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Donnerstag, 30. April 2009

"... und melden uns nach kurzer Pause wieder!" - Meine Erinnerungen an Soldatensender.


Beim zufälligen Googeln von Begriffen, tippe ich " Soldatensender " ein und nach wenigen Bruchteilen von Sekunden, erscheint eine ganze Litanei von veröffentlichten Seiten im Web. Aja, die Vorteile des Mediums www. sind nicht von der Hand zu weisen. Vor 10 Jahre und noch länger davor hätte ich mühselig nach Literatur in der Unibibliothek suchen müssen. So lassen sich ohne große Umschweife eine Vielzahl von Fakten zusammen tragen, die ich benötige, um einen neuen Post ins Leben zu rufen.
Na, denn:

Die Geschichte des Rundfunks ist lang. Sie zu erzählen, zu lesen oder zu hören, würde wohl Monate, wenn nicht Jahre dauern. Deshalb wäre es fatal, ich könnte die Historie in einem Post einfach so zusammen schreiben. Nein, diesen Anspruch habe ich nicht und ich möchte ihn auch nicht erst erheben. Für mich sind es jene kleinen Erlebnisse, Geschichten und Begebenheiten, die ich eigentlich interessanter finde, als das große Ganze.

Der gewaltsame Umbau Deutschlands nach der Machtergreifung des Brüllaffen aus Braunau am Inn, nach 1933 also, schritt unaufhaltsam voran. Alles, was nur denkbar war, wurde nationalsozialistisch umstruktruriert, arisiert und gleichgeschaltet. So auch schon bald die deutsche Rundfunklandschaft. Es entstand der Großdeutsche Rundfunk, der bereits ab Juli 1932 im wesentlichen existierte.

http://www.rundfunkwiki.de/Gro%C3%9Fdeutscher_Rundfunk

Mit der Gleichschaltung und Integration in die Propagandamaschinerie der Faschisten verlor der Deutsche Rundfunk gleichzeitig den Rest an Objektivität. Es wurde nach 1939 nur von Kriegserfolgen berichtet, es hallte Durchhalteparolen und es gab eine fest reglementierte Musikauswahl, die eigentlich nur aus Marschmusik und Soldatenliedern bestand. Wer sich anderweitig informieren wollte, der musste die Feindsender hören. Dieses war jedoch nicht ungefährlich, denn hierauf stand die Todesstrafe. Zu den einstigen Feindsendern zählten auch die Soldatensender, die von den Alliierten, Rußland oder von der regionalen Resistance betrieben, meistens eine Gegenpropaganda betrieben, da Informationen zwar anders als im deutschen Rundfunk gestaltete und dargestellt wurden, jedoch auch hier die eigenen ideologischen Komponenten in den Vordergrund rückten.

Nach dem Ende des nationalsozialistischen Spuks wurden über den Alliierten Kontrollrat die ersten Rundfunklizenzen vergeben. Die Programme waren auch nach Gründung der BRD von entsprechenden Kontrollgremien zensiert, dadurch eher unkritisch und sehr einfach struktruriert. Das änderte sich zwar mit der Zeit, jedoch verblieb bis zum Zusammenbruch der östlichen Polit-Hemisphäre eine faktische Einflussnahme auf die Programmrichtungen.
Im Zuge des so genannten Kalten Krieges, verstärkt nach dem Mauerbau 1963, enstanden neben den öffentlich-rechtlichen Anstalten auch spezielle Sender, die politisch stark eingefärbt, von der BRD aus, ihre Programme in diversen Landessprachen in Richtung costumer, Lyrics Osten ausstrahlten. Hierzu gehörte einst der Deutschlandfunk und die Deutsche Welle. Mit systemkritischen Berichten und offener Unterstützung für die Opposition den den sozialistischen Ländern, insbesondere der DDR, zogen diese Häuser gegen den Ostblock zu Felde.
Vorallen Dingen während der Restaurationzeit, der Adenauer/Erhard/Kiesinger-Ära verbreiteten jene Rundfunkanstalten offen Hetze in ihren Wortbeiträgen. Mit Vokabular, wie " die sowjetisch besetzte Zone, die Ostzone, die SBZ, die so genannte DDR, die Kalten Krieger oder die Kriegs - und Aufrüstungsnomenklatura " predigten sie permanent, wie schlecht das dortige System und wie gut das Eigene sei.

Aber auch die Ostblockstaaten, vornehmlich die DDR unterhielt Propagandasender. Die zwei meist gehörten, weil in fast allen Winkeln der BRD zu empfangen, waren der Deutsche Soldatensender DSS), der auf Mittelwelle(MW) mit der Frequenz 935 sendete. Ein weiterer war der Deutsche Freiheitssender 904 ( DFS), der ebenfalls auf MW mit der Frequenz 904 sein Programm ausstrahlte.
Der DSS, hielt seinen Betrieb von Oktober 1960 - Juni 1972 aufrecht, der DFS von August 1956 - September 1971. Obwohl beide Sender den Hörer suggerierten, dass es sich um Piratensender handele, so war völlig klar, es waren Hörfunkprogramme, die von der DDR zu Propagandazwecken betrieben wurden.

Immerhin spielten jene Sender bereits in der Mitte der 1960er Jahre populäre Musik, die in den BRD-Anstalten noch verschmäht wurde. Wenngleich die eindeutig propagandistischen Berichte und entsprechend einseitig gefärbte Meldungen jedem halbwegs politische Interessiert sehr schnell auffielen, so waren die beiden Programme bei den Jugendlichen in der BRD sehr geliebt - weil sie eben Pop - und Beatmusik brachten.
Regelmäßig nahm ich kurz vor den Sendezeiten um 06:15 Uhr bis 07:00 Uhr, 12:30 Uhr bis 14:00 Uhr, 18:00 Uhr bis 19:30 Uhr und 22:30 Uhr bis 24:00 Uhr täglich das ITT Schaub -Lorenz - Kofferradio und experimentierte an den Knöpfen zwecks Frequenzsuche herum. Meistens rauschte es bei ungünstige Wetterlage im Hintergrund. Dennoch hate der Empfang und das Zuhören einen Hauch von Abendteuer, von Illegalem in einer fest eingeengten Umwelt und einem normierten Tagesablauf.

An ihrem 15. Geburtstag am 12. Dezember 1970 ließ ich denn, damals mit 17 Jahren noch sehr naiv, meine Schwester mit einem Musikwunsch von Marsha Hunt " Keep the costumer satisfied " grüssen. Der Titel ist eine Adaption des Hits von Simon & Grafunkel und war eine riesen Erfolg für die farbige US-Amerikanerin und Soulsängerin:


Gee but its great to be back home
Home is where I want to be.
Ive been on the road so long my friend,
And if you came along
I know you couldnt disagree.

Chorus
Its the same old story
Everywhere I go,
I get slandered,
Libeled,
I hear words I never heard
In the bible
And Im on step ahead of the shoe shine
Two steps away from the county line
Just trying to keep my customers satisfied,
Satisfied.

Deputy sheriff said to me
Tell me what you come here for, boy.
You better get your bags and flee.
Youre in trouble boy,
And youre heading into more.

Chorus

Herrlich!

Hätte ich allerdings gewusst, was sich hinter der Piratenfassade des DSS tatsächlich verbirgt, so wäre ich einst mit argen Zweifeln an jene Aktion heran gegangen. Denn: Kaum war das Frühprogramm des DSS beendet, ich auf meiner Lehrstelle mit dem Bus angekommen, sprach mich eine etwas ältere Auszubildende direkt auf jenen Musikwunsch an:
" Hast du heute Morgen deine Schwester über den Deutschen Soldatensender grüssen lassen? "

Ja, ich hatte!

Welche Konsequenzen jene Aktion nach sich gezogen hat, vermag ich bis heute nicht zu überschauen. Vielleicht hat der DSS die Adressse und weitere Informationen über mich an die Staatssicherheit der DDR weiter geleitet. Vielleicht, aber nur!

Die Zeiten änderten sich, der Kalte Krieg wurde durch die Ostpolitik meines einstigen Vorbilds Willy Brandt entschärft, es folgte ein politischer Frühling, eine Entspannung der kriegstreibenden Lager.
Es kam damit, wie es kommen musste, nach dem DSF, der ja 1971 bereits aufgegeben wurde, stellte auch der DSS ein Jahr später seine Sendetätigkeit ein. Hierzu heisst es:

Der Sender teilte sich mit dem Deutsche Freiheitssender 904 bis dessen Einstellung am 30. September 1971 einen 250-kW-Mittelwellensender in der Umgebung von Burg bei Magdeburg. Beide sendeten daher niemals gleichzeitig. Wegen der notwendigen Frequenzumstimmarbeiten von 904 kHz zu 935 kHz und zurück differierten Sendeende- und Sendestart der beiden Sender in der Regel um 15 Minuten.

Die alleinige Nutzung des Mittelwellensenders wegen der Einstellung des DFS ermöglichte es dem DSS, ab dem 1. Januar 1972 ein neues Programm zu neuen Sendezeiten auszustrahlen. Diese waren täglich jeweils von 06:15 Uhr bis 07:00 Uhr, 12:30 Uhr bis 14:00 Uhr, 18:00 Uhr bis 19:30 Uhr und 22:30 Uhr bis 24:00 Uhr.

Der Vor- und Abspann waren zu jeder Sendung gleich: „bum, bum, bum – Deutscher Soldatensender – Mittelwelle 935 kHz – Wir melden uns täglich 06:15 Uhr, 12:30 Uhr, 18:00 Uhr und 22:30 Uhr – bum, bum, bum ...“

Auch der Inhalt der Sendungen wich kaum voneinander ab, z.B. am Samstag das 18:00-Uhr-Magazin: Informationen für den Bund, 18:10 Uhr und 19:20 Uhr, weiter mit dem Abendkommentar und 2 Minuten Berichte gemixt mit Musik, Grüßen, Federkrieg und flotten Sprüchen.

In der Zeit von 18:50 Uhr bis 19:10 Uhr lief eine Hitparade oder das Starporträt.

