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Freitag, 29. Juli 2011

Ein weiteres Verdummunsgformat des Buntfernsehens: Die Urlaubsfahnder.

Das tägliche Fernsehprogramm hält so manchen Brüller für den Zuhausegebliebenen bereit.Neben den Sendungen mit dem viel sagenden Zusatz " Wh. " und den immer währenden Soaps, die sich an Inhaltslosigkeit einander selbst über bieten, gibt es primär " mein RTL ", dessen hirnrissige Low-Budget-Productions einem Zuseher die Restfreude am Privat-Werbungs-Brüll-Sendern endgültig vermiesen. Ob nun das pseudo-kriminalistische aus der Serie " Betrügern auf der Spur ", der Dünnpfiff der Frau Int Veen über die vermeintlichen " Mietpreller " oder jetzt ein karnevalistischer Beitrag über verpasste Urlaubsfreuden, sie zeigen samt und sonders, was für ein sinnfreies Programm sich inzwischen neben den ÖR-Langweilern etabliert hat.

Aus der Garde des TV-Schwachsinns hat RTL eine weitere Dünnbrettbohrer-Sendung hervor gekramt, die jener werberelevanten Zielgruppe von 16 bis 49 auf den abendlichen Pizzateller gelegt wird.
" Urlabubsreporter - Wir retten Ihren Urlaub ", so nennt sich die hirnrissige Melange aus Reality-Show und Soap-Opera. Ralf Benkö, ein Biedermichel mit Sommer-Out - Lool und dämlichen Sprüchen beglückt die Bunt-Brüll-Gemeinde jetzt jeden Mittwochabend ab 20.15 Uhr.

Dabei wird nicht nur der einfache Urlaub aus der Katalog-Billig-Ramschecke gezeigt, nein, um es besonders amüsant zu gestalten, zeigt Benkö auch noch Ekel-Szenen.

http://www.rtl.de/cms/ratgeber/reisen-freizeit-hobby/urlaubsreporter-ferienretter.html

Kakerlaken im Zimmer, eine siffige Dusche und Möbel aus der Kategorie Sperrmüll, so verarscht RTL die Daheimgebliebenen im halbstündigen Takt, unterbrochen von Werbe-Mist, dessen Aussagekraft eben genau jenes Format abrunden soll.
Der Sender mutiert via Benkö zum Urlaubsretter, weil die vielen Zuhauseverweilenden vor lauter Langeweile endlich einmal sehen möchten, wie die Verreisten auf Urlaubsschrott herein gefallen sind.

Hilfsbereit brilliert der Sender auf der HP mit folgenden Behauptungen:

" Wenn Sie im Urlaub Probleme haben, zögern Sie nicht zum Telefon zu greifen und den kompetenten RTL-Ferienreporter und sein Team anzurufen. Die Kollegen kommen Ihnen zur Hilfe, wenn Sie beispielsweise in einem Horrorhotel gelandet sind, wenn Ihr Reiseleiter Sie im Stich lässt, der Strand eine Kloake ist, wenn Sie betrogen worden sind, einen Unfall hatten, nicht mehr ein und aus wissen. Urlaubs-Unglück ist ja leider auf ganz verschiedenen Wegen möglich. "

- Zitatende - aus: RTL.de , a.a.O.

Das Bunt-Fernsehen macht damit selbst den tristen Urlaub von der Stange zu einem Erlebnis. Schließlich berichtet Benkö live und direkt von dem Tatort.
Immer im Einsatz für die Geprellten dieser Welt. Und wenn sich dabei noch viel Kohle mit Werbemüll machen lässt, umso besser.

Donnerstag, 28. Juli 2011

Sommer in der Stadt.

Die erste Hälfte der Sommerferien, das erste Drittel des kalendarischen Sommers sind bereits vorbei. Wer es jetzt noch nicht bemerkt hat, dass die Großen ferien längst begonnen haben, der sollte u. a. auch zum Optiker gehen. Entspanntes Fahren auf den Straßen der Landeshauptstadt, Streß freies Einkaufen in den Supermärkten und keine lärmenden Auto-Junkies, die mit wummernden Musikanlagen ihrem Verlangen nach Aufmerksamkeit nach kommen möchten. Der Lärmpegel ausgehend von der Raserstrecke Wiesbadener Straße ist erträglicher geworden. Dieses Alles deutet auf den Umstand hin, dass sich die Mehrzahl der Dresdner wohl außerhalb der Stadt aufhält.
Der Sommer und die Schulferien haben allerdings auch den Vorteile für die zuhause Gebliebene. Auf der Suche nach einem Parkplatz kann jeder gestresste Autofahrer sich sogar aussuchen, wo er sein Karosse abstellen möchte.
Weil dieses in anderen Großstädten ähnlich ist und zudem jedes Jahr wieder kehrt, habe ich mcih beim Streichen der Gartenmöbel an jene Jahre erinnert, die ich in Bremen oder exakter in der Stadtgemeinde Bremen verbringen durfte.

Mit Beginn der Großen Ferien wurde es spätestens nach der ersten Ferienwoche zunehmend ruhiger in der City. Ab Beginn der zweiten und dritten Ferienwoche sah die Stadt in den Abendstunden wie ausgestorben aus. Gähnende Leere in der Fußgängerzone, klaffende Lücken auf den Parkplätzen und sichtbar weniger Blech in den typischen Wohnstraßen.
Im Büro klingelte das Telefon nicht mehr so oft, auch die Post wurde weniger und die Termine waren überschaubar. Alles verlief entspannter.

So wie die Bremer waren auch viele andere im Urlaub. Die Ferienreise war schon damals, also ab den späten 70er Jahren, zur Selbstverständlichkeit geworden. Mit zunehmenden Wohlstand verreisten auch viele in die Länder, die Sonne, Strand und Meer versprachen. Zunächst war es Italien, dann Spanien und später kamen die Fernreisen hinzu. Auch die Art des Verreisen änderte sich. War es zu Beginn der eigene PKW mit dem der Reiselustige, der Urlaubswütige und Sonnenhungrige die noch nicht so entfernten Nachbarländer aufsuchte, gab es eine Dekade später die Düsen-Klipper mit denen der Westdeutsche auf die Kanaren, die Balearen oder die Seychellen anflog. Andere der Urlauber zogen mit der Weißen Flotte, nämlich dem Caravan, dem Reisemobil, oft noch zusätzlich mit einem Zelt bestückt in die Ferne.

Seit vielen Jahren sind wiederum Schiffsreisen in allen nur erdenklichen Variationen angesagt. Als in den 8oer die Clubreisen in waren sprossen die sie anbietenden Veranstalter einst wie Pilze aus dem Boden. Nach einigen Jahren war der Spuk vorbei und das gesamtdeutsche Volk versuchte es mit anderen Reisezielen und Unterbringungsvarianten. Ob nun Zelt, Caravan, Reisemobil, Hotelzimmer in diversen Kategorien, Flugzeug, Schiff oder PKW, die Karawanen der Erholungssuchenden zieht Jahr für Jahr durch die Republik, Europa und die Welt. Immer auf der Suche nach dem neuen Kick. Und wenn es eben nur ein Last-Minute-Angebot ist, Hauptsache raus. Aus dem Trott, der Hektik und dem Einerlei des Tages.

"Schön, dass ihr alle wieder da seid!", titelte die Bremer CDU-Postille Weser Report zu Beginn der 80er Jahre, als sich 3 Wochen nach Sommerferienbeginn die Innenstadt langsam wieder mit Blech, Menschen und Leben füllte. Was diese schwachsinnige Aussage eigentlich bewirken sollte war klar, der Bremer von damals verreist, wenn er dazu gehören will. Alle anderen Zuhausegebliebenen gehören eben dann nicht dazu.
Wenn der Sommer dann auch noch verregnet war, wie jener 1981, saß der Frust der Seßhaften beonders tief. So las ich auf einem VW Passat einen Aufkleber - diese waren ja damals noch in - mit der geistreichen Feststellung " Scheiß Sommer '81 ".
Auch das Wetter macht ja auch hier den Unterschied zwischen Spanien, Südfrankreich oder Bulgarien aus. Wo Sonne drauf steht, ist meistens Sonne drin.

Während ich bei Heye Glas in Obernkirchen, bei Kellog's in Bremen und bei einem Orthopäden in Pennigbüttel bei Osterholz-Scharmbeck meine Semesterferien mit malochen verbrachte, damit ich das nächste Semester über die Runden bringen konnte, waren viele meiner Mitstreiter im Urlaub und erbrachten ihren Teil, um aus der BRD den Reiseweltmeister zu machen.
Weltmeister wollte ich eigentlich hier nicht sein, denn das Entspannte war eigentlich direkt vor der Tür: leere Straßen, weniger Lärm und kein klingelndes Telefon.

Sommer in der Stadt eben!

Mittwoch, 27. Juli 2011

"Was wollest Du mit dem Wasser? Sprich!"


Die Julisonne brachte es an den hellen Tag. Jene Fensterscheiben, die seit dem legendären Frühjahrsputz 2011 für einige Wochen einen klaren Durchblick verschafften, sind inzwischen mit einer undefinierbaren Schicht bedeckt. Verursacht von den herum fliegenden Pollen, fehl geleiteten Insekten, die sich Kamikaze artig auf die Glasscheibe stürzten und hierbei Flecken hinter ließen und getrockneten Regentropfen. Es wurde wieder Zeit, die Hinterlassenschaften der Natur zu beseitigen. Gedacht, getan.

Ein Eimer voll Wasser, ein Reinigungsmittel, altes Zeitungspapier und ein Wischlappen, dieses Alles sind die Utensilien, mit deren Hilf der Durchblick wieder hergestellt werden sollte. Während die Fensterbänke frei von abgestellten Gegenständen geräumt waren, begann ich die Blitz-Blankaktion zu starten. Natürlich kamen mir während des Reibens, Wienerns und Rubbelns so einige Gedanken an die alte Zeit.

Was waren das doch für wunderbare Jahre im Nachkriegsdeutschland, als die Rollenverteilung zwischen Männlein und Weiblein exakt geregelt war. Der spießige Adenauer-Staat im Westen kannte für das vermeintlich schwächere Geschlecht nur drei Hauptbetätigungsfelder: Küche, Kinder, Kirche!
Demgemäß bedeutete Küche aber auch, das damit der haushalt zu erledigen war. Haushalt wiederum reduzierte sich nicht nur auf das Kochen, das Einkaufen und das Waschen. Nein, hierzu gehörten weitere Pflichtaufgaben. Mangeln, Abwaschen, Tischdecken, Staub wischen, Staub saugen und natürlich Fenster putzen.

Die letztere Aufgabe wurde später mittels neuster Errungenschaften, die von der Verblödungswerbung zunächst nur im Ersten ab 18.00 Uhr der darbenden Hausfrau offeriert wurden, dann umgehend eingesetzt. Ob nun diverse chemische Schmutzbeseitiger, innovative Putztücher oder hoch technisierte Wischutensilien, sie alle sollten der alsbald überlasteten Hausfrau so manche Pflichtaufgabe erleichtern.

