesicht, wobey vornämlich die Grösse und Gestalt der Nase mit in Betrachtung kommen. Der Hohnlacher muß ausser diesem (er kriegt aber auch mehr verewigte Maculatur zur Besoldung als die andern) eine sehr starke, und zugleich rauhe Stimme haben. Man pflegt wol den Schreyer von der Landesverweisung loszusprechen, und ihn zum Hohnlacher zu erheben, wenn seine Nase die erforderlichen Eigenschaften zu dieser Verrichtung hat.“

Howgh, ich haben gesprochen!

Montag, 21. Mai 2012

Das Duell im Ersten.



Nachdem die alte Dame " Tagesschau " die kollektive Trauer um das abgegangene CL-Endspiel " dahoam " in der bayrischen Landeshaupstadt in epischer Breite gezeigt hatte, der Polizeiruf die Ödnis der bundesdeutschen Fernsehkrimi - Landschaft erneut unter Beweis stellte, gab " the Master of Talk " sein Stell-dich-ein. Dieses Mal durfte nicht aus Mündern, Kehlen und mit sechs Stimmen gleichzeitig wirr durcheinander geredet werden, sondern es kam zum Duell nach US-amerikanischem Muster. Geladen hatte Meister " Mister " Jauch den möglichen K-Kandidaten Peer Steinbrück und den sich noch in der gleichen Partei befindlichen Ex-Finanzsenator und das Ex- Bundesbank -Vorstandsmitglied Dr. Thilo Sarrazin.

Der landesweit bekannte Provokateur hat ein weiteres Buch geschrieben, das demnächst veröffentlicht wird und den viel sagenden Titel trägt " Europa braucht den Euro nicht ". Auch bei dem neuen Buch des studierten Volkswirtes werden sich die Geister scheiden. Sicherlich nicht in jener oft unversöhnlichen Art und Weise wie es bei seinem reißerischen Werk " Deutschland schafft sich ab " der Fall war, aber Sarrazin kann auch damit alle Male Staub aufwirbeln.

Da saßen sich denn die beiden Wirtschaftsfachleute gegenüber und blieben - trotz der gemeinsamen Parteizugehörigkeit - beim distanzierten " Sie ". Nun ja, es ist nicht zwingend vorgeschrieben, dass sich Genossen duzen; insbesondere dann nicht, wenn sie mit ihren Meinungen Lichtjahre voneinander entfernt sind. Wie bereits bei den Diskussionsrunden mit dem Rabulistiker Sarrazin vor 2 Jahren anlässlich dessen Buchveröffentlichung, gab es Proteste im Vorfeld und so gar vor den edlen " Gasometer " in Berlin. Dieses ist der Wahl-Berliner ja längst gewohnt und so argumentierte er auch ganz im Stil seines Buches " Europa braucht den Euro nicht ".

Das im " Kopp " - Verlag erschienene Machwerk umfasst 350 Seiten und ist regulär für 22.99 € zu erwerben. Der Verlag selbst bewirbt den Schinken so:

"  Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin meldet sich nach seinem Sensationserfolg von Deutschland schafft sich ab jetzt erneut mit einem provokanten Buch zurück: Europa braucht den Euro nicht.
Mit der drohenden Staatspleite einzelner Länder hat der Traum von der Europäischen Währungsunion seinen Glanz eingebüßt und seine Risiken offenbart. Angela Merkels Diktum »Scheitert der Euro, dann scheitert Europa« versucht die Währungsfrage in einen größeren Zusammenhang zu stellen.
Das tut auch Thilo Sarrazin in seinem neuen Buch, aber auf andere Weise und mit anderen Ergebnissen. Er zeichnet die verheerenden Resultate politischen Wunschdenkens nach und stellt die Debatte vom Kopf auf die Füße.
Thilo Sarrazin ist einer der profiliertesten politischen Köpfe der Republik. Seine fachliche Kompetenz in Finanzfragen gepaart mit dem Mut, unbequeme Wahrheiten auszusprechen, hat ihn in viele wichtige Ämter gebracht. Zuletzt war er Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank. Nach der Veröffentlichung seines Buches Deutschland schafft sich ab schlug jedoch das mediale Inquisitionstribunal der »Heiligen Political Correctness« wieder zu und Thilo Sarrazin musste diesen Posten räumen. "

- Zitatende aus: http://www.kopp-verlag.de/Europa-braucht-den-Euro-nicht.htm?websale7=kopp-verlag&pi=117134&ci=000134&ref=adwords&subref=europa%20braucht%20den%20euro%20nicht

Im gleichen Verlag vertreibt auch Eva Hermann ihren neusten Schwachsinn mit dem Titel " Das Medienkartell " sowie eher unbekannte Autoren, wie ein Bruno Banduleit u.a. das Buch " Gebt uns unsere D-Mark zurück! ". Neben allerlei Blödsinn aus den Bereichen der UFOlogie, der Esotherik und sonstiger Pseudo-Wissenschaften, schlägt der in Rottenburg ansässige Verlag eine klare Linie gegen die angeblich " linke " Meinungsmehrheit ein.
Dass Sarrazin dort bestens aufgehoben ist, dürfte unstrittig sein.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kopp_Verlag

Zurück zu seinem Buch, das er inhaltlich auf eine Behauptung der Bundeskanzlerin Angela Merkel aufbaut, die einst propagierte " Scheitert der Euro, scheitert Europa !" und diese Hypothese mit dem üblichen Beiwerk von Zitaten sowie Statistiken zu sezieren scheint.

