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Dienstag, 30. Juni 2009

Über das Älterwerden?

In ein paar Stunden ist es wieder einmal so weit: Ein neues Lebensjahr beginnt, ein altes Lebensjahr endet, weitere Lebenserfahrungen werden als gesammelt in dem Gedächtnis haften bleiben.
Ich hoffe, die künftigen Ereignisse bleiben in der Rubrik " positiv " haften.Eine Plattitüde besagt, dass das Leben eben kein Wunschkonzert sei. Na, dann aber eher doch ein Potpourri. Von jedem ist etwas dabei.

Wenn ich die letzten 10 Jahre so Revue passieren lasse, trifft diese Floskel auf jeden Fall zu. Neben Freude, stellt sich auch das Leid ein, neben Licht, auch der Schatten, neben Erfolg, ebenso die Niederlage.

Mir fällt der Refrain des Titels " Liedermacher " von dem unvergessenen Hanns Dieter Hüsch ein, der da lautet:

" Delirium, delarium, delirium, delarium Löffelstiel!
Die Weltgeschichte ist doch ein äußerst vielseitiges schöpferisches Spiel.
Mal Folter, mal Frohsinn, mal Frohsinn, mal Folter auf jedem Gebiet.
Und dazu, meinen Damen & Herren, das passende Lied! "

Dem wäre rein gar nichts hinzuzufügen.

Sonntag, 28. Juni 2009

Von der Generation der Spaßvögel über die Generation Praktikum zur Generation der Jammerlappen.

Ach, was haben es die heutigen Protagonisten der Altergruppen 20 plus bis 35 minus schwer! Eine unsichere berufliche Zukunft wartete auf sie. Hinzu kommen auch noch Staatsverschuldung, Umweltzerstörung und permanente Kriegsangst. Da wirdś einem zwischen 1989 und 1974 geboren so richtig Angst und Bange. Das BRD-Nachrichtenmagazin " Der SPIEGEL " widmete denn dieser Generation einen ganzen Titel. Und was dort nicht so alles an prekären Lebensverhältnissen geschildert wurde. Zeitarbeitsvertäge unter einem halben Jahr, unter qualifizierte Jobs und - das ist im höchsten Maße verwerflich - keine adäquate Vergütung. Die NDW-Spaßfraktion, die jene Nachkommen in die Welt gestzt haben, sind zu bedauern: Hier entsteht eine Gruppe von Jammerlappen, deren einziges Bestreben es ist, sich bereits beim Frühstück zu sagen: " Du hast eine Chance, nur, wo ist sie? "

Mit dieser konfusen Lebenseinstellung durchlaufen viele Spätgeborene das Zeitalter der informellen Selbstkastration. Geboren im Neon-Zeitalter oder der Golf I-Kriegsjahren, taumeln sie ständig zwischen Wunschdenken und Wirklichkeit hin und her. Oft ihre Ausbildung nun akademisch oder gar keine ist, sie trifft irgendwann, irgendwo, irgendwie der Schlag des Lebens und wirft sie sofort zu Boden.
Aufgewachsen in den Familien der Post-Hippie-Ära und vor den inzwischen vergreisten 68ern, dümpelt ihr Selbstwertgefühl sodann plan - und perspektivlos dahin. Hinaus getrieben auf den Ozean der Tränen des Selbstmitleids. Was haben sie nicht alles aus zustehen! Erst die auf laisse fair orientierte Erziehung durch die Eltern, dann die Konsum bestimmten Dekaden ab den 80ern und schließlich der individuell egoistische Umgang mit ihren Mitleidenden.

Aus jener Gemengelage entsteht nun eine Mixture, deren hoch explosive Eigenschaft allerdings nur darin besteht, sich durch Gejammere selbst zu zerstören.Während die 68er als bürgerliche Revoluzzer und Schmuddelfinken, die auch noch von der STASI unterlaufen und der DDR sowie SU fern gesteuert, ihre verderbliche Hirnakrobatik in das strebsame Spießerumfeld von Flensburg bis Bad Reichenhall und von Aachen bis Lüchow - Dannenberg zu verbreiten gedachte, die 78er dann im Öko-Wahn sich friedensbewegten Themen in sektiererischen Zirkeln per selbst gestrickten Norwegerpuloover und lila Latzhose, ihre Selbsterfüllung anstrebten, haben die 88er weder den einen, noch den anderen Lebensinhalt zum Transmissionsriemen ihres fleischlichen Daseins zur Verfügung stehen.
Was soll sich schon großartig ändern, wenn unisono bereits vieles abgeschafft und rund erneuert worden ist?

Nun, gut,die Haare sind nicht nur wesentlich kürzer geworden, sondern sie sind bereits ab Mitte 20 - dank fast-food-Fraß - soweit ausgefallen, dass sie auch gleich gänzlich mittels chemischer Keule beseitigt werden können. Das Protest-Out-Fit besteht heute darin, sich an sämtlichen, nur erdenklichen Körperstellen und - teilen tätowieren und piercen zu lassen. Qua Turbo-Sonnenbank-Bräune und Perma-Make-Up, Haarverlängerung sowie Markenbekleidung versucht jeder 88er sich aus der grauen Einheitsmasse der Mitläufer, Ja-Sager und Dauer-Nicker heraus zu schälen. Casting-Shows, Daily - und Doku-Soaps bieten hier eine ideales Sprungbrett, um einen Salto Mortale in die vermeintliche Freiheit der ökonomischen Selbstbestimmung zu vollziehen. Wenn ein veritabler Lebensstandard dadurch erreicht werden kann, folgt alsbald der Aufstieg in die selbst ernannte Gruppe der Stars, Sternchen und Super-Stars. Hier angelangt, scheint die Moneten-Druckmaschine wie geschmiert von selbst zu laufen. Ein annähernd perfektes Perpetuum Mobile, das - ohne weiteres Dazutun - eine gewisse Zeit funktioniert. Alsbald könnten die Grenzen des Wachstums jedoch erreicht sein,wenn die Haut runzeliger, die Zähne kariös und der Kreislauf - ob des exzessiven Lebenstils - instabil wird.

Kommen dann noch private und familiäre Eskapaden in die Öffentlichkeit, kann die voyeuristische Gesellschaft das Prinzip der heißen Kartoffel flugs anwenden und die fetten Jahre sind sofort vorbei. Hier gegen Altersvorsorge zu betreiben, bedeutet, einen Partner aus dem selben Stall zu freien oder einen solchen mit Wunschvater-Attributen. Der schnöde Mammon spielt dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Wer es nicht schafft so die Sprossen der Lebensleiter empor zu steigen, wird unwiderruflich in prekären Verhältnissen bleiben. Akademischer Abschluss hin, Praktikumserfahrungen in diversen Konzernen mit Rang und Namen her: Ohne Vitamin B kein Job, ohne Job, kein Geld, ohne Geld,kein Lebensmut.

Die schwer gebeutelte Generation der Ab-Zwanziger, sie hinter fragt allerdings nicht, warum sie es so schwer hat. Das kapitalistische " survival of the fittest " gilt bei ihr als ein notwendiges Muss. Die Gedanken bleiben deshalb unfrei und werden mittels diffiziler Computer-Überwachungsmethoden zusätzlich ausspioniert. Die Gesellschaft der Beliebigkeit, die Quatsch - und Nonsens-Medien sowie die Kultur der Selbstdarstellung und das Frönen von Egoismus bilden die Eckpunkte für das eigene Handeln. Deshalb kann auch kein Generationskonflikt offen ausgetragen werden. Wenn die 88er plärren: " Hier bin ich!", antworten die 78er " Ich bin schon da!" und die 68er " Ich bin bereits wieder weg!".

Jenseits des großen Jammertals sollte allerdings auch die Möglichkeit genutzt werden, auf die Vorgenerationen zurückzublicken. Auf jene Zeit also, in der nach 1945 ein Staat, eine Gesellschaft entstanden ist, innerhalb dessen theoretische Freizügigkeit existiert und innerhalb derer jeder 88er nach seiner Fasson selig werden dar - notfalls durch einen Wegzug ins Ausland.

Samstag, 27. Juni 2009

Ödipus auf dem Lande oder: Wenn Männer nicht ausziehen wollen.