Als dann die bösen, bösen 68er und ihre Emanzipationsbewegung dieses teuere Gelumpe als Konsumterrorismus geißelten und gleich auch damit die Rollenverteilung zwischen Frau und Mann in Frage stellten, war das regelmäßige Sauber machen, der Haushalt schlechthin und das Fenster putzen insbesondere, bei einer bestimmten Bevölkerungsgruppe verpönt.
Das auf Selbstverwirklichung drängende weibliche Proletariat wollte zudem ihr eigenes Geld verdienen und hielt eine Doppelbelastung mit Haushalt und Beruf für nicht mehr hinnehmbar. Es revoltierte in der Form, dass der Haushalt nun gar nicht mehr gemacht wurde.

In den Endsiebziger und Achtziger gab es zudem eine Verweichlichung der Männer, die nun auch noch mit Stricken, Nähen und Kartoffel schälen ihren Softie heraus hängen ließen. Das kam zwar bei der emanzipierten Frau gut an, führte aber auch dazu, dass ein Sitzenpinkler dann später doch nicht unbedingt der Idealpartner wurde. Weil diese Eigenschaften aber auch dazu führten, dass die rollenspezifischen Tätigkeit auf kurz oder lang insgesamt in Frage gestellt wurden, ließ es so maches Paar es mit der Haushaltsführung dann lieber gleich beim Altbekannten beließ.

Über 4 Dekaden nach den 68er muss konstatiert werden: Wer keinen Haushalt besitzt, weil er immer noch bei Mutti lebt, der muss auch keinen führen. Und wer dann doch einen eigenen Haushalt zu führen hat, der führt ihm erst gar nicht. So erblinden in nicht wenigen Wohnungen die Fensterscheiben. Das Sonnenlicht lässt sich dann nur spärlich erblicken und so mancher Blick aus dem Fenster versprüht den Charme des mausgrauen DDR-Ambiente.

So stieg ich denn - all voll emanzipierter Mann - von einer Fenstersprosse zur nächsten, immer dem eisernen Willen folgend, dem Schmutz - in Meister Propper-Manier - den Garaus zu machen. Routiniert führte meine rechte Hand den Wischlappen, sprühte das Scheibenklar nach und wienerte mit Zeitungensseiten der alten SZ, die ich zu einer Hand gerechten Form zusammen geknüllt hatte, auf dem Glas herum. Nach einer halben Stunde waren die mehr als 3 m² Glasfläche blitz blank. Da hätte sogar die gute Werbetrutsche aus den 50er und 60er Jahren ihre helle Freude gehabt.

Beim Absteigen vom Esstisch fiel mir dann noch ein Kalauer ein, der damals in jedem Ferienlager beim zwangsweise eingeteilten Küchen - und Kartoffelschäldienst die Runde machte:

" Zu Dionys, dem Tyrannen schlich, Damon, den Dolch im Gewande.  Ihn schlugen die Häscher in Bande."
" Was wollest Du mit dem Dolche? Sprich!", entgegnete ihm finster der Wüterich.
" Kartoffel schälen, mehr wollt ich nicht!"

So kann ich denn getrost den Dolch mit Wasser austauschen und dabei daran denken, dass dieses nicht nur zum Waschen da ist.

Freitag, 22. Juli 2011

TEN YEARS AFTER - Recorded Live, ein Album bei dem die Lautsprecher beben.



Das Mistwetter, das uns das Tiefdruckgebiet " Otto" beschert hat, dürfte nun endgültig vorüber sein. Zeit, im Garten nach dem Stand des Bewuchses zu schauen. Während ich meine Grenzpatrouille absolvierte, konnte ich vor der Garageneinfahrt die üppig sprießenden Unkräuter ( ein schreckliches Wort ) bewundern und nahm deshalb gleich den Weidenkorb in die Hand. Nach einer Stunde Zupf - und Auflesesarbeit, war das unerlaubt wuchernde Grün beseitigt. Rechtzeitig, da es wieder zu nieseln begann. Was an Restzeit übrig bleib, verplante ich für den obligatorischen Zimmerreinigungsdurchgang, der dann immer eine günstige Gelegenheit bietet, in dem CD-Fundus nach jener Musik zu suchen, die mich vor mehr als 4 Dekaden ständig begleitet hat.

Gesucht - gefunden. Das Live-Doppelalbum der englischen Gruppe " Ten Yeras After " ( TYA ) aus dem Jahre 1973. Einst hatte ich die Doppel-LP bei meinem regelmäßigen Plattenladenbesuch in Hannover erworben. Leider mit einem eklatanten Pressfehler, denn auf dem der B-Seite der 1. Platte befindet sich bei dem Titel " Hobbit " ein nerviger und seit dem Kauf nicht zu reparierender Rillenfehler. Weshalb ich irgendwann in den Nachmillenniumsjahren das Album beim " PRO "-Markt in Bremen erneut erwarb - als CD versteht sich.
Auch auf jener Doppel-CD befinden sich diese Songs:


1. One Of These Days
2. You Give Me Loving
3. Good Morning Little Schoolgirl
4. Hobbit
5. Help Me
6. I Can't Keep From Cryin' Sometimes Part 1
7. Extension On One Chord
8. I Can't  Keep From Crying - Part 2
9. Slow Blues In 'C'
10. I'm Going Home
11. Choo Choo Mama

Die LP/CD startet mit einer gewöhnungsbedürftigen Ansage der Gruppe um Alvin Lee und Leo Lyons eines Frankfurter Moderators, der im breitesten hessischen Dialekt verkündet: " Un nu in Fraankfort: Ten Years After!". Ein Jubelsturm bricht los, als die Truppe sich mit dem Stück " One of these days " einspielt. Ein prima Titel aus dem  Album " A space in time " von 1971.
Die Formation zeigt hier, dass ein Zusammenwirken aller Instrumente ohne die egozentrischen Ausbrüche des Super-Gitarristen Alvin Lee alle Male zu einem knackigen Hardrock-Stück führt.

Dem folgt mit " You give me loving ",ein ebenfalls in Frankfurt, in der Jahrhunderthalle, aufgenommenes Stück aus dem 1972er Album " Rock'& roll music to the World ". Eine mit psychodelisch angehauchten Orgelbegleitung arbeitender Alvin Lee hat auch hier zunächst nur eine untergeordnete Rolle in dem Ensemble, bestehend aus Bass ( Leo Lyons ), Keyboard und Orgel ( Chick Churchill ) und  Schlagzeug ( Ric Lee ). Das letzte Album vor der Live_ DLP lässt einen Stilwandel erkennen. TYA begeben sich auf eine lektronischen Trip.

Mit dem Blues-Klassiker " Good morning little schoolgirl von " Sony Boy Williams ", dass aus dem legendären Album " Ssssh" stammt edet die erste Seite der LP und das dritte Stück auf der CD. Stampfender Blues-Rock vom Allerfeinsten. TYA in Höchstform eben!

Der vierte Titel is das Stück " Hobbit " auf dem leider die Plattenspielersystemnadel tanzt. Ein Schlagzeugsolo, das verdeutlicht, warum Ric Lee nicht der reine Rhythmus-Junkie ist, wie er bei anderen Titeln herüber kommt. Nachdem der Namensvetter Alvin sein kurzes und knackiges Intro dazu gibt, drischt Ric Lee los. Da werden die Becken, dieTom-Tom und die Hi-Hat ordentlich malträtiert. Ein mehr minütiges Schlagzeugsolo zählte damals zu dem Standardrepertoire jeder Rockgruppe. So auch hier bei TYA. " Hobbit "ist ein Titel, der während des Auftritts in Frankfurt  1973 entstand. Ein improvisierter Pausenfüller eher. Dennoch ein Stück, das erkennen lässt, dass sich die Formation seit 7 Jahren kennt. Nach etwas mehr als 7 Minuten jedoch hat sich Ric Lee  ausgetrommelt.

Es folgt der Bluestitel " Help me " von Williamson-Bass, jenem legendären - leider zu früh, nämlich 1965 verstorbenen - Bluesmusiker, der auch mit andere Bluesern unter dem Pseudonym " Sonny Boy Williams ", " John Lee " oder  Sonny William "  Titel schrieb sowie Bluesmusik aufnahm. Ein knackiges 10 Minuten Stück, bei dem die Band sich richtig ins Zeug legt. Ein wummernder Bass des genialen Leo Lyons begleitet Alvin Lee auf dessen Gitarren-Trip, der schließlich in einem orgiastischem Soundgewitter, dass von den riesigen Rotationslautsprechertürmen auf die tobende Menge in Amsterdam herab donnert, endet. Eine Blues-Rock - Adaption aller erster Güte.

Die erste Seite der 2. LP beginnt im einem Gitarren-Intro des Meisters himself. Alvin Lee lässt ein paar Riffs im Boogie-Woogie-Stil auf die vielen Besucher des Auftritts in Paris von der Bühne herab. Das es " Classical thing " benannt wird, ist wohl eher zufällig, denn wirklich ernst gemeint. Dem folg ein weiteres Stück, dass unter einer Minute bleibt: " Scat thing ". Ein muteres, unkompliziertes Zusammenwirken zwischen unprententiösen Vocaleinlagen und in Lichtgeschwindigkeit gespielten Gitarrenriffs des großen Meisters der Magie Lee. Nach 54 Sekunden ist der Spuk vorbei und Lee intoniert ein Stück aus dem 1976er Erstlingsalbum " Ten Years After " sowie aus dem 1968er Album " Undead ".

" I can 't keep for crying sometimes ". Eine Adaption des Bluesstücks von Al Kooper, der in jenem Jahr zusammen mit Mike Bloomfiled und Steven Stills die legendäre Supersession aufnahm. Die TYA Version zerfällt allerdings in drei Teile. Nach 1:57 verlässt das Quartett den von Kooper vorgegeben Melodiepfad, um in ein Klanggewitter aus Gitarre, Orgel und Schlagzeug über zu gehen. Die Improvisationen gehen in Anlehnung an das Stück " Adventures of a young organ " - mit dem Chick Churchill wohl seine ersten Versuche auf einer elektronischen Hammondorgel benennen möchte - in " Extension on one chord " über. Das Lee darin auch den " Cream " - Klassiker " Sunshine of your love " herunter schrubbt, sei nur am Rande erwähnt. Nach mehr als 10 Minuten verfällt die Band wieder in ihren Ursprungsrhythmus des ruhigen Bluesstücks " I can 't keep for crying sometimes " und lässt diesen Song nach weiteren knapp 3 1/2 Minuten aus driften. Eine Kostprobe des wahren Lee'schen Könnens als Gitarren-Hexenmeister, dem einst nur der Ire Rory Gallagher Paroli bieten konnte.

Der Menge in Paris tobt.

