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Donnerstag, 23. Juni 2011

Wein - zum Weinen - Winehouse!


                                                              (c) WIKIPEDIA - Berlinfotos

Das Stossgebet einer typischen Vertreterin des Show-Biz nach dem Milleniumjahr könnte so lauten:

Gott, gib mir die Gelassenheit  Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Oder für die anglo-amerikanische Fraktion,auf englisch:

  God, grant me the serenity to accept the things I cannot change,
  Courage to change the things I can,
  And wisdom to know the difference.


Amen, amen!

Amen ( Ähmen), das klingt, wie Amy! Und führt unweigerlich zu Assoziationen mit dem Skandalnüdelchen Amy Winehouse.
" Amy, who? ", würde die Masse jedoch fragen, wenn die Medienindustrie, vornehmlich die Regenbogen-Tratsch-Klatsch-Hatz-Presse und der verblödende Boulevard mit seinen Hetz - und Lügengeschichten, den Namen Amy Winehouse nicht ständig nennen und über deren Eskapaden nicht genüsslich und reißerisch berichten würde.

Winehouse' Talent würde es kaum zulassen,dass so viel bedrucktes Papier und Wort und Bild im weltweiten Netz herum vagabundieren könnten, wenn ihre auf einen frühen Tod hinzielenden Drogenexzesse und der damit einher gehende körperliche Ruin nicht eine Meldung wert wäre.
Winehouse selbst hat ihren geschundenen Körper noch nicht aufgegeben. Sie versuchte sich nach einigen Entzugstherapien mit einer Tournee.
Und musste schon zu Beginn dieses Experiments erkennen:
" I 'll be back, in the middle of  alcohol and crack!"
Denn:

" Erwartungsfroh harrten denn auch 20.000, zumeist weibliche Amy-Fans aus ganz Südosteuropa unter der stimmungsvoll beleuchteten Kalegmagdan-Festung auf die Frau mit der dunklen Stimme und den düsteren Botschaften. Eine warme Brise strich von der Donau über die Bühne. Doch schon als die erst wenige Stunden zuvor direkt aus London eingeflogene Amy im kurzen Minikleid auf die Bühne wankte, war klar, dass alle Trockenlegungs-Anstrengungen ihres 30-köpfigen Begleitstabs wohl vergeblich waren. "

Arme Amy? Na, ganz so Mitleid erheischend wird sie wohl doch nicht vorgeführt worden sein. Wie es bereits bei den anderen - weiblichen - "Superstars" ist, wechseln hier Skandal-trächtiger Aktionismus ( um in den Medien präsent zu bleiben ) mit offensichtlich rein ökonomischen Hintergrund ( um dem verblendeten Fan noch mehr "Kohle" aus der Tasche zu ziehen ) das genormte Outfit. Das hoch dotierte Management und der lukrative Vermarktungsvertrag schwebt wie ein Damoklesschwert über dem Haupt der Kehlkopfakrobatin, die jedoch mit zunehmender Sucht und dem sichtbaren körperlichen Verfall ihre letzten Felle davon schwimmen sieht.

Das Fleisch war willig, die parasitäre Meute im Rückzugsgebiet Moneten geil und die Medien-Industrie erwartungsfroh, ob des nächsten Aufmachers. Mit diesem Ballast konnte die zierliche Amy wohl nicht professionell umgehen und soff weiter.
Der Auftritt in Belgrad endete im Desaster. Ein Fiasko für die gesamte, verlogende Show-Biz-Gemeinde mit ihren "Bussi-Bussi" - Hanseln und den Verblödungsmeldungen aus dem Unterleibsgenre, den veröffentlichten Krächen und den Müllbergen an Nonsens-Nachrichten. Was Winehouse in den letzten Jahren an Negativ-Image-Kampagnen selbst initiiert hat oder ertragen musste, umfasst weit aus mehr, als ihre künstlerische Schaffenszeit.

Der Boulevard und jene semi-voyeuritischen Informationsorgane tobten. Aber nicht nur die Nachrichtenquellen der überwiegend bildungsrestitenten Bevölkerungsmehrheit nahm Winehouse auf die Schippe:

http://www.stern.de/lifestyle/leute/amy-winehouses-verpatzter-buehnenauftritt-mit-einem-schubs-vors-publikum-1698222.html

Die Tournee wurde abgesagt. Ob Winehouse überhaupt noch auftritt, steht in den Sternen. Ihre Zukunft wird wohl eher düster aussehen, so, wie sich einige ihrer Songs anhören. Dunkel in einer freudlosen Zeit für kalt handelnde Mitmenschen. 

Lass's gut sein, Amy! Sonst trifft dich die brutale Wahrheit der  Michail Gorbatschow'schen Diagnose: " Wer zu spät kommt,..." im veränderten Sinne: " Wer zu spät geht, den auch!"


Mittwoch, 22. Juni 2011

" Ho kosmos skēnē. " - wie wahr!




Nach dem Ehec den Rang als Meldungsspitzenreiter verloren hat, der "Kachelmann"-Prozess zunächst als Medien technisch ausgelutscht gilt und der mit viel Brimborium versehene USA-Besuch der Eheleute  Dr. Merkel / Sauer meldungsmäßig abgegrast war, stürzte sich die Medienmeute erneut auf den tot kranken Mann an der Ägäis. Das EU-Land mit der Rekord Verschuldung, der darnieder liegenden Binnenwirtschaft und der vermeintlich Reform resistenten Bevölkerung.
Griechenland, die EU und der super teure Rettungsschirm, der bereits jetzt erhebliche Risse zeigt, noch bevor der Wolkenbruch aus Gläubigerforderungen auf ihn hernieder prasselt.

Griechischer Wein in neuen Schläuchen also?

Wer die Historie rund um die Europäische Gemeinschaft, einst Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, heute Europäische Union - unbeeinflusst vom eigentlichen Lebensalter oder den generationsübergreifenden Verblödungsfaktoren der Mediengesellschaft - betrachtet, wird sofort erkennen, dass das postmoderne Prinzip des " Viel hilft viel " grandios gescheitert ist. Die massenhafte Aufnahme europäischer Staaten in den Schoß der EU war ein so gravierender Fehler, dass sich der Ur-Europäer, nämlich der aus dem Ursprung der heutigen Europäischen Union ab 1951 und 1957 entstammene Belgier,Bundesdeutsche,Franzose,Italiener, Luxemburger und Niederländer, fragen muss,ob hier das Geltungsstreben vieler Politiker nicht die Hirne mit Wunschdenken zur Funktionalität dieses Molochs verkleistert hat.

Die derzeitige Krise ist möglicherweise eine Dauerkrise, deren Entwicklung mit dem Beitritten der jetzigen Krisenländer ( PIIGS-Staaten) ihren Beginn hat. Hier sind eben die vorgängigen Bedingungen beim Beitritt zur europäischen Staatengemeinschaft nicht so positiv gewesen, wie sie dann in der Öffentlichkeit dargstellt wurden.

Griechenland wurde 1981 in die Gemeinschaft aufgenommen. Das Land hatte eine Dekade zuvor die Demokratie vorüber gehend abgeschafft und eine Mörderbande von Militärs an der Staatsführung zu ertragen. 

http://de.wikipedia.org/wiki/Griechenland#Nachkriegszeit:_B.C3.BCrgerkrieg_und_Westintegration

Auch wenn der Spuk des Obristenregimes ab April 1967 nur 7 Jahre andauerte, so hinter ließ diese Zeit doch tiefe Wunden im Fleisch der griechischen Demokratie. Diese waren noch nicht ausgeheilt, als das Land der EU ( EWG ) beitrat.
Die folgenden 3 Dekaden verliefen innenpolitisch genau so chaotisch, wie die wirtschaftliche Entwicklung. Das Land hat sich zwar auf Platz 22 des HDI hoch gearbeitet und zählt tatsächlich zu der Kategorie der Länder mit dem höchsten Entwicklungsstand, dennoch trügt der Schein. Diese Attribute vermögen nicht darüber hinweg zu täuschen, dass die Korruption, die Vetternwirtschaft und zum Volkssport ausgeuferte Steuerhinterziehung eine Gemengelage erkennen lässt, innerhalb derer die Folgegenerationen kaum eine reelle Lebens - und Überlebenschance haben.

Alte Männer beherrschen die Politik, deren Köpfe sich aus nur zwei Parteien rekrutieren. Das wiederum führt zu einer Festigung von sozialen Verwerfungen. Die Spanne zwischen Arm und Reich ist auch in Griechenland sehr groß. Hinzu kommt eine exorbitant hohe Jugendarbeitslosigkeit. Genügend Zündstoff also, um das griechische Pulverfass zur Explosion zu führen.
Bereits vor der jetzigen Wirtschaftskrise waren Krawalle von Benachteiligten, Abgehängten und Perspektivlosen an der Tagesordnung.
Die griechischen Politiker haben dieses Warnsignal ignoriert.
Nur um sich selbst und ihre Pfründe bei der Machterhaltung kümmernd,gaben die Verantwortlichen vor, die erheblichen Wirtschafts - und Gesellschaftsprobleme in den Griff zu bekommen. das ist nun fast 3 Jahre her.

Seit dem hat sich nichts getan.
Im Gegenteil die Finanzkrise - de facto eine Bankenkrise - hat zur Zahlungsunfähigkeit des Staates geführt. Das Land ist vom endgültigen Bankrott bedroht, sofern die EU nicht mit weiteren Milliarden-Krediten einspringt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Griechenland#Wirtschafts-_und_Finanzkrise

Wer aber pleite ist, kann keine realistische Politik betreiben. Ohne eine ökonomisch fundierte Politik jedoch, wird dem Bürger jedwede Möglichkeit der eigenen Entwicklung genommen. Der Ruin des Systems ist vorprogrammiert.

Die öffentlich durch das Mediendorf getriebenen Lösungen sind vielfältig. Von der Abkoppelung Griechenlands aus der Euro-Zone über den so genannten Schuldenschnitt bis hin zum zeitweisen Austritt aus der EU reichen die schlauen Rat - und Vorschläge. Ob sie dem Krisenland weiter helfen, dürfte indes sehr fraglich sein. Die vorgenommene Kreditvergabe könnte als Alternative zu den obigen Lösungswegen durchaus Erfolg versprechend sein, wenn das Land selbst genügend Mut aufbringt, die unpopulären Sparmaßnahmen durch zu setzen. Der Zorn des gemeinen Helenen wird dem jetzigen Ministerpräsidenten ganz gewiss sein. Wer unterzieht sich in den Altersgruppen von ab Mitte 40 bis Ende 60 gerne freiwillig einer radikalen Fastenkur,um den voll gefressenen Wanst leer zu belassen und den erheblichen Leibesumfang zu reduzieren?

" Scheitert der Euro, dann scheitert Europa!", dozierte BK Merkel vor einigen Wochen.
Nein, Angie! Nicht Europa wird scheitern, sondern der europäische Gedanke wird zu Grabe getragen. Deshalb muss die Gemeinschaft für den Sterbenden an der Ägäis bis zum Anschlag finanziell eintreten. Eine andere Lösung ist nicht in Sicht. Schon gar keine von der Qualität der Garde intellektueller Tiefflieger aus dem Umfeld und der Fangemeinde des Latrinen-Blatts mit den vier Buchstaben, das erst kürzlich hetzte: " Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen!"
Schwachsinnige Demagogie aus den Hirnen von subalternden Pisspottschwenkern mit schwarz-rot-goldner Zipfelmütze und Filzpantoffeln vorm Bett.


Ho kosmos skēnē.
„Die Welt ist eine Bühne.“
Richtig und falsch zugleich, denn ohne Schauspieler wäre auch sie nutzlos. Die Hauptakteure hier sind wir Menschen, deren Lebenszeit begrenzt ist, womit sich die existenzielle Frage stellt: " Wie kann diese Zeit so genutzt werden, dass auch zum Lebensende oder danch noch etwas übrig bleibt?" 
Diese Kunst muss erlernt werden:


Ho men bios brachys hē de technē makrā.
„Das Leben ist kurz, die Kunst aber (währt) lang.“


Oder, wie es der Lateiner sagt:
 Vita brevis, ars longa.

Montag, 20. Juni 2011

Sand, Stein,Sandstein. Ein Besuch in den Obernkirchener Sandsteinbrüchen.


                                                                        (c)  WIKIPEDIA :Falk Oberdorf, Osterstr. 8, 32312 Lübbecke.


Das Wetter zeigte sich nicht sehr einladend. Trotzdem muntert ein Waldspaziergang den vom wechselhaften Sonne - regen - Wind - Mix Geplagten wieder auf. In den USA, dem Land mit der höchsten Anzahl an dogmatischen Mobilitätsfetischisten nennt sich der hier durchaus übliche Sonntagspaziergang " Sunday morning sidewalk ".Es ist ein massenhaftes Schlendern auf den Gehsteigen einer Stadt,um sich zu zeigen, gesehen zu werden oder um selbst zu sehen, wer sich dort noch an Bekannten trifft.

