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Dienstag, 31. Januar 2012

" Schon gehört, Frau Geiz? Schlecker ist impotent! "

Was die Spatzen bereits seit einigen Wochen von den Dächern der BRD-Gerüchteküche pfiffen, ist seit vorletzter Woche nun doch zur Gewissheit geworden: Die Drogerie-Kette " Schlecker " hat den Antrag auf Insolvenz gestellt und mit ihr daraufhin die vormals aufgekaufte Konkurrentin " Ihr Platz ". Der schleichende Niedergang des einstigen Drogerie-Giganten, der sich in den 80er Jahren mittels selbst beweihräuchernder Werbung schon die ersten juristischen Auseinandersetzungen und Niederlagen in das Nest legt, wurde von Fachleuten vor nicht all zu langer Zeit prognostiziert.
Waren es damals die Webeslogans " Niemand verkauft mehr Ware ... " oder " Preisberühmt... ", so gilt dieses eigens an das Revers geklebte Attribut des " Billigheimers " längst nicht mehr.

" Schlecker " trat an, um die vermufften und durch unsinnige Gesetze reglementierten Teilmärkte in Westdeutschland aufzumischen. Als die Wettbewerbs verhindernden Vorschriften in den Bereichen der Drogerieartikel aufgehoben, gelockert oder verändert wurden, konnte sich das Konzept des Firmengründers Anton Schlecker voll entfalten. Ähnlich wie bei den beiden Albrecht-Brüdern, die ihre ALDI-Märkte nach einem identischen Muster aus dem Boden stampfen ließen, war Schlecker angetreten. Durch eine drastische Kosten reduzierende Konzeption stattete der spätere Drogerie-Riese seine Märkte aus. Über viele Jahre hinweg besaßen diese zum Beispiel keinen eigenen Telefonanschluss. Es waren dort entweder weibliche Aushilfskräfte, Angelernte oder Teilzeitkräfte beschäftigt. Eine Arbeitnehmervertretung existierte nicht oder war schlichtweg unerwünscht ( verboten ).

Was in denGründerjahren ab 1975 sukzessive mittels einer aggressiven Preis - und Personalpolitik als Gewinn erwirtschaftet wurde, legte der Firmengründer Anton Schlecker in die Expansion seines Unternehmens an. Je mehr Filialen eröffnet werden konnten, desto präsenter war Schlecker im Inland. Selbst in kleinen Orten ließ er Märkte bauen. Mit einer zügigen Expansion des Unternehmens gelang es Schlecker auch im europäischen Ausland Fuß zu fassen. Zudem baute er weitere Handelsketten durch Aufkauf in sein Imperium ein.

http://de.wikipedia.org/wiki/Schlecker

Das ist nun, nachdem in den Jahren 2008 bis 2011 Verluste gefahren wurden und sich Ende 2011 bereits ein Liquiditätsengpass offenbarte, in die Insolvenz geschickt wurden. Schlecker´s Tochter Maike und dessen Sohn Lars werden nicht in der bisherigen Form weiter wirtschaften können. Obwohl sich Beide redlich bemühen, das seit vielen Jahren negative Image des Konzerns durch veränderte Verkaufs - und Personalkonzeptionen aufzubessern.
Schlecker galt seit den 90er Jahren nicht nur als Lohndrücker und unsozialer Arbeitgeber, denn zudem machte die Drogerie-Kette von sich aufmerksam, weil beinahe täglich eine Filiale von einem bewaffneten Räuber überfallen wurde. Die Beute war zwar jeweils eher gering, der Imageschaden wegen der damit verbundenen Berichterstattung zu fehlenden Sicherheitstechniken, jedoch groß.

Nun muss sich der Konzern über den Insolvenzverwalter neu aufstellen. Das die Schlecker-Gruppe zerschlagen und abgewickelt wird, dürfte eher unwahrscheinlich sein. Wahrscheinlicher ist vielmehr, dass nicht wirtschaftlich arbeitende Filialen geschlossen werden. An den schlechten Ruf der Schleckers wird dieses indes nichts ändern. Schon machen sich die Gazetten über dieses Ereignis in Form von diversen Artikeln und Illustrationen lustig.
Traurig ist aber doch, dass die mehr als 47.000 Mitarbeiter in eine ungewisse Zukunft sehen.

Montag, 30. Januar 2012

Wie links darf " Die Linke " wirklich sein?



Unser aller Günther talkte gestern Abend wieder mit seinen Gästen zu dem Thema " Links vor rechts - Jagt der Verfassungsschutz die Falschen ". Was in der sonntäglichen Diskussionsrunde die Gemüter, insbeondere jene des        CSU-Marsmenschen Dobrindt und des Ex-Präsidenten des Bunderverfassungsschutzes Frisch sowie der CDU-Trutsche und einstigen DDR-Bürgerrechtlerin Lengsfeld, so erhitzte, ist eigentlich seit einigen Jahren bekannt: Die Partei " Die Linke " - vormals PDS - wird von den Schlapphüten des Bundes und zum Teil der Länder, systematisch observiert, weil sie nicht verfassungskonforme Ansichten verteten soll. Das Dreigestirn prügelte denn auch heftig auf den anwesenden Stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden dieser Partei, Dietmar Bartsch ein und scheute sich nicht, dabei auch Fakten zu verdrehen und Halbwahrheiten umzuinterpretieren.

http://daserste.ndr.de/guentherjauch/aktuelle_sendung/gaeste2749.html

Weil der Verfassungschutzkritiker Heribert Prantl, seines Zeichens Ressortchef der Süddeutsche Zeitung im Bereich Innenpolitik, den gesamten Aktionismus in diesem Fall für völlig überzogen hält, bekam auch er sein Fett von den drei Rechtsauslegern ab.

Worum geht es eigentlich?

Vor einiger Zeit wurde ruchbar, dass 25 Abgeordnete der Partei " Die Linke " von den Verfassungsschutzämter beobachtet werden. Ob hierbei das Wort " bespitzelt " der richtige terminus technicus ist, muss bezeifelt werden. Fakt ist auf jeden Fall, dass sämtlich Abgeordneten aus dem Osten stammen. Also aus den Neuen Bundesländern oder der einstigen DDR. Daran wäre nichts außergewöhnliches anzumerken, wäre, ja wäre da nicht die Feststellung, dass die übrigen Abgeordneten den Verfassungsschutzämter offensichtlich egal sind.
Diese seltsame Konstellation stösst sogar den eher CDU/CSU nahen Medien auf. Denn es titelte die Süddeutsche Zeitung in einem leicht süffisanten Unterton:

http://www.sueddeutsche.de/politik/die-linke-und-der-verfassungsschutz-aus-dem-osten-oh-verdaechtig-1.1266643
Was nun die Gruppe um Gregor Gyi anbelangt, so haben diese sich gegen die Überwachung durch den bundesdeutschen Verfassungsschutz mit legalen Mitteln gewährt und zogen mit ihrem Anliegen vor das Bundesverwaltungsgericht. Zwar bügelte das höchste Gericht des Verwaltungsrechtsweges die Klage von Gysi und Genossen ab, dennoch ist das Verfahren nicht beendet. Die beobachteten Abgeordneten haben Karlsruhe mit ihrem Anliegen behellig. Wie dort das Bundesverfassungsgericht urteilen wird, steht möglicher Weise in den Sternen.

Derweilen hetzten die geistigen Amöben wie Dobrindt, Lengsfeld und andere Scharfmacher fleissig gegen die Partei, denen sie unterstellen, nicht auf dem Boden der Freiheitlich Demokratischen Grundordnung zu stehen, sondern in ihrem Parteiprogramm zum Umsturz und der Abschaffung des Kapitalismus - ergo: der Demokratie - offen aufzurufen. Das sei staatsfeindliche Propaganda und gehöre demnach verboten. Das CSU-Knittergesicht Dobrindt legte denn gleich anch der Talshow medial nach und hielt einen Verbotsantrag gegen die Partei " Die Linke " für möglich.
Nun sind mit dem bayrischen Wursthansel sämtliche Gäule durch gegangen.
Da hört und liest sich - retrospektivisch betrachtet - ganz nach dem Ober-Bazi und Linkenfresser FJS an!

Wenn Dobrndt - natürlich aus Wahlkampf taktischen Erwägung heraus - so richtig gegen Bartsch vom Leder ziehen konnte, dann auch nur, weil er es geschickt verstand, in seinen Arguemntationen dreiste Lügen einzuflechten. Gleiches gilt für die Ex-DDR-Dissidentin Lengsfeld. Diese " feine " Damen nimmt kein Blatt vor dem Schmollmund, wenn es darum geht, gegen die einstige SED, ihren vermeintlichen Ableger, die PDS und die daraus entstandene Partei " Die Linke " zu polemisieren. Lengsfeld , einst selbst SED-Mitglied, hat in ihrer seit vielen Jahren entwickelten Linken - Paranoia, die darauf  fusst, dass sie einst von ihrem eigenen Ehemann Wollenberger, der für die Staatssicherheit als " IM Donald " tätig war, bespitzelt wurde, nun nach ihrem Übertritt inde CDU, eine wahre Linkenhatz begonnen. Wenn Lengsfeld ihren persönlichen Frust aus der vormaligen Stasi-Ehe nicht bald abbaut, wird sie - ohnehin mit einer üppigen Figur versehen - alsbald Herzinfarkt gefährdet sein.