Auf der letzten LP-Seite befindet sich der Opener " Silly thing " eine halb-minütiges Gitarrenspiel. Dem folgt die Bluesnummer " Slow blues in C " die nur auf dem Live- Album zu hören ist. Ein dahin treibender, ruhiger Blues, der Erholung nach dem rasanten Rocksound gibt. Das Frankfurter Publikum spendet höflichen Beifall, denn es verlangte zum Teil bereits nach den ersten Songs den "Woodstock"-Klassiker " I'm going home ". Der dann nach etwa 7 1/2 Minuten folgt.
Eine Brüll-Orgie erschallt aus den JBL-Boxen. Nun, die Truppe um Lee und Lyons haben es immer wieder verstanden, den Knaller aus dem Jahre 1968 live so herüber zu bringen, dass er sich auf jedem späteren Tonträger anders anhört.
Obwohl das Album " Undead "- für meinen Geschmack - bessere Stücke beinhaltet, so z.B. die erstklassige Coverversion des Bluesstücks " Spider in your  web ", " Standing at the crossroads " oder auch " Spoonfull ", reduzierten die meisten TYA-Fans nicht nur diese LP auf " I'm going home ". Leider!


Wer TYA in den frühen 70er Jahren - so wie ich einst in Hannover - live erleben durfte, der musste bereits dort erkennen, dass die Ego-Trip des Gitarren-Magier Alvin Lee nicht von Dauer sein konnte. Seine drei anderen Mitstreiter waren nie nur Statisten, sondern - jeder für sich - exzellente Musiker. So war es zwar dem furiosen Auftritt der Formation auf dem unvergessenen " Woodstock "-Festival, der in dem gleichnamigen Film - aus Zeitgründen - ebenfalls nur auf " I'm going home - by helicopter " reduziert wird, dessen Besonderheit jedoch darin lag, dass die Gruppe nach einem enormen Gewitter, der den Auftritt längere Zeit unterbrach, ihre Instrumente neu stimmen musste und so eher gehandicapt die Menge zu unterhalten hatte. Was Lee dann allerdings auf der Gitarre abzog, bleibt wohl unvergessen.

Nun, auch der große Ruhm verblasst und so auch der geforderte Titel " I'm going home ", der nach 9:30 Minuten endlich zu Ende geht. Die Jahrhunderthalle in Frankfurt explodiert.

Die geforderte " Zugabe " reduziert sich auf dem Live-Doppelalbum auf " Choo choo mama ", einem Stück aus dem ein Jahr zuvor erschienen " Rock & roll music to the world ". Ein stompin ground- song mit richtigem Drive und einem Speed-Gitarren-Zwischenstück von Lee. Das auf dem 73er Live-Album nicht mehr Titel aus dem zuvor veröffentlichten " Rock & roll music to the world "-Studioalbum aufgespielt sind, dürfte wohl auch daran liegen, dass zuvor - in Holland - ein "Bootleg"-Album auf den Markt kam, dass ein Zusammenschnitt jener 4 Auftritte der Formation in der niederländischen Metropole wieder gibt und damit ein musikalischer Gegenpart zu jenen - damals in erstaunlicher Qualität - veröffentlichten Live-Album gesetzt werden sollte.

Inzwischen ist die Liste der Bootleg - Alben genauso lang, wie jene der offiziell herausgegeben Tonträger der Formation um Lee und Lyons.


http://www.alvinlee.de/persbootleg.htm

Dabei lässt allerdings die Aufnahmequalität jener Alben zum größten Teil zu wünschen übrig. Seit der Doppel-Live LP stehen bei mir sowohl die ersten Alben der Gruppe, als auch das dann eher enttäuschte " Positive vibrations " in meinem Archiv.
Nach dieser Veröffentlichung brach die Band auseinander, da es unüberwindliche Meinungsverschiedenheiten zwischend em Gitarren-"Star" Alvin Lee und den anderen Mitglieder der Gruppe gab. Lee hatte zuvor bereits den Grundstein für ein kurzes Solo-Projekt gelegt.


http://de.wikipedia.org/wiki/Ten_Years_After

Zusammen mit dem Gitarristen Mylon LeFebre veröffentlichte er 1973 das erstklassige Album " On the road to freedom ", ehe er dann die Formationen " Alvin Lee & Company ", " Ten Years Later" mit der er auch im Essener Rockpalast live auftrat sowiedie " Alvin Lee Band ".


http://de.wikipedia.org/wiki/Alvin_Lee

Als 1988, knapp 20 Jahre nach der Gründung eine Reunion erfolgte, waren die musikalischen, aber vor allem die menschlichen Gegensätze nicht zu überwinden, nach einem Album stieg Alvin Lee wieder aus und verfolgt seit dem mit diversen anderen Rockmusikern eigene Projekte.
Die drei anderen Bandmitglieder ließen TYA weiter leben und touren bis heute noch.

Nach 38 Jahren steht jedoch für mich fest, dass die Ursprungsformation der " Ten Years After " auf dem Live-Doppelalbum nie ihre Faszination verloren hat und die musikalischen Qualitäten jedes einzelnen Instrumentalisten erst bei höheren Lautstärken so richtig zum Tragen kommen.
" Play it loud ", so wie es die Rolling Stones auf dem Cover des Albums " Let it bleed " empfehlen.

I asked Bobby Dylan.



Einst, nämlich im Jahr 1970 sang die britische Rockgruppe " The Who " :


I looked under chairs
I looked under tables
I try to find the key
To fifty million fables

They call me the seeker
I've been searchin' low and high

I won't get to get what I'm after
'Til the day I die

I asked Bobby Dylan
I asked The Beatles
I asked Timothy Leary
But he couldn't help me, either

They call me the seeker
I've been searchin' low and high

I won't get to get what I'm after
'Til the day I die

People tend to hate me
Cause I never smile
As I ransack their homes, they wanna shake my hand

Focusin' on nowhere
Investigatin' miles
I'm a seeker, I'm a really desperate man

I won't get to get what I'm after
'Til the day I die

I learned how to raise my voice in anger
Yeah, but look at my face, ain't this a smile
I'm happy when life's good, and when it's bad I cry
I got values, but I don't know how or why

I'm lookin' for me
You're lookin' for you
We're lookin' at each other, and we don't know what to do

They call me the seeker
I've been searchin' low and high

I won't get to get what I'm after
'Til the day I die.

Was sie in dem 3:07 Minuten langen Stück als Quintessenz musikalisch herüber bringen wollten, war eben jene Orientierungslosigkeit der damaligen Jugend, die auf der Suche nach eigenen Lebensinhalten auch die Idole der trügerischen Popwelt heranzog.
Das in dem Text der englischen Formation auch Bob Dylan benannt wird, kommt nicht von ungefähr. Galt gerade er als Synonym des Protestes gegen die realen Zustände in vielen westlichen Ländern, gegen den Krieg in Vietnam und das spießige Elternhaus.

Dabei hat sich Bob Dylan nie als der Führer des Jugendprotestes gesehen. Im Gegenteil: In den Gesprächen von damals reagierte er eher ungehalten auf jene obligatorischen Fragen, die im Zusammenhang mit seinen - sicherlich kritischen - Liedern gestellt wurden. Bob Dylan, eigentlich Robert Allen Zimmermann, hat sich weder damals noch heute als Messias der revoltierenden jungen Menschen betrachtet. Er ließ sich auch nie vor einen politischen Ochsenkarren spannen, um diesen dann gegen das damalige Establishement zu fahren. Dylan war und ist Musiker, Künstler und Nonkonformist. Nicht mehr und nicht weniger als einige andere namhafte Kollegen aus jener Zeit, in der die Musik eher Ausdruck des Andersseins, denn Konsumfetisch war.

Der Meister der Gitarre und Mundharmonika ist am 24. Mai 70 Jahre alt geworden. Anlass, um in den Medien sein bisheriges Wirken entsprechend zu würdigen. Völlig zu recht, denn Dylan hat mit seinen musikalischen Darbietungen immer wieder für Furore gesorgt. Nicht nur, dass er ein außergewöhnlicher Songwriter ist, ein Singer-Songwriter eigentlich, nein, auch seine künstlerische Ader hat so manchen Fans ins Schwärmen gebracht. Dylan, wäre aber nicht zu jenem Dylan geworden, wenn er sich nicht vielfach widersprüchlich gegeben hätte.
Er lehnte es ab, als Medienstar hoch stilisiert zu werden. Interviews sind ihm bis heute ein Gräuel und hoch geschliffene, intellektuelle Fragen kanzelte er dabei mit provokant kurzen Antworten ab.

Als das ZDF eine Wiederholung einer Dokumentation mit dem Titel " Knocking on Dylan's door " ausstrahlte, waren in diesem Bericht auch die in der BRD lebenden, heute prominenten Bob Dylan Fans zu sehen. Fritz Rau, der große Musikmanager von einst, Wolfgang Niedecken, der Dylan-Liebhaber und Gründer der Kölner Gruppe " BAP " und der leider viel zu früh verstorbene Soziologe und gesellschaftskritische Autor Günter Amendt. Zeitdokumentatorisch besehen ließ dieser Beitrag aus dem Jahr 2001 dennoch einige Fragen über das gesamte Wirken des Musikers offen. Es fehlten die Bezugspunkte zu den exzellenten Musikern der Formation " The Band " mit denen er mehrere Jahre lang fest zusammen arbeitete. 
Auch die musikalische Metamorphose von dem einst heroisierten Folksänger zum Rockinterpreten ist sicherlich zu kurz thematisiert und nicht in sämtlichen Facetten dargestellt worden. Gleiches gilt wohl auch für die Persönlichkeitsveränderung, die Dylan im Verlaufe seines bisherigen Lebens vollzog. Der introvertierte Dylan wurde zwar skizziert, seines egomanischen Züge allerdings nicht problematisiert. Der berufliche und auch persönliche Absturz Mitte der 80er aufgrund seiner Alkoholprobleme wird völlig ausgeblendet.

Sei's drum. Insgesamt stellt " Knocking on Dylan's door " ein zeithistorischen Dokument dar, dass auch 10 Jahre danach bei dem interessierten Betrachter weitere Fragen aufwirft.

Dylan kommt aber auch hier so herüber, wie er sich musikalisch seit mehr als 4 Dekaden zeigt: undurchsichtig.
Was ihn in den 60er Jahren zum Heroen des vermeintlichen Protestliedes aufsteigen ließ, nämlich das textlich - instrumentale Image des " lonesome rider ", gerät einige Jahre später bereits ins Wanken. Die 70er Jahre mit der sich radikal verändernden Musikszene zwingen Dylan, seinen einst gepflegten Stil aufzugeben. Statt der Akustikgitarre spielt er nunmehr vermehrt die E-Gitarre und lässt sich von einem üppigen Ensemble dabei begleiten. Der Protestsong ist nicht mehr in. Rock und Varianten dieses Musikstils sind längst auf dem Vormarsch. Dylan hat dieses längst erkannt und passt sich an.