Die bundesdeutsche Marotte, den Sonntag irgendwie tot zu schlagen ist etwas aufwendiger. Häufig wird nach dem üppigen Mittagessen und vor dem Kalorien beschwerten Kaffee und Kuchen - Genuss - je nach Alter und Fitness - ein ausgiebiger Spaziergang durch geführt. In den Fällen, in dem sich dieser mit einer Sonntagsausflugsfahrt verbinden lässt, opfert der Michel dann schn mal die Zwischenmahlzeit ab 16.00 Uhr.

Zu Zeiten des medial aufgebauschten jedoch realen Waldsterbens, pilgerten ungezählte Neugierige, Pseudo-Betroffenheitshansel und Anhänger der Umweltbewegung in die bundesrepublikanischen Wälder, um die Baumskelette zu besichtigen, die durch den Sauren Regen irreparabel geschädigt vor sich hin siechten und dann mittels Kettensägen entfernt werden mussten.
Auch diese Mode ist längst mega-out, weil sich die Nachfolgegenerationen allenfalls um den Stellenwert des deutschen Waldes in der virtuellen Welt des Netzes Gedanken machen.

Als gebürtiger Schaumburg-Lipper, im jetzigen Landkreis Schaumburg Heranwachsender, hat der Wald seit Generationen einen exponierten Rang im dortigen Lebensumfeld. Wald, dass bedeutet nicht nur Leben, Nahrung und Erholung; das wurde auch über viele Dekaden mit wirtschaftlichem Erfolg und Reichtum in Verbindung gesetzt. Dank der dort vorhandenen fossilen Brennstoffe hat so mancher Beruf Menschen auch satt machen können. Ob nun Förster, Köhler oder Waldarbeiter, sie konnten von der dort ausgeübten Tätigkeit überleben.

Eine andere Art der Ausbeutung von natürlichen Ressourcen stellt der Abbau von Natursteinen dar. Ob nun Granit, Schiefer oder Sandsteine, sie zählen zu den heute noch verwendeten Baustoffen. Ihre Gewinnung erfolgt jedoch auf martialische Weise: durch Sprengung mittels Dynamit.
In den Steinbrüchen der BRD wird aber längst nicht mehr mit Hacke, Schaufel oder Presslufthammer gewerkelt. Moderne Techniken kommen auch hier zum Einsatz.
So auch in den Obernkirchner Sandsteinbrüchen, die sich im Bückeberg befinden.
Der Bückeberg liegt geographisch betrachtet zwischen den Orten Bad Eilsen, Heeßen und der Stadt Bad Nenndorf und besteht aus mehreren Erhebungen, den Bückebergen.

http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCckeberg

Die  sich hierin befindlichen Sandsteinbrüche zählen zu den lokalen Ausflugszielen dieses - offizielle zum Weserbergland zählenden - Waldgebiets. 

http://de.wikipedia.org/wiki/Obernkirchener_Sandstein

Zu meiner Schulzeit waren der Bückeberg, so wie der Harrl und die Luhdener Klippe zu den Wanderzielen, die Jahr für Jahr an einem zur Pflicht, nämlich als Unterricht ernannten Wandertag angegangen wurden. Dabei waren Strecken von 10 Kilometern eben keine Seltenheit. Leibesertüchtigung war in den 50er und 60er Jahren immer noch hoch im Kurs.
Ein Ausflugsziel waren eben auch die Obernkirchener Sandsteine und die dort befindliche Gaststätte " Gasthof Walter ". 
Viele Male war ich einst mit der einstigen Volksschulklasse dort. Ob nun zum obligatorischen Wandertag oder als praktischer Unterricht in den Fächern Heimatkunde, Naturkunde und Erdkunde.

Mit einem Wanderrucksack bewehrt ging es ab 8.00 Uhr morgens zu Fuß los. Treffpunkt war der Schulhof der Volkssschule in Heeßen. Diszipliniert zog die Klasse oder mehrere Klassen dann an der Aue entlang in Richtung Bad Eilsen. Von dort an der evangelischen Kirche vorbei, der Bückeburger Straße folgend zum Ortsausgang in Richtung Krainhagen. Bereits hier ging es stetig bergauf.Ein weitere Strecke verläuft über den Heeßer Berg. Singend und oft schwatzend verteilte sich dann die Klasse bis nach einigen Kilometer das Gasthaus " Walter " in Sicht kam. Hier wurde dann das Brot, der Apfel und ein Limonadengetränk ( sehr beliegt waren einst die leichten dreieckigen "Sun Kiss "-Getränke ) ausgepackt.

Nach der Mahlzeit wurden die Obernkirchener Sandsteinbrüche besichtigt. Der Klassenlehrer dozierte über deren lange Geschichte und lobte die sehr gute Qualität des Baumaterials mit dem u.a. auf das Bremer Rathaus, der Kölner Dom und die Hamburger Börse erbaut wurde. Stolz durften sie durchaus sein, die vielen Arbeiter von damals, von denen mittlerweile nur noch wenige in den Steinbrüchen auf Maschinen und Analgen tätig sind.

Gegen 13.00 Uhr wurde dann der Rückmarsch angetreten. Und spätestens um 15.00 Uhr war der Wandertag vorbei. Später holte uns sogar ein Bus ab, der dann die Rückfahrt bis zur Schule vornahm.

Das ist nun mehr als 4 Dekaden her. Ab und zu war ich mit meinem R 4 zum Spazierengehen an dem Gasthaus " Süße Mutter ". Parkte das Fahrzeug dort und schlug mich ein paar Kilometer durch den Wald. Mein letzter Besuch ist auch fast 8 Jahre her. Damals wunderte ich mich über die verwaiste Raketenstation der NATO, die neben den Steinbrüchen viele Jahre zuvor nicht betreten werden durfte. Das Areal war streng bewacht und kaum frei sichtbar. Es war für uns mit einer ehrfurchtsvollen Betonung eher ein Mysterium, weil sich dort Flugabwehrraketen befanden, die von niederländischen Soldaten bedient wurden.
Das längst verwahrloste Gelände dient heute der Bundeswehr als Übungsgebiet.

Beim Fotografieren fielen mir denn noch einige Anekdoten aus jenen Jahren ein, in denen die Obernkirchener Sandsteinbrüche so weit weg waren, wie Hamburg, Köln oder Bremen. Unerreichbar für den Provinzler oder nur zu besonderen Anlässen aufgesucht. Vielleicht war die damalige, die nicht so hektische und schnelllebige Zeit doch - wenn auch auf ihre eigene Art und Weise - lebenswerter. Aber nur vielleicht!

Donnerstag, 16. Juni 2011

Streiten wie die Kesselflicker.

                                                                (c) WIKIPEDIA-Richtig streiten
In einigen geisteswissenschaftlichen Bereichen wird seit langer Zeit intensiv auf dem Gebiet der Partnerschaftsverhältnisse zwischen Frau und Mann geforscht. Hierüber sind deshalb bereits Tonnen an Material veröffentlicht worden. Schlaue Gelehrte haben denn ein Unzahl von wissenschaftlich belegbaren Unterschieden bei Mann und Frau heraus gearbeitet. Worauf sich die Feststellung eines Schriftstellers erklärlich machen lässt, der schlankweg behauptet: " Mann und Frau passen nicht zusammen!"

Nun, so manche guten Gründe können dafür sprechen. Vor allem dann, wenn es um die verbalen Streitereien innerhalb einer Beziehung geht. Beide Geschlechter lassen sich dann nicht lumpen, dem Gegenüber Begriffe und Wortkonstruktionen buchstäblich an den Kopf zu werfen, die ihren Ursprung eindeutig im Bereich der Fäkalsprache haben. Die Sozialisation spielt bei jener Streitkultur längst keine Rolle mehr. Ob nun Bandarbeiter, Sachbearbeiter oder wissenschaftlicher Mitarbeiter ist völlig egal. Wenn sich die Streitbaren so richtig in Rage geredet haben, bleibt kein Auge trocken.

Die Qualität der Auseinandersetzung ist auch dann nicht geschlechtsspezifisch, wenn es darum geht, dem streitenden Partner zu erklären, was frau/man von diesem hält.
Begriffe, wie " Sack, Drecksack oder Hanswurst, Blödmann, Trottel oder Memme " sind dann das Standardrepertoire, mit dem der verbale Zwist ausgefochten wird. Auch der männliche Pendant lässt sich bei der Vielfalt der Wortschöpfungen nicht lumpen: " Blöde Kuh, dumme Ziege altes Miststück," stehen dann in seinem Wortschatz genauso zur Verfügung, wie " Schlampe, Granne oder Dummbratze ".

Je intensiver der Streit geführt wird, desto vielfältiger das Vokabular. Streitigkeiten, Alltagsstreitigkeiten oder Streitigkeiten bei längerem Zusammensein gehören zum Inhalt einer Partnerschaft, wie das Drohen, Türe schlagen oder demonstrative Schweigen; Letzteres dann stundenlang.
Die Anlässe sind häufig nichtig, dafür die Konsequenzen eines Beziehungsstreits mehr als gewichtig. Der Beleidigte zieht dann des öfteren von dannen und wartet auf eine spätere Entschuldigung. Erfolgt diese nicht, so kriselt es bereits in der Partnerschaft.

So mancher Streit beginnt eher harmlos und endet in einer verbalen Generalabrechnung mit dem anderen Partner. Dann wird der gesamte Beziehungsfrust aufgewühlt, eben jene negativen Attribute, die der Eine bei dem Anderen erkannt haben will. Eine zunächst harmlos beginnende gemeinsame Autofahrt,ein harmonisch anfangendes Wochenende oder ein voller Erwartung startenden Urlaub sind alle Male dazu geeignet, die verbale " Sau " raus zulassen. Und wie!

So stand jüngst in der Sächsischen Zeitung ( SZ ) zu lesen, dass besonders beim Autofahren gestritten wird. Ursächlich sind dabei die wechselseitig behaupteten besseren Fahrkünste. Was vor vielen, vielen Jahren die eindeutige Domäne des Mannes war, nämlich das rollende Wohnzimmer im Wert eines Jahresgehalts allein in den Straßenkampf zu führen, wird in der Prä-Emanzipationsära längst nicht mehr als allein vom Kerl beherrschtes Terrain gesehen. Auch die mitarbeitende Frau und Doppelverdienerin reklamiert ihren Anspruch, die eigenen Fahrkünste zum Besten geben zu dürfen.
Der Partner sitzt derweil, ihr Verkehrsverhalten argwöhnisch betrachtend auf dem Beifahrersitz und grollt, Grummelnd kommentiert er den kleinsten Fehler, die kleinste Unachtsamkeit und die kleinste Nuance des eher defensiv orientierten Fahrverhaltens der Frau.

Ein kritisches Wort, ein Widerwort, eine daraufhin erfolgende Replik und schon ist der Zoff vom Zaun gebrochen:  " Pass doch auf, dumme Kuh!" meckert er, um sein Heiligtum besorgt sie an. " Wenn Du besser fahren kannst, dann steige doch aus!", repliziert sie. " Das mache ich auch gleich !", argumentiert er. So geht es viele Minuten lang.

Streiten, wie die Kesselflicker. Vornehmlich beim Autofahren. Ist aber kein gesamtdeutsches Phänomen. Auch im benachbarten Ausland wird sich gefetzt, wie nichts Gutes. Auch beim Autofahren.

Da fällt mir ein wunderbares Lied von Nena ein, dass eigentlich " Ganz gelassen " heißt, aber die Dauerfrust in einer frustrierende Beziehung sehr treffend umschreibt:


Du weißt alles ganz genau.
Hältst dich für wahnsinnig schlau.
Du hast immer recht.
Und davon wird mir schlecht.
Und Du mischt dich überall ein.

Lässt es einfach nicht sein.
Weißt über jeden Bescheid.
Und mit dir krieg' ich Streit.

Ohne dass ich das will.
Ohne dass ich das will.
Was fürn Scheißgefühl.

Aber einmal werd' ich ganz gelassen,
an dir vorbeigeh'n, ohne dich zu hassen.
Ich werd' dir wünschen,
dass du selber siehst,
was du für'n Riesenarschloch bist.

Und du mit deinem bisschen Macht,
hast mich ausgelacht
und mich zum Weinen gebracht.
Denn du machst andere klein,
um selber größer zu sein.
Du hast Spass daran,
und ich schrei' dich an.

Ohne dass ich das will
Ohne dass ich das will
Was für'n Scheißgefühl...

Und du kommst immer dann bei mir an,
wenn ich dir helfen kann.
Doch hab' ich ein Problem,l

lässt du mich stehen.

Und dir hab ich mal so vertraut.
Jetzt hab ich dich durchschaut.
Wenn ich dich lügen seh',
tut mir das richtig weh.

Ohne dass ich das will.
Ohne dass ich das will.
Was für 'n Scheißgefühl...







Gut beschrieben, Frau Gabriele Susanne  Kerner! Streiten, wie die Kesselflicker, eben!

