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Dienstag, 31. März 2009

Von der Abwrackprämie bis zur Absturzorgie - Wie ein Behördenpfusch zur Lachnummer wird.




Deutschland im Rezessionsherbst 2008. Die Autohäuser beklagen einen Käuferrückgang von über 50 %, Opel steht vor der Insolvenz und die Gebrauchtwagen auf Halde. Bon jour tristesse für des Deutschen liebstes Kind. Automobil beginnt bekanntlich mit A und endet mit L, wie Leere. Gähnende Leere in den Verkaufsräumen der ungezählten Autohäuser bedeutet aber auch, das der mobile Kunde zurück haltend reagiert. Er überlegt jetzt länger, ob er dem Nachbar tatsächlich zeigen soll, dass er es noch kann, die Finanzierung eines neuen PKW.
Merkelś Macher wollen der in den Abgrund fallenden Automobilindustrie durch einen Rettungschirm den Absturz erleichtern und rufen die Abwrackprämie ins Leben. Jeder, der ein mehr als 9 Jahre altes Fahrzeug abmeldet, verschrotten lässt und gleichzeitig ein Neufahrzeug erwirbt, den Kaufvertrag hierfür vorlegt und die Zulassung auf seinen Namen belegt,der bekommt einen Zuschuss von 2.500 Euro,
Viele Geld für eine alte Gurke!

So stürzen sich die Doppel - und Besserverdiener auf den gefüllten Subvensionstopf, um ihn in Rekordzeit zu plündern. Die eben noch darbenden Automobilverkaufsstellen lobpreisen die staatliche Wohltat in höchsten Tönen. Ein Verkaufsplus von mehr als 40 % seit der Einführung der Prämie kann regional und Marken bezogenen verzeichnet werden. So umständlich das Verfahren zunächst aussieht, so schnell hat der gierige Autokunde das Selbige verstanden. Wennś um Geld geht, vorallem jenens, was vom Staat kommt, ist selbst ein Begriffsstutziger schnell ein Genie.

Dieses aufgelegte Wirtschaftförderungsprogramm ist ein durchschlagender Erfolg. Der Topf droht alsbald geplündert zu sein. Deshalb wird - einige Monate vor den Wahlen zum Bundestag - noch flugs nachgelegt. Die Prämienzahlung soll bis zum Herbst gelten. Gleichzeitig wird ab dem 30. 03. 2009 ein neues Verfahren zur Reservierung jener Staatsknete eingeführt. Dieser Zuschuss muss ab diesem Datum über das Internet, genauer gesagt via Portal des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie beantragt werden. Gesagt,versucht, gescheitert, denn:


Behörden-Internetseite zusammengebrochen
Zur Abwrackprämie führt nur ein Feldweg

Bei der Umstellung der Anträge für die Abwrackprämie auf ein Internet-Verfahren ist das System am ersten Tag weitgehend zusammengebrochen. Nur eine kleine vierstellige Zahl von Anträgen sei vom Computer-Server des Bundesamts für Wirtschaft (Bafa) registriert worden, gab die Behörde bekannt.

"Wir haben eine gigantische Datenautobahn geschaffen, aber die kann nicht befahren werden, weil der Weg dahin offenbar über einen Feldweg führt", räumte ein Sprecher ein. Die meisten Antragsteller konnten nicht einmal das Formular öffnen, das am Montagmorgen freigeschaltet worden war. Und selbst denen dies gelang scheiterten in der Regel vor dem entscheidenden Klick. Dabei hatte das Amt mit dem Ansturm gerechnet und im Vorfeld die Kapazität ihrer Server vervierfacht.
Wurde der Ansturm als Angriff gewertet?


Nach Bafa-Angaben arbeite ein nicht näher genannter externer IT-Dienstleister fieberhaft an der Lösung. Die Experten vermuteten, dass verschiedene Internet-Knoten die Flut von Anfragen als Angriff gewertet und die Daten deshalb nicht weitergeleitet hätten. Am Dienstag Vormittag will die Behörde Näheres mitteilen.

Die technischen Schwierigkeiten für die Antragssteller keine langfristigen Folgen haben. Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums beschwichtigte: "Es wird keiner einen Nachteil davon haben, dass er heute morgen nicht sofort durchgekommen ist."

Der staatliche Zuschuss von 2500 Euro kann seit heute nur noch via Internet beantragt werden. Allerdings genügt dafür nun die Vorlage eines Kaufvertrages. Bisher mussten Autokäufer bereits beim Antrag nachweisen, dass ihr alter Wagen verschrottet wird und das neue Fahrzeug bereits zugelassen ist.
Onlineverfahren sollte schneller Bearbeitung dienen

Mit dem Internet-Verfahren sollte ein schnelle Bearbeitung der Anträge ermöglicht werden. Dafür muss online ein Formular ausgefüllt und eine Kopie des Kaufvertrages für das Neufahrzeug als pdf-Datei angefügt werden. Andere Formate will das Amt nicht mehr akzeptieren. (Das Formular ist unter www.ump.bafa.de zu finden.).