So bleiben damit schöne Erinnerungen, die nach 37 Jahren eigentlich nie richtig verblasst sind. Es war eine aufregende Zeit, wenn ich die vielen Knöpfe des Kofferradios malträtierte, um endlich leise und zu Beginn unter der Bettdecke der Beatmusik lauschte, die Wutanfälle, wenn das Programm wegen ungünstiger Wetterlage wieder wegrauschte und das Notieren von Titeln, die damals gespielt wurden, deren Text ich zwar aufgrund der nur schwachen Englischkenntnisse nie so richtig verstand, ich dennoch mitsingen konnte.

Die Zeit zog vorbei. Mit dem Aussortieren des Oldies ITT Schaub-Lorenz, stand eines Tages ein Telefunken Bajazzo TS Transistorradio auf der Küchenarbeitsplatte - direkt vor dem Fenster zum Hof und Garten. Es war mit einer hypermodernen Radio Luxemburg - Taste ausgestattet und ermöglichte sogar einen kristall-klaren UKW-Empfang. Jenes Empfangsband also, dass sukzessive erweitert wurde. Damit konnte ich den über den Großsender Langenberg auf der Frequenz 96.4 und von Minden/ Porta-Westfalica wohl verstärkte Empfang optimal nutzen. BFBS I. war Kult. Vorallem, weil das Prgramm nur englisch-sprachige Musik, ohne Werbung, und lange Wortbeiträge, nur unterbrochen von den Nachrichtensendungen brachte. In den 1970er bedeutete das, sehr viel Rock und Hardrock; insbesondere am Samstagvormittag von 10.-12.00 Uhr. BFBS wurde für die britischen Streitkräfte unterhalten, die vorallem im rheinisch-westfälischen Bereich stationiert waren.
Inzwischen hat der Sender ein anderen Anstrich erhalten. Es werden fast nur noch Musikstücke aus den 1980er beginnend gedudelt. Na, ja, ich werde eben auch nicht jünger und die Folgegenerationen haben auch einen Anspruch auf ihre Musik.

Dann fällt mir noch AFN ein. Der amerikanische Soldatensender. Damals habe ich ihn regelmäßig in Wilhelmshaven über MW gehört. AFN brachte vorallem Rock - und Popmusik aus den 1960er - 1970er Jahren. Besonders die Woodstock-Ära wurde hier favorisiert. Ab Mitternacht lief ein Programm bis in die frühen Morgenstunden innerhalb dessen sogar Titel mit Überlänge ihren Platz fanden. Einst, 1978/1979 hörte ich dort zum ersten Mal Johnny Winterś " Highwy 61 revisted " in der Live-Version. Als ich dann nach Bremen zog war natürlich AFN - Bremerhaven und der AFN-Sender in Osterholz-Scharbeck / Garlstedt, wo eine große amerikanische Truppenkonzentration für die Errichtung eiens eigenen Soldatensenders sorgte. AFN konnte ich allerdings nur über MW empfangen, so dass der Empfang manchmal zu wünschen übrig ließ.
Trotzdem spielte ich sehr oft an meinem Tuner herum, damit ich den Sender richtig einstellen konnte. Als ich ab Sommer 1982 auf einem Resthof bei einem Bremer Orthopäden jobbte, konnte ich AFN sogar über UKW klar hören. Der Sender lief dabei den ganzen Tag, denn er brachte eben Musik aus den guten alten Jahren, den 1960er und 1970er eben!

Soldatensender gehörten einst zu meinem Leben dazu, wie die Musik auch, denn sie verhalfen mir mit ihren unzähligen Titeln, den vielen Programmen, irgendwie die Zeit besser zu überbrücken - selbst bei den Examensarbeiten.

Mittwoch, 29. April 2009

Heraus zum 1. Mai - alle Jahre wieder nur Randale in Berlin?





Wie war das noch gleich mit dem 1. Mai? Dem Tag der Arbeit? Der Historie dieses Datums? Nun, für mich ist der 1. Mai zunächst ein Feiertag. Allerdings kann ich meine proletarischen Wurzel natürlich hier nicht leugnen und begebe mich deshalb zurück zu den Ursprüngen dieses Feiertags. Ich zitiere aus WIKIPEDIA:


" Der Erste Mai ist ein gesetzlicher Feiertag in Deutschland, Österreich, Teilen der Schweiz und vielen weiteren Staaten, wie zum Beispiel Russland, VR China, Griechenland, Frankreich, Schweden, Mexiko, Thailand oder Nordkorea. Er wird auch als Tag der Arbeit, Maifeiertag oder Kampftag der Arbeiterbewegung bezeichnet. Die amtliche Bezeichnung in Deutschland ist durch Gesetze der einzelnen Länder geregelt. In Nordrhein-Westfalen z. B. ist der 1. Mai offiziell Feiertag als „Tag des Bekenntnisses zu Freiheit und Frieden, sozialer Gerechtigkeit, Völkerversöhnung und Menschenwürde“. "


- Zitatende -

Soweit zu der Bedeutung des Tages. Wenn ich einmal die Geschichte bemühe, ist jene, die um den 1. Mai rankt, so vieldeutig, dass es schwer fällt, sämtliche Facetten zu beschreiben. Ich beschränkte mich deswegen auf die Bedeutung für die Arbeiterbewegung. Nach den Bismarckśchen "Sozialistengesetzen ", mit denen die Wilhelminischen Komißköppe versuchten, die aufstrebende Arbeiterbewegung zu knechten, der " Hurra " - Patriotismusphase von kurz bis der Jahrhundertwende bis zum Ende des 1. Weltkriegs, setzte zunächst ein Umdenken in weiten eilen der Bevölkerung ein. Die Anti-Militarisierung der Gesellschaft begann und erbrachte einige, tiefgreifende Veränderung für Staat und Gesellschaft. Deshalb war es nicht überraschend, dass die Weimarer Natinalversammlung am 15. April 1919 mit 159 gegen 85 Stimmen bei 10 Enthaltungen den 1. Mai zum gesetzlichen Feiertag deklarierte. Für das Gesetz, das allerdings nur auf den 1. Mai 1919 beschränkt war, stimmten die SPD, die Deutsche Demokratische Partei ( DDP ) und Teile der konservativen Zentrumspartei. Während die bürgerlich, reaktionäre Opposition (DDVP, DVP) sowie weite Teile des Zentrums die Einführung des Tages der Arbeit als Feiertag überhaupt ablehnten, ging der USPD das Gesetz nicht weit genug, sie forderte zusätzlich die Einführung des 9. Novembers als Revolutionsfeiertag.

In der deutschen Geschichte des 1. Mai ist der so genannte " Blutmai in der Reichshaupstadt Berlin ( 1929) ein bedeutendes Ereignis, welches die Widersprüche zwischen KPD und SPD entscheidend verschärfte. Gesetzlicher Feiertag wurde der 1. Mai erst wieder ab 1933 durch die Faschisten. Das Reichsgesetz vom 10. April 1933 benannte ihn als „Feiertag der nationalen Arbeit“. Im Jahr 1934 wurde der 1. Mai durch eine Gesetzesnovelle zum sogenannten „ Nationalen Feiertag “ erklärt.

In den sozialistischen Ländern wurde der 1. Mai als „Internationaler Kampf- und Feiertag der Werktätigen für Frieden und Sozialismus“ begangen und auf die Traditionen der internationalen Arbeiterbewegung verwiesen. Die Teilnahme an den Demonstrationen, mit dem Vorbeimarsch an der Tribüne mit führenden Parteimitgliedern und anderen Ehrengästen, war für Betriebe und Schulen im Allgemeinen eine Pflichtveranstaltung. Symbol des 1. Mai ist die rote " Mai " - Nelke.

Nach dem 2. WK wurde der 1. Mai 1946 durch den Alliierten Kontrollrat bestätigt. Maikundgebungen durften jedoch nur in beschränkter Form durchgeführt werden. Der 1. Mai ist in der Bundesrepublik Deutschland nach den Feiertagsgesetzen der 16 Bundesländer ein gesetzlicher Feiertag.

Seit den 1980er Jahren gab es neben den politischen organisierten Demonstrationen auch regelmäßig Ausschreitungen, vor allem im Zusammenhang mit der Demonstration zum 1. Mai im Stadtteil Kreuzberg (Berlin).

Darüber hinaus gibt es seit 2001 den internationalen EURO May Day, dessen zentrales Anliegen ist, den verschiedenartigsten Formen von Prekarisierung in Arbeit und Leben, die durch die klassischen Institutionen der einstigen Arbeiterbewegung und der Linken nicht (mehr) organisiert werden, einen Ausdruck zu geben.

Soweit die historische Bedeutung jenes Feiertags. Obwohl er - heute mehr denn je - an Bedeutung gewinnen müsst, werden die unterschiedlichen Veranstaltungen von Gewerkschaften und Parteien wohl auch im ahr 2009 nur auf eine geringe Resonanz treffen. Das war nicht immer so.
Nach Gründung der BRD kamen in den 1950er und 1960er Jahren zu den DGB-Veranstaltungen hunderttausende Menschen zusammen, um für den Erhalt und die Verbesserung der Arbeitnehmerrechte einzustehen. Auch in den 1970er Jahre zeigten noch viele politisch Interessierte bei den Mai-Demonstrationen Präsenz. Hiernach nahm die Bereitschaft, an dem Tag der Arbeit auf eine der Großveranstaltungen zu gehen, sukzessive ab. Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig. In wesentlichen ist der rückläufige Organisationsgrad, die Bedeutung der Gewerkschaften im Globalisierungszeitalter, das Image der Arbeitnehmervertretung selbst und der aufgebaute Wohlstand sowie das enger geknüpfte soziale Netz hierfür verantwortlich. Ein mangelndes Bewußtsein innerhalb der Nachkriegsgenerationen und eine falsch verstandene Identifikation mit dem kapitalistischen System durch Konsum orientiertes Handeln, geben weitere Gründe für den Interessenschwund ab.

