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Mittwoch, 31. März 2010

Der 1. April 1960 war ein....?


Wenn ich dem Jahrgang 1953 angehöre, so stellt sich damit unweigerlich die Frage nach der Einschulung. Einst in den ersten beiden Nachkriegsjahrzehnten, gab es noch die so genannte Stichtagsregelung für die Beantwortung, wann ein Kind eingeschult werden muss. Wer bis zum 30. 06. eines Jahre geboren war, konnte mit 6 Jahren zur Schule gehen, wer danach das Licht der Welt erblickte, jedoch erst mit 7 Jahren. Schulbeginn war jeweils der 1. April des Jahres.

Am 1. April 1960, einem Freitag, war es dann soweit. Eine weitere Stufe meines Lebens hatte ich erreicht: Ich wurde eingeschult.

Und da dieses Ereignis nun zum 50. Mal jährt, sollte es über einen Blog-Eintrag gebührend gewürdigt werden. Also drehe ich das Rad der Geschichte um jene 50 Jahre zurück, in das Jahr 1960.

Westdeutschland feiert immer noch die letzten Zuckungen des Wirtschaftsaufschwungs und damit sich selbst. Die ungezählten Nachkriegskinder haben darunter - mehr oder minder stark - zu leiden. Viele leiden deshalb, weil ihre Eltern mehr mit ihrem materiellen Wohlergehen beschäftigt sind, als mit der Pflege der eigenen Brut.Es sollte sehr oft das Versäumte, das Verlorene, das Verhinderte nach geholt werden. Die Nachkriegsereignisse blieben bei den Eltern ebenso haften, wie jene Geschehnisse aus dem II. Weltkrieg. Die Versorgung des eigenen Nachwuchses überließ die Kriegsgeneration alsbald den eigenen Eltern.Für jede delegierte Stunde des Versorgens, Betreuens und Erziehens konnte so mancher Doppelverdienerhaushalt für die eigenen materiellen Wünsche arbeiten. Die oft gerühmte Großfamilien, in der drei Generationen unter einem Dach lebten, sie funktionierte noch.



Da war die Einschulung natürlich ein großes, wohl organisiertes Familienfest.Die obligatorische Schultüte, die es in drei verschiedenen Größen und zwei Grundfarben mit drei abweichenden Abbildungen gab, stellte dabei eher das geringste Problem dar.Entscheidender hierbei war der Inhalt. Auf die Füllung kam es an. Die Auswahl an passenden Artikeln aus Schokolade, also an Süßigkeiten war sehr überschaubar. Deshalb kam sehr oft eine Federmappe, ein Bleistiftspitzer oder ein Tuschkasten der Firma Faber bzw. Pelikan in den Trichter hinein.
Damit bestückt, einen Lederranzen auf dem noch zarten Rücken und eine Mütze auf dem fast kahl geschorenen Kopf, ging zusammen mit unserer Mutter und der Großmutter zur Volksschule Heeßen. Einst stand nur das aus Sand - und Backsteinen erbaute Gebäude dort, umringt von sehr alten, riesigen Pappeln und einem aus Stein errichteten Zaun.

Der 1. Schultag verlief dann streng durch geplant. Die Erstklässler fanden sich mit einem oder manchmal so mit beiden Elternteilen auf dem unteren Flur des Schulgebäudes ein. Dort hielt der Schulrektor eine kurze Ansprache, dann erfolgte die Einteilung nach Klassen und die Vorstellung der Klassenlehrer.Diese gaben den Stundenplan bekannt, der wiederum an den Elternteil ausgehändigt wurde. Dann wurde noch eine Bücher - und Materialliste verteilt und anschließend eine Sitzordnung erstellt. Die Klassenlehrerin verabschiedete kurz darauf die Kinder und diese traten den Heimweg mit den Eltern an. Unspektakulär verlief auch der zweite Schultag, ein Samstag. Für einige Jahre wurde auch an diesem Tag unterrichtet, wenn auch nur bis 12.00 Uhr.

Einmal auf der Suche nach der Vergangenheit kramte ich in den vielen Zeugnissen herum, die ich inzwischen abgelegt hatte. Und.. siehe da, das erste " Zeugnisheft ". in einer PVC-Schutzfolie eingelegt, befand sich dort in jenem Aktenordner wieder. Ein Blick auf das einfache DIN A 5 große Heft zeigte mir. dass eben die 50 Jahre auch hier nicht spurlos vorüber gegangen sind. Kleine " Eselsohren " zierten das Zeugnisheft, das
sich zudem leicht vergilbt zeigte. Das Aufklappen brachte dann einige Informationen zu den einstigen Familiendaten zum Vorschein. Neben dem eigenen Namen, das Geburtsdatum und den Geburtsort, befanden sich auch Angaben über die Konfession, den Namen des Vaters und - sehr wichtig - dessen Beruf.

Ein Umblättern führte mir dann die knall harte Realität vor Augen: Ich war kein guter, eher ein durchschnittlicher Schüler mit nur mäßigen Noten. Die Mehrzahl der Noten waren " nur " 3 " und " 4 ". Tja, das lag wohl auch an meiner Faulheit, meiner gezeigten Zurückhaltung und den Lehrern. Was Schulnoten, was Zensuren und was Zeugnisse tatsächlich bedeuten, habe ich nie so richtig erschließen können. Das wahre Leben zeigte mir nämlich sehr bald, dass es zum überwiegenden Teil auf andere Dinge ankommt. Als da waren, sind und auch bleiben: Elternhaus, soziale Herkunft sowie eigene Erziehung!

Dienstag, 30. März 2010

Vom Jugendblatt zur Päderisten-Lektüre?







Vor mehr als 45 Jahren hatte ich sie zum letzten Mal in meiner Hand: die
BRAVO! Jenes, dann immer bunter werdende Heft für die Mode bewusste Jugend. Das Teenager-Informationsorgan der freien Mehrheit, des noch zweigeteilten deutschen Volkes kostete zu dieser Zeit eine halbe Deutsche Mark, ergo: fünfzig BRD-Pfennig! Das Heftchen war Jahre zuvor für viele Jugendliche ein Muß, es war Kult und gehörte in jedes eigene Zimmer - sofern vorhanden.
Die entstehende Sammelwut der Leser, die sich daraus ergab, dass mit der neuen Ausgabe eine Seite dem aktuellen Starschnitt gewidmet war, führte zu wahren Kämpfen an den Kiosken, den Tabak - und Zeitschriftenläden oder den Bahnhofsshops. Wer zuerst da war, der erhielt natürlich die wöchentlich erscheinende BRAVO-Ausgabe auch als Erste(r). Damit konnte leicht und locker gegenüber den Freunden angegeben werden. Der prägnante Satz hierzu lautete: " Hast'e schon die neue BRAVO? "

Was waren das ab Mitte der 60er für großflächige Wandverzierungen: Pierre Brice als Winnetou, Lex Barker als Old Shatterhand, Francoise Hardy, die französische Bänkelsängerin, Manuela, die bundesdeutsche Schlager-Träller-Liese, Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich, die schier unaussprechliche Pop-Formation aus dem fernen England oder " The Beatles ", " The Rolling Stones "; nicht zu vergessen " The Kinks "? Auch Schauspieler, wie Diana Rigg - mein heimlicher Schwarm -, ihr männlicher Pendant Patrick McNee, als Ms. Peel und John Steed aus der Kult-Serie " Mit Schirm, Charme und Melone " oder Dietmar Schönherr alias Commander Cliff Allister Mc Lane, seine verbotene Liebe im Raumschiff Orion, die Sicherheitsoffiziersfrau Tamara Jagelovs, gespielt von Eva Pflug, selbst die spätere CDU-Sponsorin und inzwischen perma-geliftete Allrounderin aus München Uschi Glas wurden von mir ausgeschnitten und gesammelt.
Sie alle pappten irgendwann vor grauer Vorzeit an den Wänden des eigenen Zimmers. Stolz wurden sie den Freunden gezeigt.

Dann war da noch die wöchentliche " BRAVO " - Hitparade, die von Radio Luxemburg ausgestrahlt und über den knackenden, rauschenden und zirpenden MW-Empfang des Truhen förmigen " Grundig " - Radios mit einem Herzklopfen verfolgt wurde. Der Moderator hieß einst Camillo Felgen und sagte mit sonoriger Stimme, zwischen Werbung und sonstigem Gedöns, die Platzierungen der Lieblinge von damals an. Ein absolutes High-Light der ansonsten streng, züchtig und auf Gehorsam gedrillten BRD-Jugend.

Dann kam die wilde Flower & Power - Phase, die Zeit der Hippies, Gammler und Beatniks. Der Musikgeschmack änderte sich. Die ersten Stücke, die der reaktionären luxemburgischen Sender - Zensur anheim fielen waren: " The ballad of the green barets " von dem singenden Prediger Barry Sadler, die deutsche Version von - horch, horch! - Freddie Quinn: 100 Mann und ein Befehl " und natürlich " Je't aime, moi non plus " von Jane Birkin und Serge Gainsbourgh. Letzteres Lied deshalb, weil beide vocalistisch den Geschlechtsakt in die Rille pressen ließen. Unerhört! Ein Skandal! Nicht nur für Frooonkreisch, Duitschland oder die Schwyz, nein, auch das ober prüde Amerika klinkte sich gleich in jene Staatengruppe, die den Bannstrahl der klerikalen Trommler und Menschen verachtenden Oberlehrer auf jenes - eher harmlose - Gesäusele des französischen Duos aussenden wollten, mit ein.