Der Ameisenkrieg.



Alte Häuser haben - sowohl ästhetisch als auch bautechnisch besehen - sehr viele Vorteile. Sie lassen sich - ein gewisses Quantum an Individualität und handwerklichem Vermögen vorausgesetzt - wunderbar verändern. Dieser Fakt hat auch dann noch bestand, wenn ungebetene oder ungeliebte Gäste in den Bauten ihr Zuhause gefunden haben.
Neben Wespen, Spinnen und Fliegen nisten sich auch Ameisen jedweder Art ein. Was im Garten noch einen erheblichen Nutzeffekt mit sich bringt, denn die Ameise gilt in unseren Breiten als "Tierpolizei",weil sie natürliche Abläufe mit kontrolliert,muss im bewohnten Gebäude nicht immer ein Segen sein.

Als ich vor einigen Monaten das Mammutprojekt "Gästebadsanierung" in Angriff nahm, entdeckte ich hinter einem tragenden Holzbalken ein relativ großes Ameisennest. Zunächst waren mir diese "Eindringlinge" völlig schnuppe. Gerufen hatte ich sie zwar nicht, aber wer ein Quartier vor dem Winter sucht - der dann ja heftig wurde - wird hier nicht abgewiesen. Nolens volens ließ ich die zahlreichen Gäste zunächst gewähren. Sie störten mich weder bei dem - zunehmend Schweiß treibenden - Fußbodenabrissarbeiten, noch bei der Herausnahme einer Zwischenwand und schon gar nicht bei der Vernichtung der DDR-Sauerkraut-Dämmplatten. Tag für Tag werkelte ich stundenlang vor mich hin, bis der Schuttcontainer - fachmännisch als "Absetzmulde " tituliert - sukzessive gefüllt wurde. Der entscheidende Teil jeder Tätigkeiten kam aber dann, als ich ein altes WC nebst Anschlüssen beseitigen wollte. Kaum war der Korpus in der Absetzmulde eingebracht und damit in die Ewigen Jagdgründe verbannt,wuselte ein Ameisenvolk unter dem WC-Anschluss hervor.

Je weiter ich deren Spur verfolgte, desto größer wurde deren Zahl und der mit dieser einhergehende Grad der Zerstörung. Die Ameisen hatten gut 1/3 des - tragenden - Deckenbalkens aufgefressen, sich dort ein Nest gebaut und ihre Brut erneuert heran gezogen. Jetzt war doch Handlungsbedarf angezeigt. Wild entschlossen, den Frevlern den Garaus zu machen, stolzierte ich die Holztreppe hinunter, um aus der Tiefe des Küchenschranks die "Todeskeule" in Form von Insektenspray heraus zu fischen. Was dann geschah, glich einem fürchterlichen Gemetzel - keine kam davon!

Nach und nach kehrte ich tausende von leblosen Insektenkörper mittels Handbesen und Kehrschaufel auf und bugsierte diese in einen Plasteeimer,der eigentlich zu Bauszwecken dort stand. Alles tot!
Dann musste ich Beton anrühren. Mit der sämigen Streichmasse versiegelte ich das zuvor ausgekhrte Ameisennest, reparierte den angenagten und zerbröselten Holzbalken hiermt und fügte eine Schicht Dämmgranulat herauf. Fertig! Ich hatte den Krieg gewonnen.

Bereits vier Jahre vorher bestritt ich meinen ersten Ameisenkrieg in dem Haus. Die Insekten hatten sich zum Hochzeitsflug, aus dem Eichenparkett heraus kommend, im Wohnzimmer eingefunden. Viele Tausend flogen, krabbelten und kreuchten an der Balkontür herum, umschwirrten die Deckenlampe oder belegten den Tisch. Wider Erwarten ließen die Tierchen sich auch nicht dazu bewegen, bei geöffneter Balkontür ins Freie zu fliegen. Zunächst eher enttäuscht, ob des missachteten Angebots, die Freiheit vor dem sicheren Tod vorzuziehen, holte ich die Chemiekeule. Nach gut einer Minuten waren sie vernichtet. Sowohl die Fliegenden als auch diue wesentlich kleineren Krabbelnden unter dieser Spezies. Ich nahm den Staubsauger und verwischte die Todesspur. Bis ein Tage später, beinahe zur selben Abendzeit im Hochsommermonat August die zweite Welle aus dem Fußboden hervor kroch. Wieder dauerte die Vernichtungsschlacht nur eine Minute. Erneut verließ ich als Sieger das Feld.
Nebenbei bemühte ich mich detektivisch einen Ort des Ameisennestes zu lokalisieren. Den hatte ich alsbald gefunden: Er befand sich an der Hauswand neben dem Kanadischen Ahornbaum. Mit einer Gießkanne heißen Wassers bekämpfte ich die Ameisen-Nachhut. Erfolgreich,denn danach war Ruhe. Der Staat, das Volk, das Nest zerstört. Für immer, so glaubte ich.

Wegen des warmen Mai und der Junitag in diesem Jahr schienen die vernichtet geglaubten Ameisen früh ihre Vermehrungsschlacht aufnehmen zu wollen, denn bereits einen Tag nach Pfingsten kreuchten sie - dieses Mal jedoch als kleinere Art - erneut aus dem Parkettfußboden hervor. Wimmelten in den späten Abendstunden zu Tausenden an der Balkontür herum, umflogen die Decken - und die Tischlampe und setzten sich am Fußboden ab. Wieder kam die chemische Keule zum Einsatz. Die erste Angriffswelle hatte ich vollständig vernichtet. Gestern Abend nun, zum Zeitpunkt der nicht sichtbaren Hochzeit der MoFi versuchten die Eindringlinge es erneut. Viele hundert Exemplare belegten die Türglasscheiben, um selbst Hochzeit, Begattung und das Existenzende zu begehen. Das Ein-Euro-Insektenspray in meiner Hand kam diesem Ansinnen zuvor. Auch die zweite Abwehrschlacht wurde von mir erfolgreich abgeschlossen.

Während ich den Staubsauger mit Turbo-Saugkraft anstellte, dessen Korpus hinter mich herzog, um die ungezählten Insektenkörper einzusammeln, erinnerte ich mich an eine Sendung aus meiner Kinderzeit, die von der ARD einige Male zur besten Sendezeit zunächst, später dann in das Nachmittagsprogramm eingefügt, ausgestrahlt wurde: " Der Ameisenkrieg ".
Ein martialischer Zeichentrickfilm aus den frühen 60er Jahren, der von der Auseinandersetzung zweier Ameisenvölker erzählt. Auf der einen Seite standen die Angreifer, die " roten " Ameisen, auf der anderen Seite in einem zur Burg geformten Gebilde, die Verteidiger, die "schwarzen " Ameisen. Gekämpft wurde mit mittelalterlichen Waffen. Als da waren: Schwert, Zweihandschwert, Streitaxt, Morgenstern, Lanze,Speer, Armbrust, Pfeil und Bogen, Stein -Katapult, Feuer, Pech und große Steine.
Mein ein Jahr jüngerer Bruder und ich waren hell begeistert. Passte dieser Film in die eigenen Vorstellungen von kühnen Rittern, mutigen Kämpfern und heroisch geführten Schlachten hinein. Die einstigen Vorbilder waren damals eben: Ivenhoe, Sigurd oder die Karl May-Romanhelden, wie Old Shatterhand, Winnetou, Old Firehand usw. usf. Begriffen haben wir den Film als großes Ereignis zur eigentlich nachtschlafendenzeit ab 20.15 Uhr, als einen tollen Krieg zwischen zwei verfeindeten Lagern und einer, von einem dramaturgisch einzigartigen Kommentars, den wir nur aus den Fußballübertragungen kannten. Intelligent war der Trickfilm nicht, denn er wollte uns eine verschlüsselte Botschaft herüber bringen, die da lautete die Bösen, nämlich die Roten, die Kommunisten eben, werden den von ihnen angezettelten Krieg nicht gewinnen. Plump, wie die Medienhetze im verspießten und restaurativen Nachkriegswestdeutschland nun einmal agierten, kam diese Aussage bei uns natürlich nie an. Wie auch? Von Politik wurde in unserer Familie nie gesprochen, in der Schule hörte der Geschichtsunterricht spätestens ab 1932 auf und begann erst im Mai 1945 mit der Kapitulation des bösen Nazi-Deutschlands.

Und während ich die vielen Ameisen aufsaugte, kam mir der Gedanke, dass auch in dem Trickfilm " Der Ameisenkrieg " zum Schluss nur noch tote und verkrüppelte Tier zu sehen waren. Das kommt davon, wenn ein Krieg geführt wird, weil ein friedliches Nebeneinander nicht möglich erscheint. Hier allerdings liegen die Dinge ein wenig anderes: " My home is my castle!" - Basta!

Mittwoch, 15. Juni 2011

MoFi - SoFi - Do(o)-Fi?


                                                                                                                 (c) Steepy from Wollongong, Australia-WIKIPEDIA




Wieder ein neues, mediales Großereignis. Ab heute Abend, Mittwoch, den 15. Juni 2011 kann - sofern der Himmel klar bleibt - jeder Mitteleuropäer ein Naturschauspiel mit Eventcharakter beobachten: die totale Mondfinsternis - kurz: MoFi. Was sich am Mittwochabend dann abspielt, wird die längste totale Mondfinsternis seit mehr als zehn Jahren sein. Einzig die zweite Hälfte des Schauspiels ist, von ganz Deutschland aus zu sehen.

Bereits heute in den frühen Morgenstunden hat mich MDR Info über jenes Ereignis umfassend informiert. Besten vorbereitet, werden auch einige Millionen Bundesmichel ab 19.30 Uhr dabei der Dinge harrend, die noch kommen, ihre Klüsen weit aufmachen, um ja nichts zu verpassen.
Denn:

  • 1. Kontakt: Eintritt in den Halbschatten um 19:23 Uhr MESZ
  • Sichtbare Mondfinsternis beginnt um ca. 19:53 Uhr MESZ
  • 2. Kontakt: Eintritt in den Kernschatten um 20:23 Uhr MESZ
  • 3. Kontakt: Beginn der totalen Phase um 21:22 Uhr MESZ
  • Maximale totale Mondfinsternis um 22.13 Uhr MESZ
  • 4. Kontakt: Ende der totalen Phase um 23.03 Uhr MESZ
  • 5. Kontakt am 16.06.10: Austritt aus dem Kernschatten um 00.02 Uhr MESZ
  • Ender der sichtbaren Mondfinsternis am 16.06.11 um ca. 00.32 Uhr MESZ
  • 6. Kontaktam 16.06.10: Austritt aus dem Halbschatten ca. gegen 01.02 Uhr MESZ

Das wird wieder ein Gaudi! Nach den ungezählten Massenveranstaltungen rund um die Fußball-WM im vergangenen Jahr, bei denen die Gastronomie und sonstige Abzocker ordentlich Umsatz machten, darbt das bundesdeutsche Volk nach einem neuen Großereignis. Der dabei - schon inflationär - genutzte Begriff nennt sich - großkotzig - " public viewing ". Sehr frei übersetzt: Volksverdummung!

Ein derartiges Event fand letztmalig am 11. August 1999, also vor ca. 12 Jahren statt, als u.a. in weiten Teilen Europas eine totale Sonnenfinsternis (SoFi) zu sehen war. Ich erinnere mich noch genau an das Brimborium, dass um dieses Naturschauspiel veranstaltet wurde. Da boomte der Verkauf von Sonnenbrillen in sämtlichen Variationen und Preislagen. Von der Aldi-SoFi-Billigbrille über die Fielmann-Nicht-Zuzahl-SoFi-Brille bis hin zur Versace-Porsche-Dior-Designer-SoFI-Brille ramschten sich alle nur erdenklich Geschäfte voll. Business as usual!

Dann standen natürlich auch T-Shirts mit sinnfreien Aufdrucken, wie " SoFi 1999 ", " I (love) SoFi" oder" SoFi 1999 - Ich war dabei!" zum Verkauf in den Größen 50 bis 178 sowie S bis XXXXXXL bereit. Business as usual!

Die Freßtempel boten " SoFi" - Gerichte ab 2,50 DM ( Erbsensuppe mit Würstchen ) für den einfach strukturierten Hungerleidenden und ( "SoFi Döner-Spieß mit frischem Salat ") ab 7,50 DM  für die multi-kulturelle Fangemeinde bis (" SoFi "- Scampi in Champagner-Soße auf Vor-Milleniumsgemüse-Variation mit Trüffelbutter angereichert und australischer Folien-Kartoffel )zum Preis  von 129,50 zum leiblichen Wohlergehen, ob der tierischen Anstrengung des Himmelsglotzens an.
SoFi as usual!

Und da für den Ohren schmerzenden Endneunzigerjahre-Sound auch gesorgt werden musste, kreierte Dieter Bohlen gleichen einen "SoFi"-Popsong mit dem Titel "Sundark love ". Auch Pink Floyd durfte nicht fehlen und spielte " Total eclipse of the sun " ein, während Grönemeyer's  Sprechgesang von " Sonnenfinsternis im stählernen Revier " fabulierte.
Money as usual!

