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Freitag, 27. April 2012

Haue für die Piraten.


 (C) Der SPIEGEL

Jetzt hat doch tatsächlich der "SPIEGEL" den Freibeutern aus der " Piratenpartei" einen Titel gewidmet. Seit deren - als überraschend bewerteten - Einzug in den Berliner Senat am 18. September 2011 versucht die Medienmeute dem Michel zu erklären, woher diese 8,9 % Wählerstimmen her kamen.

Als gesetzter Repräsentant der Freiheitlich Demokratischen Grundordnung in Form ihrer Ausprägung des Organs der Rechtspflege hatte ich den rasanten Aufstieg der " GRÜNEN " selbst live miterlebt. Einst waren es in Niedersachsen die " Grüne Liste Niedersachsen " oder in Schleswig-Holstein die Grüne Liste Schleswig-Holstein ",  Hamburg die GAListen ( Grün Alternative Liste ), dann in Bremen die " Bremer Grüne Liste ".
Es folgte später die Gründung der Bundespartei.


http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCndnis_90/Die_Gr%C3%BCnen#Gr.C3.BCndung_erster_Landesverb.C3.A4nde_1979_und_der_Bundespartei_1980

Bei der Bundestagswahl 1980 reichte es mit nur 1,5 % der Wählerstimmen noch nicht für den Einzug in den Bundestag; was 1983 allerdings mit Überspringen der 5 % - Hürde gerade so gelang. Nach der Wende und der Wiedervereinigung fusionierten die " GRÜNEN " mit dem " Bündnis 90 " zu einer Bundespartei.
Seitdem hat sich diese als dritte politische Kraft in der BRD etabliert.

Aller Anfang war schwer.

Weil die drei/vier etablierten Parteien um ihre Pfründe fürchteten, gaben sie sich sukzessive einen Umwelt - und Naturschutz kompatiblen Überzug. Der konnte dennoch nicht verhindert, dass die " GRÜNEN " inzwischen zu einer festen parteipolitischen Größe geworden sind. Und dieses, obwohl die bürgerliche Presse und viele Medien siezunächst als " Spinner " abtaten und ihnen die Fachkompetenz in anderen Bereichen schlichtweg aberkennen wollten. Zu den Berufsskeptikern von einst zählten auch Redakteuere des Hamburger Nachrichtenmagazins " Der SPIEGEL ". Aber auch hier schlich sich langsam ein Meinungswandelungsprozess ein. Heute, als mehr als 30 Jahre nach der Gründung der Bundespartei, gehört die tägliche Berichterstattung über die "Öko" - Partei zur journalistischen Routine. Dem verfassungsmäßigen Auftrag einer ausgewogenen Programmgestaltung folgend, kommen die Berliner Spitzenpolitiker der " GRÜNEN " regelmäßig bei aktuellen Themen zu Wort.

Auch bei der Partei " Die LINKE " war es ähnlich.

Nun taucht seit 2011 eine neue " Gefahr " für die bürgerlichen Parteien auf: Die " Piratenpartei ". Für was sie inhaltlich eintritt, erscheint zunächst eher diffus. Netzfreiheit, also ein World Wide Web ohne Barrieren gehört zwar dazu, dürfte jedoch nicht der alleinigen Programmpunkt sein. Das wäre einfach zu dünn, um auf der poltischen Bühne in der BRD Fuss fassen zu können.
Die weiteren Programmpunkte sind :

- Stärkung der Bürgerrechte

- Transparenz des Staatswesens

- Änderung der Schutzrechte für geistige Erfindungen

- Freier Zugang zu Bildungseinrichtungen und Wisschenschaftlicher Literatur

- Ausbau der Internetstruktur

- In der Sozialpolitik: Sicherung der lebensexistenziellen Grundlagen; Verhinderung von Armut

- Freie Selbstbestimmung der geschlechtlichen Identität und Orientierung


http://de.wikipedia.org/wiki/Piratenpartei_Deutschland

Es fragt sich der potenzielle Wähler, warum er nur deshalb für diese Partei votieren soll. Ist es nun eine reine Protestpartei, die dem Zeitgeist gemäß, die vielen unzufriedenen, frustrierten oder unverstandenen BürgerInnen als Auffangbecken für ihre Partei - oder sogar Staatsverdrossenheit dient?

Parteien für sich betrachtet sind längst zu einem Sammelsurium sehr unterschiedlicher Interessen und Meinungen geworden. Die sklavische Treue zu den Parteioberen dürfte zur Vergangenheit gehören. Jeder sagt das, was er denkt ( sofern es eben nicht parteischädigend ist ) und macht das, was er kann. Meistens ist diese Tätigkeit auf das Produzieren sinnfreier oder zumindest unverbindlicher Worthülsen reduziert. Jenes Gelaber wird dann auch noch von den Medien verwässert, verfälscht oder in sonstiger Weise verunstaltet. Zu guter letzt kommt ein Meinungseinheitsbrei heraus, der die eigentlichen, die programmatischen Unterschiede der Parteien nicht einmal ansatzweise erkennen lässt.

Wenn das Hamburger Nachrichtenmagazin nun den " Neuen " von der Piratenpartei attestiert, dass sie keine Ahnung hätten, dann liegt es nicht so falsch. Viele der Parteimitglieder sind in der Tat ahnungslos. Das waren aber auch die " GRÜNEN " vor mehr als 3 Dekaden. Das Leben ist ein Lernprozess, damit lernt der Mensch eben auch nie aus. Und da Lernen in der Regel sinnvoll ist, werden auch die Damen und Herren aus der Piratenpartei alsbald diese Binsenweiheit erkennen und in einigen Jahren genauso Sprechblasen absondern, wenn auch mit einem anderen Inhalt, wie es Merkel und Konsorten bereits seit Jahrzehnten vorexerzieren.

Was die Damen und Herren " SPIEGEL " - Redakteure dazu treibt, den Piraten eine journalistische Breitseit zu verpassen, dürfte einem alten Leser dieses Magazins sofort klar sein. Die Piratenpartei wird in der kommenden Bundestagswahl die FDP verdrängen. Jene Partei also, der auch der einstige " SPIEGEL " - Gründer und Herausgeber Rudolf Augstein angehörte. Damit gehr eine parlamentarischer Dinosaurier aus dem Pfründesumpf der politischen Landschaft verloren. Vielleicht für immer. Aus eben dieser Tradition heraus, versuchen die " SPIEGEL " - Journalisten nun den Abgang der Gelb-Blauen zu verhindern.
Ob das gelingt?
Ich hoffe nicht, denn die Klientel-Vasallen um Westerwelle, Rösler und Niebel sind zur Lachnummer, sind zu Witzfiguren verkommen, deren Glaubwürdigkeit gen Null tendiert und deren politisches Konzept keines ist, weil es keines gibt.



Donnerstag, 26. April 2012

Auf geht´s Bayern, schießt ein Tor !"



Holla, da hat es doch den Titelverteidiger, den ruhmreichen CF Barcelona, den spanischen Fußball-Giganten erwischt. Der Favorit schied gestern Abend im Rückspiel gegen den englischen Verein FC Chelsea London - völlig unerwartet - aus.  Die überwiegende Mehrzahl der 95. 845 Zuschauer zeigte sich deshalb enttäuscht. Der nationale Meisterschaftstitel geht aller Wahrscheinlichkeit nach an den verhassten Konkurrenten Real Madrid. Da das Spitzenspiel " El Classico " am Samstagabend im Kessel des Camp Nou mit 1:2 verloren ging, gibt es  nur noch theoretische Chancen auf eine erneute Spanische Meisterschaft. Der Konkurrent aus Madrid hat 7 Punkte Vorsprung, bei noch 3 Pflichtspielen. Auch das Torverhältnis spricht zugunsten der Madrilenen. Da es aber in diesem Jahr die EM gibt, können sich die Nationalspieler der Katalanen doch noch einen wichtigen, zweiten Titel, denn Barcelona steht im Endspiel des Spanischen Fußballpokals, ans Revers heften.

Das tröstet indes wenige Fans des CF Barcelona, denn der ewige Konkurrent gibt im Vereinsfußball und vielleicht auch auf europäischer Ebene, den Ton an. Real Madrid spielt am 25.04.2012 im Rückspiel des CL-Halbfinales bekanntlich gegen den FC Bayern München. Die Mannschaft aus der bayrischen Landeshauptstadt hat ja das Heimspiel vor 8 Tagen knapp mit 2:1 gewonnen. Knappe Siege sind aber auch nach der europäischen Fußballarithmetik Siege.
Es könnte auch für den weiteren spanische Titelaspiranten heute Abend sehr eng werden.

Schießt der bundesdeutsche Konkurrent mindestens ein Tor, benötigt Real schon drei Treffer, um den Einzug in das Finale zu schaffen. Der Münchener Klub wird sich alle Mühe geben, dass er nicht auf die Schlachtbank landet, um von den Real-Metzgern dort nach allen Regeln der Kunst ausgeweidet zu werden. Mindestens ein Treffer ist dem FC Bayern München alle Male zuzutrauen; ob in der 1. oder der 91.+ 1, sofern die Madrilenen nicht danach mehr als 2 Tore schießen.     
.................


Und da verließen sie ihn!

Die Sonne im April, ein nicht so oft gesehener Gast, schaut durch das Wolkenbett und veranlasste mich zur Gartenarbeit. Schnell den Korb und Spaten heraus geholt und  das " Unkraut " ausgestochen. So verging gut eine Stunde. Der geplante Post gerät in Vergessenheit.

Dann lief ab 20.45 Uhr das " Schicksalsspiel ", dass von den Medien, der Nachrichtenmaschinerie zum " Spiel der Giganten auf Augenhöhe " hoch stilisierte Rückspiel in Madrid. Dessen Ausgang ist bekannt.
Wie formulierte es einst der völlig frustrierte Gary Lineker nach dem " Elfmeter - Krimi " England gegen Deutschland im Juli 1990?

Modifiziert könnte dieser Ausspruch seit gestern so lauten:
" Fußball ist oft grausam: Da rennen 120 Minuten 22 hoch bezahlte Männer einem Ball hinterher und im Elfmeterschießen gewinnen am Ende immer die Bayern!

Mittwoch, 25. April 2012

Am Ende war es eine Gottestrafe oder das programmierte Leiden des jungen Samuel K.



Es ist schon erstaunlich, was sich der der Zwangsgebührenzahler für fast 54 Euro im Quartal an flacher Unterhaltung und genormter Meinungsmache so ansehen und anhören muss. Da gab es doch am Sonntagabend zur besten Sendezeit den " Tatort " vom Hessischen Rundfunk. Mmmh, was war das eigentlich? Eine auf jung getrimmte Nina Kunzendorf , die im Schlepptau einen etwas bräsigen und einen - nach der vorläufigen Suspendierung - sich wieder im Dienst befindlichen Stinkstiefel Kollegen nehmen, im Frankfurter Hausfrauen - Prostitutiertensmilieu herum schnüffelte, dabei ein halbes Damenboutique-Angebot zeigt, die " Knarre " in John Wayne - Manier locker, lässig, schlabberig an der knallengen Hose herunter baumeln lässt und nach 1,5 Stunden einen " Irren " als Prostituiertenschlitzer präsentiert. Die Sawatzki und ihr fader Kollege waren schon abtörnend, die dunkelhaarige Schönheit als Hauptkommissarin ist es alle Male.

Dann kam Jauch. Er präsentierte ein Thema, dass es eigentlich nicht wert ist, dass darüber viel palavert wird. Es ging um das Schicksal der Querschnittslähmung. Der Alltag der vielen dadurch am Rollstuhl Gefesselten ist schwierig, die Reha-Möglichkeiten sind langwierig und die Heilungschancen oft minimal. Das Leben eines so Betroffenen, der/die meist durch Unfälle in allen Variationen, zu einem/einer Schwerbehinderten werden, ändert sich von einem Tag auf den anderen. Nichts bleibt so wie es einst war. Die Familie, die Angehörigen und das soziale Umfeld muss sich darauf einstellen.
Diese Erkenntnisse sind eigentlich von den Medien lang und breit veröffentlicht worden. Vielen ist das Schicksal von bekannten Persönlichkeiten, wie dem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble oder dem " Superman " - Darsteller Christopher D´Olier Reeve bekannt.
Was also soll eine Talk-Runde bei Günter Jauch in der ARD an Neuigkeiten bringen?

Als dann dem Publikum die Gäste des im noblen Gasometers statt findenen Small-Talks präsentiert wurden, war schnell klar, wohin der Dampfer fahren sollte.