Tja, und dann noch eine Rubrik in den Ausgaben der " BRAVO ", die einst mit " Fragen an Dr. Sommer " tituliert, zu jenen großen und kleinen Problemchen der pubertierenden Geamtleserschaft - oft nur unverbindlich - Auskunft erteilen sollte. Die angeblich " sexuelle " Revolution ab Mitte der " roaring sixties " ließ auch das Teenager-Magazin nicht ganz sprachlos werden. Was im Elternhaus peinlich verschwiegen, hinter dem zu gehangenen Schlüsselloch versteckt und auf zart errötende Fragesteller/innen - im besten Fall - mit: " Darüber spricht man nicht! " abgetan wurde, konnte der neugierige, Pickel suchende und von Hormonschwankungen geplagte Jugendliche, in der " BRAVO nach lesen.

Der Aufklärungsfaktor war hoch, weil neben diversen - oft ungelenk ausformulierten - Bedürfnissen, über festgestellte körperliche Veränderungen, wie Menstruation, Stimmbruch und Achselschweiß, auch einige bebilderte Antworten gegeben wurden. Pädagogisch holte die " BRAVO " über viele Jahre die Versäumnisse der immer noch in Schockstarre verfallenen Eltern - oder Großelterngeneration nach, die sich zudem dafür schämten, mit dem Möderpack der Nationalsozialisten auf die falschen Heilsbringer gesetzt zu haben. Dafür wurden ihre Kindern eben genau so falsch erzogen, wie sie es selbst erlebt hatten.

Während die materiellen Versuchungen mit zunehmenden Wohlstand größer wurden, der Auslandsurlaub, das eigene Auto und in zunächst nur einfaches Einfamilienheim alsbald auf den Wunschlisten ganz oben stehend, doch manchmal so gar in Erfüllung gingen, blieben die elterlichen Pflichten im Verborgenen. Die Mehrzahl der Kinder - oft waren es zwei, drei oder vier ( Stück ) - erzogen sich selbst und blieben mit ihren altersbedingten Problemen genau so oft allein - natürlich auch mit der Sexualität.

Da half die Teenager-Postille zum richtigen Zeitpunkt nach. Flankiert von den öffentlichen Kampagnen des " Aufklärungspapstes " Oswald Kolle, den " Skandal " - Kinofilmen a'la'" Helga " und dem Schmuddel-Image behafteten Veröffentlichungen in dem hamburger Sex-Blatt " St. Pauli Nachrichten ", gelang es der " BRAVO " eine große Zahl von wissbegierigen Unaufgeklärten, die Geheimnisse der biologischen Metharmorphose von Kind - Kindfrau - zur Frau und Junge - Jungmann - zum Mann näher zu bringen. Die " BRAVO " war über lange Zeit institutionalisierte Gegenkultur im DIN A4 - Format. Heimlich gekauft, unter der Bettdecke bei Taschenlampenschein gelesen und sorgfältig unter der Matratze im Verborgenen gehalten, frönte sie über einige Jahre ihr standardisiertes Dasein, so auch in meinem zweigeteilten Zimmer; solange, bis ich die jeweils aktuelle Ausgabe durch gelesen, sämtliche unkeuschen Leserbriefe, deren Antworten von Herrn Dr. Sommer oder die zusätzlichen Illustration zu den menschlichen Geschlechtsorganen mir näher gebracht hatte. Danach durfte sie mein jüngerer Bruder auch lesen.

Die Jahre verflogen, die Interessenlagen änderten sich, die BRD-Gesellschaft unterlag dem sozio-kulturellen Wandel. Was einst nur unter dem Ladentisch, aus einer gut getarnten Kiste des Warenlagers oder beim Frisör nach Ladenschluss verkauft wurde, gehörte alsbald zum Angebot jedes Zeitschriften führenden Geschäfts: Sex-Blätter, Porno-Hefte und die " BLÖD " - Zeitung mit ihren barbusigen Null-Acht-Fünfzehn -Cover-Girls. Das Thema Sexualität erhielt eine andere Wertigkeit in den Medien. Die Veröffentlichung diverser Geschichten aus jenem zwischenmenschlichen Genre, ob nun über einen Star, Promi oder Pseudo-Schickeria-Zugehörigen, sie alle ließen es sich mit ihren erlebten, erlittenen und erlogenen Herz-Schmerz-Kommerz - Stories kaufen. Je einfältiger, plumper oder naiver ihre Schilderungen in den ungezählten Gazetten gedruckt wurden, desto höher der voyeuristische Faktor der darbenden Bevölkerungsmehrheit. Weil das eigene Leben eher trist, freudlos und oft inhaltslos vorbei rauscht, müssen zumindest die Regenbogen-Postillen einige Farbtupfer setzen.

Was längst in der Erwachsenwelt zum unspektakulären Alltag zählt, wird nun über die " BRAVO " auch in das High-Tech-Jugendzimmer transportiert: Sex in allen Variationen. Vom Petting, über den - vor den Objektiven der Free-Lance - Shooter - simulierten Geschlechtsakt bis zur Gruppensex-Party - nichts scheint unmöglich, dank " BRAVO "!
Da ranken sich zarte, noch halb kindliche Körper, voll enthaart, modisch tätowiert und turbo - gebräunt, geliftet, geschminkt und gepierct umeinander, zeigen sich in eindeutig - zweideutiger Pose auf diversen Möbelstücken oder in unterschiedlichen Räumen. Sex as Sex can?

Bei derartig vielseitiger Frischfleischbeschau, die die Auflage steigernd und Profit maximierend, der angesprochenen Altersgruppe kredenzt wird, können die Erwachsenen nicht teilnahmslos zur Tagesordnung über gehen. Flugs meldete sich das moralische Gewissen, des permanent überforderten Wertkonservativen in Gestalt selbst ernannter Retter der abendländischen Glaubenskultur und gab folgendes Pamphlet als Lachnummer zum Abschuss frei:

" Appell an

Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Köhler

Bundespräsident Dr. Horst Köhler

Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel

Stoppt endlich BRAVO!

Sehr geehrte Frau Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Köhler,

sehr geehrter Herr Bundespräsident,

sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin !

Die Jugendzeitschrift BRAVO - die meistverbreitete in Deutschland - wird nach Angaben des Verlages von Kindern ab sechs Jahren gelesen (Presseerklärung vom 29. Juni 1999). Diese Tatsache ist erschreckend, wenn man die Inhalte dieses Blattes kennt:

* Jede Woche werden ein Junge und ein Mädchen splitternackt abgebildet, die dabei über ihre Sexualabenteuer berichten. So gut, wie in jeder Ausgabe werden Jugendliche beim Geschlechtsverkehr gezeigt.

* In jeder Ausgabe gibt es Berichte über Themen wie „Kamasutra“, „Erotische Ausstrahlung“, „Oralsex“ usw. usf., natürlich mit den dazugehörigen Erotik- und Nacktfotos, abgesehen von sexuellen Perversionen, wie beispielsweise Fesseln und Sadomasochismus.

* Bizarres wird als „cool“ und „toll“ dargestellt, wie beispielsweise die „Rock-Party“ der Punk-Gruppe „Tokio Hotel“, die zu einer Zerstörungsorgie wurde. Die Liste solcher Beispiele könnte man beliebig erweitern.

Gegen diesen Skandal muß ernsthaft etwas unternommen werden. Deshalb bitte ich Sie, als zuständige Bundesministerin für die Jugendlichen in Deutschland, mit Ihrer Kompetenz das Möglichste zu veranlassen, damit diesem wahren Massaker an der Kindheit Einhalt geboten wird.

Mit freundlichen Grüßen "


- Ende des Zitats -


Hoho, " ... Massaker an der Kindheit.. ", dem " Einhalt geboten " werden muß.

Tatsächlich?

"... Sexuelle Perversionen, wie beispielsweise Fesseln, Sadomasochismus.. ", werden hier angeprangert. Nun, ja, es muß nicht gleich die gesamte Palette der Erwachsenen-Sex - Variationen adaptiert werden. Nur, wo ein Wille zum Anschauen von vermeintlich ungeeigneten Material, da auch ein Weg zur Umsetzung jener behaupteten Gelüste. Aber, sind es wirklich die jeweils inne wohnenden unmoralischen Triebe, die hier geweckt, gefördert und gezeigt werden?

Da scheint die eigene Jugend bei jenen klerikalen Amöben doch schon soweit entrückt zu sein, dass sie den Folgegenerationen, außer verquasteten Moral - und Sittenvorstellungen, rein gar nichts an brauchbaren Lebensinhalten vermitteln können. Unter der immer noch geltenden Prämisse, dass zwischen Theorie und Praxis ein Himmel weiter Unterschied besteht, dürfte der oben zitierte Appell an die Politik zur Schmierenkommödie verkommen, wenn nämlich damit auch gleichzeitig die aktuelle Berichterstattung über die kirchliche Päderistenszene im Schutze des Doms, der Sakristei und sonstiger " heiliger " Räume der beiden größten, vom Staat alimentierten bundesdeutschen Sekten, zur Sprache kommt. Was inzwischen - mittels öffentlichen Drucks - peu a peu an das Tageslicht kreucht, scheint zwar für viele, naive BRD-Michel, unfassbar zu sein, entspricht allerdings der gängigen Verfahrensweise seit den 50er Jahren.

Um jenen Schmutz, jene verlogene Doppelmoral und die methodische Vertuschung aus den Reihen der Pfaffen in Gänze erfassen zu können, bedarf es einiger tausend " BRAVO " - Hefte, jedoch in ihren Inhalten der Jetztzeit angepasst und nicht, wie vor mehr als 50 Jahren.

So gilt denn auch hier die Plattitüde: " Wer im Glashaus sitzt, der sollte nicht mit Steinen werfen! " Bezogen auf die Initiatoren des vor beschriebenen Aufrufs, im DVCK e.V. ( Deutsche Vereinigung für eine christliche Kultur ) trifft jene Lebensweisheit nicht nur zu, sondern lässt sogar die Feststellung erkennen, dass der eigene Dreck am Stecken nicht dazu dient, ihn auf andere Menschen zu werfen. Oder sollte etwa nur das Verhalten als christlich gelten, was zur Zementierung der eigenen Position in der materialistischen Gesellschaft führt?