Als ich einst als junger Student an den Ersten Mai-Demonstration Mitte der 1970er teilnahm, durfte ich den Reden von führenden Politikern und Gewerkschaftern zuhören, denen ich noch sehr viel von ihren gesprochenen Worten glaubte. Das zwischen Glauben und Realität jedoch ein exorbitanter Unterschied besteht, wurde mir spätestens mit dem Aufdecken unzähliger Polit-Skandalen bewußt. Ob nun Neue Heimat-Skandal, HELABA-Affäre oder Verfilzungen von Gewerkschaften sowie Teilen der SPD mit der Atom-Lobby, den Rüstungskonzernen oder deren Rolle bei Postenschachereien, das alles veränderte mein Bild zu jenen gesellschaftlich relevanten Gruppen.

Zunehemend musste ich erkennen, dass der Drang nach dem eigenen materiellen Wohlergehen, nach Macht und Einfluss und einem hohen gesellschaftlichen Habitus oft größer war, als die ideologischen Grundsätze. Ich kam alsbald zu dem Ergebnis, dass die Personen, die große Reden zum 1. Mai schwangen, oft deren Inhalte weder verstanden, noch selbst danach lebten, mithin es eben nicht glaubten, was sie an Worthülsen von sich gaben.

Immerhin verbleibt mir ein prägendes Ereignis, dass sich jenseits der Maifeiern und der organisierten Fahrradtouren sowie anschließenden Saufgelage, im Jahre 1980 in Bremen zutrug. Es gab - so, wie jährlich in Berlin - anlässlich eines öffentlichen Rekrutengelöbnisses im Bremer Weserstadion dort richtig Randale.
Hierzu heisst es u.a.:


6. Mai: Ein öffentliches Gelöbnis der Bundeswehr in Bremen löst schwere Krawalle von Anhängern der Friedensbewegung aus.

Bei einer Rekrutenvereidigung im Bremer Weserstadion kommt es zu stundenlangen Strassenschlachten. In den folgen Monaten finden mehrere Demonstrationen gegen Vereidigungen und Nato statt. Im August in Göttingen demonstrieren 500 und im September in Hildesheim 2000 Menschen gegen Nato-Manöver. Im September kommt es in Hanover und Stuttgart zu Demos und Randale bei Rekrutenvereidigungen.

Nun war die Vereidigung zwar ein öffentliches Gelöbnis,denn es waren Wehrpflichtige, die zu der Veranstaltung abkommandiert wurden, dennoch bleiben mir jene Stunden, innerhalb derer Autos brannten, Müllcontainer abfackelten und Polizisten wie Freiwild gejagt wurden, noch sehr gut in Erinnerung; stand ich doch nur wenige Meter vor den randalierenden Personen entfernt. Mit eigenen Augen sah ich, wie Faust große Pflastersteine aus dem Straßenbelag heraus gegraben wurden und wie diese anschließend gegen Soldaten, Zivilisten und Polizisten geschleudert wurden.

Am Besten fand ich allerdings den inpeitscher im KBW-Bus, der so sinnfreie Formulierungen, wie: " Hier spricht die Arbeiterklasse!" oder: " Wir wollen keine kapitalistsichen Kriegsknechte!" über eine Lautsprecheranlage verbreitete. Wir - das waren Studienkollegen von mir - kringelten uns vor Lachen. Glaubte dieser Quatschkopf vom Kommunistischen Bund Westdeutschland seinen eigenen Worten wirklich? Viele dieser Sektierer haben Jahre später wohl Karriere in Papis Unternehmen gemacht, sind zu hohen Tieren in irgendwelchen Ämtern und Behörden aufgestiegen oder sind mittlerweile gut situiert in Bremen Oberneuland, Borgfeld oder Schwachhausen ansässig.

An jenem 6. Mai 1980, einem lauen Dienstagabend, flogen die Fetzen, da brannte der Baum und die Medien plärrten von Randale, von skandalösen Zuständen und unbehelligt gebliebenen Verbrechern. Die BLÖD-Zeitung hetzte in ihrer Regionalausgabe Bremen gegen die linke Uni, gegen den linken Senat in Bremen und den roten Radiosender Hansawelle, der über diese Ereignisse eher parteiisch berichtete. Was sollś! Die reaktionären Schreihälse in den sonstigen Medien, ihre pseudo-liberale Vorhut im Bonner Bundestag, vertreten durch CDU/CSU und Teilen der FDP, waren mir genaus suspekt, wie die Parolen schwingenden KBWĺer. Nachdem sich die emüter wieder beruhigt hatten, gab es eine öffentliche Aussprache in der Bremer Bürgerschaft und sonstige, die Randale verarbeitende sowie aufarbeitende Veranstaltungen. CDU-Fraktionchef Bernd Neumann, von dem FJS einst behauptete, er sei der kleinste Häuptling eines Zwergpygmäenstammes, weil seine Schwarzen kaum die 20 %-Hürde bei den Wahlen schafften, zog ordentlich vom Leder, so, wie die reaktionären Hetzblätter des Springer-Imperiums es bereits Tage nach dem 6. Mai auch vorgemacht hatten.

Von Linksfaschismus war da die Rede. Das Vokabular ähnelte dem, dass Strauß, der allseits gescholtene FJS aus Bayern, wenige Wochen später bei einer CDU-Wahlkampfveranstaltung gegenüber den Anti-Strauß-Demonstranten auch heraus schrie: " Ihr seit die schlimmsten Nachfolger von Josef Goebbels!"
Hierdurch hat er nicht nur Sympatisanten seiner Law & Order - Quatschpolitik vergrätzt, sondern sich selbst diskreditiert und als Anti-Demokraten hingestellt. Genau darauf kam es den tausenden Störern eben an.

Auch wenn ich mich bereits am 6. Mai von den Randalierern distanziert habe und Gewalt für kein geeignetes Mittel bei der politischen Auseinandersetzung halte, so waren es doch bewegte Zeiten. Selbst 12 Jahre nach den 68er Unruhen. Die Jugend hatte zumindest poltische Inhalte, so auch einst jene Teilnehmer an den Großveranstaltungen zum 1. Mai - dem Tag der Arbeit!

Dienstag, 28. April 2009

Die Bienert-Mühle: Aufstieg und Niedergang einer Familie.



Der herrliche Frühlingstag machte aus meinem Kurzspaziergang an der Weißeritz noch einen baulichen Rückblick in längst vergessene Zeiten. Eher spontan verlängerte ich den Heimweg von der an dem Flüsschen belegenen Apotheke um einige hundert Meter und gelangte so auf das Gelände der ehemaligen Bienert-Mühle. Die teilweise verfallenen Gebäudetrakte versprühen den Charme einer dem Untergang geweihten Wirtschafts - und Gesellschaftsordnung. Ein Betrachter fragt sich,ob und wie hier einst überhaupt Prosparität entstehen konnte, wie es gelungen ist, aus einem derartigen Gelände eine fast Stadtteil große Fabrikanlage zu bauen?

Die Historie jener Industriebrache umfasst einige Jahrhunderte.
  • 17. Mai 1366: Bischof Johann von Meißen erwähnt eine Mühle an der Weißeritz bei Plauen
  • um 1466: die Dresdner Tuchmacher kaufen eine Mühle, um sie zur Walkmühle umzubauen
  • 1487: die Dresdner Tuchmacher streiten mit den Einwohnern von Plauen über die Grenze des Grundstücks der Walkmühle an der Weißeritz (auf dem Gelände der heutigen Bienertmühle). Eine Kommission von Linienrichtern setzt Grenzsteine und markiert Grenzbäume
  • 20. Dezember 1541: Erwähnung als Raths-Walkmühle
  • 25. Dezember 1568: Kurfürst August kauft die Walkmühle, lässt sie abreißen und an ihrer Stelle die Hofmühle erbauen
  • 12. März 1569: Grundsteinlegung für die Hofmühle
  • 8. September 1571: Fertigstellung der Hofmühle, der erste Müllermeister (vereidigter Pächter) war Zacharias Zimmermann
  • 1571: der Kurfürst führt den Mahlzwang für die neue Hofmühle ein. Die brotlos gewordenen Plauener Müller, die Gebrüder Moses, übernehmen die obere und untere Mühle in Tharandt
  • 1852: Traugott Bienert pachtet die Mühle
  • 1872: Bienert kauft die Mühle
  • 1945: Die Mühle firmt ab nun unter dem Namen "VEB Dresdner Mühlenwerke"
  • 1995: Schließung der Mühle, die zuletzt von der Bäckereifirma Wendeln betrieben wurde.
  • 2006: Eröffnung eines Mühlenmuseums in der Bienertmühle.

  • Die Zeit der so genannten industriellen Revolution begann hier nach Aufhebung des Mahlzwanges. Zunächst verlor die technisch verschlissene Mühle schnell an Bedeutung. Aus diesem Grund konnte der aus Eschdorf stammende Müller Gottlieb Traugott Bienert am 1. Mai 1852 die Hofmühle Plauen zu günstigen Konditionen pachten. Sehr zügig begann Bienert mit der Modernisierung der Mühle und ließ diese bereits 1853 um eine Bäckerei erweitern. Im Jahre 1858 wurde dann die erste Dampfmaschine installiert. Dadurch erlangte die Anlage eine gewisse energietechnische Autonomität, denn bei Wassermangel ersetzte sie die Turbinen an der Weißeritz. Prägende Erweiterungen der Anlage erfolgten zwischen 1867 und 1889. So entstand u. a. ein neuer Großspeicher mit Gleisanschluss an die angeschlossene Eisenbahnlinie. Als weitere Transportmittel wurden jedoch auch spezielle Güterstraßenbahnwagen eingesetzt. Bienert war inzwischen ein gut verdienender Industrieller, als er sich 1863 eine Villa als Wohnhaus erbauen ließ, die mit einem kleinen Landschaftspark umgeben wurde. Dieser war im Stil der damaligen Zeit mit Wasserläufen und Grotten sowie einer Pergola gestaltet, auf deren Dach ein Tennisplatz lag. Die opulente Villa und Park sind heute - so wie die übrigen Teile der Werksgebäude auch - nur noch in schlechtem Zustand zu betrachten.