Der Film " Die zweite Frau " wurde bereits 2007 gedreht, kam erstmalig am 21.11.2008 bei dem deutsch-französischen Gemeinschaftssender ARTE zur Ausstrahlung und wurde über einen halbes Jahr später, nämlich am 24. 06. 2009 zur Hauptsendezeit ab 20.15 Uhr bei der ARD im Ersten Programm quasi wiederholt.
Warum zwischen der Erstsendung und der Wiederholung im ARD-Hauptprogramm eine derart lange Zeitspanne liegt, wird wohl das Geheimnis der Programmverantwortlichen bleiben. Der Film wäre es alle male wert gewesen, ihn zeitnah nach der Erstausstrahlung einem breiteren Publikum zu zeigen. Wie bei so vielen anderen Ungereimtheiten in der Programmpolitik der Öffentlich Rechtlichen ist auch hier ein Grund für eine verspätete Wiederholung des Films nicht erkennbar.
Egal, ich habe mir den Film ein zweites Mal angesehen.
Es hat sich gelohnt, denn die Hauptakteuere in dem tiefgründigen Beziehungsdrama spielen exzellent.
Als da wären:

Monika Bleibtreu als Mutter
Mathias Brandt als Sohn
Maria Popistasu als Iryna
sowie die weiteren Darsteller:
Sven Pippig, Maia Morgenstern, Nikolaus Paryla

Regie führt:

Hans Steinbichler


Die Handlung spielt sich zunächst in einer abgewirtschafteten Tankstelle mit dem Flair der späten 60er Jahre ab, die von der Mutter, ihrem Sohn und einem Kfz-Schlosser betrieben wird. Tief in der finstersten Pampa irgendwo in der BRD - ich vermute im hessischen, ehemaligen Grenzgebiet zu Thüringen - lebt der knapp über 40 jährige Sohn immer noch mit Mutti zusammen. Er interessiert sich allenfalls für seine Fische in einem großzügig angelegten Aquarium, lässt sich von Mutti bekochen und wird von ihr in der Badewanne von Öl und Benzingeruch mittels Wurzelbürste befreit.
Sein Liebesleben ist gleich Null, zumal in der Walachei keine Frauenbekanntschaften möglich werden.
Obwohl landschaftlich durchaus reizvoll gelegen, befindet sich die antike Tankstelle abseits von einer Bundesstraße und wird nur von zufällig vorbeifahrenden PKW frequentiert. Der Umsatz ist daher mau.
So, wie das Leben von Mutter und Sohn auch.

Eines Tages beschließt der Sohn nach Rumänien zu fliegen, um dort über eine zuvor kontaktierte Partneragentur eine Frau kennenzulernen.

Gesagt, getan. Das Muttersöhnchen trifft sich sehr schnell mit der Vermittlerin und lässt sich einige Aspirantinnen vorstellen. Während die Eine sich ziert, seinen kleinen Präsentkorb anzunehmen ( " Ceausesco ist bereits lange tod! " ), sind die weiteren Kadidatinnen eher mäuschenhaft und bieder. Der umständlich agierende Brautsuchende treibt die Maklerin alsbald zum Wahnsinn. Dann geht er - unverrichteter Dinge, weil die noch in Betracht kommende Iryna zu spät kommt. In der letzten Minute sieht er, wie Iryna sich entschuldigend in das Lokal zu der Partnervermittlerin stürzt. Er geht zurück und es entsteht ein kurzes Gespräch, da die Rumänin sogar deutsch spricht.

Iryna fährt mit ihm in seine provinzielle Heimat nach Deutschland. Es kommt, wie es in einer solchen Beziehungskonstellation fast immer der Fall ist - zu diversen Spannungen zwischen Braut und Schwiegermutter. Iryna wehrt sich gegen das dominante Auftreten der Mutter und siegt mit ihrer Gewitzheit über derer - von Eifersüchteleien - getriebenen Verhalten.
Das Paar heiratet. Er ist bis dato Jungmann geblieben und kann seine sexuelle Verklemmtheit immer noch nicht ablegen.Zwischen den Frischvermählten treten die ersten Beziehungskonflikte auf.
Der Film zeigt sie inmitten der abgelegenen Gegend, weit weg von der eigentlichen Zivilisation und in einem Umfeld aus einer längst untergegangenen Epoche - der Wirtschaftswunderjahren.

Das Paar quält sich, und der Zuschauer wird das dumpfe Gefühl nicht los, dass die Trennung alsbald naht. Bis eines Morgens die Mutter - genial gespielt von der leider viel zu früh verstorbenen Monika Bleibtreu - ohnmächtig auf dem Rasen zwischen die weißen Bettlaken auf der altertümlichen Wäscheleine - liegt. Die Kontrahenten sind geschockt; vor allem dann, als die Diagnose Hirntumor feststeht. Der Mutter bleiben nur noch wenige Wochen bis zu ihrem Tod. Als sie dann im Spätsommer des selben Jahres stirbt, bricht für den Sohn eine Welt zusammen. Der überragend charakterisierend Mathias Brandt - der älteste Sohn des Ex-Bundeskanzlers Willy Brandt und der damaligen Frau Rut - zerfliesst in tiefer Trauer. Doch dann lebt eer - getrieben von seiner rumänischen Gattin - völlig neu auf. Das Paar überspielt den Verlust der einst dominanten Mutter. Der Sohn legt sukzessive den Ödipus-Komplex ab. Er reißt sich die alten Kleider vom Leibe und er geniest die Zweisamkeit mit seiner Lebenspartnerin - bis die eines nachts verschwindet.

Auf der verzweifelten Suche nach ihr in deren Heimatland Rumänien muss er sich mit allen Tricks die Informationen über seine Frau erkaufen - von der er eigentlich nichts weiß. Dass er sie liebt, dass er eifersüchtig über sie wacht, zeigte der Film bereits, als er anlässlich einer Feier in der kleinen Tankstelle fast ausrastet, weil sie etwas freizügig mit einem Landsmann tanzt. Er gräbt sich an ihre Vergangenheit heran und erfährt, dass sie in einer witzigen Plattenbauwohnung in Bukarest wohnt. Er trifft sie allerdings während ihrer Arbeit in einer Geflügelmastfabrik und stellt sie zur Rede. Der Grund für ihre plötzliche Heimkehr kommt dann nicht gerade überraschend zu Tage: sie hatte kein Heimweh, sondern eine minderjährige Tochter aus einer vorherigen Beziehung. Sie stellt sie ihm vor. Er reagiert warmherzig und als beide dann in ihre Wohnung gehen, wird klar, dass der einstige Muttersohn erwachsen geworden ist, denn er akzeptiert die Tochter und übernimmt damit auf gleichzeitig Verantwortung.

Ein Film mit Anspruch und zum Nachdenken, der sich durch drei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, die überragend dargestellt werden, auszeichnet. Sehenswert! Auch in einer dritten Wiederholung.

" ABC, for you and me. " - der schleichende Niedergang des Weltstars Michael Joseph Jackson.


Am 26.06.2009 schlug eine Meldung in die Nachrichtenredaktionen sämtlicher Medien auf unserer kleinen Erde, wie ein Donnerhall ein und verbreitete ein bisher nie da gewesenes Interesse an einer einzigen Person, wie es bislang nicht einmal bekannte und berühmte Politiker zu teil geworden ist:
Der selbst ernannte " King of pop ", ein gewisser Michael Joseph Jackson ist tot. Er verstarb 50jährig in einem Krankenhaus, nachdem Notärzte vergeblich seine Wiederbelebung versucht hatten. Er starb an einem Herzinfarkt infolge einer Überdosis Medikamenten.
Nun brach eine Lawine an Beileidsbekundungen über den Nachrichtenrezipienten herein. Wer da nicht alles von wo und über wen, warum zu dem Tod von " Jacko " sich öffentlich äußern wollte? Von der Frau auf der Straße bis zum bekannten Musiker. Sie empfanden Trauer und Bestürzung, heuchelten ihr Mitgefühl und der Plebs kaufte, wie auf Kommando die CD-Regale mit den " Jacko "-Alben leer. Wie ein Tsunami stürzte auch eine Bestellwelle bei dem weltweit grössten Internetversandhaus " Amazon " hinein. Der Server war permanent überlastet,so wie beispielsweise auch bei Google, wenn nur der Name Michael Jackson eingegeben wurde.

Wenn Wahnsinn Methode hat, so zumindest im Verhalten von jenen Fans, Mitläufern und sonstigen Opportunisten dieser Welt, als es darum ging, dem Toten das individuelle letzte Geleit zu geben. Ich möchte nicht wissen, wieviele Millionen Tonträger innerhalb der 24 Stunden nach dem Bekanntwerden von Michael Jacksons Tod abgeleiert wurden. Seiś drum!

Nachdem sich die Welttrauerindustrie mal wieder so ordentlich die Kante gegeben hatte, kamen mir dann einige Gedanken darüber, welchen Stellenwert Jackson eigentlich in meinem Leben eingenommen hat. Nun, ich blättere da ein wenig zurück. In meiner eigenen Lebensbiografie finden sich zunächst einige bruchstückhafte Erinnerungen zu jenem angeblichen " Superstar " des Pops. In den Mittsechszigern, als populäre Musik nicht einmal stundenweise über die wenigen Frequenzen der empfangbaren Radio-und Fernsehsender in die heimischen Vierwände kam, galt einst eine Musikrichtung aus den USA als aufstrebend. Es war der Motown - Sound, den fast ausnahmslos farbige Künstler über ein Platten-Laben namens " Tamla Motown Records " kreierten und der von Interpreten, wie Diana Ross and the Suprems,Smokey Robinson & The Miracles, Glady Knight & the Pips, später dann The Tempetations,Marvin Gaye Stevie Wonder und The Commodores sowie Lionel Ritchie,fortgeführt wurde. Es war einst eine Mixture von Blues, Gospel, Soul und Pop,Phillysound die dann in den frühen Jahren auch die Jackson5 verkörperten. Hinzu kam eine, dem Rhytmus angepasste Tanzkreation. Der Philli-Sound war eben eine Gegenbewegung zum Rock,Pop und Jazz der weißen Mehrheit in den USA und beschränkte sich zunächst auf einige ehemaligen Südstaaten, wie aber auch Philadelphia,Michigan,Bundesstaaten eben, die einen hohen nteil von farbigen Bürgern haben.