So fragt sich denn der Laie und der Experte wundert sich: Wie konnte so etwas nur geschehen?
Nun, auf dem zweiten Blick hinter dem Vorhang und den staatlich stattlichen Kulissen lässt sich deutlich erkennen, dass dort Stümper am Werk waren. Jene hoch dotierten und sehr gut bezahlten Web-Designer, Computerexperten und IT-Fachleute, die seit vielen Jahren in den Ämtern ihre Beziehungen walten lassen,wenn es um das Abgreifen lukrativer Aufträge geht. Es werden hier nicht die Besten, nicht die Günstigsten, sondern die Bekanntesten berücksichtigt.Wer schmiert, fährt besser - auch in den Amtsstuben der Ministerien! So, wie es in anderen Bereichen der Vitamin B-Welt auch der Fall ist.

Jene Pfeifen, die die Seite konzipiert haben, waren denn schnell mit einer Ausrede - medial aufgehübscht - zur Stelle: In der unenendlichen Weite des Worl-Wide-Web gibt es einen Engpass, den niemand kennt, den keiner voraussehen konnte und deren Existenz jedoch Probleme bereitet.
Aha!
Während Prämienjäger und Geldgeile schon ab 1.00 Uhr in der Nacht vor den Autohäuser sich die Beine ab froren und - analog zu dem ALDI-PC-Blödsinn - keine Rangelei und Rüpelei scheuten, um den nachbarlichen Konkurrenten auszuschlagen, brach die Internetseite schon wenige Minuten nach Freischaltung im Netz völlig zusammen. Die Händler fluchten, die Kunden blähten und das Ministerium machte dicke Pustebacken.

Alles Schrott oder Wrack?

Montag, 30. März 2009

Mehdorn mäht jetzt Rasen!

Jetzt ist er endlich vernüftig geworden, der Dr. h.c., Dipl-Ing. Hartmut Mehdorn, seines Zeichens noch Vorstandsvorsitzender der Deutsche Bahn AG mit Sitz in Berlin. Er stellt seine Position in Frage, sich selbst zur Verfügung und hat den Aufsichtsrat um Auflösung seines Arbeitsvertrags gebeten, ersucht, angefleht?
Er wirft nach annähernd 10 Jahren das Handtuch.Von jener dekade waren die letzten 4 Jahre nicht eben leicht. Da war der Lokführerstreik, die permanenten Preiserhöhungen, die Bespitzelung von Bahnbediensteten. Alles keines Ruhmestaten des Dr. h.c. Mehdorn. Seit er das zepter dort schwingt, kracht es ordentlich im Gebälk des einst maroden Staatsbetriebs. Strecken wurden still gelegt, Fahrpläne ausgedünnt, Mitarbeiter entlassen - der Rest der Belegschaft musste sich unterwürfig geben. Der König der Bahn duldetet keinen Widerspruch; insbesondere nicht aus seinen eigenen Reihen.

Nun ist er bald weg, und die Bahn bleib mit seinem Konzept, das auf Privatisierung getrimmt ist, allein. Sein Nachfolger erhält kein gut bestelltes Feld. In den Zeiten der globalen Wirtschaftskrise hat auch die Bahn mit erheblichen Rückgängen bei dem Frachtgutaufkommen zu rechnen. Wenn weniger gekauft, weniger konsumiert und weniger investiert wird, reduziert dieses die Nachfrage, damit sinken die Auftragszahlen und die Notwendigkeit, jene Güter vom Ort X zum Ort Y zu transportieren. Ergo: Die Bahn erhält nicht so viele Aufträge hierfür.

Mehdorn geht in den Ruhestand. Mehdorn tut sich jenen medial gezündelten und permanent unter seinem Allerwertesten köchelnden Zwist nicht mehr an. Ob dieses ein Verlust oder Gewinn für das immer noch nach höhren Weihen, nämlich dem Börsengang, geiernden Unternhemen, ist, das bleibt abzuwarten.
Noch gibtś keinen Mehdorn II.

" Es ist 22.05 Uhr! Hier ist WDR II! Hören Sie nun wieder: " rock in ". Am Mikrophon: Winfrid Trenkler.


Mensch, ist das lange her! Die 68er, 41 Jahre. Das Woodstock-Festival, 40 Jahre. "Rock in " mit Winfrid Trenkler 38 Jahre? Oder sind es nur 35 Jahre? Mit dieser Frage habe ich mich am Wochenende intensiv beschäftigt und bin dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass ich sie ad hoc nicht beantworten kann.
Meine Internet-Recherche erbrachte auch nicht so richtig Aufschluss, denn aus den einführenden Sätzen eines von Uli Engelbrecht - einem bekannten Musikjournalisten - anlässlich des 25 jährigen Jubiläums der Moderatorentätigkeit von Winfrid beim WDR geführten Interviews, geht lediglich hervor, dass Winfrid seinen Job einst 1971 dort aufnahm und zunächst die Sendung Pro Pop Shop Music moderierte. Später führte er jene Sendung als " rock in " fort. Es kann demnach 1972 gewesen sein. Deshalb werde ich diesen Post nach meiner eigenen Erinnerung gestalten und die bringt mich zurück in das Jahr 1974.

