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Freitag, 30. April 2010

Schade HSV, alles ist vorbei!


Die Fußballbundesliga-Saison 2009 / 2010 atmet ihre letzten Züge ein. Noch ein Spieltag, dann steht der Bundesligameister auch offiziell fest. Von den 18 Vereinen, die angetreten waren, um die Meisterschaft zu streiten, müssen mindestens zwei Klubs den schweren Gang in die 2. Liga vor nehmen. 34 Spiele hat jeder Verein zu absolvieren. Da gibt es genügend Gelegenheit, sich von der Konkurrenz abzusetzen. Nur, am Ende haben dieses nur zwei von 18 Vereinen wirklich gekonnt: (der FC Schalke 04 und)nur der FC Bayern München. Den weiteren Profi-Klubs ist dabei mehr oder weniger die Luft ausgegangen.

Für den Fußball-Interessierten bleibt somit kritisch zu bilanzieren, dass:

- Hertha BSC Berlin mit einer viel zu hohen Erwartungshaltung in die Saison gestartet war und nach einer desaströsen Hinrunde den Abstieg nicht vermeiden konnte;

- der VFL Bochum eigentlich immer zu den grauen Mäusen und Abstiegsaspiranten gehört, sich jedoch in diesem Jahr durch unsinnige Personalmaßnahmen und schwache Spiel gegen vermeintlich einfachere Gegner in die Abstiegsbredouille gebracht hat;

- der 1. FC Nürnberg eigentlich schon fast aus dem Tabellenkeller gehievt, dann im zunächst gesicherten Mittelfeld stehend, die letzten Spiele verlor und nun gegen Köln gewinnen muss,wobei der Club auch noch von dem Ergebnis des Spiels VFL Bochum gegen Hannover 96 abhängig ist;

- Hannover 96 - der kleine HSV - nach dem Freitod seines Fußballnationaltorhüter Robert Enke nie mehr auf die Beine kam,quasi durch gereicht wurde,und erst kurz vor dem Saisonende die prekäre Tabellensituation so richtig zur Kenntnis nahm;

- der SC Freiburg ebenfalls im Tabellenkeller stand, sich dann durch einige erfolgreiche Spiele gegen die eigentlichen Mitkonkurrenten kurz vor Toreschluss absetzen konnte;

- der VFL Broussia Mönchengladbach das Absteigsgespenst im letzten Drittel der Spielzeit verbannen konnte und damit für die kommende Saison neu planen darf;

- der 1. FC Köln zwar eine enorme Zuschauerresonanz zu verzeichnen hatte, jedoch dem damit gesteckten Zielen und den Ansprüchen nie gerecht werden konnte und sogar lange Zeit wie ein Absteiger aussah;

- die TSG 1899 Hoffenheim im 2. Jahr der Bundesligazugehörigkeit zwar nicht mehr als Provinzklub des Milliardärs Hopp verschrieen wird, jedoch von einstigen Himmelsstürmerverein in die grauen Niederungen des BL-Mittelmaßes zurück fiel;

- der FSV Mainz 05 mit seiner eher soliden Vereinspolitik und dem Festhalten an dem Trainer Tuchel immerhin den 10. Platz belegte, auch wenn die Abstiegsangst einige Male an die Kabinentür klopfte;

- Eintracht Frankfurt mit dem Trainer Michael Skibbe einen Glücksgriff getätigt zu haben scheint, der - wohl im Gegensatz zu seinem Vorgänger Friedhelm Funkel - bei den Bossen der Führungsetage Tacheles redete und damit den Verein vor dem Abstieg in die Zweitklassigkeit rettete;

- der VFL Wolfsbur erkennen musste, dass ein Trainer Armin Veh kein Übertrainer Felix Magath ist,die Geschichte der letzten Meisterschaft sich eben doch nicht wiederholt und die Mannschaft auf dem Internationalen Parkett nur zweite Wahl war;

- der HSV seit Jahren nicht die Nummer 1 im Norden ist;

- der VFB Stuttgart nach einer chaotischen Hinrunde, einem gefeuerten Trainer Markus Babbel, mit dem glatzköpfigen Schweizer Christian Gross wohl den richtigen Mann zum rechten Zeitpunkt verpflichten konnte,der die zu verbrennen drohenden Maultaschen, Spätzle und Hefezöpfle noch von dem Feuer bewahrte;

- der BVB 09 Borussia Dortmund nach den Finanzdesaster zur Mitte der 2000er, die sportlichen Misserfolgen danach, nunmehr mit dem engagierten Trainer Jürgen Klopp in die Erfolgsschiene zurück kommen könnte;

- Bayer 04 Leverkusen über viele Spieltage schon fast wie der kommende Deutsche Meister aussah, unter dem Erfolgscoach Jupp Heynckes einen brillanten Fußball zeigte, dann jedoch - auch durch Verletzungen wichtiger Spieler bedingt - aus dem Tritt kam und sich von dem CL-Traum verabschieden wird;

- mein SV Werder Bremen einen Start mit erheblichen Schwierigkeiten hinlegte, dann glänzenden Fußball zeigte, sogar auf internationalem Terrain erfolgreich blieb,zum Ende der Hinrunde und Beginn der 2. Halbserie erneut schwächelte, sich wieder fing und nun auf dem CL-Qualifikationsplatz verbleibt;

- der FC Schalke 04 über lange Zeit schwächelte, dank der konsequenten Arbeitsweise vom Übertrainer Felix Magath stetig besser spielte und dem FC Bayern München sogar über einen gewissen Zeitraum Paroli bot, dennoch nur den "Vize" einfuhr - da war, wie beim SVW, mehr drin;

- der FC Bayern München - gääääääääääääääääähn!

Leider hat zum Schluss die Luft bei den Konkurrenten des Bazi-Klubs nicht ausgereicht.
Zu diesen, sich mit akuter Atemnot herum plagenden Teams gehörte auch jenes, das der Hamburger Sportverein in das Rennen um die Meisterschaft gesandt hatte. Zu Beginn der Saison sind die HSVer mit großen Ambitionen gestartet, konnten über einen längeren Zeitraum auch in der Tabellenspitze Platz nehmen, ehe sie dann in den letzten Drittel der Spielzeit von der Rolle waren.
Verletzungen, vereinsinterne Querelen und ein Trainer Bruno Labbadia, die wohl an die hoch bezahlten Fußballspieler nicht mehr richtig heran kam, hatten dazu einen mehr oder minder großen Beitrag geleistet.

Die Begegnungen ab dem 23. Spieltag verliefen denn eher enttäuschend. Wenn der " Dinosaurier " der Bundesliga in dieser Saison so etwas von Meisterschaftsambitionen hat verlauten lassen, so waren es wohl eher Wunschträume.Dazu gehört mehr, als nur 2 dutzend halbwegs gute Spiele abzuliefern. Das es international bis zum Halbfinale gegen den FC Fullham besser lief, war eher ein Produkt aus der Kombination von Losglück sowie Auswärtsstärke.

Trotzdem hätte ich es gerne gesehen, wenn der HSV nach mehr als 1,5 Jahrzehnten wieder in ein europäisches Finale eingezogen wäre. Wie heißt es so schön grausam- und auch noch grammatikalisch falsch - im Hohen Norden:

http://www.youtube.com/watch?v=SLuaDw2r6Go


" Du hattest einfach Pech gehabt,
deine Firma brach die Zelte ab!
Und Baut sie wieder auf,
am Isarlauf!

Alternative, ne oh ne, nur die Schuhmacher Allee.
Da unten bist du schon ein Jahr
und findst es Wunderbar!

Du hast alles Vergessen was zu dir gehört,
verleugnest deine Wurzeln, hast den
Freunden abgeschwört.

Du hörst nicht auf mir einzurden
"wie geil München sei"

Fick den Bayern in den Arsch, I'm Hamburg Till I Die!!

Du hattest einfach keine lust,
irgendwann war für dich Schluss.
"Fußball", sagtest du zu mir, "schockt doch irgendwie nicht mehr!"
Freezers mit dem Quaterback, Touchdown, Bully, Bodycheck.
Plastik Fans und Plastik Team, Tradition nur auf der Lienie.

Du hast alles Vergessen was zu dir gehört,
verleugnest deine Wurzeln, hast den
Freunden abgeschwört.

Beim Eishockey da tobt die Szene, sei doch mit dabei!

Fick der Szene in den Arsch, I'm Hamburg Till I Die!!

Der Unfall war doch ziemlich schwer, und ich glaubte erst
du schaffst nicht mehr. Mühsam ging es dann Berg auf
und das Essen schmeckt auch durch nen Schlauch.
Als der Chefarzt zu mir sprach, warf es wirklich ziemlich hart.

Wird er durchkommen ich sag "Ja", doch sein Kopf
ist nicht mehr klar.

Du hast alles Vergessen was zu dir gehört,
verleugnest deine Wurzeln, hast den
Freunden abgeschwört.

Auf St. Pauli da ist Stimmung, komm doch mal vorbei!

Doch Braun und Weiß ist nur mein Klo, I'm Hamburg Till I Die!!

Braun und Weiß ist nur mein Klo, I'm Hamburg Till I Die!! "


- Zitatende -



Nun, etwas ungelenkt waren die HSV-Fans ja schon immer, wenn es darum geht, sich selbst in das richtige Licht bringen zu wollen. Immerhin war der HSV ja auch schon einige Male Deutscher Fußballmeister. Das ist nun mehr als 25 Jahre her. Vielleicht klappt es in den nächsten Spielzeiten?
Bis dahin verbleibt den jetzt frustrierten HSV-Fans doch genügend Zeit zum Träumen, zur Trainersuche und den Krawallo-Ein-Riff-Amateuren der Gruppe " Abschlach ", einen besseren Clip mit wesentlicher besserer Musik ins Netz zustellen.

Aus gesamt norddeutscher Sicht gilt für mich dennoch:

I'm Werder, till I die!

Dienstag, 27. April 2010

" Heraus zum 6. Mai! " - Ich war dabei.