Während in dem Mief der 50er und 60er Jahre auch musikalisch ein Einheitsbrei, bestehend aus Schnulzen,Heimatliedern,Schlagern und oft sogar Operettenmusik über die Sender der ARD gejagt wurde, enstand nach dem Rock `n ` Roll, eine musikalische Gegenbewegung. Sie entstand in den Kellern Liverpool's, London's und dceiniger amerikanischer Großstädte. Der Beat war auf dem Vormarsch. Ab den frühen 6oern hörte die Jugend die Musikstücke der Beatles, Rolling Stones und The Who, aus den USA The Monkees, The Beach Boys sowie aus Australien The Easybeats, außerden aus der BRD The Rattles, The Lords und The Petards. Einige Jahre später gesellten sich unzählige andere Interpreten hinzu, die den Beat veränderten und zunehmend in speziellere Richtungen trieben.

Die Mitsechziger waren für deshalb geprägt von Sendungen, wie den Beatclub, der Bravo Hitparade auf Radio Luxemburg und der NDR Hitparade. Es drehten sich dabei Single von den Kinks, den Small Faces oder der Spencer Davis Group auf dem Plattentellern. Ebenso gehörten die Formationen Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich, die Hermann Hermitś und die Creation dazu.Die Musik der ruppen unter dem Tamla Motown Record-Label mochte ich nicht. Sie war mir - ehrlich gesagt - zu schwulstig, zu kreischig und zu lahm arschig. Weder Diana Ross & The Suprems, noch die ackson5 fanden meine Gnade. Diese Titel - obwohl erstklassig produziert und vermarktet - waren kein Thema dieser Zeit. Ich spielte sie weder während der Samstagsabend-Disco im Jugendheim von Bad Eilsen, noch hörte ich sie mir mit Begeisterung an, wenn sie in den Hitparaden vertreten waren.

Es gab damals eine Samstagabend-Hitparade des Deutschlandfunks, innerhalb derer dann aktuelle Charts aus England, den USA gespielt wurden.An einem Samstagabend war ich zu einer Fete'bei den Nachbarjungs eingeladen und hörte dort zum ersten Mal die DLF-Hitparade. Die Titel der USA-Charts bestanden zum Teil aus Stücken von The Suprems, Smokey Robinson und eben den Jackson5 mit " ABC ". Für mich war es geschmacklich der Tiefpunkt an jenem Abend. Ein - bedingt durch den nur mäsigen, dann auch noch mono - Empfang hörte sich dieser Brei unerträglich an. Ich glaube mich erinnern zu können, dass auch die Monkees mit ihrem Hit " Iám a believer " vertreten waren. Jedenfalls ein Abend, der bei mir in schlechter Erinnerung blieb, zumal es noch Streit zwischen zwei Mädchen gab, die sich für einen Klassenkameraden interessierten, der damals der Gigolo Nummer 1 war.

So blieb auch Michael Jackson als Mitglied der Jackson5 bei mir unter der Rubrik: " ferner liefen ". Daran änderte sich auch in den 70er nichts. Selbst als er als Solist einen Welterfolg nach dem anderen feierte, war " Jacko " kein Musikthema für mich. " Thriller " sein erfolgreichsten Album hatte ich in den Plattenläden von einst nie in den Händen. Auch seine weiteren Tonträger waren mir eher unbekannt.

Die Jahre verflogen, die Musikrichtungen atomisierten sich. Es gab im Musikgenre Untergruppen, von denen ich soviel gehört hatte, wie ein Tauber vom Schall. " Jacko " hatte seinen Weltruhm längst verlebt. Was in den 90er über ihn berichtet wurde, waren private Probleme und sein - unstreitge - Neigung zu minderjährigen Jungs. Neverland war alsbald in aller Munde, weil er dort Ärger mit der Polizei, den Justizbehörden und mit seiner Fangemeinde bekam. Jackson war zudem zu einer Kalkwand mutiert. Er hatte seinen Körper verstümmelt und sah aus, wie eine lebende Mumie.
In den frühen 2000er wurden erneut Berichte über die pädophile Neigung des " King of pop " laut.
Er musste sich vor Gericht verantworten, wo er zwar freigesprochen wurde, jedoch ein übler Beigeschmack bei einem neutralen Beobachter verblieb.

Aus diversen Berichten, Nachrichten und Artikel hatte ich Jackson inzwischen als psychisch Kranken eigeordnet. Einst trat er wegen der angeblichen Infektionsgefahr mit Bakterien und Viren in einem klimatisierten Raumanzug auf die Bühne, dann hasste er seine Nase und ließ sie x-Mal operieren, später glaubte er an einer Hautpgmentkrankheit zu leiden.
In Wahrheit hasste er seinen Körper und damit sich selbst. Er hasste die verloren Jahre seiner Kindheit, weil sein grausam Vater ihn zum Erfolg prügelte. Er hasste die einstige Musik, mit der er seine Anfangserfolge feierte. Er baute stattdessen eine Wahnwelt auf, in dem er Neverland für sehr viel Geld erwarb und aus dem Gelände einen riesigen Kinderspielplatz nebst Zoo machte. Michael Jackson war krank, einsam und zu bedauern. Seine Erfolge, sein Ruhm, sein Vermögen, all dieses hatte für ihn keinen Lebensinhalt. Er war nicht mit dem Starimage zufrieden, weil es ihn noch einsamer machte, als er schon seit vielen Jahren war.

Nun ist er verstorben - krank und allein; pleite war er längst schon, weil sein irrationale Jagd nach der verlorenen, der geraubten und zerstörten Kindheit ihn alles Geld, dass er einst verdient hatte, wieder kostete - für Opfer, an Anwälte und Gerichte.

Freitag, 26. Juni 2009

OROSZ, was nun? Wenn Schilda vor der eigenen Haustür liegt.




Was lange währt, wird endlich schlecht, so könnte eine Plattitüde in verballhornter Form die Geschehnisse rund um die Fachtag der UNESCO in Sevilla lauten. In ihrer 32. Tagung hat die Fachkonferenz der sächsischen Hauptstadt Dresden den zuvor vor 5 Jahren anerkannten Titel als Weltkulturerbe wieder aberkannt. Die Verantwortlichen haben ja lange darum gebettelt.

Die Chronologie der Ereignisse rund um die " Waldschlösschenbrücke " ist zwar bekannt, dennoch habe ich mir die Mühe gemacht und sie via Internetrecherche noch einmal zum Nachdenken eingelesen. Also, dann der Reihe nach:


Die vierspurige Elbquerung wurde 1996 beschlossen und 1997 projektiert.
Der erste Spatenstich erfolgte am 29. November 2000, die Verkehrsfreigabe soll im Juni 2011 erfolgen.
Die eigentlichen Bauarbeiten begannen am 19. November 2007, seither stiegen die Kosten gegenüber den ursprünglich geplanten (157 Mio. €) um etwa 20 Mio., indem der Stadtrat bereits 39 Nachforderungen von Baufirmen bewilligte.
Dafür, dass allein die Planungskosten mehr als 20 Mio. € betrugen, verlieh 2004 der Bund der Steuerzahler den Schleudersachsen.

Nicht nur das, es handelt sich um einen Schildbürgerstreich der ersten Kategorie, denn:



Mit der Wiedervereinigung Deutschlands erhöhte sich der PKW-Bestand – und damit das Verkehrsaufkommen – erheblich, und der auf der Straße abgewickelte Schwerlastverkehr nahm wesentlich zu. Als besondere Schwachpunkte auf dem Dresdner Stadtgebiet erwiesen sich die Tatsachen,dass der gesamte zwischen den Autobahnen A 4 und A 13 und der tschechischen Grenze abzuwickelnde Transitverkehr über die B 170 die Innenstadt und deren Elbbrücken passieren musste (dies änderte sich erst nach Fertigstellung des ersten Bauabschnitts der stadtumfahrenden A 17 im Dezember 2005) und dass der gesamte elbquerende Verkehr auf Neustädter Seite in einem nur etwa 700 m breiten Bereich um den Albertplatz zusammenläuft, der dafür nicht ausgebaut und somit zu den Spitzenzeiten überlastet ist.

Da etwa 40 % der Dresdner auf der Altstadtseite östlich der Innenstadtbrücken wohnen, erscheint die Verkehrsführung zu den Industriegebieten im Norden durch den Innenstadtbereich keineswegs logisch. Der Neubau einer Elbbrücke östlich des Stadtzentrums kam auf die Tagesordnung und fand sofort breite Zustimmung.