So palaverte sie denn zusammen mit dem Volltrottel Frisch, der in seiner Zeit als Bundesverfassungspräsident die reine Witzfigur abgab, über die Rechtmäßigkeit der Linken-Observation.

Natürlich kommen verfassungsfeindliche Bestrebung nur aus dem Linken-Lager, denn solche Demokraten wie Dobrindt, Lengsfelder und Frisch sind auf dem rechten Auge bereits bei der Geburt erblindet. Die Gruppe der rechtsäugigen Blinden nimmt allerdings in der CDU/CSU und der Pygmäen-Partei als Koaltionspartner bedrohlich zu. Je mehr das Lager rundum die Dummschwätzer a´la Dobrindt gegen die Partei " Die Linke " verbal zu Felde ziehen möchte, desto unglaubwürdiger werden solche Hetzer.
Oder anders formuliert: Wer schützt die Verfassung eigentlich vor den Verfassungsschützern?

( Bild: Stefan Kühn - WIKIPEDIA )

Wo ist eigentlich Dietrich " Didi " Thurau abgeblieben?

Das Leben eines Sportlers kann oft sehr grausam sein. Waren sie oder er noch vor vielen Jahren gefeierte Stars, die von der Medienmeute in allen nur erdenklichen Abarten hofiert wurden, so trifft sie die spätere Namenlosigkeit nach dem offiziellen Abschied aus dem Profigeschäft dann besonders hart, wenn sie zu den Zeiten des Ruhms, der Ehre und der lukrativen Verträge, das dort eingesammelt Geld nicht richtig angelegt haben. In diesen Fällen geht der Abstieg vom einstmals begehrten Sportler zu einem Niemand rapide von statten. In einigen Fällen so zügig, dass es der Betroffene nicht einmal sofort bemerkt.

Als am 9. November 1954 ein Kind mit dem Namen Dietrich Thrau in Frankfurt am Main geboren wurde, konnte natürlich noch kein Mensch voraussehen, dass dieses einmal zu den bekanntesten Radsportlern aufsteigen sollte.
Thurau stieg mit 20 Jahren in das Profigeschäft ein. Er erzielte bereits im Jahre 1974 einige Erfolge, die er dann in der Folgezeit ausbauen konnte. Als 22jähriger drückte er 1976 der Tour de France über viele Etappen und Tage seinen Stempel auf. Der große Erfolg blieb ihm jedoch verwehrt. Der spätere Sieger, der französische Profi Bernard Thevénent, nahm Thurau nach der 15. Etappe das Gelbe Trikot ab und setzte sich bis zum Finale an die Spitze der Tour-Teilnehmer.

In den weiteren Jahren seiner Prof-Laufbahn, die er 1989 beendete, errang Dietrich Thurau noch einige Platzierungen, ohne jedoch unter den ganz Großen zu gehören. Kritiker warfen ihm bereits damals vor, dass er sich lieber in der Wintersaison bei 6-Tage-Rennen verheizen lasse, als sein vorhandenes Talent zu schonen und sich für die wichtigeren Sommer-Wettkämpfe zu regenerieren.

Auch wenn es so nie ausgesprochen wurde, aber es ist anzunehmen, dass Thurau Geld benötigte, um sein kostspieliges Leben zu finanzieren. Auch bei den Hallen-Radrennveranstaltungen gab es lukrative Preis - und Startgelder, die er sicherlich gerne mit einstrich.

Ein eher unappetitliches Kapitel in der Thurau-Vita stellen die permanenten Dopingverstöße dar, die er später, nämlich erst nach Beendigung der Sportler-Laufbahn unumwunden einräumte. Da Thurau in den 80er jahren kein Einzelfall war, hielt sich das mediale Interesse und die geheuchelte Empörung in der Öffentlichkeit eher in Grenzen. Anders als sein  Kollege Jan Ullrich, blieb Thurau deshalb das Spießrutenlaufen ud das Anpragern als "Betrüger" erspart.

 http://de.wikipedia.org/wiki/Dietrich_Thurau

Dafür geriet er nach dem Ende seiner sportlichen Laufbahn als Privatmann mit der Justiz in Konflikt. Einer Verurteilung wegen Körperverletzung folgte nun, am 27. Januar 2012, ein Strafbefehl wegen Untreue in Höhe von 190 Tagessätzen zu 210,-- Euro, summa summarum 39.900 ,-- Euro. Thurau soll eine Zahlung an seinen Vater in Höhe von 49.000,-- Euro, die dieser wegen eines Unfalls mit anschließender Querschnittslähmung, auf das von Dietrich Thurau treuhänderisch verwaltete Konto, für eigne Zwecke ausgegeben haben.
Zu der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Frankfurt am Main erschien der jetzt in der Schweiz lebende Thurau nicht. Er gab dazu bei Gericht an, am Tag eingeschneit worden zu sein.

Ob das Verfahren gegen Thurau damit beendet ist, bleibt abzuwarten. Noch hat er Gelegenheit gegen den ihm demnächst zugestellten Strafbefehl binnen 14 Tagen Einspruch einzulegen.
Thurau gilt anderenfalls als "vorbestraft", denn ab 90 Tagessätzen ist die Verurteilung in dem Bundeszentralregister auch in Führungszeugnisse für den privaten Gebrauch einzulesen.

Traurig, traurig, lieber "Didi"!

Sonntag, 29. Januar 2012

Was ist eine Ostfriesische Palme?

                                                                                                            (c) WIKIPEDIA
                       
Der gemeine Norddeutsche im Allgemeinen und der Ostfriese im Besonderen haben so etliche Eigenarten. Der Norddeutsche mag das Meer, aber auch die Berge und ist oft heimatverbunden. Der Ostfriese mag nicht nur das Meer, sondern auch die grünen Wiesen, die Deiche, die ihn vor dem Wasser bei Sturmflut schützen sollen und das Watt. Kulinarisch betrachtet, hat der Ostfriese ebenfalls einige Spezialitäten zu bieten. Die Ostfriesische Küche ist dabei den Jahreszeiten angepasst. So gibt es die berühmte Mai-Scholle eben nur in diesem Monat, den Bratapfel eher im Winter und den Ostfriesen-Tee ganz jährig.

Wer ein wenig googelt, der findet unter dem Begriff " Ostfriesische Küche " eine Vielzahl von Seiten, die diverse Rezepte parat haben. Hier eine kleine Auswahl:

http://www.chefkoch.de/rezeptsammlung/401184/ostfriesische-Kueche.html

http://www.chefkoch.de/rezeptsammlung/401184/ostfriesische-Kueche.html

http://www.kwagga.de/ostfriesland/rezepte.htm

Neben der typischen Ostfriesischen Küche, den landschaftlichen Besonderheiten, hat die Region auch einige Freizeitaktivitäten zu bieten, die bei dem Nicht-Ostfriesen manchmal mild belächelt werden.

Da gibt es das Klootschießen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Klootschie%C3%9Fen#Der_Wettkampf

Das Booßeln:


http://de.wikipedia.org/wiki/Bo%C3%9Feln#Stra.C3.9Fenbo.C3.9Feln

Das Schlickschlittenfahren:

http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/oldenburg/schlamm117_p-11.html

Den absoluten Höhepunkt sportlicher Aktivitäten stellt zweifelsohne die Ostfriesen Olympia dar:

http://www.grik.de/a1646-Ostfriesen-Olympiade-echt-ausgefallen.html

Wer die Landschaft zwischen Weener, Leer, Emden, Aurich, Wttmund, Norden, Wiesmoor in sein Herz geschlossen hat, den zieht es regelmäßig wieder dorthin. Wer diesen Landstrich nebst den Ostfriesischen Inseln kennt, der ist auch in den von dort stammenden und gepflegten Kultureigenarten bewundert.
Hierzu zählt natürlich auch die " Kohlfahrt ". Jener besondere Zeitvertreib - Sport ist diese Veranstaltung allenfalls am Rande -, dem in den kälteren Monaten von November bis Ende Februar gefrönt wird.
Zweck der geselligen Veranstaltung ist es, den so genannten " Kohlkönig " zu ermitteln, der oder die hat dann im Folgejahr die " Kohlfahrt " zu organisieren.

Neben reichlich alkoholischer Getränke und einigen Nonsens-Spielen, die während der Wanderung durch geführt werden, kommt gegen Abend das Kohlessen auf den Tisch. Grünkohl, so wie er in den nördlichen Regionen der Bundesrepublik bezeichnet wird, ist dort eine Spezialität. Er wird zusammen mit gekochten Kartoffeln - manchmal auch Pellkartoffeln oder auch Bratkartoffeln - in einem entsprechend großen Topf zubereitet. In dem Kohl befindet sich die " Pinkel " ( eine Grützwurst ), Bauchspeck, Kasseler ( geräucherte Fleischstücken vom Schwein ), Rippchen oder auch Rauchenden ( geräucherte Mettwürste ).
Der Grünkohl wird in verschiedenen Variaten zubereitet.