Bereits einige Tage zuvor berichteten die Printmedien, dass der vor knapp 2 Jahren in der von Thomas Gottschalk moderierten Sendung " Wette,dass...?" schwer verunglückte Samuel Koch, ein Buch herausgeben wird, in dem er die Zeit nach dem Unfall bei Gottschalk beschreibt.Samuel Koch schreibt über Samuel Koch oder Samuel Koch lässt über Samuel Koch schreiben. Nichts außergewöhnliches eigentlich, wäre, ja wäre, da nicht die enge Freundschaft zwischen Gottschalk und Jauch. Gottschalk hat sich nach dem Koch´schen Unglück von dem ZDF-Langweiler endgültig losgesagt und erst einmal eine - notwendige - Schaffenspause eingelegt, ehe er bei dem Konkurrenzkanal  "Das Erste", also der ARD anheuerte, um dort eine bald grandios floppende Vorabendsendung zu moderieren, die im Juni eingestellt wird.

Ob Gottschalk sich für den Unfall von Koch verantwortlich macht, kann dem Glotzer der Quasselrunde bei Jauch eher egal sein, denn nach einigen Minuten wurde völlig transparent, wohin die Mehrheit des um Koch´s Schicksal palavernde Gäste-Quintett hin steuert: Der christliche Glaube als Allheilmittel gegen schicksalhafte Ereignisse im Leben.
Koch und seine Familie (geladen waren Vater und Schwester) geben sich als streng gläubig. Dazu wurde denn noch eine evangelischer Amtsträger  geladen; flankiert von dem einstigen MDR-Intendanten Udo Reiter - der selbst aufgrund eines Autounfalls seit vielen Jahren im Rollstuhl sitzt - und einem Münchener Chirugiespezialisten.

Es wurde viel lamentiert über die jeweiligen Schicksale von Koch und Reiter, über das Leben danach und die Heilungschancen und hierbei spielte auch der Glaube, Gott und dessen schöpferische Kraft eine gewichtige Rolle. Nicht, dass er bei der Suche nach dem weiteren Sinn des Lebens und einer versuchten Selbstfindung nach einem derartigen Schicksalsschlag, wie ihn eine wohl lebenslange - Querschnittslähmung in der Tat darstellt, auch das irdische Hilfsinstrumentarium vergisst,nein, er hat - nach dem mehr als 10 Millionen Zuschauer seinen spektakulären Unfall am 4. Dezember 2010 live miterleben konnten - sehr schnell registriert, dass die massenhaften Mitleidsbekundungen die Chance für einen Neuanfang bieten.

Unter dem Gesichtspunkt des " Business as usual " vermarkten die Kochs in der Folgezeit das Geschehene. Zunächst wurde aus dem Wettkandidaten mit seiner halsbrecherischen Akrobatennummer eine absolute Person der Zeitgeschichte, denn der Name Samuel Koch war nun über viele Wochen in der Nachrichtenindustrie präsent. Wie geht es ihm? Was macht er denn eigentlich? Ist er schon aus der Klinik raus? So fragt denn auch das Sprachrohr der billig und gerecht Denkenden TV-Gaffer jenseits der werberelevanten Gruppe von 49 Plus, die Springer-Feldhaubitze " BLÖD " - Zeitung. Kochs Schicksal wurde flugs mit der " Wette, dass... " - Sendung und dem inzwischen 60jährigen Jungbrunn-Moderator Thomas Gottschalk verknüpft. Scheitert der Koch so scheitert " Wetten, dass...? " und wird mit der Ikone aller Dauerredner Thomas G. zu Grabe getragen.

Koch scheiterte - vorerst -, Gottschalk ging - endgültig - und das ZDF als Hort des bräsig-biederen Unterhaltungsmülls, musste sich entscheiden, ob es das Flaggschiff nicht gleich mit versenkt. Nun soll´s Lanz, der Kochtopf - und Pfannen-Halbgott machen. Er talkt ja schon seit geraumer Zeit und gilt deshalb bei der CDU-Altherrenriege am Mainzer Lerchenberg als prädestiniert, das große Erbe des Thomas G. würdig auf die Abschussrampe zu führen, von wo der ZDF-Dinosaurier in Richtung Unendlichkeit zwischen Zeit und Raum transportiert werden soll.

Koch´s Manager und treu sorgender, christlicher Vater hat das erkannt und will noch schnell die notwendige Kohle für die kostspieligen Reha-Maßnahmen des einzigen Sohnes eintreiben. So musste der Herr Sohn denn - nach einer angemessenen Zeit der Aufarbeitung des Unfalls - einen Erfahrungsbericht über die Tage, Wochen und Monate nach dem Tag X aufs Papier bringen:

  • Samuel Koch,Christoph Fasel: Christoph:  Samuel Koch – Zwei Leben. adeo Verlag, Aßlar 2012, (Vorwort: Thomas Gottschalk, Nachwort: Michelle Hunziker ).
Dem kritisch betrachtenden Außenstehenden stellt sich dabei unweigerlich die Frage: " Wer braucht dieses Buch? " Sicherlich nicht die selbst von einer Querschnittslähmung betroffenen Mitmenschen. Denn diese Bevölkerungsgruppe hat - oft mit dem eigenen Schicksal hadernd - im täglichen Kampf um die Herstellung von Normalität, die latente Diskriminierung und um gesetzliche Ansprüche gegenüber leistungsrenitenten Versicherungen, genug mit sich selbst zu tun. So schrieb denn ein solcher Internetnutzer in einem der Foren:

"  ich sitze selbst seit 1998 im Rollstuhl nur das meine Lähmung etwa 10 cm tiefer ist als beim Herrn Koch. Die Ärtzte sagten mir damals das 2 Jahre nach dem Unfall eine Möglichkeit bestünde das sich das Rückenmark regeneriert. Geschehen ist in der Zeit kaum etwas. Einen Finger bzw. den linken Daumen konnte ich besser bewegen als nach dem Unfall.
Ich kenne dieses Interview nicht aber so ein gelaber "In diesem Interview entschuldigte sich Samuel Koch, nicht nur bei Thomas Gottschalk, sondern auch bei dem Publikum dafür, dass seinetwegen die sendung abgebrochen wurde" macht mich echt sauer. Er bekommt ja nun schon von aller Welt den Kopf getäschelt nach dem Motto "Du armer Samuel bist ja der einzigste Rollifahrer auf der Welt dem es beschissen geht" aber dann mit solchen Aussagen das Mitleid noch weiter aufsich zu ziehn kann ich nicht verstehen. Aber nochmal zu deiner Frage. Ein Christopher Reeve hat 9 Jahre lang an seiner Rehabilitation gearbeitet und hatte dafür sicher die besten Ärzte und Bedingungen die ein Rollifahrer haben kann. Dennoch hat er es bis zu seinem Tod 2004 nicht geschafft auch nur an Krücken zu gehn. Das allein zeigt das nur ein riesiges Wunder Herrn Koch, mich und tausende andere wieder auf die Beine bringen könnte... "

( Zitatende aus: http://www.wer-weiss-was.de/Anfragen/www_de/archiv/733926/neues-ueber-samuel-koch.html)

Bei aller Pietät, die ein gesunder Mensch einem von der Querschnittslähmung betroffenen, dann Schwerbehinderten, bei der Bewertung seines Schicksals entgegen setzen sollte: Fakt ist doch, dass die Aktion, der Stunt, die Wette hoch riskant war, der Verunglückte und seine Mitstreiter dieses wussten und niemand von Koch verlangt hat, sich dieser Gefahr auszusetzen, zumal es dafür keinen müden Euro gab.
http://www.lieblingsserie.de/serien-news/tv-verdienst-wie-viel-geld-kann-man-bei-casting-shows-und-reality-soaps-verdienen/

Hinzu kommt, dass der Wettkandidat wohl kaum eine Risikoversicherung abgeschlossen hat, die er nun in Anspruch nehmen könnte. Da stellt sich sofort die Frage, wer den kostspieligen Reha-Aufenthalt in der Schweiz bezahlt hat? Das ZDF? Thomas Gottschalk? Der einzelne Versicherte über die Solidargemeinschaft?
Wer einen Blick auf die HP von Samuel Koch wirft, erhält denn auch die Information, dass einige Spenedenaktionen für den Verunglückten angelaufen sind. Wohl bisher mit mäßigem Ergebnis. Bei aller Mitleidsheuchelei; beim Geld hört auch hier das Mitgefühl auf.

Deshalb musste eine PR-Aktion für das Buch von Samuel Koch gestartet werden und da schließt sich der Kreis wieder, denn die alten Netzwerkverbindungen funktionieren in einem solchen Fall immer noch glänzend: Tommy ruft beim Günni wegen einer Talksendung zum Thema " Querschnittslähmung " an, der legt bei den ARD-Verantwortlichen ein Konzept vor und schon sind 60 Minuten für 4.458,-- / Minute unter Dach und Fach. Man kennt sich eben!
Der Erkenntniswert für den Zuschauer aus dieser Sendung tendierte indes gen Null. Einzig der frankofreie Werbefeldzug für das Koch´sche Buch könnte den Sinn dieser Sendung gewesen sein.
Was dann noch der Amtsgläubige in der Quasselrunde zu suchen hat, erschliesst sich dem gelangweilten Glotzer ebenso wenig, wie die Tatsache, dass über sonstige so Verunfallte kaum geredet wurde. Einzig Udo Reiter, der Ex-MDR-Intendant aus Bayern, der mit einer illegal erworbenen " Smtih & Wesson " seinem Leben nach dem Autounfall erst ein Ende setzen wollte, kam - ohne Gottesfürchtigkeit zu zeigen - auf den Punkt: " Jeder ist seines Glückes Schmied! " und " Wer Pech hatte, sollte versuchen aus seiner Lebenssiutaion das beste machen. " Wie wahr, wie wahr. Nur auch diese Plattitüden gehören zum Allgemeingut innerhalb der eigenen Lebenserfahrung.

Bei allem Respekt, Herr Koch: Der Glaube soll zwar Berge versetzen; daran aber zu glauben, fällt indes immer schwerer, weil selbst die Gläubigen den irdischen Gelüsten und Privilegien nicht abgeneigt sind. Dass der medial aufgemotzte Unfall bei " Wetten, dass...?" am Ende noch eine Strafe Gottes gewesen sein könnte, dürfte deshalb völlig abwegig sein, denn;

  • "Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um!" - Jesus Sirach 3, 27





Montag, 23. April 2012

Eigentum verpflichtet und darf notfalls mit der Waffe verteidigt werden.




(c) Musikdieb edits by Kits an Jan Schejbal - Wikipedia

Dieses Wochenende hat es in sich. Zunächst ist - sehr erfreulich für alle Nicht - FC Bayern München - Anhänger - nicht der großmäulige Verein Deutscher Fußballmeister 2011/2012 geworden, sondern der eher bescheiden auftretende BVB 09 Borussia Dortmund.
Dann wurde in Froonkreisch der Staatspräsident gewählt und - da wird sich " Olga " Merkel grämen - der Gnom mit dem "Kärcher" in der Hand und der regiden Roma-Politik in der Tasche, wandert wohl aufs Altenteil.
Und - wer hätte das gedacht - die Freie Demokratische Partei (Deutschlands), auch noch bekannt als FDP, hielt in Karlsruhe ihren 63. Bundesparteitag ab. 63 Jahre gibt es diesen Haufen schon!

Als ich zuletzt heute Nachmittag den letzten Bericht über eben jenen Parteitag der FDP auf MDR Info hörte, glaubte ich meinen Ohren nicht zu trauen. Da klangen ja so einige Reden der "Milchreisbubis " um den Bundeswirtschaftsminister Rösler richtig kämpferisch. Lindner blaffte etwas von Aufbruch und neuem Profil, der wein-selige "Oldie" Brüderle phrasierte sinnfrei über den Verlust der politischen Mitte in jenem, diesem Lande und geißelte den Linksruck in der CDU ( Häh? Vieleicht war dann doch ein Viertele Wein zuviel im Glas! ), der dicke Wohlstandsbrocken Döring bedankte sich artig für seine Wiederwahl ( mit knapp über 72 % ) und Guido Westerwelle setzte sich für den Erhalt des geistigen Eigentums ein.
Friede, Freude, FDP!

Bei den kurzen Ausführungen von " unser aller " Guido habe ich ein wenig genauer hingehört, denn kurz zuvor war mir ein "SPIEGEL"-Artikel aus dem Heft 16/2012, S. 20 ff ) übel aufgestoßen.
Nicht, dass ich nichts anderes als von dem selbst ernannten "Linkenjäger " und agent provovcateur Fleischhauer erwartet hätte, wenn er sich - im Schlepptau zwei Jungspunte als Ko-Autoren -, über die linke Gefahr aus den Reihen der Piratenpartei auslässt, nein, die geistigen Ergüsse dieses zum Konservatismus konvertierten aus der Vergangenheit  lassen keine andere Wertung als " Dünnpfiff im Maßanzug " zu.