Es gibt viele Varianten, die Historie zu interpretieren. Wer zum Beispiel bequem ist, erwirbt ein Geschichtsbuch und liest darin herum, bis er kein Interesse mehr verspürt. Dann legt er es in den Schrank, in ein Bücherregal oder auf den Boden ab. Mit diesem Halbwissen kokettiert er dann in seinem Bekanntenkreis.
Eine weitere, besonders perfide Art des Aufschneidens zeigen jene Trendsetter, die in ihren Räumen eine Schrankwand, ein Regal oder eben jenes Bücherregal voll mit Buchattrappen gestopft haben, um gegenüber den Freunden, Bekannten und Familienangehörigen auf den berühmten Putz hauen zu können. Werden jene Potemkinschen Dörfer der Literatur von tatsächlich Belesenen enttarnt, so lautet die standardisierte Rechtfertigungsfloskel, dass der Platz in jenem Möbelstück eben ausgefüllt werden müsse.
Eine dritte Abart der pseudo-intellektuellen Gegenwartskultur liegt darin, sich zur Fachfrau oder zum Experten mittels besonders dreister Versuche von Geschichtsklitterung in der Öffentlichkeit hoch stilisieren zu lassen, damit das medial zu verdummende Breitenpublikum erst gar nicht merkt, das man/frau keine Ahnung von der Materie hat oder - noch schlimmer - die historischen Erklärungsversuche zuvor über ein üppiges Honorar so entstellt werden könne, damit sie in das jeweilige ideologische Umfeld des Brötchengebers passen.
Auch hier gilt voll umfänglich die Plattitüde:

" Wess' Brot ich ess, dess'Lied ich sing'! " - Amen!

So wird nun Historie unter dem Aspekt des Konsumfetischismus oft bis zur Unendlichkeit gefärbt, geschönt oder gedreht, bis am Ende die Fakten so verkauft werden können, dass sie in die verkaufsfördernde Konzeption ihres sie publizierenden Verantwortlichen passen.

Alsbald werden dadurch wahre Begebenheiten zu Märchen, Fabeln oder Legenden verwässert oder aber auch umgekehrt.

Keine Legende, kein Märchen oder eine Fabel waren allerdings jene Ereignisse, die sich in einigen Tagen zum 30. Mal jähren.



Wir schreiben den 6. Mai 1980. Er fiel in jenem Jahr auf einen Dienstag. Die üblichen Festivitäten zum Tag der Arbeit, dem 1. Mai, waren längst beendet. Ich hatte ihn - wie seit meinem Wechsel zur HfW Bremen im Herbst 1978 - mit einem Besuch des DKP-Zeltes auf der Bremer Bürgerweide angemessen gefeiert. Nicht etwa, weil ich nun davon überzeugt war, dass die Arbeiterklasse im begonnen Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts nun durch meine Anwesenheit dort einen engagierten Kämpfer für ihre Rechte gefunden hat. Nein, mein Besuch war darin begründet, dass die dortigen Musikveranstaltungen eben attraktiv und dazu bezahlbar waren. Das Verbundensein mit den DKPisten, ihrer Studentenorganisation MSB Spartacus reduzierte sich auf die rein musikalische Ebene. Hannes Wader trat dort auf, das Dritte Ohr oder die US - Blueslegende B.B. King. Der Einheitspreis für Schüler,Studenten und Arbeitslose betrug einst 5,-- Deutsche Mark.

Ich möchte hier nicht zu weit ausholen, aber zur besseren Erklärung jener Abläufe rund um das Weserstadion in Bremen an jenem 6. Mai 1980, muss der historische Hintergrund ein wenig aufgehellt werden.

Die so genannten 68er saßen längst in jenen Institutionen, durch die sie vormals durch marschieren wollten. Die 70er Zaungäste - Generation klopfte zwar an die Türen der Lehrerzimmer, Beamtenstuben und Büros der Wirtschaft, wurde jedoch noch nicht hinein gelassen. Die Gesellschaft befand sich immer noch im Wandel. Jedoch nicht nur ideologisch, sondern vielmehr ökonomisch. Aus den Protesten gegen die vermufften Zustände der Adenauer-Ära wurde ein - wenn auch vergebliches - Anrennen gegen die Atompolitik der etablierten Parteien. Die Proteste richteten sich aber auch gegen die kommerzielle Verwertung der Atomkraft, gegen den NATO-Doppelbeschluss und das atomare Wettrüsten.
Es entstand eine Anti-Szene, die sich aus einigen Ex-K'Grüpplern, vielen im links-liberalen Umfeld aufgewachsenen Bürgerkindern und wenigen - dafür oft gewaltbereiten - Autonomen bildete.

Der Ursprung dieser Bewegung könnte - retrospektiv beurteilt - aus dem einstigen Berliner "Tunix"-Umfeld hervor gegangen sein. Berlin, als Sammelbecken der linken, der alternativen und gesellschaftskritischen Subkultur, hatte am Ende der 70er Jahre, als Folge des "Deutschen Herbst " in dem die RAF-Aktionen und die staatlichen Abwehrmaßnahmen einen Höhepunkt erreichten,war deshalb prädestiniert, eine Gegenkultur ins Leben zu rufen, weil hier bestimmte Faktoren innerhalb und auch außerhalb des universitären Umfeldes passten.

" Der Tunix-Kongress fand vom 27. bis 29. Januar 1978 mit 15.000 bis 20.000 Teilnehmern in der West-Berliner TU Berlin statt und diente der Orientierung der Kräfte in Deutschland, die heute als Neue soziale Bewegungen der 1970er Jahre bezeichnet werden. Er gilt als Ende der Spontibewegung und als Beginn der Autonomen- und Alternativbewegung in Berlin. "

- Zitatende -

Argwöhnisch von den Politikern der sozial-liberalen Koalition in Bonn und jenen des Senats in Berlin beäugt, kam es während der "Tunix"-Veranstaltungen u.a. auch zu einer Diskussion mit dem amtierenden Wissenschaftssenator Peter Glotz (SPD ). Er bemühte sich redlich, seine zuvor aufgestellten Thesen von einer Integration der Gegenkulturen in die Gesellschaft gegen die Mehrheit der anwesenden und ihn höhnisch verlachenden, beschimpfenden und nicht ausreden lassenden Teilnehmer zu verteidigen. Der - leider viel zu früh verstorbene - Peter Glotz hatte jedoch den Mut, sich der feixenden Masse als einziger Vertreter der Politik zu stellen und erhielt dafür gehörig verbale Prügel.
Ansonsten las sich die Liste der bekannten Teilnehmer wie ein who is who der linken Gesellschaftskritiker, denn mit:

Peter Brückner,Daniel Cohn-Bendit,Johannes Agnoli,David Cooper,Felix Guattari, Jean-Pierre Faye, Franco Besaglia,

um nur einige der Anwesenden zu nennen, erhielt die Veranstaltung nicht nur ein internationales Flair, sondern erfuhr auch eine gewisse Aufwertung.
Es blieb indes bei dem Versuch, die diversen gesellschaftlichen,subkulturellen Strömungen zu einer Gegenbewegung bündeln zu wollen und ihnen über diesen Kongress eine mediale Plattform zur Verfügung zu stellen. Denn selbst das verspießte ZDF berichtete ausführlich über jenes Ereignis im Januar 1978.

Wie zersplittert die linke Szene und anti-gesellschaftliche Bewegung seit den 68ern bereits war, zeigte sich auch am Beispiel der so genannten " Tupamaros West-Berlin ". Die auch unter " Großstadt-Indianer " bekannte Gruppierung versuchte ab 1969 durch militante Aktionen auf sich aufmerksam zu machen. Später blieb das Kennzeichen der " Tupamaros West - Berlin " die bis über die Schulter getragenen, oft zu einem Pferdeschwanz zusammen gehaltenen Haare. Ihre eher spontanen Aktionen galten den Symbolen des kapitalistischen Staates und des ihn tragenden Gesellschaftsteils.

Unterstützung erhielt jene in sich nicht geschlossene Bewegung von den ungezählten Einst - 68er - Aktivisten, die - längst in Lohn und Brot bei " Papa " Staat - qua kritischer Grundhaltung auch an den vielen Anti - AKW - Demonstration regelmäßig teilnahmen. Dieses breite Spektrum bildete alsbald die so genannte Friedensbewegung. Eine pazifistische Bewegung hat es bereits seit dem 19. Jahrhundert gegeben, die sich nach dem Ende der beiden Weltkriege und der deutschen Wiederbewaffnung allerdings in vielfältiger Weise bemerkbar machte. Über die Ostermärsche bis hin zu der nicht unerheblichen Anzahl von Kriegsdienstverweigerern, entstand eine Bürgerbewegung, die das Ziel der friedlichen Konfliktlösung vor Augen hatte und ab 1979 in Westdeutschland bis Mitte 80er Jahre einen enormen Zulauf erfuhr.

Auch in der DDR entstand eine vergleichbare Initiative, die u. a. mit der Losung " Schwerter zu Pflugscharen " für Abrüstung und eine friedliche Koexistenz zwischen Ost und West sowie der Völker und Staaten insgesamt warb.
Die aktiven Teilnehmer wurden sowohl im Osten durch die all gegenwärtige Staatssicherheit als auch im Westen Deutschlands über den Verfassungsschutz und den Militärischen Abschirmdienst bespitzelt, denunziert sowie mit staatlichen Repressalien überzogen.

Jene Gemengelage in der BRD, die sich aus der Ablehnung weiterer - durch die 68er Auswirkungen bedingte und von der RAF über den von ihr verursachten Terror - hervor gerufener staatlicher Abwehrmaßnahmen, wie Bespitzelungen,Berufsverbote oder Gesinnungsschnüffelei, zu einem durchaus explosiven Gemisch entwickelte, kam dann am 6. Mai 1980 als Hauptursache für die Gewaltexzesse rund um das Weserstadion zum Tragen.

Bereits einige Wochen vor dem dort geplanten öffentlichen Rekrutengelöbnis riefen viele K-Gruppen auf dem Campus der Bremer Universität, an den Bremer Fachhochschulen und an weiter führenden Bildungseinrichtungen zum Protest, ja zum offenen Widerstand gegen jene militärische Veranstaltung auf. Das in den Flugblättern gewählte Vokabular enthielt die üblichen Floskeln, mit denen der Staat, seine repressiven Organe und deren Vertreter scharf angegangen wurden. Auf viele Abarten der von den Politsekten permanent benutzten Diktionen hatte ich mich längst eingestellt. Ob nun die Standardfloskel " anti - demokratisch ", die Aufforderungen " die faschistischen Strukturen des BRD-Regimes zu zerschlagen " bis hin zu der Zielsetzung eine " anti-militaristische Allianz aller demokratischen Kräfte gegen die Kriegstreiberveranstaltung bündeln zu wollen " überlas ich geflissentlich.
Diese Plattitüden gehörten zum ständigen Repertoire der hyper - aktiven K-Gruppenmitglieder, die sich auf jeden Fall darin übertrafen, die Anzahl an Flugblättern vor jeder ASTA-Wahl und bei allen, nur erdenklichen politischen Ereignissen ins Astronomische zu steigern.