Ich hatte gerade den Kriegsdienst bei der Bundeswehr hinter mich gebracht und wollte über den Zweiten Bildungsweg das Fachabitur nachholen.Ab Mitte April 2004 begann das Abenteuer Berufsaufbauschule in Stadthagen. So stand ich denn eines morgens zusammen mit einigen Schulkollegen auf dem Pausenhof der Kreisberufsschule an der Engerner Straße und rauchte eine selbstgedrehte Zigarette, als mich ein Schüler der Fachoberschule ansprach und um eine "Kippe" bat.
In diesem kurzen Gespräch kam natürlich das Thema Musik vor. Musik, das waren damals Deep Purple, Tangerine Dream oder Wishbone Ash; das waren eben jene progressiven Musikgruppen, die in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk - und Fernsehanstalten keinen oder kaum Platz erhielten.
Anders beim WDR und seinem 2. Programm, völlig anders vorallem in der Sendung " rock in " mit Winfrid Trenkler. Und gerade dieser Name fiel zum ersten Mal für mich hörbar durch jenen Mitschüler.
Winfrid Trenkler, das war bis dato für mich kein Begriff, denn das staatlich geordnete Rundfunkwesen empfand ich - wie so viele andere Dinge damals auch - als öde.
Öde deshalb, weil angepasst, bieder und mit Schlagern, Schnulzen sowie Tanzmusik voll gestopft.

Einige Wochen später schaltete ich dann - wohl mehr aus Neugierde - ab 22.05 Uhr Trenklerś " rock in " auf WDR II ein. Jenen Sender, der für meine Heimatregion einst nur über Minden in Westfalen ausgestrahlt wurde und der damals größtenteils genauso gleichförmigen Musikmüll verbreitete, wie der NDR oder HR mit seinen drei Programmen. Stumpfsinnige Wortbeiträge über Politik, Wirtschaft und andere Länder, gepaart mit platter U-Musik bis zum Abwinken um 24.00 Uhr. Meine Musikwelt, mein Lebensumfeld, war anders. Was also sollte ich von " rock in " schon Großartiges erwarten können?

Pünktlich um 22.00 Uhr sendete auch der WDR die gestelzten Nachrichten in der Tagesschau-Heute üblichen Sprache mit Begriffen und einem Vokabular, das eher nach Amtsstube,denn als Radiosender herüber kam. Die Sprecherin nudelte die Meldungen herunter. Es folgte der obligatorische Wetterbericht: " In der Nacht leichter Wind in Stärke 3 bis 4 aus Nord/Nord-Ost. Bei örtlicher Auffrischung zwischen 4 bis 5. Teilweise Schauertätigkeit, bei Temperaturen um 8, in den Kammlagen bei 6 Grad. In den Morgenstunden dunstig oder nebelig, bei Temperaturen um 10 Grad. In den nächsten Tagen leichter Temperaturanstieg. " So oder so ähnlich muss es einst im Frühjahr 1974 abgelaufen sein.
Dann kamen jene entscheidenden Sätze: "Hier ist WDR II. Hören Sie nun wieder: "rock in ". Am Mikrophon Winfrid Trenkler."

Plötzlich dröhnte Bo Hanssonś " Excursions with complications " als Erkennungsmelodie über den Äther, hinein in die beiden integrierten Lautsprecher der elterlichen Stereo-Anlage. Winfrid unterbrach das Stück mit den Worten: " Hallo, liebe Rockfreunde und herzlich willkommen zu einer weiteren Sendung von " rock in. Und wir legen gleich los mit... ".
Sehr oft variierte er seine Anmoderation. Seine sonorige Stimme, sein fundiertes Fachwissen und ein Schuss Herzlichkeit,manchmal floss ein leichtes Quantum an Selbstüberzeugung mit ein, das war es dann, was mich zu einem, der dann unzähligen Stammhörer von Winfridś Sendung machte. Schlichtweg gesagt: Ich war " rock in " - süchtig. Ein Hardcore-Fan, ein Winfrid Trenkler - Verehrer und hörte gebannt zu, wie er seine kurzen, prägnanten Sätze zu den Titeln und über deren Interpreten über die Frequenz 93,2 (Minden/Porta Westfalica) schickte.

Winfrid wurde Kult. Ein Muß für jeden Rock-Liebhaber. Sein lexisches Wissen über das Rock-Genre wurde mit jeder Folge von " rock in " größer und färbte natürlich auf seine Fans ab. Ich kannte Formationen, von denen viele aus meinem Freundeskreis nie etwas gehört hatten. Winfrid begleitete mich über eineinhalb Jahrzehnte - bis der Kelch zur Neige ging, und seine Sendung quasi abgesetzt wurde. Damals lebte ich in Bremen und konnte WDR I und II nur über eine Spezialantenne, die ich auf dem Dach installieren durfte, empfangen.
Die letzte " rock in "-Sendung war wohl im April 1987. Er spielte hier noch einmal einen bunten Strauß aus einigen Jahrzehnten Musikgeschichte. Ich erinnere mich daran, dass " Hello, goodbye " von den " Beatles ", ein Stück von der Gruppe " Love " oder der Fetzer Down to you ", hinter dem ich die " Strawbs " vermutete - was sich jedoch als irrig erwies. Mir kamen fast die Tränen, denn " rock in " war ein Teil meiner eigenen Lebensbiographie - die ich an jenem Mittwochabend, dann schon bei WDR I, ad acta zu legen hatte.

Zu seiner Folgesendung " Schwingungen " konnte ich nicht jenes Verhältnis aufbauen, dass ich einst durch die unzähligen " rock in "-Sendungen, aber auch mit der " Radiothek am Donnerstag ", die Winfrid ab 19.05 Uhr zusammen mit dem ebenso genialen Tom Schröder jahrelang moderierte, erhalten hatte. " Rock in " und die " Donnerstagsradiothek " auf WDR II, das war das kongeniale Duo an Musiksendungen, dass dann noch durch Radiosendungen, wie den Bremer Popkarton oder den NDR II - Club " sowie einigen HR III - Sendungen komplettiert wurde. LPś habe ich mir nur aufgrund der hier gehörten Titel gekauft, Musikcasetten nur mit jenen Alben bespielt, die insbesondere zuvor bei Winfrid Trenklerś "rock in " liefen.