So kommt es nicht von ungefähr bei seiner Welttournee zu Beginn des Jahres 1978 in Berlin zum Eklat mit seiner einstigen Fangemeinde.
Die Tour begann im Februar 1978 in Japan, führte ihn dann durch die Vereinigten Staaten und setzte sich in Europa so fort:

June 15, 1978 London England Earls Court 28
June 16, 1978
June 17, 1978
June 18, 1978
June 19, 1978
June 20, 1978
June 23, 1978 Rotterdam Netherlands Feijenoord Stadion 29
June 26, 1978 Dortmund Germany Westfalenhallen
June 27, 1978
June 29, 1978 Berlin Deutschlandhalle
July 1, 1978 Nürberg Zeppelinfeld 30
July 3, 1978 Paris France Pavillon de Paris 29
July 4, 1978 30
July 5, 1978
July 6, 1978
July 9, 1978
July 11, 1978 Gothenburg Sweden Scandinavium 31
July 12, 1978 30
July 1, 1978 Camberley England Blackbushe Aerodrome 33









Als er am 29 Juni 1978 in der Berliner Deutschlandhalle auftrat, war ein Teil des Publikums auf Krawall gebürstet. Unter die Zuschauer hatten sich viele so genannte 68er gemischt, die ihren Unmut über das Dylan'sche Outfit und die Song-Darbietungen durch Werfen von rohen Eiern und Plastikbeuteln, die mit Mehl, Salz und Wasser gefüllt waren, Luft verschafften.Ein Sturm der Entrüstung über jene Buh-Rufer und Eier-Werfer in den Gazetten war die Folge dieser Ereignisse. Dylan selbst sah dieses Brimborium eher gelassen und wollte sich dazu nicht äußern. Das tat für ihn dann der Soziologe und Dylan-Kenner Günter Amendt, in dem er schrieb: "
 "Die Show durchchoreografiert, Dylan geschminkt mit Lidschatten, die Band in Bühnenklamotten, 'Don't Think Twice' im Reggae-Rhythmus, 'All Along The Watchtower' dominiert von der virtuosen Geige David Mansfields, the silver saxophone von Steve Douglas, die Kongas von Bobby Hall und das Schubidubidu der Girls im Hintergrund. Das war schon gewöhnungsbedürftig".


Aus: Günter Amendt " Back to the Sixties - Bob Dylan zum Sechzigsten " 


Da war nichts mehr übrig geblieben vom dem Sound der sechziger Jahre, dem Revoluzzer-Outfit und der vermittelnden Pseudo-Romantik mit Lagerfeuer, Joint sowie Klampfe und Mundharmonika. Dylan hatte seine Auftritte dem gängigen Musikgeschmack der bereits beginnenden Disko- Funk und New-Wave-Ära angepasst. Dieses wiederum passte den Mittdreißigern nicht. So dichtete der Literat Thomas Brasch, der das Konzert in der Berliner Deutschlandhalle selbst mit verfolgen konnte, folge richtig:

Und der Sänger Dylan in der Deutschlandhalle


"Und der Sänger Dylan in der Deutschlandhalle,
ausgepfiffen angeschrien,

mit Wasserbeuteln beworfen
von seinen Bewunderern, 

als er die Hymnen 
ihrer Studentenzeit sang,
im Walzertakt und tanzen ließ.
Die schwarzen Puppen, 

sah staunend in die Gesichter
der Architekten mit Haarausfall und 5000 Mark im Monat,
die ihm jetzt zuschrien,

die Höhe der Gage und
sein ausbleibendes Engagement gegen das Elend der Welt. 

So sah ich die brüllende Meute: 
Die Arme ausgestreckt im Dunkel neben
ihren dürren Studentinnen 

mit dem Elend aller Trödelmärkte
der Welt in den Augen, 

betrogen um ihren Krieg,
zurückgestoßen in den Zuschauerraum der Halle, 

die den Namen ihres Landes trägt.
Endlich verwandt ihren blökenden Vätern, 
aber anders als die.  
Betrogen um den, den sie brauchen: 
den führenden Hammel.
Die Wetter schlagen um:
Sie werden kälter.
Wer vorgestern noch Aufstand rief,
ist heute zwei Tage älter."

Aus Thomas Brasch: " Vor den Vätern sterben die Söhne ". 


Thomas Brasch wusste genau, wovon er schrieb, denn er hatte jenen Totalitarismus selbst kennen gelernt. Er war einst Bürger der DDR, arbeite nach seiner Zwangsexmatrikulation zu seinem Journalististudium als Kellner und Bauarbeiter, siedelte 1976 nach der "Biermann"-Resolution zusammen mit seiner damaligen Lebensgefährtin nach West-Berlin um.


http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Brasch


 Natürlich meldete sich nach der Aufruhr während des Dylan-Konzerts in West-Berlin das Latrinen-Blatt aus dem dunkel braun-schwarzem Background der Mehrheitsmeinungsmacher des westdeutschen Volkes und log in seinem Bericht, dass Dylan die Tour in einem Sonderzug durch Westdeutschland durch führen ließe, indem die Abteilgriffe vergoldet seien - ein Luxuszug eben. Der Bedeutung des Stars angemessen und dessen Lebenswandel gleich mit. Die Postille des Stillen Örtchens versuchte damit die 68er-Protestler und ihren einstigen Messias als Heuchler und Doppelmoralisten hinzustellen, die öffentlich Askese im Lebenswandel propagieren und selbst luxuriös leben. Ein untauglicher Versuch der Springer-Meute, deren Kriegsbeil gegen die Dutschkes, Teufels und Mahlers nicht begraben war und die jeden nur erdenklichen Anlass gierig aufnahmen, um gegen die Staatsfeinde von damals zu hetzen. 



Anders dann das Publikum in Nürnberg auf den Zeppelinfeld. Dylan zeigte sich schon allein wegen der Kulisse, auf der einst das faschistische Deutschland seinem "Führer " huldigte, sichtlich beeindruckt.  Die dortigen Erlebnisse sollen Dylan in die Spiritualität geführt haben. Was sich in den Folgejahren auch in seinen Alben entsprechend nieder schlug.Dylan, der Widersprüchliche, der unbeugsame Poet, der Egozentriker und Egomane, ließ sich von diesen Ereignissen nicht beeinflussen. 


Wie das Stück " The times they are changing " von ihm komponiert, gesungen und selbst redend auf sein eigenes Leben umgemünzt, durch läuft jeder Mensch eigen gesetzte Zeitfenster bis er - vielleicht - seinen Platz und - vielleicht - sich selbst gefunden hat:
http://www.golyr.de/bob-dylan/songtext-the-times-they-are-a-changin-526734.html
Was einst als Protestlied von Dylan vor 48 Jahren getextet und dann 1964 in dem gleichnamigen Album veröffentlicht wurde, hat heute zwar keine gesellschaftlich relevante Bedeutung mehr, lässt sich aber dennoch dahin gehend verstehen, dass jede Entwicklung oder Veränderung ihre Zeit hat; jede Zeit ihre Veränderung und Entwicklung erfährt. 
Dylan hat sich verändert, hat sich weiter entwickelt und tourt mit 70 immer noch mit seiner wohl einmaligen Musik herum. Ein Medienstar ist er deshalb immer noch nicht geworden. Ein Polit-Star war er nie. Ein Monument einer längst vergangenen Ära ist er allerdings geblieben; und das nicht nur in den Köpfen der subalternden Pseudo-Revoluzzer von damals.
Einige der Akteure aus dem besagten Film hat er überlebt: Thomas Brasch verstarb bereits im Alter von 56 Jahren am 2. November 2001 in Berlin; Günter Amendt kam 71jährig am 12. März 2011 bei einem Unfall in Hamburg zusammen mit dem Soziologen Dietmar Mues und dessen Ehefrau Sybille sowie der Künstlerin Angela Kurrer ums Leben; andere wiederum sind um 10 Jahre älter geworden: so Fritz Rau (81),Jack Lang (72) und Wolfgang Niedecken ( 60 ).


Auch sie haben Bob Dylan nie gefragt, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. So wie es die Herren Roger Daltrey, John Entwistle, Pete Townshend und Keith Moon der Gruppe " The Who " eben vor mehr als 4 Dekaden besangen.

Mittwoch, 20. Juli 2011

Das Rheiderland - Schreibt es eigene Geschichten?

                                                                      (c)H. Boedeker -WIKIPEDIA
 Ein Film aus dem Jahr 1991 mit dem viel sagenden Titel " Schnaps im Teekessel ", dessen Regisseur Hans - Erich Viet oder exakter: Professor Hans - Erich Viet, beschreibt die Region, in der der Geburtsort des waschechten Ostfriesen Viet liegt. Eine Gegend, deren geographische Gegebenheiten den Durchschnittsdeutschen eher zum Schmunzeln bringen können. Hier liegen weite Teile Ostfriesland um ca. 1, 5 Meter unter dem Meeresspiegel. Das satte Grün der Wiesen und die eigene Melodramatik des von Hans-Erich Viet ab 1986 produzierten Dokumentarfilms zeigen dem Betrachter, dass er sich am nord-westlichsten Zipfel der BRD befindet. Während der niederländische Gegenpart Westfriesland mit der Verwaltungsstadt Groningen den Abschluss bildet, führt der bundesdeutsche Teil zwar den Namen Ostfriesland, er liegt jedoch keineswegs im Osten der Republik.

Der "Ossi" West, wie er seit 1990 eigentlich in verniedlichender Weise bezeichnet werden müsste, hat mit dem " Ossi " Ost nicht sehr viel gemein. Grundsätzlich aber lässt sich feststellen, dass sowohl hier wie dort die Mundart als Umgangssprache gepflegt wird. Wenn nun ein "Ossi" aus Ostfriesland einen Film über seine Heimat produziert, dann könnte ein Nichtsahnende geneigt sein, zu behaupten, er würde diesen Film mit den Augen eines Ostfriesen drehen.

Was dieser Film allerdings nur zum Teil wieder gibt. Ein weiterer Aspekt der Dokumentation über Ostfriesland,genauer gesagt, das Rheiderland, zeigt sich in den eingespielten Sequenzen der dort lebenden Menschen. Eine betagte Frau spielt Mundharmonika, obwohl sie die Töne kaum noch halten kann. Eine Milieustudie über die Ostfriesen als solche, gibt auch der begleitende Weg eines Rheiderländers zu seiner Arbeitsstelle nach Emden wieder. Er hat in dem damaligen VW Werk einen Job gefunden. Das ist nicht selbstverständlich für diese Region.
Einst gehörte Ostfriesland zu den Zielgebieten,mit der höchsten Subventionsstufe. Arbeit war hier ein hohes Gut.
Dann kam der relative Aufschwung durch den Massentourismus, der Verfall der Landwirtschaft in Form der Konzentration und Brachflächenförderung durch die EU zeigte jedoch die Negativseiten des WiWU im "Ossi"-Land.
                                       (c)H.Boedeker-WIKIPEDIA
Das Rheiderland in den 80er Jahren war noch nicht diesem strukturellen Wandel unterworfen, wie er ein Vierteljahrhundert später eingeläutet wurde.
Die begleitende Fahrt zu der Arbeitsstelle VW Werk Emden führte den Filmemacher über eine beinahe Fahrzeug freie Autobahn. Einer A 31, den so genannten " Ostfriesenspieß ", die westlich bei dem Autobahndreieck Bottrop und der A 30 beginnt und später dann bei dem Autobahndreieck Leer in die A 28 mündend um Emden herum ihr Ende nimmt. Hier fahren zu der Hauptreisezeit einige zehntausend Fahrzeuge in Richtung der Ostfriesischen Inseln, um dort den Jahresurlaub zu verbringen.