Von den überwiegend verwitterten Fassaden bröckelt der Putz, die Mehrzahl der Fenster sind zerbrochen, auf den Dächern der Trakte wachsen Birken heraus. Sukzessive holt sich die Natur das verloren geglaubte Terrain wieder.





Wo einst viele hundert Beschäftige den Reichtum des Fabrikeigentümers im Mehrschichtbetrieb mehren durften, finden sich heute nur noch Zeugen des Niedergangs.







Nach dem Tod des Fabrikgründers Bienert am 22. Oktober 1894 wurde der Betrieb über 2. Weltkriege, zunächst durch die beiden Söhne des Industriellen eigenständig fortgeführt.
Diese engagierten sich - ganz im Sinne des Vaters - auf vielen kulturellen und kommunalen Gebieten. Der Dresdner Orteil Plauen war einst eine eigene Kommune und erlangte durch die Aktivitäten der Familie Bienert einen beachtlichen Stellenwert in der Region.

Zu der Bedeutung der Industriellenfamilie wären des Nationalsozialismus konnte ich bisher keine Informationen erhalten. Auf sämtlichen Seiten finden sich zwar Chronologien,dieser Zeitraum wird jedoch ausgespart. Leider!

Die Familienhistorie endet eigentlich mit der Verstaatlichung der Fabrikanlagen im Jahr 1945 und der Fortführung der Produktion als VEB Dresdner Mühlenwerke. Der Mahlbetrieb in Plauen wurde alsbald eingestellt, so dass nur noch die Gebäude der Backwarenherstellung dienten.

Nach der Wende und der faktischen Wiedervereinigung 1991, wurden die Betriebsanlagen durch die Treuhand verwaltet und an die Industriebackwarenherstellfirma Wendeln veräußert. Diese stellten den Betrieb der Fabrik im Jahre 1995 endgültig ein. Der von den Gebrüder Wendeln bis 2002 geführte Betrieb aus NRW hatte zuvor bereits die Achimer Brotfabrik Lieken Urkorn und desse Ableger " Golden Toast " aufgekauft und die Produktion dort übernommen. Im Jahre 2002 schluckte der Großbäcker Kamps den Backwarenhersteller Wendeln, womit auch jener Bezug zu der ehemaligen Biernert-Mühle in Plauen letzendlich verloren ging.










" Sitz gerade am Tisch! ", " Mach dir die Fingernägel sauber! ", " Kinder halten den Mund, wenn Erwachsene sprechen!"


Als ich vor einigen Tagen das bestellte Buch von Peter Wensierski: " Schläge im Namen des Herren " erhielt, war mir nicht sofort klar, dass meine eigene Kindheit urplötzlich wieder lebendig werden würde. Allein das Lesen der ersten Seiten brachten jene Zeit zurück, die mir in gewisser Weise immer noch präsent erscheint. Präsent deshalb, weil ich aus den unzähligen Meldungen über Kindesmisshandlung, Kindesmißbrauch und Kindstötungen erkenne, dass sich das Rad der Geschichte offensichtlich zurück zu drehen scheint. Zurück in jene bleiernen Zeiten, die nach dem Krieg, der Gründung der BRD und mit dem westdeutschen Wirtschaftswunder ihren Anfang nahm und mit der sozial-liberalen Koalition unter dem Bundeskanzler Willy Brandt ihr Ende fand.
Wer jenen Jahrgängen nach 1945 angehört, wer in den 1950er geboren oder bis Ende 1960er seine Kindheit verlebt, der kennt jene gesellschaftlichen Zwänge, jene Unterdrückungsstrukturen und Mechanismen von häuslicher Gewalt, die für Kinder, Jugendliche und Heranwachsene all gegenwärtig waren.

Wenn Peter Wensierski in seinem Buch behauptet, dass die Nachkriegsjahre der Adenauer -, Erhard - und Kiesinger - Regentschaft jenen Mief, jenen Muff und jene Bigotterie hervor brachten, unter denen vor allem die Nachkriegskinder zu leiden hatten, die Kinder also, deren Vorhandensein eher ertragen, geduldet, besten falls zur Kenntnis genommen wurde,dann hat er mit seiner These recht. Recht insbesondere deshalb, weil die Eltern dieser Kinder ihren zerplatzten Traum vom Tausendjährigen Reich, von der Herrschaft der Herrenrasse, von der all umfassenden Überlegenheit des Deutschen Volkes, auf brutale Art erleben mussten. Selbst der Kindheit beraubt, selbst unter lebensgefährlichen Bedingungen groß geworden und den täglichen Nahrungsmangel hinnehmend, haben sie dann Kinder gezeugt, die sie eigentlich überhaupt nicht wollten. Die sie zum überwiegenden Teil ablehnten und deren Erziehung sie gleichermaßen in die Hände der Großeltern legten.

Der Nachkriegsdeutsche war zunächst einmal bemüht seinen Trümmerhaufen zu beseitigen, dann folgte die Pseudo-Entnazifizierung, später der Wettlauf um Geld und materielle Werte. In diesem Lebensgefüge hatten Kinder keinen Platz. Sie störten und mussten nicht nur versorgt werden. Die Schule stellte immer höhere Anforderungen. Das Lebensumfeld veränderte sich alsbald in dramatischer Weise. Einflüsse aus dem anglo-amerikanischen Raum durch Mode, Musik und Materialismus hielten Einzug. Obwohl die im Nationalsozialismus glorifizierten - angeblichen - deutschen Tugenden, wie Fleiß, Ordnung, Pünktlichkeit - mittels Rohrstocks - in die Leiber der eigenen Kinder geprügelt wurden, zeigten diese sich aufmüpfig.

Es wurden unangenehme Fragen nach der ausgeblendeten Vergangenheit gestellt, die jedoch immer noch gegenwärtig war, es wurden die Autoritäten in Frage gestellt, es wurden eigene Lebensinhalte gesucht und gefunden. Dieser zart einwehende Zeitgeist musste von den Herrschenden und ihren Institutionen unterdrückt werden. Hand in Hand gingen dabei die drei (Volks)-Gewalten systematisch vor, flankiert von den obrigkeitshörigen Eltern, den Schulen und insbesondere den Amtskirchen. Wer nicht parierte, aufmuckte, sich widerborstig gab, dem drohte das " Erziehungsheim ". Oft waren es nichtige Anlässe, die einem Kind viele Jahre Gefängnis, Fronarbeit und Prügelorgien bescherten. Hierüber ist auch in dem Buch von Peter Wensierski vielfach die Rede. Er skizziert exemplarisch die Schicksale einzelner Zöglinge, die in eine der Verwahrungs - und Besserungsanstalten eingeliefert wurden, um dort durch die Hölle zu gehen, obwohl Jesus Christus in Person der dortigen Kleriker und ihres Hilfspersonals Tag und Nacht die Wacht hielten.

Willfährige Mitarbeiter der staatlichen Fürsorge, faschistoide Richter und frömmelnde Nachbarn waren das Dreigestirn, dass hierfür verantwortlich war. Es wurde, unter Zuhilfenahme eines Menschen verachtenen Vokabulars - von den umfassenden Möglichkeiten der repressiven Staatsorgane nachhaltig Gebrauch gemacht. Wegschließen, Wegsperren, Wegwerfen! All jene inder und Jugendlichen, die nicht dem " Normalbild " der guten deutschen Familie entsprachen mussten aus dem Umfeld jener Spießbürger verschwinden. Die Amtskirchen spielten hierbei eine besonders perfide Rolle, denn sie unterhielten mehrheitlich jene Arbeitslager, Strafeinrichtungen und Züchtigungsstätten, die pseudo-christliches Gedankengut vermittelten und die auf die Einhaltung eines bereits überholten Weltbildes pochten. Dieses Gedankengut wurde den Zöglingen eingebleut, eingeschärft, eingeprügelt. Das Sanktionssystem war feingliederig, versehen mit drastischen Steigerungen bei der Strafschärfung bishin zur Isolationsfolter.

Während in diesen von christlichen Gesetzesbrechern die Menschenrechte mit den Stiefeln getreten wurden, obwohl diese seit Mai 1949 für Jederman gelten, sah die Realität in den angeblich so freien deutschen Staat unter alliierter Kontrolle auch nicht viel besser aus.

In vielen Elternhäusern herrschte ein System der Unterdrückung, es wurde Zucht und Ordnung gepredigt und Zuwiderhandlungen mit Prügelorgien sanktioniert. Die Kriegsgeneration hasste ihre eigenen Kinde dafür, dass diese in ihnen vorgegaukelter Freiheit leben durften, ohne Krieg, Nationalsozialismus und Hunger. Wegen dieses Neides schlug so mancher Vater, so manche Mutter ihr eigenes Kind grün und blau. Die rabiaten Erziehungsmethoden herrschten aber nicht nur in den Elternhäusern. Auch in den Schulen wurde geprügelt. Erwachsene durften auch fremde Kinder züchtigen, wenn diese sich nicht artig zeigten. Wer in einem bereits überfüllten Bus, einem Zug oder in der Bahnhofshalle einen Erwachsenen anrempelte, der kriegte sofort " Eine geschallert ". Wer nicht sofort aufstand, wenn ein Erwachsener einen Sitzplatz für sich beanspruchte, wurde unverzüglich gerüffelt. Wer in der Schule unartig war, seine Hausaufgaben nicht gemacht hatte oder Widerworte gab, der musste Nachsitzen, Strafarbeiten ableisten oder der bekam eine knallende Ohrfeige, so dass das Trommelfell riss.

Faschistoide Erziehungsmethoden gab es aber auch in den so genannten Erholungs - und Kinderheimen, in die jene Aspiranten verschickt wurden, die körperlich schwächelten, irgend welche chronischen Krankheiten zeigten oder in sonstiger Weise verhaltensauffällig waren.

Als ich 1963 für sechs Wochen in ein solches Erholungsheim der AOK auf die Insel Norderney verschickt wurde, wusste ich nicht, was mich da erwartete. An Prügelstrafen war ich längst gewöhnt, dass Kinder nichts zu sagen hatten, dass kannte ich auch, dass es jedoch neben miesen, billigen Essen, verordneter Freizeit, auch noch Prügel für das Vergessen eines Handtuchs, das Nichtaufessen eines Brots oder das Nichtzubinden der Schnürsenkel gab, das war mir vollkommen neu.