So auch dieses Mal. Fleischhauer und Koautoren versuchen darzulegen, warum sich aus den Reihen der Künstler und Intellektuellen wegen der diffus zur hiesigen Rechtslage stehenden Forderung der Piratenpartei das geistige Eigentum im Internet als gemeinfrei zu stellen, nunmehr erheblicher Widerstand bildet.

Als Beispiel wird eine 68er Ikone aus dem längst wohl verdienten Ruhestand bemüht, um den " Piraten " in der Partei, die Fleischhauer und Konsorten denn eher links der Mitte ( wo immer das sein soll ) sieht, ordentlich die Leviten zu lesen. Der Mitunterstützer der APO, der Studentenbewegung der Endsechziger Jahre und Ex-Marxist Hans Magnus Enzensberger, 82 Jahre alt, wird in diesem Zusammenhang mit banalen Fragen behelligt. Unterschwellig versucht "Linkenfresser " Fleischhauer dem Alt-Philosophen, vielfachen Buchautor und Essayisten des " SPIEGEL " und weiterer - einst - namhaften Publikationserzeugnissen unterzujubeln, er sei als - inzwischen - bürgerlicher Alt-Linker gegen die Piratenpartei, weil diese sich eben dafür aussprächen, dass sein Eigentum in Form von Wort und Schrift - natürlich ohne dafür zu bezahlen - in Besitz genommen nehmen werden darf.

Freies Eigentum für freie Bürger somit!

Das kommt in dem politischen Mikrokosmos des Jan Fleischhauer nicht vor. Seine impertinente Schwarz-Weiß-Malerei kennt eben keine Mischfarben. Wer " Rot " - also " links " - ist, kann nicht Schwarz - demnach " rechts - sein.  Wer sich konservativ gibt, darf sich deshalb auch nicht fortschrittlich geben. Dieses Schubladendenken kapriziert denn Fleischhauer auch in seinen aktuellen Artikel, der den viel sagenden Titel trägt: " Aufstand der Autoren ".
Fleischhauer versucht eine Volte zu vollziehen, die dem Leser aufzeigen soll, dass die " Piratenpartei " nichts anderes darstellt, als ein Sammelbecken frustrierter " Linker ", die sich inhaltlich dem Zölibat der 68er-Bewegung hingegeben hat.

Deshalb setzt Fleischhauer wieder die Anti-68er-Polemikkeule an und plärrt, dass auch über den Buchautor Grass so manche politische Einflussnahme zugunsten der "linken" SPD im Wahlkampf vor 40 Jahren - aber auch danach - erfolgt sei. Neben anderen Intellektuellen sei auch Günter Grass als "linker" Künstler, als Literat, dem damals erforderlichen politischen Wandel ( das ist natürlich nicht Fleischhauer Meinung ) unterworfen gewesen und habe sich für eine " gute Sache " eingesetzt. Fleischhauer behauptet doch tatsächlich:
" Im Zweifel links zu sein gehört in diesem Milieu zum guten Ton; an der Spitze des Zeitgeistes zu marschieren gilt hier als innere Verpflichtung ".

( Zitatende aus: "Der SPIEGEL ", Heft 16 / 2012, S. 21 ).

Der in seiner eigenen Vergangenheit gefangene Fleischhauer - er wuchs im links-liberalen, gut situierten Hamburger Milieu auf - verkennt hier, dass dieser Zeitgeist seit dem Ende der Friedensbewegung und im Verläufe der Kohl-Ära verflogen ist. So muss es denn wohl richtiger Weise heißen: " " gehörte " und " galt ", werter Herr " Linkenfresser "!

Eifrig schnüffelt der aalglatte Sunnyboy mit turbo-gebräuntem Gesicht und im geleckten Outfit weiter in der Vergangenheit herum, um noch mehr entlarvendes Kriegsmaterial zu finden, dass er und seine Hilfskanoniere gegen die " Piratenpartei " abschießen könnten. Und siehe da, das bundesdeutsche Urheberrecht gibt eine sichere Plattform, von wo aus eine Salve auf die "linke" Piratenpartei abgefeuert werden kann. Das Urheberrecht schützt nämlich das geistige Eigentum in der BRD. Es schützt allerdings nur das veröffentlichte Werk, nicht jene Geisteskreationen in der Privatheit. Wer also ohne Einwilligung oder als Rechteinhaber das geistige Eigentum - die Urheberschaft - eines anderen kommerziell nutzt, verstößt gegen das Urhebergesetz und kann in Regress und sanktionsrechtlich in die Verantwortung genommen werden.

Vor mehr als 45 Jahren sah das Urhebergesetz der BRD noch engere rechtliche Gegebenheiten vor, die den Schutz des geistigen Eigentums bewirken sollten. Ab 2007 bis 2011 erfolgte eine schrittweise reformieren der Gesetze. Im Zeitalter der neuen Kommunikationsmöglichkeiten waren einige Regelungen längst obsolet geworden.

http://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz_%C3%BCber_Urheberrecht_und_verwandte_Schutzrechte

Das " neue " Urheberrecht regelt denn in 143 Gesetzen, wer und wessen geistiges Eigentum geschützt wird.
Was erlaubt und was verboten ist.können.
Sowie, wann eine Urheberrechtsverletzung vorliegt und welche Maßnahmen da gegen eingeleitet werden.
Für viele Kollegen aus der Zunft der "Abmahn-Haie " ein wunderbares Planschbecken, aus dem sich recht einfach der kommende " AIDA"-Kreuzfahrt - Urlaub finanzieren lässt. Für die Mehrzahl der Ertappten, der Rechtsbrecher und Download-Schmarotzer, eine existenzielle Bedrohung - teilweise bis zum Lebenende.
Was aber hat dieser Geldverteilungsmarkt mit der Piratenpartei zu tun?
Nun, Fleischhauer faselt denn weiter von dem sich anbahnenden Zwist zwischen der intellektuellen "Elite" und den "linken" Piraten, der sich wegen deren Forderung auf absolute Netzfreiheit ergibt, denn - so der Redakteur -, wer im politischen Kampf wortgewaltige Intellektuelle hinter sich scharrt, hat eine bessere Chance von dem Wahlvolk wahrgenommen zu werden.
Ach, was, Fleischhauer, wer hätte das gedacht?

Als die Gruppe 47 einst ihren Unmut über die realen Zustände im klerikalen Adenauer-CDU-Nachkriegsdeutschland veröffentlichte, hagelte es von den gleich geschalteten Medien eine Unzahl von unflätigen Kritiken, Diffamierungen und Beleidigungen. " Als puren Schwachsinn " bewertete ein solcher "Schwachkopf " in dem Adenauerfernsehen von einst das Statement der "elitären" Gruppe von Intellektuellen und sonderte eine billige Polemik gegen deren Meinungen ab.
Die Gruppe 47, ein selbst ernannter "elitärer " Zirkel in der Zeit, die vom Nachkriegsmief und reaktionärem Muff der CDU und ihrer post-faschistoider Vasallen,die sich, in den Funktionen der Legislative, Exekutive und Judikative eingeschleust,gegen jedwede Opposition austoben durften,geprägt war, hatte indes nie den Einfluss, den Fleischhauer den angeblich linksintellektuellen Künstlern von heute zuschreiben möchte.

Erst wurde der Bonner Obrigkeitsstaat durch das Diktat des "Alten " geformt, dann durch den Springer-Lügenblatt-Konzern auf Meinungs - Kurs gehalten und später von den reaktionären Knüppelgarden der Polizei bis in die Endsechziger vor Veränderungen geschützt.
Fleischhauer, Jahrgang 1962, war zu diesem Zeitpunkt gerade schulpflichtig. Er hat von dem ganzen Treiben kaum etwas mit bekommen. Er hat deshalb - abgesehen von den wohl offensichtlich traumatisierenden Ereignissen im Elternhaus - von der einstigen Aufbruchstimmung und deren Nachwehen in den 70er und 80er Jahren - nur erfahren, dass es sie einst gab, weil seine sich emanzipierende Frau Mutter ihm in diesem Zeitraum nicht mehr die Wäsche waschen, trocknen und bügeln wollte.

Mensch, Fleischhauer, das muß ein "Scheiß"-Leben gewesen sein. Damals, als sich im links-liberalen hanseatischen Bürgertum mehrheitlich die Meinung durch setzte, dass Frau nicht Hausfrau und Kinderbetreuerin sowie Vollzugsorgan der maskulinen Triebabfuhr sein darf, sondern ein selbst bestimmt agierendes, gleichberechtigtes Wesen ( mit oder ohne Trauschein ). Da hättest Du aber zügig auf emanzipierter Jungmann umschalten müssen und die Socken selber in den Waschvollautomat mit Ökospartaste von "Miele" einwerfen sollen. Auch ein Herr Sohnemann hätte sich emanzipieren können, nämlich dadurch, dass er lernt, seinen eigenen "Mist" nach und nach selbst zu erledigen.
In  Deinem Traktat " Unter Linken " hast Du vergessen, diese Seite der Medaille zu zeigen. Wie wäre es denn gewesen, das Studium selbst zu finanzieren, statt über Muttis und Papas Festgeldkonto die damals noch satten Zinsen zu bekommen, damit die Ausbildung nicht abgebrochen werden muss, weil durch die Jobs kaum noch Zeit zum Studium bleibt?

Da sich Fleischhauer in diesem Land als Experte für "linke" Denk - und Lebensstrukturen etablieren möchte, sondert er fleißig polemisches Schrifttum gegen die "Piratenpartei ", die Partei " Die Linke " und die " GRÜNEN " ab. So auch in dem oben angeführten "SPIEGEL"-Artikel. Eine nichts sagende Darstellung und Wiederholung von Plattitüden, Vorurteilen und Halbwahrheiten eben, aus der dann - zuvor mehrfach kräftig rechts umgerührt - eine schwarz - gelbe Melange von Fleischhauer produziert wird, mit der er versucht, die zumeist noch funktionstüchtigen Hirne der " SPIEGEL " - Leser zuzukleistern.
Es gelingt ihm nicht, denn sein nieder geschriebener Mumpitz wird - nicht nur - von dort als solcher entlarvt:
   
" Der "Spiegel"-Redakteur Jan Fleischhauer wähnt sich allein "unter Linken"
Da er auch so langsam auf die 50 zugeht, muß Jan Fleischhauer, Sohn einer linksliberalen Hamburger Bürgerfamilie, jetzt gegen seine Eltern rebellieren, vor allem gegen die wohl recht dominante Mutter. Sie untersagte dem kleinen Jan den McDonald's-Besuch und den Colakonsum, und weil ihn das so traumatisierte wie andere die Verweigerung der Mutterbrust, ist er konservativ geworden. Das ist, kurz zusammengefasste, der Inhalt seines Buches "Unter Linken."

( Zitat aus: Alexander Kasbohm, "Ödipussis Rache " in Konkret 7/2009 http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=%F6dipussisrache&jahr=2009&mon=07 )

Weiter stellet der Buchrezendent fest:

" Von einem, der aus Versehen konservativ wurde". Man muß kein Psychologe sein, um Fleischhauer eine unvollständige Abnabelung von der Mutter, ausgewachsene Paranoia und allgemein einen amtlichen Vollknall zu attestieren.
Andere hätten vielleicht mal das Gespräch mit den Eltern gesucht oder eine Therapie gemacht. Fleischhauer mußte in seiner unendlichen Eitelkeit und Selbstüberschätzung - siehe auch seine profilneurotische Onlinepräsenz (http://unterlinken.de): Schau mal, ich bin im Fernsehen, Mutti! - versuchen, ein Buch zu schreiben. Worin sein Konservativismus besteht, das enthält er den Lesern vor. Deutlich erkennbar ist dafür seine geradezu pathologische Wut auf alles, was er für links hält. Und was er für links hält, ist das einzig Erheiternde an diesem pfostendummen Buch. "

( Zitatende: a.a.O. )

So hält sich der Buchkritiker - folgerichtig - mit Fleischhauer´schen Methode, seine " Scheiß " - Jugend unter dem Diktat der links-liberalen Bürgermutter und dem einst angeblich grassierenden " Linksterror " aufzuarbeiten nicht lange auf, sondern zeigt dem " SPIEGEL " - Redakteur gleich die intellektuellen Grenzen auf: 