Grünkohl lässt sich aber nicht nur als deftiges Gerichtzubereiten. Neben den klassischen Speisen, können auch Grünkohlaufläufe serviert werden.

http://www.chefkoch.de/rezeptsammlung/1258767/Gruenkohl-Gerichte.html

Das Wintergemüse existiert in verschieden Sorten.Allein im ostfriesischen Raum gibt es mehr als 25 Sorten. Diese unterscheiden sich oft nur in Nuancen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCnkohl

Da auch auf dem Sektor des Grünkohlanbaus mehr und mehr industrielle Fertigungsmethoden Einzug halten, droht das Aussterben alter Grünkohlsorten. Dagen wehrt sich ein landwirt aus Ostfriesland und beabsichtigt die unterschiedlichen Sorten auf seinen Ländereien durchgängig anzubauen. Ob es ihm gelingt, ist fraglich, denn es gibt bereits hier künstlich hergestellte Grünkohlpflanzen, die ohne den obligatorischen ersten Frost abzuwarten, auch so das volle Geschmacksbild abgeben sollen. Wehret den Anfängen!

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/umwelt/452072/

In den Zeiten der Globalisierung kann es nämlich durchaus sein, dass alsbald Grünkohl in den subtropischen Ländern angebaut und zu Dumpingpreisen hier zum Verkauf angeboten wird. Dann sind die als Palme benannten Grünkohlpflanzen tatsächlich welche. Noch aber gibt es die Ostfriesische Palme als wohl schmeckendes Gemüse aus dem platten Land hinter den Deichen zu kaufen.

Samstag, 28. Januar 2012

Der Deutsche Verkehrsgerichtstag, der Wulff und die Sieben Geislein.

                                                                                 (c) Fridolin Freundefett-WIKIPEDIA

" Oma, lies doch noch mal was aus dem Brigadetagebuch vor!", so lautete ein sinniger Spruch zu DDR-Zeiten, wenn die Diskrepanz zwischen verordneten Wunschdenken und der real-sozialistischen Wirklichkeit benannt werden sollte.Das diese Verhohnepipelung auch auf die gesamtdeutschen Befindlichkeiten im Bereich des Verkehrs uneingeschränkt Anwendung finden, ergibt sich aus den jährlichen Veröffentlichungen des Deutschen Verkehrsgerichtstags in Goslar.

Was dort in der grauen Theorie als erstrebenswert in Gesetze, Verordnungen und Ordnungen gekleidet, dann diskutiert wird, hat soviel mit der Realität zu tun, wie die Erde einst als Scheibe betrachtet wurde. Jenseits der ungezählten Paragraphen wird auf den bundesdeutschen Straßen tagtäglich " Wilde Sau " gespielt. Da werden die Aggressionen abgebaut, die PS-Monster bis zum Anschlag ausgefahren und der andere Verkehrsteilnehmer zu Freiwild umfunktioniert.

Wenn sich all jährlich mehrere hundert " Experten " zu diesem Ereignis treffen, dann wird in unterschiedlichen Arbeitsgruppen - englisch: workshops - über das ganze Elend der BRD-Verkehrspolitik gesprochen.
Als Gast war natürlich auch der Bundespräsident geladen. Der Wulff stand nun vor den vielen Kolleginnen und Kollegen sowie den weiteren Fachleuten und hielt eine salbungsvolle Rede:

http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Christian-Wulff/Reden/2012/01/120126-Verkehrsgerichtstag.html

Tatsächlich warteten die vielen Zuhörer darauf, dass der Herr Bundespräsident doch noch einige Sätze zu dem aufdeckten Sumpf rund um die diversen Zuwendungen seiner vermeintlichen Freunde verliert. Aber. Welch Enttäuschung, darüber verlor er kein Wort.
So lauschten die Teilnehmer des 50. DVGT seinen Plattitüden, die er eher fade und emotionslos absetzte.
Wulff hat derzeit keinen leichten Stand. Nicht in der Öffentlichkeit, nicht bei den Medien und auch nicht mehr bei seinen Parteifreunden.

Vielleicht wäre es besser gewesen, der " Krischan " hätte einen Crash-Kurs im Umgang mit der Wahrheit absolviert und nebenbei die Grimm´schen Märchen erzählt. Da gibt es ja auch jenes von dem gefräßigen Wolf, der die sechs Geislein frisst, ehe er dann von der Last der Mühlsteine im Bauch im Brunnen ertrinkt.In der Alltagspolitik ist es doch ähnlich wie im Straßenverkehr: Der Gesetzlose siegt und der Lügner erhält am Ende vor Gericht noch Recht. Mensch Wulff, warum sattelst Du nicht noch auf Deine alten Tage um und wirst Verkehrsrichter, da lügen immer nur die Anderen und Du behältst eine Weiße Weste?

Donnerstag, 26. Januar 2012

Wer war Howard Duane Allman?

                                                    (C) Ed Berman - WIKIPEDIA

 Ein unbeschriebenes Gesetz des Rock´n ´ Roll lautet: " Live fast, love hard, die young. "
Das diese Regel für viele Musiker zutraf, hat die Historie des Rock längst gezeigt. Ob nun Janis Joplin, Jimi Hendrix oder Jim Morrison, sie alle und noch mehr vor sowie nach ihnen, starben in jungen Jahren.
Hierzu zählte auch Duane Allman.
Er wurde am 20. November 1946, als vor mehr als 65 Jahren in Nashville, Tennessee geboren.

Zusammen mit seinem ein Jahr jüngeren Bruder Gregg erlernte er mit 14 Jahren das Gitarrenspiel und gründete mit ihm später eine eignen Band mit dem Namen " Allman Joys ", der die Gruppe " Hour Glass " folgte. Ab 1969 fungierte Duane Allman auch als Studiomusiker, wo er unter anderem auch auf Alben von Wilson Pickett, Aretha Fraklin und King Curtis spielte. Wenig später gründete sich die Allmann Brothers Band. Duane Allman lebte inzwischen in Florida, wo sich die Formation dann zusammen setzte.

http://de.wikipedia.org/wiki/Duane_Allman#Biografie
http://de.wikipedia.org/wiki/Duane_Allman

Gregg Allman
Berry Oakley (bis † 1972)
Gitarre
Duane Allman (bis † 1971)
Gitarre, Gesang
Dickey Betts (bis 2000)
Butch Trucks
Jaimoe Johanny Johanson (bis 1980)


Das Duane Allman nicht nur zum zweit besten Gitarristen aller Zeiten ( hinter Jimi Hendrix ) von der US- Musikfachzeitschrift " Rolling Stone " gekürt wurde, kommt nicht von ungefähr. Er zeigte in seiner kurzen Schaffenszeit all jene Virtuosität, die ein außergewöhnlicher Gitarrenspieler benötigt, um sich von der Masse abzuheben. Die wenigen Alben der " Allman Brothers Band ", die in der Urbesetzung eingespielt wurden, lassen den Schluss zu, dass dort ein Genie an der elektrischen Gitarre stand und diese in einer unnachahmlichen Weise singen ließ. Es wurde das Symbol der Südstaaten-Rock; einer Mischung aus Blues, Rock und Jazz - sowie Funkelementen.
Die " Allman Brothers Band " waren bereits nach ihrer Gründung eine Live-Gruppe, die sich durch ausschweifige Improvisationen zu einem Titel hervor hob.

Die wenigen LPs, die einst auf dem Markt kamen, bestätigen dieses eindrucksvoll:



Als Duane Allman am  29. Oktober 1971 bei einem Motorradunfall tödlich verunglückte, hinterließ
er bei der Band, die das geplante Doppel-Album " Eat a peach " dennoch fertig einspielte, eine riesige Lücke.
Das die beiden Doppel-LPs " Live at Fillmore East " und " Eat a peach " auch in meinem Archiv stehen, ist dem Umstand geschuldet, dass jeder Rockfan aus den 70ern diese Platten vorzuweisen hatte, zumal sich das komplette Konzert der Allmans aus dem Jahre 1971 dort befindet.

Duane Allman war aber auch eine begnadeter Sessionmusiker. So trat er 1970 in der von Sir Eric Clapton gegründeten Band " Derek & the Dominos "als Gastmusiker ein und spielte zusammen mit Clapton , wo er das  hervorragende Album " Layla and other assorted love songs " mit produzierte. Die beiden Ausnahmegitarristen hatten derart viel Spaß an dem Projekt, dass sie sich in einen wahren Rausch hinein spielten.
Als Eric Clapton 1971 von dem Tod Duane Allman´ s hörte löste er die Formation auf. Clapton verfiel über mehrere Jahre in eine schwere Heroinabhängigkeit, aus der er sich nur langsam befreien konnte.

http://de.wikipedia.org/wiki/Derek_and_the_Dominos

In dem " Rock Lexikon " von Barry Graves und Siegfried Schmidt-Joos ist unter dem Namen Duane Allman auch zu lesen, dass ein Kritiker von damals ihn als introvertierten Menschen beschrieb, den außer die Musik, seine Gitarren und das Motorrad, rein weg gar nichts interessierte. Warum auch nicht? Wer ein solches Talent hat, muss sich nicht um den übrigen Dreck in dieser Welt kümmern.

Katzeklo, macht den Helge froh.