Das Rheiderland selbst hat hiervon nur bedingt partizipiert.Es sind eher die regionalen und auf Natur bezogenen Sehenswürdigkeiten, die diesen Landstrich eben einzigartig machen.


http://de.wikipedia.org/wiki/Rheiderland

Keine spektakulären touristische Attraktionen werden im Rheiderland aufzufinden sein. Der Einklang zwischen Natur und Mensch ist hier das Besondere.

http://www.wikivoyage.org/de/Rheiderland  
                               (C) H. Boedeker-WIKIPEDIA

Demgemäß führt der Film den Betrachter in einen Landstrich, der den Eindruck erwecken könnte, dass hier die Zeit fast stehen geblieben ist. Die eher noch blassen Farben aus den 80er Jahren machen aus dem Stück eine filmische Zeitgeschichte über eine - eher unbekannte - Region zwischen dem Fluss Ems und dem Meeresbusen Dollart. Geprägt von kleinen Orten, viel Grünflächen und urigen, ja knorrigen Bewohnern, deren "Platt " nur für " Plattdütsche to verstan is ".
Trotzdem ist es dem gebürtigen Rheiderländer Hans-Erich Viet gelungen, dieses Manko durch exzellente Kameraführung, dem eingespielten Blues und einer sparsamen Kommentierung mehr als wett zu machen.

Er hat mit seiner Dokumentation " Schnaps im Teekessel " einen film-historischen Beitrag hinter lassen, der auch 25 Jahre nach Beginn des Projekts und 20 Jahre nach der Premiere in Berlin Eindruck hinter lässt.

Dienstag, 19. Juli 2011

Als die Murdochs fliegen lernten! Die zweite Runde im britischen Abhörskandal ist eingeläutet.



 Die Printmedien auf der britischen Insel, die sich immer noch als Verfechter der Theorie des " Splendid Isolation " sehen, kommen seit Tagen nicht mehr zur Ruhe. Ständig werden sie gezwungen, über sich selbst zu berichten. Die " Headlines " befassen sich dabei mit dem Abhörskandal des eingestellten Boulevard-Blattes " News of the world ", dessen Herausgeber, der Medien-Tycoon Rupert Murdoch, nun selbst in die Fittiche der staatlich verordneten Untersuchungen zu diesem, bisher einmaligen Vorkommnissen geraten ist. Murdoch und sein Sohn James wurden " vorgeladen ". Zu einem Hearing des Presseausschusses im Unterhaus. Eine durchaus scharfe Waffe des Parlaments in der konstitutionellen Monarchie des Inselstaates.

Das australische Duo wollte sich erst aus der unangenehmen Lage, die durch das Bekanntwerden weiterer Einzelheiten im Abhörskandal rund um das Krawallblatt " News of the world " in die Öffentlichkeit gelangten, dezent durch Aussitzen entziehen. Nachdem aber der eingerichtete Untersuchungsausschuss aus der höflichen Einladung zum Hearing eine formelle Vorladung nach legte, bekamen die Australier dann doch wohl kalte Füße und setzen sich in den nächst besten Flieger in Richtung London.
Zuvor wurde seine Mitarbeiterin Rebekah Brooks, die von Murdoch sen. eingesetzte Stadthalterin, zunächst in der englischen Hauptstadt verhaftet wurde und nach einer ersten Vernehmung gegen Kaution in unbekannter Höhe wieder auf freien Fuß gesetzt.

Die Luft wird dünner für den 80jährigen Medienmann. Es werden sehr unangenehme Fragen auf ihn einprasseln. Es wird für den Milliardär nicht leicht, seine von den hoch bezahlten Rechtsanwälten und Beratern vorformulierten Erklärungen, Halbwahrheiten und Lügen in präzise Antworten zu kleiden. Die englischen Gepflogenheiten in jenem Prozedere, dass der Wahrheitsfindung dienen soll, sehen eben gerade keinen zimperlichen Umgang mit dem Deliquenten vor.

Und während sich das wahre Ausmaß des Bespitzelungsskandals noch nicht erkennen lässt, gibt es schon Rücktritte bei Scotland Yard, einen toten Journalisten sowie jede Menge hämische Artikel in den Konkurrenzblättern. Wer mit dem Feuer spielt, kann sich bekanntlich die Finger dabei verbrennen. Wer Journalismus aus der Gosse für die Gosse schreibt, wird vielleicht selbst dort landen. Das Murdoch-Imperium beginnt zu wackeln. Ob es fällt, so wie einst das Blendwerk des kürzlich verstorbenen Leo Kirch, steht allerdings längst noch nicht fest. Die Anzahl seiner Kritiker nimmt zu und lässt - bis auf den "SPIEGEL"-Redakteur Jan Fleischhauer- kein gutes Haar an den kriminellen Praktiken des angeblich Wertkonservativen.
Wer seine eigens geschaffenen Werte allerdings auf diese Weise selbst in Frage stellt, sollte sich lieber aus der Öffentlichkeit zurück ziehen, ehe es zu spät ist.


                                                                   

"ELENA", ein Datenmonster wird eingemottet.


Die einstige rot-grüne Bundesregierung des Ex-Bundeskanzlers Gerhard Schröder hat nicht nur sinnvolle Politik betrieben. In der Kritik standen und stehen immer noch die so genannten "HARTZ"-Gesetze, die " Anti-Terror " - Gesetze, aber auch die Vorbereitungen für das Verfahren zur Einführung eines elektronischen Entgeltnachweises ( kurz: "ELENA"-Verfahren ). Dass die einstige Regierung jenes Mammut-Projekt dann nicht mehr durchführen konnte, lag nur an dem Wahlergebnis und der Bildung der Großen Koalition. " ELENA " war damit nicht aus den Köpfen der Regierenden entschwunden. Im Gegenteil: Unter der Merkel-Regierung wurde das Vorhaben weiter geführt.
Damit aber nicht genug: Aus der grauen Theorie wurden alsbald praktische Gesetze, deren Umsetzung allerdings derart unpraktisch wurden, dass sich Merkel´s Truppe nun dazu entschloss, das "ELENA"-Projekt wieder aufzugeben.

Zwischenzeitlich sind dafür je Monat einige Millionen Euro verbraten worden. Aber nicht nur auf Seiten desStaates. Auch die Arbeitgeber durften kräftig zahlen, damit das Monster überhaupt funktioniert. Und was hier so sinnfrei als Kürzel in der digital überwachten Welt der BRD des 3. Jahrtausend steht, entpuppte sich in der Alltagsanwendung als wahres Daten-Krake. Denn:


" Die millionenfache Sammlung von Arbeitnehmerdaten bei der Zentralen Speicherstelle sei eine unzulässige Datenspeicherung auf Vorrat, da nicht abzusehen sei, ob die Daten überhaupt jemals benötigt werden. Außerdem würden Arbeitgeber in der Einführungsphase doppelt belastet, da vorerst trotz ELENA-Verfahren noch alle Bescheinigungen zusätzlich erstellt werden müssen.
Kritisiert wurde ferner, dass ursprünglich jeder Streikende in dieser Datenbank erfasst worden wäre, egal ob bei einem offiziellen oder „wilden“ Streik (wie beim Opel-Streik). Erfasst würde auch, ob jemand vom Arbeitgeber „ausgesperrt“ wurde. Das Bundesministerium für Arbeit hat hierzu am 5. Januar 2010 mitgeteilt, dass das Verfahren dahingehend geändert worden sei, dass Streikzeiten nicht mehr als solche zu erfassen seien. Ferner sollten durch den ELENA-Beirat im Januar 2010 noch einmal alle zu erhebenden Daten auf ihre zwingende Notwendigkeit hin überprüft werden. Darüber hinaus solle noch im Jahr 2010 den Arbeitnehmervertretern ein gesetzlich verbrieftes Anhörungsrecht eingeräumt werden, wenn über den Inhalt der zu erhebenden Daten entschieden wird.
Die Arbeitgeber erstellen einen monatlich zu meldenden Entgeltdatensatz, ohne dass der Arbeitnehmer davon Kenntnis bekommt und, wie beim Arbeitszeugnis, einen Einfluss darauf hat. Der Arbeitnehmer wird jedoch über den Versand des Datensatzes informiert und hat nach § 103  SGB IV  das Recht, die über ihn gespeicherten Daten einzusehen.
In dem Datensatz werden nicht nur Name, Geburtsdatum, Versicherungsnummer, Adresse etc. erfragt, sondern auch Fehlzeiten, Abmahnungen und mögliches „Fehlverhalten“. Als Begründung wird angegeben, diese Angaben wären für eine Entscheidung über eventuelle Sperrzeiten nötig. Gemäß § 99 Abs. 4 SGB IV haben nur die in das Verfahren integrierten abrufenden Stellen Zugriff auf die Daten. Zugriffe von Arbeitgebern oder Finanzbehörden sowie eine Beschlagnahme der Daten durch eine Staatsanwaltschaft sind explizit ausgeschlossen.Dabei ist zu beachten, dass einige dieser Informationen bereits jetzt von den Arbeitsagenturen in der Bescheinigung zum Arbeitslosengeld abgefragt werden und sich durch ELENA lediglich der Transportweg ändert, sowie die Speicherung der Daten nun bei einer zentralen Stelle erfolgt.
Einer der gewichtigsten Kritikpunkte ist, dass Ängste bestehen, wer in Zukunft auf die gespeicherten Daten zugreifen kann. Szenarien, dass bei einer Bewerbung die ELENA-Karte vorgelegt werden könnte, haben diese Angst geschürt. Dem steht entgegen, dass im ELENA-Verfahrensgesetz klar definiert ist, dass die Daten nur für die im Gesetz genannten Anwendungsbereiche verwendet werden dürfen und eine Übermittlung, Nutzung oder Beschlagnahme der Daten nach anderen Rechtsvorschriften unzulässig ist. "

- Zitatende - aus: WIKIPEDIA: http://de.wikipedia.org/wiki/ELENA-Verfahren

Nun ist das Daten-Monster tot, so mausetot, dass die zuvor zum Teil überforderten kleinen Betriebe und Dienstleister eigentlich erleicht aufatmen müssten. Aber auch sie haben in die Umsetzung des "ELENA"- Unsinns investiert. Neben Geld auch unbezahlte Arbeitszeit, damit die gesetzlichen Vorgaben umgesetzt werden konnten. "ELENA" wurde eleminiert, nach dem ehernen Grundsatz: " Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!"

Montag, 18. Juli 2011

Der Fleischhauer, Jan, der Ramelow, Bodo,der "SPIEGEL" - Nr. 26/2011 und der Versuch eines Gesprächs.



                                                                                                                (c) SPIEGEL-Verlag,Hamburg 2011

Mit erheblicher zeitlicher Verzögerung gelang es mir heute, am 18. 07. 2011 die letzten Seiten des Nachrichtenmagazins durchzulesen, dessen Qualität einst - für viele Jahrzehnte - von der journalistischen Seite aus betrachtet, als überdurchschnittlich, dann in der Nach-Augstein-Ära, in den Sog der Beliebigkeit eines Print-Mediums aus der Medien-Industrie zu geraten schien, ehe der einstige Chefredakteur Aust gegangen wurde und die meisten Artikel wieder lesbar wurden.
 " DER SPIEGEL " liegt bei  seit 1974  Woche für Woche auf irgendeinem Tisch und wartet darauf gelesen zu werden. Nach so vielen Jahren sind mir natürlich nicht alle spektakulären Berichte, Artikel und Gespräche in Erinnerung, die so manches Mal wie eine journalistische Bombe in die Republik einschlugen.