Es war eine eher wilde Zeit mit einem immer kurz vor dem finanziellen Kollaps stehenden, alternativen Leben, zunächst als BAS - und FOS - Schüler, später als Student mit Haaren bis zum Popo. Das waren meine 70er Jahre, in denen ich alles, was Werte erhaltend war, zumindestens teilweise in Frage stellte, in denen ich verschultes, vorallem aber eigenes, durch Selbststudium und regelmässigem " SPIEGEL ", " Konkret " oder " Stern " lesen, angehäuftes Wissen versuchte nicht nur zu konservieren, sondern in die Tat umzusetzten. Meine Spanien-Tour 1974, mein Zürich-Aufenthalt 1975 oder die Skandinavienreise 1977, sie prägten meine eigene Lebensphilosophie. Oft nach dem Motto handelnd: " Weniger ist Mehr!".

Die 70er verflogen und neue Musikrichtungen gerieten auf den Vormarsch. Punk war populär, die NDW dudelte aus jedem Radio, aber auch die Neon-Licht-Popper-Szene mit ihren musikalischen Heroen, machten Furore. Das war allerdings nicht mehr meine Musik. So wie Winfrid eher die " Dire Straits ", die er mit ihrem ersten Album am Ende der 70er-Ära vorstellte, auch nach wie vor spielte, so verfestigte sich auch mein Musikgeschmack. Mit der Konsequenz, dass ich auf neue Richtungen nicht oder kaum einging. Tonträger von den Sex Pistols, Nena oder den Boomtown Rats waren für mich ein Tabu.
Die Zeichen der Zeit deuteten aber spätestens Mitte der 80er auf eine unübersehbare Vielfalt hin. Ähnlich, wie es nunmehr private Rundfunk - und Fernsehanstalten gab, zersplitterte der Musikmarkt in unzählige Elemente, in denen sich Interpreten mit Titeln, Alben und Live-Auftritten versuchten, um das grosse Geld abzufassen. Hier war das schnell zusammen geschusterte Musikstück, das dann mittels eines hohen Werbeaufwands in die Charts gedrückt wurde, mehr wert als ein konzeptionell sauber eingespieltes Album. Zudem nahm die computerisierte Technik Einzug in das Pop-Rock-Genre und verwässerte die Aussage nach der Qualität der Interpreten.

Mit der sich sukzessive wandelnden Musiklandschaft verschwand allerdings auch der Anspruch des Hörers an eine Musiksendung, wie sie eben " rock in " verkörperte. Der nach Quoten geiernde Sender, seine nach Werbeeinnahmen stierenden Programmverantwortlichen hielten jenes Sendeformat für überholt und ließen es schon bald fallen. Die Beliebigkeit hielt Einzug und mit ihr ein exorbitant hoher Qualitätsverlust. Diese Entwicklung setzte sich dann in den 90er ungebrochen fort und führt bei einer großen Zahl von reiferen Zuhörern zu einem gerüttelt Maß an Radioverdrossenheit. Das Radio als Medium hat zwar nach wie vor eine nicht unerhebliche Bedeutung in der gesamten Medienlandschaft, Es hat sich jedoch radikal gewandelt. Wortbeiträge gehören eher zu den Ausnahmen, es sein denn, es handelt sich um einen der öffentlich - rechtlichen Spartensender, viele Musikstücke werden fast zeitgleich und in uniformer Reiehnfolge abgenudelt.
Der einstige - leider,leider viel zu früh verstorbenene - Rundfunkmoderator Christian Günther sprach in einem Radio Bremen - Interview von einem " Grabbeltisch " an den sich sämtliche Rundfunkanstalten heut zu Tage gleichzeitig bedienen. Er hat diese Entwicklung richtig eingeordnet. Geplärre rund um die Uhr, über 7 Tage lang und Monat für Monat widerkehrend, sind die Regel.

Sendungen, wie " rock in " gehören deshalb in die Schatulle einer besseren Zeit, weil es einst noch Unterschiede zwischen den Rundfunksendern gab. Wenn Winfrid Trenkler in dem oben benannten Interview aus dem Nähkästchen plaudert und dabei einige Begebenheiten schildert, wie jene, als ihn ein WDR (II)-Redakteur in einer arrogant-ignoranten Weise während seiner " rock in " - Sendung anpflaumte und formulierte: " Trenkler, wie können Sie diesen Krach, den Sie da spielen nur aushalten?", so zeigt das Verhalten zumindest, dass es auch Rock-Pop-Gegner gab. Der gespielte Einheitsbrei der 90er ff. hat dazu geführt, dass jene Musikgeschmäcker sich allenfalls durch Nuancen von einander unterscheiden.