So beschloss denn der CDU-Stadtrat von damals den Bau einer Elbquerung in Form einer Brücke, jener Elbschlössbrücke eben.Das war ebenso weise, wie voraussehend. Mit zunehmender Industrialisierung der Neuen Bundesländer und einem wachsenden Wohlstand nahm auch die Zahl der Kraftfahrzeuge zu. Obwohl die CDU-Mehrheit jenen Bau mehrheitlich beschloss verging fast eine Dekade, eher der Beschluss umgesetzt werden sollte.
Der Hauptgrund dafür lag in den fehlenden Finanzierungsmöglichkeiten. Das Land Sachsen war inzwischen stark verschuldet, die Stadt Dresden extrem hoch verschuldet. Es war kein Geld für derartige Projekte vorhanden.

Obwohl die Verantwortlichen von den Bauplänen wussten, nahmen sie vor 5 Jahren den von der UNESCO verliehenen Titel " Weltkulturerbe " für den ca 20 Kilometer langen Teil des Besteingeführtes, innerhalb dessen auch Dresden liegt, vorbehaltlos an. Kurz darauf kramte die mittlerweile aus CDU/FDP bestehende Koalition im Stadtrat des einstigen Beschluss wieder aus der Schublade und begann mit den Planungen für eine Brücke. Es wurden bereits 20 Millionen Euro für die eingeholten Gutachten und sonstige Vorlauftätigkeiten " verbraten ", da wurden Stimmen laut, dass die Bevölkerung diese Brücke nun nicht mehr wolle. Ein hierauf hin initiierter Bürgerentscheid sah im Ergebnis eine mehrheitliche Befürwortung für die Waldschlösschenbrücke vor.

Was in dem vor formulierten, anzukreuzenden Antworten zum " Pro " oder " Contra " Brücke nicht enthalten war, war der drohende Verlust des Titels " Weltkulturerbe " durch die UNESCO im Falle eines Brückenbaus. Diese UNESCO-Sanktion war all denen bekannt, die sich zuvor mit der Prokektierierung zu befassen hatten. Die Alternative musste demnach lauten eigentlich lauten: " Entweder der Bau der Waldschlösschenbrücke " oder die Beibehaltung des Titels " Weltkulturerbe "

Nach endlosen Diskussionen über das Für und Wider des Brückenbaus standen dann Mitte November 2007 die Bagger am Elbufer. Zuvor gabe es noch weitere Prozesse vor dem Verwaltungsgericht Dresden und dem Oberverwaltungsgericht in Bautzen. Im Wege der einstweiligen Anordnung mussten die Bauarbeiten sogar zeitlich befristet gestoppt werden, weil "schlaue " Brückenbaugegner eine Fledermauspopulation am Elbufer ausgemacht haben wollten, die sich zu allem Überfluss noch " Kleine Hufeisennase " nennt. Diese possierlichen Tierchen hielten den gesamten Stadtrat nebst Landesparlament über Wochen in Atem. Ab Ende 2008 waren dann sämtliche rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft und die Brückenbauarbeiten im vollen Gange.

Als verwundert zuschauender und zuhörender Dresdner habe ich mich von Beginn an nicht des Eindrucks erwehren können, dass da gut dotierte Verantwortliche - den Bürgern von Schilda gleich - zunächst die verkehrstechnischen Notwendigkeiten richtig erkennend - hieraus die falschen Schlüsse ziehen wollten, nachdem sich erheblicher Widerstand aus der eigenen Bevölkerung regte. Leider gibt es jedoch die viel zitierte eierlegende Wollmilchsau nicht. Die Konsequenzen aus dem Durcheinander sind nun so eingetreten, wie es ein Gutachten von Prof. fastenau an der TU Dresden bereits konstatierte: Der Weltkulturerbetitel ist nun unwiderruflich futsch!

Wenn ich mir die gesamte Chronologie um jenen Brückebauzwist einaml genauer betrachte, so u.a. bei:


http://de.wikipedia.org/wiki/Dresdner_Brückenstreit

werde ich den Eindruck nicht los, dass neben CDU-Filzokratie, auch ein gerüttelt Maß an Naivität bei den politischen ntscheidungsträgern von einst vorhanden sein musste. Wenn die jetzige OB Orosz nach ihrem Trip auf Steuerzahlerkosten in Sevilla für 2 Minuten ihre längst sinnlosen Relativierungsversuche zum Vortrag bringend, abschließen noch vollmundig über einen Neuantrag bei der UNESCO fabuliert, so zeigt dieses auch nur, dass sie und ihre Partei nicht nur unfähig sind, sondern darüber hinaus Schildbüger erster Klasse darstellen.

Donnerstag, 25. Juni 2009

Kinderheime in der BRD - Zwei unversöhnliche Lager bekämpfen sich und schaden damit eher der Sache

Ein zufälliger Blick auf die Seiten des Forum "die gesellschafter.de " ließ mich stutzen.Da hatte doch tatsächlich ein leibhaftiger Professor sich des Themas " Heimerziehung in den 50er bis 70er Jahren " angenommen und dazu einen sogenannten Tagebucheintrag eingestellt. Und, er fand mit seiner veröffentlichten Meinung zu gar Diskutanten. Eigentlich hatte ich seit vielen Jahren die feste Überzeugung, dass sich - mit Ausnahme der Betroffenen - kein Mensch für das, was ab den Nachkriegsjahren bis hin in die Endphase der 68er Revolte in den kirchlichen Verwahranstalten praktiziert worden ist, überhaupt interessiert. Nun, ich musste mich eines besseren belehren lassen.

Es wurde eifrig und kontrovers mit eigenen Meinungen herum hantiert, wobei dann ein User auf den mir längst bekannten Namen Martin Mitchel hinwies, der seit vielen Jahren eine Vielzahl von Seiten über sein persönliches Schicksal in dem einstigen Zöglingsheim " Freistatt " im niedersächsischen Sulingen aufmerksam macht. Wer dieses - zweifelsohne unkonventionelle - Mitteilungsbedürfnis von M.M. eher Ernst nimmt, der wird dann auch sehr schnell zu der Erkenntnis kommen, dass hier schreiendes Unrecht beschrieben wird. Die Person M.M: artikuliert jene skandalösen Zustände in dem einstigen Erziehungsheim nicht so, wie es andere aus der Gruppe seiner Leidesgefährten tun,sondern er zelebriert in chaotisch kreativen Formen das Erlebte, das Erlittene, das ihm Wiederfahrene.
Hiermit eckt Mitchel natürlich bei einigen Ex-Heiminsassen in massiver Weise an. Es entstehen Spannungsfelder innerhalb derer nun der Frust über das eigene, das verpfuschte Leben in wüsten Beschimpfungen und unter Zuhilfenahme von - meist unerträglichen - Verbalinjurien in das World Wide Web transportiert wird.

Es kommt zu einer unsäglich, ja unsinnigen,Schlammschlacht, wobei dort jedes Mittel recht ist, um den Anderen zu verunglimpfen. Der Sache dient dieser Aktionismus indes nicht. Während der Bundestagspetitionsausschuss nach einer Anhörung sich zumindest dahingehend gnädig zeigte, grundsätzlich festzustellen, dass den vielen tausend Ex-Heiminsassen in der gesagten Zeit Unrecht geschehen ist, konnten sich die Volksvertreter indes nicht dazu durchringen, eine Gestzesinitiative auf den Weg zu bringen, mit der das schwarze Kapitel in der jungen Geschichte der BRD aufgearbeitet worden wäre.

Ergo: Es gibt für die vielen Zöglinge derzeit weder Geld, noch eine förmliche Entschuldigung durch die Amtskirchen. Da hat das kleine Irland uns doch einiges voraus, denn hier wurde erst kürzlich ein Fond über 1,3 Mrd. Euro augelegt, mit dem zumindest das grobe materielle Ungleichgewicht für die über 30.000 Heimkinder in den hunderten von katholischen Erziehungseinrichtungen aufgewogen werden kann. Vorerst, denn parallel dazu laufen einige Klagen gegen einstige Schläger, Vergewaltiger und Mörder, die im Namen Gottes Kindern ihre Kindheit, Jugendlichen ihre Jugend und Erwachsenen ihre Zukunft geraubt hatten.

Mittwoch, 24. Juni 2009

Eigene Gedanken zum Flugzeugunglück am 1. Juni 2009



Kaum, dass die Medienmeute sich auf das nächste reißerische Thema, nämlich das Flugzeugunglück über dem Atlantik am 1 Juni 2009, gestürzt hatte, schossen auch schon wilde Spekulationen hierüber ins Kraut.Es wurde fleissig über einen möglichen Pilotenfehler fabuliert. Später mutmaßte die Medienindustrie,dass es ein Blitzeinschlag gewesen sein könnte, der die Maschine zum Absturz gebracht hätte. Dann wiederum seien defekte Außensensoren an den Turbinen als Absturzursache heranzuziehen. Es wurde in den Folgetagen mehr als genug über die Ursachen des tragischen Unglücks spekuliert.Natürlich ist es die Aufgabe der Medien über ein solches Unglück, eine derartige Katastrophe, bei der 228 Menschen umgekommen sind, ausführlich zu berichten. Sei es über die Umstände, die zur Katastrophe führten, sei es, von den sonstigen Begleiterscheinungen zu diesem Unglück. Allerdings wäre es ratsamer gewesen,die teilweise voreiligen Meldungen, wie das Auffinden einer Ölspur und von Trümmerteilen, erst dann in den Öffentlichkeit zu bringen, wenn dieses fundierte Erkenntnisse sind. Im Nachhinein stellte sich nämlich heraus, dass die Ölspur von einem Schiff stammte und die angeblichen Wrackteile des Passagierflugzeuges über Bord gegangene Schiffsgegenstände waren. Peinlich! Sowohl für die Verantwortlichen der groß angelegten Suchaktion, wie auch für die Berichterstattenden.