Das Erholungsheim, in dem ich mich mit anderen Kindern einem strengen Regiment von angelernten und ungelernten Erzieherinnen zu unterwerfen hatte, machte von außen eigentlich keine Eindruck, dass hinter den Mauern die Menschenwürde mit Fäusten bearbeitet wurde. Ein schlagendes Argument war - wie immer in dieser Zeit - das Zuspätkommen. Auch das Reden beim Essen wurde mit einer Ohrfeige geahndet. Ein Streit zwischen zwei Kindern führte unweigerlich zu Hausarrest, Strafarbeiten in der Küche oder zu Ohrfeigen.

Das Essen war eine Katastrophe. Zum Frühstück standen zwei riesige Aluminiumtöpfe mit Haferschleim auf dem Tisch. Dazu bekam jedes Kind zwei viel zu dick geschnittene Schwarzbrotscheiben auf denen sich dünn bestrichen eine Margarineschicht mit Quittenmarmelade befanden. Selbst wenn ich großen Appetit gehabt hätte, diese Monsterscheiben waren nicht vollständig aufzuessen. Ich versteckte deshalb eine Hälfte unter den Tisch in einer dort angebrachten Ablage. Eine Mitarbeiterin sah dieses und nahm die halbe Brotscheibe in ihre Hand, von wo sie mir in den Mund gestopft wurde.

Mittags gab es neben den Eintopfgerichten, wie Erbsensuppe, eine Pampe aus Sago, Wasser und Holunderbeeren oder Kirschen. Fleisch stand natürlich sehr selten auf dem Speiseplan; allenfalls wurden manchmal zwei kleine Bockwürste mit schmierigen Kartoffelsalat hingestellt. Der obligatorische Spinat und ein fettiges Stück Leberkäse durfte natürlich auch nicht fehlen.
Regelmäßig standen mehrere riesige Kannen mit kaltem Tee, den es bereits zuvor in heißem Zustand zum Frühstück gab, auf den Tischen. Der viel zu süße Hagebutten - oder Pfefferminztee sonderte bereits um 7.00 Uhr zum Frühstück einen derart penetranten Geruch ab, dass in mir Würgegefühle hoch stiegen. Ich hätte auf der Stelle erbrochen,wenn da die Angst vor den Schlägen der Heimmitarbeiterinnen nicht gewesen wäre.

Das Abendessen bestand aus einer Scheibe Grau - und einer Scheibe Schwarzbrot die mit Käse und Billigwurst belegt waren. Statt dem stinkenden Tee wurde Wasser oder mit Wasser versetzter Limonadenextrakt hingestellt.
Das Abendessen begann um 18.00 Uhr. Pünktlich ab 18.30 Uhr wurde wieder abgeräumt. Anschließend sprach die Heimleiterin noch einige Sätze zu dem abgelaufenen Tag und der Planung für den bevorstehenden, ehe es dann um 19.00 Uhr in den Waschraum unter die Duschen ging.

Wegen der Vielzahl der Kinder mussten die Gruppen wechselweise die Gemeinschaftwaschbecken mit nur kaltem Wasser oder am folgenden Tag die Duschen nutzen. Beim Waschen mussten sich alle Kinder bis auf die Unterhose ausziehen; das Duschen erfolgte natürlich nackt, wobei einige Kinder, die sich dabei eher ungeschickt verhielten mit einer Wurzelbürste von den Mitarbeiterinnen abgeschrubbt wurden. Obwohl die Zeit von Bigotterie und Prüderie gekennzeichnet war, legten die Mitarbeiterinnen hier keinerlei Schamgefühle an den Tag.

Jeder Tag war bestimmt durch Drill, Befehl und Gehorsam. Alle Aktivitäten erfolgten nur in Gruppen, die sich zuvor, wie beim Militär, in Reih'und Glied aufzustellen hatten. Ausflüge und Wanderungen sowie Gänge zum Schwimmen wurden in Formationen durchgeführt. Der post-faschistische Erziehungsstil blieb auch hier deutlich erkennbar.

Als ich nach sechs Wochen Heimaufenthalt zurück fuhr, begann am nächsten Tag die Schule, denn die Sommerferien waren zu Ende. Ich hatte weder zugenommen, noch war eine Veränderung in meinem Essverhalten ersichtlich, auch mein gehemmtes Verhalten in der Schule hatte sich gelegt. Stattdessen liefen mir die Freudentränen die Wangen herunter, als ich endlich meine vertraute Umgebung und das Schulgebäude sehen durfte.

Jene schlimmen Erlebnisse aus dem AOK- Kindererholungsheim auf Norderney haben sich bis heute bei mir eingeprägt, weshalb mir die in dem Buch von Peter Wensierski geschilderten Zustände in den kirchlichen Verwahrungsanstalten der 1950er bis 1970er Jahre sehr nahe gehen. Jene Aufbau - und " Wirtschaftswunderjahre " sind somit ein Synonym für einen Zeitgeist, der geprägt war von klerikalen Denkstrukturen und Unterwürfigkeitsmechanismen. Die Gesellschaft war klar in Kategorien aufgeteilt, die durch den sozialen Besitz - und Bildungsstand definiert waren. Als Kind eines Arbeiterehepaars war ich dazu abgestempelt, nach der Volksschule und einer Lehre durch den Kriegsdienst gedrillt, zur Produktivität des kapitalistischen Systems beizutragen. Der wesentliche Vorteil in meiner Kinder - und Jugendzeit lag darin, dass sich meine Eltern weitesgehend gesellschaftskonform verhielten und damit dem Spitzeln und Denunzianten in der Nachbarschaft, der Schule sowie den Behörden und Ämtern keinen Anlass gaben, einen Heimaufenthalt anzuordnen.

Dennoch verblieben über viele Jahre die Auswirkungen jener rabiaten Erziehungsmethoden auch bei mir in schlechter Erinnerung; mit der Konsequenz, dass ich mein Kind und meine Enkelkinder so niemals behandelt habe oder diese behandeln werde.

Montag, 27. April 2009

" The end of a dream " oder warum ein erfolgreicher Trainer nach nur 302 Tagen gehen muß?



Als im Februar des Jahres 2008 ein Rauschen durch den Blätterwald begann, als sich die Medien förmlich überschlugen und die Mehrzahl der über 20 Millionen Hobby-Trainer eher einen positiven Kommentar zu einer Personalie abgaben, da konnte selbst ein Anti-FCBler nicht anders, als dem großen FCB zur Verpflichtung von Jürgen Klinsmann als Nachfolger von Otmar Hitzfeld zu gratulieren. Ein gute Entscheidung, so glaubte die Mehrzahl der Fußballinteressierten.
Wer allerdings - so wie ich - die Bundesliga seit ihrer Gründung verfolgt und ihre Metamorphose zum monetären Wanderzirkus Schritt für Schritt miterleben durfte, dem muß - trotz dieser Vorschusslorbeeren - sofort aufgefallen sein,dass der FCB und Klinsmann kein Traum-Duo sein kann, keines wird und auch keines werden darf. Klinsmann, der gebürtige Göppinger ist Baden-Württemberger. Das ist per se kein Makel,sondern eher ein Vorteil, denn diese Menschen sind zumeist akribische Arbeiter. Jürgen Klinsmann darf sich als Trainer jenes Attribut uneingeschränkt an sein Revers stecken.
Jürgen Klinsmann war selbst Profi und zwar bei einigen Vereinen mit Ruhm und Namen in Europa, wie z.B. Internationale Mailand. Er kennt das Profigeschäft aus dem FF. Was sollte dann noch schlimmes passieren,wenn er als gebürtige Schwabe beim eher ungeliebten bayerischen Nachbarn anheuert?

Nun, die Methodik, die J.K. nach Aufnahme seiner Trainertätigkeit beim FCB an den Tag legte, sie war für viele Kenner und Laien mehr als gewöhnungsbedürftig. Ein Stab von insgesamt 10 Trainerassistenten bemühte sich um das Wohl der Profikicker. Die Trainingsarbeit sollte hier vorallem eine mentale Komponente erhalten, mehr als unter dem angeblich Schleifer Felix Magath und den Gentleman Otmar Hitzfeld. J. Bemühungen blieben jedoch nur mäßig erfolgreich. Der mit hohen Erwartungen und noch größeren Ansprüchen in die Saison 2008/2009 gestartete FCB wurde alsbald auf den Boden der Realität zurück geworfen. Es hagelte Kritik, nachdem der Verein sich bereits in den Viertelfinales der Champions League und dem DFB-Pokal verabschiedete. Gegen Bayer 04 Leverkusen gabś ein 2:4, gegen Barca ein 0:4 und ein durchaus achtbares 1:1 - nicht genug für die Vereinsfürsten um Beckenbauer.

Es rumorte kräftig beim FCB. Von den drei angepeilten Titel ist nur die Deutsche Meisterschaft noch in greifbarer Nähe verblieben. Zu wenig für den Überverein, den gelobhudelten Rekordmeister und medial allzeit gegenwärtigen Fußballgiganten.

Jürgen Klinsmann muss nun nach genau 302 Tagen gehen. Ihm winken allerdings - angeblich - 20 Millionen Euro als Abfindung für den noch bis 211 laufenden Vertrag. Ein schönes Sümmchen, für einen 44-Jährigen gelernten Ungelernten. Handwerk hat ja manchmal sogar platinen Boden, wenn einer die richtigen Strippenzieher kennt und dann auch noch den richtigen Riecher besitzt, um das Richtige zur richtigen Zeit anzugehen. Kliensmann hat beim FCB klotzig verdient. Laut Pressemitteilungen um 4 Millionen Euro jährlich. Wenn er tatsächlich 20 Millionen Euro als Abfindung kassieren sollte, dürfte es sich dann dabei lediglich um ein Grundgehalt handeln. Was es auch immer ist, meine Prophezeiung, dass die Personalie Klinsmann sich zum FCB verhält, wie die Wurst zum Hund, traf nun voll umfänglich zu.
Da wurde versucht, zusammen zu führen, was nicht zusammen gehört. Der Vergleich könnte auch lauten: FCB zu J.K. verhält sich so, wie ein irischer Schauspieler zum englischen James Bond. Es passt eben nicht!