Das vollkommen berechtigte Schwelgen in alte Radiozeiten, jene - vielleicht doch manchmal zu verklärten - Reminessenzen an die 60er und 70er haben allerdings einen Ursprung, denn einst gab es noch Moderatoren mit Hirn und Herz, die dann schon mal provozierend eine Single von Elmar Gunsch am offenen Mikrophon zerbrachen und in den Papierkorb warfen, dafür von der "BLÖD"-Zeitung einen Tag später angegiftet wurden, weil dieses reaktionäre Kampfblatt dahinter linken Musik - und Meinungsterror vermutete. Oder, die - wie einst Winfrid und Tom Schröder - im Rahmen einer Radiothek am Donnerstag in einen offenen Disput über das Outfit der Gruppe KISS gerieten und damit ihre Anhängerschaft in einen Zwiespalt führten. Nicht zu vergessen jene Bereitschaft von Moderatoren, wie Henning Venske, Christian Günther oder insbesondere Winfrid Trenkler in ihren Sendungen auch Titel zu spielen, die mehr als 10 Minuten dauerten. Wenn damals Henning Venske das Stück " Dance of ages " der Gruppe " Argent " mit der Anmerkung " Ich lege mich derweilen schlafen " anmoderierte, habe ich es ihm überhaupt nicht verübelt. Henning war eine " NDR II-Club " - Koryphäe, er hatte einen Freibrief und durfte wirklich unpopuläre Meinungen in den Äther senden. Christian Günther stellte zu Beginn der 70er einmal das Album " Flowers of evil " der Rockformation " Mountain " vor und formulierte sinngemäss, die Titel der B-Seite seien gar keine, sondern nur ein einziges Stück Gitarrenverzerrer. Kein Problem! Üblich war es auch, politisch - motivierte Stücke abzuspielen. Lieder von Liedermachern, wie es damals Tom Schröder in einer HR III-Abendsendung tat, als er Hannes Waderś " 7 Lieder " durchspielte. Bei Winfrid Trenklerś " rock in " war es unisono üblich, Stücke mit Überlänge zu präsentieren. " Aus dem Album der Gruppe Novalis befinden sich nur relativ wenige Stücke. Ich verabschiede mich deshalb mit dem Titel " Sommerabend " und sage Gute Nacht, Ihr und Euer Winfrid Trenkler. " - das ging unter die Haut. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Radiomusik in der Jetztzeit dudelt Computer überwacht, normiert auf allenfalls 3 Minuten, einen Titel herunter, der sich so anhört, wie der davor und der danach: Einklangmelodien eben!

" Rock in " lebt dennoch weiter! Im world wide web, auf vielen Seiten dort, in noch mehr eingestellten Beiträgen und: in den Gedanken und Herzen jener - schon leicht betagten - Fangemeinde, die dem am 12. April seinen 67. feiernden Winfrid Trenkler immer noch nachtrauert, die sich seine Sendungen,gerade wegen des unerträglichen Realzustandes des Mediums Rundfunk, mehr denn je zurück wünscht und, die ihm - so wie ich auch - mehr als nur ein Dankeschön für die Tage, Wochen, Monate, Jahre und Jahrzehnte seines Schaffens übrig hat; ihm vielmehr einen respektvollen Dank schuldet.

" Hier ist WDR II. Hören Sie nun wieder: " rock in ". Am Mikrophon Winfrid Trenkler!" (K)eine Utopie?

Sonntag, 29. März 2009

" A touch of velvet, a sting of brass "- Als der Bremer Beat Club das Laufen lernte.




Was geschah am 25. 09. 1965? Tja, wenn ich das noch wüsste. Leider sind die grauen Zellen des menschlichen Gehirns nicht so ausgelegt, alle Informationen aus dem Leben eines jeden Menschen so zu verarbeiten, dass er diese auch nach 44 Jahren noch abrufbereit zur Verfügung stehen hat. So nehme ich den unendlichen Wissensfundus aus dem Internet zur Hilfe und recherchiere darin:

25.9.1965


Bundespräsident Heinrich Lübke eröffnet die Allgemeinen Nahrungs- und Genußmittel-Ausstellung (ANUGA) in Köln. Auf der größten Lebensmittelmesse der Welt präsentieren bis zum 3. Oktober 2588 Firmen aus 60 Ländern auf 122 000 m² ihre Spezialitäten.
25.9.1965


Das griechische Parlament in Athen spricht der Regierung des unabhängigen Zentrumspolitikers Stefanos Stefanopulos, den König Konstantin II. am 17. September zum Ministerpräsidenten ernannt hat, mit 152 gegen 148 Stimmen das Vertrauen aus.
Wetterdaten für September 1965

Im September des Jahres 1965 war es laut den Wetteraufzeichnungen nur etwas zu kalt (Abweichung: -0.4 °C).

25. September 1965: Erster "Beat-Club" im Fernsehen gesendet

"Liebe Beatfreunde, nun ist es endlich soweit. In wenigen Sekunden beginnt die erste Beatshow im deutschen Fernsehen, die nur für euch gemacht ist." So salbungsvoll kündigte der Sprecher die Premiere des "Beat-Club" an und fügte sicherheitshalber gleich eine Entschuldigung hinzu: "Sie aber, meine Damen und Herren, die Beatmusik vielleicht nicht mögen, bitten wir um ihr Verständnis. Es ist eine Livesendung mit jungen Leuten für junge Leute." Drei Bands hatte der "Beat-Club"-Initiator und -Regisseur Mike Leckebusch zur ersten Sendung eingeladen.