In den Tagen nach dem Unglück überboten sich die Meinungsmacher auch bei der Bewertung des Flugzeugunglücks durch vermeintliche Experten und sonstige Schlaumeier. So wurde journalistisch annähernd jede 24 Stunden ein neue Sau durchs Mediendorf getrieben. War es zunächst erst ein vermuteter Blitzeinschlag, folgte darauf das Unwetter nebst möglichen Turbulenzen, dann ein Pilotenfehler, daraufhin defekte Geschwindigkeitssensoren an der Außenhaut, dann Hageleinschlag,zuletzt eine Kombination von allen möglichen Absturz ursächlichen Varianten.

Während die Experten rätselten, die Suchtrupps den Atlantik absuchten, kam ein Mann im fernen, im alten Europa zu Wort, der selbst über genügend Sachkunde und Flugerfahrung verfügt: der österreichische Ex-Formel 1 - Rennfahrer und ausgebildete Pilot Niki Lauda.
In einer Sendung von ORF 2 sprach er wenige Tage nach der Katastrophe aus, was einige Experten mit Sicherheit schon vermutet hatten, es jedoch aus Angst vor möglichen Regressforderungen und Zivilprozessen - nicht öffentlich aussprachen: Der Airbus A 330 ist beim Durchfliegen des Unwetters plötzlich in der Mitte auseinander gebrochen und dann abgestürzt.

Für die Theorie von Niki Lauda spricht nun, dass bei den 50 geborgenen Leichen eine Vielzahl von Knochenbrüchen diagnostiziert werden konnte, jedoch keine Verbrennungen. Ein Teil der Körper waren beinnahe vollständig entkleidet. Auch bei den über 400 gefundenen Wrackteilen fanden sich keine Anzeichen von Feuereinwirkungen. Nach einem amerikanischen Luftfahrtexperten zu Folge, sind dieses eindeutige Indizien dafür, dass das Flugzeug durchgebrochen sein muss.

Nun stellt sich ein neutraler und kritischer Beobachter der Unglücksszenrie die Frage, warum in den Medien und von Seiten der Air France als Fluggesellschaft nicht bereits nach kurzer Zeit des dann festgestellten Absturzes der Maschine, eine solche Unglücksursache als Möglichkeit öffentlich angesprochen wurde? Ein Schelm, der dabei Böses denkt?

Die kommerzielle Luftfahrt ist seit vielen Jahren in der Krise. Dieses nicht erst seit dem 11. September 2001, als quasi über Nacht die Buchungen und Umsätze sowie Gewinne der weltweit tausenden Fluggesellschaften in nie gekannter Form zurück gingen. Schon davor kam es zu Pleiten von Anbietern. Es wurden Fusionen vollzogen. Die Konkurrenz untereinander musste verschärft werden. Wer wetbewerbsfähig bleiben wollte, hatte flexibel auf Marktänderungen zu reagieren, die Preise zu senken, die Kosten zu reduzieren, die Ausbildungs -und Qualitätsstandards des Personals zu verringern. Je mehr das Fliegen zu einem Allerweltsereignis wurde, desto grösser wurde der Konkurrenzdruck. Das Massentransportmittel Passagierflugzeug verkam zu einem hoch technisierten Lasten - Personentaxi. Geiz ist geil, billig, billiger am billigsten, steig ein!

Nicht immer bedeutet aber billig, auch gut, ist preiswert, auch sicher und sind Dumpingpreise ein Indiz für eingehaltene international geltende Flugstandards.
Der A 330 ist ein neues Flugzeugmodell, dass nicht jene Erfahrungswerte aufweist, wie andere Maschinen. Möglicherweise handelt es sich bei der wahren Unglücksursache um eine Konstruktionsfehler, ein Wartungsproblem oder beides zusammen.
Die Air France hüllt sich hierzu weiterhin in Schweigen und zahlt statt intensive Aufklärungsarbeit zu betreiben allen Hinterbliebenen eine vorläufige Entschädigung von lumpigen 17.500 EURO. Angesichts des Leides und der damit verbundenen Einschränkungen in der künftigen Lebensqualität der Betroffenen, ist dieses Verhalten ein Schlag in das esicht jedes Einzelnen.

Regen ist gut, aber: Wann wird es endlich wieder Sommer?




Der 21. Juni 2009 ist nun fast drei Tage her und der mit ihm feststehende kalendarische Sommeranfang ebenso abgehakt, wie die letzte Fußball-Bundesligasaison. Dennoch ist eines beim Alten geblieben: Das Regenwetter war bereits vor dem Sommeranfang vorhanden und wird uns auch noch weit in die zweite Jahreszeit hinein begleiten.Während einige Bundesländer ab Mittwoch, 24. Juni, bereits in die großen Ferien starten, müssen andere Ferienwütige noch einige Wochen in dem nass-kalte Wetter, dass große Teile von Europa mit Temperaturen um höchstens 15 Grad beglückt, im Aprilwetter ausharren. Schon werden die ersten Stimmen laut, die da - alle Jahre wieder kehrend - eine Mär über die schöneren, die wärmeren und trockeneren Sommer aus ihren Kindheits- - und Jugendtagen oder den Dekaden vor der festgestellten Klimaerwärmung, zum Besten geben.
Sie reihen sich damit in die ungezählte Gruppe von Protagonisten ein, die sich - wie in jedem Jahr - an der ewig währenden Diskussion zu diesem Thema beteiligen.

Das Wetter hat ja insgesamt - spätestens - seit der Einführung der Privatmedien einen enormen Stellenwert in der täglichen Nachrichtenflut eingenommen. Wetterberichte im Viertelstundentakt sind heute überhaupt keine Seltenheit mehr. Zu jeder aktuellen Informations - und Nachrichtensendung sehen wir sie, die adrett, modisch, bunt gekleideten Damen und Herren. Mit einem erheblichen Pathos und einer schauspielerischen Gestik sowie Mimik zeigen sie uns - dazu galant hin und her stolzierend - die neusten Wetterdaten, die Ergebnisse und Trends hierzu.

Waren es einst - vor vielen hundert Jahren - Wetterregeln, die aus dem unerschöpflichen Fundus überlieferter Prosa des menschlichen Denkapparats entstammten, so dienten mit der zunehmenden Technisierung der Welt, alsbald mechanische, später dann elektronische Erfindungen, um die vielen Wetterdaten zu ermitteln. Von den einstigen, plattitüdenhaften Bauernregeln a'la':" Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt so, wie es ist! " und in die Philosophie hinein dringende Lebensratschläge, wie: " Mach' es wie die Sonnenuhr, zähl'die heitŕen Stunden nur! " entwickelte sich sukzessive ein hoch komplexes Wissenschaftsgebilde, dass mit sehr viel Geld und unüberschaubarer Technik den Erdenbewohnern versucht, jene Wissbegierde über das oft nur profane Thema Wetter stillen zu helfen.

Um den frustrierten Schlechtwettergeplagten ein wenig gute Laune einzuflössen, kreierten Musiker eine Vielzahl von Liedern, die sich mit dem Sommer, das andersartige Lebensgefühl und das Schönwetter befassten. Ob nun die " Lovin'Spoonful " mit ihrem Hippie-Ära-Titel " Summer in the city ", das Popquartett " Munjo Jerry " und ihr Welthit " In the summertime " oder der deutschsprachige Gassenahauer des - leider viel zu früh - verstorbenen Rudi Carell mit der viel sagenden Frage. " Wann wird's mal wieder richtig Sommer? ", die wollten den Wettergeschädigten oder Sonnenanbetern das richtige Lied zur richtigen Stimmung für die richtige Jahreszeit kredenzen.




Wir brauchten früher keine große Reise.
Wir wurden braun auf Borkum und auf Sylt.
Doch heute sind die Braunen nur noch Weiße,
denn hier wird man ja doch nur tiefgekühlt.
Ja - früher gabs noch hitzefrei.
Da war das Freibad auf im Mai.
Ich saß bis in die Nacht vor unserem Haus.
Da hatten wir noch Sonnenbrand
und Riesenquallen an dem Strand,
und Eis.
Und jeder Schutzmann zog die Jacke aus.