Die als " kommunistische Kaderschmiede " von den bürgerlichen Spießern, CDU-Altfaschisten und sonstigen neokonservativen Amöben verschrieene Bremer Reform-Universität wurde denn auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit als Brutzelle der politischen Gewalt ausgemacht und das damit intendierte Verbot von politischem Engagement innerhalb der Universität als non plus ultra in die Öffentlichkeit hinaus posaunt. Die studentische Vertretung, der ASTA besaß nie ein allgemeines politisches Mandat, ergo hatte er auch keine Möglichkeit im Namen der Studentenschaft zu aktuellen gesellschaftlich relevanten Themen Stellung zu nehmen.

Was dem reaktionären Umfeld rund um jene Polit-Mischpoke von F.J. Strauß aus Bayern bis Barschel in Schleswig-Holstein ein Dorn im Auge war, waren eben jene Aktivitäten, die Lehrinhalte und öffentlichen, gesellschaftskritischen Stellungnahmen aus dem universitären Bereich. Da es hier weder Burschenschaften, andere Schlagende Verbindungen oder eine Vertretung der CDU orientierten Studenten, nämlich den RCDS gab,musste eben die Uni Bremen als " kommunistisch " qualifiziert werden.

Ich will auch 30 Jahre danach nicht verhehlen,dass es eben jene Flugblätter waren, die mich auf die Demonstration gegen das öffentliche Rekrutengelöbnis aufmerksam gemacht hatten. Zu jener Zeit war ich allerdings mit wichtigeren Dingen beschäftigt. Meine Examensarbeiten standen unmittelbar vor der Tür. Bis zum 23. Mai 1980, 24.00 Uhr hatte ich gemäß § 7 Abs. III und IV der damaligen Prüfungsordnung meinen Versuch, die " Büroarbeit und ihre Veränderung durch den technischen Wandel " in gebundener Form und in drei-facher Ausfertigung, mittels eines amtlichen Eingangsstempels nachgewiesen, bei der Hochschule für Wirtschaft abzugeben.
Jetzt, nämlich 30 Jahre danach, kann ich nur müde lächeln, wenn ich mir meine "wissenschaftlichen" Ausführungen hierzu ansehe. Nun, das zunehmende Alter sollte Einen dazu bringen, viele Ereignisse aus der eigenen Lebensbiographie häufiger in einem anderen Kontext zu sehen.

So standen wir - für 18.00 Uhr verabredet - vor dem Imbiss an der Sielwall-Kreuzung im Bremer " Viertel ", das wegen seiner damaligen Sozialstrukturen so genannt wurde. Wir, das waren drei Kommilitonen von mir und ich. Ein Mitstreiter aus Barenburg, einem kleinen Nest im Bremer Umland zwischen Sulingen und Bassum - oder auch umgekehrt - mit Vornamen Horst und zwei aus dem spießbürgerlichen Umfeld der schwäbischen Provinz entrückten HfWlern. Wir kannten uns nicht nur durch die Vorlesungen an der Fachhochschule, sondern auch über einen privaten Arbeitskreis, innerhalb dessen wir uns mit der Politischen Ökonomie befassten. Es war unsere ganz eigenwillige Reaktion, die Theorien der Protagonisten der Arbeiterbewegung, insbesondere natürlich Karl Marx und Friedrich Engels verstehen zu lernen. Mit mäßigem Erfolg !

Nicht mehr ganz blutjung, dafür aber wild entschlossen, das eher triste studentische Alltagsleben zwischen Vorlesung, " Cafete " und Studentenbude, zwischen " Aldi "-Fraß, Mensapampe und Ferienjob und eingebettet im tagtäglichen Rechtfertigungszwang gegenüber den vielfältigen Vorurteilen der produktiven oder unproduktiven Restgesellschaft, deren mehrheitliche Ablehnung zu den ungeprüften Vorstellungen des studentischen Innen - sowie Außenlebens, sehr oft in dem drohenden Ratschlag: " Wenn's dir hier nicht passt, dann geh'doch nach drüben! " mündete, ein wenig aufzupeppen, begaben wir uns wenig später zu der Straßenkreuzung " Sielwall " / " Osterdeich " und hatten die Absicht, in Richtung des Weserstadions zu pilgern.
Mit uns hatten sich dort bereits einige hundert, im einstigen non-konformen Einheitslook, nämlich Parka und Jeans, eingekleidete Beobachter eingefunden. Andere trugen den wasserabweisenden " Friesennerz ", manche hatten sich ein " Palästinensertuch " umgebunden, mit dem bei Bedarf das Gesicht verhüllt werden konnte.

Schon allein der Versuch, den " Osterdeich " bei der beampelten " Sielwall " - Kreuzung überqueren zu wollen, ähnelte einem Kraftakt. Die Menschen standen hier bereits so dicht aneinander, dass es kaum noch möglich war, in Richtung des Stadions zu gelangen. Eigentlich war dieser Weg zuvor häufiger von meinen anderen Mitstreitern aus der SVW-Fan-Fraktion beschritten worden. Dann nämlich,wenn Werder Bremen ein Bundesliga-Heimspiel absolvierte. Nur: der SVW war in der Saison 1979/1980 miserabel und stand zusammen mit Eintracht Brauschweig sowie Hertha BSC kurz vor dem Gang in die 2. Liga Nord. Was dem politisch engagierten SVW-Fan so verdrießlich stimmte, sollte zumindest an jenem lauen Abend des 6. Mai 1980 ein wenig zur Steigerung der Lebensfreude beitragen: Ein Jubelsturm vor dem Weserstadion!

Das es dazu kam, war insbesondere der Verdienst des " Schwarzen Block ", der Autonomen und Spontis, deren Gewaltbereitschaft nicht nur durch das Tragen von schwarzer Kleidung, einem Schutzhelm und wasserdichten Stiefeln zum Ausdruck kommen sollte, sondern vor allem über das Werfen von mehr als Faust großen Pflastersteinen, das Schleudern von Molotowcocktails und das Zertrümmern von PKW-Scheiben mittels Eisenstangen. Was sich in den folgenden zwei bis drei Stunden rund um den Eingangsbereich des Stadions abspielte, war als Zerstörungsorgie, als Gewaltexzess gegen Menschen und Sachen zu bewerten und hatte mit meinem Anliegen, gegen den Aufmarsch von Soldaten im Stadioninneren rein gar nichts zu tun.

Es herrschte ein quasi bürgerkriegsähnlicher Zustand: Im Verlaufe der Zeit, die wir benötigten, um entlang der Weser weiter in Richtung Stadion zu kommen, brannten bereits einige Autos. Ein Mannschaftswagen der Bereitschaftspolizei wurde umgekippt und angezündet. Rauchschwaden waberten über die Straße. Am Absperrzaun bewegten sich Menschenmassen, aus denen - zuvor aus dem Straßenbett ausgegrabene - Pflastersteine über den Zaun in Richtung der sich dahinter befindlichen Soldaten, Polizisten und anderer Zuschauer flogen.
Von einem uralten VW-Bus aus, der mit einem Megaphon bestückt war, drosch ein Mann des KBW ( Kommunistischer Bund Westdeutschland ) die üblichen Politphrasen, die in der Lachnummer: " Hier spricht die Arbeiterklasse! " ihren sinnfreien Höhepunkt erfuhren.

Neben dem chaotischen Durcheinander, dem hastigen Gerenne und dem fast panischen Flüchten von Demonstranten sowie auch Polizisten gab es tosenden Applaus, wen ein weiteres Auto oder eine " Bullenwanne " umgeworfen und in Brand gesetzt wurde. Innerhalb kurzer Zeit entstanden u.a. in der Straße " Am Peterswerder " große Krater, weil die Pflastersteine von den, wie Ameisen tätigen Demonstranten ausgegraben, zum Absperrzaun transportiert und dort in den Innenraum geschleudert worden waren. Die eingesetzte Bereitschaftspolizei war völlig überfordert und zog sich schon bald zurück, um nicht selbst Ziel der Chaoten zu werden.

Dafür fuhren Wasserwerfer auf, die eher ziellos in die tobende Menge hinein hielten. Je chaotischer die Lage wurde, desto eher bestand auch für uns die Gefahr, dass wir selbst als Zuschauer verletzt werden könnten. Ich trat deshalb noch weit vor dem Ende der Auseinandersetzungen den Heimweg an.

Einen Tag später erzählten mir meine noch anwesenden Kommilitonen, dass auch sie sich von dem Chaos verabschiedet hätten und deshalb ebenfalls nicht wüssten, ob das öffentliche Gelöbnis statt gefunden hatte.
Es hatte, und wie:

Mit einer Ansprache des damaligen Bundespräsidenten Carl Carstens, einem gebürtigen Bremer, sowie der damalige Bundesverteidigungsminister Hans Apel blieb das Zeremoniell zunächst einmalig. Denn:

" Die Gelöbnisse fanden während der 1980er Jahre fast ausschließlich in den Kasernen statt, wo nur geladene Gäste und die Verwandten der Rekruten teilnehmen durften. 1980 wurde zum ersten Mal nach Kriegsende ein öffentliches Gelöbnis außerhalb des Kasernenbereiches durchgeführt. Bei gewalttätigen Ausschreitungen wurden am 6. Mai 1980 am Weserstadion in Bremen 260 Personen verletzt und viele Dienstfahrzeuge gingen in Flammen auf. Die Sachschäden wurden mit 1.000.000 DM beziffert. Die Ausschreitungen richteten sich gegen die Bundeswehr und Streitkräfte im Allgemeinen. Zudem wurde von den Demonstranten eine Militarisierung des öffentlichen Raumes unterstellt. "

- Zitatende -

In der einstigen Anti-Szene war vielfach von einer Rekrutenvereidigung die Rede, was schon allein aus rechtlichen Gründen nicht exakt ist:

Das Feierliche Gelöbnis ist ein Vorgang in der Bundeswehr, bei dem wehrpflichtige Soldaten sich zu ihrer Grundpflicht bekennen. Dabei sprechen sie die Formel:
„Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.“
Zeit- und Berufssoldaten hingegen geloben nicht, sondern werden (allerdings mit fast wortgleichen Text) vereidigt. "