                                                                                    (c) Afrank99-WIKIPEDIA

Es ist schon fast 19 Jahre her, als ich zum ersten Mal den Namen Helge Schneider hörte. Im Jahr 1993 erschien seine Doppel - CD " Es gibt Reis, Baby ". Sie war einst ein Geburtstagsgeschenk für einen jungen Mann aus der einstigen Verwandtschaft. Er hatte das Album wegen des dort enthaltenen Titels " Katzeklo " auf seinen Wunschzettel gesetzt. Die Doppel-CD war sündhaft teuer und ich musste dafür 44,-- DM berappen. Als das Geburtstagskind mir diese vorspielte, war ich nicht gerade erbaut von dem, was sich auf den beiden Silberlingen befand.
So ein Quatsch, waren meine Gedanken. Das hörte sich mehr nach Kabarett, denn nach Musik an.
Der Beschenke indes war hell begeistert und strahlte wie ein Honigkuchenpferd.

Einige Jahre später war der Name Helge Schneider wieder aus meinem Gedächtnis verschwunden. Die 90er Jahre setzten für mich andere Prioritäten. Der tägliche Überlebenskampf als zugelassener Rechtsanwalt ließ keinen Freiraum für mein schlummerndes Hobby: die Musik. Auch nicht für Veranstaltungen auf diesem Gebiet. Helge Schneider gastierte zwar einige Male in Bremen, da ich immer noch die " chaotische " Doppel-CD im Hinterkopf hatte, wäre ein Konzertbesuch für mich ohnehin nicht in Betracht gekommen.

Als Udo Lindenberg in seiner vorletzten CD ein Stück mit Helge Schneider aufnahm ( " Chubby Cheker " ) hat Helge Schneider längst einen festen Platz im bundesdeutschen Show-Biz erlangt. Er gehört zu den Unterhaltungskünstlern, die sich nicht in ein bestimmtes Format pressen lassen. Er ist einerseits Multiinstrumentalist, andererseits ein Sprachakrobat; er ist ein Jazzer, andererseits ein Kleinkünstler, der auch als Alleinunterhalter das Publikum begeistert. Helge Schneider: Ein kreativer Chaot im Zeitalter der formatierten Geschmacksautomation mit Wegwerfgarantie. Ein Unikum mit intellektuellem Anspruch, den er auch auf der Bühne durch blicken lässt. Helge Schneider ein Schauspieler und Autor, dessen Wirken und Werke die gesamte Bandbreite des Nonsens abdecken.

http://de.wikipedia.org/wiki/Helge_Schneider

Das ZDF Spartenprogramm " ZDFKultur " brachte am Mittwoch, 21.01.2012, Ausschnitte aus dem Auftritt von Helge Schneider in Berlin. Unter der Serie:

Kopf der Woche: 
Helge Schneider  
Komm hier haste ne Mark! 
Helge Schneider live im Admiralspalast Berlin 2010.

Was Helge Schneider hier in 1:40 Stunden dem Publikum kredenzte, war a´la bonne heure. Nicht nur die exzellent besetzte Begleitband, in der sich auch die Schlagzeug-Legende Pete York wieder fand, nein, auch das musikalische Programm und die clownesken Einlagen, gaben genügend Anlass, um als Quintessenz festzustellen, dass hier ein Multitalent am Werk war. Helge Schneider ist mit seinen Darbietungen sperrig, manchmal schwer verdaulich und unkonventionell. Er nimmt bei seinen Parodien kein Blatt vor den Mund, ohne jedoch verletzend zu sein.
Wenn der gesamte Comedy - und Slapstick - Müll, den die Privaten dem längst im geistigen Siechtum befindlichen Zuschauern aus der werberelevanten Bevölkerungsgruppe 16 bis 49 in den schwachsinnigen Sendungen um die Ohren hauen, nur einen Bruchteil der Schneider´schen Qualität besäßen, diese Sender würden aus der seit 20 Jahren andauernden Sinnkrise ad hoc befreit werden können.

Helge Schneider weiß wohl genau, warum er sich von diesem Unterhaltungsschrott distanziert. Wer ihn nicht nach dem Auftreten nur rein oberflächlich bewertet, sondern auch die Absichten hinter seinen Darbietungen sieht, kann nachvollziehen, warum er sich nicht katalogisieren lassen will.
Das Konzert gestern war eine Ohren - und Augenweide. Nicht nur für die Helge Schneider - Fans!

Mittwoch, 25. Januar 2012

Der Freitod ist feige! Ist er es wirklich?

                                                                                               (c)Staatsarchiv Berlin bei WIKIPEDIA

Der ARD-Film vom letzten Mittwoch " Der letzte schöne Tag " hatte mich angeleitet, eine kurze Rezension hierüber zu schreiben. Nicht nur wegen der dargestellten Thematik zum Suizid. Da gibt es ein durchaus brisanteres Thema. Der Tod ist so selbstverständlich wie die Geburt und das Leben. Als wesentlich dramatischer stufe ich das Martyrium des hinterlassenen familiären Umfelds ein.Was bei mir Assoziationen zu eigenen Erlebnissen geweckt hatte. Eigentlich war mein Anliegen, den sehr authentisch dargestellten Umgang der Hinterbliebenen mit dem Tod; hier im speziellen Fall: den Freitod, den Suizid und die Selbsttötung, zu bewerten.
Der Suizid als radikale Lösung zur Beendigung eines auf den einzelnen Menschen bezogenen, von ihm selbst so gesehenes, unwerten Lebens.

Wer oder was treibt einen Menschen in den Freitod? Sind es die Erkenntnisse, dass das eignen Leben in der gelegten Form nicht mehr lebenswert ist? Oder sind es fremdbestimmte Einflüsse, deren Steuerung außerhalb des sich selbsttötenden Menschen lagen? Sind es krankheitsbedingte Faktoren, die die Entscheidung selbst aus dem Leben zu scheiden, so stark in den Vordergrund bringen lassen, dass die Frage des Wann nur noch gestellt werden muss?

Was bedeutet der Suizid dann für die Hinterbliebenen? Sie erhalten eine andere Stellung in der Gesellschaft. Schon die Benennung Witwe(r), Halbwaise oder gar Waisenkind(er) sagt aus, dass sie nach dem Freitod einer Mutter oder eines Vaters anders behandelt werden. Auch die weiteren Angehörigen werden durch diese neue Situation in ihrem eignen Leben beeinflusst. Häufig werden sie mit der quälenden Fragen konfrontiert: " Hätte ich, hätten wir das verhindern können? " oder: " Warum habe ich, haben wir nichts gemerkt? " 
Selbstvorwürfe und Schuldgefühle gehen bei der Verarbeitung eines solchen Falles mit einher. Die Standardfloskel des: " Warum? ", wie sie häufig bei medial aufgebauschten Tötungsdelikten oder spektakulären Unglücken auf Plakaten inmitten des illuminierten Tat - oder Unglücksortes zu lesen ist, wirkt auf den Betrachter eher banal, denn ehrlich.

Jährlich gehen mehr 10.000 Menschen freiwillig (?) aus ihrem Leben in den Tod. Hierzu werden unzählige Varianten gewählt. Wenn sich ein Mensch vor einen heran jagenden Zug wirft, nennt die Deutsche Bahn dieses Ereignis eine " technische Störung ". Wenn ein Mensch mit einem PKW an einen Betonbrückenpfeiler rast, wird von einem " Verkehrsunfall mit Todesfolge " gesprochen. Der Freitod hat aber nicht nur viele Gesichter, er wird auch von der Gesellschaft unterschiedlich bewertet. Auch in den Medien unterscheidet sich die Berichterstattung zu einer suizidalen Handlung oft nach dem Bekanntheitsgrad des Menschen.Scheidet ein so genannter Prominenter auf diese Weise aus dem Leben, so wird in der oft reißerischen Berichterstattung nach dem Grund des Suizids gefragt. Ohne triftigen Grund scheidet kein Mensch freiwillig aus dem Leben. Wirklich nicht?

Nachdem sich am 9. Mai 1976 die RAF-Terroristen Ulrike Meinhof in ihrer Gefängniszelle des Hochsicherheitstrakts in Stuttgart-Stammheim erhängt hatte, ermordeten weitere Mitglieder der RAF in der Folgezeit weitere Menschen, so u.a. Siegfried Buback und Jürgen Ponto.Es kommt zu weiteren Gewalttaten und zu der Entführung von Hanns Martin Schleyer im Herbst 1977. Nachdem ein Überfall mit Geiselnahme in der Deutschen Botschaft in Stockholm und eine Flugzeugentführung in Entebbe scheitert, nehmen sich die in Stammheim einsitzenden Andreas Baader, Gudrum Ensslin und Jan-Carl Raspe das Leben.
Raspe und Baader erschossen sich mit einer eingeschmuggelten Pistole; Enssling erhängte sich mit Kabelbinder am Fensterkreuz, die mit inhaftierte Irmgard Möller fügte sich vier Messerstiche in die Herzgegend zu, wurde notoperiert und überlebte.

http://de.wikipedia.org/wiki/Todesnacht_von_Stammheim

Die drei Suizide wurde über einen langen Zeitraum untersucht, da von den Anhängern und Mitgliedern der RAF eine Mord-Hypothese in die Öffentlichkeit gestreut wurde, die dann auch bei den Sympathisanten noch Jahre danach als wahr unterstellt wurde.
Die Wahrheit aber lautet hier: Freitod!
Warum?
Nun, die Ziele der RAF waren durch die politisierten Endsechziger bestimmt. In dieser Zeit wurde beinahe Alles, jedoch Vieles in Frage stellt. Die Alt-Faschisten, die in der Nachkriegszeit wieder zu Amt und Würden kamen, verabschiedeten sich sukzessive aus der Wirtschaft und Gesellschaft, nicht ohne, dass sie ihren wieder gewonnenen Einfluss geltend machten, um notwendige Reformen zu blockieren. Dieses erkannten Baader und Konsorten auch. Sie propagierten deshalb den bewaffneten Kampf gegen das " Schweinesystem ", statt den von den 68ern gewählten Marsch durch die Institutionen anzutreten. Die friedlichere Variante gewann zwar im Wettstreit der Ideologien, wenn auch nur langsam und mit Gesinnungsschnüffelei durch die Staatsorgane; der von Baader-Meinhof gewählte Gewaltweg führte letztendlich in die Sackgasse und den Freitod.
 