" Geschrieben ist "Unter Linken" in dem standardisierten Buchhalterstil des "Spiegel": Friedrich Engels bekommt unweigerlich das Attribut "der Fabrikerbe" verpasst, und Rousseau ist der "am 28. Juni 1712 geborene, depressive Handwerkersohn aus Genf, der sich nach einer unglücklichen, mutterlosen Kindheit mit dem Kopieren von Notenblättern und den Zuwendungen älterer, gern etwas pummeliger Damen über Wasser hielt". Es gibt biographische Einschübe, die dem Textverständnis dienen - und welche, bei denen einem schon auf halber Strecke die Augenlider zu flattern beginnen, weil sie so geschmacklos sind wie die kratzigen Wollpullover, die anzuziehen seine Mutter den kleinen Jan vermutlich zwang. Oder es sind langweilige Nebensächlichkeiten und dröge Zahlen, als verspürte der Autor den Drang, seinen Konservativismus statistisch zu untermauern. Von seinem alten Lehrmeister Wolf Schneider hätte Fleischhauer doch wenigstens abgucken können, wie man knapp formuliert und seine Leser nicht anödet.
Anstatt sich zu freuen, daß Linke auf ganzer Linie abgemeldet sind und die SPD mal wieder zuverlässig all die konservativen Projekte durchgezogen hat, die Kohl sich nie anzugehen traute, sieht er sich von einer übermächtigen Linken umzingelt, die "auf ganzer Linie gewonnen" habe. Doch ihm geht es gar nicht um die Realität, sondern um Jan Fleischhauer. Lustigerweise wirft er den von ihm als Linke Identifizierten über weite Strecken vor, gar nicht wirklich links zu sein. So hat er es den Hafenstraßenbewohnern, die er als junger "Spiegel"-Redakteur zum Interview besuchte, nie verziehen, daß sie seinen romantischen Vorstellungen nicht entsprachen. Daß er in dem "alternativen Wohnprojekt" eine Ikea-Küche vorfand, hat ihn tief erschüttert. Spießigkeit, folgert er aus solchen Feldforschungen, müsse ein originär linkes Phänomen sein.
Weiter im Text macht der Autor einen allgemeinen Verfall der Werte an Elternteilzeit, Erziehungsurlaub für Väter und dem gar nicht mehr so knorrigen und zackigen Führungspersonal der CDU fest. Der linke Staat nutzt nicht die Chance, das Arbeitslosengeld zu kürzen etc. blabla. Selbst die Kirche ist nicht mehr, was sie mal war: "Kaum ein Pastor traut sich noch, von Himmel und Hölle zu sprechen. Und wenn, dann nur vage und allegorisch." Das ist schon ein Jammer: Könnte man den Menschen doch nur glaubhaft versichern, daß sie in der ganz realen Hölle landen, wenn sie sich nicht zusammenreißen - Deutschland würde nicht so verlottern. "
( Zitatende aus: a.a.O. )

Dann kommt es für den "Linkenfresser" noch dicker:
" Wenn Fleischhauer über seltsame Diskussionsstrukturen linker Gruppierungen oder die nahezu kreationistische, ideologisch geprägte Wissenschaftsfeindlichkeit schreibt, dann streift er manchmal fast einen halbwegs richtigen Gedanken, den er aber sofort wieder fallenläßt, um das Gegenteil zu behaupten. So hat selbst er gemerkt, daß viele, die sich für links halten, in Wahrheit Antisemiten deutscher Tradition sind. Statt denen nun aber ihren Antisemitismus vorzuwerfen, sagt er: Typisch links - alles verlogene Antisemiten! Von da aus ist es nur noch ein Katzensprung zu seiner Überlegung, ob nicht auch Hitler in Wirklichkeit ein Linker war. Wie man mit einer derart eklatanten Links-Rechts-Schwäche überhaupt unversehrt über die Straße kommt, ist mir schleierhaft. "

( Zitatende aus: a.a.O. )

Des Fleischhauer´s Jan krude Kopfkreationen werden dann für den Leser nahezu lächerlich, wenn er behauptet, dass die " Linken " weder Humor noch Sinn für ein undogmatisches, ein nur dem Konsumfetisch hinterher hechelndes Leben haben:
" Daß links für ihn dort ist, wo für den Linken rechts ist, wird auch aufs heiterste offenkundig, wenn Fleischhauer nachzuweisen versucht, daß Linke gar keinen Humor haben können: "Merkwürdigerweise halten sich auch die meisten Linken für besonders humorfähig. Als gesellschaftlich bedeutendste Leistung auf diesem Gebiet gilt ihnen die Etablierung des politischen Kabaretts." Eine steile These, wie alle anderen nicht belegt oder begründet. (Belege wären wahrscheinlich auch links.) Die Vorstellung, daß es eine Position links von SPD und Dieter Hildebrandt gibt, geht in seinen vakuumverschlossenen Kopf offenbar nicht rein. Von falschen Prämissen ausgehend, kann er dann, wie der ehemalige Student der Philosophie gelernt hat, alles behaupten. Wenn der Mond aus grünem Käse ist, können Schweine fliegen resp. ist Jan Fleischhauer ein geistreicher Schreiber.
"Die Linke schreckt zurück vor dem Abgrund der Absurdität", heißt es in ungebrochen offensiver Geistesferne. Ist der Blick fürs Absurde aber nicht ein klassischer Ausgangspunkt subversiven Bewußtseins? Vermutlich hat der Humorexperte auch Beckett und Sartre zu Konservativen ehrenhalber ernannt. Wer "von Linken schon im zweiten Satz verlangt, daß ihnen das Lachen im Halse steckenbleiben müsse", bleibt unklar. Aber vermutlich ist hier wieder die Mutter schuld, mit der Jan früher den "Scheibenwischer" schauen mußte.
Lachen mit Fleischhauer, letzte Folge: "Aber aus gutem Grund wird Humor vom Scherz unterschieden. Er entsteht aus dem Gefühl der Unzulänglichkeit, seinen Reiz bezieht er aus der künstlichen Verdoppelung der Schwäche, nicht dem Überlegenheitsgefühl." Da merkt er schon nicht mehr, daß dies genau die Begründung dafür ist, weshalb es keinen rechten Humor geben kann. Eben weil Humor aus einem Gefühl der Unterlegenheit und Ohnmacht gegenüber dem Leben, dem Staat, seinen Mechanismen und Herrschern entsteht. Scherze zur Gaudi der Massen auf Kosten von Minderheiten und zum Amüsement der "Eliten" auf Kosten der Unterprivilegierten bleiben Hermann-Göring-Humor, also gar keiner. Daher läßt Fleischhauer seiner Abrechnung mit der angeblichen Humorunfähigkeit der angeblich Linken auch keine Beispiele konservativen Humors folgen. "

( Zitatende aus: a.a.O. )

Der Buchkritiker attestiert dem geborenen Hanseaten und jetzigen Wahlberlinern denn auch strafmildernde Umstände:
" Eigentlich eine arme Sau, könnte man sagen, wenn der Autor seinen kriecherischen Opportunismus nicht als mutigen Akt der Rebellion verkaufen würde. Er sollte seiner Mutter einen Strauß Blumen kaufen, zum Kaffeetrinken vorbeischauen und sich bei ihr entschuldigen. Und dann wollen wir die Angelegenheit vergessen. Ganz schnell, hoffentlich. "

( Zitatende aus: a.a.O. )

Und tatsächlich sollte der Leser, der " SPIEGEL "-Leser oder Zuschauer einer dieser elendigen Quasselrunden, zu denen auch der "Linksszene-Experte " Fleischhauer eingeladen wurde ( oder noch wird ) dessen Absonderungen nicht tierisch ernst nehmen. Eine arme Sau bleibt vielleicht ein Leben lang eine solche, so wie er die roten Socken, die er einst von der " Mutti " verpasst bekam, eben nicht mit den schwarzen austauschen kann, ohne beim Anziehen das Gleichgewicht zu verlieren. Wer einem Rabulistiker wie Fleischhauer die Daseinsberechtigung abspricht, läuft indes selber Gefahr, nicht für voll genommen zu werden.  Aus den Zeit, nämlich ab Mitte der 70er Jahre, habe ich noch in Erinnerung, dass eine durchaus kompetente " SPIEGEL " - Journalistin sich vehement für die wirtschaftswissenschaftlichen Thesen des Ökonomen Schumpeter einsetzte und deshalb in den " Leserbriefen " des " SPIEGEL " nieder gemacht wurde; gleiches wurde einem " SPIEGEL " - Leser zuteil, der es einst wagte, seine Kritik an der kritischen Berichterstattung über die freidliche Nutzung der Kernkraft und der dahinter stehenden Atomlobby in einem solchen " Leserbrief " zu äußern. Das ist mittlerweile mehr als 35 Jahre her.
Inzwischen werden sowohl zustimmende als auch ablehnende " Leserbriefe " zu aktuellen " SPIEGEL " - Berichten abgedruckt.

Die Welt ist bunter geworden, Herr Fleischhauer. Aus dieser Vielfalt eine schematische " Links - Rechts " - Eingruppierung aufgrund eines bestimmten Verhaltens, einer Lebenseinstellung oder einer Parteizugehörigkeit vornehmen zu wollen, ist denn genauso unmöglich, wie den berühmten Sack Flöhe zu hüten.
Da sich eben die von Fleischhauer als mehrheitlich " links " eingestuften BürgerInnen dieses Landes auch nicht nach Forderungen, wie jene eines ehemaligen Jura-Professors und namhaften Ko-Kommentators zum StGB, dass Eigentum auch notfalls mit dem Gebrauch einer Schusswaffe zu schützen ist, sehnen, werden auch solche abstrusen Behauptungen wie jene von Fleischhauer, wonach die Mitglieder der " Piraten " im Zweifelsfall " links " orientiert sind und die Trilogie des englischen Buchschreibers J.R.R. Tolkin " Herr der Ringe " zur Weltliteartur zählen, alsbald unbeachtet im Nirwana landen. Dort gehören sie auch hin - möglichst unverfilmt!


Sonntag, 22. April 2012

Der recyclebare Outdoor-Arm


                             (c) WIKIPEDIA

Der kurzzeitge Zwangsstopp an der roten Ampel brachte mich zum Grübeln: Warum heisst das Auto eigentlich so? Warum sind die Benzinpreise eigentlich so hoch? Und als die Sonne doch tatsächlich durch die Wolkendecke blinzelte, fragte ich mich - ganz im Sinne des Rudi Carell´schen Gassenhauers : " Wann wird es endlich wieder Sommer? "
Dann gab die Ampelanlage vor dem " Praktika " - Baumarkt wieder Grünlicht und die überschaubare Zahl von vor mir stehenden PKW setzte sich langsam in Bewegung. Langsam deshalb, weil von dem entgegen kommende Linksabbiegerverkehr die letzten drei Fahrzeuge garantiert bei " dunkelrot " über die Straßenkreuzung gefahren sind. Immer diese Rotlichtsünder!
Aber zu dieser immer größer werdenden Gruppe gesellen sich täglich einige Hunderttausend Fahradfahrer und genau so viel Fußgänger dazu.
Warum als nur eine Kategorie von Deliquenten heraus suchen?

Vielleicht lässt sich dieses damit begründen, dass es eben bei einem Rotlichtverstoss durch einen PKW mit anschließender Kollision zu einem weit aus größeren Schaden als vergleichsweise bei einem anderen Verkehrsteilnehmer.Es mag auch sein, dass ein Besitzer einer PKW - Fahrerlaubnis die Fehler eines anderen Kraftfahrzeugführers eher kritischer sieht, als andere Mitmenschen. Wer zu den 29,3 Millionen Fahrerlaubnisinhabern gehört, sollte eben wissen, dass er nicht allein auf den Straßen fährt. Insgesamt sind nämlich in der BRD zum 1. Januar 2012  in Deutschland 51,7 Millionen Kraftfahrzeuge (Kfz) und 6,2 Millionen Kfz-Anhänger zugelassen. Der Personenkraftwagen (Pkw)-Bestand erhöhte sich somit um 1,5 Prozent auf 42,9 Millionen Fahrzeuge. Das Durchschnittsalter der Pkw stieg weiter von 8,3 auf 8,5 Jahre.

Während der Kfz-Bestand steigt, obwohl nur 29,3 Millionen Fahrerlaubnisbesitzer gemeldet sind. Wie kommt dieses? Zum einen wohl, weil es einige Millionen Mietfahrzeuge gibt und zum anderen, weil sich so mancher Neureiche gleich mehrere PKW zulegt. Ob nun Zweit - oder Drittwagen spielt dabei eigentlich keine große Rolle, denn wer hat, der hat.
Dass mit der Zahl der besitzenden Fahrzeuge aber auch der soziale Status steigt, liegt denn gleich auf der Hand.

Wer vermeintlichen Reichtum so nach außen stellt, sollte sich sofort die Frage gefallen lassen: " Ist das auch alles bezahlt? " Wetten, dass spätestens bei der korrekten Beantwortung, eine Vielzahl von PKW-Protzern schamesrot in die andere Richtung sehen!