Wann wirds mal wieder richtig Sommer,
ein Sommer wie er früher einmal war?
Ja - mit Sonnenschein von Juni bis September
und nicht so naß und so sibirisch,
wie im letzten Jahr

Und was wir da für Hitzewellen hatten.
Pulloverfabrikanten gingen ein.
Da gab es bis zu 40 Grad im Schatten.
Wir mußten mit dem Wasser sparsam sein.
Die Sonne knallte ins Gesicht,
da brauchte man die Sauna nicht.
Ein Schaf war damals froh wenn man es schor.
Es war hier wie in Afrika.
Wer durfte machte FKK.
Doch heut, heut summen alle Mücken laut im Chor:

Wann wirds mal wieder richtig Sommer
Ein Sommer wie er früher einmal war?
Ja - mit Sonnenschein von Juni bis September,
und nicht so naß und so sibirisch,
wie im letzten Jahr.

[Na na na na na na na na...]

Der Winter war der Reinfall des Jahrhunderts.
Nur über tausend Meter gab es Schnee.
Mein Milchmann sagt: Dies Klima hier, wen wunderts,
denn Schuld daran ist nur die SPD.
Ich find', das geht ein bißchen weit.
Doch bald ist wieder Urlaubszeit.
Und wer von uns denkt da nicht dauernd dran?
Trotz allem glaub ich unbeirrt,
dass unser Wetter besser wird.
Nur wann, und diese Frage geht uns alle an:

Wann wirds mal wieder richtig Sommer
Ein Sommer wie es früher einmal war?
Ja - mit Sonnenschein von Juni bis September,
und nicht so naß und so sibirisch,
wie im letzten Jahr.

Ja, ja, der Rudi, der Herr aus dem holländischen Alkmaar und mit bürgerlichem Namen Rudolf Wijbrand Kesselaar, 1934 geboren. Sein Todestag vom 07.07. 2006 jährt sich jetzt bereits zum 3. Mal. Ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen, ein Multitalent, ein Entertainer der alten Schule, der dem breiten Publikum jenes Fernsehen vermittelte, dass es bereits damals schon gab: flach, einfach, erfolgreich!
Allerdings konnte auch er das Sommerwetter nicht verändern. Trotz seines Lieds, dass er der Meldoie des Welterfolgs " City of New Orleans " von Arlo Guthrie abkupferte, blieb der Sommer `75 mir als ein warmer trockenere und heißer in Erinnerung, so wie der von 1976. Das Lied plärrte dennoch aus jedem Radio, jeder Kneipe und wurde von vielen mitgesungen.

Seit dem sind fast 3 1/2 Jahrzehnte vergangen, es hat viele schlechte Sommer und genau so viele gute Sommer gegeben. Hier ist es, wie im sonstigen Leben auch: Nach einen Tief folgt oft ein Hoch, nach Regen, scheint die Sonne, nach dem Sommer folgt der Winter - mit oder ohne Wärme und Kälte!

Dienstag, 23. Juni 2009

Flieg, Käfer, flieg!





Am felsig-steinigen Strand von Basanija/Savudrija, einem kleinen Badeort an der istrischen Adriaküste, kam das Gespräch einmal mehr auf vergangene Zeiten. Der reine Zufall wollte es, dass wir über das Jahr, genauer gesagt, den Sommer 1976 redeten. Es war wohl Ende Juli/Anfang August 1976, als eine riesige Wand von Marienkäfern den Nord - und Ostseestrand der damals noch zwei deutschen Staaten heimsuchte. Innerhalb kurzer Zeit wehte der Wind viele Millionen der possierlichen Tierchen entlang des Küstenstreifens von Norden in Ostfriesland bis zur Insel Darß im heutigen Mecklenburg-Vorpommern. Tausende dieser sogenannten Glücks - oder auch Siebenpunktfäfer ließen auf Häuserwänden, an weißen Flächen, an Stränden und auf den Autodächern heller Fahrzeuge nieder. Die Presse bezeichnete dieses Naturphänomen als Marienkäferplage, andere Medien sprachen gar von einer Käferinvasion.
So dramatisch, wie jenes Naturschauspiel von den Medien aufgeplustert wurde, war es indes gar nicht.

Was war geschehen?

Günstige klimatische Verhältnisse in den Wintern 1974/1975 / 1976 liessen die Blattlauspopulation immens ansteigen. Dementsprechend wuchs auch die nächste Generation von Marienkäfern exorbitant an. So geschah, was auf natürlichen Wege - ohen menschliche Manipulation - immer geschieht:


In der freien Natur, also ohne Einwirkung des Menschen, reguliert sich das Kräfteverhältnis zwischen Räubern und Beutetieren gewöhnlich von selbst. Als in den heißen Sommern 1975 und 1976 der Blattlaus- bestand in Nordeuropa enorm angewachsen war, kam es prompt zu einer Marienkäferplage. Milliarden von Larven, die aus den Eiern geschlüpft waren, fanden genug Nahrung, um sich am Leben zu erhalten und zu verpuppen. In den Sommermonaten ballten sich dann Käfer an Ost- und Nordsee zu dunklen Wolken zusammen und bissen, als die Blattläuse vertilgt waren, sogar Urlauber.

Die Natur hat den nur ein Jahr lebenden Käfern in dieser sehr kurzen Zeit all jene Überlebensstrategien mit gegeben, die es ihnen ermöglichen, für den Bestand der eigenen Art Sorge zu tragen. Ihre Fähigkeit, auch über eine weitere Strecke fliegen zu können, um dort Nahrung aufzunehmen, wurde dadurch unterstützt, dass neben eines durchgängig heißen Sommers 1975 und 1976 auch die herrschenden Windverhältnisse an den skandinavischen Küstenregionen sowie an Nord - und Ostsee es ihnen sehr erleichterten, mehrere hundert Kilometer Luftlinie zurückzulegen.

Ein schönes Ereignis war es damals in jedem Fall. Als ich Anfang August 1976 einen Schul - und späteren Studienkollegen in Wilhelmshaven besuchte,fanden sich innerhalb weniger Minuten, nachdem er seinen weißen Opel Kadett in Strandparkplatznähe abgestellt hatte, viele hundert Exemplare jenes rot mit schwarzen Punkten gezeichneten Käfers auf dem PKW und dessen Windschutzscheibe wieder. Der einstige Mitschüler setzte flugs den Scheibenwischer in Gang, um sich der vermeintlichen Plage zu entledigen. Wir haben darüber herzhaft gelacht. In meiner Erinnerung ist jener Tag, es muss ein Samstag gewesen sein, auch deshalb haften geblieben, weil wir uns am Abend noch in einer Kneipe mit dem Namen " Zum Siel " in Wilhelmshaven-Rüstersiel einfanden und dort - nach einigen Bieren und Schnäpsen - bis zum Morgengrauen 17 + 4 spielten.Ich verlor damals eta 25 DM - viel Geld für mich. Trotzden, es war ein tolles Wochenende.

Einige Wochen später war die Marienkäferinvasion vorbei. Die Tiere waren verendet, nachdem sie keine Nahrung mehr fanden oder sich nach der Eiablage der inne wohnenden Lebensuhr geschlagen geben mussten. Viele Millionen Käfer hatten den Weg über das Wasser angetreten und führten ein Szenario der besonderen Art den dort wohnenden oder urlaubenden Menschen vor. Selbst auf den ost - und nordfriesischen Inseln fielen die winzigen Tierchen ein.
Dem hamburger Nachrichtenmagazin " Der SPIEGEL " war jenes Ereignis sogar einen Artikel wert. In seiner Ausgabe vom 02. August 1976 berichtete es über das sich später noch mehrfach wiederholende Schauspiel. Allerdings waren 1989 nur die Ostseeküste betroffen. Ab 2007 wurde Frankreich von einer Käferplage heim gesucht, als Milliarden chinesischer Marienkäfer dort einfielen, um ihr Winterquartier zu nehmen. 2008 traf es dann auch einige Regionen in Deutschland. Von Saarbrücken bis nach Dortmund fielen Schwärme von chinesischen Käfern ein und mutierten zu einer wahren Plage.
Experten sahen darin die weiteren Anzeichen für die globale Klimaerwärmung. Na, vielleicht war es eher ein Laune der Natur?

Der Marienkäfer ist mir seit meiner Kindheit als Glückskäfer bekannt.Er fand sich in vielen Kinderbüchern wieder, lag später - in wirtschaftlich besseren Zeiten - als Zusatzpräsent in Schokoladenform dekorativ auf dem Geschenkpaier oder lag als solcher in einem kleinen Osternest.Noch heute sehe ich mir sowohl die natürlichen Marienkfer als auch dessen Schokoladenverwandtschaft in diversen Größen gerne an. Einige Kindheitserinnerungen werden dann wach. Aus einer Zeit, in der - neben anderen Lügengeschichten - auch die Mär erzählt wurde, dass die Anzahl seiner Punkte das Ater des Tieres anzeige. Wie so vieles an Unzulänglichkeiten haben die Erwachsenen ihre einstigen Wissenlücken mit Märchen - und Phantasieerklärungen einfach aufgefüllt, um dem fragenden Kindern überhaupt antworten zu können. Seiś drum - der kleine rote Käfer mit dem schwarzen Punkten zeigt mir heute, dass die Natur nicht so funktioniert, wie der Mensch sie gerne haben möchte.