Die Suizide der RAF-Mitglieder sind nicht nur als Konsequenz des Scheiterns des eigenen Lebens und der vermeintlichen Ideologie, dass mit Gewalt eine gesellschaftliche Veränderung durch gesetzt werden kann, zu betrachten, sondern auch als eine Flucht, um der angeblichen Siegerjustiz nicht den Sieg über die eignen Person und das Recht der Bestrafung zu überlassen.

Viele Jahre später, nämlich genau 34 Jahre, explodierte in Zwickau ein Wohnmobil, in dessen Innenraum die Polizei zwei verkohlte Männer fand. Es handelte sich um die beiden Terroristen Mundlos und Böhnhardt. Sie hatten sich selbst in die Luft gejagt, nachdem sie wegen der Ermittlungen zu verschiedenen Morden und anderer Straftaten von den Behörden steckbrieflich gesucht wurden. Die Selbsttötung als letzter Ausweg in einer ausweglosen Situation?  Der Fanatismus, der in den beiden Männern, die sich als Mitglied des NSU ( Nationalsozialistischer Untergrund ) bezeichneten, inne wohnte, muss wohl so stark ausgeprägt gewesen sein, dass sie den Freitod als letztes Mittel im Kampf gegen den von ihnen verhassten Staat, seiner Organe und der Gesellschaft angesehen haben. Verblendete Männer, die einer diffusen Ideologie hinterher liefen, aus der mehr als ein Dreivierteljahrhundert zuvor nur Tod, Elend und Zerstörung hervor gingen. Auch diese beiden mutmaßlichen Mörder wollten sich der Siegerjustiz entziehen, indem sie sich selbst hinrichteten.

http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistischer_Untergrund

Am 11. März 2009 erschoss der ehemalige Schüler Tim Kretschmar in der Albertville-Realschule in Winnenden 12 Schüler und Lehrer, auf seiner Flucht drei weitere erwachsene Personen und zuletzt sich selbst.
11 weitere Personen wurden verletzt und in Krankenhäuser behandelt. Ungezählte Betroffene und Beteiligte sind bis heute traumatisiert. Die Medien titelten von einem Amoklauf eines normalen jungen Mannes, der plötzlich zur mordenden Bestie mutierte. Was zunächst eher unerklärlich blieb, löste sich alsbald in ein Persönlichkeitsbild des Täters auf, dass von Hass und Gewalt geprägt war. Der Täter war nicht nur in einer Familie groß geworden, in der der Vater als Sportschütze eine Vielzahl von Waffen besaß, den Sohn auch zu Schießsportveranstaltungen mit nahm, sondern ihm auch - unkontrolliert - ermöglichte, die so genannten " Ballerspiele " auf dem PC zu spielen. Hinzu kam ein eher gestörtes Verhältnis zu Frauen und Mädchen. Später ermittelten die Staatsanwaltschaft und die Polizei, dass sich Kretschmar zeitweise in psycho-therapeutischer und neurologischer Behandlung begeben hatte.
Gegen den Vater wurde ein Strafverfahren eingeleitet, da er die Pistole, mit der sein Sohn 15 Menschen und sich selbst erschoss, unbeaufsichtigt hatte liegen lassen. Der Vater wurde knapp zwei Jahre nach dem Amoklauf wegen 15-facher fahrlässiger Tötung und Verstoßes gegen das Waffengesetz zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und 9 Monaten verurteilt. Er lebt mit seiner Frau und der Tochter unter anderem Namen an einem unbekannten Ort. Von möglichen Zivilverfahren gegen den Vater ist bisher nichts bekannt.
Selbst wenn Opfer, Angehörige oder auch die Stadt selbst zivilrechtliche Schadenersatzansprüche geltend machen und vielleicht auch durchsetzen könnten, bei dem Vater dürfte nichts zu holen sein, denn das laufende Strafverfahren wird schon genug gekostet haben.

http://de.wikipedia.org/wiki/Amoklauf_von_Winnenden
http://www.stern.de/panorama/nach-amoklauf-urteil-tim-ks-vater-droht-neue-klage-1652653.html

Auch im Fall des Amoklaufes von Winnenden stellt sich die Frage, ob die Selbstrichtung des Täter Tim Kretschmer in letzter Konsequenz als Lösung zu einem ausweglosen Leben und in einer ausweglosen Situation zu sehen ist. War der Freitod das letzte Mittel, um seinem Leben als gescheiterter Mensch ein Ende zu bereiten? Oder war es nicht so, dass der Täter, der wegen 15fachen Mordes und vielfachen Mordversuchs sowie anderer Delikte zu einer maximalen Jugendstrafe von 10 Jahren verurteilt worden wäre, sich dieser Bestrafung durch den Suizid entziehen wollte?
War es eine Verzweifelungstat nach einem geplanten Massaker? Oder war das eigenhändige Hinrichten eine ebenso geplante Tat, um ein subjektiv als lebensunwertes Dasein - bereits mit 17 Jahren - zu beenden?

Nach dem bundesdeutschen Recht, insbesondere dem Verfassungsrecht hat jeder Bürger die freie Entscheidung, seinem Leben durch Freitod ein Ende zu setzen. Aus Artikel 1 des Grundgesetzes ergibt sich nach der aktuellen Interpretation die Grundlage zur freien Entfaltung der Persönlichkeit. Aus der dort garantierten Individualität wird die Unantastbarkeit der Menschenwürde abgeleitet. Die rechtlichen Grenzen werden durch das Recht der Anderen gezogen und das Verbot, gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz zu verstoßen, gezogen. Zu der freien Entfaltung der Persönlichkeit zählt auch das eingeräumte Recht, lebensverlängernde, medizinische Maßnahmen ablehnen zu dürfen.
Inwieweit ein Verstoß gegen das Sittengesetz durch die Ablehnung lebensverlängernder Maßnahmen vorliegt oder auch die Ausübung der Religionsfreiheit tangiert, ist in der Jurisprudenz strittig.
Das Sichberufen auf die Religionsfreiheit findet dort seine Schranken, wo der Glaube als Dogma anderen Menschen übergestülpt werden soll.
Da der christliche Glaube den Suizid als selbst in die Hand genommenen Mord ablehnt und als Gotteslästerung qualifiziert, was die Hölle als Strafe nach sich zieht, wird auch die aktive Sterbehilfe durch die christlichen Kirchen rundum als mit dem Glauben unvereinbar angesehen.

Entsprechende Grenzen im Hinblick auf die grundrechtlich gewährte freie Entfaltung der Individualität werden durch philosophisch-weltanschauliche System gesetzt. Wobei die Ableitung des Kant´schen Begriffs des Kategorischen Imperativ auf die individuellen Freiheitsrechte, das eigene Handel selbst zu bestimmen, in dem Fall der Selbsttötung zu einem Konflikt mit dessen philosophischen Grundtenor führt und damit gegen das Sittengesetz verstößt.  

Sanktionsrechtlich betrachtet, ist der Suizid straffrei. Die Sterbehilfe indes, also das aktive Dazubeitragen, dass ein Mensch in den Freitod geht, unter Umständen strafbar. Die Anleitung oder Aufforderung durchden Freitod das Leben zu beenden ebenfalls. Der spektakuläre Fall von Jonestown im guayanischen Dschungel 1978, bei dem 921 Menschen sich selbst richteten, wird als Beispiel für eine durch systematische Indoktrination herbei geführte Massenselbsttötung geführt.

Der Suizid hat viele Gesichter, wenn er allein in der BRD jährlich mehr als 10.000 Leben beendet. Es sind aber nicht nur psychische Erkrankungen, wie die als "Volkskrankheit " anzuerkennende Depression, die einen Menschen in den Freitod gehen lassen. Häufig ist es ein Zusammenwirken vieler Faktoren, die dann in der Summe den Willen und Entschluss heran reifen lassen, sein eigens Leben zu beenden. Verzweiflung ist keine Erkrankung. Sie ist der Ausdruck dafür, dass die eigne Kraft, die eigene Persönlichkeit nicht ausreicht, um das knall harte Leben in dieser Ellenbogen-Gesellschaft meistern zu können.Die profit-orientierte Schulmedizin bietet eine Vielzahl von Hilfestellungen, um einen sich mit Suizidgedanken tragenden Menschen zu unterstützen. Nicht alle sind erfolgreich. Häufig werden Berge an Psychopharmaka in einen Suizidgefährdeten hinein gepumpt, damit er ruhig gestellt werden kann.