Bald wurde Uschi Nerke zum Gesicht der Sendung. Sie moderierte alle Folgen und auch den Nachfolger "Musikladen". Der "Beat-Club" öffnete nur alle sechs Wochen, doch mit der Samstagsruhe war es vorbei. Ein Tabu war gebrochen: Zum ersten Mal gab es im deutschen Fernsehen eine Sendung, in der überwiegend langhaarige junge Menschen mit einer Gitarre vor dem Bauch zu sehen waren.


So flimmerte einst, an jenem 25. September 1965 über die wenigen Kanäle des Ersten Deutschen Fernsehens in schwarz-weiß eine Sendung, die nicht nur in der Presse und im Rundfunk für Furore sorgte, nein, auch im biederen, spießigen Familienidyll sorgte sie für Zank und Streit.
Während das Schlager-Gedudel auf sämtlichen Kanälen längst zum Alltag gehörte, der Deutschlandfunk ab 13.10 Uhr seine piefige Marschmusik über den Äther schickte, erdreistete sich die kleinste, aber feinste Sendeanstalt, ein Programm für junge Leute von jungen Leuten ins Leben zu rufen. Mensch, was waren wir bieder! Die adrett gekleidete Uschi Nerke mit ihren glatt gelegten langen Haaren. Die Beatgruppen in ulkigen Künstleranzügen mit frisch gewaschenen, leicht über die Ohren gehenden Haaren, dafür mit sauberen Fingernägeln und eingedieselt mit Eau de Toilette - völlig ungefährlich, ja, sogar im gewissen Rahmen überangepasst, kamen sie daher, die Beat Club-Erstlinge.
Was dann auf die Redaktion um Mike Leckebusch, Uschi Nerke und Co an Reaktion - im wahreste Sinne des Wortes - herüber gekübelt wurde, war so typisch deutsch, wie faschistoid. Das Vokabular der Alt-Faschisten umspannte all jene Verwünschungen, die sie bereits 33 Jahre zuvor den nicht arischen Mitmenschen, dafür Untermenschen, haben angedeihen lassen. Nur die Progromnacht fehlte.
" Euch hätte man unter Adolf weggesperrt, vergast, ins Arbeitslager gesteckt!", das waren nur die leichten Drohungen. " Neger-Musik, Hotten-Totten-Geschrei oder einfach nur Krach!", so fuhren sie in ihren Schmierereien fort.

Uschi Nerke und Mike Leckebusch steckten diese Beleidigungen, Schmähungen und Drohungen lächelnd weg und ließen die 2. Folge des Beat Clubs einen Monat später, am 30. Oktober 1965 folgen.
Nun, Uschi moderiert seit einigen Jahren wieder den Beat Club auf Radio Bremen 1. Ich höre die Sendung regelemäßig, dank Satellitenempfang und Internet-Präsens des Senders. Eine Ohrenweide!
So, wie einst der alte Grundig -Fernseher mit seiner kleinen Mattscheibe, dafür einem riesigen Chassis und einem exorbitanten Gewicht, an den Folgemonaten für einen winzigen Zeitabschnitt an einem Samstag für uns zum Kultobjekt wurde. Beat Club war Kult, die Mode ein Muß, die Musik unserer Vorbilder ein Signal an die verblödete Erwachsenwelt, die für uns nur Abscheu und Hohn übrig hatte.

" Mach das Gejaule leiser! Stell die Hotten-Totten-Musik ab Geh zum Friseur, du siehst aus, wie ein Penner!", so lauteten die Befehle unserer Eltern einst. Die Nachkriegsära schrieb indes mit und durch den Beat Club ein neues Kapitel. Beatmusik war die Identifikation jener jungen Leute, die leben wollten, ohne dass ständig ein Erwachsener kontrollierte.
Was einst eher hausbacken aussah, mutierte alsbald zu einer Jugendrevolte und führte zu Veränderungen. Wenngleich nicht alle Lebensinhalte jener Beat-Generation sich umsetzen ließn, die Sichtweisen in den vielen Jahren danach auch nicht immer die Richtigen waren, die Erziehungsstile oft zu wünschen übrig ließen, so war es doch ein Zeit des Aufbruchs - heraus aus den Mottenkugel-Geruch der Spießergesellschaft um Adenauer/Erhard/Kiesinger. Auf zu neuen Ufern, selbst auf die Gefahr hin, bei dem Freischwimmerversuch zu ertrinken.
Danke Uschi Nerke, vielen Dank an den - leider viel zu früh - verstorbenen Mike Leckebusch und das gesamte Beat Club -Team der ersten Stunden.





Sendungsliste
von 1965 bis 1972


Folgen 1 - 34
Die Beat-Club-Ausgaben 1 - 34 wurden von Radio Bremen allein produziert.