Sonntag, 26. April 2009

Wir können alles, außer gesetzestreu sein!

Die BRD ist nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten von einst 11 auf 16 Bundesländer aufgestockt worden. Würde eine spontane Umfrage in einer Fußgängerzone in einer x-beliebigen Stadt durchgeführt werden, so wäre die Anzahl derjenigen Befragten, die alle 16 Bundesländer richtig benennen könnten, äußerst gering. Wen wundert es denn, dass so mancher Passant oder Durchschnittsmichel das südlich belegene Baden-Württemberg, nicht nur nicht kennt, sonder selbst, wenn er es kennen würde, dennoch falsch schreibt. Immerhin besteht jenes Bundesland seit Gründung der BRD vor 60 Jahren, aus zwei - einst seperaten - Ländern, nämlich Baden und Württemberg. Beide einst eigentständigen Länder können auf eine lange und lebhafte Historie zurück blicken, die sie gern plakativ in den Vordergrund stellen. Die Badener sind - hieraus abgeleite - die eher Freisinnigen, weshalb Kommunismus für jene Liberlitätsgläubigen unisono ein rotes Tuch ist. Die Württemberger hingegen halten es mit dem Sparen. Eine besondere Spezies jener Geizkragen ist bei dem Schwaben angesiedelt. Auch viele Tüftler, Erfinder und Pfiffikuse hat dieses Gebiet hervor gebracht. Das Bundesland Baden-ürttemberg gehört zu den eher wohlhabenden Ländern, so wie Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Hamburg. Dann gibt es Bundesländer, die gehören zu den grauen Mäusen, so wie Niedersachsen,Rheinland-Pfalz,Schleswig-Holstein. Die dritte Gruppe ist arm. Das sind: Mecklenburg-Vorpommern, Berlin-Brandenburg,Bremen, Sachsen-Anhalt, Thüringen,das Saarland, Sachsen.

Nun, das reiche Baden-Württemberg ist vorallem deshalb so reich, weil sie angeblich alles können zu glauben. Mit der großen Ausnahme: sie sprechen kein Hochdeutsch!

http://www.baden-wuerttemberg.de/de/Werbe-_und_Sympathiekampagne/124658.html

Dieses Manko wird von den Dialektikern denn auch noch werbewirksam angepriesen.
Damit kann der Rest der BRD allerdings sehr gut leben, denn in jenem Gebiet zwischen Bodensee, Hochrhein und Neckar,leben oft sehr seltsame Menschen. Während ein Teil sich traditionsbewusst gibt, ist eine andere Teil der Modernität durchaus aufgeschlossen gegenüber stehend, während eine große Bevölkerungsgruppe christlich geprägt lebt, lehnt eine ander Gruppe jedwede Religion ab, während die Mehrzahl in ländlichen Regionen leben, gibt es einige Zentren, wie Stuttgart, Karlsruhe oder Mannheim. Eigentlich wäre jenes Land nicht besonders zu erwähnen, wären da nicht einige Skandale, die aktuell durch die Medien geistern.

Damit meine ich vornehmlich jene Schurkenstücke, die sich der Discounter LIDL aus Neckarsulm seit Jahren gegenüber Mitarbeitern leistet. Zur Chronologie der Bespitzelungsmethodik habe ich ein Link gefunden:

http://lidl.verdi.de/

Während der gesamten Zeitspanne nach seiner Gründung, ist der Schwarz-Konzern zunächst unauffällig geblieben,dann jedoch ab 2004 mit schöner Regelmässigkeit in die Negativschlagzeilen geraten. Neben der systematischen Torpedierungen zwecks Verhinderung der Gründung von Betriebsräten, hat es LIDL vorallem mit der Sammelwut von Daten über sein Personal zu tun. Ob es nun heimliche Videoüberwachungen sind, die Fertigung von Abhörprotokollen oder die Aufzeichnung von Krankendaten, nichts ist der Konzernleitung zu viel, wenn es darum geht, die Mitarbeiter permanent zu kontrollieren.
Ein Abriss zu den darauf hin erfolgten, kritischen Einwänden in der Öffentlichkeit lässt sich mei Wikipedia einlesen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Lidl

Dass es die Konzernführung mit einer konformen Einhaltung der Persönlichkeitsrechte ihrer Mitarbeiter nicht sehr genau nimmt, dürfte spätestens seit dem Bespitzelungsskandal 2008 klar sein. Der neuerliche Bericht über die Führung von eigenen Krankenakten lässt erahnen, dass es bei der Konzernleitung seit 2008 keinerlei Einsicht zu einem gesetzeskonformen Umgang mit sensiblen Mitarbeiterdaten gekommen ist. Im Gegenteil: Wenn die Vernatwortlichen es ihren eingestzten Mitarbeitern erlauben, illegale Aufzeichnung zu Krankheiten, Fehlzeiten und dem individuellen Umfeld des Personals zu fertigen, wirft dieses ein bezeichnendes Licht auf die Konzernmanager. Menschen werden hier - ebenso, wie in der übrigen Betriebsphilosophie - als Billigware betrachtet, die jederzeit beliebig austauschbar bleibt.

Die Fratze des Kapitalismus hat eben ständig ein neues Aussehen.

So schliesst sich der Kreis, den ein kritischer Betrachter zwischen den Mentalitätsdefizitäten jener Bewohner zwischen Bodensee, Neckar und Oberrhein durchaus erkennen kann, der Geizkrageneinstellung und der Furcht,dass zuviel sozialer Anstrich und eine Einhaltung der demokratischen Strukturen, nur dem Kommunismus Aufschub gibt.

Wir dürfen alles, außerhalb der Legalität.

Donnerstag, 23. April 2009

Tausche Frau gegen Frau und kassiere 1.500 Euro dafür!



Es ist schon wieder Donnerstag. Der Tag, an dem im Bunt-Fernsehsender RTL II regelmäßig ab 21.10 Uhr die Frauen getauscht werden. Eine Adaption des britischen Wife Swap. Der Ablauf ist fast immer der Gleiche: Zunächst werden die beiden Protagonistinnen vorgestellt - einige Male waren es auch Protagonisten -, es folgt alsbald eine Videobotschaft, bis dann innerhalb der gesetzten Zeit von 10 Tagen,die menschlichen Schwächen und ungezählten Spleens schonungslos dem Zuschauer offenbart werden. Da der Dummheit und Verblödung auch hier keinerlei Grenzen vorgegeben sind, wurde in vielen Sendung mehr als deutlich,dass die Frau auf der Straße nur dann - für die werberelevante Gruppe der 14 - bis 49 jährigen - interessant ist,wenn sich Frauchen so gibt,dass der so bestimmte Zuschauer sich in ihr wieder findet.

So wälzen alsbald Zwei-Zentner-Maschinen durch die unaufgeräumten Wohnungen, gepiercte und turbo-gebräunte Twens konkurrieren miteinander um die Gunst der ca. 1 Millionen Zuschauer. Seit Juli 2003 bietet RTL diesen formatierten Nonsens an, dessen unsinnstiftende Dialoge der Tauschfrau mit dem Herbergsvater und der weiteren getauschten Mutti mit den Tauschfamilienkinder oft dermaßen unerträglich sind,dass die eingestreuten Werbeblocks mit ihren brüllenden Reklameslogan, als reine Erholung betrachtet werden müssen.

So manche Folge des " Frauentausch " endete bei mir mit einem unvergessenen Erlebnis, denn ich hatte immerhin - trotzt all jener öden Gesprächsinhalte zwischen den Protagonisten - ein weiteres Kapitel aus der unendlichen Geschichte, die da heisst: " Wir waren dumm, wir bleiben dumm,wir werden immer dümmer ", gelernt. Wenn beispielsweise eine unterdurchschnittlich intelligente Tauschfrau, bei der Auslösung der Frage, wo nun eigentlich Bremen liegt, tatsächlich schlankweg behauptet, die Freie Hansestadt sei ein Ortsteil von Bayern. Wenn beispielsweise eine Anfangzwanzigerin nun partout sich permanent selbst überschätzt und als lebensfernes Berufs- und Erwerbsziel benennt,zukünftig in " die Sups " auftreten zu wollen. Oder wenn beispielsweise eine ungelernte Schulabbrecherin ihre Diskusionsecke in " Dieskussionsecke" grammatikalisch verändert. Ja, bei all jenen Sprach -und Schreibvergewaltigungen, bei all den intellektuellen Irrungen und Wirrungen und bei all den mutierenden Körperteilen jener Freischaffenden aus der Kategorie der Flachdenker, macht der kleine, aber feine Unterschied einer abgeschlossenen Schul - und Berufsausbildung doch so viel aus, dass es eine Wohltat ist,wenn ein Exemplar dieser Spezies dann doch noch zu Wort kommt.

Bei über 4 Millionen Analphabeten, über 20 % Schulabbrechern ohne Abschluss und mehr als 120.000 Lehrstellensuchenden, verwundert es wenig, wenn die Anzahl jener, die meinen, dass schnell verdientes Geld durch einen Auftritt ein einer jener Verblödungsformate, die Erfüllung für das weitere Leben sei, mit jedem Jahr in astronomische Höhen steigt. Früh übt sich, wer ein Star,Superstar oder Modell werden will. Hintern einziehen, Brust vergrößern und Resthirnmasse abschalten. Wenn Frauen tauschen bleibt meist der geistige Gehalt jener Folge bereits beim Vorspiel auf der Strecke. Da wundert es eben nicht mehr, dass am Ende mehr Hirnschmalz durch Werbung und begleitenden Kommentar verbraten worden ist, als es die beiden Auserwählten nebst Anhang je erreichen werden können.