Als im Herbst 1987 - ich hatte mich gerade mit einem Studienkollegen zur Rechtsanwaltschaft zugelassen - ein  junger Mann in unserer Kanzlei auftauchte und eine " wilde " Geschichte erzählte, die von einem Suizid und einem Verkehrsunfall handelte, wollte ich im das Erzählte nicht abnehmen. " Das ist ein Spinner ", dachte ich mir und ließ mir von einer Kollegin die Akte geben. Nach deren Studium musste ich meine Meinung revidieren. Aus dem " Spinner " wurde plötzlich ein bemitleidendswerter Mensch. Er hatte sich in den Mittacht zigern durch eine Fahrt gegen einen Brückenbetonpfeiler auf der A 27  selbst töten wollen. Schwerverletzt überlebte er den Unfall, lag Monate lang im Koma, musste eine Reha-Klinik aufsuchen und verunfallte knapp zwei Jahre später wieder. Dieses Mal als Fahhradfahrer, der von einem PKW mit Pferdeanhänger erfasst und 20 Meter durch die Luft geschleudert wurde. Er erlitt multiple Knochenbrüche, eine schwere Schädelprellung und lag wieder über Monate im Krankenhaus. Die gegnerische Versicherung schnüffelte in den Artberichten herum und unterstellte ihm, dass es sich bei den erheblichen Verletzungen um Folgeschäden handele, die aufgrund des Suizidversuchs entstanden seien. Eine Regulierung wurde zunächst abgelehnt.
Deshalb kam er zu uns.

Die Gesellschaft schweigt zum Thema Freitod und wenn sie darüber spricht, dann nur in Plattitüden. " Wie konnte das nur passieren? " oder " Wir haben nichts bemerkt. " Wenn ein Suizidversuch scheitert, ist es für den Betroffenen indes noch schwerer, in dem Alltag wieder Fuß zu fassen. Die Gesellschaft schweigt zum Thema Freitod und wenn sie darüber spricht, dann nur in Plattitüden. " Wie konnte das nur passieren? " oder " Wir haben nichts bemerkt. " Wenn ein Suizidversuch scheitert, ist es für den Betroffenen indes noch schwerer, in dem Alltag wieder Fuß zu fassen. Eine Stigmatisierung des Menschen, der durch den Freitod aus dem Leben gehen wollte, ist eher die Regel, denn als Ausnahme zu sehen. Wer sich freiwillig aus dem Leben verabschieden will, der ist entweder krank oder ein Feigling, so lautet die Quintessenz in derartigen Fällen.

Der 17. November 2005 zeigte sich am frühen Morgen grau und naß-kalt. Ein typischer Spätherbsttag. Ein Tag davor, es war der 16. November, war Buß - und Bettag. Ein überwiegend inzwischen abgeschaffter Feiertag. Früher, in den Endsechzigern und frühen Siebzigern wurde dieser Tag als " Buß - Betttag " verhohnepipelt, weil es jeweils ein Mittwoch in der dritten Novemberwoche war, bei dem alle Diskotheken und sonstige Veranstaltungen erst ab 22.00 Uhr begannen, denn vorher durfte keine Musik gespielt werden. Demnach konnte sich ein junger Mensch, der mit dem religiösen Feiertag nichts anzufangen wusste, getrost zum Schlafen hinlegen und die Zeit bis 22.00 Uhr abwarten.

An jenem Tag, nach dem in Sachsen geltenden Feiertag, wurde es erst kurz vor halb Acht hell. Der November ist ein Monat, der in den mitteleuropäischen Breiten als " grau ", " trist " und  auch " bedrückend " angesehen wird. Statistiken sollen angeblich belegen, dass der Monat November eine erhöhte Suizidrate aufweise.

Als die Helligkeit einen Blick in den Garten des Grundstücks zu lässt,sind die letzten Blätter der dort stehenden Obstbäume auf dem nassen Rasen zu erkennen. Das Wasser des zu DDR-Zeiten eingebauten Schwimmbeckens ist längst mit einem grünlichen Schmutzfilm überzogen. Auch dort ist Laub hinein gefallen. Noch ein kurzer Blick, ehe die Hand zu der Teetasse greift. Ab und zu lassen sich noch einige einheimische Vögel beobachten, die die Reste aus den noch am Baum hängenden Zapfen der großen Fichte aufpicken. Eher zufällig trifft der Blick noch einmal den gefliesten Rand des Schwimmbeckens. Da liegt irgendetwas im Wasser, was da nicht hingehört. Eine vom Wind hinein gewehte Plane oder Plastiktüte oder ein Müllsack. Eigentlich sieht dieses zu groß für die sonst genutzten PVC-Säcke aus, in denen jährlich das Laub gesammelt wird. Nein, in dem Wohlstandsbecken liegt ein größerer Gegenstand. Jetzt sind auch die Konturen klarer zu erkennen.

Der zügige Gang in die untere Etage und das gleichzeitige Rufen des Namens der Mitbewohnerin erfolgt intuitiv. Das mehrfache, lauter werdende Nachfragen, ob die Mitbewohnerin schon wach ist, bleibt immer unbeantwortet. Wenige Schritte sind zur Außentür, die zum Garten führt, zu gehen. Die Tür ist unverschlossen. Das seltsame, teils ängstliche Gefühl verstärkt sich. Die Ahnung, dass hier etwas nicht stimmt, verfestigt sich in dem Gedanken, dass der von oben gesehene Gegenstand  keiner ist, sondern es sich um die Mitbewohnerin handelt.
Nach einigen Metern, die auf dem nassen Rasen zurück gelegt sind, wird diese Ahnung zur Realität.Da liegt sie, bäuchlings auf der schmutzig-grünen Wasseroberfläche. Das Gesicht sieht in die knapp 2 m messende Tiefe. Eine Pfütze eher, ein kleiner Tümpel, ein leicht größeres Planschbecken, das ausreicht, um sein Leben zu beenden.Der Körper ist umhüllt von neueren Kleidungsstücken. Die Frisur sieht adrett aus. Wäre das Wasser nicht, es könnte so aussehen, als schliefe sie.Den ewigen Schlaf der Gerechten, in einer ungerecht gewordenen Welt. Ein friedlicher Tod. Kein Blut, keine zerschmetterten, aus dem Fleisch heraus ragenden Knochen, keine inneren Organe, die aus der Bauchdecke gedrückt sind. Ein schöner Tod. Ein ästhetischer Abgang in die " Ewigen Jagdgründe ", so, wie sie aus den Karl May - Verfilmungen der 60er Jahre gezeigt wurden, wenn ein Indianerhäuptling starb.

Der weitere Ablauf ist Routine: Das Wählen der Telefonnummer 112, das Warten auf den Rettungswagen und das Einsatzfahrzeug der Polizei. Es sind gleich mehrere Helfer, die den Notarzt begleiten. Die jungen Polizeibeamten sind verunsichert. Ein toter Mensch ist zu Beginn der Dienstlaufbahn kein Einsatz, den sich ein noch unerfahrener Polizist wünscht. Die Fragen befassen sich deshalb mehr mit dem Gesamtbild. Es könnte ja auch ein Tötungsdelikt vorliegen. Später erscheint eine Hauptkommissarin der Kriminalpolizei. Ihre Befragung wird konkreter sein. Ist ein Abschiedsbrief vorhanden? War die Tote in ärztlicher Behandlung? Waren Anzeichen für die Selbsttötung erkennbar? Die beiden jungen Polizeibeamten, denen der Vorfall tatsächlich an die " Nieren " geht, stehen immer noch etwas ratlos herum. Das Angebot einer Tasse Kaffee wird ablehnt. Aus nachvollziehbaren Grund? Wer den Tod in die Augen gesehen hat, dem ist nicht nach Kaffeetrinken zu mute. Die Kommissarin schickt die jungen Kollegen zur Dienststelle zurück. Sie können hier eh nichts mehr tun.

Die Befragung dauert an. Inzwischen sind die näheren Angehörigen informiert. Auch sie werden befragt. Es ist bereits zwei Stunden her, seit dem Leichenfund im Becken. Das Bestattungsunternehmen rückt an. Der Leichnam wird geborgen. Der Totenschein ist ausgestellt. Gebührenpflichtig, versteht sich. Der junge Arzt im Rettungswagen hat auch noch den Totenschein falsch ausgefüllt. Er war schon beim Eintreffen hyper-nervös. Ein Toter am frühen Morgen. Nein, das sprengt oft auch die Alltagsroutine. Betrunkene, bei Schlägerein  oder durch Autounfälle Verletzte, dass ist ein anderes Kaliber. Die leitende Kommissarin zitiert den inzwischen abgefahrenen Arzt zurück. " So geht das nicht!", formuliert sie etwas unwirsch. Hier spricht die jahrelange Berufserfahrung. Nachdem die Bescheinigung ein zweites Mal ausgefüllt ist, verlässt der Notarzt das Grundstück. Auch er sieht mehr als betroffen aus. Der Job des Helfers unterscheidet aber nicht, ob die Hilfe nicht mehr gewährt werden kann, weil der Tod eingetreten ist. Auch für den Mediziner ist der Suizid kein Alltag. Er gehört jedoch zum Beruf dazu, wie eine Alkoholvergiftung durch Komasaufen, ein Oberschenkelhalsbruch nach einem Sturz auf vereistem Gehsteig oder das Erstversorgen einer Platzwunde nach einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen rivalisierenden Fußballanhängern.