Montag, 29. März 2010

Kjaersgaard,Westergaard,Dänemark - Rechtspopulismus auf dem Vormarsch.


Die Nachbarn am nördlichen Zipfel dieses, unseres Landes, sind schon ein eigenartiges Völkchen. Nicht nur, dass sie während der Sommermonate von Hunderttausenden aus den Sonne, Meer und Erholung suchenden Bundesländern des großen Gesamtdeutschland heim gesucht werden, nein, jetzt droht auch noch eine permanente Übervölkerung durch die inzwischen aufgenommenen Kriegsflüchtlinge aus einigen arabischen Ländern. Die neuen Unbill einer Überfremdung erfolgt jedoch schleichend. Nicht, wie einst über die in das Kernland einziehenden Bewohner Grönlands und der Faroer Inseln, die dem reichen Mutterstaat ein wenig aus den prall gefüllten Geldbeutel ziehen möchten, sondern über schmarotzende Asylbewerber, die zudem auch noch ihre völlig fremde Religion, den Islam, sonstige Sitten und Gebräuche und als I-Tüpfelchen auch noch den Terrorismus mit brachten.

Dagegen muss sich ein guter Däne, ein wahrer Nordmann, ein Prototyp des arischen Übermenschen mit allen Mittel zur Wehr setzen. Weil der materielle Wohlstand dieses nordischen Volkes einst sehr oft zu ausschweifenden Orgien, Trinkgelagen und Kriegen geführt hat, musste es sich in den letzten 50 Jahren des vorletzten Jahrhunderts bei den von den USA initiieretn Anti-terror-Krigen dezent zurück halten. Die konstitutionelle Monarchie zeigte sich deshalb auf dem internationalen Parkett der Weltkrisenbewältigung mehr als bedeckt.

Da fürhte indes dazu, dass der gemeine Däne, sofern er überhaupt zur Wahl ging, seit einigen Jahren auf den patrionischen, ja sogar auf den nationalistischen Politiker in seinem Land setzt. Wer hier die richtige Meinung zur rechten Zeit ins rechte Licht rückt, der kommt bei den Wohlstandsbürgern in Kopenhagen und drum herum gut an.

So entwickelte sich nicht von ungefähr ein politischer Trend, der über den rechtskonservativen Ex-Ministerpräsident und heutigen NATO-Generalsekretär Anders Fog Rasmussen personifiziert wurde und deren Exponenten in weiteren, noch reaktionäreren Kreisen sowie Parteien, keine Gelegenheit auslassen, um in der Öffentlichkeit über den Untergang der abendländischen Kultur zu lamentieren.

Während der von aufgebrachten Mohammedanern beim Leben bedrohte Karikaturist Kurt Westergaard seit der Veröffentlichung seiner Propheten-Zeichnungen unter ständigen Polizei - und Personenschutz steht, wurden nun Nachrichten verbreitet, wonach die rechtsradikale Politikerin Pia Kjaersgaard von muslimischen extremisten ermordet werden sollte. Kjaersgaard gehört der nationalistischen Volkspartei an, aus deren Reihen anti-islamische Hetztiraden, Lügen und hanebüchener Schwachsinn verbreitet werden. So behauptete ein Angehöriger dieser faschistoiden Politksekte doch tatsächlich, dass muslimische Väter ihre Töchter töten oder von Verwandten vergewaltigen ließen.

Bei soviel Intoleranz muss sich die blonde, blauäugige Normannin nicht wundern, dass jene Märchen eine gewaltige Gegenreaktion hervorrufen. So muss sich die inzwischen 63jährige Parteichefin der Dansk Folkeparti denn auch erhebliche Kritik in den eigenen vier Wänden gefallen lassen. Kjaersgaard wurde unter anderem angelastet, dass sie sich nicht konsequent von jenen geistigen Verrenkungen eines Teils ihrer Parteifreunde distanziert. Ein Kommentator einer dänischen Zeitung formulierte zu den Bestrebungen, die DF in das " Koalitionsboot " zu nehmen und dabei Kjaersgaard zur ultusminsiter zu ernennen so: "Sie kann ja gerne Ministerin für Volkstanz werden, aber von dem Rest versteht sie nicht die Bohne."

Deutlicher lässt es sich kaum ausdrücken, auch wenn die blonde Hausfrau als Rolle der Rechtspopulistin in breiten Kreisen der Bevölkerung einen hohen Sympathiewert genießt. Der Plebs war immer schon Trommlern und hrasendreschern sowie rechtsradikalen Vereinfachern sehr zugeneigt, ob nun in Dänemark, Deutschland oder Dingsda.

Donnerstag, 25. März 2010

Noelle-Naumann: Eine Demagogin der Demoskopie und getreue CDU-Vasallin trat endgültig von der Bühne ab.


Wer war eigentlich Elisabeth Noelle-Naumann? Wird diese Frage unter Passanten in einer Umfrage irgendwo, irgendwann und irgendwie gestellt, garantiere ich, dass sie höchstens von 1 oder 2 auf hundert Befragten richtig beantwortet werden kann. Muss ein Durchschnittsmichel diese Dame kennen? Sollte er schon je von ihr gehört haben? Ist es wichtig, wenn ein Teutone Noelle-Naumannś Funktion, ihren Berufung und ihr Wirken kennt?

Nein!

Auch wenn ihr Bekanntheitsgrad seit vielen Jahren rapide abgenommen hatte, gehörte sie doch zu den von mir meist verachteten Personen des politischen Lebens. Auch dann noch, als sie längst nicht mehr im Fokus der Medienöffentlichkeit stand.

Die Frau Elisabeth Noelle-Naumann verstarb am 25. März 2010. Geboren wurde sie am 19. Dezember 1916 in Berlin. Ihre Eltern entstammten dem Bürgertum. Der Vater war promovierter Jurist, der Großvater Fabrikant.
Noelle - Naumann legte das Abitur ab, studierte anschließend und trat Ende der dreissiger Jahre in eine Unterorganisation des Nationalsozialistischen Studentenbund ein.
Noelle - Naumann promovierte in den USA.

" In Noelle-Neumanns berühmter Dissertation mit dem Titel „Meinungs- und Massenforschung in USA“ beschrieb sie u. a. Deutschlands schlechtes Ansehen in der Welt vor allem aus der verzerrten Darstellung der Medien in den USA: „Seit 1933 konzentrieren die Juden, die einen großen Teil von Amerikas geistigem Leben monopolisiert haben, ihre demagogischen Fähigkeiten auf die Deutschlandhetze“. Goebbels berief sie auf Grund ihrer Arbeiten zur Meinungsforschung in den USA 1942 zur Adjutantin. Eine längere Erkrankung hinderte sie jedoch daran, dieses Amt anzutreten. "

Es entsprach dem damaligen Zeitgeist, der durch faschistische Hetze gegen jüdische und sonstige, dem Nationalsozialismus nicht zugetaner Menschen geprägt war, dass Noelle-Naumann auch in ihrer Doktorarbeit die Propaganda der Nationalssozialisten kritiklos übernahm.

Nach dem Untergang des " Tausendjährigen Reiches " heiratete Noelle - Naumann 1947 den CDU-Politiker Erich Peter Naumann mit dem sie danach das Allensbacher Institut für Demoskopie gründete. Naumann verstarb 1974.

In der Folgezeit setzte sie die Arbeit in ihrem Institut fort und erreichte durch ihre Tätigkeiten und Berufungen in der Wissenschaft einen bundesweiten Bekanntheitsgrad.
Im Jahre 1980 veröffentlichte sie das Buch " Die Schweigespirale ". Noelle-Naumann behauptet hieran, dass die Mehrheitsmeinung durch die Häufigkeit ihrer Publizierung verstärkt werde, während die Meinung einer vermeintlich Minorität deshalb nicht veröffentlicht werde, weil ihre Vertreter sich in der Minderheit währen und eine solche Rolle eher zum Schweigen führe.
Dieses Hypothese wurde bis zu ihrem Tod von ihr nie empirisch untermauert.

Aber nicht nur wegen ihrer nicht belegten Behauptung war Noelle-Naumann oft in der Kritik. Ihre Vergangenheit und die anti-semitischen Ausführungen in ihrer Promotion sowie die offensichtliche Parteinähe zur CDU blieben für ihre Kritiker ein ständiger Anknüpfungspunkt, um die Person und auch die berufliche Stellung von Noelle-Naumann kritisch zu hinter fragen.

hr Institut in Allensbach galt seit den 70er Jahren als eindeutig CDU/CSU lastig. Dem entsprechend waren ihre Umfaren vor und nach den Wahlen oder zu anderen politischen Ereignissen eingefärbt. Noelle-Naumann zeigte sich nicht nur ständig mit CDU/CSU-Größen und Politikern, wie Adenauer, Erhardt, Kiesinger, Barzel, Strauß oder Kohl, sondern auch mit Vertretern des reaktionär - bis konservativen Umfeldes in der Wirtschaft, den Medien sowie sonstigen gesellschaftlich relevanten Gruppen.

Noelle - Naumann versuchte durch eingefärbte Meinungsumfragen die Christdemokraten besser dastehen zu lassen, als sie es in Wirklichkeit waren. Mit Umfragen, die auf selektiertem Umfeld basierten nahm sie über das IfD massiv Einfluß auf die öffentliche Meinungsbildung. Allensbach erhielt deshalb bald den von seinen Kritkern - völlig zu Recht - Namen des Instituts für Demagogie. Noelle-Naumann war eine, mit der Kunst der Empirie operierende Demagogin. Eine treue CDU-Vasallin, die bis zu ihrem Tode jene Kräfte unterstützte, die sich auf kosten der schweigenden Mehrheit und des von ihr mit manipulierten unwissenden BRD-Michels bereichern und an der Macht berauschen durften.