Aber, es ist eben so, dass auf die Gebiet der motorisierten Herumbläherei so mancher nur deshalb mit mischt, weil er nicht nur jenen Umstand, dass die " Kiste " fremd finanziert ist, verheimlichen möchte. Es könnte dem Bekannten, dem Freund oder dem Konkurrenten auf vier Rädern vielleicht der Gedanke kommen, dass m(M)an(n) sich so einen " Schlorren " gar nicht leisten kann. Da wird dann ordentlich herum getrickst, um über das permanent frisch gewaschene und polierte rollende Wohnzimmer den Wohlstandshansel heraus hängen zu lassen.

Eine andere Gruppe der sich - über - das Auto - Definierenden sind die Verkehrsrambos. Eine Spezies, die trotz der steigenden Benzinpreise nicht zur Räson gebracht werden kann. Deshalb wurden beim KBA 2011 über 4,3 Millionen verhängte, also eintragungspflichtige Bußgelder statistisch erfasst.


http://www.kba.de/cln_033/nn_191664/DE/Statistik/Kraftfahrer/Verkehrsauffaelligkeiten/Geschaeftsstatistik_20des_20VZR/vzr__z__entscheidung__stelle.html


Mit steigender Tendenz. Und weil der nicht in Erscheinung getretene, jedoch gleichfalls undiszipliniert fahrende BRD-Auto-Michel sich davon offensichtlich auch nicht abschrecken lässt, wird weiterhin " gekachelt ", was das Zeug hält. Der " König " der Radarmeßanlagen oder " Blitzer " steht an der A 2 im Bereich der Stadt Bielefeld.
Hier werden wöchentlich 6.000 (! ) Fotos für das Familienalbum abgeliefert. Bei 50.000 Fahrzeugen am Tag nicht gerade wenig

http://www.rp-online.de/auto/news/der-koenig-der-blitzer-ist-wieder-in-betrieb-1.1357205

Um aus der grauen Masse der PKW-Nutzer heraus zu stechen, lassen sich einige der Testestoron gesteuerten Auto-Junkies noch etwas besonderes einfallen. Da wird das, besser als die eignen Frau, LAG oder Freundin, Gefährt qua 4 Hochgeschwindigkeitsreifen auf  4 Stahlfelgen sich bewegende Hochglanz polierte Gefährt, um einige Zentimeter niederiger gelegt, mittels allerlei sündhaft teurem Schnickschnack aufgemotzt und in einem extra - legeren oder ober-coolen Outfit durch die Pampa, die Stadt oder zur Maloche kutschiert.

Ganz besonders reizend zeigen sich jene Auto-Machos dann, wenn sie in den - hoffentlich noch kommenden - Sommertagen, das Seitenfenster der Fahrertür exakt in diesem Moment per elektrischem Fensterheber herunter lassen, wenn einige attraktive, eventuell noch sommerlich leicht bekleidete junge Damen zu sehen sind, wenn einige Straßencafes rappelvoll sind und der Autoverkehr sich nur im Schritttempo bewegt oder wenn ein Bekannter sich zeigt. Dann gerät der lenkwütige STVO-Ignorant zum Beau, zum Modemännecken, zum Repräsentanten der PS-orientierten BMW bis - VW - Abhängigen, in dem er den linken ( mit der rechten Hand muss ja ganz zart das Sportlenkrad angetippt werden ) Arm locker, lässig etwa 10- 15 Zentimeter aus dem Autofenster hängen lässt. Der " Outdoor - Arm " ist ein untrügliches Zeichen der Eleganz auf Klippschul-Niveau. Ein innovativer Wurm im Gehäuse des glanzköpfigen oder scharf rasierten Hohlkopfs mit Segelohren, des grau - melierten Wohlstandsschädels mit Designer-Sonnenbrille und Polo-Sporthemd oder des Lederjacken bewehrten Mitdreissigers, der bei Mutti wohnt, sich dort bekochen lässt und die so gesparte "Kohle" in den "Karren " von BMW steckt.

Ein " Outdoor-Arm " ist ergo eine nicht Mode abhängige Zeiterscheinung, die sich durch sämtliche Altersgruppen und soziale "Schichten " zieht. Der recycelbare " Outdoor-Arm " muss demnach eine Zusatzeinrichtung im heiß geliebten PKW sein, der sich dann anbringen lässt, wenn entweder eine Rap-Rechtsrock - oder Heino - CD gewechselt werden muss, die rechte Hand möglicherweise anderweitig bei der Beifahrerin beschäftigt ist oder versucht mittels Zeigefinger in der Nase oder den Ohren nach Öl zu bohren. Recyclebar muss der " Outdoor - Arm " schon deshalb sein, weil er spätestens bei Kauf eines anderen Fahrzeugs nicht mehr zu diesem passt und aussortiert werden muss, die Umwelt aber nicht noch weiter belasten darf, weil dieses ja schon die überdimensionierte " Schüssel " auf 4 Rädern tut.

Wenn nun im Mai die Tage nicht nur länger werden, sondern die Temperaturen ansteigen, werden sie dann wieder ausschwärmen, die Auto-Schickimicki, die Prolls auf zwei Achsen und die verkappten Stallones mit Sonnenbrille, PS-Monster und recycelbarem " Outdoor-Arm " in Luxusausführung, um das meistens mangelnde Selbstbewusstsein in Agression gegenüber dem anderen Verkehrsteilnehmer umzumünzen und sich, dem anderen Fahrer und sogar der ganzen Welt zu zeigen, wer - beim Yankee ist es immer noch der Schießprügel - den Längsten und Größten hat.

Wie war das noch gleich bei " Hey Johnny " in Floh de Cologne´s Rockoper " Fleißbandbabys "?

Freitag, 20. April 2012

Auf der Landstraße nachts um halb eins.



Das Bundesland Niedersachsen ist groß. Nicht von seiner geschichtlichen Entwicklung aus betrachtet, sondern von seiner Fläche ausgehend. Niedersachsen ist nämlich mit 47.634,90 Km² das zweitgrößte Bundesland; hinter Bayern und vor Baden-Württemberg. Da in diesen zum geographischen Norden der BRD zählenden Land nur 7,920 Mio. Einwohner leben, dürfte klar sein, dass es Regionen gibt, in denen sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Diese Landstriche sind sowohl im niedersächsischen Norden, nämlich im Landkreis Cuxhaven, als auch im Süden, dem Landkreis Göttingen, im Westen, dem Landkreis Grafschaft Bentheim und im Osten, in dem Landkreis Lüchow-Dannenberg zu finden.
Zu den nicht so schwach besiedelten niedersächsischen Landkreisen zählt der Kreis Schuamburg. Hier kommen nur zwar 238 Einwohner auf einen Quadratkilometer., die Einwohnerdichte zählt jedoch zu dem oberen Drittel des Flächenlandes.

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Landkreise_und_kreisfreien_St%C3%A4dte_in_Niedersachsen

Dennoch gilt Schaumburg als beschaulich. Mit dem Flair eines einstigen Fürstentums behaftet, dümpelt der Landkreis , der sich an der westlichen Grenze Niedersachsens befindet, seit vielen Jahrzehnten vor sich hin. Auf einer Fläche von 675, 59 Km² leben 160.636 Einwohner in 38 Gemeinden. Im Norden ist dieses die Gemeinde Hagenburg, im Süden Westendorf, im Osten Rodenberg und im Westen Bückeburg, das sich bis zur nordrhein - westfälischen Grenze hinzieht, die mit dem jetzigen Stadtteil und einstigen Ort Röcke ihre Anbindung an Minden findet.
Zu den weiteren 12 Stadtteilen Bückeburgs zählen auch die vormals selbständigen Orte Meinsen, Warber und Scheie.

In einer schon recht kühlen Novembernacht bewegte sich ein 41jähriger Bückeburger auf dem Radweg an der Landstraße 450 von Bückeburg aus kommend in Richtung Scheie und Meinsen - Warber. Die L 450 führt direkt in den Schaumburger Wald:

L 450    von Bückeburg über Scheie, Warber und Rusbend(Mittelandkanal) durch
            den Schaumburger Wald an Schloß Baum vorbei nach Quetzen und Lahde.

Wer sich zu dieser nachtschlafenden Zeit mit einem teuren ( ab 2.000,-- € aufwärts ) E - Bike und einem Rasenmäher im Schlepptau schiebend an der sonst nicht befahrenen Straße bewegt, der macht sich verdächtig. Nicht, weil er den Radweg nutzt, sondern weil er ein elektrobetriebenes Fahrrad und einen Rasenmäher schiebt, obwohl er eigentlich fahren könnte.
Warum aber fährt der Mann nicht, wenn er doch eigentlich fahren könnte?

Diese Frage stellte sich denn auch ein eher zufällig vorbei fahrende Polizeistreife.Die beiden Beamten hielten deshalb ihr Einsatzfahrzeug an und kontrollierten den Nachtaktiven. Nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass sowohl das E - Bike als auch der Rasenmäher aus einem zuvor vermuteten Einbruch in einer Seniorenresidenz im Kirschgarten in Bückeburg stammen könnte.
Die späteren Ermittlungendeuteten jedenfalls daraufhin.

So erließ denn, auf Antrag der unisono mit viel Arbeit eingedeckten Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht in Bückeburg, das dortige Amtsgericht einen Strafbefehl über 800 € gegen den bereits einschlägig in Erscheinung getretenen Mann. Der zeigte sich jedoch mit dieser geplanten Verurteilung nicht einverstanden und legte - fristgerecht - Einspruch ein.

In der anberaumten Hauptverhandlung bestritt er, die beiden Gegenstände, die längst wieder an den rechtmäßigen Eigentümer zurück gegeben wurden, entwendet zu haben. Stattdessen tischte er den anwesenden Juristen eine hahnebüchende Geschichte auf.  Er habe an jenem späten Abend zufällig einen Mann mit dem besagten Elektrofahrrad und dem Rasenmäher getroffen, der ihn um Zigaretten bat. Der große Unbekannte sei jedoch plötzlich und völlig grundlos fort gelaufen und habe den Rasenmäher und das Fahrrad zurück gelassen.

Tja, wenn der große Unbekannte so leichtfertig mit seinem Eigentum umgeht, muss der edle Angeklagte gleich helfen und das herrenlose Fahrrad nebst hinterlassenem Rasenmäher in Sicherheit bringen. Es könnten nun einmal Diebe unterwegs sein. Außerdem hatte der Herr Angeklagte das dringende Bedürfnis möglichst schnell aus dem unangenehmen Novemberwetter zu entfliehen und nach Hause zu kommen.
Leider rechnete er nicht mit der misstrauischen Polizei, die den Mann als " Alten Bekannten " identifizierte.

Das die Polizeibeamtin und ihr Kollege dem Kontrollierten seine Geschichte auch nicht annahmen lag nicht nur an den ungewöhnlichen Umständen, sondern auch daran dass der nächtens schiebende Bückeburger kein unbeschriebenes Blatt war. Auf die Frage des Gerichts, ob der Mann etwa auch deshalb schnell nach Hause wollte, weil er betrunken gewesen sei, antwortete die Beamtin denn süffisant: " Betrunken? Das wäre mir aufgefallen. Wir kennen uns!"
Na klar, weil das Vorstrafenregister zur Verlesung kam, dürfte dieses nicht weiter verwunderlich sein.

Merke: Wer in der Provinz sich nachts auffällig bewegt, muss auch hier mit dem Erscheinen der Polizei rechnen.















Donnerstag, 19. April 2012

"Der Trommler trommelt hart." - Wie das Projekt " Musik-Joker " kläglich scheiterte.




Als in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Jugend in der westlichen Hemisphäre aufbegehrte, ihren eigenen Lebenstil suchte und dabei den der Elterngenerationen in Frage stellte, gehörte die Beatmusik  zu den Elementen der andersartigen Lebensphilosophie. Nun ist Musik eben einmal auch Geschmackssache und über Geschmack - so die Plattitüde - lässt sich bekanntlich streiten.
Einen solchen Streit gewann auch damals - also ab den 60er Jahren -  nicht der mit den besseren Argumenten, sondern immer der Stärke, der das Geld und die Macht inne hatte.

Deshalb gelang es zu jener Zeit eben den Hassern der Pop - oder Beatmusik in der BRD die Anzahl der in den staatlich kontrollierten Rundfunk - und Fernsehanstalten gespielten und gezeigten Musiktitel und - gruppen auf Sparflamme zu halten. Die neue Musikrichtung passte den "Alten" nicht und so versuchten diese mittels billiger Polemik die Musik der Jugend zu diskreditieren. " Negermusik, Hotten-Totten-Geschrei oder Gejaule " waren die bekanntesten Begriffe von einst.