Die beiden Mitarbeiter des Bestattungsinstituts haben den Leichnam oberflächlich zurecht gemacht. Er liegt auf einer Plastikplane auf der Terrasse. Für diese beiden Herren ist der Tod ein Bestandteil des Berufs und des Geschäfts. " Sie können jetzt Abschied nehmen. ", heisst es lapidar. Ein gekünsteltes Auftreten wäre fehl am Platz. Da liegt sie nun, als würde sie tief schlafen. Friedlich. Kein schmerzverzerrtes Gesicht oder ein halb offener Mund; keine sichtbaren Blessuren. Wenn der Tod nur immer so friedlich wäre!
Als wäre es ein Vorgesetzter bei der Bundeswehr, dem Meldung zu erstatten ist, gehen die Hacken zusammen. Ein sichtbare Verbeugung - das war´s! " Herzliches Beileid!", sind die Worte der beiden Mitarbeiter, dann wird der Leichnam in den - nicht nur aus Filmen - bekannten Zinksarg hinein gehievt.
Toter sind schwer, weil ja das Leben aus dem Körper entwichen ist. Wer selbst zum Helfer bei Unfällen wird, der weiß das, denn selbst Schwerverletzte oder am Unfallort Versterbende, lassen sich kaum bewegen.

Die Ermittlungsarbeiten werden beendet. Die Kriminalpolizei verabschiedet sich. Nun werden über Stunden viele Gespräche geführt, die sich um die Verstorbene drehen. Langsam setzt sich aus vielen, oft eher beiläufigen Begebenheiten ein Gesamtbild zusammen. Ein Puzzle des Todes quasi. Das Einschläfern des alten, blinden jedoch noch vitalen Hundes, weil dieser bei den nächtlichen Aktionen, die der Suizidvorbereitung dienten, ständig unruhig umher lief und bellte. Das systematische Zerstören der Pumpeneinrichtung des Schwimmbeckens, so dass - wie eigentlich geplant - das Wasser nicht mehr abgelassen werden konnte.Das einzelne Sichverabschieden von den näheren Familienangehörigen. All dieses Handlungen fügen das Bild des geplanten Suizids zusammen.

Der Abschiedsbrief ist eher in einer entschuldigenden Form geschrieben: " Seid mir nicht böse, aber ich schaffe es nicht mehr. Und bevor ich auch zum Pflegefall werde, wähle ich diesen Weg." Dann folgenden die Worte " lieb haben " und " werdet glücklich " sowie " unglücklich sein ". Der Text deutet eher nach Selbstzweifel, denn Verzweiflung hin. Wer war die Tote? Ein älterer, inzwischen unglücklicher Mensch? Die Gespräche von der Vergangenheit sagen etwas anderes aus.

Wenige Wochen später wird die Trauerfeier erfolgen. Zuvor musste die hiesige Staatsanwaltschaft den Leichnam noch frei geben. Die Verwandtschaft ist überwiegend aus der Stadt gekommen, aber auch aus anderen Bundesländern. Der Termin in der Trauerhalle des Annen Friedhofs wurde vorher mit der dortigen Verwaltung abgestimmt. Es wird eine Urnenbeisetzung geben. Die angemessene, aber auch kostengünstigste Variante. Die Bestattungs - und Trauerindustrie hat gesalzene Preise. Eine Doppelbeerdigung liegt da schon mal im fünfstelligen Bereich. Die ungeordneten finanziellen Verhältnisse lassen dieses nicht zu. Wer sieht einen teuren Sarg schon an, dass dieser im oberen Preissegment steht, wenn er in die Gruft gelassen wird und mit Erde abgedeckt ist? Niemand! So hält sich das Kostengefüge in Grenzen, das dennoch den finanziellen Rahmen der dafür herangezogenen Angehörigen sprengt. Auch ein Freitod bürdet diese Last den unmittelbaren Angehörigen auf.

Als die letzten Töne aus dem " Air " von Johann Sebastian Bach verklungen sein werden, wird eine selbst verfasste und vorgetragene Trauerrede gehalten. Wer konfessionslos ist, muss nicht nach seinem Freitod als Religionsangehöriger geführt werden. Ein Pastor oder Pfarrer wird nur jene Worte des Trostes und der Trauer finden, die er selbst verantworten kann und die sich aus dem Berufsumfeld der Glaubensausübung ergeben. Warum dann eine Nichtgläubige beerdigen? Der Trauerredner ist da schon eher eine Alternative, denn er/sie gehen aus einer völlig anderen Richtung jene Aufgabe des Abhaltens einer Trauerrede an. Die dritte Möglichkeit ist - sie setzt allerdings voraus, dass die Entschlossenheit, sich dieser belasteten Aufgabe zu stellen, vorhanden sein muss - das ein Angehöriger die Trauerrede hält.

Nach einer Stunde wird die Beerdigung beendet werden. Es wird der Leichenschmaus folgen. Eine übliche, dennoch unbequeme Pflichtveranstaltung. Oft wird zum Kaffee und Kuchen bereits Alkohol getrunken und dann - bei einem entsprechenden Quantum an hoch geistigen Getränken - über die Verstorbenen noch her gezogen. Das bleibt dieses Mal aus. Es wird gesittet zugehen.
Was gibt es noch zu erzählen? Episoden aus der Vergangenheit? Ereignisse zu Zeiten der längst untergegangenen DDR, in denen es den Verstorbenen besser ging, obwohl das System und der es tragende Staat abgelehnt wurde? Dieser Leichenschmaus wird nicht bis in den späten Abend hinein gehen. Die Trauergäste aus der Ferne werden zum Aufbruch drängen. Die Gesellschaft wird sich sukzessive auflösen.
Was bleibt, wird der individuelle Umgang mit dem erlebten Tod sein.
Es wird Jahre dauern, bis die Erinnerungen an jene Tage, Wochen und Monate im Herbst des Jahres 2005 langsam verblassen.

Was bleiben wird, ist die Grabstätte und die ungeklärte Frage, warum ein körperlich gesunder Mensch sich durch jenen Freitod aus der Verantwortung für sein Leben, das Leben der zuvor ihn tragenden Familienangehörigen stiehlt? Es gab einen triftigen Grund, den der Erkrankung des Partners, aber ist dieser gewichtig genug, um sich feige aus dem Lebensumfeld für immer zu verabschieden?

Die Beispiele zeigen, dass der zwischen einem Suizid aufgrund einer Erkrankung und einer Selbsttötung aus ideologischen oder religiösen Gründen sehr schmal ist. Wenn die zu der Filmrezension geäußerten Meinungen auch die dort aufgestellte Hypothese, dass Suizid als Flucht vor dem eigenen Leben oder dann - wie hier darstellt - als Feigheit anzusehen ist, in Frage stellen, so überzeugen mich diese Argumente nicht unbedingt. Der Tod ist unabänderlich, er ist der Bestandteil des Lebens; der Freitod kann verhindert werden und zwar durch den Versuch, dem Suizidgefährdeten menschliche Hilfestellung zu geben.
Es steht den Hinterbliebenen sehr wohl zu, die Entscheidung eines sich selbst tötenden Angehörigen kritisch zu hinter fragen und sich dann ein Urteil zu bilden. Ebenso sind mögliche Lösungen zu diskutieren, die den Suizid vermeiden können. Dazu zählt natürlich nicht, dass Suizidgefährdete in Anstalten oder andere Einrichtungen dauerhaft weg gesperrt werden müssen.

So wird die Frage den Gründen des Freitods für viele Angehörige meist unbeantwortet bleiben und jene offene Frage hierzu werden die Hinterbliebenen, neben der vielleicht lebenslänglichen Trauer, den seeligen Schmerz und sogar Schuldgefühlen mit in das eigene Grab nehmen.Was beispielsweise Mascha Kaleko mit ihrem wunderbaren Gedicht " Letztes Lied " ausdrückt, findet sich auch in anderen Beiträgen zum Thema " Tod " wieder:
Wenn ich noch einmal zu leben hätte,
dann würde ich viel mehr Fehler machen;
ich würde versuchen,
nicht so schrecklich perfekt sein zu wollen,
dann würde ich mehr entspannen
und vieles nicht mehr so ernst nehmen;
dann wäre ich ausgelassener und verrückter;
ich würde mir nicht mehr
so viele Sorgen machen um mein Ansehen;
dann würde ich mehr reisen,
mehr Berge besteigen,
mehr Flüsse durchschwimmen
und mehr Sonnenuntergänge beobachten;
dann würde ich mehr Eiscreme essen,
dann hätte ich mehr wirkliche Schwierigkeiten
als nur eingebildete;
dann würde ich früher im Frühjahr
und später im Herbst barfuß gehen,
dann würde ich mehr Blumen riechen,
mehr Kinder umarmen
und mehr Menschen sagen, dass ich sie liebe.
Wenn ich noch einmal zu leben hätte,
aber ich habe es nicht …

ein 85-jähriger, den nahen Tod vor Augen

Das Leben ist vielseitig, nicht immer lebenswert. Der Tod indes unwiderruflich. Was danach folgt, ist nicht bekannt.