Die Marienkäferinvasion 1976 ist hierfür ein prägnates Beispiel. Und wer sich damals von ihr belästigt, bedroht und verletzt gefühlt hat, wäre am Besten mit Strümpfen zum Strand gegangen, denn da zwiscken die Tierchen eben nicht durch! So einfach ist es nämlich!

Montag, 22. Juni 2009

Kleine Stadt - Hirschberg an der Saale




Als vor gut 20 Jahren die Deutsche Demokratische Republik in den letzten Zügen lag, konnte ich mir als eingefleischter Norddeutscher, gebürtiger Niedersachse und einstiger Buten-Bremer noch keine Vorstellung darüber machen, dass es jenseits von Nordsee, Mittellandkanal und Weser,auch landschaftlich reizvolle Regionen gibt. Während der Nachwendejahre habe ich denn als Bewohner der Alten Bundesländer sehr schnell erkannt, dass die ehemalige DDR nicht nur aus Grenzregionen und Ost-Berlin bestand. Neben attraktiven Urlaubs - und Erholungsgebieten in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt,Brandenburg und Sachsen, hat Thüringen wunderschöne Landschaften zu bieten. Hierzu zählen - zweifelsohne - auch jene im Saale-Orla-Kreis.

Der Zufall wollte es, dass ich ausgerechnet zum Sommeranfang den familiär bedingten Kurzaufenthalt in Hirschberg an der Saale verbringen durfte.Auch wenn der viel zitierte Wettergott es mit uns nicht unbedingt gut meinte, so gab es dennoch genügend Gelegenheiten, sich das knapp 2.500 Einwohner zählende Städtchen genauer anzusehen. Ein Spaziergang vom wunderbar gelegenen Landgasthof " Rosenhof " an der Gartenstraße führt uns entlang der Schulstraße in den Stadtkern.
Das Nachwendeumfeld ist geprägt von Altbausanierung, Verfall und Besitzstandswahrung.
Wo einst über 6.000 Menschen lebten, wohnten, arbeiteten, findet heute eine auf individuelle Mobilität geprägte, bürgerlich Kleinidylle statt, deren Prinzip sich auf das " Jeder kennt Jeden " aufbaut.

Klein, Kleinod, kleine Stadt, so wie überall und nirgends?

Donnerstag, 18. Juni 2009

Erlaubt ist alles, was hart macht!



Die Reiter sind schon ein besonderes Völkchen. Einst waren sie es - jeweils bunt uniformiert -, die durch Teilnahme an Kriegen, einer Vielzahl von Herrschenden die Voraussetzungen für ihre Macht zu erschaffen, dann deren Einfluss zu erweitern oder zu verringern.Sie teilten dann ungeniert mit den Mächtigen dieser Welt deren Ruhm und Ehre.Die Reiterei war deshalb einst kriegerisch.
Ob nun der Hunne, der Ulane oder der Kosake - sie gehörten immer zur Elite des Kriegsvolkes.
Mit ihrer Kunst, das angeblich treueste Tier des Menschen führen zu können, galten deshalb jene Einheiten als besonders grausam. Sie waren gefürchtet und geachtet, weil sie mittels Säbel, Lanze oder Helabade, per Schwert, Morgenstern oder Speer dem Fußvolk weit überlegen waren. Der Schnelligkeitsvorteil, die Wendigkeit, die Ausdauer und die Masse der Pferde schufen einen nicht zu überbietenden Vorteil der Reitersoldaten.

Mit dem Einzug moderner Kriegswaffen verschwand der Vorteil der Reitersoldaten sehr schnell.Deshalb gehörten bewaffnete Reiter bereits mit Beginn des I. Weltkriegs zu einer aussterbenden Spezies. Die Maschinen, die Motoren und die neue Kriegstechnik brachten sie alsbald in das Museum.
Statt die Pferde weiterhin zu kriegerischen Zwecken zu missbrauchen, verlegte der Mensch seine Machtspiele mit ihnen nun in die sportlichen Bereiche. Er kreierte zwar schon im Zuge der Reiterspiele der Antike weitere Betätigungsfelder für Pferd und Bereiter, doch waren es die Olympischen Spiele der Neuzeit, die hierbei als internationales Parkett dienten, um der übrigen Welt zu zeigen, welche Nation die wahre im Reitsport ist.

Die bundesdeutsche Reiterei tat sich hierbei seit vielen Dekaden besonders hervor. Ob nun im Dressur - oder Springreiten, in der Military oder den dortigen Mannschaftsdisziplinen, der Deutsche gehörte meistens zu den Siegern, den platzierten Teilnehmern, den Favoriten in jedem Fall. Was waren das einst für große Namen, die die deutsche Reiterei hervor brachte: Hans-Günther Winkler,Paul Schockemöhle oder Frankes Slootag - einige der berühmten Springreiter;Liselott Linsenhoff, Nicole Uphoff und Isabell Werth als ehemalige Dressurreiterinnen.

Mit zunehmender Professionalisierung, Kommerzialisierung und Leistungsdichte,schien auch die deutsche Vormachtstellung bei den Pferdesportarten gefährdet zu sein. Die daraus gezogenen Konsequenzen lauteten deshalb: Einsatz von erlaubten und auch unerlaubten Hilfsmitteln zur Leistungssteigerung der Pferde. Ob nun Salben, Wässerchen oder Spritzen, ob nun Tinkturen, Präparate oder Pillen, ob nun Kraftfutter, Aufbaustoffe oder Vitaminpellets - alles war möglich; vieles erlaubt, noch mehr verboten. Die Trainingsmethoden wurde nicht nur verfeinert, sonder oft auch brutalisiert.
Schockemöhles Pferdefabriken erhielten dabei einen besonders negativen Ruf. Berichte über das - wohl immer noch praktizierte - dennoch zweifelhafte oder sogar verbotene " Barren " von Pferden, wobei hier zwischen dem aktiven und passiven " Barren " unterschieden wird, machten seit vielen Jahren in Fachkreisen die Runde. Ebenso das unerlaubte Auftragen von Salben auf die Fesseln oder unter die Gamaschen, die bei Berührung des Pferdes mit einem Hindernis zu nicht unerheblichen Schmerzen führen. Ebenso ist das Anlegen von speziellen Gamaschen innerhalb derer sich elektronisch gesteuerte Gewebeflächen aus einem Leichtmetallgewerk befinden, die bei Berührung dem Pferd einen sehr schmerzhaften Stromstoß verabreichen, längst verboten.

Denoch sind jene Tierquälereien für fabrikmässig betriebene Zucht - und Ausbildungsställe kein Tabuthema. Um ein später erfolgreiches Pferd zu formen, dass dann für viel Geld verkauft werden kann, scheuen einige Protagonisten in dieser Szene weder Mittel noch Wege, ihren Drang nach Geld, Ruhm und Ehre umzusetzen. Es wird nicht nur mit illegalen Trainingsmethoden gearbeitet, sondern es wird auch gedopt, was das Zeug hält. Die Namen jener Dopingsünder ließ sich alsbald, wie das " Who is who " des Pferde-Spitzensports. Jüngster Skandal im Lande der " Pferdeliebhaber " ist die Springreiterequipe um Markus Ahlmann und Marco Kutscher, die selbst von den - eher naiv agierenden - Funktionären der Deutsche Reiterlichen Vereinigung ( FN ) deshalb anlässlich des aufgedeckten Olympia 2008 - Dopingskandals vom aktiven Sport suspendiert werden mussten. Eine neuerliche Blamage allererster Ordnung und ein immenser Rufschaden für den deutschen Profireitsport.

Ich sehe noch die Bilder der Springreitermannschaft nach einem Training in den Anlagen in Beijin. Ein großmäulig auftretender Beerbaum, flankiert von seinen Mitstreitern Kutscher und Ahlmann posaunt - ein Glas Champagner in der Hand haltend - die Elitestellung der Reiter heraus. Wenn Arroganz in diesem Moment Flügel gehabt hätte, müssten Beerbaum,Ahlmann und Konsorten wie eine Rakete dort abgehoben sein. Nun, die Alltagsrealität bei den - nicht elitären - tausenden von Turnier - und Freizeitreiter sieht indes völlig anders aus. So mancher Pferdehalter muss sich die Kosten für den teuren Sport quasi vom Munde ab sparen. Oft verschulden sich Eltern für ihre Pferde närrische Brut und manch Einer bleibt die nicht unerhebliche Stallmiete oder die Raten für eine nicht billigen Sattel sowie einen noch teuren Pferdehänger über Monate schuldig.

Was einst kriegerisch begann, dann elitär weiter gepflegt wurde, ist heute zum Massensport avanciert. Hiervon leben einige sehr gut, andere gut bis mittelprächtig, eine dritte Kategorie geht alsbald in die Insolvenz - so, wie im wahren Leben auch, wenn auch nicht hoch zu Ross. Wenn gleich die sehr oft hochmütige Reiterei sich selbst bei Fall vom Gaul nicht entmutigen lässt. Schließlich ist es eben immer noch ein großer Unterschied, ob ein Olympiasieger im Spring - oder Dressurreiten aus diesem Land kommt, oder einer im 50m-Keulenweitwurf, nicht wahr, Herr Beerbaum!