Beat-Club 1 vom 25. September 1965
mit den Yankees, Liverbirds, John O'Hara & his Playboys


Beat-Club 2 vom 30. Oktober 1965
mit den Phantoms, Ian and the Zodiacs, German Blue Flames und den Rolling Stones


Beat-Club 3 vom 4. Dezember 1965
mit den Mushroams, Rattles, Gerry and the Pacemakers


Beat-Club 4 vom 22. Januar 1966
mit den Lords, Remo Four und Chris Andrews


Beat-Club 5 vom 12. Februar 1966
mit den Boots, Ian and the Zodiacs, Isabella Bond & Tramps und den Beatles


Beat-Club 6 vom 26. März 1966
mit den Overlanders, Twinkle, Birds and Bees, Eileen, Sandie Shaw und den Beatles



Beat-Club 7 vom 16. April 1966
mit den German Bonds, Silkie und Pretty Things


Beat-Club 8 vom 28. Mai 1966
mit den Remo Four, Dave Dee & Co, Graham Bonney, The Who, Hollies und den Walker Brothers


Beat-Club 9 vom 18. Juni 1966
mit den Yankees, Lords, Rattles, Eileen, Overlanders, Sandie Shaw, Graham Bonney, Chris Andrews, Liverbirds und den Beatles


Beat-Club 10 vom 16. Juli 1966
mit den Monks, Image, Sandie Sarjeant, Country Stars und Neil Christian


Beat-Club 11 vom 27. August 1966
mit den Sounds Incorporated, Cliff Bennett & his Rebel Rousers, Moody Blues, Shape & Sizes und den Washington DCs


Beat-Club 12 vom 12. September 1966
mit den Bunch of Fives, Carol Friday & Remo Four, Graham Bonney und Sonny & Cher


Beat-Club 13 vom 22. Oktober 1966
mit den Lovin' Spoonful, Manfred Mann, Peter and Gordon, Ramsey Lewis Trio, Simon and Garfunkel, Sonny & Cher, Tommy James and the Chundells und den Walker Brothers


Beat-Club 14 vom 19. November 1966
mit John Smith & the New Sound, David and Jonathan, David Garrick, Dave Dee & Co und Jacques Dutronc


Beat-Club 15 vom 31. Dezember 1966
mit Neil Christian, Washington DCs, Easybeats und Paul Jones


Beat-Club 16 vom 21. Januar 1967
mit den Lords, Rattles, Animals, The Who, Lee Curtis and the All-Stars


Beat-Club 17 vom 25. Februar 1967
mit Wilson Pickett, Twice as Much, Sandy Posey, Percy Sledge, Remo Four, Creations, Graham Bonney, Equals, Cream und den Markeys


Beat-Club 18 vom 11. März 1967
mit Geno Washington, Jimi Hendrix Experience, Smoke, The Who und Cliff Bennett (Aufzeichnung aus dem
Marquee-Club in London)


Beat-Club 19 vom 1. Mai 1967
mit Whistling Jack Smith, Snappers, The Who, David Garrick, Dave Clark Five, Julie Felix, Sandy Sarjeant, Jimmy Cliff und Eddie Floyd


Beat-Club 20 vom 20. Mai 1967
mit den Equals, Small Faces, Dave Dee & Co, Bee Gees, The Who, Kinks, Cream und Whistling Jack Smith


Beat-Club 21 vom 24. Juni 1967
mit Latch, Kinks, Twice as Much, Small Faces, P.P. Arnold, Exception, Lulu, Marquis of Kensington und Cat Stevens


Beat-Club 22 vom 22. Juli 1967
mit Jimmy Cliff, Hollies, Herd, Dave Clark Five, New Formula, Troggs, Chris Farlowe und Dave Davies


Beat-Club 23 vom 26. August 1967
mit Latch, Sonny & Cher, Scott McKenzie, Walker Brothers, Marquis of Kensington, Dave Dee & Co und den Rolling Stones


Beat-Club 24 vom 23. September 1967
mit den Small Faces, Alan David, Twice as Much, Manfred Mann, P.P. Arnold, Cat Stevens, Keith West, Truly Smith, Bee Gees, Eddie Floyd und Anita Harris (von der Funkausstellung in Berlin)


Beat-Club 25 vom 14. Oktober 1967
mit den Equals, Family Dogg, Alan Price Set, David Garick, Herd, Bella & Me, Fortunes und Vanilla Fudge


Beat-Club 26 vom 25. November 1967
mit Barry Mason, Flower Pot Men, Sharon Tandy, Johnnie Young, Family Dogg, Scott McKenzie, Felice Taylor, Beatles, Bee Gees und Sam & Dave



Beat-Club 27 vom 30. Dezember 1967
mit Flower Pot Men, Billy Nichols, Bonzo Dog Doo Dah Band, Bee Gees, P.P. Arnold, Dave Dee & Co, Marion und den Small Faces


Beat-Club 28 vom 13. Januar 1968
mit Carla Thomas, Dave Justin, Neil Christian, Billie Davis, Long John Baldry, Herd, Dave Davies und Procol Harum


Beat-Club 29 vom 9. März 1968
mit Paul & Barry Ryan, Moody Blues, B.B. King, Nirvana, Sharon Tandy, Dave Dee & Co, Rolling Stones, Amen Corner, Traffic, Georgie Fame, Manfred Mann und den Beatles


Beat-Club 30 vom 6. April 1968
mit den Equals, Procol Harum, Bee Gees, David McWilliams, Arthur Conley, Gene Pitney, Move, Manfred Mann, Julie Driscoll & Brian Auger Trinity und den Hollies


Beat-Club 31 vom 27. April 1968
mit Big Boy Pete, Exception, Family Dogg, Arthur Conley, Reparata & the Delrons, Gene Pitney, Bee Gees, John Walker und den Small Faces



Beat-Club 32 vom 22. Juni 1968
mit Herd, Madeline Bell, Manfred Mann, Rolling Stones, Tony James & the Shondells, Julie Driscoll & Brian Auger, Small Faces, Association und P.J. Proby


Beat-Club 33 vom 13. Juli 1968
mit Raymond Frogatt, P.P. Arnold, At Last the 1958 Rock'n'Roll Show, P.J. Proby, The World of Oz, Unit 4 plus 2, Rolling Stones, Dave Justin und Gene Pitney


Beat-Club 34 vom 31. August 1968
mit den Equals, Tim Rose, Cupid's Inspiration, Mirror, Ranee & Raj, The Crazy World of Arthur Brown, Rolling Stones, Bruce Chanell und Dave Dee



Folgen 35 - 74
Ab Folge 35 bis Folge 74 war der Beat-Club eine Gemeinschaftssendung mit dem WDR, der jugendorientierte Filmzuspiele beisteuerte. Ab Folge 50 wurde der Beat-Club in Farbe ausgestrahlt und ab Folge 55 wurden keine Go-Go-Girls mehr eingesetzt.