 

Sonntag, 22. Januar 2012

Die zweite Frau oder wie aus einem Muttersöhnchen ein Mann wurde.



 Samstagachmittag zeigte ARTE eine Wiederholung des 2007 produzierten Films " Die zweite Frau ". Eigentlich nichts besoderes im Zeitalter der Schnelllebigkeit, Oberflächigkeit und des Egoismuses.
Der Inhalt des 2008 zum ersten Mal ausgestrahlten Films ist schnell erzählt:

Erwin Kobarek, ist nicht nur ledig und Ende 30, sondern er führt mit seiner Mutter ein einfältiges Leben in der Pampa. Hier betreibt er eine kleine Tankstelle. Das Muttersöhnchen ist nicht nur durch dieses Leben geprägt, sondern auf durch das Idyll, irgendwo in der deutschen Provinz. Unerwartet kommt in dieses biedere Leben eine dramatische Wende, und zwar mit seiner Entscheidung, über eine Heiratsvermittlung eine Frau aus Rumänien zu holen. Die Mutter bestärkt ihren Sohn  Erwin zwar in diesen Plänen, denn sie fühlt, wie das Leben sie allmählich verlässt und sie will ihren geliebten Sohn nicht unversorgt lassen, zeigt sich aber als sehr ablehnend gegenüber der zweiten Frau. Deshalb entwickelt sie gegenüber der jüngere Irina ein Eifersuchtsduell. Das dabei die beiden Frauen sich nicht näher kommen, liegt auf der Hand. Den emotionalen Kampf Lebensgefährtin gegen Mutter, verliert Letztere durch den Ausbruch einer schweren Krankheit mit anschließendem Tod.
Erwin selbst steht vor den größten Herausforderungen seines Lebens: Er muss ausbrechen aus seinem beschaulichen Aquarium, er muss aus dem über den Tod hinausreichenden Schatten der Mutter treten, er muss Liebesfähigkeit für eine andere Frau als seine Mutter entwickeln. Er nimmt diese an ihn gestellten Aufgaben ernst und kämpft um sein neues Leben. Dabei entwickelt er tatsächlich eine späte Erwachsenheit und findet sein neues Glück. 
Was zunächst als Provinzposse mit einem hochgradig unreifen und unbeholfenen Mann beginnt, entwickelt sich mit zunehmender Spieldauer als komplexes Handlungsgebilde, innerhalb dessen die Metarmorphose eines Muttersöhnchens und für jene Mutter zum Partnerersatz degradierten Erwin aufgezeigt wird. Die Befreiung aus dem Joch der liebevoll - dominanten Mutter gelingt Erwin erst mit deren Tod.
Erst dann erwacht der bereits ältere Mann aus seinem Phlegma und lebt sein eigenes Leben.
Das dazu die aus dem armen Rumänien ausgebrochene Irena den Anstoss gibt, kommt nicht von Ungefähr. Schließlich hat auch sie eine Vergangenheit abzulegen, die sich aus einer gescheiterten Ehe mit einem Säufer und Schläger als Ehemann und dem täglichen Kampf ums Überleben in dem EU-Land ohne Perspektive ergibt.

Der Film hätte auch leicht " Ödipus auf Abwegen " heißen können, denn die Handlung ist durchaus zeitbezogen. Immer mehr Muttersöhnchen verlassen das " Hotel Mama " erst nach vielen Jahren der all - inclusiv - class, um sich dann einzugestehen, dass sie lebensuntüchtig sind. Was vielleicht vor vielen Jahren noch aus ökonomischen Gründen nachvollziehbar war, denn die finanziellen Bedingungen waren einst wesentlich ungünstiger, um als Auszubildener oder Student einen eigenen Haushalt zu gründen, ist heute als Luxusvariante gang und gebe.

Der exzellent spielende Sohn des verstorbenen Bundeskanzlers Willy Brandt, Matthias Brandt, zeigt plastisch, wie aber auch ein durch das eintönige Leben in der öden Provinz geprägter junger Mann, ohne anerzogenen Mut zum Eigenleben, altert und dabei vergisst, dass das Leben verinnt. Ebenso eindrucksvoll, wie auch typisch verkörpert die leider viel zu früh verstorbene österreichische Schauspielerin Monika Bleibtreu die Mutter. Eine nach außen hartherzige, selbstbewusste, von dem täglichen Überlebenskampf gezeichnete Frau, die sich ihren einzigen Sohn als Faustpfand gegen das Altern und die Einsamkeit in der bundesdeutschen Provinz nimmt. Das Triumvirat wird durch die rumänische Schauspielerin Maria Popistasu vervollständigt, die ihre Rolle als gekaufte Frau aus dem Osten, nämlich Rumänien, ohne Glaubwürdigkeitsverlust spielt. Wer kann das soziale Elend in einem der ärmsten Länder Europas besser herüber bringen, als eine wohl betroffene Schauspielerin?

Der Film hat allerdings auch einen gesellschaftskritischen Hintergrund denn:

Eines Tages merkt auch jeder junge Mann mit Hang zur Bequemlichkeit, dass die Überversorgung durch die Eltern oder Mutter keine Pluspunkte auf dem Partnermarkt ergibt. Welche junge Frau favorisiert schon einen möglichen Partner, der noch bei " Mutti " wohnt.

Darsteller:




Samstag, 21. Januar 2012

Mach ´ne Kochshow!

                                                                    (c) Wikipedia


Heute vor 75 Jahren strahlte die britische BBC die erste Kochsendung im Fernsehen aus. Der einstige Fernsehkoch kam allerdings aus Frankreich. Wohl aus gutem Grund,denn die englische Küche ist - harmlos formuliert - eine Zumutung. Da können unsere Nachbar aus Frankreich mit ganz anderen Qualitäten aufwarten.
Was damals, nämlich 1937 über die Mattscheibe der wenigen Fernsehapparate flimmerte hatte indes keine Auswirkungen auf die kulinarischen Inhalte der englischen Speisen. Die Sendung bleib deshalb eher ein Versuch, zumal dann der Zweite Weltkrieg und die Rüstungsproduktion der Bevölkerung viele Entbehrungen abverlangte.

Im westdeutschen Fernsehen erschien dann 1953, nämlich am 20 Februar, eine Sendung " Bitte, in zehn Minuten zu Tisch ", die von dem SchauspielerCarl Clemens Hahn alias Clemens Wilmenrod moderiert wurde. Wilmenrod wurde zur Kultfigur. Er kredenzte in den WiWu  Jahren dem schon erwartungsvoll zusehenden Publikum allerlei Speisen, die er zum Teil selbst kreierte. So auch den berühmten Toast " Hawaii "
Was zum Publikumsrenner wurde und enorme Einschaltquoten erzielte, wurde dann im Mai 1964, nach 185 Folgen abgesetzt.
Der rundliche Wilmenrod indes wurde zum Synonym für die Küche des Nachkriegsdeutschland des Westens.

http://de.wikipedia.org/wiki/Clemens_Wilmenrod

In der DDR kochte ab 1958 ein mann namens Kurt Drummer für die damals noch sehr kleine Fernsehgemeinschaft im Fernsehen der DDR. Drummer brachte es auf eine sagenhafte Sendezeit von 25 Jahren, ehe die Sendung 1983 aus dem Programm genommen wurde. Trotz der bekannten Versorgungsprobleme, die die Planwirtschaft mit sich brachte, versuchte der Fernsehkoch mit viel Geschick die fehlenden Nahrungsmittel und Artikel durch eine gewisse Kreativität zu kompensieren. das gelang jedoch nicht immer, so dass manche Gerichte nur auf einem Wunschzettel der Zuschauer standen.

http://www.ddr-fernsehen.de/unterhaltung/der-fernsehkoch-der-ddr-kurt-drummer.html

Was in den Sechziger und Siebziger Jahren noch als eher exotische Beigabe der öffentlich rechtlichen Programme galt, nämlich eine Kochsendung, die beispielsweise von Alfred Biolek ( Alfredissimo oder Max Inzinger kocht im ZDF ) mutierte dann nach und nach zu einer wahren Fernsehplage. Neben täglichen Kochshows in den beiden öffentlich rechtlichen Anstalten, die zudem in den Spartenkanälen wiedeholt werden, hat beinahe jeder Privatsender die eigene Kochsendung in seinem Programm aufgenommen.
Da wird mit allen möglichen Kochprofis, Küchenlaien und so genannten Prominenten gebraten, geschnitten und gedämpft, was das Zeug hält.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kochsendung
http://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Kochsendung
Die meist öden Formate zeigen sich zumeist inhaltsleer und versuchen mit geringen Produktionskosten eine Eßkultur aufzubauen, die es in Wahrheit so nicht gibt und auch nicht geben kann, denn mehr als jeder zweite Bundesdeutsche ist übergewichtig. Diese Feststellung läuft dem Kochshow-Trend völlig entgegen. Hier wird nämlich in den meisten Sendungen gesundheitsbewußt und vitaminreich zubereitet, während der Fast-Food-Fraß das Gegenteil darstellt.
Na, denn: " Guten Appetit !" vor der Mattscheibe mit Cola, Chips, Pizza und sonstigem Dreck.