Montag, 15. Juni 2009

Schaeffler - Opel - Arcandor - Porsche: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren!









Was ist eine Soap? Diese Frage habe ich mir beim Lesen der Wirtschaftsnachrichten gestellt. Exakter gefragt: Was ist eine soap opera, eine Seifenoper eben? Eine Seifenoper ist eine Endlosserie, die mehre Male wöchentlich in einem werbe-orientierten Zeitfenster im TV oder Radio gesendet wird und sich inhaltlich mit Alltagsereignissen befasst.Demnach müsste eine Endlos-Berichterstattung über wirtschaftliche Begebenheiten innerhalb eines Unternehmens,somit eine Wirtschaftssoap sein. Oder eine economic sopa opera.

Beim Aufzählen einiger Problem - und Pleiteunternehmen in der BRD, insbesondere der derzeit vier aktuellen Konzerne mit Tendenz zum Untergang, zur Insolvenz oder in der Insolvenz befindlichen, ergaben deren jeweilige Anfangsbuchstaben das Wort " SOAP "! Als da wären:

SCHAEFFLER

OPEL

ARCANDOR

PORSCHE.

Es stehen hierbei immerhin 116.000 Arbeitsplätze und mindestens weitere 150.000 bis 200.000 in den Zuliefererbetrieben auf dem Spiel. Da muss doch was passieren, wenn die verantwortlichen Größen im Unternehmensmanagement nach Staatshilfen schreien. Da kann der Staat doch nicht tatenlos zusehen, wie diese leuchtenden Vorbilder bundesdeutscher Mis(t)swirtschaft den Bach runter gehen. Vielleicht ist es aber nur der Anfang vom Ende eines Albtraums, der da heisst: Soziale Marktwirtschaft?

Während in den Medien heftig spekuliert, kommentiert und lamentiert wird, haben sich die Merkelśchen Polit-Gladiatoren bereits längst entschieden. Von den klammen Aspiranten und Pleitiers bekommt zunächst nur OPEL eine anteilige Staatshilfe. Der Rest des Quartetts geht vorerst leer aus. Das kongeniale Duo Peer Steinbrück/ Karl-Theodor zu Guttenberg zeigte sich gut informiert und bügelte zunächst die begehrte Staatshilfe des inzwischen in die Insolvenz gegangenen Giganten ARCANDOR ab. Allerdings saßen noch andere Aspiranten in ihren Startlöchern und lauerten auf Staatsknete. Die gibt es jedoch nicht zum Nulltarif. Ohne ein schlüssiges Konzept ließen die Herren Steibrück/ zu Guttenberg/ Steinmeier erst gar nicht mit sich reden.

Und das ist gut so. In guten Zeiten haben die jetzigen Bittsteller wild spekuliert, fusioniert und expandiert; in schlechten Zeiten wird - nachdem sie sich allesamt die Konten bis zum Bersten füllen liessen - nun nach staatlicher Unterstützung gerufen. Warum soll eigentlich die Gesellschaft für die Unvernuft, die Dummheit und die Ignoranz jener selbst ernannten Elite zahlen? Welcher vernünftige Grund wird ersichtlich, wenn Größenwahn, Spekualtionseifer und Profitsucht dann zu einem Kollaps führen? Weshalb sollen Gewinne privatisiert bleiben, während die Verluste jenes, dem Kapitalismus immanenten Akkumulationsstrebens des schnöden Mammons dann sozialisiert werden? Es gibt weder einen Anspruch auf staatliche Unterstützung, noch kann ein solcher in der krisenhaften Situation mit dem Argument des Arbeitsplatzverlustes hergeleitet werden. Pleite ist nun einmal pleite - ob reich oder arm, ob gewerblich oder privat, ob klein oder groß!

Wenn sich ein neutraler Beobachter der aktuellen Bettlerszenerie jene Protagonisten genauer betrachtet, so muss er zu dem Ergebnis kommen, dass sämtliche Sorgen und Probleme von selbst gemachter Natur sind. Bei OPEL war es die über Jahrzehnte laufende, mangelnde Flexibilität der Produktpalette, die qualitativ sehr bescheidene Ausführung der Fahrzeuge und die viel zu hohen Herstellkosten bedingt durch exorbitant hohe Gehälter, Löhne und betriebliche Zusatzleistungen, die sich letztendlich auf den Preis nieder schlugen. Ein kontinuierlicher Rückgang der Verkaufszahlen war die logische Konsequenz aus jener - wenn auch von GM zu verantwortenden - Misere.

Die Schaeeffler-Gruppe hat sich einfach nur verhoben, wenn auch in finanzieller Hinsicht. Sie musste den Kauf der Continental AG kreditieren lassen. Das war zunächst gut, seit der Weltfinanzkrise jedoch schlecht, denn die Banken - sonst eher zögerlich, wenn es um Kleinkredite geht - wollten an dem Schaeffler-Conti-Deal kräftig mitverdienen.n ihrer eigenen Gier beachteten auch sie nicht das eklatante Mißverhältnis zwischen der Konzerngröße von Schaeffler und der der Conti. Der Kleine wollte de Großen fressen und nicht umgekehrt. Madame Schaeffler hat sich dabei verschluckt. Jetzt ist ihr Konzern kurz vor der Insolvenz und die Conti schrieb alsbald rote Zahlen. Verkehrte Welt also!

Der Dauerbrenner OPEL hat es ja wohl als einziges Unternehmen geschafft und konnte noch so gerade die scharfe Kurve kartzen. Während die GM-Muttergesellschaft in Detroit in die Insolvenz ging, kassierte die kleine Tochter in der BRD für ihre vier Stadtorte Rüsselsheim, Bochum,Eisenach und Kaiserslauter einen ordentlichen Batzen Staatsknete um zu überleben. Das Auto ist eben des Deutschen liebstes Kind, weshalb der Pleitekonzern aus den USA zumindestens vorübergehend in Deutschland gerettet werden sollte. Ob und wie lange sich OPEL mit seinen difizitären Werken und den weiteren vier Stadtorten überhaupt auf dem Weltmarkt halten kann, dass steht in den Sternen. Weil demnächst aber die BT-Wahl ansteht hat die große Politik der kleinen OPELine schnell unter die Arme gegriffen. Auf Kosten der Folgegenerationen und der Allgemeinheit, nämlich durch neue Schulden.

Bliebe noch Porsche. Der Sportwagenhersteller aus Zuffenhausen bei Stuttgart. Die Automarke, die eigentlich schon vor gut zwei Jahrzehnten beinahe für immer vom Markt gefahren wäre, weil der Konzern bereits damals pleite war. Nur eine rigide Sparpolitik, ein knallharter Umbau des Betriebs und eine neue Managementebene hat es geschafft, den Nobelwagenbauer am Leben zu erhalten.Ferdinand Porsche hätte sich im Grabe umgedreht, wenn sein Ziehkind in den Brunnen des Konkurses - so hieß das einst - gefallen wäre. Die Ära Wendelin Wiedeking war erfolgreich. Der Konzern erwirtschaftete mehr Gewinn, als er Umsatz verbuchte. Ein Novum in der kapitalistisches Ökonomie. Dann wurden die Herren in der Führungs - und Kontrollebene größenwahnsinnig und übernahmen für ca. 9 Milliarden Euro die Mehrheit an der großen VW-Tante, um hierüber mehr Einfluss in deren Konzernpolitik zu erhalten. Ein Lotteriespiel, wie sich einige Monate später herausstellte, denn der Kauf der Aktienmehrheit war ebenfalls nur auf Pump zu bewerkstelligen gewesen. Als dann noch große Teile des US-Marktes flöten gingen, der Absatz, der Umsatz und der Gewinn schrumpften, war es bereits längst zu spät, um vom Deal zurückzutreten, aus dem Wahnsinn auszusteigen und vom Sturm zurückzurudern. Porsche ist quasi pleite und bettelt jetzt - wenn auch auf hohem Niveau - um Staatshilfen.

Die Finazkrise hiterlässt eine Spur der Verwüstung auf den Weltmärkten. Keine Land, dass nicht von ihren Auswirkungen betroffen wäre. Einige Staaten stehen faktisch vor dem Bankrott, andere haben mit zweistelligen Rückgängen des BSP zu rechnen, andere vermelden die Pleiten namhafter Unternehmen. Auch wenn es hier - so wie in den vier Fällen - um den Verlust von einigen tausend Stellen geht, so kann der Staat nicht Flickschuster für Privatunternehmen sein, die sich verspekuliert haben. Schliesslich sind deren Gewinne in guten Zeiten eben nicht sozialisiert worden, ist das Eigentum an deren Produktionsmitteln nicht vergesellschaftet gewesen, weshalb wir alle dann auch nicht für ihre aufgetürmten Verluste einstehen müssen.

Da hilft schlussendlich auch kein großen Heulen und kein lautes Zähne klappern!