Ihr Tod mit fast 94 Jahren bedeutet kein Verlust für mich, weil ich sie eh als verkappte Linkenhasserin und Intolerante geoutet hatte.

Mittwoch, 24. März 2010

Erinnerungen an den 13. September 1961.

Was ereignete sich am 13. 09. 1961 in der Gelsenkirchener Glückaufkapfbahn? Nun, da müsste selbst ich als Fußball-Oldtimer passen.Zu jenem Zeitpunkt besaßen weder meine Eltern, noch Großeltern, ein Fernsehgerät,weshalb ich die Bilder von der Live-Übertragung des DFB-Pokalendspiels zwischen dem SV Werder Bremen und dem 1. FC Kaiserslautern erst viele Jahre später sehen konnte. Kommentator jenes Spiels war ein gewisser Ernst Huberty ( Mr. Sportschau ), der den Erfolg unseres SVW durch Tore von Willi Schröder und Helmut Jagielski eher schmucklos über den Äther brachte.Damals war eh sehr vieles anders: Die Radio-und Fernsehgeräte hatten die Abmaße von heutigen Kühlschränken, Computer waren so groß wie Einfamilienhäuser und Fußballer mussten sich die Schuhe(Stiefel) noch selbst schnüren, putzen und oft kaufen. Dafür erhielten sie allenfalls ein Handgeld oder eine Aufwandsentschädigung in einer Höhe, für die ein Cristiano Ronaldo nicht ein Mal einen Fuß auf den Rasen setzen würde, ein Messi eine Sekunde Erholungsschlaf benötigt und ein Mario Gomez vielleicht eine Minute eines Pflichtspiels absolvieren muss.

In den folgenden, annähernd 4 Dekaden kann unser SVW auf beachtliche Erfolge zurück blicken. Neben den BL-Meisterschaften 1964/65, 1987/88, 1992/93 und 2003/04 stand der Verein weitere 8 Mal im DFB-Pokalendspiel. An diese Ereignisse kann ich mich seh wohl und noch sehr gut erinnern.

1988/89 verloren wir gegen die Konter starken Dortmunder mit 1:4. in dem Jahr darauf gab es ein 2:3 gegen den 1. FC Kaiserslautern. Ein weiteres Jahr danach ( Motto: Drei Mal ist Bremer Recht ! ) stand unser SVW gegen den 1.FC Köln in Berliner Finale und gewann bekanntlich im Elfmeterschießen mit 4:3. Den entscheidenden Treffer erzielte Uli ( " Ziiiiiiiiieh! " ) Borowka und lief danach seinen ganzen Frust aus den beiden vergangenen Endspielteilnahmen durch mehrere Ehrenrunden ab. Dann gewann Werder mit 3:1 gegen den Überraschungsfinalisten von Rot Weiß Essen. Ehe dann jenes - wohl unvergessene Spiel gegen die Bazis in der Saison 1998/99 anstand.
Der FCB war - schon aufgrund der personellen Möglichkeiten - haushoher Favorit.Das große Namen auch nur Schall und Rauch sind, Geld nicht immer Tore schießt und " entscheidend dat is, wat auf'm Platz geschieht " mussten dann die Herren Kahn, Matthäus und Effenberg erkennen. Wir gewannen im Elfmeterschießen mit 5:4. Effenberg ( O-Ton Andreas " Herzl " Herzog: " Dieser Pfau " ) versägte seinen Elfer in den Berliner Himmel, Matthäus ( Herr Jacket-Kronen-Smiley ) scheiterte an Frank Rost. Hach, was war das ein Jubel! Radio Bremen Eins ( damals noch Hansawelle ) spielte mindestens ein halbes dutzend Mal die Hymne von Norbert & den Feiglingen.
Bei so viel Jubel lässt sich das 0:3 gegen eben jene Bayern aus München im Endspiel 1999/2000 doch glatt verschmerzen. Zumal wir 2003/04 gegen die Alemania aus Aachen den " Pott " durch ein 3:2 erneut gewannen. Eine Wiederholung gelang unserem SVW dann im letzten Jahr mit dem 1:0 gegen Bayer Leverkusen.

Und damit schließt sich der historische Kreis wieder. Trainer in Leverkusen war zu diesem Zeitpunkt ein gewisser Bruno Labbadia, der zuvor, nämlich 1989/90 gegen uns 2 Tore für jenen Verein erzielte, der bereits 1960/61 Endspielgegner war: den 1. FC Kaiserslautern!

Dann schauen wir heute Abend ganz entspannt nach Gelsenkirchen und drücken ganz kräftig - der Historie geschuldet - den Schalkern die Daumen, denn die sind ja - zumindest indirekt - an dem ersten DFB-Pokalsieg in der 111jährigen Vereinsgeschichte beteiligt gewesen. Glückauf,also!

Dienstag, 23. März 2010

" Chippin'away " und andere nostalgische Stücke aus längst vergangenen Zeiten.




Beim Keller entrümpeln hatte ich mir den simplen, aber noch funktionierenden Radio-Kassetten-Rekorder der Marke Grundig zum Begleiter meiner Tätigkeiten gemacht. Eher wahllos griff ich mir dazu einige C 90 - Kassetten, deren Alter auch schon zwei Dekaden umfasst und deren Inhalte mich wieder ins Schwärmen brachte.
Was waren das damals doch für tolle Zeiten!

Während ich der einst, nämlich 1989 anlässlich des 20. Jahrestages des Woodstock - Festivals, vom WDR ausgestrahlten Sendung lauschte, kamen mir bei einem Titel doch Zweifel, ob dieser überhaupt in das einstige Genre der Flower & Power - Zeit hinein passte. Alle anderen Stücke,die der damalige Moderator Adolf " Buddha " Krämer auflegen ließ und zu denen er oft einen eher süffisanten Kommentar abgab, hatte ich nach 1969 x-fach gehört.
Nämlich:

- The Who Happy Jack

- Joan Baez Blowin'in the wind

- Canned Heat Goin'up the country

- Jimi Hendrix Purple haze

- Blood, Sweat & Tears Spinnin' wheels

- Country Joe Mc Donald peace on earth


Dann spielte " Buddha " Krämer eben jenen Titel, der mir zu diesem Zeitpunkt - aus welchen Gründen auch immer - völlig unbekannt war. " Chippin'away ", so lautet der Beginn des Refrains. Hinter deren Interpreten ich - schon wegen meiner musikalisch vorbelasteten Grundausrichtung - die Herren David Crosby, Steven Stills und Graham Nash vermutete. Und richtig: " Chippin'away " ist ein Stück aus ihrem Reportoire, dass jedoch 20 Jahre nach dem legendären " Woodstock " - Festival eingespielt wurde. Die Formation hatte sich zwischenzeitlich für einige Jahre aufgelöst. Jedes Mitglied der einstigen " Supergroup ", die nach ihrer Gründung im Jahr 1968 und ihrer im Dezember jenes Jahres gemeinsam eingespielten LP, um Neil Young erweitert wurde, verfolgte ab 1972 eigene musikalische Wege. Ehe dann 1974 die erste Reunion mit der LP " So far " von der doch sehr großen Fangemeinde zu verzeichnen war.

Eigentlich war die Zeit von CSN&Y, wie sie von den Insidern kurz genannt wurden, längst vorbei. Der Flower&Power-Stil war bereits zu Beginn der 70er schon wieder out und die Musikkenner drifteten in Richtung Progressiver Popmusik, Hard - und Jazzrock ab. Dennoch blieb CSN&Y noch für einige Jahre eine Institution. Das lag vor allem auch daran, dass sie mit ihren Texten klare politische Aussagen formulierten und ihre Grundeinstellung eher anti-amerikanisch war. Im Gegensatz zu Gruppen, wie beispielsweise den Eagles, deren patriotischer Gesamtanspruch oft die Grenze des Erträglichen überschreitet, haben CSN&Y insbesondere die dunklen, die kritikwürdigen Seiten des " american way of life " angesprochen.

Während mir aus den frühen 70er noch Stücke, wie " Marrakesh express ", " Chicago " oder auch " Teach your children well " in den Ohren klingen oder ebenso bekannte Titel, wie " Judy blue eyes ", " Wooden ships " und " Blackbird " viele Male um die Ohren beschallt wurde, konnte ich mich an " Chippin'awy " nun überhaupt nicht erinnern.
Hatte ich in meinem Musikgedächnis etwa eine Lücke?

Nun, des Rätsels Lösung fand ich alsbald im " www ". Das Stück wurde 1989 als Single eingespielt. In einem Jahr also, als eben Woodstock sein 20jähriges Jubiläum feiern durfte und so mancher Alt-Hippie sich wehmütig an dieses Großereignis erinnerte. Die Medien waren damit beschäftigt, die längst bis in das kleinste Detail beschriebenen Abläufe zu und während jenes Musikfestivals aufzugreifen und mit aufgewärmten Tonträgern erneut kräftig Kasse zu machen. Eigentlich war bereits 1979 schon Alles, was mit " Woodstock " zu tun hatte, völlig ausgelutscht. Was also sollte es an Neuigkeiten noch geben?

So wurden die einst auftretenen Gruppen nochmals vorgestellt, der " Woodstock "-Film abermals im TV gezeigt und einige Protagonisten auf, um und hinter jener Bühne zum xten Male interviewt.
Interessant waren die damaligen Konserven dennoch. Als ich dann hierzu noch in einem Musiklexikon las, dass die US-Regierung wegen jener Völkerwanderung rund um New York eigens ihre lokalen Truppen in Alarmbereitschaft versetzt hatte, dazu regelmäißg Kapfflugzeuge in den Himmel um das Gelände aufstiegen und die regioanlen Behörden einen Notfall - und Katastrophenplan erarbeitet hatten, war mir klar, dass die oberspeißigen Yankees nicht alle Tassen im Schrank hatten.