Frau zu tauschen, um zu plauschen, das dem Andern, nach dem Wandern,sehr schnell klar wird,dass es weit aus Dümmere gibt, als jenes Anti-Pin-Up-Girl, das man selbst liebt.

" Wiese hält!"





Ich drehe das Rad meiner Lebensbiographie um 24 Jahre zurück. Wir schreiben 1985, ein Jahr nach dem Orwellśchen 1984. Die Welt befindet sich zwar immer noch im stetigen Wandel, dennoch gibt es klare Strukturen. Ost gegen West, Böse gegen Gut, Staat gegen Bürger und: HSV gegen Werder Bremen.

Es ist ein naß-kalter Apriltag des Jahres 1985, genauer gesagt, ein Mittwoch im April, Mittwoch, der 02. 04. Um 20.00 Uhr steht das Bundesligameisterschaftsspiel zwischen dem Hambuger Sportverein und dem SV Werder Bremen an. Im Volksparkstadion, das anlässlich der WM 1974 in Deutschland umgebaut und erweitert wurde, befinden sich mehr als 50.000 Zuschauer; davon bestimmt 8 - bis 10.000 Bremer Fans.
Der HSV wird von dem unvergessenen, dem Übertrainer Ernst Happel trainiert; der SVW von dem,um viele Jahre jüngeren Otto Rehhagel.

Zwei Jahre vorher, in der Saison 1982/1983 wäre der SVW beinnahe als Wiederaufsteiger zum ernsthaften Konkurrenten im Norden geworden und landete auf Platz 5 der Tabelle; nur 6 Punkte hinter dem HSV. In der Saison 1983/1984 wurde der SVW Vizemeister, punktgleich mit dem HSV. In der Spielzeit 1984/1985 hatten sich die Vorzeichen umgedreht: Der SVW wird Vizemeister, der HSV nur Fünfter. Trotz Happel und den vorherigen drei Meisterschaften mit Branko Zebec ( 1978/1979 ) und ihm.
Der SVW mutiert zum Bayern-Jäger Nummer 1; der HSV läuft jetzt nur noch hinterher.

Das Hinspiel hatte Hamburg im Bremer Weserstadion 2:5 verloren. Eine Bremer Gala gegen einen indisponierten norddeutschen Rivalen. Nach 90 Minuten schleiche ich mich, zusammen mit einigen tausend anderen enttäuschten SVW-Fans, und meinem damaligen Studienkollegen frustriert aus dem Stadion. Wir verlieren 2:0! Wir waren eigentlich die spielbestimmende Mannschaft! Wir waren jedoch nicht clever genug beim Ausnutzen der unzähligen Torchancen. Wir scheiterten an einem überragenden Torwart des HSV namens Uwe Hain. Hain holte eigentlich unhaltbare Schüsse von Uwe Reinders, Norbert Meier und Benno Möhlmann aus dem Tor. Hain war der Held des Abends.
Ein Tor erzielte Felix Magath mittels eines unhaltbaren Distanzschusses, der oben links im Winkel von Burdenskis Kasten einschlug. Magath, der Held gegen Juve, als der HSV den Europapokal der Landesmeister holte. Gegen Weltklassespieler, wie Platini,Boniek und weitere Stars.

Finale

Paarung Hamburger SV - Juventus Turin
Ergebnis 1:0 ( 1:0 )
Datum Mittwoch 25. Mai 1983
Stadion Athen ( Olympiastadion )
Zuschauer 73.500 ( ausverkauft )
Schiedsrichter Nicolae Rainea ( Rumänien )
Tore 1:0 Felix Magath ( 8. )
Hamburger SV Uli Stein - Holger Hieronymus - Manfred Kaltz, Ditmar Jakobs, Bernd Wehmeyer - Wolfgang Rolff, Jürgen Groh, Felix Magath, Jürgen Milewski - Horst Hrubesch (C), Lars Bastrup ( 56. Thomas von Heesen )

Trainer: Ernst Happel

Juventus Turin Dino Zoff (C) - Claudio Gentile, Gaetano Scirea, Sergio Brio, Antonio Cabrini - Massimo Bonini, Marco Tardelli, Michel Platini, Zbigniew Boniek - Roberto Bettega, Paolo Rossi ( 56. Domenico Marocchino )

Trainer: Giovanni Trapattoni

Gelbe Karten Wolfgang Rolff, Jürgen Groh - Massimo Bonini, Antonio Cabrini



Ich sehe das 1:0 von Felix Magath in der 8. Minute immer noch vor mir auf dem TV-Schirm. Er lief durch das Mittelfeld, wurde dabei nicht angegriffen und schoß aus ca. 25 Metern den Ball in das obere, linke Toreck, Der Ball hatte einen derartigen Effet, dass er für Zoff unhaltbar wurde. Klasse!

So ein klasse Tor machte er auch gegen uns, an jenem BL-Pflichtspiel vom 02. 04. 1985.

Auf der Rückfahrt von Hamburg nach Bremen, nachdem wir in einem persischen Restaurant in der hamburger Innenstadt noch gegessen hatten, merkte ich, dass meine zuvor noch nicht auskurierte Erkältung wieder durchschlug. Heiserkeit, Husten, Schnupfen. Die Nacht nach dem Spiel war eine Tortur, die Tage darauf waren es auch, denn es ging mir schlecht. Ich trank viel heiße Zitrone und legte mich früh schlafen. Der 02. April 1985 war aber in anderer Hinsicht für mich ein denkwürdiger Tag, denn ich wurde zum Nichtraucher!
Einige Tage, nachdem es mir etwas besser ging, verschenkte ich die Reste meines Tabaks sowie die Blättchen zum Selberdrehen von Zigaretten an eine im Wohnheim lebende Kommilitonin.

Die Niederlage meines SVW hatte somit eine gute Seite: Ich bekomme keine Raucherlunge, kein Karzinom und lebe wohl - statistisch betrachtet - länger als aktive Raucher.

Nun, die Jahre verflogen. Meine Leidenschaft Fußball erbrachte weitere, heute ungezählte Ereignisse, vorallem glanzvolle Siege des SVW. Die bitteren Niederlagen klammere ich einfach aus.

Fast ein Vierteljahrhundert nach dem 0:2 im Hamburger Volksparkstadion, dass irgendwann für viel Geld umgebaut und saniert wurde, zwischenzeitlich AOl-Arena und aktuell HSH-Arena heisst, standen sich der HSV und Werder Bremen zum DFB-Pokalhalbfinale am 22. April 2009 gegenüber.
Die Rollen in der laufenden Meisterschaft sind klar verteilt: Der HSV spielt oben mit, er kann sogar noch Deutscher Fußballmeister 2008/2009 werden, mein SVW liegt im grauen Niemandsland der Tabelle auf Platz 10.
Das BL-Hinspiel vor einigen Monaten ging auch verloren, mit 1:2. Das Siegtor schoß Ivica Olic, ein Sonntagsschuss, ein Tor der Woche, des Monats sogar!

Es ist 20.30 Uhr, als ich mich auf dem Weg mache, die Fernsehübertragung des Spiels vom ZDF zu verfolgen. Das verbale Vorspiel, geführt von den "Experten " Kerner/Kahn, das habe ich mir geschenkt, denn ausser " dumm Tüch " kommt nix dabei herüber. Es kommentiert Bela'Rethy, den ich längst als verkappten Bayern-Fan - wie so viele unter seinen Kollegen - geoutet habe. Zumindestens gehört er einer Kommentatorenfraktion an, die - wie einst Rolf Kramer ( Eijeijei!) oder Marcel Reif(der silbergraue,leicht verschnupfte Nervtöter) - im ZDF einst nur Hausmannskost kredenzten,wenn es um Fachvokabular bei der Berichterstattung oder bei Live-Reportagen ging.

So quälte sich der Bela'denn eher verhalten über die ersten Minuten. Das ZDF - mit dem man mit Sicherheit nie besser gesehen hat - ist unisono bei seiner Personaldecke im Bereich Sport/Fußball nicht gerade auf Rosen gebettet. Warum Rethy dennoch immer wieder kommentiert, wenn es um andere Vereine, als den favorisierten FCB geht, ist von daher nur verständlich.
Rethy lässt denn auch alsbald einige Informationen zu dem Bayern heraus: "Olic, der ja in der nächsten Saison zu den Bayern geht." Marcel Jansen, der Ex-Bayer " oder " Das Werder auswärts stark ist, haben sie ja beim 5:2 gegen die Bayern gezeigt!". Gähn! Gähn!Gähn!

Es fällt das 1:0 durch Per Mertesacker, der eine wunderbar geschossenen Freistoß von Diego, den Torwart Frank Rost nach Rückprall von dem Gebälk nur abklatscht, im Nachsetzen einnetzt. 1:0 für uns! Schade nur, dass in der Folgezeit die Feldüberlegenheit nicht in weitere Tore umgemünzt wird.

In der zweiten Halbzeit wird der HSV spielerisch stärker und bekommt einige Torchancen. Dann fällt das 1:1 durch eben jenen Ivica Olic, der seinen Torschuß,den Tim Wiese im Werder Tor nur abwehren kann, dann zurück erhält und verlängert. Die längst stillen 45.000 HSV-Fans toben. Alles ist wieder offen. Das Spiel beginnt von vorn.Kurz vor Schluß erhält der HSV noch eine gute Torchance,dann pfeift Schiedsrichter Weiner ab. Verlängerung.

In den beiden Spielzeiten der Verlängerung sieht es eher so aus, als würden keine der Mannschaften die Entscheidung durch eine absolute Offensive suchen. Das Spielgeschehen wogt hin und her. Es gibt noch eine Torchancen. Die Mehrzahl auf Seiten des HSV. Dann erfolgt der weitere Abpfiff des Spiels. Elfmeterschießen!
Ich habe längst den ZDF-Kommentar abgeschaltet und höre die Live-Reportage von Radio Bremen Eins. Die Reporter Henry Vogt und Heiko Neugebauer bringen mehr Emotionen herüber. Der Verlauf des Elfmeterschießen, der sich nüchtern so darstellt:

Mathijsen verwandelt für den HSV flach unten rechts. Pizarro gleicht aus - linker Innenpfosten, rein - 2:2. Boateng scheitert halbhoch links an Wiese, Özil trifft halbhoch links - 2:3. Olic versucht es halbhoch rechts, Wiese hält. Frings trifft: Unterkante Latte, der Ball geht rein - 2:4. Jansen peilt flach unten links an. Wiese ist am Ball, Werder im Finale.

wird von dem kongenialen Kommentatorenduo so geschildert:

http://www.radiobremen.de/mediathek/audio9682-popup.html

Wiese hält! Wiese hält! Wiese hält!