Auch von den ungezählten Redakteuren, die seit 1974 für das hamburger Nachrichtenmagazin tätig waren, könnte ich heute nur noch einige, wenige namentliche nennen: Jörg R. Mettke fällt mir ein,der hervorragende Gerichtsreporter Gerhard Mauz oder auch Marie-Luise Scherer.
Hellmuth Karasek, Hans Leyendecker, der unvergessene Tiziano Terzani usw.

Die Mehrzahl von ihnen war - entsprechend den Vorgaben des Gründers und Herausgeber Rudolf Augstein - eher links-liberal eingestellt. Demgemäß waren die Berichte, Essays oder auch die "SPIEGEL"-Gespräche häufig mit einem gesellschaftskritischen Touch versehen.   
Das es aber auch bürgerlich-fundamentalistisch angehauchte Mitarbeiter gab, wurde spätestens dann klar, wenn deren Berichterstattungen von Lesern in " Leserbriefen " - überwiegend aus dem links-bürgerlichen Lager - förmlich in der Luft zerrissen wurden.
Insbesondere, wenn es um marktwirtschaftliche oder industriefreundliche Artikel ging, kochte die links-liberale Volksseele regelmäßig hoch.

Spätestens in der Mitte der 90er Jahre vollzog das Nachrichtenmagazin auch eine inhaltliche Kehrtwende. Als Gründe hierfür wird zwar die Konkurrenz durch das Erscheinen des Magazins " FOCUS " und der Einfluss der Neuen Medien genannt, tatsächlich gab es aber vor allem einen personellen Wechsel in der "SPIEGEL"-Redaktion. Der zum Chefredakteur ernannte Stefan Aust versuchte den "SPIEGEL" neu aufzustellen. Dieses gelang ihm allerdings nur bedingt. Vielleicht waren es auch die Zeichen der sich in eine schnelllebige gewandelte Gesellschaft, die auch hier den Eindruck vermittelten, dass  die "SPIEGEL"-Berichterstattung an Qualität verlor.

Seit einigen Jahren hat sich bei mir dieser Eindruck verflüchtigt. Das Nachrichtenmagazin ist in sein einstiges, bekanntes Fahrwasser zurück gekehrt und gibt sich in der Mehrzahl der Artikel kritisch. Auch das Markenzeichen des Magazins, das "SPIEGEL"-Gespräch hat - so mein Endruck - inhaltlich an Qualität hinzu gewonnen.
Das dieser Eindruck jedoch nicht immer zutreffend ist, zeigt sich allerdings an dem Gespräch mit dem Fraktionsvorsitzenden der Partei " Die Linken " im Thüringer Landtag, Bodo Ramelow, in der Ausgabe 26 / 2011.

Das Gespräch führten die Redakteure Jan Fleischhauer und Markus Deggerich. Inhaltlich ging es um den Vorwurf des öffentlich bekundeten "Antisemitismus " in dieser Partei.

Was der Begriff " Antisemitismus " nun ausdrückt, dürfte per se nicht klar definiert werden können. Ist es nun reine Israel-Feindlichkeit, ist es Judenhass oder ist es eine ablehnende Haltung gegen die Nahost-Politik des Staates Israel?
Möglicherweise ist es auch eine Melange aus all diesen Faktoren?
Nun, Fleischhauer und Deggerich versuchten den Abgeordneten Ramelow hierzu auf den Zahn zu fühlen.
Das ist - nach der Berichterstattung über diverse Meinungsäußerung in der Partei - durchaus legitim. Seriöser Journalismus lebt primär von der Befragung und der Informationssammlung aus dem Kreis der Betroffenen, Beteiligten und Verantwortlichen.

Was Fleischhauer und Deggerich allerdings dann auf den Seiten 42 bis 44 an Unverschämtheiten in Form von Suggestivfragen, Halbwahrheiten und Unterstellungen dem Interviewpartner an den Kopf warfen, kann einen langjährigen "SPIEGEL"-Leser nicht kalt lassen.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-79175750.html

Ramelow fühlte sich deshalb - völlig zu recht - mehrfach von den beiden Mitarbeitern des "SPIEGEL" in diskriminierender Weise vorgeführt und warnte diese zwei Mal vor dem Abbruch des Gesprächs, welches dann bei einer erneuten, ausfälligen Frageformulierung von ihm beendet wurde.
Eine Unverschämtheit stellen viele der Fragen dieser beiden Gutsherren dar. Nicht nur, dass sie sich bereits in arroganter Weise als "Linkenfresser " outeten, nein, Fleischhauer und Deggerich operierten auch noch mit dreist eingeflochtenen Vorurteilen, die allerdings von Bodo Ramelow souverän abgeschmettert wurden.
Das Interview ist aber nicht nur eine Zumutung, sondern zeigt auch offen, welches Geisteskind Fleischhauer und Deggerich sind.
Verblendete neokonservative Milchreisbubis aus dem CDU-Stall der Neunmalklugen und Möchtegern-Meinungsmacher.

Dass Fleischhauer ein arroganter Wichtigtuer ist, hat er ja schon einige Male bewiesen.Bereits in einer der Will'schen Quasselrunden am Sonntagabend outete sich dieser geleckte Fürst als konservativer Dorftrottel mit Blendax-Lächeln und Turbo-Bräune. Auch seine verquasteten Ergüsse in dem Buch " Unter Linken " zeigen, dass der Endvierziger seine Jugend im " Linksspießer "-Milieu Hamburgs immer noch nicht verkraftet hat.
Ein dümmliches Gefasel von einer angeblich linksdogmatischen Mehrheit in dieser Gesellschaft durch zieht aber nicht nur sein Traktat " Unter Linken ", sondern lässt ihn auch in dem Gespräch mit Bodo Ramelow zusammen mit dem Ko-Fabulierer Deggerich als geschwätziger Hansel einer "SPIEGEL"-Redakteurfraktion erkennen, die sich selbst durch Vorurteile aus der CDU/CSU-Mottenkiste der Adenauer-Kiesinger-Strauß-Kohl-Zeiten diskreditieren.
Fleischhauer ist ein leuchtendes Negativbeispiel dafür, wie ein kompetenter Journalist nicht arbeiten sollte.


 

Sonntag, 17. Juli 2011

Ich, Winnetou, Old Shatterhand und der Wilde Westen.


                                                                             (c) Erwin Raupp - WIKIPEDIA

Die Sommerzeit ist - wie seit vielen Jahren wieder kehrend - die große Zeit der ungezählten Wiederholungen. Ein Beispiel hierfür brachte das Rentner-Fernsehen, das ZDF am heutigen Sonntagnachmittag. Im Doppelpack quälte es den Daheimgebliebenen und Nicht-Mallorquiner mit zwei patinierten Karl May-Verfilmungen ( West, versteht sich ) aus den Kellergewölben der 60er Jahre hervor gekramt.

Ab 14.00 Uhr konnte der Zuschauer ab dem Durchschnittsalter von 59,4 Jahren sich die cineastsiche Leistung der Brauner'schen Bude Belgrad anschauen: " Der Shut " aus dem Jahre 1964. Das ist so lange her, dass selbst ich - als verkappter Nostalgiker - sehr lange überlegen musste, ob ich die Schwarte damals im Kino gesehen hatte. Das positive Ergebnis jener Hirnanstrengungen bei schwülen Juli-Temperaturen lautet dennoch: " Ja ".

So drehte ich, beim Lesen der Programmzeitschrift das Rad der Geschichte um sagenhafte 46 Jahre zurück und versuchte mich an den "Shut " zu erinnern. Es gelang mir aber nicht wirklich. Der Film musste irgendwie im Hochglanz der " Winnetou "- Trilogie, der " Old Shatterhand " und des " Schatzes im Silbersee " untergegangen sein. Nun, für solche Momente frage ich dann immer meine Online-Enzyklopädie "  WIKIPEDIA ":

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Schut_%28Film%29

Das ich die Handlung nach mehr als 4 Dekaden nicht mehr exakt in Erinnerung hatte, lag wohl vor allem daran, dass ich jenes Karl May - Buch auch nie gelesen habe. Und dieses lag wiederum daran, dass in meinem Elternhaus Bücher - bis auf die Schulbücher - eine völlig untergeordnete Rolle spielten. Was wiederum seine Ursachen darin hatte, dass meine Eltern eben zu wenig Geld verdienten, um sich eigene Bücher zu gönnen, nur begrenzt Zeit zum Lesen fanden und wohl - die eigentliche Ursache - kein Interesse am Lesen besaßen.
Und dieses, obwohl sie seit geraumer Zeit als Mitglied des Bertelsmann Verlags in Gütersloh, die Möglichkeit hatten, sich aus den bunten Katalogen, die einmal im Quartal franko-frei vom Postbeamten in den Briefkasten gelegt wurden.

So bestand ihre bescheidene Büchersammlung dann eher aus Romanen, deren Inhalte mich als Jugendlicher nicht reizten. Nur ab und zu konnten wir ( meine beiden Geschwister und ich ) uns ein Kinder - oder Jugendbuch aussuchen, das dann per Postkarte bei Bertelsmann bestellt wurde. Ob nun Mark Twain mit seinem Weltbestseller " Tom Sawyer ", Astrid Lindgren mit " Wir Kinder aus Bullerbü " oder Rudyard Kipling's " Rikki-Tikki-Tavi ", das waren einige wenige Bücher, die in dem genormten Anbauschrank im Wohnzimmer Platz fanden. Von Karl May hatte ich bis dato zwar schon mal über Nachbarkinder - leicht verfälscht wieder gegeben  - etwas gehört, aber ich verstand nicht wirklich, wer er war und worüber er geschrieben hatte.

Dieses änderte sich dann schlagartige mit der ersten Buchverfilmung " Der Schatz im Silbersee " aus dem Jahre 1962.Er stellt den Auftakt jener Karl May-Kinofilme dar, die dann in den 60ern zu einer wahren Karl May-Welle führte.



http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Schatz_im_Silbersee_%28Film%29


In der westdeutschen Provinz gab es den ersten Film des kongenialen Duos "Winnetou " und " Old Shatterhand " - selbst redend - erst knapp 1 Jahr später. Im Bad Eilser Kino bildeten sich lange Schlangen zu der Sonntagnachmittagsaufführung. Das kleine Kino hatte ohnehin nur an 3 Tagen geöffnet, nämlich Dienstagsabends ab 20.00 Uhr, Samstagsnachmittags um 17.00 Uhr und 20.00 Uhr sowie am Sonntag zu diesen Zeiten.
Das einstige " Kur-Kino " ( ich wusste bis heute nicht, dass es so hieß, denn es gab dort keine entsprechende Leuchtreklame o.ä. ) schloss irgendwann im Jahre 2007.