Das Festival verlief jedoch überwiegend friedlich. Unter dem Slogan " Love, Peace & Happiness " trafen sich über 600.000 Menschen für mehr als 3 Tage zum Musik hören, Drogen konsumieren und Liebe machen. Ein Titel aus diesem Umfeld heißt denn auch " Woodstock " und wurde von Joni Mitchell, einer US-Folksängerin komponiert. Erfolgreich spielte die Formation " Mathew Southern Comfort " diesen Titel ein, ehe - viele Jahre später - auch die Sängerin Eva Cassidy sich des Stücks an nahm und es erneut veröffentlichte.

Die " Woodstock " - Hymne beschreibt in dem Refrain den mystischen Zustand jener Festival-Besucher als von goldenen Sternenstaub bedeckte Besucher eines Garten Eden. Nun, das weckte denn bei so manchen reaktionären US-Bürger mehr als Argwohn und setzte den bourgeoisen Nachrichtenkommentatoren Hörner auf den Bullenkopf. Es wurde gehetzt, gestänkert und gepöbelt, was das Zeug hielt. Erst viele Jahre später schien - zumindest oberflächlich - Gras über die Hetztiraden von einst gewachsen zu sein. Doch dieser Schein war trügerisch.

Es war das hamburger Nachrichtenmagazin " DER SPIEGEL " das einer dauer frustrierten alten Jungfer Gelegenheit gab sich zu dem 30jährigen Jubiläum des Musikfestivals bei New York aus der Scht einer schon damals gehirngewaschenen Betrachterin zu diesem Ereignis äußern zu dürfen. ie nicht anders zu erwarten war, zog diese Schnepfe ordentlich vom Leder und bekam für ihre sprachlichen Verrenkungen auch noch ein Honorar.
Auch dieses Randereignis ist längst Geschichte. So, wie das diese vertrockente Tante in dem Text des Liedes " Woodstock " Dinge heraus gelesen haben will, die nur in ihrem eigenen Mikrokosmos existierten:


I came upon a child of God
He was walking along the road
And I asked him, where are you going
And this he told me
I'm going on down to Yasgur's farm
I'm going to join in a rock 'n' roll band
I'm going to camp out on the land
I'm going to try an' get my soul free
We are stardust
We are golden
And we've got to get ourselves
Back to the garden

Then can I walk beside you
I have come here to lose the smog
And I feel to be a cog in something turning
Well maybe it is just the time of year
Or maybe it's the time of man
I don't know who l am
But you know life is for learning
We are stardust
We are golden
And we've got to get ourselves
Back to the garden

By the time we got to Woodstock
We were half a million strong
And everywhere there was song and celebration
And I dreamed I saw the bombers
Riding shotgun in the sky
And they were turning into butterflies
Above our nation
We are stardust
Billion year old carbon
We are golden
Caught in the devil's bargain
And we've got to get ourselves
Back to the garden

Wenn ich jetzt zurück auf die Gruppe CSN&Y komme,dann eben deshalb, weil auch sie einst in " Woodstock " aufgetreten sind. Und zwar eben nicht mit dem Stück " Chippin'away ", denn das spielte die Formation im Jahr 1990 vor der noch vorhandenen Berliner Mauer. Die bröckelte zunehmends und war alsbald Vergangenheit, so wie es " Woodstock " auch längst geworden ist. Das " Woodstock " des Mauerfalls und der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten fand sowohl politisch, als auch musikalisch in mehreren Monaten statt. Neben CSN, gaben sich Roger Waters mit seinem Epos " The wall ", aber auch ein David Haselhoff vor dem einstigen Symbol der Teilung die Ehre. Das ist nun auch schon 20 Jahre her. Die vertrocknete Möchte-gern-Autorin, die im " SPIEGEL " ihren Schwachsinn über einige Seiten verbreiten durfte, hat sich indes nicht zu jenem Ereignis geäußert. Vielleicht wohl deshalb nicht, weil die Tausende von Tonnen an Müll, die auch zu jenem Anlass produziert wurden, im Vergleich zu dem, was " Woodstock " hinterließ nur wie Sternenstaub in der Wüste zu sehen ist.

Na, denn: In etwas mehr als 9 Jahren begeht " Woodstock " das 50. Jubiläum und die Wende jährt sich zum 30. Mal.
" Chippin'away " aber dann auch!

Montag, 22. März 2010

Vom Wettermillionär zum -Häftling - Was hat Jörg Kachelmann für eine Karriere hinter sich?

                                                          (c) René Mettke bei WIKIPEDIA " Jörg Kachelmann "

Frühlingsanfang! Zeit für den Frühjahrputz! Alles muss jetzt raus! Der Winter war lang. Für viele Mitmenschen bedeutet die vierte, die dunkle und kalte Jahreszeit auch das Bekämpfen von Gefühlsschwankungen, Depressionen und allerlei Wehwehchen. Da schaut der gemeine Teutone oft, öfters oder sogar viel zu oft auf die Wetterkarte. Diese wird seit vielen Jahren von einer Firma Meteomedia in die Wohnzimmer der danach darbenden Zuschauer gesendet. Was zunächst über viele Jahre bei den Öffentlich Rechtlichen eher als notwendige Pflichtübung nach den Nachrichten im Anhang - sehr oft in gestelzter Amtssprache - über den Äther gesendet wurde, entwickelte sich - vor allem dank der neuen Medien und verbesserter Technik - inzwischen zu einer wahren Abendshow.

Starmoderator dieser Wettershow ist ein gewisser Jörg Kachelmann. Er gründete bereits 1990 die Meteomedia AG und baute zunächst eine Vielzahl von Wetterstationen auf, über die sein Dienstleister immer exakte Prognosen errechnen konnte. Kachelmann wurde vollends zum Medienstar, nachdem er seit 2002 auch die Wettervorhersagen für sämtliche ARD-Sender erstellen darf. Im Wechsel mit Claudia Kleinert, Sven Plöger und Alexander Lehmann moderiert Kachelmann die Vielzahl von Wetternachrichtensendungen. Dabei zeigt er sich eher als Showmaster, denn als nüchterner Analytiker mit wissenschaftlichen Anstrich.

Kachelmann fungierte aber auch als Mitmoderator der MDR - Talksendung " Riverboat " und erhielt ab 2000 sogar eine eigenen Sendeplatz für seine " Spätsausgabe " . Kachelmann, geboren am 15. 07. 1958 in Lörrach, zeigte und zeigt sich noch in den Medien als umtriebig. Neben der erfolgreichen Tätigkeit als Moderator ist er auch in den Bereichen des öffentlichen Lebens ein gern gesehener Gast. Zurzeit hält er die Funktion des so genannten Botschafters der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft inne.

Gerade die letztgenannte Funktion lässt ihn in einer sozial-politischen Schublade passen, deren Inhalt bereits mit Marktschreiern vom Schlage des CDU - Mitglieds Merz prall gefüllt ist. Nun ist es per se nicht verwerflich, für die Unternehmerinteressen einzustehen, wenn ein Millionär, wie es Kachelmann ist, durch ein eigenes Unternehmen zu sehr viel Vermögen gekommen ist. Was jedoch die Kritiker auf den Plan bringt, sind die Lebensplanungen eines Jörg Kachelmann. Er hat seinen Wohnsitz längst in der nahe gelegenen Schweiz gegründet, dessen Staatsbürger er auch seit einigen Jahren ist. Warum er sich vor den Ochsenkarren der neoliberalen Kapitalistenknechte spannen lässt bleibt deshalb schleierhaft.

Das Kachelmann häufig wegen seines schlampigen Out-Fit angegriffen wird, steht für mich auf einen anderen Blatt. Ob er nun als " Langhaar - und Bartträger " die Frisur eines Kopfsalats zeigt, den " Kraut - und Rübenbart " nicht pflegt und dazu noch Anzüge trägt, die einen Kartoffelsack alle Ehre machen, ist seine persönliche Angelegenheit. Im Zeitalter des unisono verunstalteten Körper und dem Jugend - sowie Schönheitswahn unterworfenen Geschmacksverirrungen, kann es sogar eher wohltuend sein, wenn ein in der Öffentlichkeit stehende Person sich hier nonkonform präsentiert.

Das beruflicher Erfolg und persönliches Glück nicht zwangsläufig miteinander korrelieren müssen, haben ungezählte Beispiele vor dem 20. März 2010 bereits gezeigt. Kachelmann soll sich auf dem Flughafen Frankfurt am Main aus Vancouver in Kanada kommend am Samstag verhaftet worden sein. Er ist seit dem in der Justizvollzugsanstalt Mannheim einsässig. Kachelmann wird der Vorwurf gemacht im Februar 2010 nach einem angeblichen Beziehungsstreit seine langjährige Lebenspartnerin in deren Wohnung im baden-württembergischen Ort Schwetzingen gewaltsam zum Geschlechtsverkehr gezwungen zu haben.

Obwohl es sich rechtsdogmatisch bei der ihm zur Laste gelegten Tat um ein Verbrechen handelt, ergeht in den überwiegenden Fällen nicht sofort ein Haftbefehl. Im Fall von Jörg Kachelmann liegt die Besonderheit darin, dass er als Schweizer Staatsbürger keinen festen Wohnsitz in der BRD vorweisen kann und die Schweiz selbst nur im Rahmen des bilateralen Abkommens vom 24. 01. 1874 zur Auslieferung von Verbrechern den Beschuldigten an die bundesdeutsche Justiz zu übergeben hat.