Und bei all dem Geschiße um das einstige Ereignis durften die Verdummungsmedien nicht fehlen. Das Gossenblatt titelte: " Wir sind SoFi " und fragte besorgt: " Wird am 11. August der Sonnenkrieg unser Deutschland in die Finsternis ballern?". RTL brachte die " SoFi-Show ", SAT1 den " SoFi-Film-Film " und PRO7 die Sendung " Schlag die SoFi ".

Einzig die Öffentlich Rechtlichen zeigten sich zurück haltender. Das Erste strahlte den Doku-Film " SoFi 1999, wie geht es danach weiter? "; das Rentner-Programm des ZDF brachte " SoFi, wenn junge Alte zum Erblinden verurteilt sind. " und die Dritten sendeten - regional gesplittet -: " Sonnenfinsternis in Norddeutschland. Eine Gefahr für Ebbe und Flut, die bayrische Landwirtschaft und den Ausgang der Wahlen im Osten? ".
Verdummung im Quadrat!

Und bei soviel "SoFi" fragt sich der "MoFi"-Fan und eher besorgt agierende kritische Bürger, welchen Schwachsinn die medial durchgestylte Konsum-Verblödungs-Gesellschaft mit samt ihren Brüll-Werbungsorgien und dem Dauerverarschungsgefasel auf jedem Kanal sonst noch - natürlich in potenzierter Form - zu bieten hat?
Vielleicht einen "SoFi-MoFi"- Song, eine " MoFi-Promi-Kochshow " oder einen Reklame Gag des Brüllaffen-Media-Marktes, der so lautet: " Jetzt vor MoFi, alle TV-Geräte, PCs und Digis  mit 3 Jahren Wegwerfgarantie zu aktuellen Mondpreisen. Lügner-Markt, ich bin doch plemplem!"? Es mag auch sein dass das Latrinen-Blatt titelt: " MoFi- blutrot tropfte es vom Mond auf uns!" oder die Verlage bieten Hörbücher mit Romanen von Uta Danella, Papst Benedikt mit Angela Merkel und Horst Seehofer oder Thilo Sarrazin mit den Titeln: " Die wahre Liebe bei Mondfinsternis ", " Glaube,Irrglaube, Aberglaube nicht zur Mondfinsternis." und " Deutsche Mondfinsternis und gescheiterte Integration von Muslimen."
Alle Bücher, Hörbücher und DVDs zu einmaligen Mo-Preisen von finsteren 99,-- € incl. MoFi-Zuschlag.

 

Schlecht - schlechter - Schlecker!



                                                                                                                                 Photo: (c)Andreas Praefcke

Deutschland ein Drogerie-Märchen. Was sich einst als gnadenlose Preisschlacht um die billigsten Drogerieartikel entpuppte, wurde alsbald zu einem Glaubenskampf zwischen den verschiedenen Ketten-Betreiber.
Drogerieketten sind nämlich jene Einrichtungen, die auf den Gebieten:

  • Heilmittel 
  • Schönheitspflege und - und Hautpflegeprodukte, 
  • Biologische Reformprodukte und vollwertige Nahrungsmittel
  • Artikel für die Sachpflege in Haus und Garten

 ein reichhaltiges Angebot parat halten.


Und hiervon gibt es in der BRD nur noch wenige, nämlich:


- Schlecker

- Marke dm

- Rossmann

- M - Müller

- Budnikowsky

Die großen Vier, das sind die eben oben genannten, teilen den Markt unter sich auf. Branchenführer ist noch Schlecker. Jener Kette aus dem schwäbischen Ort Ehingen, die 1975 von Anton Schlecker gegründet wurde.

Der Aufstieg des Anton Schlecker war rasant. Mit seinem inzwischen europaweiten Filialnetz gehört er zu den Milliarden in dieser Branche. Doch die Konkurrenz sitzt Schlecker längst im Nacken. Der Branchenprimus kämpft mit einem sich über Jahre aufgebauten Negativimage. Nicht ohne Grund, assoziert so mancher Kunde mit dem Namen Schlecker: Dumpinglöhne, rüder Umgang mit dem Personal und schlechte Verkaufsberatung in mieser Geschäftsumgebung.
Nicht von Ungefähr ist Schlecker seit vielen Jahren in Verruf geraten:

" Schlecker stand aufgrund seiner Arbeitsbedingungen in der Kritik von Gewerkschaften. So ist in den Läden bisweilen nur eine einzige Angestellte anwesend.In der Regel arbeiten in einer Filiale eine Vollzeitkraft und zwei Halbtagskräfte, die je nach Bedarf eingesetzt werden.

Seit 2009 plant Schlecker sich im Drogeriebereich mit größeren Schlecker-XL-Märkten zum Teil neu aufzustellen, was vor allem mit der Schließung kleinerer Filialen im Umkreis der größeren XL-Märkte mit bis zu 800 Quadratmetern Verkaufsfläche, einhergeht. Laut Ver.di soll dies bis zu 4.000 kleinere Filialen betreffen, den Mitarbeitern wird aufgrund der Schließungen betriebsbedingt gekündigt.

Den Mitarbeitern wurde teilweise eine Beschäftigung in den neuen Märkten ermöglicht. Da diese jedoch von der rechtlich selbständigen Schlecker XL GmbH betrieben werden, für welche die Tarifverträge der Fa. Anton Schlecker bis zum Juni 2010 nicht galten, erfolgte die Weiterbeschäftigung bis zu diesem Zeitpunkt zu vorübergehend deutlich schlechteren Konditionen.Die Festangestellten waren bei Schlecker XL während dieses Zeitraums in der Minderheit: Mehr als zwei Drittel ihrer Beschäftigten rekrutierte die Schlecker XL GmbH damals als Leiharbeitskräfte von der Meniar Personalservice GmbH, deren Gründer und Geschäftsführer zuvor Personalbereichsleiter in der Firmenzentrale von Schlecker war. Da das Leiharbeitsunternehmen seinen Sitz in Zwickau hat, zahlte es auch den Mitarbeiterinnen in westdeutschen Filialen lediglich die niedrigeren Ostgehälter von teilweise weniger als 7 Euro.

Das Arbeitsgericht Marburg hat Schlecker XL am 23. April 2010 im Rahmen einer einstweiligen Verfügung  verpflichtet, bis zum Abschluss des Hauptsacheverfahrens eine ehemalige Schlecker-Mitarbeiterin zu alten Konditionen weiterzubeschäftigen, da in der Umwandlung Schlecker zu Schlecker XL ein Betriebsübergang i.S.v. § 613a BGB zu sehen sei und daher, zum Zeitpunkt des Übergangs von Schlecker, bestehende Arbeitsverträge auf den neuen Schlecker XL übergegangen seien.

Mitarbeiter werden immer wieder u. A. durch Testkäufe kontrolliert, was immer wieder kritisiert wird, aber auch nach Ansicht von Ver.di bei anderen Unternehmen in weitaus problematischerer Form auftritt.
Behauptungen, dass Schlecker-Filialen wegen unzureichender Sicherheitsvorkehrungen und kleiner Belegschaft häufiger überfallen werden, als diejenigen anderer Ketten, konnten bisher nicht bewiesen werden. Manche Arbeitnehmer fühlen sich dennoch in den Filialen nicht immer sicher.

Firmeninterne Telefonate mussten in der Vergangenheit in österreichischen Schlecker-Filialen teils mit dem privaten Mobiltelefon geführt werden, da Diensttelefone gesperrt waren; Mitarbeiter beklagen, während der Arbeitszeit keine Toilette aufsuchen zu können.
Die Mitarbeiter österreichischer Schlecker-Filialen müssen, damit die Lagerbestände stimmen, auch abgelaufene Waren zum Vollpreis verkaufen. Die österreichische Gewerkschaft der Privatangestellten erhebt massive Vorwürfe gegen Schlecker wegen Verstößen gegen das Arbeitsrecht.
In Deutschland hat nach erheblicher Kritik das Unternehmen 2010 angekündigt, keine neuen Verträge mit der umstrittenen Leiharbeitsfirma Meniar zu schließen.

Die Bundesarbeitsministerin beabsichtigte die Vorgänge prüfen zu lassen und sagte, es ginge ihr auch darum, „ob Gesetze verletzt oder umgangen worden sind“ und ob im bestehenden Gesetzesrahmen „Schlupflöcher und Lücken sind, die Zustände in der Leiharbeit zulassen, die nicht im Sinne des Gesetzgebers sind.“ Die Gewerkschaft Ver.di hatte Schlecker vorher vorgeworfen, dass festangestellte Mitarbeiter in neue Verträge mit deutlich schlechteren Arbeits- und Einkommensbedingungen gezwungen würden, was über die Zeitarbeitsfirma Meniar („Menschen in Arbeit“) mit Sitz in Zwickau erfolge. Sie zahle einen Stundenlohn von 6,78 Euro während der Tariflohn einer Verkäuferin im Bundesdurchschnitt hingegen bei 12,70 Euro liegt. Auch der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels   kritisierte das Vorgehen von Schlecker am 12. Januar 2010 scharf.Die Maßnahmen von Schlecker sind mittlerweile auch Grund für die generelle Diskussion über Leiharbeit t in Deutschland. "International fällt Deutschland durch eine Zweiklassen-Gesellschaft am Arbeitsmarkt auf", sagte der Sprecher der OECD in Deutschland in diesem Zusammenhang.Am 31. März 2010 wurde berichtet, dass in Schlecker-Filialen unerlaubt von Schlecker die Mitarbeiter gefilmt wurden. "

- Zitatende -  ( aus WIKIPEDIA -  Schlecker )

Der Firmengründer und seine Ehefrau Christina sind durch das Landgericht Stuttgart zu einer Freiheitsstrafe von 10 Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe von 1.000.000 € wegen Betruges rechtskräftig verurteilt worden.

Auch in anderer Hinsicht machte das Schlecker-Imperium auf sich aufmerksam, denn vor einigen Jahren begann eine Serie von Raubüberfällen auf Schlecker-Filialen im gesamten Bundesgebiet. In Hamburg überfiel ein freier Journalist seit Juli 2006 insgesamt 54 Schlecker-Märkte, ein anderer Täter beraubte 30 Filialen und der letzte Überfall fand am 14.06. 2011 in Recklingshausen-Suderwich statt.
Zurück bleiben jeweils traumatisierte Mitarbeiterinnen, denen Schlecker nicht einmal psychologischen Beistand finanziert. 
Wenn der Konzern seine Märkte
schon auf unterem Sicherheitsniveau betreibt, so hat er zumindest die moralische Verpflichtung zu erfüllen, die vielen unter bezahlten Mitarbeiterinnen, die inzwischen von Verbrechern bei Leib und Leben bedroht wurden, zum überwiegend Teil zeitweise dadurch arbeitsunfähig waren, den angestrebten Wiedereinstieg in das Berufsleben zu ermöglichen. 
Dieses ist bis heute nicht geschehen.

So bleibt, auch nachdem sich die beiden Kinder des Drogisten-Milliardär-Ehepaars, die geschäftliche Leitung des Imperiums übernommen haben, fest zu halten, dass es mit der Moral bei Schlecker nicht weit bestellt ist. Denn: Wer einerseits noch vor 4 Jahren mit der Bundeskanzlerin Merkel im Schlepptau die Arktis und Grönland begafft, um sich dort ein Bild von der Klimaveränderung zu machen, der sollte zunächst seinen eigenen Wandel vollziehen und den ausgebeuteten Mitarbeiterinnen angemessene Gehälter zahlen statt - wie jetzt bekannt gegeben wurde - die vermeintlich unrentablen Filialen ( ca. 800 in der BRD ) dicht zu machen. 


Dienstag, 14. Juni 2011

Antipoden

           (c) BullBoxerBAB - WIKIPEDIA

Nun steht es also fest, meine Nichte - demnächst zarte 19 Jahre alt werdend - hat nach dem Abi 2011 einen überraschenden Entschluss getroffen: Sie möchte für ein Dreivierteljahr als Au - pair - Mädchen ( so die inoffizielle Bezeichnung ) nach Australien. Mutig! Und während ich mich mit dem zukünftigen Au - pair - Mädchen am Telefon unterhielt, kamen mir so einige Gedanken an meine frühe Jugend.
Da waren auch so einige Träume, die - größtenteils unerfüllt geblieben - sich sehr schnell änderten. Na, Australien war auch schon vor vielen Jahren ein Ziel gewesen. Ich wollte auswandern, heraus aus dem beengten Mief des kleinen Ortes in der niedersächsischen Provinz. Hinaus in die große weite Welt - für immer!