Tja, und in einer dieser Schlangen stand ich dann im Jahre 1963 auch, um den Arthur " Atze " Brauner - Film " Der Schatz im Silbersee " zu sehen.
Nach 111 Minuten ( Netto-Spielzeit ) war dieser zu Ende. Das Gute hatte das Böse besiegt ( so wie immer in jenen Jahren und auch immer noch danach ), ich begab mich zusammen mit den Nachbarkindern auf den Nachhauseweg und wir diskutierten natürlich über unsere Helden ( " Winnetou ", " Old Shatterhand "), die albernen Randfiguren " Sam Hawkens ( Ralf Wolter ), " Lord Castlepool " ( Eddie Arent ) und den naiven Colonel Brinkley ( Herbert Lom ). Ein Schauspieler aber begann auch hier eine Karriere im Film und parallel im Fernsehen: Götz George, der den Draufgänger " Fred Engel " spielte.

Der Film war ein Erfolg und spielte mehr als das Doppelte der Produktionskosten ein ( 3, 2 Millionen DM ). Bis zum Herbst 1964 sahen diese erste westdeutsche Produktion mehr als 3 Millionen Kinobesucher.

Vom Erfolg bestätigt, wurden weitere Karl May Bücher verfilmt:



Aus diesen westdeutschen Kinoverfilmungen enstand dann ein wahrer Star-Kult um die beiden Hauptdarsteller Pierre Price sowie Lex Barker. Das einstige Zentralorgan der BRD-Nachkriegsjugend, die " BRAVO " legte ihre Starschnitte von diesen beiden Schauspielern auf, der Tinnef rund herum bestand aus Filmbüchern, Filmmusikplatten und Plastik-Filmfiguren.
Wenn auch das Brimborium und der Kommerzrummel im Vergleich zu den heutigen Größenordnungen eher winzig anmutet, so zeigte es dennoch, dass die veramerikanisierte Filmindustrie der europäischen Verbündeten volle Häuser einbrachte.

Als die Karl May- Kinofilmwelle bereits am Abebben war, wurde von der Vermarkterseite mit weiteren Filmbücher nach gewaschen. Nun, die Kinofilme von einst waren preislich auch für einen Besucher aus minderbemittelten Elternhaus oder mit sehr schmaler Geldbörse erschwinglich. Ab 2,00 DM gab es im Bad Eilser Kino bereits einen Sperrsitz, bei dem sich der Zuschauer jedoch den Hals ausrenken könnte, wenn er nicht tief genug auf den harten Stühlen einsank ( das geschah dann reflexartig bei spannenden Szenen, weil die anerzogene Angst eben durch kam ). Ab 2, 50 DM gab es bereits einen ordentlichen Platz im Parkett - und Mittelbereich und für 3,50 sogar einen Logensitz.

Tja, und die alte Tante ZDF brachte dann ja im Gleichschritt mit der Übermutter ARD jede Menge Filmwiederholungen der Karl May-Schwarten, deren Drehbücher jedoch mit dem Originalbuch des guten Karl nicht mehr viel gemein hatten. So kann sich ein Fan dieser 60er Jahre-Schinken auch die DVD-Kollektion sämtlicher im einstigen Jugoslawien ( Kosovo, Kroatien, Serbien ) abgedrehten "Meisterleistungen " bis zum Erbrechen ansehen.
Für mich war dann irgendwann zum Ende der 60er Jahre endgültig Schluss mit dem "Winnetou - Old Shatterhand " - Gemurkse.

Ab den 70er gab es die so genannten " Italo "-Western, die " Spaghetti "-Western und " Hau-drauf "-Filme mit Bud Spencer und Terence Hill. Da verstaubten die Filmbücher zu den vorher gesehenen Kino-Knüllern längst in den Regalen.

Dass der gute Karl die Grundlagen für seine Bücher " Reiseerzählungen "  im Knast aufgeschrieben hat, dass er eigentlich ein waschechter Sachse war und - bis auf Reisen nach Österreich - nie einen Schritt aus dem damaligen Deutschland heraus tat, wurde mir erst viele Jahre nach jenen Filmen klar.

http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_May

Und während wir bei einem Pott Kaffee, einem Stück selbst gemachter Stachelbeertorte und einem Small Talk über eben jenen genialen Literaten, der in Ernsthal 1842 geboren wurde und 70 Jahre später in Radebeul verstarb, führten, kam die Diskussion auch über jene BRD-Verschnitte aus den 60er auf. Dass es in der DDR auch sehr gute Schauspieler gab, blieb dabei unbestritten. Leider waren sie im Nachbarstaat von einst eben nicht so bekannt. Selbiges verhält sich mit den Karl May-Filmen.Als einstiger Privilegierter, der das Programm von DDR I ( Deutscher Fernsehfunk ) - wenn auch nicht regelmäßig - sehen konnte, waren sie mir wohl im Grauer Vorzeit bekannt, ob ich diese Verfilmungen jedoch gesehen hatte, ist mir heute nicht mehr im Gedächtnis.
So nickte ich dann zustimmend, als die Feststellung formuliert wurde, dass eben jene DDR-Produktionen schauspielerisch nicht nur besser einzustufen waren, sondern auch näher an den Büchern lagen, weil mir nach etwas mehr als 20 Minuten bewusst wurde, was für ein hahnebüchener Quark die BRD-Filme von damals waren; selbst wenn der Hauptdarsteller ( Lex Barker verstarb bereits in den 70er Jahren in den USA ) heute noch lebt und immer noch als " Winnetou " heroisiert wird.

Der " Wilde Westen " begann damals nicht nur in den Bergen des einstigen Jugoslawien, sondern in der Phantasie-Vorstellungen der BRD-Filmkomiker aus den Nachkriegsjahren.
   

Samstag, 16. Juli 2011

Eric Burdon declares Blues: Ein Vollblutmusiker wurde 70 Jahre alt.



Wie schon mehrfach hier beschrieben, dient der Freitagnachmittag dem Ausleben meines anerzogen Grundreinigungsbedürfnisses. Wähtend ich die immer gleichen Utensilien, nämlich Bodenstaubsauger, Plateeimer, Schrubber, Feudel, Staubtuch, Putzlappen und Besen nebst Kehrblech für die Schlacht in großen Haus bereit gelegt hatte, kam mir der Gedanke, den JBL-Boxen einige knackige Bässe zu entlocken. Gesagt, getan!
Neben " Uns Udo " wummerten die Boxen auch ein Stück von der Formation " Eric Burdon & War " in den Raum. Ein Blues, den der gute Eric vor sage und schreibe 41 Jahren einspielte und der für mich immer noch so frisch wie einst herüber kommt. " Blues for Memphis Slim ", ein Kracher, ein Song - für damalige Verhältnisse - aus einer anderen Welt, der Welt des Bluesrock. Blues, das war einst nicht nur eine Musikrichtung, die von farbigen Interpreten favorisiert wurde, es gab allerdings von ihnen mehr als nur einige Dutzend, nein, auch die Rockgrößen aus den 60er und 70er hatten den Musikstil sich zu eigen gemacht und spielten ihn in allen nur erdenklichen Variationen mit vielen Instrumenten.

Wie der gute Eric Burdon nun zum Blues kam, lässt sich kurz und knapp so beschreiben:
" Burdons erste Band war 1958 The Pagan Jazz, wo er mit John Steel zusammenspielte. In den folgenden Jahren wechselten beide mehrmals die Band. 1961 sang Burdon auch für Alexis Korner und schloss sich dann Blues Incorporated an, wo er auf Alan Price traf.
Im Jahr darauf gründeten sie gemeinsam die Alan Price Rhythm & Blues Combo, aus der 1964 die Animals wurden. Es folgte die erfolgreichste Zeit in Burdons Karriere mit dem Nummer-eins-Hit House of the Rising Sun und mehreren weiteren Top-10-Hits. Nach der Trennung von Alan Price übernahm er die Führungsrolle in der Band und 1966 veröffentlichte die Band erstmals als Eric Burdon and the Animals die Single See See Rider, die die letzte der ursprünglichen Animals wurde."

- Zitatende - aus: WIKIPEDIA, Eric Burdon

Die Animals waren damals für mich eine britische Popformation, die sich in der Mitte der 60er Jahre mit dem Gassenhauer " House of the rising sun ", " Ring of fire "When I was young " oder " San Francisco nihgts " einen Namen in der BRD gemacht hatten. In vielen Diskotheken tanzte und schwoofte die Jugend nach diesen Stücken. Burdon selbst sah den Pop aber wohl eher als kommerzielles Sprungbrett, um seine geplante Solokarriere in eine andere Musikrichtung zu betreiben: den Blues eben.
Der geniale Alexis Korner, der seit Beginn der 60er Jahre sich in diversen Klubs in er BRD, insbesondere in Hamburg herum trieb und hier mit talentierten jungen Musiker - fernab von allem Kommerzrummel - exzellente Musik einspielte. Seine Session mit späteren Größen, wie Mick Jagger, Charlei watts, Dick Heckenstall-Smith, Gerry Conway, Marsha Hunt, Hughie Flint, Cliff Barton, Victor Brox, Binky McKenzie, natürlich Robert Palnt, Steve Miller, Peter Thorup, um nur einige zu nennen, waren legendär, wobei jene Musiker auch später  mit ihm eng verbunden blieben.

So auch Eric Burdon.Burdon wurde am 11. Mai 1941 in Newcastle upon Tyre in England geboren.
Er gründete bereits als 17jährige eine eigene Band, tingelte dann einige Jahre durch verschieden Klubs und Bars in England, ehe er in den 60er dann über einige Jahre mit den Animals einen gewissen kommerziellen Erfolg verbuchen konnte.
Seine musikalische Wendung vollzog Eric Burdon dann durch die kontinuierliche Zusammenarbeit mit afro-amerikanisch und farbigen Bluesmusiker. Er nahm zu Beginn der 70er mit dem Bluesgitarristen Jimmy Witherspoon eine LP mit dem Titel " Guilty " auf, in den er politische und gesellschaftskritische Texte mit der Bluesmusik verknüpfte. Die Formation " War " hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits gegründet und durch die Single-Auskoppelung " Spill the wine " einen Smash-Hit gelandet.

Das Album " Decalres war " erschien dann knapp einige Monate später, nämlich im Sommer 1971 und wurde ein Erfolg.




http://de.wikipedia.org/wiki/Eric_Burdon_Declares_%22War%22

Jeder aus meinem Bekanntenkreis, der später progressive Popmusik hörte, legte sich dieses Album zu. Völlig zu Recht, denn hier wird eine anderer Musikstil gepflegt, der sich jenseits der einstigen Beat-Musik, der Disco- Musik und des Schlagers, eine Art Nischendasein frönte. Populär, aber dennoch von einer Minorität gehört.
Eric Burdonund " War ", dass war nur eine kurze Episode in dem langen Musikerleben des Sängers. Das waren nur wenige Monate. Aber sie prägten die späteren Jahre des Engländers nachhaltig.

Wenn ich nach über 4 Dekaden eben jenen Titel " Blues for Memphis Slim " aufgelegt hatte, dann wohl auch, weil er sich wohltuend aus der unüberschaubaren Masse des heutigen Musikschrotts hervor hebt. Gute Musik benötigt keine gigantischen Stadien mit Zehntausenden, keine phänomenale Bühnenshow und keinen sonstigen Zinnober. Sie kommt aus dem Bauch, dem Gefühl, der Inspiration heraus - so wie der Blues.
Eric Burdon ist immer noch eine Blueser - ein ganz Großer dazu.