- Zitatende -

Der Ablauf jener denkwürdigen Ereignisse am 6. Mai 1980 rund um das Bremer Weserstadion ist dadurch nicht anders zu bewerten, denn hier entlud sich ein zuvor bereits schwellendes Gewaltpotenzial, das in jener Veranstaltung und mit ihrer Symbolik eine Provokation gegen die eigene Lebensweise und die anti-militaristische Grundhaltung sah. Hinzu kamen einige spezifische Besonderheiten, die in dem Regionalbezug ihre Grundlage hatten. So war dem Bundespräsidenten - nicht zu Unrecht - seine nationalsozialistische Vergangenheit vorgeworfen worden,der dann auch noch als gebürtiger Bremer ein verstärktes Angriffsziel bot. Das demonstrationserprobte universitäre Umfeld und die politischen Gegebenheiten an der Universität Bremen hatten ebenso einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Entwicklung vor, während und nach dem 6. Mai, wie die Tatsache, dass der eher bodenständig - bourgeoise Binnen-Bremer mit dem Oktroy Reformuniversität keine rechtfertigende Identifizierung vollzog, sondern eher in das Horn der mit Vorurteilen behafteten Ablehnung stieß.
Dieses spießig - provinzielle Verhalten , das unter anderem auch aus den historisch bedingten Ursachen, dass die Freie und Hansestadt Bremen sich eher mit dem Handel, denn dem produzierenden Gewerken einen überregionalen, sogar weltweiten Namen machte, womit der gebürtige Bremer nicht nur nach außen einen gewissen Stolz zeigen durfte, resultierte, habe ich zwar nicht nur hier kennen gelernt, sondern vor allem in der dörflichen bis kleinstädtischen Enge. Hier, wo die Straßen ab 22.00 Uhr hoch geklappt wurden, die Gehsteige so sauber gehalten sind,dass von ihnen problemlos gegessen werden konnte und der Vorgarten des genormten Grundstücks auf dem ein oft in Schuss gehaltenes Einfamilienhaus stand, war zu jener Zeit die eigentliche Brutstätte des mit Vorurteilen jedweder Art behafteteten Gedankenguts jenes Duchschnittsmichels.
Diese, die " BLÖD "-Zeitung, die " Morgenpost " oder den " Münchner Merkur " zur Meinungsbildung heran ziehende Majorität bestand aus den Jahrgängen 1910 bis 1950 und erzog ihre Kinder nach dem militärischen Grundmuster von Befehl und Gehorsam. Auch wenn die großstädtische Anonymität sehr oft ein direktes Zusammentreffen mit dieser Spezies von BRDlern verhinderte,hatte ich doch die ein oder andere Begegnung der spießigen Abart zu meistern. So mokierte sich eine übergewichtige Mittvierigerin als Verwaltungsangestellte der Stadt Wilhelmshaven darüber, dass ich bei der Abmeldung als Beruf " Student " angab, mit den Worten: " Was heut'zu Tage so Alles studiert?". Sie bekam von mir darauf hin die passende Antwort in dem Hinweis,ob sie gedenke zu einer Dienstaufsichtsbeschwerde schriftlich Stellung nehmen zu wollen.
Eine andere,über bremische Arbeitslosigkeitvermeidungsmaßnahmen bei der Meldestelle des Ortsamtes Horn-Lehe sich aufblasende Endvierzigerin,die ihre beruflich-sexuelle Frustration dadurch zu kompensieren versuchte,in dem sie mir vorhielt,dass ich mich zu spät angemeldet hätte, erklärte ich dieses mit der Gegenfrage,ob sie mir bei meinem Umzug nicht doch lieber hätte behilflich sein können,damit ich die Anmeldefrist einhalten könne.
Eine dritte, perma-frustrierte Aushilfsverkäuferin des einstigen Supermarktes " Lestra " in Bremen-Horn versuchte mir den Einblick in eine Ausgabe der von der Stiftung " Warentest " heraus gegebenen Zeitschrift mit der in einem unverschämten Ton vorgetragenen Aufforderung, die Zeitschrift gefälligst zu kaufen oder wieder in das Regal einzulegen, zu vermiesen. Worauf ich mich nach einem Disput mit einer ganzen Horde zeternder Mitarbeiterinnen an den Geschäftsführer des Marktes wandte.
Die Vielfältigkeit der offen gezeigten Aversionen gegen eben jene non-konform gekleideten Studenten ließe sich an beliebigen Beispielen aufzählen.Dieses wiederum belegt meine These,wonach die Gesellschaft der 60er bis 90er Jahre sich immer noch in einem Wandlungsprozess befand, da die ungezählten Alt-Faschisten nur sukzessive aus Amt und Würden verbannt wurden. Andererseits deren nach bürgerlichen Gesichtspunkten erzogene Nachkommen, das falsch vermittelte Normen - und Wertebild ihres Lebens unreflektiert übernahmen und wiederum offensiv bis aggressiv nach außen vertraten.
Mit dem zunehmenden ökonomischen Druck auf Gesellschaftsmehrheit, der durch Konsumanpassung und Angst vor Erwerbslosigkeit noch geschürt wurde, entstand ein weiterer Grund für den latenten Hass auf Anderslebende. Die Bereitschaft, eine unisono vertretene law an order-Haltung auch undifferenziert auf sämtliche Strömungen von alternativen Leben zu oktroyieren war nach wie vor sehr groß.
In diesem Gesamtzusammenhang, unter Hinweis auf das damals vorherrschende ablehnende Klima sind dann wohl auch die anschließenden Bewertungen, die Kommentare in den Medien und die facettenreichen Forderungen aus der Politik zu sehen.
Während die Regionalausgabe der Hetzpostille " BLÖD "-Zeitung Bremen natürlich von " Krieg " und Chaoten sowie linken Terror fabulierte, sah der Bremer " Weser Kurier " dieses Ereignis schon wesentlich differenzierter.
Denn bereits im Vorfeld der Veranstaltung wurden innerhalb, der mit absoluter Mehrheit regierenden SPD sowohl in der Bürgerschaftsfraktion, als auch an der Parteibasis, der Sinn und Zweck des öffentlichen Gelöbnisses mehr als kontrovers diskutiert. Hierüber berichtete auch der " Weser Kurier " und sah in der Gewalteskalation die Auswirkungen jener grundsätzlich ablehnenden Haltung der Bremer SPD zu dem militärischen Brimborium.
Einen - eher müde belächelteten - Faux pas leistete sich die Nachrichtensprecherin von Radio Bremen " Hansawelle " beim Verlesen der Nachrichten am Morgen des 7. Mai 1980 als sie folgenden Wortlaut in den Äther senden ließ:

"Bei der Verteidigung von 1200 Bundeswehrrekruten ist es gestern Abend zu schweren Krawallen gekommen."
Kurze Pause - dann korrigierte sie sich: "Verzeihung, bei der Vereidigung."
War diese kleine Episode nur als Randerscheinung zu betrachten, so löste der anschließende, vor allem auch über die Medien, ausgetragene Streit in den bürgerlichen Parteien zu den Ereignissen rund um das Bremer Weserstadion, eher eine Grundsatzdebatte zu dem grundrechtlich verbrieften Demonstrationsrecht aus. Oberhetzer, wie Strauß, der CSU-Vorsitzende und Kanzlerkandidat der Union, wollten die Gesetze verschärfen, andere Politiker die Polizei besser aus - und aufrüsten, dritte Stimmen sahen in diesen Forderungen bereits den demokratischen Rechtsstaat gefährdet.
Tatsächlich erhielten die Polizeikräfte eine bessere Ausrüstung und wurden u.a. mit dem Einsatz von CS-Gas vertraut gemacht. Das von Strauß und seinen reaktionären Kohorten aus bayern sowie den rechten Hardlinern aus der CDU geforderte einschränkende Versammlungsrecht, was ein so genanntes Vermummungsverbot beinhalten sollte, wurde erst am 28. Juni 1985 unter der Regierung Kohl verabschiedet.
Zu den Märchen rund um die Mai-Krawalle in Bremen gehört allerdings, dass die sozial-liberale Koalition Schmidt/Genscher deshalb auseinander brach. Hierfür waren andere Ursachen maßgeblich. So zum Beispiel auch die sich längst abzeichnende Wirtschaftskrise zu Beginn der 80er Jahre.
Für ein ebensolches Ammenmärchen halte ich auch die in der alternativen Szene kursierende Behauptung, dass die Krawalle am 6. Mai 1980 in Bremen die Geburtsstunde der Autonomen und das Inslebenrufen einer entsprechenden Bewegung gewesen seien. Massive Proteste gegen den Bau von AKWs in der BRD waren bereits Jahre zuvor überwiegend gewalttätig verlaufen. Auch in anderen Großstädten der BRD etablierte sich bereits vorher eine gewaltbereite Szene, so auch in Frankfurt. Joschka Fischer nahm hier als einstiges Mitglied der Putzgruppe, einem militanten Arm des Revolutionären Kampfes, der zusammen mit weiteren Organisationen, wie den Revolutionären Zellen (RZ) an Gewalttaten im Frankfurter Raum verantwortlichen war. Diese Gruppierungen agierten bereits zu Beginn der 70er und lösten sich nach einigen Jahren wieder auf.
Allein an diesen Beispielen wird deutlich, dass die autonome Bewegung ihren Ursprung weit vor dem 6. Mai 1980 hatte.
Auch die Lüge, die vor allem von bürgerlichen Heinis jenseits des Weißwurst-Äquators bis heute aufrecht erhalten wird, dass die linken Splittergruppen, vornehmlich der KBW, als Verursacher der Gewalttaten fest gestellt wurden sei,hat sich später auch als solche bewahrheitet. Wenn immer noch verspießte Trottel aus dem Dunstkreis der " Viertele " - und " Moaßbier "-Fans über die Verantwortlichkeit der K-Gruppen in Bremen abkotzen, dann nur, weil diese Verblendeten ihren Provinzmuff auch 30 Jahre danach nicht ablegen konnten und ihre Vorurteile gegenüber den hochdeutsch sprechenden Teil Deutschlands wohl auf eine derartige Weise veröffentlichen möchten.
Wenn in einigen Tagen an die Auseinandersetzung anlässlich des Rekrutengelöbnisses erinnert wird, wenn die lokalen Medien eventuell erneut darüber berichten, dann auch wohl deshalb, weil eine entsprechende Veranstaltung in Bremen statt finden soll.
Auf einem im Netz eingestellten Flyer heißt es hierzu:

" Konferenz, 6. - 8. Mai 2010
Dreißig Jahre nach den sogenannten Bremer Bundeswehrkrawallen wird sich
eine internationale Fachtagung mit den europäischen Protestbewegungen der
achtziger Jahre befassen, um diese im Kontext von konservativer Wende,
beginnendem Neoliberalismus und Kaltem Krieg kritisch zu beleuchten.
Die Konferenzsprache ist Englisch.
Am 7. Mai 2010 findet im Kulturzentrum Schlachthof ab 19.30 Uhr eine öffentli-
che Podiumsdiskussion in deutscher Sprache zu den Bremer Bundeswehr-
krawallen statt.
Beide Veranstaltungen sind offen für spontane Teilnahme.
Tagungsort: Gästehaus der Universität Bremen, Teerhof 58
Teilnahmegebühr für alle 3 Tage inkl. Podiumsdiskussion am 7.Mai:
40 € (normal), 15 € (ermäßigt)
Weitere Informationen: http://tiny.cc/cityriots80 "

- Zitatende -

Wenn die dazu geladenen Gäste - darunter sicherlich einige Protagonisten aus dem aktiven - oder Sympathisantenumfeld von einst, ihre Meinungen austauschen, dann wohl sicherlich auch unter dem Aspekt, dass das Ereignis 6. Mai 1980 ein Einmaliges für Bremen war. Und die Krawalle im Nachhinein betrachtet keinen wesentlichen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Freien und Hansestadt genommen haben. Für eine schleichende Veränderung der Gesellschaft waren und sind andere Faktoren verantwortlich. Eine Revolution, eine Diktatur der Arbeiterklasse hat es zwar auch in der DDR nie gegeben, auch ist der damalige westdeutsche Staat nun einmal nicht mit der DDR unter gegangen. Er ist allerdings mit ihrer Auflösung ein anderer geworden.