Die Welt drehte sich indes Tag für Tag weiter und aus dem " Krach " von damals wurde alsbald eine feste Größe in jedem Rundfunk - und Fernsehprogramm. Es begann in der BRD, im "Goldenen Westen" mit dem " Beat Club " von Radio Bremen, dem " Musikladen " oder dem " Rockpalast " vom WDR, aber auch Ilja Richter´s " Disco " zählt dazu. In den Rundfunkprogrammen setzten sich Sendungen wie " Pro Pop Music Shop ", " Rock In " ( WDR 2 ) mit dem unvergessenen Winfrid Trenkler am Mikrophon oder auch " Pop Karton ", " Hit Line International ( moderiert von der leider viel zu früh verstorbenen Radio Bremen - Legende Christian Günther ) sowie unter anderem " Der Club " ( NDR ) durch.

Was in den frühen 60ern allenfalls über ausländische - meist englisch sprachige - Sender gehört werden konnte oder von noch illegalen so genannten " Piratensendern " nur über sehr viel Geduld und bei guter Wetterlage empfangen werden konnte, nämlich " Beatmusik ", zog in der Folgezeit sukzessive in die bis dato biederen Programme der staatlichen Rundfunkanstalten ein. Ob nun die " NDR Hitparade ", in der sich die Anhänger von  überwiegend englischsprachiger Beatmusik mit den Schlagerfuzzis von einst mittels Körbe weise geschriebener Postkarten für 30 Pfennig einen erbitterten Kampf um ihre Lieblinge lieferten, die dann - je höher platziert - vollständig ausgespielt werden durften, oder in der von Camillo Felgen auf Radio Luxemburg moderierten " Großen Acht " oder dann der " BRAVO Hitparade ", dieses alles zeigte, dass ein Wandel im Musikgeschmack der Bevölkerung zu verzeichnen war.

In jener frühe Zeit spielten aber auch die Musikzeitschriften eine gewichtige Rolle. Sie unterschieden sich inhaltlich von den Jugendzeitschriften wie eben " BRAVO " oder dem DDR-Pendanten " Trommel " durch speziell auf Musik, Trends und Musikinterpreten bezogene Themen. In Artikeln, Berichten und Plattenrezensionen konnte der Leser einen Einblick in das Genre erhalten.

Die großen internationalen Musikzeitschriften waren damals:

- Melody Maker
- New Musical Express
- Sounds
- Rolling Stone
- Billboard ( USA)

Diese Zeitschriften erreichten - teilweise über ihre deutschsprachigen Ausgaben - in den 60er bis 80er Jahre hohe Auflagen.

In Westdeutschland gründeten sich dann im Fahrwasser der internationalen Musikmagazine rein deutschsprachige Blätter, wie:

- Flash
- Musik Express
- Pop
Da die Industrie und andere Geschäftemacher den Markt der populären Musik längst für sich entdeckt hatten, kam nun dem Axel Springer Verlag in Berlin die erhellende Erkenntnis, an den großen Umsatzkuchen mit zu verdienen. Das Produkt jener Überlegungen hieß denn " Musik-Joker " und erschien erstmals im Jahre 1976.

Hildegard Salewski schreibt auf ihrer HP hierzu:


" Eine wirklich sehr gutgemachte Popzeitschrift war „Musik Joker“, die ab Anfang 1976 erschien. Ein Blick auf den Verlag ließ zunächst Schlimmes vermuten, denn von einer Zeitschrift aus dem Axel Springer-Verlag erwartet man nicht unbedingt seriöse Berichterstattung. Doch der „Musik Joker“ lehrte einen eines besseren. Anfangs war die Zeitschrift aufgemacht wie die „Bild am Sonntag“. Der „Musik Joker“ unter der Leitung von Chefredakteur Conny Schnur beschränkte sich auf das Wesentliche, auf das Musikgeschehen in der Bundesrepublik Deutschland mit einem Blick hinüber nach England und den Vereinigten Staaten. Hier wurden äußerst sachlich dem Leser jene Stars und Musiker nähergebracht, die in „Bravo“ und Co. keine Beachtung fanden. So war der „Musik Joker“ die erste Popzeitung in Deutschland, die 1976 in einer ihrer ersten Ausgaben Bob Marley einem größeren Publikum vorstellte. Somit war der „Musik Joker“ die ideale Popzeitung für die Jugendlichen, die für die „Bravo“ langsam zu alt wurden und nach mehr Tiefgang in den Reportagen gierten. Allerdings schaffte der „Musik Joker“ nicht den Sprung in die 1980er Jahre. Aufgrund sinkender Auflagen verschwand dieses wirklich gute Magazin Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre sang- und klanglos vom Markt. "

( Zitatende aus: http://essenerwelten.npage.de/alltag-in-essen/sieben-wochen.html )

Was hier vo einer Leserin dieser Zeitschrift ein wenig oberflächig beschrieben wird, sah hinter den Kulissen, nämlich in der Redaktion des Musikmagazins aus dem Hause Springer ein wenig anders aus. Winfrid Trenkler, der neben seiner Tätigkeit als Moderator beim WDR auch Artikel oder Plattenrezensionen für weitere Printmedien tätig war, skizziert die tatsächliche Situation in dem Musikmaganzin " Musik Joker " so:
" Als der Musik Joker vom Springer-Verlag gegründet wurde, sollte der eigentlich der deutsche Melody Maker werden. Das Blatt hätte es auch werden können, wenn nicht der Verlagskaufmann dauernd reingeredet hätte. Da hast du heute die Titelgeschichte über Mick Jagger geschrieben und nächste Woche haut dir der Kerl die Scheidungsgeschichte von Gitte ins Blatt. Oder folgendes: Genesis sind auf Tournee und ich sage: Genesis muß auf den Titel. Nein, Demis Roussos wurde draufgemacht. Obwohl der damals schon passe´war. So geht das nicht, damit verprellt man die Leserschaft. Ich habe gekämpft und gekämpft. Nichts zu machen. "

( Zitatende aus: Ulli Engelbrecht: " Licht aus - Spot an! Schlaglichter auf die Musik der 70er-Jahre ", Klartext-Verlag Essen, 1995, S. 190 ).

Die Leserschaft, deren Interesse an Informationen über den deutschen Musikmarkt und die deutsche Musikszene ebenso vorhanden war, wie an Nachrichten über den anglo-amerikanischen Markt und sogar dem der Nachbarländer, insbesondere den Niederlanden, bemerkten nach einiger Zeit sehr wohl, dass das Konzept des " Musik Joker " eben keines war. Das Sammelsurium an Nachrichten von Abba bis Zappa, mit dem Einschluss bundesdeutscher Schlager - und Popinterpreten, kam in der Tat dann nicht mehr gut an.
Ich habe den " Musik Joker " über einen Freund aus Minden damals einige Male mitgelesen.
Er gefiel mir nicht. Die Beliebigkeiten in der Aufmachung, die Spannbreite an Informationen über Rockgruppen, Popsänger und Schlagerhansel, war mir doch zu öde. Entweder es gibt einen klaren Kurs, der hätte allerdings dann lauten müssen: Nur Rock - und Popmusiknachrichten. Dazu waren die Springer-Leute eben nicht bereit.

Folgerichtig kam das Aus für den " Musik Joker " nach nur knapp 4 Jahren. Vermisst hat ihn danach eigentlich kaum jemand. Eine eher konzeptlose Musikzeitschrift des Springer - Verlags, die - obwohl sie finanziell eigentlich sehr gut aufgestellt war - dann schlussendlich an der Inkompetenz eines Verantwortlichen scheiterte, der Musik und Informationen hierüber nur als verkaufsfähige Ware ansah und kein Herzblut in das Projekt hinein steckte.
Ganz anders Winfrid Trenkler, der zu jener Zeit, kompetente und sehr informative Beiträge in dem " Musik Joker " veröffentlichte:

Ein Gespenst geht um in der Rock-Szene. Das Gespenst heißt Punk-Rock
Die häßliche Revolte
"Ich werde dir die Fresse polieren / Ich werde dich umnieten / Ich werde dir die Zähne einschlagen / Ich werde dir die Knochen brechen ..." Solche und ähnliche Angebote bekommen Englands und Amerikas Rockfans seit gut einem Jahr zuhauf. Diesmal nicht von den unverständigen Rednecks am Nachbartisch in der Snackbar und der Bier-Kneipe, sondern von neuen Rockbands, die zur Zeit wie Pilze aus dem Boden schießen. Und das in den Clubs und Pubs, in denen sich die Rockfreunde bislang wohl und zu Hause fühlten.
Ein Gespenst geht um in der Rockszene. Das Gepenst heißt Punk-Rock. Ihre "Nettigkeiten" adressieren die Musiker keineswegs an imaginäre Bösewichte aus ihren Songtexten, sondern unverblümt an ihre Zuhörer und Anhänger. Zwischen den Zeilen sammeln sie mitunter etwas Spucke und verteilen sie mehr oder minder gezielt über die vorderen Reihen. Sie kippen ihre Becher nicht immer nach hinten aus und kicken die Bierdosen schon mal locker über die Rampe.
Dazu machen sie einen Höhenlärm. Nicht mit 20 000 Watt, dazu fehlt's ihnen am Geld. In den Klubs und Kneipen, den Vorstadthallen und Aulen, auf die die Punk-Bands noch immer beschränkt sind, reichen auch paar hundert oder tausend bis zweitausend Watt, um die Fans platt.zuhämmern. Fast wichtiger als die obligate Lautstärke ist das Tempo. Die Punk-Rocker entpuppen sich als wahre Dauer-Sprinter. Sechs Songs in zehn Minuten ist ein ansehnlicher Schnitt. Sie rattern ihre aggressiven Stücke nur so herunter. Feuern sie ab, wie Salven aus dem Maschinengewehr. Das geht mit Höchstgeschwindigkeit los und hört mit demselben Zahn auf. Keine Spur von Aufbau und Entspannung, ohne Punkt und Komma. Folglich ohne Höhepunkte.
Sie pfeifen darauf, wie sie aussehen. So scheint es, wenn man sie sieht. Aber sie pflegen ihre Zerschlissenheit. Sie erzeugen die Abnutzung auch künstlich, wenn es sein muß. Malcolm McLaren, der Mentor und Manager der Sex Pistols, erinnert sich daran, wie ihm sein späterer Schützling Johnny Rotten (19) zum erstenmal über den Weg lief: "Ich mochte seinen Kleidungsstil." Rotten tauchte immer wieder in der Boutique des ehemaligen Kunststudenten McLaren auf, in einem Anzug, den er vorher zerschnitten und mit Sicherheitsnadeln wieder behelfsmäßig zusammengeflickt hatte. Johnny ist innerhalb eines Jahres zum Enfant Terrible Großbritanniens und zum Prototyp des Punk Rockers avanciert. Seine kurzen Haare stehen störrisch in die Luft und sind grün und orange gefärbt. Seine Unterarme zeigen häßliche Brandmale von Zigarettenkippen, die er sich daselbst ausgedrückt hat.