Mit jedem abgelaufenen Jahr verblassten die Erinnerungen daran. Australien war so weit weg, wie eben ein in dem dörflichen Umfeld Heranwachsender es sich kaum vorstellen konnte. Australien, das waren ja - so das Schulmärchen - unsere Antipoden. Diese Lügengeschichte wurde einfach aufgetischt, um den Geographieunterricht interessanter zu machen. Wer die Wissenschaft allerdings ernst nimmt, der kommt zu den Ergebnis, dass das Gegenüber von Deutschland der Pazifische Ozean ist und hier nur Wasser, nichts als Wasser existiert - allenfalls ein winzige Insel, die zu Polynesien zählt, darf als bewohnbares Land gezählt werden.

 Tatsächlich aber sind die Australier die Antipoden von Grönland, und diesen liegt bekanntlich einige tausend Kilometer nördlicher. Was bleibt sind eben jene Zahlen, die jedoch keine Mogelei darstellen: Nach 19 Stunden Flug mit Stop over Singapur kommt ein bundesdeutscher Reisender mit der Maschine auf dem Kontinent mit englischen Wurzeln an. Ob nun Perth, Adelaide oder Brishbane, Sydney, Melbourne oder Canberra, die unendlichen Weiten dieses Landes sind schon so oft beschrieben, gefilmt und kommentiert worden.

Bei aller grauer Theorie indes kann es getrost bleiben, wenn der Besucher die Chance hat, sich über einen längeren Zeitrahmen eigene Eindrücke zu der Einmaligkeit dort verschaffen zu dürfen.

Na, dann, liebe Nichte: " Down under "!

Sonntag, 12. Juni 2011

Die süßesten Früchte.


(c) Hedwig Storch-WIKIPEDIA

Nachdem für mich bereits beim Aufbau der gigantischen Medien-Luftblase rund um den EHEC-Erreger feststand, dass ich meine Essgewohnheiten nicht verändern werde,konnte ich das Geschiße rund um die medial begleitete Suche der Infektionsquelle gelassen betrachten, so, wie es ein Turmwächter einer belagerten Burg in den kriegerischen Auseinandersetzung im Mittelalter erging,unmittelbar dabei, jedoch nie gefährdet.
In diesen luftigen Höhen habe ich mich dann regelmäßig begeben, um die reichlich vorhandene Kirschen zu ernten. Immer in Konkurrenz mit einigen Staren und weiteren gefiederten Freunden handelnd.

Das ist nun - zumindest in diesem Jahr - endgültig vorbei. Die Ernte ist eingebracht, entweder an die Nachbarn verschenkt oder selbst verzehrt. Was übrig bleibt, sind einige schwarz-rot leuchtende Exemplare, die - wegen des zu dünnen Astwerks - auch dieses Mal nicht gepflückt werden können. Beim Betrachten der letzten Kirschen fiel mir ein Lied aus den verspießten, miefig-piefigen 50er Jahre wieder ein, das ich - wenn auch leicht abgewandelt,weil falsch gesungen - bei meiner Hobbyarbeit im Kirschbaum geträllert hatte:
 " Die süßesten Früchte ". Die beiden Interpreten vermutete ich in der Nähe von Peter Alexander und irgendeinem Petticoat bewehrten Nachwuchs-Schlager -Lieschen. Und tatsächlich, es war der einst gertenschlanke Peter Alexander zusammen mit Oliva Molina. Es war das Jahr 1953. Was aus Peter Alexander wurde, ist bekannt, nur sein Mitsing-Lieschen habe ich nicht mehr in Erinnerung. Da hilft eben einfach nur googeln. Gut, gefunden habe ich nur die Schlager-Trulla " Olivia Molina ". Vielleicht hat sie nur ein "i" in ihrem jetzigen Namen dazu getan. Wie auch immer, der Text ging mir dennoch nicht aus dem Kopf und so habe ich diesen wenigstens gefunden:




Frau Enterich weihte am grünenden Rain
Ihr jüngstes in alle Geheimnisse ein,
Sie sagte, das Schönste zu fressen, das unsereins hat,
Das ist der Salat.

Das Entelein lauschte und staunte gar sehr,
Es blinzelte frech in der Gegend umher,
Da sah es die süßesten und herrlichsten Kirschen am Baum.
"Mama, pflück' sie für mich", so bat es kläglich
"Mein Kind," sagt die Mama, "das ist unmöglich".

R e f r a i n
Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere,
Nur weil die Bäume hoch sind und diese Tiere groß sind,
Die süßesten Früchte schmecken Dir und mir genauso,
Doch weil wir beide klein sind, erreichen wir sie nie.

Das Entelein weinte und klagte gar sehr,
Es trug sein gegebenes Schicksal nur schwer.
Doch als es dann groß war, da ging es mit einem Bericht
Vors hoeh Gericht.

"Die Großen", sagte es, "fressen ganz keck
Die Kirschen und sonstiges weg.
Sie alle beanspruchten darin das nämliche Recht."
"Was sind das", sprach die Maus, "für dumme Faxen?
Die Kleinen müßten dann doch erst mal wachsen!"

R e f r a i n

Die Welt ist rund und wie scheint, so gelenkt,
Daß Enten und Mäusen das Leben nichts schenkt,
Sie tragen ihr Schicksal nach altem und tierischen Brauch, wie andere auch.
Die Großen, die sind ja am Anfang auch klein,
Und wenn sie dann wachsen, dann ist es gemein,
Doch wenn es auch ärgert die Kleinen, die ändern es nicht.
Solang die hohen Bäume Früchte bringen,
Solange werden alle Kleinen singen:
Die süßesten....


Von dem gleichnamigen Film habe ich bis heute noch einige Erinnerungen, denn der wurde einige dutzend Mal im Ersten wiederholt. Dieses hat es schon damals gegeben. Wenn den Programmverantwortlichen nichts mehr einfiel, wurden eben alte Konserven aus den Archiv gekramt.
So, wie es demnächst nach Beginn der Sommerferien in jedem Jahr zum Ritual geworden ist, " olle Kamellen " aus der Kiste zu holen.

Beim Summen des Refrains der " Süßestens Früchte " kamen mir denn auch noch Erinnerungen an meine Zeit als Erntehelfer auf der Obstplantage in dem Nachbarort Luhden. Als ich mich einem Schulkollegen dort für 50 Pfenning je 2,5 Kilo-Korb von 4.00 Uhr morgens bis um 12.00 Uhr mittags in Bück - und Hockstellung die Erdbeeren in die Körbe bugsierte. Verkauft wurden jedoch 500 Gramm für 1,50 DM. Ergo: Bei einem Korb von 2500 Gramm Gewicht ( dieses wurde von der damaligen Vorarbeiterin pingelig genau abgewogen und in eine Liste handschriftlich eingetragen ) ergab das einen Verkaufspreis von 7,50 DM - eben dem Fünfzehnfachen.
Deshalb wohl auch das Lied von den süßesten Früchten?

Heute trifft das längst nicht mehr zu. Denn am Samstag habe ich bei einem vietnamesischen Verkäufer für eine 500 Gramm Schale Erdbeeren ( wenn auch aus Spanien ) sage und schreibe 50 Cent = ca. 1 DM bezahlt. Die waren zwar nicht zucker-süß, geschmeckt haben sie dennoch.
Beim Bezahlen stellte ich mir die Frage, wie ein spanischer Verkäufer da noch Kosten deckend arbeiten kann. Oder waren diese sogar aus China?
Nun, des Rätsels Lösung könnte "EHEC" heißen. Es könnte aber auch sein, dass die ausländischen Erntesklaven so wenig Geld erhalten, dass ein Pfund geerntete Erdbeeren unter 10 Cent verkauft werden kann. Denn Erdbeer-Erntemaschinen gib es wohl noch nicht?
Es könnte auch daran gelegen haben, dass der Dresdner Obsthändler die Erdbeeren kurz vor Pfingsten wegen drohender Überlagerung abverkaufen musste.

Warum auch immer, würde unter den Bedingungen zu meiner einstigen Erntehelferzeit in den Mittsechzigerjahren heute noch gearbeitet, müsste ein Pfund Erdbeeren 5 Euro kosten. Die würde aber - mit Ausnahme der Reichen - kein Mensch kaufen. Und deshalb hätte sich das Trällerlied von Peter Alexander & Oliva Molina über 58 Jahre später tatsächlich bewahrheitet. hat es aber nicht, weil die Großen Tiere zwar immer noch die süßesten Früchte fressen, aber durch die globale Ausbeutung jene Erntearbeiten und andere Lohndumpingtätigkeiten von noch ärmeren Menschen in armen Länder statt bei uns verrichtet werden.

So wird denn erklärlich, warum das Lied von den " Süßesten Früchten " immer noch Aktualität besitzt. 

Samstag, 11. Juni 2011

Guxhagen - Schlingensief - Griechenland, Opel - Atomausstieg - Energie, MRSA - EHEC - MDBR. Alles Gaga?



The_Monster_Ball_-_Poker_Face_revamped2.jpg: John Robert Charlton


Das täglich Nachrichtengewitter setzt bei mir - als überzeugter Frühaufsteher - bereits zwischen 5.00 Uhr und 6.00 Uhr ein, ebbt dann wieder ab und endet nach der " Tagesschau " ( den ZDF-Pendant " Heute " boykottiere ich bereits mehr als 40 Jahren ).
Während ich bei einer Tasse Kaffee aus dem Automaten, den "SPIEGEL" vor mir liegend, zunächst das Katzenquartett abgefüttert hatte, konnte ich mich getrost den Nachrichten von MDR Info zuwenden. Jenem Sender also, der demnächst sein 20jähriges Bestehen bejubeln darf und der bis 06.00 Uhr in der neu konzipierten "ARD Info- Nacht " für die aktuellen Meldungen
verantwortlich zeichnet.

So prasselten denn am heutigen Donnerstag, den 10. Juni 2011 im Viertelstundentag die Nachrichten, dazwischen Berichte und Verkehrsmedlungen auf mich ein.

Da war die Meldung von einem LKW-Unfall auf der A 7 von Hamburg in Richtung Kassel bei dem Ort Melsungen/Guxhagen.
Guxhagen? Das kennst Du doch! Aber, na klar, vor längerer Zeit hatte ich hier einen Post über das vormalige Kindererziehungsheim in Guxhagen eingestellt. Eines jener Einrichtungen, dass in der post-faschistischen Adenauer-Nachkriegsära mit Steinzeitpädagogik die Mädchen und Jungen aus Problemverhältnissen zur Räson bringen sollte, damit diese später ein guter deutscher Staatsbürger werden, fleißig am Wiederaufbau als ArbeiterIn teilhaben dürfen und den Wohlstand eines kleinen Teils des "Deutschen Volkes " mehren helfen.
Guxhagen, im Hessischen, hinter Kassel. Eine der vielen, mir einst nichts sagenden Autobahnabfahrten,an denen ich auf meinen Fahrten mit verscheiden farbenen Renault R 4. in den frühen 70ern mit einem breit krempigen Lederhut, den ich von einem afrikanischen Studenten auf dem Flohmarkt in Hannover gekauft hatte,  vorbei steuerte; dabei selbst gedrehte Zigaretten qualmend und das billige Autoradio mit Kassettenteil voll aufgedrehend, viele Rocksongs mit singend. Ich absolvierte so manche Langstrecke zu Musikfestivals und Besuchen über jene A 7, an dem Kaff Guxhagen vorbei zuckelnd. Erst vor einigen Jahren las ich, was sich einst in dem Nest hinter den Mauern der Knast artigen Jugendanstalt abspielte.
Die Betroffenen kämpfen immer noch um eine Entschuldigung und Entschädigung von den Kirchen. Ein düsteres Kapitel aus den Jahren des Nachkriegsdeutschlands.

Beim weiteren Nachrichtenbrei las ich unterdessen einen "SPIEGEL"-Artikel über den Regisseur Christoph Schlingensief, der vor 10 Monaten in Berlin verstarb. Ein Provokateur, ein Künstler und Entertainer, der manchmal sogar in die großen Fußstapfen des Josef Beuys trat und diesen damit wieder in Erinnerung brachte. Legendär seine Aktion und sein Auftritt unter dem Slogan " Tötet Kohl! ". Schlingensief - Beuys - Documenta in Kassel. Hmmh, das passt gedanklich zusammen; zumal ich vormals diese Veranstaltung selbst in den Endsiebziger besuchen konnte.

Der "Schlingensief" - Artikel im " SPIEGEL " war kaum durch gelesen, da horchte ich den Nachrichten über die EU-Hilfen für das Pleite gegangene Griechenland zu. Schäuble sprach, jammerte um Verständnis für weitere Milliarden-Zahlungen an das gebeutelte Land. Wir hätten ja schließlich alle etwas von der EU, dem EURO und der Reisefreiheit nach Schengen. Ganz zu schweigen von den großartigen, unkomplizierten Warenaustausch. Stimmt!
Leider war Griechenland bereits vor dem Eintritt in den edlen Zirkel der 27 europäischen Staaten ein Wackelkandidat. Die strukturellen Probleme des Ägäis-Anrainers sind bereits in den Jahrzehnten vor dessen Aufnahmeantrag und Beitritt hinlänglich bekannt gewesen. Na, da ging es wieder einmal mehr um Macht und viel Geld für die Banken, die diesem Staat die Gelder für die Schulden wohl ausgekehrt haben. Sollen diese Halunken sich an den Hilfszahlungen und einem Gläubigerverzicht beteiligen. Verdient haben sie daran klotzig.