Wenn ich nun - 30 Jahre nach dem 6. Mai 1980 - über die Ereignisse während der öffentlichen Gelöbnisfeier im Bremer Weserstadion schreibe und darin den Versuch einer vergleichenden, kritischen Analyse zu den gesellschaftlichen Realitäten einfließen lassen möchte,hilft mir das im Jahr 1981 veröffentlichte "SPIEGEL"-Buch des Herausgebers Michael Haller mit dem viel sagenden Titel: " Aussteigen oder rebellieren ".
Michael Haller und seine Mitautoren schildern hierin den Zustand der Jugend in einigen europäischen Ländern zu Beginn der 80er Jahre. Einst brannten Autos in London und Liverpool, in Zürich flogen Pflastersteine in Schaufenster von Luxusgeschäften in Amsterdam wurden Häuser besetzt.

Die Autoren erkennen in den Ursachen der vielfältigen Aktionen eine grundsätzliche Verweigerungshaltung der Jugendlichen gegenüber dem Staat und der Gesellschaft. Der Ausstieg oder die Rebellion aus bzw. gegen die gegebenen Verhältnisse ist , war und bleibt ein Privileg der Jugend. Das Verhalten intendiert jedoch auch Furcht vor der Zukunft, Angst vor dem noch unbekannten Lebensweg und Unsicherheit oder/und Unwissenheit darüber, wie der Zukunftsangst begegnet werden kann.
Ein Vergleich der Gesamtsituation der Jugend von einst und heute lässt aber nur bedingt Parallelen erkennen. Verweigerung wird heute in einen Rückzug in das Private verstanden. Ohne mich müsste demnach vielleicht ohne Ausbildung, ohne Perspektive ,ohne Geld, dafür mit HARTZ IV umschrieben werden.

Die Steinewerfer von damals sind möglicher Weise die heutigen Exponenten von Staat und Gesellschaft. Eine dynamische Gesellschaft benötigt allerdings eher Steinewerfer, denn HARTZ IV-Bezieher. Während die eine Gruppe von Verweigerern darauf aufmerksam machte, das " Deutschland krank ist ", wird die jetzige Bevölkerungsgruppe, nämlich das HARTZ IV - Klientel, das oft beschriebene Prekariat von Deutschland krank gemacht. Ob nun durch den Staat und seinen Institutionen selbst oder über die Verdummungsmaschinerie der Massenmedien.

Als ich einen Tag nach den Krawallen in Bremen zu einer Filiale der Deutsche Bundespost im Stadtteil Horn fuhr, um dort Geld für den eher spärlichen Wochenendeinkauf bei " ALDI " von meinem mäßig gefüllten Postsparbuch abzuheben, stand vor mir und damit vor dem mit Glasscheiben abgetrennten Schalter ein grau-melierter Mann, im Alter von etwa Ende Vierzig bis Anfang Fünfzig und wartete darauf, dass der Postbeamte in einem grauen Buch viele Stempel hinein drückte. Die Kundenschlange hinter ihm wurde indes immer länger. Woraufhin ein Kollege jenen Postbeamten mit der Frage konfrontierte: " Mensch, Manfred, was machst Du denn da eigentlich? ". Der wartende subalternde Mann antwortete ihm schneidig: " Nun lassen Sie ihn mal. Der macht das schon ordentlich! Ordnung muss sein, vor allem, weil wir hier ja so viele Steinewerfer und Randalierer haben!". Der ältere Mann sah dabei mich mit einem vorwurfsvollen bis bösen Blick an. "
Ich grinste nur provozierend zurück.

Nach dem der stempelnde Beamte das Heft zurück gab, antwortete der Anzug tragende, bereits alternde Mann diesem: " Vielen Dank! Ich bin ja Wirtschaftsprüfer, da muss Alles seine Ordnung haben!"
Als ich dann an die Reihe kam, grinste der Kollegen des Schalterbeamten und gab diesem die Worte zurück: " Du Manfred, eigentlich bin ich dann wohl auch Wirtschaftsprüfer. Ab 18.00 Uhr allerdings, in der Kneipe von nebenan!"
Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen, bedankte mich bei seinem Kollegen und verließ die Postfiliale.

Jene Begebenheit zeigte mir, dass die Ereignisse vom 6. Mai 1980 eben doch sehr unterschiedliche Reaktionen hervor riefen. Vielen waren sie völlig egal, einige andere Schreihälse regten sie auch Jahre später noch auf, die Masse zeigte sich bereits einige Monate danach eher desinformiert.

Der 6. Mai 1980 ist somit nur ein Sandkorn in der Wüste der historischen Ereignisse.

Sonntag, 25. April 2010

60 Jahre ARD (k)ein Grund zum Feiern? Teil II.


Zu den Feierorgien rund um das Erste Deutsche Fernsehen, die Allgemeine Rundfunkanstalt Deutschlands oder exakter Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland sind nun offizielle für beendet erklärt. Dennoch verbleibt bei mir immer noch ein übler Nachgeschmack, ob der vielen eingetrichterten dünnen Programm - Suppen mit unendlichem Ablaufdatum, weil sie für eine Wiederholung im Haupt -sowie auch Nebenkanälen alle Male gut sind.
So ähnlich verhält es sich auch mit den seit dem Jahr 1992 in die ARD neu eingegliederten Rundfunk-und Fernsehanstalten der Neuen Bundesländer.

Was ab 1950 versuchte einen selbständigen Weg zu betreten, entwickelte sich zunehmend zum propagandistischen Sprachrohr der Staatsführung des einst zweiten deutschen Landes. Unter dem Namen Deutscher Fernseh Funk ( DFF ) wurde - in Konkurrenz zu den drei übrigen Besatzungszonen - eine Sendeanstalt gegründet, deren technische Grundlagen ein Programm ab Dezember 1952 zu ließen.
Hierzu heißt es bei WIKIPEDIA:

" Wegbereiter des Fernsehens in der DDR war Hans Mahle. Unter seiner Rundfunk-Generalintendanz erfolgte am 11. Juni 1950 der erste Spatenstich für das Fernsehzentrum Berlin (FZ) in Berlin-Adlershof. Am 20. Dezember 1951 begannen die ersten Sende- und Empfangsversuche – jedoch nur für Techniker und Fachleute, weil die ersten öffentlichen Fernsehgeräte erst ab dem 29. Juli 1952 aufgestellt wurden. Ein erster kleiner Bildsender wurde im Februar 1952 in Berlin-Mitte auf dem alten Stadthaus installiert und am 3. Juni per Richtfunk mit Adlershof verbunden. Im August 1952 wurde der Rheinländer Hermann Zilles Intendant des Fernsehzentrums.
Der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) hatte bereits ab Juli 1950 erste Fernsehbilder nach dem Krieg auf deutschem Boden ausgestrahlt. An Weihnachten 1952 startete das reguläre Fernsehprogramm aus einem alten Hochbunker in Hamburg. Der Wettlauf der Fernsehsysteme war entbrannt, das Senden zum Erhalt der auf der Kopenhagener Wellenkonferenz 1948 zugeteilten Frequenzen war unbedingt notwendig geworden – auch wenn es kaum Zuschauer gab. In der DDR wurden erste Fernseh-Rundfunkempfänger ab dem 16. November 1952 verkauft. Das Gerät Leningrad kostete anfangs 3500 DDR-Mark, bei einem damaligen durchschnittlichen Monatseinkommen von rund 300 Mark. "


- Zitatende-

Bedingt durch die weitere politische Entwicklung in Europa und die Spannungen zwischen den USA und der UdSSR sowie ihren jeweils dazu gehörigen Verbündeten, etablierte sich mit dem DFF, der später in DDR-FS mit zwei Hauptprogrammen bis zur Wende weiter geführt wurde, ein rein deutschsprachiges Gegenmedium.
" Am 3. Oktober 1969 ging das 2. Programm des Deutschen Fernsehfunks DFF 2 aus Anlass des bevorstehenden 20. Jahrestages der Gründung der DDR als Farbprogramm erstmalig auf Sendung. Damit begann beim Deutschen Fernsehfunk das Farbfernsehzeitalter. Walter Ulbricht eröffnete das Programm mit den legendären Worten „Das II. Fernsehprogramm ist eröffnet“[1].
Durch das hinzugekommene zweite Programm nahm auch die Anzahl der produzierten Sendestunden sprunghaft zu. Produziert wurde in SECAM, bewusst abweichend vom westdeutschen PAL-System. Findige Techniker fanden jedoch bald Möglichkeiten, die DDR-Geräte (erstes DDR-Fernsehgerät war der Color 20, später folgten Rubin und Raduga aus der UdSSR) mittels westlicher PAL-Module umzurüsten (erst viel später wurden in der DDR auch Geräte verkauft, die sowohl SECAM wie auch PAL empfangen konnten). Übertragen wurden die Farbsendungen zunächst nur auf DFF 2. Einige Jahre später wurde auch das Hauptprogramm für Farbsendungen nachgerüstet. "


- Zitatende -


Die eindeutig staats - und linientreuen Verantwortlichen und Mitarbeiter der beiden DDR-Sender gaben sich indes sichtlich Mühe, ein Kontrastprogramm zu den beiden BRD-Anstalten sowie deren Regionalprogrammen auszustrahlen. Dieses hoch gesteckte Ziel wurde indes - so meine feste Überzeugung - nie erreicht. Viele Sendungen waren derart ideologisch eingefärbt und auf eine gewollte Parteilinie getrimmt, dass sie nur selten bis zum Abspann zu ertragen waren. Andere Formate hatten biedere bis spießige Konzepte, die damit nur als light vision des Großen Bruders, des Klassenfeindes, aber klamm heimlichen Vorbildes herüber kamen. Obermuffige Musiksendungen mit Schunkel - sowie Mitklatschorgien, dümmliche Spaß - und Sinn freie Ulksendungen in denen sehr oft die deutschsprachigen Heimatliedträllerer, Schlageraffen oder Herz-Schmerz-Scherz-Drosseln auftraten. Die Unerträglichkeit des Seins im zweiten, im sozialistischen Realismus fand über bewusst konzipierte Adaption der West-Konkurrenz a la' " Einer wird gewinnen ", " Der große Preis " oder " Zum Blauen Bock " ihren Klimax und unterschied sich damit nur durch die Grauschleier des eigentlichen Lebensumfeldes von dem verblödenden Reklame-Konsum-Terrors des BRDlers mit US-amerikanischer Leitkultur.
Das " who is who " im DDR - Unterhaltungseinheitsgepansche liest sich so:



- Zitatende -
Als Hard Core - Ignorant der Unterhaltungsverblödungsshows ab den frühen 70ern, sind mir dennoch viele der Protagonisten im solidarischen Einheitslook noch in sehr guter Erinnerung. Das lag zum einen daran, dass das elterliche Haus auf einer leichten Anhöhe zwischen den endlichen Weiten des Weserberglandes liegt und damit der Empfang des DFF sowie auch später des DDR I - Fernsehens mittels einer auf dem Dachfirst installierten terristischen Antenne möglich war und später eine entsprechende Zusatzantenne auf dem 12 geschoßigen Stundentenwohnheim an der Bremer Universität eben jenen Empfang des DDR - Fernsehens sicher stellte. So konnte ich schon damals locker zwischen 5 Programmen zappen, nämlich der geuten alten Tante ARD, dem Rentner-CDU-ZDF,dem III. Nord oder jetzt N III, dem Regionalprogramm von Radio Bremen Fernsehen und dem DDR I Sender Brocken.
Die Sendeformate ähnelten sich zwar, dennoch hatte das DDR - Fernsehen durch seine Sportanteile eine gewisse Attraktivität. Da übertrug das DDR I schon mal ab 14.00 Uhr bis 22.00 Uhr vier Europapokalspiele der beteiligten Oberligavereine, es gab aus den sozialistischen Bruderländern Liveübertragungen vom Fußball, Handball oder Eishockey und die Großveranstaltungen, wie Olympische Spiele, Weltmeisterschaften oder Europameisterschaften wurde allesamt fast lückenlos übertragen.
Und so sahen die sportorientierten Sendeformate aus:

  • Sport aktuell
  • Sport am Sonntag
  • Medizin nach Noten (Aerobic-Vorläufer)
  • Sport-Arena
  • Sport am Mittwoch (2. Programm)
  • Sportreporter
  • Halbzeit (immer mittwochs)
Die Sportsendungen waren für mich als längst Erwachsener das mit Abstand Interessanteste am DDR-Fernsehen; als Kind jedoch stand das " Sandmännchen " an erster Stelle der Beliebtheitsskala. Jenes spitzbärtige Männlein, das all abendlich ab 18.55 Uhr seine lustigen Gute-Nacht-Geschichten mitbrachte.

So erklang ab 18.55 Uhr auch in der Wohnstube meiner Großeltern über viele Jahre das Original-Sandmann-Lied:


" sandmann, lieber sandmann, es ist noch nicht soweit,
wir lauschen erst dem abendgruß,
ehe jedes kind ins bettchen muss,
du hast gewiss noch zeit!
sandmann, lieber sandmann, hab nur nicht solche eil,
dem abendgruß aus fern und funk,
lauscht jeden abend alt und jung,
sei unser gast dabei!
kinder, liebe kinder, es hat mir spass gemacht,
nun schnell ins bett und schlaft recht schön,
dann will auch ich zur ruhe gehen,
ich wünsch' euch gute nacht! "



Nun, das ist mittlerweile 50 Jahre her. Das Lied - in stark verkürzter, weil Zeit gemäßer Form - ist indes immer noch zu hören.
Während das DDR-Fernsehen einige Monate nach der Wende, dann zunächst erheblich entideologisiert und als DFF fort geführt -seinen Lebenshauch aus gepresst erhielt, lebten einige Protagonisten aus jenen Dekaden in der ARD weiter. So übernahm der MDR aus den Archiven jene Konserven, die er - oft zu bestimmten historischen Anlässen - tröpfchenweise wieder auf die satellitenlaufbahn jagt, in der Hoffnung, so mancher ahnungsloser Westbürger würde damit mehr Verständnis für die Geschichte der Neuen Bundesländer entwickeln; manch verklärt denkender Ossi könnten dadurch die verkleisterten Nachwende-Augen geöffnet werden und der Gruppe der von der Gnade der späteren Geburt betroffenen würde die Geschichte dabei etwas leichter verständlich gemacht.
Eigentlich gehört zu der ARD-Jubelarien-Inszenierung auch ein Teil, dass sich mit der Entwicklung der Vor - und Nachwendefernsehlandschaft in Deutschland betrifft. Hierzu scheinen die Programmfürsten allerdings keine Vernalassung gesehen zu haben. Na, immerhin war ihnen noch in Erinnerung, dass das ARD-Programm seit der Gründung jener Institution auch einmal der Zensur unterlag, nämlich jener, die durch die Westalliierten erfolgte und jener, die von dem verblödenden Adenauer-Kirchen-Diktat erfolgte. Immerhin doch einige Haare in der sonst faden und trüben Programmbrühe seit 1950.


Freitag, 23. April 2010

Die unenedliche Geschichte zur "Waldschlösschenbrücke" wird fort gesetzt.


So ist es im Leben nun einmal: Wat den een sin Uhl, is den annern sin Nachtigall.
Das Plattdeutsche hat aber auch noch andere Plattitüden parat, wenn es darum geht, die menschlichen Unzulänglichkeiten auf die Schippe zu nehmen.
Auf die Baggerschaufel indes müssen seit vielen Monaten wohl jene Damen und Herren genommen fühlen, die sich mit viel medialen Brimborium und noch mehr politischem Getöse daran gemacht haben, die Dresdner Elbquerung in Form der immer noch mehr als ungeliebten Waldschlösschenbrücke in die Tat umsetzen zu wollen. Daran machte sich eine so genannte Bietergemeinschaft " Waldschlösschenbrücke ". Nun wurde - trotz der vielfältigen Einwände - wie wild los gebaut. Was dem Flanierer entlang der Elbe sofort ins Auge sticht, sind die zum Hochsicherheitstrakt ausgebauten Schutzbereiche rund um die eigentliche Baustelle.

Der Kampf um das verloren gegangen Weltkulturerbe wurde jedoch vor allem auf der juristischen Ebene fort geführt. Das zogen die ungezählten Brücken-Gegner alle Register und konnten temporär einen Teilerfolg erzielen. Denn: Auf wundersame Weise fanden sie eine Spezies mit Namen " Kleine Hufeisennase ", die - wohl viele Jahre vor dem Baubeginn - dort gesehen ward und unter die Rubrik der vom Aussterben bedrohten Tierarten fällt. Das sah denn auch das Verwaltungsgericht Dresden so und verhängte einen vorüber gehenden Baustop. Allerdings löste sich dann des Rätsels Lösung rund um jene fast ausgerottete Fledermausart alsbald in Wohlgefallen aus. Die " Kleine Hufeisennase " fand kein Gefallen an Dresdens Elbregion und hatte sich gänzlich aus diesem Stadtgebiet verzogen.
Ergo: Beton frei für die Fortsetzung der Brückenbauarbeiten!

Nun, der Faktor Zeit spielt auch bei einer so chaotischen Bauplanung eine gewichtige Rolle. Das gesamte Gefüge brach auseinander und führte dazu,dass die tätigen Firmen nicht mehr die Materialien - insbesondere den Stahl - geliefert bekamen, den sie bestellt hatten, weil der Hersteller sich inzwischen anderweitig Aufträge an Land gezogen hatte. Es musste des wesentlich teurerer Stahl aus Belgien importiert werden. Dieses führte nun zu erheblichen Mehrkosten. Dieses Geld verlangt nun die Bietergemeinschaft von dem Bauherrn, nämlich der Stadt Dresden.
So formuliert die SZ:


" Die Verzögerungen beim Bau der Waldschlößchenbrücke bescheren Baubürgermeister Jörn Marx (CDU) viel Ärger. Durch den Zeitverzug haben die Baufirmen erheblich mehr Aufwand. Mittlerweile stapeln sich im Rathaus Rechnungen, sogenannte Nachträge, die nicht bezahlt sind. Die Firmen müssen weiter warten.

Was die Brückenbaufirmen von der Stadt fordern

Die Firmen machen Druck, um ihr Geld zu bekommen. So auch die Sächsische Bau GmbH, die an der Spitze der Arbeitsgemeinschaft für den direkten Brückenbau steht. „Wir kämpfen um eine vernünftige Lösung“, so ein Vertreter des Unternehmens gegenüber der SZ. Sogar Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) hatte sich schon des Problems angenommen. Im vergangenen Monat debattierte sie mit dem Technischen Leiter der Sächsischen Bau GmbH, Henry Lossau, und Baubürgermeister Marx darüber.

Forderungen macht aber auch die zweite Firmengemeinschaft auf, die mit dem Tunnel- und Straßenbau auf der Neustädter Seite beauftragt ist. Dazu zählen die Unternehmen Hentschke Bau, Wolff und Müller sowie Teichmann. Offene Nachforderungen belaufen sich mittlerweile auf einen stattlichen einstelligen Millionenbetrag.

„Das ist für uns ein herber Schlag ins Kontor, wenn monatelang nicht gezahlt wird“, sagte einer der Baumanager. Aus Angst vor Konsequenzen will er aber nicht namentlich genannt werden.

Warum die Stadt die Firmen auf das Geld warten lässt

„Die Leistungen, die vertraglich vereinbart wurden, haben wir grundsätzlich pünktlich bezahlt“, versichert der Baubürgermeister. Doch darum geht es den Firmen nicht. Sie wollen den enormen Zusatzaufwand, den sie aus ihrer Sicht haben, vergütet bekommen. Doch die Stadt sieht überhaupt nicht ein, dies in jedem Fall zu tun. Offenbar haben manche Firmen entdeckt, dass die Brückenbaustelle zur Goldgrube werden könnte. Doch die vom Rathaus beauftragten Prüfer monieren, dass in vielen Fällen die Nachweise für die zusätzlich erbrachten Bauleistungen schlicht und einfach fehlen. Kommt es zu keiner Einigung, könnten die Firmen ihre Forderungen nur vor Gericht durchsetzen.

Doch so weit soll es nicht kommen. „Wir wollen eine Lösung finden“, sagt Marx. Am Donnerstag habe er in großer Runde mit Vertretern der Firmengemeinschaft Waldschlößchenbrücke zusammengesessen. Dabei wurde lange über die Forderungen debattiert. „Wir sind auf einem guten Weg“, beteuert Marx. Wie der aussehen soll, will er derzeit allerdings noch nicht erläutern.