Donnerstag, 14. Juli 2011

Lasset die Daten zu mir kommen.


                                                                                    (c) Don-Kun-Wikipedia

 Am 13. und 19. Februar steppte in der Dresdner Innenstadt der Bär. Eine Vielzahl von Gruppierungen, Bündnissen und auch Vereinen hatte zu einer Gegendemonstration wegen eines Aufmarsches der NPD aufgerufen. Es kamen einige tausenden Menschen. Darunter auch so genannte Linksautonome, die sich dann wilde Straßenschlachten mit der Polizei lieferten. Es gab Verletzte, Sachschäden in Millionenhöhe und eine hitzige Debatte im Sächsischen Landtag.

Nach einigen Wochen schien das Thema aus den Medien und den politischen Gremien verbannt zu sein. Bis Anfang Juli bekannt wurde, dass die Dresdner Polizei im Rahmen von einer groß angelegten Ermittlungen wegen eben jener Gewalttaten mehr als eine Million Datensätze von mehr als 300 000 Handynutzern erhobenen hat, die zuvor aufgezeichnet worden sein sollten, wobei Telefonnummern, Gesprächsdauer und Standorte der Nutzer festgestellt wurden.
Ein Datenskandal aller erster Güte.
                                                                                                     

  (c) Anders - WIKIPEDIA
Der sächsische Datenschutzbeauftragter Andreas Schurig will bis 10. September einen Prüfbericht zum Datenmißbrauch vorlegen. . Auf einer Sondersitzung des Verfassungs- und Rechtsausschusses im sächsischen Landtag verständigten sich die Fraktionen am Freitag einvernehmlich auf einen Bericht des Datenschützers. Schurig kam ihnen mit seinem Einverständnis entgegen, was eine formelle Beschlussfassung des Landtages bei einer Sondersitzung in der Sommerpause überflüssig macht.


Die Opposition übte entsprechenden parlamentarischen Druck auf den sächsischen Innenminister aus und verlangte eine lückenlose Aufklärung zu den Vorkommnisse.

Zudem verlangen sie Auskunft über die Rolle der Justiz. Denn die Abfrage der Handydaten erfolgte   mit richterlicher Genehmigung. Mit Blick auf die laufenden
 Ermittlungen geben die zuständigen Behörden derzeit zu einzelnen Punkten jedoch keine Auskunft.Festzustellen bleibt allerdings, dass zum einen die Erhebung von Datensätzen zu Telefonverbindungen zum Zwecke des Datenabgleichs die Qualität einer Rasterfahndung besaß, die wiederum keine konkreten Verdächtigen betraf, sondern zum anderen auf Träger von Berufsgeheimnissen betraf, womit die Aktion als rechtswidrig einzustufen wäre.
Somit haben die Ermittlungsbehörden die Pflicht, sämtliche im Rahmen dieser Aktion erlangten Daten sofort zu löschen.

Der Hintergrund jener massenhaften Datenerhebungist, dass Dresden in jedem Jahr im Februar Schauplatz von Aufmärschen Rechtsextremer aus ganz Deutschland und dem Ausland wird, weil.am 13./14. Februar 1945
die Elbestadt bei Bombenangriffen der Alliierten annähernd vollständig zerstört wurde und hierbei schätzungsweise 25 000 Menschen ihr Leben ließen. An diesem Ereignis wird seit vielen Jahren von Neofaschisten durch provokate Aufmärsche erinnert, wobei diese die Bombadierung der Stadt durch Alliierte Flugzeuge als "Kriegsverbrechen" qualifizieren und mittels einseitger, propagandistischer Geschichtsschreibung entsprechende Hetze gegen Kriegsbeteiligte betreiben.

Am Rande friedlicher Gegendemonstrationen sah sich die Polizei auch in diesem Jahr mit Gewalt in bislang unbekanntem Ausmaß konfrontiert. Mehr als 100 Polizisten und etwa 150 Demonstranten wurden als verletzt gemeldet. Im Zusammenhang mit schweren Straftaten erfolgte die Funkzellenabfrage.

Allerdings rechtfertigten die Geschehnisse im Februar 2011 es nicht, durch einen eklatanten Verstoß gegen datenschutzrechtliche Bestimmung zu versuchen, die bislang anonymen Gewalttäter zu ermitteln.
Das sehen allerdings einige verblendete Dresdner und Sachsen anders. So kommentierten Leser der Sächsischen Zeitung (SZ) die Berichterstattung über den Datenskandal so:

" Wir rufen oft nach mehr Polizeipräsenz, wünschen uns größere Sicherheit. Aber wehe, den Beamten, die sich einmal der Kommunikationsmittel bedienen, welche Ganoven und Chaoten massenhaft für ihre die Demokratie missbrauchenden Aktionen nutzen. Da kommen sofort die Demokratieschützer auf den Palme und sehen die Freiheit und Würde der Persönlichkeit ( die der Krawallos?) verletzt. "

Und weiter:
" Was die Opposition, insbesondere die Linken, im Landtag abziehen, ist unseres Erachtens nur widerliches Theater. Als es nach dem 19. Februar um die entschiedene Verurteilung der gewalttätigen Ausschreitungen ging, wartete man vergeblich auf eine klare Aussage von diesen Abgeordneten. Nun aber, wo es um die Kriminalisierung der Ermittlungen gegen diese Straftaten geht, um einen politischen Skandal zu provozieren, kriegen sich genau diese Abgeordneten kaum noch ein. Das ist der eigentliche Skandal."

Aber aller schlechten Dinge sind drei:

" Am 19. Februar wurden Steine geworfen..... Die Steinewerfer sind Kriminelle, den sie nehmen in Kauf, dass Menschen getroffen und getötet werden. Um ihre Straftaten zu organisieren, benutzen sie Handys, z.B. um zu verabreden, wie man unter Umgehung der Polizeisperren über Zäune und Gärten auf die Reichenbachstraße gelangen kann. Die Zentrale firmiert unter dem Namen " Dresden nazifrei ". Wie anders soll man einen Zettel mit Telefonnumern deuten, der einem der Straftäter beim Übersteigen eines Zaunes in unserem Nachbargrundstück verloren ging? Unsere Gesellschaft wäre am Ende, wenn sie Straftätern erlaubt, moderne Kommunikationswege zu benutzen, die Strafverfolgung aber daran hindern will, die Wege zu kontrollieren. "

Hugh, wir haben gesprochen! Das diese, unsere Gesellschaft auch oder ganz besonders nach der Wiedervereinigung auf dem rechten Augen vollkommen erblindet ist, dürfte nicht nur anhand dieser Traktate, die sich auch noch " Leserbriefe " nennen dürfen, klar sein. Wenn die Meinungsfreiheit eben auch diese Mehrheitsmeinung von Blinden genau jenen Freiraum zubilligt, den diese mit Vorurteilen belasteten Schreiberlinge, aber gerade Andersdenkenden nicht zubilligen wollen, so kann der Staat und gerade die Gesellschaft nicht so gefährdet sein, wie es hier von  Dr. Winfried Prellner, Dresden, dem Ehepaar Brigitte und H.-J. Nimtschke, Bautzen und dem Prof. Sigismund Kobe aus Dresden gesehen wird.

Wie viel Dummheit muss ein Mensch besitzen, dass er Ursache und Wirkung in dem Fall der  Gewaltexzesse am 19. Februar 2011 in Dresden nicht erkennen will. Das Problem waren die Aufmärsche der Neo-Faschisten, die jedes Jahr die gleichen Gegenreaktionen, nämlich friedliche Gegendemonstrationen hervorrufen. Dass sich bei derartigen Menschenmassen auch einige Gewalttäter verbergen, lässt sich nur dadurch verhindern, dass es keine Nazi-Veranstaltungen mehr gibt. Dieses scheitert jedoch an dem grundrechtlich verbrieften Demonstrationsrecht. Die Kollegen aus der rechtsprechenden Zunft, werden und können diese Neo-Faschisten-Aufzüge nicht verhindern, denn sie sind durch das GG gedeckt, solange eben von diesen Zusammenkünften keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgeht. Und dieses lässt sich leider - präventiv - nicht dadurch Negieren, dass die NPD und ihre Vasallen selbst zu den Steinewerfern, Schlägern und Brandstiftern gehören.
Wenn es nun - wie erwartet - zu Straftaten, wie Landfriedensbruch, gefährlicher Körperverletzung gekommen ist, dann waren es - nach den bislang gezeigten Bildern von den Ereignissen am 19. Februar - nicht nur Linksautonome, wie die drei erblindeten Law & Order - Verfechter es gerne sehen möchten, sondern auch eine Vielzahl von Neo-Faschisten, die gegen die Polizeiabsperrungen in gewalttätiger Weise vorgegangen sind.

Und wenn Blinde, wie jene drei Schreiberlinge schon mal von der Farbe reden möchten, so wird dabei aber auch wirtlich Alles an Vorurteilen in den Topf geworfen. Die " Staatsfeinde " sind dann nicht nur kriminelle Steinewerfer, es sind auch Zäunekletterer und damit Hausfriedensbrecher, die die Spießeridylle an jenem samstag aufs Gröblichste verletzten, es sind Landtagsabgeordnete der Partei " Die Linke ", die sich angeblich nicht von den Straftätern ausreichend distanzieren, es sind Handy-Nutzer, die aus der Masse der Gegendemonstranten mit anderen Handy-Nutzern telefonieren, es sind auch unbeteiligte Dresdner - so wie ich -, die an jenem Samstag eben nicht in die Innenstadt zu einem Verwandtenbesuch gelangen konnten und deshalb den Besuch via Mobilfunktelefon schnell absagen mussten und es sind auch Sympathisanten - so wie ich -, die sich gegen die Faschistenaufmärsche aussprechen.

Warum soll eine illegale Rasterfahndung per Mobilfunkdatenabgleich, bei der eben auch jene Gespräche erfasst werden, die von der Mehrheit an Nichtbeteiligten geführt wurden, weil diese eher zufällig in der Nähe der Tatorte waren, erlaubt sein, nur weil damit eine handvoll Straftäter ermittelt werden können,die nicht einmal bedeutende Straftaten gegangen haben. Denn - auch wenn ich das Steinewerfen scharf verurteile - werden eben jene Täter eben nicht über Telefondaten ermittelt werden können, geschweige denn, diese aufgrund einer ausreichenden Beweislage einer Verurteilung zugeführt werden. Der Staat - nicht die Gesellschaft - schießt hier weit über das Ziel hinaus. Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit der Mittel ist nicht mehr gewahrt. Das ist einzig und allein der Skandal und nicht das Drumherum, an der Demonstration, bei der wohl keiner der Leserbriefverfasser selbst anwesend war.

Den Ermittlungsbehörden sind zwar sämtliche technischen Möglichkeiten gegeben, diese einzusetzen, muss sich eben als verhältnismäßig zeigen. Das ist in jedem Datenskandal eben nicht einmal ansatzweise der Fall, auch wenn die Maßnahem von einem Ermittlungsrichter des AG Dresden genehmigt worden ist.
Für die empörten Briefeschreiber sei die Empfehlung angebracht: " Mund halten, wenn man keine Ahnung hat!"