Wenig später folgt der zuvor temporär zu Grabe getragene Nachrichtenkomplex zum Automobilhersteller "Opel". Nun will GM seine Tochter doch verkaufen. Oder doch nicht? Weil es viel zu ruhig um die Standorte des Konzerns geworden ist, der Autoabsatz wieder nach oben zeigt und GM Profite eintreiben kann, sollte ein Verkauf kein Thema sein. Oder doch? Kurz vor dem medialen Sommerloch, der Sauren Gurkenzeit und der Nachrichtenflaute, will der Medienmob den Dauerbrenner " Opel " noch mal so richtig anheizen, eher er wie von Geisterhand aus den aktuellen Nachrichten verbannt wird. Uninteressant, so wie die Tageszeitung von gestern!
Die " Opel "-Belegschaft soll vielleicht nur wieder aufgescheucht werden, damit die unbezahlten Überstunden, die Lohnverzichtsrunden und der Abbau des Sozialen Besitzstandes eben doch einen Sinn macht, weil die Profiteure hiervon, nämlich die hoch dotierten manager und die nach Rendite geifernden Aktionäre es eben wollen.

Dann noch eine Meldung zum Thema " Atomausstieg ". Die Kehrtwende der Bundeskanzlerin in der seit Jahrzehnten heiß diskutierten Frage: " Wozu Atomkraftwerke? Mein Strom kommt doch aus der Steckdose. ", so, wie damals die Kettenhunde der Atom-Lobby ihre Gegner diffamieren wollten, nämlich als dumm. So sind deren Argumente nach Tschernobyl und Fukushima zugkräftiger denn je. Längst hat sich die CDU-Wirtschaftslobby mit dem Gedanken vertraut gemacht, dass nach über 4 Jahrzehnten der Ausbauphase der Kernenergienutzung, die besorgt gemachten Bürger mehrheitlich den Ausstieg vom Wiedereinstieg in den Ausstieg des Einstiegs zu jener prblembeladenen Energiegewinnung möchten.Nach dem die rot-grüne Koalition vor mehr als 10 Jahren vorgeprescht war, dann die Merkel'sche Widerrufspolitik jene Beschlüsse rückgängig machten, kommt nun die von ihr hoch gepriesene " kleine Revolution des Energiemix " zu dem Punkt, an dem eine Rückkehr jener " Brückentechnologie Atomkraft " als erforderlich angesehen wird; denn die nächsten Wahlen kommen bestimmt.

 Tschernobyl sei dank, Fukushima sei überall, Merkel sei 's gelobt!

Zum Schluss folgen dann Kurzmeldungen zu den Rubrken " MRSA ", "EHEC " und " MDR " ( eigentlich MDBR ).
Da war von einem neuen Weg der Medizinforschung die Rede, der die vielen zehntausend Toten, die aufgrund einer Infektion mit den multiresistenten (Kranken)Keimen jährlich versterben, auf ein Normalmaß reduzieren könnte. "MRSA" ist überall, nämlich dort, wo der Krankenhausträger mit der Ware Mensch handelt, um gleichzeitig Kosten zu sparen. Patienten aber kosten nun einmal Geld. Wenn sie noch kränker werden als vor der Einlieferung in ein Krankenhaus, kosten sie noch mehr Geld. "MRSA" ist seit vielen Jahren ein ungelöstes Problem in der BRD, weil das so genannte " Patienten-Screening " hier wegen zu hoher Kosten ( angeblich sollen sie zu hoch sein ) nicht statt findet und die Gefahr der Infizierung ( die von den zuständigen Ärzten mit der Besiedlungslüge abgetan wird ). Nun soll also ein neuartiger Impfstoff uns gegen diese tödlichen Keime schützen, der in den USA entwickelt wurde. Bislang sind allerdings nur Labor-Mäuse getestet worden. Na. dann lieber noch abwarten, keinem Arzt zu sehr vertrauen und einen großen Bogen um jedes Krankenhaus machen.

So, wie es ihn die Verbraucher bis vor kurzem noch um spanische Salatgurken, einheimischen Salat und EU-Tomaten taten, als der Medien-Kracher " EHEC " ausgegraben wurde. Na, jetzt hat die liebe bundesdeutsche Seele, die völlig durcheinander geriet, weil jeder Hanswurst etwas in jedem Verdummungsmedium zu sagen hatte und dabei immer auf der Hut sein musste, dass ein falsches Wort zur falschen Zeit eine Hysterie in den Supermärkten ausbrechen lassen könnte. Viel hilft oft wenig, wenn die Qualität der Berichterstattung nicht gewährleistet ist. Und, nachdem die Nachrichtenmaschinerie den " EHEC "-Komplex so lange durch gemangelt hatte, bis auch der letzte Hinterwäldler glaubte, dass der Verzehr von eben jenen Gemüsearten mit Risiken verbunden sei, stellte sich - quasi als finaler Rettungsschuss - heraus, dass es eben weder " Killer-Tomaten ", noch " Horror - Gurken " und schon gar nicht " Gift-Salat " ist, die die aufgetretenen Erkrankungen und Todesfälle verursacht hatten, sondern es waren Sprossen aus der niedersächsischen Wallachei, künstlich und turboisiert hoch gezogen, in Anlagen, die mit tropischen Bedingungen arbeitend, dem Verbraucher einen Hauch von Luxus zu "Aldi "-Preisen vorgaukeln sollen. Die Sprosse als Sushi des kleinen Fast-Food-Fans, als Beigabe zum - de facto überteuerten - appetitlich ausstaffierten Pappbrötchen in der Autobahnraststätte oder im Kühlregal lagernden exotischen Mischsalat.
Bei der Invasion von Kochshows in allen Kanälen fiel nicht mehr auf, dass die selbst ernannten Star-Kochkünstler seit einigen Wochen keinen frischen Salat, keine Tomaten und schon gar keine Salatgurken verwendeten. "EHEC" sei's gelobt, denn sonst wäre dass ja sogar Anstiftung bis Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung ( strafschärfend mit Todesfolge ) gewesen.
Ergo: " Sprossen-Tod, tot den Sprossen, es lebe das Butterbrot!", wird wohl morgen die " BLÖD"-Zeitung titeln.

So, wie es  die"taz" in ihrem Aufmacher zum begonnen Betrugsprozess gegen einen ehemaligen MDR - für mich eigentlich MDBR ) - Mitarbeiter, der für den Kika verantwortlich war, kürzlich tat. Der Angeklagte hat über 4, 5 Millionen Euro an GEZ-Gebühren einfach verspielt. Spielsucht? Na, wer's glaubt? Da werden die Verteidiger ihm wohl die richtigen Argumente für eine Tränen reiche Opfer-Täter-Einlassung vorgezeigt haben. Wer spielsüchtig ist fährt keine großen "Schinken", der macht keinen "Großkotz-Urlaub" im Ausland und besucht mit schönen Frauen teure Restaurants und Events; der spielt und spielt und spielt an Spieltischen, oft Nächte lang. Selbst Schuld, Onkel Reiter, dass hier keine Kontrolle der eigenen Mitarbeiter als erforderlich angesehen wurde. Warum auch? Der mit bajuwarischen Knallfröschen durch seuchte MDR lebt auch dann weiter, wenn der kleine Geschäftsführer des kleine Kinderkanals statt Sedungen für die Kleinen zu produzieren, kleine Geldsumme zerkleinert, um auf großen statt auf kleinem Fuß leben zu können.
Tatsächlich sollen über 8 Millionen Euro verbarten worden sein. Gezahl an Stroh - Mittels - und Hintermänner, die sich ebenso bereichert haben. Ein Sumpf im Sumpf des längst versumpften MDR mit BR-Anstrich. Wen wundert's noch? 

Tja, nur der Begriff " gaga " fehlt noch. Weil diese Meldungen, Artikel und Berichte es nicht alle sind, ziehe ich einfach die Lady herself aus dem Hut und beziehe mich dabei auf einen "SPIEGEL"-Bericht zu ihrem letzten Album. " Bums-Musik " habe ich dieses gewalkte, durch gestyltes Disco-Gedröhne einst genannt. " Bumm, Bumm, Bumm!", so wummern die Bässe in ihren Stücken, der neuen CD. Halleluja? , denke ich so bei mir, als ich lese, dass der " Amazon "-Server unmittelbar nach dem eine Down-load-Seite hierzu frei geschaltet war, in sich zusammen brach. "Gag", gackert aber nicht nur im Netz herum, nein, sie gibt auch auf den Bühnen dieser Welt ( immer nur für sehr viel Geld ) ihren GNTM-Ambitionen freien Lauf, weil sie sich mindestens drei dutzend Mal in pott-hässliche Phantasiekleidung hinein zwängt. Singen kann sie trotzdem nicht besser. Wen aber stört das? Frei nach dem Prinzip: " Und wird die Welt auch unter gehn, wir wollen immer noch Gaga sehn!"
Aber alles Gaga, oder nicht?

Freitag, 10. Juni 2011

Wer war eigentlich Dr. Dr. Uwe Barschel?

(c) SPIEGEL-Verlag 1987

Am 13. Mai vor 67 Jahren wurde im brandenburgischen Ort Glienecke/Nordbahn ein gewisser Uwe Barschel geboren. Glienecke/Nordbahn ist eine kleinere Stadt im brandenburgischen Landkreis Oberhavel; am Rande der "Weltstadt" Berlin liegend. Barschel wird später zu den bekanntesten Ex-Einwohnern der Kleinstadt; neben Adolf von Trotha dem Vizeadmiral der Kaiserlichen Kriegsmarine und Gustav Bauer, dem vormaligen Kanzler in der Weimarer Republik, der dort begraben liegt.

Barschel wuchs gemeinsam mit seinen Geschwistern bei seinen Großeltern in dem Ort Börnsen bei Hamburg auf, wo sie in einer Barackenanlage für Flüchtlinge lebten. Da die Mutter als Näherin tätig war, überließ sie die Erziehung ihren Eltern. Barschels Vater Heinrich, ein studierter Mathematiker, gilt als verschollen. Er fiel vermutlich am 1. April 1945 in den letzten Kriegstagen bei den Kämpfen um die damalige Reichshauptstadt um Berlin.

Uwe Barschel wurde von seinen Lehrern als auffällig ruhig und ernst beschrieben. Während seiner Schullaufbahn am Otto-Hahn-Gymnasium in Geesthacht strebte er als 17-Jähriger das Amt des Schulsprechers an. Als Schulsprecher lud Barschel den letzten, von Adolf Hitler eingesetzten Reichspräsidenten Karl Dönitz in die Schule ein und sorgte damit für einen politischen Skandal.

Der weitere Werdegang Barschels lässt sich als zielstrebig nennen. Neben einer angestebten wissenschaftlichen Karriere, die er durch das Studium der Rechtswissenschaften, Volkswirtschaftslehre, Politikwissenschaften und einem Pädagogikstudium nach seinem Abitur 1964, eindrucksvoll verfolgte, zeichnete er auch in der Politik für die CDU, dessen Mitglied er 1960 mit dem Eintritt in die Schülerunion war, selbst vor. 

Das Studium der Rechtswissenschaften schloss Barschel 1968 in Kiel ab.  Seit 1971 war er als Rechtsanwalt zugelassen. 1969–1970 war er als Lehrbeauftragter an der Pädagogischen Hochschule Kiel tätig. 1971 wurde er Gerichtsassessor, im Anschluss daran arbeitete er als Rechtsanwalt und Notar.

Uwe Barschel war seit dem 7. Juli 1973 mit Freya von Bismarck verheiratet und hatte vier Kinder.

In der CDU vollzog Barschel eine ebenso steile Karriere.
Von 1967 bis 1971 war er Landesvorsitzender der Jungen Union in Schleswig-Holstein. 1969 wurde er Stellvertretender Landesvorsitzender der CDU. Von 1973 bis 1981 war er Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Herzogtum Lauenburg.Ab 1979 war er im Kabinett Stoltenberg Finanzminister,. Im selben Jahr Innenminister und ab 1982 Ministerpräsident,nachdem Stoltenberg in das Kabinett Kohl nach Bonn berufen wurde.