Werder-Herz, was gibtś noch schöneres an Fußballereignissen? Vielleicht nur jene, die dann auch noch so vom - vermeintlich - totgesagten Radio übertragen werden. Henry Vogt und Heiko Neugebauer, das war ein weiteres Glanzstück im Jahr 2009! " Wiese hält! ", er hält drei von vier geschossenen Elfmetern gegen den Erzrivalen HSV. Der 22. April 2009 war ein Freudentag, ein weiteres High-light in der Werder-Historie und ein Abend, an dem ich drei Mal die " Säge " machen durfte - vor Freude, fast 25 Jahre später eine Genugtuung, nach dem 0:2 im Volksparkstadion, dass mir so oder so in guter Erinnerung bleibt.

Mittwoch, 22. April 2009

Die BRD braucht (k)eine KP?

Wir schreiben das Jahr 1976. Genauer gesagt den 13. November dieses Jahres. Es ist ein naß-kalter, ein trüber Tag in Wilhelmshaven am Jadebusen. Seit dem 15. September habe ich dort mein BWL-Studium an der Fachhochschule aufgenommen. Ich versuche, den öden Vorlesungsalltag und das verschulte Studium durch Lesen von politischer Lektüre, vornehmlich dem Nachrichtenmagazin " DER SPIEGEL ", aufzulockern. Das hamburger Blatt mit seinem eher links-liberalen Anstrich berichtet von der Konzertreise des DDR-Liedermachers Wolf Biermann. Er hält sich aufgrund einer Einladung der westdeutschen Gewerkschaft in der BRD auf und soll am 13. 11. einen Auftritt in Köln haben. Aha, das III. Fernsehprogramm überträgt sogar live. Ich justierte die Teleskopantenne meines Quelle-Universum - Schwarz-Weiß-Fernsehers und drücke die manuelle Programmtaste unter der ich den empfangbaren Kanal für jenes Programm eingestellt hatte.
Nach der obligatorischen Tagesschau verkündet ein NDR-Ansager jene Sendung, die dann später über viele Jahre für unendlich viel politischen Streit und Gezänk sorgen sollte.

In der sachlich-nüchternen Beschreibung jenes Ereignisses steht denn nur:


1976 wurde Biermann von der IG Metall zu einer Konzertreise in die Bundesrepublik Deutschland eingeladen, wofür ihm die Behörden der DDR eine Reisegenehmigung erteilten. Das erste Konzert fand, vom Dritten Fernsehprogramm des WDR live übertragen, am 13. November in der Kölner Sporthalle statt. Dieses Konzert – Biermann hatte die DDR stellenweise kritisiert, bei anderen Anlässen wie etwa einer Diskussion über den 17. Juni aber auch verteidigt – diente dem Politbüro der SED als Vorwand für die Ausbürgerung „wegen grober Verletzung der staatsbürgerlichen Pflichten“, wie von ADN am 16. November verbreitet wurde. Nach der Ausbürgerung übernahm das ARD-Fernsehen das Konzert in voller Länge. Erst durch diese Übertragung – das Dritte Fernsehprogramm des WDR konnte in der DDR nicht empfangen werden – erfuhren viele Menschen in der DDR zum ersten Mal etwas über Biermanns Lieder.

Wie gebannt schaute ich, rauchend und Cola trinkend auf die Mattscheibe meines Unikums und verfolgte den Ablauf des Spektakels. Wolf Biermann sang, redete und diskutierte sich um Kopf und Kragen. Ein Rumpelstilzchen im fragilen Geflecht der deutsch-deutschen Beziehungen, ein Elefant im Porzellanladen, ein zorniger 40er, der sich aufschwingt, Klartext zu übermitteln.

Das Kölner Konzert wird wenige Wochen danach zum Renner. Es ist bei den - meist - linken Studenten in aller Munde. Gegen den Musiker wird gehetzt, gekeift und polemisiert, was das Zeug hält. Biermann wird aber auch zum Helden hoch stilisiert, der es gewagt hat,als einstiger DDR-Bürger gegen die Nomenklatura in jenem Staat zu Felde zu ziehen, ohne allerdings das System, den Sozialismus, mit Bausch und Bogen zu verdammen. Er propagiert eine Runderneuerung der real existierenden Staatsform, der gegebenen Gesellschafts - und der maroden Wirtschaftsordnung im Sinne der ME-Lehre.

Schön, dachte ich so bei mir. Wie soll dieser Wunsch tatsächlich umgesetzt werden? Nun Wolf Biermann hat hierfür ein Lied geschrieben, dass sich mit dem damaligen Jetztzustand der beiden Systeme auseinandersetzt und gleichzeitig Lösungen enthält:


So soll es sein- so wird es sein


1 So oder so, die Erde wird rot:
Entweder lebenrot oder todrot
Wir mischen uns da bißchen ein

- so soll es sein
so soll es sein
so wird es sein

2 Und Frieden ist nicht mehr nur ein Wort
aus Lügnerschnauzen für Massenmord
Kein Volk muß mehr nach Frieden schrein

- so soll es sein ...

3 Ja, Wohlstand wollen wir gern, anstatt
daß uns am Ende der Wohlstand hat
Der Mensch lebt nicht von Brot allein

- so soll es sein ...

4 Die Freiheit ist ein schönes Weib
sie hat ein' Unter- und Oberleib
sie ist kein fettes Bürgerschwein

- so soll es sein ...

5 Freiheit... Freiheit von Freiheitsdemagogie
Nehmt euch die Freiheit, sonst kommt sie nie!
Auch Liberale wer'n wir befrein

- so soll es sein ...

6 Dem Bourgeois auf die Finger schaun
- das genügt nicht! Auf die Pfoten haun
wolln wir das fette Bürgerschwein

- so soll es sein...

7 Kein Liebespaar wird uns mehr geschaßt
zu lebenslänglichem Eheknast
Die Untertanen-Fabrik geht ein

- so soll es sein ...

8 Kein Spitzel findet da Arbeit mehr
Das gibt ein Arbeitslosenheer
Mensch, ist das schön zu prophezein!

- so soll es sein ...

9 Sie selbst - na endlich ! - die Revolution
sie re-vo-lu-ti-o-niert sich schon
Sie wirft auf sich den ersten Stein

- so soll es sein ...

10 So oder so, die Erde wird rot:
Entweder lebenrot oder todrot
Wir mischen uns da bißchen ein

- so soll es sein
so soll es sein
so wird es sein

In seinem Kölner Konzert hat er den Text modifiziert und singt deshalb auch:

" Die BRD braucht eine KP.
(Biermann undbricht den Gesang und lacht höhnisch " Hah!" )
Wie ich sie wachsen und reifen seh'.
Unter Italiens Sonnenschein. "

Nach einem längeren Sprechteil, in dem er u.a. auch das damals in der DDR wieder veröffentlichte Schrifttum von Rosa Luxemburg anspricht, formuliert er dann:

" Die DDR braucht endlich, aber wie.
Rosaś rote Demokratie.
Stimm ihr mir zu,dann stimmt mit ein.
So, soll es sein, so wird es sein. "

Es folgt:

" Trotz aller Meinungsverschiedenheit.
Sind wir zur breiten Volksfront bereit.
Schluss mit den blöden Sektiererein.
So soll es sein.. "

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,445880,00.html

Nun, fast 33 Jahre später ist aus dem einstigen, dem frommen Wunsch des ehemaligen Polit-Barden Biermann nichts übrig geblieben, außer Tristesse an den Unis, Fachhochschulen und Gymnasien. Wo damals noch - im Zuge der 68er Nachwehen - heftig diskutiert wurde, wo in jener Zeit unzählige Stände mit politischem Propagandamaterial den Campus zierten und der Weg zur Uni-Mensa von wild plakatierten Parolen, Veranstaltunghinweisen sowie Buchtipps geschmückt war, herrscht heute Ödnis aus grauem Beton.

Was waren es noch in den 70er und 80er für Gruppierungen, die sich als Führungskader der Weltrevolution erkannten:




So sind sie denn alle - über kurz oder lang - im Nirvana verschwunden. Mit ihrer Auflösung verblasste auch die Bereitschaft der Studenten, sich überhaupt politisch zu betätigen. Make up statt Marx; Light food statt Lenin oder Eifersüchtelein statt Engels. Aber auch: Karriere statt Klassenkampf. Die Zeiten haben sich geändert und mit ihnen die Einstellung der angeblichen Intelligenz in diesem, unserem Lande. Eine völlige Entpolitisierung grasiert seit vielen Jahren. Die 68er sind müde und alt oder sitzen auf ihren pensionsberechtigten Posten in der Karriereleiter und warten auf das Dienstende. Die 70er-Generation mutierte von ehemaligen Latzhosenträger mit Kraut - und Rübenbart sowie langen Haaren zum versnobten Durchschnittsmichel mit eigenem Haus, einem Kind, einer Zweitfrau nebst Zweitwagen im Grünen. Dort, wo sie einst hingegangen sind, um gegen die AKWs, die Nachrüstung und den Polizeistaat zu demonstrieren.

Braucht die BRD tatsächlich eine KP? Hat dieser Staat eigentlich je eine benötigt? Oder waren die Bundesdeutschen überhaupt für eine kommunistische Partei offen? Wenn ich mir die laufende Entwicklung dieses Wirtschafts-und Gesellschaftssystems betrachte,das seit vielen Jahren ein Auseinanderdriften von Reich und Arm zu verantworten hat, so beantwortet sich eine derartige Frage fast von selbst: Die BRD braucht mehr denn je, eine starke KP.