Weshalb die Kosten für die Brücke immer weiter steigen

Vor allem der enorme Zeitverzug beim Brückenbau treibt die Kosten in die Höhe. Ursprünglich sollte er 2006 beginnen. Wegen der Querelen um das Großprojekt konnten die Bauleute erst im November 2007 loslegen. Allein für den Stahlbau muss das Rathaus 14,9Millionen Euro zusätzlich hinblättern. Denn der Stahl- und Brückenbau Niesky hatte sich mittlerweile mit anderen Aufträgen eingedeckt. Also musste der belgische Stahlbauriese Buyck als Partner einspringen.

Nicht viel anders geht es anderen Unternehmen. Zumal sie auch aus aktuellen Gründen nicht so richtig vorankommen. So sollte die Stahlbrücke bereits Anfang 2010 über die Elbe schwimmen. Doch daraus wurde nichts, da noch keine Genehmigung fürs Abbaggern des Ufers vorliegt. Erst Ende 2011 wird die Brücke fertig, hofft Marx. Schon jetzt wird davon ausgegangen, dass die Zusatz-Kosten für das 156-Millionen-Projekt bis auf 25 Millionen Euro steigen könnten."

- Zitatende -

Tja, das liebe Geld!
Was allerdings unkoordiniert begann, sich absolut unprofessionell weiter bewegte, das endet nun doch wohl im Planungschaos.
Dem Duchschnittsbürger ist's eh egal, denn wenn er die selbst eingebrockte Suppe nun schon auch selbst auslöffeln muss, sollte sie eben so richtig teuer schmecken.

Dienstag, 20. April 2010

60 Jahre ARD: (k)ein Grund zum Feiern?


Ja,ja,auch das Hauptorgan der medialen Grundversorgung ist längst in die Jahre gekommen. Seit mehr als einer Woche feiert es seinen 60. Geburtstag und damit - in gebührenpflichtiger Weise - sich selbst. Ein Rundumschlag durch die 6 Dekaden, die 720 Monate und mindestens
21900 Tage, an denen - mehr oder weniger - Stunden von ebenfalls mehr oder weniger vielen Sendeanstalten, über Sendemasten auf vielen Sendefrequenzen dem Zuschauer ein dann mehr oder weniger interessantes Programm kredenzt worden ist.
Eine Vielzahl von Sendeformaten, wie es heute so schön professionell heißt,ist mir in Erinnerung geblieben, hieraus einige Folgen aus ungezählten Serien und noch mehr Berichte über eine fast astronomisch anmutende Zahl von Ereignissen.

Die ARD hat nur - schön selektiert nach dem Grad ihres Erfolges - einige der vermeintlichen Highlights aus den Archiven gekramt und sie dem Nachtschwärmern unter den immer noch treuen Glotzern zu später Stunde auf deren Mattscheibe gebannt. Und was da nicht so alles an cineastischen Glanzleistungen aus der Mottenkisten hervor geholt werden konnte. Stolz werden 4 Chargen an - teilweise hoch toxischem - ARD-Müll ausgestrahlt. Immerhin gab es dann auch im Rahmen einer Gala einige Livesequenzen für das dahin vegetierenden Publikum. Fein aufgesplittet nach ihrer Wertigkeit wurden Stars,Sternchen und Kometen von der frustrierten Sabbeltasche Reinhold Beckmann auf die festlich ausstaffierte Bühne gezerrt. Hoch stilisiert und mittels face lifting standen, saßen oder zeigten sich in demutsvoller Bückhaltung, die von dem Zwangsgebührenzahler ständig hoch subventionierten, oft grau melierten oder perma geschminkten Damen und Herren aus den letzten 6 Dekaden der laufenden Bilder.

Welcher Qualitätsstandard von seiten der ARD-Oberen inzwischen als sendefähig angenommen wird, wurde dem gelangweilten ARD-TV-Zuschauer erst letztes Wochenende deutlich vor Augen geführt. Da strahlte das ARD-Unterprogramm RBB eine Verdummungsdarbietung aus der Serie" Mord in bester Gesellschaft ". Da versucht sich - zum wiederholten Male - das " Alp- Trauma " - Duo Fritz und Sophie Wepper aus Bayern, darzustellen, was es heißt unter den Reichen, Schönen und Blöden zu wandeln. Fritze, bald 69jährig,inzwischen eisgrau,aber getönt,mit einer Belastung zum Klerikalen, nachdem er in den 80er wegen Kokain-Konsums und Besitzes einen Denkzettel von der Mama Justitia erhielt, als promovierter Psychiater,den Sherlock Holmes für Steuervermeider zu spielen. Seine Tochter Sophie trägt nur den Namen Wepper und darf so gleich unter gütiger Finanzierung der GEZ-Gebeutelten,ihre nicht vorhandenen Schauspielkünste zeigen. Schlimm, wie ein seit mehr als 45 Jahren den TV-Göttlichen sich anbiedernden Clown, die Verrentung zu vermeiden gedenkt. Ab in den Gulli mit dieser stinkenden Jauche!

Nach dem flauen Donnerstagswiederholungsdebakel setzt das Hauptprogramm " Das Erste " noch eine Verböserungsdrohung dem TV-Glotzer aufs Haupt. " Liebe am Fjord " ist ein tief tauchendes Vergnügen jenseits der Alpen, allerdings in stark nördlicher Richtung. Die Fratzen Schrott, Simon und Feifel - allesamt aus der vierten Reihe der überbezahlten Dauerläufer um die Goldene Zitrone aus dem Allgemeinverblödungshaus Springer & Co - entsprungen, bieten dem glubschäugigen Durchschnittsmichel aus den Altersgruppen 49 bis Scheintot ein abschreckendes Beispiel dafür, wie ein mehrwöchiger Kurlaub in Norwegen aussehen könnte, wenn die ARD die Kosten dafür trägt und dann auch noch ein üppiges Honorar für " nothing " ausspuckt. Da der letzte " Tatort " aus Kiel bereits in den finnischen Weiten spielte, wo ein frustrierter Kieler Kommissar nebst Hauspsychologin und Geliebte, sich in den Wäldern der Suomi-Panorama - Pampa auf die Suche nach einem Toten macht und nebenbei eine einheimischen Massenmörder entlarvt,hätte die gesamte Truppe eigentlich gleich in Skandinavien verbleiben können, um ein Mix aus Kiel-Helsinki-Oslo-Ambiente in die Wohnzimmer der zur Schockstarre geratenen ARD-Fans einzustreuen.

Da durfte eigentlich keine Verschlimmbesserung mehr zu erwarten sein, nachdem das Trio Infernale Milberg- Wepper-Schrott es dem Zuschauer so richtig gegeben haben. Doch weit gefehlt, der " Polizeiruf 110 " am Sonntag, den 18. April 2010, verdunkelte die Mattscheibe nochmals. Was dort in 90 bleiernden Minuten aus der Rostocker Provinz an sinnfreien Dialogen - " Scheiße, war ihr letztes Wort,dann trugen sie die Weißen fort!" - geht nicht mehr auf die berühmte Kuhhaut. Die Gesichter der Darsteller zeigen zwar die notwendige Frische, die Handlung indes war mittelalterlich und das gezeigte Umfeld eine bittere Melange aus HARTZ IV bis Dealer- Luxus.
Nee, nicht noch einmal!

So feierte denn die ARD ab Montag, den 12. April ab 21.00 Uhr sich und ihre größtenteils verrenteten Darsteller. Eine Retrospektive über die Zeit von 1950 bis heute in vier filetierten Riesenhappen wurde dem Nachtschwärmer ab 23.30 Uhr kredenzt.

Auf der eigens zum Jubiläum eingerichteten Seite steht zu lesen:


" Eröffnet wird die erste Lange Nacht mit Peter von Zahn und seiner Reihe "Bilder aus der Neuen Welt". Als Reporter der ersten Stunde berichtete von Zahn in den 50er und 60er Jahren viel aus den USA. Es folgen eine Zusammenstellung von Beiträgen aus den frühen politischen Magazinen – "Panorama", "Monitor" und "Report" – sowie Ausschnitte aus Stefan Trollers "Pariser Journal", in dem er unter anderem über die Hochzeit Edith Piafs berichtet, sowie Beiträge aus der ersten Ausgabe des ARD-Unterhaltungsmagazins "Bitte umblättern" (1965).

Ein Bericht über das Grubenunglück von Lengede und Ausschnitte aus dem ersten Weltspiegel am 5. April 1963 stehen ebenfalls für diese Frühzeit der Magazine. Das Weltgeschehen, aber auch die Entwicklung des Mediums Fernsehen, waren von Anfang an Thema der Kabarettisten. So gibt es in dieser Nacht ein Wiedersehen mit der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, mit Lore Lorentz und Dieter Hildebrandt, mit Gerhard Polt und Mathias Richling. Wer bis zum frühen Morgen durchhält, bekommt nicht nur legendäre Interviews wie das mit Herbert Wehner zu sehen, sondern auch die "Tagesschau" vom 10. November 1989, dem Tag der Maueröffnung, ein "Best of" aus "ZAK", dem innovativen Magazin mit Friedrich Küppersbusch, sowie Ausschnitte aus Brennpunkten, zum Beispiel zum Tod von Lady Di. "

- Ziatatende -

Zu Beginn des Fernseh-Siegeszug hatte der mörderisch schwere, klobige Kasten in den Wohnzimmern der auf Vergessenwollen eingerichteten Westrepublik, einen völlig anderen gesellschaftlichen Wert. Es gab zwar die Kinos,es gab schon Phonogeräte,es gab auch jede Art von Literatur, aber die Glotze war nun einmal neu. Schon orakelten die Lobbyisten, die Moralisten und Alt -Faschisten, dass das deutsche Volk mit dem Fernsehen ein Medium vorgesetzt bekommt, welches nur Unheil über das Selbige herbei führt.

Inzwischen ist der einstige aus Holz hergestellte Kasten mit dem riesigen Innenleben zwar auf Leinwandgröße gewachsen, dessen Technik ein Grundstudium in Elektronik und EDV erforderlich macht und dessen Preis nicht mehr dem eines Jahresverdienstes des 48 - Stunden -Malochers entspricht, dennoch nahm mit der Verbreitung des so populären Fernsehens auch die Qualität der gezeigten Beiträge exponential reziprok ab. Unter irdische Formate bestimmen den Fernsehtag, durch setzt mit Informationssendungen von allenfalls einer halben Stunde und einem während diverser Großereignisse ( Olympische Spiele, Fußball - WM/EM ) nicht mehr auszuhaltenen Wiederholungsmarathon.