Barschel war kein Freund großer Worte. Er ließ die unangenehmen Arbeiten eher von seinen Vertrauensleuten erledigen. So auch die Bespitzelung des SPD-Kandidaten um das Amt des Ministerpräsidenten Björn Engholm.
Ein Skandal, wenn nicht der Politskandal der 80er Jahre wurde vom "SPIEGEL" aufgedeckt, woraufhin Barschel sich genötigt sah in die Offensive zu gehen, als er öffentlich bekundete:

:
„Über diese Ihnen gleich vorzulegenden eidesstattlichen Versicherungen hinaus gebe ich Ihnen, gebe ich den Bürgerinnen und Bürgern des Landes Schleswig-Holsteins und der gesamten deutschen Öffentlichkeit mein Ehrenwort – ich wiederhole – ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe haltlos sind.“
Uwe Barschel: Pressekonferenz am 18. September 1987 -

Während sich die Bonner CDU.Riege, ob der Naivität des "Dr.Dr. " Uwe, Uwe " Barschel verwundert die Augen rieb, wurden im Hohen Norden bereits die Messer gewetzt. Ein Nachfolger musste her, denn Barschel war politisch nicht mehr zu halten. Die absolute Mehrheit der CDU zerrann in seinen Händen, denn von den noch 1983 erzielten 49 % ( SPD-Stimmenanteil 43,7 % ) 
errang die CDU 4 Jahre später nur noch 42,6 % ( 1987 ) und 33,8 ( 1988 ).

Um einen Machtwechsel zu verhindern, initiierte die CDU in dem nördlichsten Bundesland einen bisher nie da gewesen Schmutz - und Lügenwahlkampf:

" Den Landtagswahlkampf 1987 führte die in Schleswig-Holstein seit 1950 ununterbrochen regierende CDU mit ungewöhnlicher Härte. Um eine befürchtete Wahlniederlage abzuwenden, schürte sie die Angst vor einem angeblich drohenden „rot-grünen Chaos“. Insbesondere den Spitzenkandidaten der SPD für das Amt des Ministerpräsidenten, Björn Engholm, griff die CDU scharf und auch persönlich an. So wurde in einer Wahlkampfbroschüre des CDU-Landesverbandes Schleswig-Holstein Engholm als „geländegängiger Opportunist“ mit „Gummirückgrat“ bezeichnet, der „Kommunisten und Neonazis als Lehrer und Polizisten“ einstellen und „Abtreibungen bis zur Geburt“ freigeben wolle. In keinem anderen Fall wurde die "sexuelle Denunziation" so systematisch eingesetzt, wie in diesem Landtagswahlkampf. Der Spitzenkandidat der Opposition wurde von einer Detektei in seinem Privatleben observiert. Man spekulierte auf homosexuellen Umgang, auf ausschweifende Beziehungen zu Frauen, man unterstellte ihm eine HIV-Infektion und brachte hunderttausendfach mit einer CDU-Wahlkampfzeitung die Botschaft ins Land "Sozialdemokraten und Grüne wollen straffreien Sex mit Kindern."

- Zitatende -
( aus WIKIPEDIA - Barschel-Affäre )

Dieser, hier nur ansatzweise dargestellte Verleumdungsfeldzug verhinderte aber nicht, dass die CDU eiinen enormen Vertrauensverlust bei den Wählern erlitt, der schließlich zum Regierungswechsel führte.

Am 11. Oktober 1987, einen Tag bevor Barschel vor dem Untersuchungsausschuss des Schleswig-Holsteinischen Landtages aussagen sollte, wurde Uwe Barschel um 12:43 Uhr von dem Reporter des Magazins " Stern " in einem Zimmer des Hotels Beau-Rivage in Genf tot in der Badewanne aufgefunden. Nach den offiziellen Ermittlungen und Bekanntmachungen in der Schweiz und in Deutschland soll Barschel durch Suizid zu Tode gekommen sein. Einige Todesumstände (Verabreichung von Medikamenten) und Begleitumstände (Gegenstände im Zimmer 317) blieben jedoch offiziell ungeklärt; so ist dieses Ermittlungsergebnis heute umstritten. Insbesondere nach dem Erscheinen eines Aufsatzes des Schweizer Toxikologen Prof. Dr. Hans Brandenberger in der  am 21. November 2010, in dem dieser nach eingehenden chemisch-toxischen Untersuchungen der Obduktionsbefunde zu der Feststellung kommt, dass Barschel durch Fremdeinwirken zu Tode kam.

Neben den mysteriösen Todesumständen, die bis heute keine eindeutigen Indizien für die "Mord"-Theorie einiger Familienmitglieder und Freunde ergeben haben, noch solche für eine Selbsttötung, hatte der Barschel-Skandal weitere Nachwehen. Der 1988 gewählte Ministerpräsident Engholm (SPD) trat im Mai 1993 von allen Ämter zurück, nachdem belegt werden konnte, dass er im Zusammenhang mit dem CDU-Skandal die Unwahrheit gesagt hatte.
Der einstige Medienreferent und Springer-Verlagsmitarbeiter Pfeifferkonnte zwar strafrechtlich wegen seiner Verstrickungen in dem Bespitzelungsfall nicht mehr belangt werden, er wurde jedoch nach den "SPIEGEL"-Veröffentlichungen arbeitslos und verdingte sich bis zur Verrentung in verschiedenen Berufen.

Auch fast 24 Jahre nach Barschels Tod ist der Fall immer noch Aufhänger für Berichte, Reportagen und Dokumentationen in den verschiedenen Medien.
Mit ihm einher ging eine weitere Vertrauenskrise der BRD-Politik, die neben Skandalen, wie die "Flick"-Affäre, die Bespitzelung des Atomwissenschaftlers Traube und der "Elf Aquitaine"-Schmiergeldaffäre, als ein weiterer Beweis für die enge Verzahnung zwischen Wirtschaftsinteressen, Politik und Lobbyistentum gilt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Barschel-Aff%C3%A4re

Hieran hat sich bis heute rein gar nichts geändert. Warum auch?

Donnerstag, 9. Juni 2011

Frank Marino - kein Hendrix-Adaptet,sondern ein Hardrocker aller erster Güte.






Vor einigen Jahren war ich regelmäßig in der Musik-Plattform aktiv und habe dort einige Artikel zu diversen Rockmusikern und - Musikerinnen eingestellt. Dann erlahmte das Interesse und ich begann, mich mehr um meinen eigenen Blog zu kümmern.
Nach einiger Zeit war ich beim Einsortieren meines LP-Archivs auf eine Schallplatte gestoßen, die ich einst, nämlich vor einem Vierteljahrhundert in Hannover erwarb. Natürlich nicht beim Stunden langem Durchsehen der vielen tausend Scheiben, sondern, weil ich den Rockmusiker bei Winfrid Trenkler gehört hatte: Frank Marino und seine Formation Mahogany Rush dröhnte einst aus den Lautsprechern der Musiktruhe, die sich im Keller meiner Eltern befand und aus der ich regelmäßig Mittwochabend "rock in " vom WDR einstellte.
Winfrid spielte, wenn er selbst von einem Musiker überzeugt war, gleich mehrere Titel aus dem aktuellen Album. So auch bei Frank Marino, der 1976 seine 4. LP veröffentlicht hatte, die folglich auch: " Mahogany Rush IV " heißt.

Aus diesem Album habe ich einst " I'm goin'away ", " Answer " und " Dragonfly " gehört. Alles Stücke, mit denen Frank seine Extraklasse als Rockgitarrist abermals unter Beweis stellt. Kaum war die " rock in "-Sendung beendet, fuhr ich am Folgewochenende zum LP kaufen in die niedersächsische Landeshauptstadt. Hier gab es eine gigantische Auswahl bei mehreren Anbietern. Mit mehreren neuen Scheiben ging es dann gegen Mittag - damals war die Öffnungszeit auf 13.00 Uhr begrenzt - zurück in das eigene Zimmer, wo die neuesten Errungenschaften gleich auf den Plattenhobel gelegt wurden.

Frank Marino, das ist ein Vollblutmusiker, ein begnadeter Guitar-Heroe und prima Sänger. Seine Whiskey geschwängerte Stimme kommt dann immer voll zum Tragen, wenn er Bluesrock interpretiert. Von seinem virtuosen Gitarrenspiel einmal völlig abgesehen, hat Frank Marino auch durch viele Eigenkompositionen gezeigt, dass er es mit den Gitarrengiganten, wie Rory Gallagher, Alvin Lee, Terry Kath, Tomy Iommi,Johnny Winter, Edgar Winter, Roy Buchanan oder  Jimi Hendrix locker aufnehmen kann. Wobei Letzterer eben doch das große Vorbild wurde. Jimi Hendrix vor mehr als 40 Jahren verstorben, legte mit seinem unnachahmlichen Gitarrensound  quasi das Fundament für Frank Marinos späteren Stil.

Die Nähe zu seinem Idol verspürt der Hörer dann immer, wenn Marino live auftritt. Ohne einen Hendrix-Klassiker wird selten ein Konzert beendet.
Das brachte ihn allerdings nicht nur freundliche Kritiken zu seinen veröffentlichten Tonträger ein. So manche Rezension in " Sounds ", " Melody Maker " oder " Rolling Stone "enthielt denn auch schon mal einen heftigen Verriss, weil Frank sich zu sehr an den - leider viel zu früh - verstorbenen Jimi Hendrix anlehnte.

Winfrid Trenkler indes, der selbst in den 70er Jahren regelmäßig Artikel für die Musikzeitschrift " Sounds " schrieb (die dan ab Ende 70er Jahre zu einem Punk - Ne Wave - NDW-Organ verkam und 1983 vom Musikexpress - Verlag geschluckt wurde ),focht das nicht sonderlich an. Er spielte einige Titel von Frank Marino und unterlegte diese im Rahmen seiner Sendungen " Rock in " oder " Radiothek am Donnerstag " mit lobenden Worten zu den Gitarrenkünsten des Kanadiers mit italienischen Wurzeln.

Da ich selbst von den meisten Stücken, die Winfrid Trenkler in seiner aktiven Zeit innerhalb der " Rock in " - Sendungen spielte voll überzeugt war, kaufte ich mir auch von Frank Marino & Mahogany Rush einige Scheiben.

Marino war bereits mit 10 Jahren zum Rock & Roll gelangt und vollzog einige Wellenbewegungen in seiner künstlerischen Biographie:

http://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Marino

Nach der Mohagany Rush IV erschien dann 1977 " World anthem ", auf der Frank Marino seinen inzwischen von Hendrix geprägten Stil abkoppelte und eigene Inhalte entwickelte. 
Auf dem Album sind die Titel:


1. Requiem for a Sinner
2. Hey, Little Lover
3. Broken Heart Blues
4. In My Ways
5. The World Anthem
6. Look at Me
7. Lady
8. Try for Freedom

zu hören. Kommerziell befand sich die Formation immer noch im Insider-Bereich, eher im Niemandsland zwischen dem überaus erfolgreichen Popgedudel a'la'ABBA und dem extrovertierten Egomanen-Stilisten, wie Frank Zappa, Rory Gallagher oder Alvin Lee von Ten Years After ( Later ). Wenngleich diese Scheibe gerade bei den Rock bis Hard Rock - Fans sehr guten Anklang fand:

http://210833.homepagemodules.de/t509654f11747383-Frank-Marino-World-Anthem.html
Als dann 1978 das erste " Live "-Album heraus kam, wurde es natürlich auch von Winfrid Trenkler vorgestellt und wie. Er stellte nicht nur das Album vor, sondern ließ auch gleich drei Titel über den Äther bringen:

1. Answer
2. Dragonfly
3. I'm a King Bee
4. Excerpt from "Back Door Man"
5. A New Rock & Roll
6. Johnny B. Goode
7. Talkin' 'Bout a Feelin'
8. Excerpt from "Who Do Ya Love"
9. Electric Reflections of War
10. The World Anthem
11. Purple Haze 

Wobei die Titel 3 und 4 nahtlos ineinander über gehen.

Ich war einst hin und weg. Ein donnernder, rasender und in der Stärke eines Düsenjets los tobender Gitarrensound raste durch das Wohnzimmer meiner Eltern, die - gerade nicht anwesend waren. Frank Marino in Höchstform. So sehen es denn heute auch noch die Musikenthusiasten und schreiben dazu:



" Was geschah am 18. September 1970?

Auf diese Frage können nur eingefleischte Rockfans und Anhänger des exzessiven Gitarrenspiels eine zutreffende Antwort geben. An diesem Tag verstirbt Jimi Hendrix!
Die grau-melierten unter uns wissen bestimmt noch, dass die Nachricht von dem Tod des Musikers einst - sprichwörtlich:
wie eine Bombe einschlug und so mancher Verehrerin jenes Gitarristen, der sein Instrument zeitlebens bis auf´s Blut quälte, stundenlang Tränen in die Augen trieb.