Nun, es klickten an jenem 20. 03. 2010 die Handschellen auf dem Frankfurter Flughafen. Kachelmann sitzt aber nicht deshalb in U-Haft, weil ein profilierungssüchtiger Staatsanwalt seine Karriere zügiger voran treiben will, sondern weil nach der Strafanzeige seiner Lebensgefährtin, die auf Vergewaltigung oder - wie es im Gesetz heißt - auf sexueller Nötigung lautet, eine gerichtsmedizinische Untersuchung der vermeintlich Geschädigten konkrete Anhaltspunkte für eine solche Tat ergeben haben muss.
Jenseits des justizförmigen Verfahrens wird zwischenzeitlich wild spekuliert. Da überschlägt sich die Medienmeute mit vorzeitigen Schuldzuweisungen und wertenden Meinungen. Der Kübel Schmutz den Kachelmann nun über seinen Kopf ausgeschüttet bekommt ist groß. Schon allein deshalb, weil er als so genannte absolute Person der Zeitgeschichte nur in einem eingeschränkten Maße den Persönlichkeitsschutz und das Recht auf integrative Berichterstattung hat. Hier zeigt sich einmal mehr, dass ein dem Medienzirkus zugehöriger Protagonist von der eigenen Meute gefressen werden kann.
Allen voran, steht natürlich das Sprachrohr der mühsam und beladenen Gebildeten, die " BLÖD " - Zeitung, deren Kolumnist Wagner schon gleich einige prophetische Anmerkung zum Besten gab. " Er wird wohl nie wieder Wetter vorher sagen dürfen. "
Das mag vielleicht zutreffend sein. Allerdings muss er es auch nicht mehr, denn der Kachelmann, Jörg hat in der Schweiz längst seine Schäfchenwolken im Trockenen. Wohl behütet von den dort thronenden Banken und mündelsicher angelegt.

Sonntag, 21. März 2010

Osterbäume, Ostereier,Osterhasen - ein Abbild der heidnischen Bräuche oder einfach nur abstossender Kitsch?















Ein erster Frühlingsspaziergang brachte es heute an den Tag: das Osterfest 2010 naht! Während die Supermärkte schon seit vielen Wochen ihre Auslagen mit dem - schmackhaften - Ostergedöns voll gestopft haben, verändert sich das Bild in so manchen Vorgarten, Garten oder auf der Wiese schlagartig. Jetzt werden sie wieder aus den Schränken, Truhen und Regalen hervor gekramt, jenen Accessoires der neuzeitlichen Dekorationskunst, jene Plastikkreationen, deren leuchtende Farben das noch triste braun der Sträucher, der Bäume und Büsche etwas bunter erscheinen lassen: die Ostereier mit Aufhängeschlaufen. Oft gesellen sich die Osterhasen hinzu. Die possierlich aussehenden Imitationen einer von einem stetigen Populationsrückgang gebeutelten Spezies.Wenn der Mensch ihnen schon in der Natur die angestammten Lebensräume streitig macht, dann kreiert er statt des lebenden Originals den toten Nachfolger aus PVC, Ton oder Bast. Mit Kiepe, mit Karre oder Kasten. Ein Sinnbild des schlechten Geschmacks scheitert zumindest auch hier nicht an der mangelnden Fantasie und der Triebfeder ökonomisch, kapitalistischen Handels: Profimaximierung!

Was vor vielen Jahrzehnten noch in heimischen Landen, in Fabriken und Werkstätten produziert wurde, kommt längst aus Fernost - vornehmlich aus dem Reich der Mitte. Die auf Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft basierenden Produktionsmethoden ermöglichen es, dass die kostengünstige Ware - trotzt des langen Transportweges - immerhin derart billig eingekauft werden kann, dass sie hier zu erschwinglichen Preisen als Massenartikel in jeder " Klitsche " angeboten wird. Gemäß der " Geiz ist geil " - Mentalität kann sich eine Vielzahl von Bundesbürgern jenes Schnickschnack leisten, ihn irgendwo deponierten und dann aushängen.

So lässt ich denn allen Ortes bei einem aufbauen Spaziergang über jene pervertierten Geschmacksverirrungen trefflich ablästern. Da sind die bunten Eier statt an einem Strauch, schon mal an einer Edeltanne zu bestaunen; da darf das Plastik-Osterei in den sonstigen Standardfarben, gelb, rot,grün,blau, orange, nun in durchsichtlicher Form mit leichten Farbtupfern auf der Oberfläche bestaunt werden und da hängt so mancher Ziergehölz - vornehmlich ein Essigbaum, eine Zwerg-Trauerweide oder eine Forsythie - derart voll bepackt mit buntem Gehänge, dass sich die zarten und nackigen Äste nach unten biegen.

Auch die Zeitspannen zwischen der Vorgarten - Schmückorgie und den Osterfeiertagen werden ganz offensichtlich immer länger. Während es - analog zu der Weihnachtszeit - spätestens nach einer gewissen Schamzeit von ca 8 Wochen vor oder im Neuen Jahr - für die Industrie und den Handel kein Halten mehr gibt, stimmt sich der erwartungsfrohe Gartenpflegefreund kurz danach ebenfalls auf die Konsumorgie ein. Dann stehen sie wieder in Reih und Glied, die künstlichen Hasenabbilder, da kleben dann die farbenprächtigen Osterhasen an den Scheiben der Haustüren, der Wohnzimmerfenster oder der Küche mit Blick auf die verkehrsberuhigte Straße. Lanzzahnig grinsen die Langohren den Betrachter an. Auf ihrem Rücken sind sie mit einer über dimensionierten Kiepe bewehrt, aus der die dicken, bunten Ostereier heraus gucken. Andere wiederum tragen einen ebenso großen Weidenkorb, prall gefüllt mit farbigen Eiern. Eine dritte Variante zieht einen Holzhandwagen hinter sich her, in dem sich jene Eierkreationen befinden.

Da sich über Geschmack nun einmal trefflich streiten lässt, stellt sich dem profanen Kritiker jener Brauchtumsabart die existenzielle Frage, nach der Herkunft dieses Brimboriums. Die Antwort hierauf ist so simpel, wie auch verblüffend:



" Das Färben von Eiern zu Ostern ist eine weitverbreitete christliche Tradition, die von Armenien über Russland, Griechenland, den Mittelmeerraum bis hin nach Mitteleuropa bekannt ist. In zahlreichen Spielen für Kinder sind die bunt gefärbten Ostereier begehrte Gewinne; am Morgen des Ostersonntags dürfen die Kinder versteckte Ostereier suchen.

Möglicherweise wurde die Tradition vom yezidischen Glauben, einer viertausend Jahre alten Religion, die im Gebiet des heutigen Armenien und Kurdistan weit verbreitet war, übernommen. Das yezidische Neujahrsfest ist ein Frühlingsfest und findet im April statt. Zu diesem Fest wurden seit je her Blumenschmuck und gefärbte Eier hergestellt. Auch die Anhänger Zarathustras kennen das Eierfärben. In beiden Religionen werden ähnliche Frühlingsfeste gefeiert, u. a. auch mit dem Abbrennen von Feuern und dem Darüberspringen als reinigende Zeremonie. Der Ursprung dieser Traditionen kann nicht genau datiert werden, vermutlich sind diese Rituale aber seit etwa 1700 v. Chr. bekannt.

Allgemein gilt in der Kunstgeschichte das Ei als Symbol für die Auferstehung - auf alten religiösen Gemälden meist im Hintergrund.

Das christliche Osterfest entspringt dem jüdischen Pessach-Fest.Der in neuerer Zeit entstandene Brauch, verzierte Eier zu Ostern als Freundschafts- und Liebesgabe zu verschenken, wurde durch verschiedene Anlässe angeregt und gefördert:

* Speisenweihe - Seit dem 12. Jahrhundert wurde bei der österlichen Speisenweihe um die Segnung von Eiern gebetet „...dass sie eine bekömmliche Nahrung für deine gläubigen Diener werden, die sie in Dankbarkeit und in Erinnerung an die Auferstehung des Herrn zu sich nehmen.”
* Zinsei und Eierspende - der Zehnt, die Steuerabgabe der Bauern an ihren Grundherren, der im Mittelalter im Frühling in Form von Eiern am Gründonnerstag gezahlt wurde, da es durch die Fastenzeit und gleichzeitig erhöhte Legefreudigkeit der Hennen zu einem Eierüberschuss kam (ähnlich den Martinsgänsen, die im November geschlachtet wurden, weil die Weidezeit vorbei war).
* Fasten - In der vierzigtägigen Fastenzeit vor Ostern verzichten viele Katholiken und Orthodoxe auf Fleischspeisen. Früher wurden Eier und andere tierische Produkte oft ebenfalls unter das Abstinenzgebot eingeordnet. Die stets beliebt gewesene Speise empfing man daher Ostern mit Freude zurück, ließ sie in den Kirchen weihen und verteilte sie gefärbt zu Geschenken.

Für Deutschland werden gefärbte Eier erstmals im frühen 13. Jahrhundert erwähnt. 1553 wird von roten Eiern bei der österlichen Speisenweihe berichtet. Die Bezeichnung Osterei tauchte erstmals 1615 in Straßburg auf. 1617 spricht E. Puteanus in seinem Werk Ovi Euconium von beschrifteten, bemalten und geätzten Ostereiern, desgleichen S. Frank 1682 in der Schrift Satyrae, in der auch das Verstecken der Ostereier erwähnt wird.