Die Musikpresse reagierte zuerst mit schweigsamer Verachtung. Doch hat sich die Einstellung innerhalb des letzten Jahres rapide gewandelt. Selbst wenn in vielen Redaktionsstuben immer noch dieselbe Geringschätzung vorherrscht, den außerordentlichen Reizwert des Punk-Rock haben die meisten erkannt. Belustigt sich Johny Rotten: "Es gibt bereits mehr Artikel über Punk-Bands als Punk-Rock-Songs, geschweige denn Platten."
Die bewußt aufmüpfigen Frechheiten von diversen Punkern kamen auch der Tagespresse zupaß. Im ganzen vereinigten Königreich brach Anfang des Jahres ein Sturm der Entrüstung los, als Johnny Rotten den Fernseh-Interviewer BiII Grundy in einer Live-Sendung als "dirty fucker" und "fucking rotter" (etwa: dreckiger Scheißkerl und verdammter Quatschkopf) beschimpft hatte. Im allgemeinen muß man Buhmänner erst suchen, die Punk-Rocker bieten sich freiwillig auf dem Tablett an. Als Rotten dann noch in derselben Sendung der Queen einen neuen Sex Pistols-Song widmete, hatten die vier Sex-Pistolen den Rubycon überschritten. Ihr fester Plattenvertrag von 40 000 Pfund mit EMI, dem größten Schallplattenkonzern der Welt, platzte nach Tagen öffentlicher Kontroversen.
Trotz landesweiter Achtung schloß wenige Wochen später der Plattengigant A&M mit den Sex Pistols einen Zweijahres-Vertrag über 150 000 Pfund (615 000 Mark) ab. Nach nur sieben Tagen und einer Schlägerei der Sex Pistols mit dem TV-Musikmoderator Bob Harne kündigte A&M den Vertrag wieder auf. Nicht ohne die Band mit 75000 Pfund zu entschädigen. Über die Gründe der Trennung herrscht Rätselraten.
In jedem Fall fragt man sich, weshalb eine scheinbar so systemfeindliche Band wie die Sex Pistols so scharf auf system-konforme Geschäfte mit der Plattenindustrie ist. Dabei propagieren sie die Herrschaftslosigkeit im Vereinigten Königreich ("Anarchy in the UK'). Dabei bezeichnen sie das derzeitige England als faschistisches System. In ihrer letzten Single "God Save the Queen", die in 25 000 Exemplaren gepreßt und kurz darauf wieder eingestampft wurde, heißt es: "Gott schütze die Königin, ein faschistisches Regime / Es macht einen zum Idioten, ist gefährlich wie eine H-Bombe / Gott schütze die Königin, das unmenschliche Wesen / Englands Traum kennt keine Zukunft." Dabei demonstrieren sie eine bewußt häßliche Anti-Ästhetik, die die Verhältnisse nicht verschleiern, sondern die Unterprivilegiertheit hervorheben soll. Da musizieren sie bewußt an den aufwendigen und geschliffenen Klangwelten der Yes, Pink Floyd, ELP, des Elton John und anderer Rock-Millionäre vorbei. Rauh und grob poltern ihre wenigen Platten durch die Stereo-Anlagen, Ohren und Hirne der Rockfans. Aber anders als zum Beispiel April Records in Deutschland oder Love Records und Silence Records in Skandinavien entwickeln die Punk-Rocker keine alternativen Systeme.
J
Johnny Rotten klingt nicht ganz glaubwürdig, wenn er sagt: "Was sich hier abspielt, soll nicht nur wie ein Aufstand gegen die Musik-Szene aussehen. Verdammt nochmal, es ist einer."
Wenn Rat Scabies von der Punk-Band The Damned (Die Verdammten) mit einiger Berechtigung feststellt, daß die berühmten Bande alle reich geworden sind und vergossen haben, wo sie eigentlich herstamrnen, dann kann man nicht übersehen, daß Punk-Kollege Rotten und Co. in wenigen Wochen über 400 000 Mark Abfindungen für geplatzte Verträge bekommen haben und noch viel mehr bekommen hätten, wenn die Verträge erfüllt worden wären. Die Plattenindustrie liegt auf der Lauer, aus den Punk-Bands ihre Umsatzbringer von morgen zu rekrutieren. Bis zur unverwindbaren Majestätsbeleidigung ist sie bereit, alles zu schlucken.
Rock hatte schon immer mit Auflehnung zu tun. Hatte sich ein neuer Stil erst mal Bahn gebrochen, wurden Fragen der Form wichtiger als des Inhalts. Dann wurde Unterhaltung wichtiger als Aussage. Punk-Rock ist eine Spielart der ständig wiederkehrenden Revolten aus dem Untergrund. Diesmal bäumt sich eine Gruppierung auf, die sich nicht nur gegen die herkömmlichen Autoritäten durchzusetzen hat, sondern auch gegen die in den letzten Jahren frisch etablierte Hierarchie der Rock- und Popwelt.
Der Aufstand gegen die Neureichen der Rockwelt war abzusehen.
Winfrid Trenkler
( Zitatende aus MusikJoker 02.05.1977 )


Es trat das ein, was Winfrid Trenkler am 02.05.1977 in seinem Artikel im " Musik Joker " prophezeit hatte: Der Punk setzte sich langsam durch und veränderte die Musiklandschaft der 80er Jahre. Eine Gegenbewegung aus dem Untergrund, gegen das Establishement in der Rockmuusik, dass eine Dekade zuvor ebenfalls dort her kam. Hierüber zu berichten, wäre auch Sache des " Musik Joker " gewesen, der dann sang - und klanglos verschwand, weil die Unfähigen bei Springer von je her das Wort hatten. Diese gingen denn eher mit dem Boulevardblatt Kölner Express konform und fragten dem damals sich anbietenden Musikjournalisten Winfrid Trenkler: " Was willst Du da schreiben? Der Trommler trommelt hart oder er trommelt weich? Das ist doch keine Geschichte. " Guck heute in " BILD " oder " Express " rein..."
( Zitatende aus: a.a.O., S. 191 ).





Dienstag, 17. April 2012

Eine Meldung und meine Geschichte.



Als ich kürzlich in einer "SPIEGEL"-Ausgabe folgende Nachricht las:

" 752 000 000 Euro Steuerschulden haben die Clubs in Spaniens Profifußball bei den Finanzämtern des Landes. "

( Zitat aus Der SPIEGEL, 12/ 2012, S. 137 ).

fragte ich mich ernsthaft,welchen Erkenntniswert diese Information haben könnte.
Nach einiger Überlegung kam ich dann zu dem Ergebnis: Einen sehr hohen!

Ähnlich, wie mich vor vielen Jahren der Deutschlehrer mit einem Âufsatzthema, wie " Herr Hoffmann trifft auf der Straße zufällig Herrn Fischer. " Sie sehen schlecht aus! ", sagt Herrn Hoffmann; da wurde Herr Fischer bleich. ", uns 5 Schulstunden darüber brüten ließ, habe ich versucht, mir Gedanken zu dieser "SPIEGEL"-Nachricht zu machen. Und..., es ist mir doch tatsächlich mehr eingefallen, als damals in den 5 Stunden.

Da gibt es doch tatsächlich den " Euro-Rettungschirm ". Was für eine wunderbare Einrichtung. Er soll den " Not leidenden " Mitgliedern der Euro-Zone helfen, ihre - angeblich durch die so genannte " Finanzkrise " -erlittenen wirtschaftlichen Nachteile so zu kompensieren, dass die Binnenökonomie sich wieder erholt.
Und auch Spanien gehört zu den unsicheren Kantonisten, deren Volkswirtschaft nicht nur erst seit dem Aufspannen des Euro-Rettungschirms schwächelt.
Da wäre doch eine ordentliche Finanzspritze aus dem vorgesehenen Topf der EU eine wahre Wohltat.

Liest der Europäer der Eurozone jedoch die obige Meldung mit einer kritischen Distanz, so wird er sich die Frage stellen: Warum werden die Steuerschulden nicht von den 486 Profiklubs ( Primera Division 20, Segunda Division A 22, Segunda Division B 80, Tercera Division 364 ) eingetrieben?

http://de.wikipedia.org/wiki/Fu%C3%9Fball_in_Spanien#Spanisches_Ligasystem

Ja, weshalb schaut der Fiskus - obwohl das Land sich in einer schweren ökonomischen Krise befindet - tatenlos zu, wie die Fußballvereine sehr viel Geld für Profispieler ausgeben und noch mehr Geld über diese teuren Spieler einnehmen?

Des Rätsels Lösung ist einfach: Das meiste Geld kassieren eigentlich nur 2 Vereine ( Real Madrid und der CF Barcelona ). Danach kommen vielleicht noch ein halben Dutzend weiterer Klubs, die zumindest Geld durch Spielerverkäufe, Fernsehübertragungen und Werbeverträge einnehmen. Der Rest dümpelt eher schlecht als recht in der Grauzone herum und ist de facto pleite.
Aber auch die beiden Giganten CF Barcelona und Real Madrid haben einen enormen Schuldenberg angehäuft.

http://www.saz-aktuell.com/Sport/Real-Madrid-unter-Druck-660-Millionen-Euro-Schulden-Alle-tragen-Messi-Trikots-/19874.html

Eine andere Meldung geht von 202 und 327 Millionen Euro Verbindlichkeiten dieser beiden Vereine aus.

http://www.netzathleten.de/Nachrichten/Die-reichsten-Vereine-der-Welt-und-ihre-Millionen-Schulden/6004754571357639880/a

Wie dem auch sei: Insgesamt haben die spanischen Vereine 3,5 Milliarden (!!! ) Euro an Schulden angesammelt.

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/fussballclubschuldenschnitt100.html

Und weil am Dienstag, 17. 04. 2012 der spanische Rekordmeister Real Madrid in dem CL-Halbfinale auswärts in München auf den BRD-Rekordmeister FC Bayern München trifft, wird im Vorfeld dieser Begegnung schon:

Muss der deutsche Steuerzahler am Ende für Ronaldo und Messi blechen?

Hmmh! Tja! Muss er? Muss er nicht? Wer die kruden Gedankengänge der Billighetzer nicht auf die Goldwaage legt, wird schon allein aufgrund der Tatsache, dass die EU-Gelder - wenn sie denn abgefordert werden sollten - an strenge Auflagen geknüpft sind. Für Fußballvereine gibt es keinen müden Eurocent! Basta!
Dafür bleibt den Pleitiers in den Spanischen Ligen jedoch eine Frage nicht erspart: " Wie kommt es, dass diese Klubs so exorbitant hohe Verbindlichkeiten angehäuft haben? "
Die Antwort könnte dazu lauten: " Weil sie über viele Jahre über ihre Verhältnisse gelebt haben. "
So, wie viele andere Fußballvereine in Europa auch. Nur waren die in den letzten Jahren nicht immer erfolgreich.

Da tönt den gleich das Organ der Flachdenker mit Patriotismusüberschuss los:

BILD meint: Spanien muss sparen. Und nicht weiter Fußball-Millionäre auf Pump finanzieren...

Spanien muss sicherlich die Ökonomie sanieren, um die 23,6 % Arbeitslosenquote ( bei den unter 25jährigen sind es sogar über 30 % ) in den Griff zu bekommen, um das nominal schrumpfende BIP wieder auf Wachstum zu trimmen und um die verpassten politischen Entscheidungen vor sowie nach der " Finanzkrise " endlich nachzuholen. Ob nun die Fußballvereine hierzu beitragen können, indem sie keine astronomischen Transfers mehr zahlen, keine abartig hohe Gehälter und Prämien ausspucken und pünktlich ihre Steuern zahlen, bleib allerdings zu bezweifeln.
Denn in der Krise oder im Krieg  hält der Staat und die Herrschenden das murrende Volk am Besten damit in Laune:

 panem et circenses

So praktizierten es schon die " Alten " Römer. Na, denn Uli Hoeneß und Co:

Suum cuique!


Sonntag, 15. April 2012

Freie Fahrt für Raser?

FREIE FAHRT für freie Bürger!

Als einige Wochen vor Ostern 2012 die Preise für Benzin - und Dieselkraftstoff fast täglich nach oben kletterten, begann eine Medienkampagne zu dem Thema " Soll der Staat regulierend eingreifen? ".

Und während sich in den öffentlich-rechtlichen Quasselrunden einige Dauergäste ernsthafte Gedanken machten, ob der " Spritpreis " demnächst bei zwei Euro angesiedelt werden muss, die Öl-Multis an die Kandarre genommen werden können oder die Pendlerpauschale von derzeit 0,30 Euro auf 40 Euro Cent aufgestockt werden sollte, sah die tägliche Realität auf den bundesdeutschen Autobahnen völlig anders aus.

Dank der Propanganda des Allgemeine Deutsche Automobil Clubs in München, der immer noch an folgendem Ereignis fest hält:

" Im Jahr 1974 – zwei Jahre nach dem Höchststand der Unfallzahlen in Deutschland mit jährlich mehr als 20.000 Verkehrstoten (2009: etwa 4.000) und nur drei Monate nach dem Höhepunkt der Ölkrise mit dem ersten „autofreien Sonntag“ in Deutschland – prägte der ADAC unter seinem Präsidenten Franz Stadler den Begriff „Freie Fahrt für freie Bürger“ (Autoaufkleberaktion vom 28. Februar 1974). Diese Aktion zog Proteste und Austritte nach sich, da sich ein Teil der Mitglieder mit der Pro-Auto-Politik des Vereins nicht einverstanden erklärte. In der ADAC-Chronik findet sich dazu folgender Eintrag:
„1974: Der ADAC kritisiert den Tempo-100-Großversuch auf Autobahnen. Die ADAC - Postille " Motorwelt " kündigt an, dass der Club alles tun wolle, das ‚unrealistische Kriechtempo’ zu verhindern. Mit Tempo 100 auf Landstraßen hat sich der ADAC hingegen angefreundet.“
( Zitatende aus WIKIPEDIA " ADAC " )

ist das einheitliche Tempolimit nie richtig diskutiert worden. Auch wenn die Kampagne sich  politisch als kontraproduktiv auswirkte, denn aufgrund der unerwarteten Polarisierung in der BRD-Bevölkerung wurde dabei eine bewusstseinsbildende Grundeinstellung erreicht, die danach auch die Umweltbewegung in  der BRD stärkte.

Beinnahe 4 Dekaden später hat sich der Benzinpreis mehr als verfünffacht, die vormals Kraftsoff fressenden Monster haben heute High-Tech-Charakter und mehr als 2500 ccm Hubraum und werden von Reichen bis Neureichen gefahren, die an einem Tempolimit kein Interesse haben, weil diese Spezies selbst bei einem Benzinpreis von 2,50 € ihre Karossen weiter fahren können,die Zahl der Zulassung ist mit über 51 Millionen PKW um  mehr als 10fache gestiegen; dennoch fällt keiner auf die Warnung der Experten des Club of Rome ab, der eben zu jener Zeit von den Grenzen des Wachstums sprach.