" Live hard, die young!". Diese Lebensphilosophie trifft auch auf Jimi Hendrix zu. Sie verliert ihren Wahrheitsgehalt auch heute nicht:
Sind dadurch vor und nach ihm dutzende Protagonisten aus der Welt des grossen Show-Biz in die ewigen Jagdgründe
gegangen.
Nun, Jimi ist zwar schon lange tot; sein musikalischer Geist lebt jedoch bis heute in vielen Titeln und Interpreten weiter - er bleibt damit für den Musikfreund unsterblich.
Das ist auch gut so!
Hat Hendrix schliesslich das Gitarrenspiel zu jener Zeit revolutioniert. Aus dem wanderklampfenden Burschen in Tracht, Uniform und vollem Wichs, wurde ab den späten 20igern ein gegelter, gut frisierter Berufskleidungsträger, der spätestens ab den 50igern und mit Einzug des rock´n ´roll, seine getragene Tolle im Verbund mit Lederjacke und blue jeans zur Schau stellte. Mit Beginn der " beat "-Ära ändert sich nicht nur das bis dato bourgeoise Outfit vieler Musiker, auch ihr Handwerkszeug erfährt einen dramatischen Wandel. Es geben fortan elektrische Gitarren den gepflegten Ton an. Je länger sie die Akzeptanz in der teilweise rebellierenden Jugend
erhalten, desto verfeinerter und variantenreicher werden sie gespielt.
Der Gitarrist - einst nur schrammelnde Begleitung - erspielt sich eine exponierte Stellung in unzähligen Bands.
Dieses Genre produziert deshalb post mortem mehr als würdige Hendrix-Nachfolger, die sich als wahre Meister und virtuose Könner in die Annalen der Rockgeschichte einschreiben dürfen. Sie alle namentlich aufzuzählen, würde viele Seiten füllen:
Jimmi Page, Eric Clapton, John Mayall ,B.B. King, John Lee Hooker, Alvin Lee, Rory Gallagher, Keith Richards, Pete Townshend, Richy Blackmore, David Gilmour, Terry Kath, Dave Clempson, Al Di Meola, John McLaughlin, Carlos Santana, Mark Knopfler,
Leslie West, Dave Mason, Jerry Garcia, Peter Tosh, Peter Frampton, Peter Green, Jeremy Spencer Andy Powell, Ted Turner, Toni Iommy, Yorma Kaukonen, Joe Walsh, Bob Dylan, Stevie Ray & Jimmy Vaughan, Johnny Winter, Jeff Beck, Dickey Betts oder Duane Allman, gehören allesamt zu dem Kreis der üblichen Verdächtigen,sollte ein Gitarrenfan unter ihnen, den Besten benennen müssen.

" Stell´das Gejaule ab ( leiser )!", jener elterliche Befehlston aus den piefig-miefigen Sechzigern ist mir heute noch in Erinnerung, wenn ich eine Scheibe jener Gruppen, in denen die oben - eher wahllos - Auserwählten einst oder heute immer noch tätig sind, in den Händen halte. Die Jahre vergingen, die eigenen Lebensbiographie entwickelte
sich und mit ihr, die Zahl der Tonträger.
Als ich eines Tages einige Stücke des Gitarristen Frank Marino und seiner Formation " Mahogany Rush " in irgend einer Trenkler-Sendung hörte, glaubte ich zunächst, die Profit orientierte Musikindustrie habe - wie Jahre zuvor - postum eine weitere Variante des Versuchs, auch noch das letzte, längst verstaubte Hendrix´sche Archivmaterial
verkaufsträchtig veröffentlichen zu wollen, gestartet. Dem ist jedoch nicht so!

Frank Marino, geboren am 20. 11. 1954 in Montreal gründet bereits 1969 die Formation " Mahogany Rush ". Sein Musikstil wird dabei von Blues -, Jazz -, Funk - und Rockelementen inspiriert. Es sind eben jene gängigen Richtungen, die zu seiner Zeit als Jugendlicher, Heranwachsender und junger Erwachsener vorherrschen. Er pflegt früh Kontakt zu einigen, fast gleichalterigen Musikenthusiasten, aber auch zu Drogen, die er schon bald in exzessver Weise konsumiert; bis er mit 14 Jahren wegen eines lebensgefährdenen LSD-Rausches in eine Klinik eingeliefert werden muss. Er gibt sich fortan geläutert. Mit der Gründung der Formation " Mahogany Rush " bekommt sein
eigenes Leben einen andersartigen Sinn - er mutiert zum Berufsmusiker, nimmt in der Folgezeit das Gitarrespielen zur einzigen Aufgabe. Im Jahre 1972 veröffentlicht seine Band das erste Album mit dem Titel " Maxoom "; dem jedes Jahr ein weitres folgt. Bis 1978 die hier besprochene " Live " - LP heraus kommt.

Das Album beginnt mit dem Stück " The answer ", nachdem ein düsteres " Introduction " diesen Song einleitet. Frank Marino fragt - grimmig entschlossen - eine höhere Macht, nach einer Antwort auf die immer währende Frage nach dem Sinn eines vom
Drogenkonsum bestimmten Lebens.
Sein fast krächzender, stakkato-artiger Gesang wird dabei von einem wuchtigen Schlagzeugspiel und einem brummenden Bass unterstützt. Bereits bei diesem Stück lässt Marino einwandfrei erkennen,wer für ihn das grosse Idol ist. Mit " Dragonfly " folgt ein Part aus dem vierten Album der Gruppe. Auch hier kann anhand der vocalen Passagen eindeutig Rückschluss auf die Hendrix´sche Vorbildfunktion gezogen werden. Der Titel ist von einem einprägsamen Grundrhytmus durchsetzt, der nur kurzzeitig durch ein Solo des Gitarristen Frank Marino unterbrochen wird.
Es folgt die über 8-minütige James Moore alias " Slim Harpo " Komposition " I´m a king bee ", die es bereits prominenteren Vorgängern, wie den " Rolling Stones ", " Greateful Dead " oder auch " Bobby " Dylan zuvor angetan hat und nun - fast 20 Jahre
nach ihrer Veröffentlichung - durch eine erneut gecoverte Version hier eine Renaissance erfährt. Ein bluesiges, von einem typischen 12 - Takt- Bass getragenes high - light, in dem Frank seine Fingerfertigkeiten und Improvisationskünste voll ausschöpfen darf.
Die Gruppe verlängert den Song, in dem ein medley, bestehend aus " Back door man " und " Who do ya love " eingebaut wird. Wobei der Auszug aus dem letztbenannten Song erst auf der LP-Rückseite nach " Talkin´- ´bout a feelin´- " zum Tragen kommt.
Ein Feuerwerk auf der Gitarre beendet das - zum Mitnicken gedachte - Stück, wofür die Truppe euphorischen Applaus erntet. Mit " A new rock & roll ", einem tempo-geladenen, wilden Stück, wird die erste Seite ausgeblendet.

Die Rückseite eröffnet eine sehr eigenwillige Interpretation des Chuck berry - Klassikers " Johnny B. Goode ". Auch hier zeigt Frank Marino, was er auf der Gitarre kann. Der Folgetitel " Talkin´- ´bout a feelin´- " ist gekennzeichnet von einem
gehetzten Gesang und den scheppernden Gitarrenriffs. Er geht nahtlos in " Who do ya love " über, wobei hiervon nur der Text auf das Original hinweist, denn Marino zerfetzt durch ein Gitarren-Inferno jedweden Bezug zu dem Bo Diddley - Stück, das auch " Juicy Luicy " erfolgreich covern konnten.
Er gleitet dann in den den rhytmus des " Electric reflection of war " über, dass er - erkennbar und unüberhörbar - seinem " Altmeister " Jimi Hendrix gewidmethat und mit dem er seine komponierte Fortsetzung dessen " Woddstock " - Interpretation von
" Star-Spangled-Banner " auf die Bühne bringt. Ein berstend, brachialer Abgesang der post Hippie-Ära. Mit dem gleichnamigen Titelsong von dem Album " The world anthem " kommt ein instrumental eher gesetzteres Rockstück zur Geletung, dass Frank Marino jedoch lediglich zum Lückenfüller für " Purple haze ", dem Hendrix-Klassiker nimmt, dessen Marino´sche Adaption nicht sehr viel von dem Urwerk Hendrix´abweicht.
Wuchtig vorgetragend und sich in schrillen Gitarrenriffs ergehend, verabschiedet sich die Formation angemessen aus dieser Platte; untermalt von einem pfeifend - johlenden Publikum.

Seit diesem Titel und dem Zusammenschnitten aus diversen Südstaaten-Auftritten im Rahmen einer USA - Tournee der " Mahogany Rush " sind nun mittlerweile 30 ( ! ) Jahre ins Land gegangen. Unser Gehör hat sich - biologisch betrachtet - permanent
verschlechtert; die Hörgewohnheiten durch den Siegeszug der " Silberlinge " und enormer aufnahme-technischer Veränderungen allerdings auch. Dieses mag als Einschub für die Bewertung der Aufnahmequalität zu sehen sein - denn diese ist wohl eher dürftig.

Was soll´s ?

Frank Marino´s " Mahogany Rush " zählen zu den Exponenten der Rockmusik aus der Ära nach " Woodstock " und der Hendrix´schen Provokation der zersägten USA-Hymne. Aus jener Zeit also, als das endlose Improvisieren zum guten Ton gehörte und die elektrische Gitarre quasi zur Waffe gegen das verlogene Establishement getragen
oder zur faktischen Penisverlängerung prä-pubertierender Rock-Jünglinge
wurde. Bei Frank Marino dürfte dieses nicht voll umfänglich zutreffen, denn sein Bestreben ist es - nicht nur auf diesem Album - dem Kult-Gitarristen James Marshall Hendrix seine fortwährende Ehrenbezeugung dar zu tun. Dieses gelingt ihm auch mit dem ersten Live-Album aus 1978!

Seite I:

- Introduction
- The answer
- Dragonfly
- I´m a king bee ( excerpt from " Back door man " )
- A new rock & roll

Seite II:

- Johnny B. Goode
- Talkin´" ´bout a feelin´" ( Excerpt from " Who do ya´love " )
- Electric reflections of war
- The world anthem
- Purple haze

(c) 1978

Manufacted by Columbia records 35257

CD: Remastered Import ( Generic )
ASIN: B 000 056 038 am 16. 10. 2001


Mahogany Rush sind hier:


Frank Marino ( guitars & vocals )
Jim " Jimbo " Ayub ( drums & percussion )
Paul del Harwood ( bass guitars )


Die weitere Bandhistorie lässt sich wie folgt skizzieren:

Nach den - diesem Live-Album - vorgängigen LPs ( Maxoom, Child of novelty, Strange universe, Mahogany Rush IV, World anthem ) veröffentlicht die Formation mit " Tales of unexpected " ein weiteres Live-Album. Mit " What´s next ? " im Jahre 1980 stellt sich die Gruppe - ergänzt durch Frank Marino´s Bruder Vince als zweiten Gitarristen - eine temporär existenzielle Frage.
Die Zeiten haben sich gewandelt: Hard rock wird zur musikalischen Spielwiese einer Minorität, der überwiegende Rest der Liebhaber von populärer Musik driftet in andere Richtungen, wie Jazz, Punk , Disco ab. Die Identitätskrise der Formation dauert fast 7 Jahre - das wenig erfolgreiche Album " Power of rock an´roll " aus ´81 einbegriffen -
und endet mit der Veröffentlichung von " Juggernaut " sowie " Full circle ", in denen die gitarren-lastigen Hendrix-Einflüsse deutlich zurück geschraubt sind. Durch das Desintresse des Plattengiganten CBS bedingt, wechselt " Mahogany Rush " nicht nur das Label, sondern auch das Personal. Frank´s Bruder Vince wird zum ständigen Begleiter; die Gruppe erhält einen Keyboarder hinzu.
Nach einem weiteren Doppel-Live-Album in 1988 lässt die Band die 80iger ausklingen und meldet sich 1990 mit " From the hip " wieder. Marino hat nun - dank seiner über 20-jährigen Musikerfahrung - einen eigenen Stil gefunden. Somit kann er getrost in 1993 zu einem Projekt antreten, mit dem sich Gitarren-Heroen, wie Leslie West,
Rick Derringer und Pat Travers ( Album - Titel: " Fit for a king " ) dem Blues-Gitarristen Albert King widmen.
Ein weiteres " Tribute to " - Album wird im gleichen Jahr veröffentlicht. Es ist dem Marino´s Jahrgang zuzuordnenden und in 1990 tödlich verunglückten Stevie Ray Vaughan zu gesprochen ( Titel: " Hats off to Stevie Ray " ). In 1997 findet sich Frank dann auf einem Brian Lee -Album, dass dieser live in einem Privat-Club aufnehmen lässt. Selbstredend spielt der Blues auch hier die erste Gitarre.

Bis zum Millenium - Jahr veröffentlicht Frank Marino weitere Alben, ehe er dann 2000 mit " Eye of a storm " ein von jazzigen Passagen durchzogenes Werk und in 2004 eine Doppel-CD mit insgesamt 29(!) Titeln heraus gibt.

Auch wenn Frank Marino seit nun fast 4 Dekaden im Musikgeschäft verweilt, blieb ihm der grosse Erfolg auf dem europäischen Bühnen oder dem hiesigen Musikmarkt verwehrt.
Völlig zu Unrecht!
Frank gehört zu den Großen der grössten Gitarristen - immer noch! "

- Zitatende -

( aus: http://www.rockzirkus.de/forum/content.php?157-Frank-Marino-Mahogany-Rush-Live )

Dem ist nichts, rein gar nichts hinzuzufügen!