Bei dem von mir best gehassten Brauch, einen Baum mit Eiern zu schmücken, liegt die Historie noch nicht so weit zurück:


Das erste Mal wurde der Baum 1965 geschmückt, damals nur mit 18 Plastikeiern. Warum er mit dem Schmücken begann, schildert Initiator Volker Kraft so: Der Ursprung ist eine Kindheitserinnerung. Wenn ich früher in die Schule gegangen bin, da musste ich an einem Fliederstrauch vorbei, der zur Osterzeit geschmückt war … Und als ich Kinder hatte, da habe ich gesagt: Die bekommen jetzt auch einen Ostereierbaum. Bis 1994 stieg die Eieranzahl auf etwa 350 Stück. Mit dem Wachstum des Baumes wurden mehr Eier benötigt, die die Krafts beschafften, indem sie nahezu alle im Haushalt verwendeten Eier ausbliesen und anschließend mit verschiedenen Techniken schmückten. Gebrauchte Eier wurden nach dem Osterfest verpackt und im nächsten Jahr wiederverwendet.

Als die Kinder der Krafts erwachsen waren, verlor die Eierschau an Dynamik und gewann erst wieder Fahrt, als die inzwischen geborenen Enkelkinder in das familiäre Brauchtum eingeführt wurden. Die Zahl der Eier war bald so groß, dass der geschmückte Baum zunehmend Besucher von außerhalb der Familie anzog.

Zwischen 1994 und 2009 kamen jährlich durchschnittlich 700 Ostereier hinzu, aufgrund von Stürmen, Hagel oder Vandalismus gingen zugleich aber auch dutzende Ostereier zu Bruch (oder wurden aussortiert), wodurch jedes Ostern nur durchschnittlich 590 Eier mehr am Baum hingen. Die genaue Anzahl neuer Eier pro Jahr schwankte allerdings stark. Der Saalfelder Baum hält jedoch nicht den Rekord der meisten Ostereier. So erzielte etwa im April 2007 der Zoo Rostock mit einer Roteiche mit 76.596 ausgepusteten und bemalten Eiern einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.

1995 wurde in der direkten Umgebung ein Ver.di-Schulungsgebäude errichtet, was dem Baum noch einmal mehr Besucher und überregionale Bekanntheit bescherte.

Der Besucherandrang nimmt seitdem kontinuierlich zu. Für 2008 ermittelte ein von Volker Kraft aus Neugierde installiertes Zählwerk – der Eintritt in den Privatgarten ist kostenlos – ca. 6000 Gäste. Auf Wunsch vieler Besucher werden von der Familie seit 2005 vor Ort und über das Internet Souvenirs angeboten.

Unklar ist nach wie vor die Herkunft des Osterhasen:


Bis heute gibt es keine endgültige Erklärung für den eierbringenden Hasen. Der Osterhase wird zum ersten Mal vom Medizinprofessor Georg Franck von Frankenau im Jahr 1682 (andere Quelle: 1678) in seiner (medizinischen) Abhandlung „De ovis paschalibus – von Oster-Eiern“ erwähnt. Er schildert den Brauch für die Region des Elsass und der angrenzenden Gebiete und ergeht sich in einer Beschreibung der negativen gesundheitlichen Folgen, die der übermäßige Verzehr dieser Eier mit sich bringe.

Die Verbindung des christlichen Osterfestes mit dem Ei als Symbol ist für verschiedene europäische Länder spätestens aus dem Mittelalter bekannt, möglicherweise auch früher anzusetzen. [2] Es gibt daneben seit Ambrosius auch eine ältere Deutung des Hasen als Auferstehungssymbol [3]. Die vielfältige christliche Hasensymbolik fand im Mittelalter in vielen Bildwerken ihren Ausdruck. [4]. Die Verbindung des Hasen mit dem österlichen Eierbrauch ist jedoch noch unklar. Folgende Hypothesen werden gerne angeführt:

1. Einige frühe bemalte Ostereier zeigen das Dreihasenbild – eine Darstellung von drei Hasen mit lediglich drei Ohren insgesamt, bei denen aufgrund der „Doppelverwendung“ von Ohren dennoch jeder Hase zwei Ohren hat; dies ist heute ein bekanntes Symbol für die Dreieinigkeit (die ursprüngliche Bedeutung ist unklar). Eventuell könnte man von dieser Darstellung auf den Hasen als Eierlieferant gekommen sein.
2. An einer Stelle der Bibel, dem Ps 104,18 EU, wird in älteren Übersetzungen von „Hasen“ gesprochen[5]. Grund dafür war die lateinische Übersetzung von Spr 30,26 EU, in der Hieronymus das hebräische "šafan" (Klippschliefer) mit "lepusculus" (Häschen) übersetzte.[6] Seit der Spätantike wurde diese Stelle als Symbol für den schwachen Menschen (Hase) interpretiert, der seine Zuflucht im Felsen (Christus) sucht. Diese Auslegung begründete die Hasensymbolik in der christlichen Ikonographie.
3. Immer noch gerne debattiert ist die etymologische Verwandtschaft des Wortes „Ostern“ mit einer nicht sicher nachgewiesenen angelsächsischen Frühlingsgöttin Eostre oder dem deutschen Äquivalent Ostara, deren Symbol Hase und Ei sein sollen. Auch die griechische Fruchtbarkeitsgöttin Aphrodite hat den Hasen als Zeichen.
4. Das Osterfest basiert auf dem Mondkalender, der erste Vollmond nach Frühlingsanfang markiert diesen Termin, der darauf folgende Sonntag ist der Ostersonntag. Der Mond wird durch den Hasen symbolisiert, auch unser Märchen vom Hasen und dem Igel basiert hierauf. Man kann im Bild des Vollmondes auch tatsächlich, mit etwas Phantasie, einen Hasen erkennen, in unseren Breiten liegt er schräg auf dem Kopf. Der Zusammenhang mit den Eiern oder der Göttin der Fruchtbarkeit ist vorher genannt.
5. Christliches Symbol des Osterfestes ist das Lamm. Der Osterhase könnte von einem mehr als schlecht gezeichneten Schaf bzw. einem „verbackenen“ Osterlamm herstammen. Dies erklärt zwar den Hasen – nicht, warum er die Eier bringt.
6. Das protestantische städtische Bürgertum entwickelte ab etwa 1700 den Brauch des Ostereiersuchens. Oft erwähnt wird die Möglichkeit einer „städtischen“ Entwicklung des Osterhasen als Erklärung für die Kinder, wo die Eier herkommen. Bauernkinder hätten eine solche Geschichte nicht geglaubt. Bei näherem Hinsehen erweist sich das jedoch als wenig stichhaltig – ein Stadtkind des 18. Jahrhunderts dürfte sehr wohl mit Hasen und Hennen vertraut gewesen sein. Dass der Osterhase eine protestantische Erfindung sei, wird dadurch erklärt, dass sich in katholischen Gegenden durch die Fastenzeit zu Ostern ein großer Bestand an Eiern angehäuft hat. Da Protestanten ihre Kinder nicht mit dem katholischen Brauch des Fastens bekannt machen wollten, hätten sie zur Erklärung dieses Phänomens den Osterhasen erfunden.
7. Ältere Aufzeichnungen erwähnten den Zehnt, welcher am Gründonnerstag in Form von landwirtschaftlichen Produkten, oft Hasen und Eier, von den Bauern entrichtet worden ist. "

Nach dem die graue Theorie abgehandelt ist, lässt die Praxis indes nicht lange auf sich warten. Flugs werde ich mir heute die Einkaufsbeutel mit den gehroteten Eiern nehmen, die milde Frühlingssonne ausnutzen und heute Nachmittag die geeigente Sträucher mit den ungeeigneten Plastikeiern verunstalten. Alle Jahre wieder!

Übrigens: Wer als gebürtiger Norddeutscher - so wie ich - ab Dezember 1985 regelmässig radio ffn gehörte hat, dem ist noch der jetzige Dauerbrenner " Das Gelbe vom Ei " gut in Erinnerung, denn den pustete der einstige " Oldie "- Sender mit Alleinvertretungsanspruch erstmalig ab 1989 zu Ostern in den Äther. Mit 750 von den Hörern gewählten Titeln, die ab Ostersamstag abgedudelt werden, stellt das Programm zwar quantitativ einen Musikmarathon dar, welcher allerdings qualitativ mehr als zu wünschen übrig lässt. Tja, dann mal vorab Frohe Ostern!Hoffentlich ohne Ohren - Magen und Gelenkschmerzen.

Mittwoch, 17. März 2010

Ein Grund zum Feiern? Die " Antibabypille " wird 50!


Es gibt auch in diesem Jahr einige triftige Gründe, um eine Entwicklung zurück zu blenden. Manches Ereignis kann dabei allerdings schnell in Vergessenheit geraten. So hat ab 1960 eine pharmazeutische Entdeckung in den USA ihre weltweite Verbreitung begonnen,die reißerisch als " sexuelle Revolution " tituliert wurde. Die Antibabypille, kurz " die Pille " genannt, wurde in jenem Jahr auf dem amerikanischen Markt gebracht. Die Erfinder - natürlich Männer oder besser Forscher - hatten hierfür mehr als nur einen plausiblen Grund. In dem - heute noch - prüden Amerika wuchs die Zahl der ungewollten Schwangerschaften rapide an. Was jenseits der staatlich verordneten Prüderie dazu führte, dass die Männer auf Abhilfe sinnten. Denn mit jedem ungewollten Kind wurde ein ganzes soziales Gefüge in Frage gestellt.

Das Jahr 1960 brachte dann als Ergebnis jener Bemühungen die ersten erwerbbaren Ovulationshemmer auf den Markt.Die Pille war zwar frei verkäuflich, allerdings war deren Verkauf an bestimmte Bedingungen geknüpft. Unter 21 Jahren durfte keine Frau sie verschrieben bekommen, noch erwerben.
Ein Jahr später brachte die westdeutsche Firma Schering die Antibabypille auf den BRD-Markt. Da die von den reaktionär eingestimmten Medien initiierte Kampagne gegen " die Pille ", vor allem durch die römisch - katholische Kirche massiv unterstützt wurde, deklarierte Schering das Produkt " Anovlar ", das zunächst Probe halber in Australien eingeführt wurde, als Mittel gegen Menstruationsstörungen. Die Antibabypille durfte zunächst nur verheirateten Paaren verschrieben werden. Ein Gang nach Canossa für viele Frauen. Zumal der Ehemann der Einnahme des Präparats zustimmen musste.