Sarrazin rechnet damit aber auch mit der gegenwärtigen Euro-Politik und den laufenden Rettungsmaßnahmen ab: „Wenn ein Land unter der Disziplin der gemeinsamen Währung nicht leben kann oder will, so soll es jederzeit frei sein, zu seiner nationalen Währung zurückzukehren.“, fordert der Autor und ist der Ansicht, dass durch die zahllosen vergeblichen Rettungsmaßnahmen längst „nach außen der Eindruck der deutschen Erpressbarkeit“ entstanden sei. Wenn die Währungsunion funktionieren solle, erfordere dies, dass sich alle Mitglieder „mehr oder weniger so verhalten, wie es deutschen Standards entspricht“.

Sarrazin analysiert in seinem neuen Buch aber auch die mutmaßlichen Lebenslügen der kriselnden Gemeinschaftswährung und erinnert  sich daran, wie es aus seiner Sicht zu dem angeblichen Desaster Währungsunion kommen konnte: Nach einer Serie von Vertragsbrüchen hätten die Rettungspolitiker um Kanzlerin Angela Merkel die Europäer mit einer Drohung auf ihre Seite zu ziehen versucht: „Scheitert der Euro, scheitert Europa.“ An dieser Behauptung verbeißt sich Sarrazin lustvoll – und will sie widerlegen. Das mag ihm vielleicht gelungen sein, denn Merkels Behauptung steht auf tönernden Füßen. Der Euro ist nur in einem Teil der EU Gemeinschaftswährung und hat bislang auch nur dort zu erheblichen finanziellen Verwerfungen geführt.

Sarrazin ist sicherlich ein  Finanzexperte, der weiß wovon er spricht. Er war 1990 im Bundesfinanzministerium verantwortlich für die Einführung der gesamtdeutschen D-Mark. Und er prognostizierte als einer der Ersten schon im Mai 2010, dass sich der Schulden-Dauersünder Griechenland als Problemfall erweisen werde: Die Sparpläne der Regierung seien „irreal“.
Er wehre sich deshalb  gegen die Tendenz, dass Deutschland jenseits des Euro auch noch die Schulden anderer Länder übernehme wegen der Schuld der Vergangenheit. Dieses alles behauptete Sarrazin den auch in der Diskussionsrunde bei Günther Jauch an jenem Sonntagabend.
Er forderte dort, dass zwischen den Finanzkrisen in den Ländern wie Griechenland und der Gemeinschaftswährung sowie deren Aufgabe als gemeinsames Zahlungsmittel und der angeblich vorhandenen Verpflichtung der BRD, für die Schuld der Deutschen aufgrund des Zweiten Weltkriegs differenziert werden müsse.

Während er mit dem Ex-Minister Steinbrück hierüber diskutierte,behauptete Sarrazin, dass schon Altkanzler Helmut Schmidt Ende 2011 auf einem SPD-Parteitag einen Bogen geschlagen habe von der deutschen Schuld am Holocaust bis hin zur gemeinsamen Währung. Steinbrück warf Sarrazin vor, Schmidt falsch zu zitieren. Schmidt habe gesagt, wenn die Ur-Motive der europäischen Integration und die deutschen Verpflichtungen aus der Geschichte nicht präsent seien, dann fehlten die politischen Voraussetzungen zur Lösung der derzeitigen prekären Lage in Europa. Dem stimme er voll zu, sagte Steinbrück: „Deutschland hat eine europapolitische Verantwortung.“ Daraus ergäben sich Solidaritätsverpflichtungen, um eine Erschütterungsdynamik in Europa zu verhindern.

Steinbrück warf Sarrazin eine platte ökonomische Analyse vor und nannte einige Thesen „Bullshit“. Der Euro bedeute nicht nur Binnenmarkt und Währung, sondern auch europäische Zivilisation.
Das eher komplizierte und komplexe Thema konnte in der Sendezeit natürlich nicht tief schürfend erörtert werden. Festzustellen bleibt aber dennoch, dass der Meister der Vereinfachung Sarrazin mit seinen nationalistisch angehauchten Forderungen und kaum belegten Behauptungen wieder einmal aus dem Dunstkreis der Stammtisch-Besucher jene Ressentiments hervor zieht und sie verkaufsträchtig unter seine vielschichtige Leserschaft streut. Was Sarrazin damit erreichen möchte dürfte auch klar sein: Griechenland oder auch andere schwächelnde Euro-Länder sollen aus dem Verbund heraus und damit den Euro selbst absolet werden lassen, damit die DM-Nostalgiker zum Zuge kommen.
Bei derart viel Naivität des Buchautors bleibt nur eins: Das Buch erst gar nicht kaufen!