Was interessiert es den gefrusteten Autobahnkrieger, ob die Generation später noch Autofahren darf?  Hauptsache: " Freie Fahrt für Raser! " und immer feste aufs Gaspedal, damit der langsam fahrende PKW-Nutzer so richtig sieht, was für ein toller Hecht in dem noch tolleren BMW, Audi oder VW sitzt.
Wer zu den Osterfeiertagen auf den Tausenden an Autobahnkilometern unterwegs war, erhielt eine prima Lektion in Sachen " Rasen, Rechtsüberholen und In-den-Sicherheitsabstand - fahren, leicht gemacht.
Hauptsache ich, dann mein so dolles Auto und immer weiter Gas frei; bis zum Preis von 2,50 €. So, wie es die "GRÜNEN" schon vor 30 Jahren gefordert haben. Da allerdings in der noch geliebten DM-Währung.

" Hoch auf dem Gelben! Links,! Zwo! Drei! Und Alle!"



Der 1. April 1972 war ein Samstag; der 3. April ein Montag. Genau an diesem Tag trat ich meinen Wehrdienst an. Und dieses Ereignis ist nun inzwischen 40 Jahre her. 40 Jahre! So alt wird kein Schwein. Jedenfalls in der heutigen Zeit der industriellen Tierproduktion nicht mehr.

Außerhalb jener Melancholie stand allerdings die Folgezeit beim " Bund ", dem " Barras " oder der " BW ". Hier existierte eine andere Welt - und Werteordnung. Da gab es - immerhin war noch der so genannte " Kalte Krieg " im vollen Gange - eine klare Abgrenzung von Gut und Böse, von Oben und Unten oder Recht und Ordnung. Gut, das waren die NATO, die USA und ihre Verbündeten, das war eben der Westen.
Böse, das war die UdSSR, die DDR - ohne Anführungsstriche -, China, der Osten eben!

Oben, dass waren die Politiker in Bonn, der Bundesverteidigungsminister Helmut Schmidt, die so genannte Geldelite und der Gefreite als Ausbilder, der Unteroffizier als Truppführer, der Feldwebel als Zugführer, der Hauptmann als Kompanieführer und der Leutnant als dessen Vertreter.

Neben der körperlich Ertüchtigung, die aus Sport, Geländeausbildung und den Schießübungen bestand, war eine besonders gern durchgeführte Variante der Disziplinierung in dem Ausbildungsplan der " Marsch und Gesang " oder besser die " Formalausbildung ". Hier wurden neben allerlei Gedöns rund um die Kenntnisse der Dienstgrade in den unterschiedlichen Waffengattung, der erforderlichen Haltungen und Grußtechniken, auch das geordnete Marschieren bis zum Erbrechen geübt.

Ein wunderbarer Grund, um den Frust sich von der Seele zu holen waren dabei eben jene Lieder, die zuvor in der Theorie eingeübt werden mussten. Während der Text verteilt und anschließend auswendig zu lernen war, überzeugten sich die Ausbilder persönlich davon, dass jener Einzelne auch textsicher war.
Nach dem Antreten lautete der gebrüllte Befehl: " Vierter Zug! Still gestanden! Links um! Im Gleichschritt!Marsch! "
Nach einigen Minuten brüllte dann der Zugführer: " Vierter Zug! Ein Lied!"
Von der Tete aus hieß es dann: " Hoch auf dem Gelben...!", in der Formationsmitte wurde wiederholt " Hoch auf dem Gelben..!" und am Zugende auch: " Hoch auf dem Gelben..!"
Sodann " Links! Zwoo!Drei! Und Alle!"

Sofort setzte ein infernalisches Gebrüll ein. Dazu musste zu den jeweiligen Befehlen des Zugführers marschiert werden.

Tja, und weil es eben auch bei Soldaten sehr unterschiedliche Körpergrößen von 1,55 bis 1,95 gab, hatten die " Langen " vorne zu marschieren, die "Kurzen " eben hinten. So konnte es vorkommen, dass bei einem zu schnellen Marschtempo vorne, die Letzten hinten im Raketentempo laufen mussten. Was dem Zugführer, einem Feldwebel, dazu veranlasste, den Befehl heraus zu brüllen, dass das Marschtempo gemäßigter werden sollte. Funktionierte dieses nicht, ließ er die ganze Einheit in die Büsche jagen.

Die Formalausbildung war eines der best gehassten Unterrichtseinheiten, weil das Hirn hierbei vollständig abgeschaltet werden musste und nur im Gleichschritt bei einem immer gleichen Lied, nämlich " Hoch auf dem Gelben.. !" marschiert wurde. Auf dem Ausbildungsplatz mussten dann anschließend noch weitere Marschbewegungen - und änderungen eingeübt werden.
Und weil mein jeweiliger " Hintermann " mir ständig in die Hacken trat, verlor ich dauernd den Gleichschritt; mit der Konsequenz, dass ich danach hinterher marschieren musste. Immer mit Gesang, versteht sich.
Zu dem Gassenhauer " Hoch auf dem Gelben Wagen ", der dann von dem einstigen Bundesminister des Inneren, Vizekanzler und späteren Bundespräsidenten Walter Scheel mit einigen Protagonisten aus Männergesangsvereinen auf eine Vinylscheibe gepresst zum Singlehit des Jahres 1973 wurde.

" Links! Zwoo, drei! Und Alle:  Hirn abschalten! Augen schließen!Ohren abdichten!"
Allerdings nur für 21 Monate.

Freitag, 13. April 2012

Titanic - Der Untergang einer Rockgruppe aus den frühen 70er Jahren.










Wenn die Medienhype ab dem 10. April 2012 - und nicht nur die - den 100. Jahrestag des Auslaufens, der Jungfernfahrt und des Untergangs des weltberühmten Luxus- Schiffs " Titanic " abfeiert und dabei jede - auch noch so unwichtige - Information verwurstet wird, muss der Rezipient dieses Brimborium still schweigend hinnehmen. Die aufgewärmte Geschichte über den Untergang des als " unsinkbar " titulierten englischen Passagierschiffs hat zuvor eine Vielzahl von geldtungsbedürftigen Erdenbewohner veranlasst, der übrigen Menschheit mitzuteilen, wann, wie und warum der Riesenkahn auf dem Meeresboden des Atlantiks versank. Sei´s drum. Schlussendlich geht es auch hier - wie auf sämtlichen Gebieten des sonstigen menschlichen Daseins auch - um Moneten. Die Geschäftstüchtigen haben deshalb mit dem Seefahrtunglück bereits sehr gut Kasse gemacht, und dieses gilt nicht nur für James Cameron und seine Crew.
Der Kino-Schmachtfetzen mit Kate Winslet, Leonardo DiCaprio und Francis Fisher wird nun in 3D-Technik wieder aus dem schon beinahe vergessenen Hollywood-Fundus in die Multiplex-Lichtspielhäuser geflutet, um noch mal abzusahnen. Einen Oscar gibt es dafür dieses Mal nicht, denn der wurde bereits 1998 mehrfach für diesen Film vergeben.

Wenn der großmäulige DiCaprio erst auf dem Oberdeck stehend, dann am Bug des Ozeanriesen verkündet, er sei der " König der Welt ", müssen Kritiker beschämt zur Seite sehen. Eine typisch US - amerikanische Form der Selbstüberschätzung für eine platte Filmgeschichte, die mittels Effekthascherei zum Welterfolg führte.

Davon war eine Rockformation aus den frühen 70er Jahren, die sich eben auch " Titanic  nannte, meilenweit entfernt.

»Rock Bands sind Schiffen ähnlich. Sie laufen unter den Fanfaren der Öffentlichkeit vom Stapel, nehmen eine Menge Passagiere für hochinteressante Reisen auf und sinken dann ohne Spuren zu hinterlassen.«

Als sich 1969 die norwegisch - englische Formation " Titanic " zusammen fand, war für jeden einzelnen Musiker sicherlich noch nicht klar, dass ihr Projekt " Titanic " 10 Jahre und 4 ( insgesamt jedoch 8 ) Alben ,später eben genau auf diese Weise in der Versenkung verschwinden würde.

Innerhalb diese Dekade liegt aber die Veröffentlichung eines gleichnamigen Debüt-Albums, dass 1970 auf dem Markt erschien und in diesem Jahr auch in der BRD für 22,-- DM zu erwerben war.
Auf der im marine-blauem Cover einliegenden Vinylscheibe sind:

Björn " Chappy " Kjeel: Percussions, Gesang

Roy Robinson: Gesang

Janne " Janny " Loseth: Gitarre, Gesang

Kenny " Kenny " Aas: Orgel, Bassgitarre

John " John " Lorck :  Schlagzeug

zu hören.


Die A-Seite der CBS-Scheibe beginnt denn auch gleich mit dem ersten " Kracher ". Das Stück wurde " Searchin´" genannt und erstreckt sich auf 7:00 Minuten. Ein exzellenter Percussion-Mittelteil und ein Hammond-Orgelsolo gehören dabei zu den Höhepunkten. Hierbei zeigt sich, dass die Gruppe einen zielstrebigen Rockstil pflegt. Auch wenn wenn der Gesang ein wenig krächzend klingt - was aber wohl eher der mehr als 40 Jahre alten Scheibe zuzuschreiben sein dürfte -, gehört " Searchin " zweifelsohne zu den  stärkeren Titeln dieses Erstlingwerks.

Das Folgestück " Love Is Love " fällt schon deutlich zu dem einleitenden Song von " Titanic " ab. Sicherlich ein durchaus hörbarer Titel, der mit 4:15 Minuten das auch damals schon übliche Maß von 3:00 Minuten übersteigt. Auch hier fällt eine temporeiche Schlaginstrumente - Begleitung auf.

Der Song " Mary Jane " sticht durch eine voluminöse Orchestereinlage hervor und ist mit 4:32 Minuten Länge ebenfalls deutlich über der vorgezeigten 3:00 Minuten - Marke. Ein etwas schwulstiger Gesang tut dem Stück keinen Abbruch. Vielleicht sollte das Balladen artige Lied eine Hommage an den " Rolling Stones " - Singletitel sein.

Die erste Seite der " Titanic " - LP endet mit dem vielsagenden Song " Cry For A Beatle ". Na, ja, da können die " Stones " wohl nicht gemeint sein. Das mit 2: 50 Minuten kurze Stück ist zwar solide produziert, hebt aber nicht gerade die Gesamtqualität der LP der norwegisch - englischen Formation.

Die B-Seite oder 2. Seite hält dann einleitend gleich einen weiteren, erstklassigen Song bereit: " Something On My Mind " ist mit 6:49 Minuten voller Überraschungen. Nicht nur das verhallte und mit Wah-Wah-Effekten durchsetzte Stück, sehr tempogeladen ist; es zeigt dabei klare Hardrock-Strukturen. Für mich der mit Abstand beste Titel auf dem Album.

Das zweite Stück " Firewater " kann an den Vorläufer nicht anknüpfen. Eher durchschnittlich und ohne größere musikalische Höhepunkte endet es nach 2:38 Minuten. 

Auch der dritte Titel " Schizmatic Mind " zeigt da eine höherwertige Qualität; wenngleich es mit 2:32 Minuten der kürzeste Titel auf dem gesamten Album ist.

Mit " I See No Reason " läuft über 8:15 Minuten und hat wiederum einen orchestralen Teil. Der Refrain " I See No Reason " nervt dabei ein wenig, wird jedoch durch die Instrumente überlagert.

Insgesamt zeigt das 1970er " Titanic " - Album deutlich progressive Musikstrukturen, ohne allerdings als typischen Hardrock-Album eingestuft werden zu können.
Die vier Norweger und der englische Leadsänger geben sich hörbar alle Mühe, dass von der überwiegend anglo-amerikanischen Musikszene beherrschte Marktgeschehen mit zu beeinflussen. 
Nun, das gelang nicht.

Die unter dem CBS-Label veröffentlichte Scheibe galt unter Kennern als Geheimtipp. Nicht mehr und nicht weniger konnte die Gruppe erwarten. Auch wenn Stücke wie " Searchin´" und " Something On My Mind " in einigen Diskotheken gespielt wurde.
Die LP wurde in Holland produziert und gelangte Mitte 1970 auf den BRD-Plattenmarkt.

Nach dem zweiten Album, dass den sinnigen Titel " Seawolf " trägt und nur zwei wirklich gute Stücke aufweist, nämlich " Seawolf " und " Sultana ", verlor ich das Interesse an der Gruppe " Titanic ". Für mich ging sie dann im Verlaufe der 70er Jahre unter, so wie das große Vorbild vor 100 Jahren.