Die Moralvorstellungen änderten sich - auch bedingt durch die aufmüpfigen 68er - im Verlaufe der Jahre. Mit der Herabsetzung der Volljährigkeit von 21 auf 18 Jahren und der durch die Folgegenerationen propagierten " freien Liebe " galt es bald als " in " und " chic ", die dann in Unmengen hergestellte Antibabypille zu nehmen. Die in der Öffentlichkeit breit getretene " Aufklärungswelle " zu Beginn der 70er tat ein Übriges. So galt schon die Standardfrage " Du nimmst doch sicherlich die Pille " als rituelles Vorspiel des eigentlichen Geschlechtsakts oder als gewollte Unterbrechung der partnerschaftlichen Fummelei. Wie ein Damoklesschwert schwebte diese existenzielle Frage zum Sein oder Nichtsein eines sich gefundenen und zum Sex bereiten Paares. Wehe der, die jene schicksalschwere Frage mit Nein " beantwortete,

Nach den wilden Endsechzigern und den mit wüsten Orgien einher gehenden 70er Jahren normalisierte sich das Paarungsverhalten der Genration 18 Plus, denn eine Geißel des Todes mit Namen AIDS hielt Einzug in die Etablissements der Liebeskunst. Es gab da kein Wenn und Aber. Ob mit oder ohne " die Pille ", die Ansteckungsgefahr war gleich groß. Was mit der Antibabypille als Befreiung von der permanenten Angst durch ungeeignete Verhütungsmethoden eine Schwangerschaft zu riskieren, einher ging, reduzierte sich durch die Weltseuche AIDS auf die Angst überhaupt die fleischliche Lust ausleben zu dürfen.

Das nächste Jahrzehnt war dann eher geprägt von dem medialen Aufmacher zu Teenager-Schwangerschaften. Wenn eine 13jährige ein Kind bekam war das für das Vernebelungsorgan der gesamtdeutschen Befindlichkeit, die " BLÖD " - Zeitung immer eine dicke Schlagzeile wert. Was allerdings hinter einem derartigen Fall steht, konnte auch dieses Vereinfachungskampfblatt nicht erklären. Die Unfähigkeit der Eltern, das eigene Kind aufzuklären und die Dummheit der Kinder, in der Schule das theoretische Wissen im Fach Sexualkunde nicht gleich in die Praxis umsetzen zu müssen. Die Pubertät ist für das Kind, dessen Körper sich biologisch zu dem eines Erwachsenen verändert, wahrlich keine einfache Lebensphase. Für die Eltern oder den Elternteil allerdings auch nicht. Oft kapseln sich beide beteiligten Parteien voneinander ab. Die Erwachsenen verwalten nur noch, der Jugendlich geht auf Konfrontation.

Wenn überhaupt, dann wird über die Sexualität nur noch am Rande gesprochen. Das sich verändernde Kind bleibt mit seinen Problemen allein. Kommt zu dem Halbwissen über die Veränderungen im Körper auch noch eine gewisse Ignoranz hinzu, wird das Chaos perfekt. Obwohl die Öffentlichkeit das Thema Sex - nicht, wie es in den 60er und 70er Jahren geschah - in einem erheblichen Umfang behandelt, die Medien in allen erdenklichen Variationen hierüber berichten und die Schule sogar ein entsprechendes Unterrichtsfach anbietet, ist der Kenntnisstand der pubertierenden Jugendlichen darüber erschreckend dürftig.

Ob jene Zeit ab der Markteinführung der Antibabypille so grundlegend anders war, muss deshalb bezweifelt werden. Die angebliche sexuelle Revolution hat sich längst überholt. Revolutionär war " die Pille " schon damals nicht. Sie hatte den einwehenden Zeitgeist zur elementaren Basis auf der Habenseite zu verbuchen. Negative Auswirkungen jenes Präparats wurden damals geflissentlich verschwiegen.Die Pharmaindustrie, auf ihrem auf hier eingeschlagenen Weg der Profitmaximierung, wollte die so genannte " Revolution im Schlafzimmer " nicht durch eine wahrheitsgemäße Berichterstattung zu den Nebenwirkungen und Folgen keine Halt machen. Denn es gab schon durch das propagandistische Trommelfeuer aus den Reihen der römisch-katholischen Kirche mehr als nur eine, die Pille ablehnende gesellschaftliche Gruppe. Mit der Veränderung der herrschenden Moralvorstellungen wurde aber dennoch der Ovulationshemmer zum ständigen Begleiter der Frau im Alter von 14 bis Ende Vierzig.

Nun, nämlich fast 50 Jahre später, hat sich die Normalität im Bereich der menschlichen Sexualität zwar breit gemacht, die Verantwortlichkeit auf die Gebiet der Empfängnisverhütung obliegt immer noch der Frau.Die muss sich im Falle einer nicht beabsichtigten Schwangerschaft neben diversen Vorwürfen, warum sie nicht verhütet, sich auf einen Partner dann überhaupt eingelassen habe, auch noch üble Beschimpfungen aus dem Bereich der Gossensprache und dumme Witze gefallen lassen, so wie sie einst der Dampfplauderer, CDU-Hansel und inzwischen silber gelockte Ex-NDR-Moderator Carlo von Tiedemann in einer der bräsigen NDR-Vormittagssendungen über den Äther ließ:
" Da treffe ich doch an einem Samstagabend in einer hamburger Diskothek eine richtig flotte Biene. Sagt die dann zu mir: " Hallo, mein Name ist Doris. Ich bin 20 Jahre alt und die Pille nehme ich am Wochenende auch!"

Dummschwätzer gab es zu allen Zeiten, auch schon in den 80er Jahren in Gestalt des guten Carlo von " Schniedewurz ", da war Dieter Bohlen noch kein Thema, die Antibabypille in vielen normierten Arznei - oder Nachttischschränkchen und die geistig - moralische Wende im vollen Gange.

Montag, 15. März 2010

Nur fliegen ist schöner



Nach dem der gemeine Sachse, der Nutzer seiner großzügig ausbetonierten Nachwendeautobhanen aus den BRD - Nachbarländern Polen, Tschechien und Bayern, sowie der Kopf schüttelnde Rezipient jenes Aufmachers in der letzten Woche bereits mit zwei Massenkarambolagen auf der A 4 zwischen Dreieck Nossen und Wilsdruff die winterliche Realität knall hart vor Augen geführt bekam, in dem der Beteiligte über Stunden auf der Rennpiste ausharren musste und der Unbeteiligte das Horrorszenario mehrfach in Wort, Bild und Schrift um die Sinnesorgane kredenzt bekam, ist nun der andere Freistaatler an der Reihe.

Gegen 4.00 Uhr morgens gerieten auf der A 38 zwischen den Anschlussstellen Arenshausen und Heiligenstadt mehrere Fahrzeuge wegen auftretenden Blitzeises ins Schleudern und verursachten einen Massenunfall an dem 42 Nutzer der Strecke beteiligt waren. s mussten 11 zum Teil schwerverletzte Personen geborgen werden. Die Autobahn blieb über 7 Stunden lang voll gesperrt.

Jetzt fragt sich der Außenstehende, der Nichtpendler und Nochschlafende, was derart viele Fahrzeuge um 4.00 Uhr morgens auf der Autobahn zu suchen haben. Die Antwort ist einfach: Es waren überwiegend zur Arbeitsstelle fahrende Menschen, die bereits sehr früh auf der Betonpiste rasten, um rechtzeitig zum Arbeitsbeginn vor Ort zu sein. Wer die Situation auf dem Arbeitsmarkt kennt, der hat sofort eine plausible Erklärung dafür, warum Menschen über dutzende, ja hunderte Kilometern zu ihrer Arbeitsstelle fahren. Es gibt weder in ihrem Heimatort, noch in der näheren Umgebung einen Job. Um sich nicht überflüssig zu fühlen, um nicht von einem Arschgesicht namens Guido Westerwelle als " dekadent " und als " Schmarotzer " tituliert zu werden, fahren jene Pendler lieber morgens in aller Frühe in das noch nahe gelegene Bundesland Niedersachsen.

Der andere Teil jener Unfallbeteiligten stammt allerdings aus den Nachbarländern Polen und Tschechien. Dort gibt es noch weniger Jobs, dort sind die sozialen Bedingungen zwar schlechter, aber dort muss sich kein Arbeitsloser als " faul " beschimpfen lassen. Dafür fahren sie dann in aller früh los und " malochen " bis in die Abendstunden in einem fremden Land. Diese Art von moderner Völkerwanderung hat aber auch Nachteile. So, wie sie dann auf der Süd-Harz-Autobahn zu sehen waren. Neben den vielen Verletzten, den immensen Schäden, bleibt für jeden Beteiligten eine traumatische Erinnerung zurück.

Andererseits fragt sich der neutrale Betrachter einer solchen Szenerien, ob hier nicht eine oft beobachtete Selbstüberschätzung eine große Rolle spielt. da wird gerast, obwohl die Wetterverhältnisse es nicht zulassen, weil der Fahrer glaubt, er bewege sich in einem absolut sicheren Gefährt. Ein Trugschluss, der gepaart mit Ignoranz und Leichtsinnigkeit dazu führt, dass der Sarg, der Rollstuhl oder die Frühinvalidität bereits warten.

Nur fliegen ist schöner!