Der Fernsehabend ist längst kein familiäres tete a tete mehr. Dafür haben das Einzelkind mit seinem Drittgerät und die Sport desinteressiert LAG - mindestens 10 bis 15 Jahre jünger als ihr Wirtstier - schon gesorgt. Jeder konsumiert, wie ihm gerade ist.
Wo damals Großkopferte, wie H.-J. Kulenkampff, Ernst Huberty ( Mr. Sportschau ) oder Werner Höfer ( Mr. Frühschoppen ) viele Millionen in ihren Bann zogen, rangeln heute ungezählte Sender mit Beiträgen um Quote, Moneten und Einfluss.

Liefen vor 60 Jahren die Bilder noch in schwarz-weiß, dann in Farbe und alsbald mit Stereo-Tonqualität, so brüllen die Werbeblöcke heute in HDTV in das High-Tech-Domizil hinein. Die einstigen Aufnahmetechniken waren bescheiden, die Kameras hatten die Größe eines heutigen Kleinwagens und die Beiträge wurden zeitweise von den Radakteuren oder ihren Hilfskräften via per pedes in die Studios gebracht.

Aus den sechs Gründungsanstalten sind inzwischen neun Sender geworden. Die Sendezeiten haben sich von damals nur wenigen Stunden auf ein 24-Stunden-Programm erweitert. Damit vervielfachte sich natürlich auch die Anzahl der Beiträge mit niveaulosen Inhalten. Aus dem bunten Strauß der Beliebigkeiten können auch solche Zuschauer etwas heraus suchen, deren IQ jenseits des Gefrierpunktes liegt. Ob es nun die Klatsch - und Schunkelorgien aus dem Stall Silbereisen/Borg/Schenk und Konsorten sind, die Schmalz triefenden Verfilmungen der Uta Danella oder US-Importe a'la " Dallas ", sie alle wurden durch die ARD zum Dauerevent aufgebauscht.

Was einst bieder und sittsam begann, dann in den Endsechzigern zu einem revolutionären Umdenken der Programmstrukturen führte und heute sich überwiegend inhaltsleer zeigt, sind die viel zu vielen - so genannten - Talksendungen. Der Internationale Frühschoppen mit fünf Journalisten aus vier Ländern plus eines Über-Talkers Werner Höfer war ein Muß für jeden ARD-Fan. Später kam die Sendung " 3 nach 9 " hinzu, in der es schon einige Male hoch her ging. a wurden die geladenen Gäste mit Rotwein, Wasser oder sogar Zaubertinte malträtiert. Da wurde in den 70er die Einladung des Schauspielers Klaus Kinski für den Moderartor Reinhard Münchenhagen in der Sendung " Je später der Abend " zu einer Herausforderung, die an die Grenze des juornalistisch Erträglichen zu gehen schien, weil Kinski nicht eine gestellte Frage beantwortete und er den gutmütig erscheinenden Reinhard permanent mit " Herr Münchhausen " anredete.
Auch die " NDR Talkshow " oder " vormals unter " N III Talkshow " produzierte Quasselrunde hatte für den Zuschauer einige Bonbons in der Tüte:


" 1985 stürmten Randalierer während der Sendung die Talkrunde, als N3
(heute: NDR Fernsehen) vom Hamburger Fischmarkt sendete. Kurze Zeit
später wurden die Randalierer vom Sicherheitspersonal entfernt.

1985 fragte der Schauspieler Klaus Kinski die Moderatorin Alida Gundlach
immer wieder nach ihrer Unterwäsche.

1987 enthüllte die italienische Pornodarstellerin Ilona Staller ihren Busen vor
laufender Kamera.

1992 kam es in der Talkshow zu einer Auseinandersetzung zwischen der
Politikerin Angela Merkel und der Schriftstellerin Karin Struck. Struck,
erbost über die Diskussion der anderen über das Thema Abtreibung, riss sich
das Mikrofon vom Körper, schleuderte es ins Publikum und warf ein gefülltes
Glas Rotwein hinterher. Das Glas traf eine Zuschauerin. Dann verließ Struck
das Studio. "

Inzwischen sind die unzähligen Plauder-Langweiler nicht mehr aus den Programmen der ARD weg zu denken, dafür aber zu einer einzigen Bühne zur Selbstdarstellung der geladenen Gäste verkommen, die mit wohl temperierten, artigen Fragen und einer Softlan-weichen Moderation eher zum Einschnarchen animieren, denn zu hinsehen.

Zu einer wahren Plage entwickelten sich - parallell mit den privaten Sendeanstalten - die " Kochshows ". Was einst der gute, jedoch unehrliche Clemens Willmenrod in den frühen 50er den noch überwiegend unterernährten Nachkriegswestdeutschen vorgaukelte, landete wenige Tage später auf den Nierentisch der vier - bis sechsköpfigen BRD-Familie. " Toast Hawaii " war nicht nur seine Kreation, sondern wohl auch das Zuschauer freundliche " Ihr Liebsten " als förmliche Anrede.
Einige Jahrzehnte darauf kann konstatiert werden, dass die Zahl der Wilmenrods in eine vierstellige Dimension angestiegen ist, die Rezeptflut schon inflationären Charakter angenommen hat, die Mehrzahl der Zuschauer jedoch die edelne Zutaten mangels Zahlungsfähigkeit, Lernbereitschaft und Intelligenz permanent im Sinkflug ist. Noch nie bestand zwischen medialem Anspruch und der brutalen Realität eine derart große Diskrepanz.


So säuselt, nölt, palavert es auch in der ARD meist rund um die Uhr. Da werden flugs Journalisten/innen rund um den Globus verschickt, um unsinniges Belangloses über andere Länder, Bewohner oder Ereignisse abzusondern. Da werden kostspielige Beiträge vor, hinter und neben den idyllischen Landschaften, mondänen Bauten und tristen Einöden produziert, um inhaltslose Handlungen zumindest optisch aufzupeppen. Da werden hyper-teure technische Ausstattungen eingesetzt, um Übertragungen, Einspielungen und Rückblenden bei, von und über Großereignisse aufzuplustern.

Wenn auch die Programmvielfalt zugenommen hat, so lief jene quantitative Veränderung nicht parallel zu deren Qualität. Was der westdeutsche, angemeldete Teilnehmer auf das vormals recht überschaubare Rundfunk - und Fernsehtablett gelegt bekam kostete ihn zu Beginn nur 2,-- bzw 5,-- DM und ist auf die gesamtdeutsche Bestmarke von 17,98 € angeschwollen. Was nach Adam Riese einer Verfünffachung innerhalb von sechs Dekaden entspricht.

Das Bundesverfassungsgericht - als oberster Hüter der Meinungsfreiheit - hat in einer Vielzahl von Entscheidungen den Öffentlich-Rechtlichen den grundgesetzlichen Auftrag der Grundversorgung zuerkannt. Unter dieser Prämisse sollte auch die Existenzbereechtigung der ARD zu sehen sein: Grund? Versorgung der vielen minder begabten Schauspieler und deren familien sowie der weiteren ARD-Mitarbeiter/innen!






Frühlingsimpressionen




Ein Blick in den Garten lässt auch den letzten Pessimisten verstummen. Es grünt, es blüht, es wächst - und zwar überall. Der Frühling hat zu lange auf sich warten lassen. Nun beeinflusst er das Leben der Bewohner der Nordhalbkugel.Wenn auch dort nicht überall, so zeigen sich zumindest in unseren Gefilden, die bekannten Frühlingsboten.


Doch noch ehe der Gartenfreund sich über die leuchtend blühende Pracht so richtig erfreuen darf, sind jene botanischen Vorboten der ersten Jahreszeit wieder aus den Beeten, dem Vorgarten und vom langsam wachsenden Grün des Rasens verschwunden.


Wo vor einigen Wochen noch die Schneeglöckchen, die viel farbigen Krokusse und die Märzenbecher ihre Blüten öffneten, es jetzt nur noch das Blattgrün zu sehen.

Die Natur gibt uns nur eine sehr begrenzte Zeit, um sich an den ungezählten botanischen Kreationen satt zu sehen. Schon bald erfolgt ein quasi fliegender Wechsel zu völlig anderen Blumen. Ab April folgt die Zeit der Tulpen, der Narzissen und Christrosen.
Die - nicht weniger prächtig - den Frühblühern zuerst den Platz streitig machen,um sie alsbald zu verdrängen.


Auch wenn die bunte Pracht von nur sehr begrenzter Dauer erscheint, so ist eines jedoch auf jeden Fall gewiss:

" Wir kommen wieder, keine Frage. Frühling ist nicht alle Tage! "

Poetischer drückt es eine Lyrikerin so aus:

Blumen sind was Wunderschönes,
erfreuen unser Herz.
Begleiten uns das ganze Leben,
in Freude und im Schmerz.
Schon zur Geburt und an allen Freudentagen,
zum Abschied sie ans Grab getragen.
(Elvira Christina Westphal)



Wer sich der eher humanistischen Ebene hingibt, käme auf die Idee, mit den Blumen die menschlichen Schwächen abstellen zu wollen:

Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit.
Ein bisschen mehr Güte und weniger Neid!
Ein bisschen mehr Wahrheit immerdar,
und viel mehr Hilfe in Gefahr!
Ein bisschen mehr "Wir" und weniger "Ich".
Ein bisschen mehr Kraft und nicht so zimperlich!
Und viel mehr Blumen während des Lebens,
denn auf den Gräbern sind sie vergebens!



Und einiger uralter Sprüche für das einst so heiß geliebte Poesiealbum entsprechend, dass - überwiegend von den Mädchen geführt und gut versteckt vor den Eltern - so manchen Hobby-Lyriker in Verzückung brachte. Fanden sich dort eben jene regelmäßig abgeschriebenen Herz-Schmerz-Pubertätsjahre-Verse wieder:

Rosen, Tulpen und Narzissen,
alles darf die Mutter wissen,
nur das eine nicht,
dass ein Junge die Melanie küsst.

zurück nach oben!!!
Rosen, Tulpen, Nelken,
alle Blumen welken,
aber nur die eine nicht,
und die heißt: Vergissmeinnicht.


zurück nach oben!!!
Rosen, Tulpen, Nelken,

alle drei verwelken,
aber wie das Immergrün
soll stets unsere Freundschaft blühn.


zurück nach oben!!!
Rosen, Tulpen, Nelken,
diese drei verwelken,
Stahl und Eisen bricht,
aber unsere Freundschaft nicht.

zurück nach oben!!!
Rosen, Tulpen und Narzissen -
ich werde dich bestimmt vermissen,
wenn wir mal auseinandergehn.
Doch sicher gibt's ein Wiedersehn.