Beat-Club 35 vom 14. September 1968
mit Amen Corner, John Walker, Equals, Ben E. King, Nice, Status Quo, Dave Dee & Co, Canned Heat, Arthur Conley, Leapy Lee und den Hollies


Beat-Club 36 vom 12. Oktober 1968
mit den Vanity Fare, Casuals, Merseys, Love Affair, Grapefruit, Nilsson, Yardbirds, Dave Dee & Co, The Who, Sandie Shaw, Easybeats und den Troggs

Beat-Club 37 vom 16. November 1968
mit den Easybeats, Spooky Tooth, Beatles, Blue Cheer, Family Dogg, James Brown, The Who, Dave De & Co, Bee Gees, Beatles, Hollies und Barry Ryan


Beat-Club 38 vom 31. Dezember 1968
mit den Foundations, Simon Dupree & the Big Sound, Equals, Tiny Tim, Bonzo Dog Doo Dah Band, Gene Pitney, Manfred Mann, Bee Gees, Geno Washington & the Ram Jam Band, Billie Davis, Joe Cocker, Marmalade, Beach Boys und den Flirtations

Beat-Club 39 vom 25. Januar 1969
mit den 1910 Fruitgum Co, Move, Ohio Express, Beach Boys, Gun, Raymond Frogatt, Barry St. John, Donovan, Status Quo und den Tremeloes


Beat-Club 40 vom 22. Februar 1969
mit den Harmony Grass, Bonzo Dog Doo Dah Band, Leapy Lee, Julie Driscoll & Brian Auger Trinity, Amen Corner, Canned Heat, Love Sculpture, Root und Jenny Jackson, Billie Davis, Tremeloes und Barry Ryan


Beat-Club 41 vom 29. März 1969
mit Simon Dupree and the Big Sound, Searchers, Sly & the Family Stone, Julie Driscoll & Brian Auger Trinity, Rascals, Marv Johnson, Melanie, Hollies, Peter Sarstedt, Creedance Clearwater Revival, Beach Boys und den Foundations


Beat-Club 42 vom 26. April 1969
mit U.K. Jones, Les Reed, Moby Grape, Grisby Dike, Paul Williams Set, David McWilliams, Melanie, Trifle, Manfred Mann, Clodagh Rodgers, Dave Dee & Co, Kinks und den Beatles


Beat-Club 43 vom 7. Juni 1969
mit Steppenwolf, Paul Revere & the Raiders, Status Quo, Jimmy James, Colosseum, Fleedwood Mac, Spooky Tooth, Beach Boys, Joe South, Chris Andrews, Mary Hopkin und Dave Clark Five


Beat-Club 44 vom 28. Juni 1969
mit Caravan, Brian Poole & the Seychelles, Flirtations, Marsha Hunt, Procol Harum, Richie Havens, Searchers, Family Dogg, 3 Dog Night, Dave Dee & Co, Ohio Express, Amen Corner und Keef Hartley


Beat-Club 45 vom 2. August 1969
mit Dave Clark Five, Steppenwolf, Marmalade, Rainbow People, Robin Gibb, Zager & Evans, Clodagh Rodgers, Beach Boys, Beatles, Thunderclap Newman, Plastic Ono Band und Paul Revere & the Raiders


Beat-Club 46 vom 30. August 1969
mit Deep Purple, Three Dog Night, Tim Rose, Interstate Roadshow, Jimmy Ruffin, Move, Humble Pie, Steamhammer, Windmill und Procol Harum


Beat-Club 47 vom 27. September 1969
mit Fat Mattress und The Who


Beat-Club 48 vom 25. Oktober 1969
mit Blodwyn Pig, Ten Years After, Tea & Symphony, Barry Ryan, Joe Cocker, Chicken Shack, Nice, Marsha Hunt und Vanilla Fudge


Beat-Club 49 vom 29. November 1969
mit Yes, Caravan, Babylon, Delaney, Bonnie & Friends, Man, Champion Jack Dupree und den Beatles


Beat-Club 50 vom 31. Dezember 1969
mit Steamhammer, Dave Dee & Co, Terry Reid, Chicago Transit Authority und Hardin & York


Beat-Club 51 vom 31. Januar 1970
mit Humble Pie, Free, Juicy Lucy, Renaissence, Spirit, Colosseum, John Mayall und Canned Heat


Beat-Club 52 vom 28. Februar 1970
mit Badfinger, Taste, Bobbie Gentry, Clouds, Jackie Lomax, Arlo Guthrie, Joe Cocker und Jethro Tull


Beat-Club 53 vom 28. März 1970
mit Mott The Hoople, Ashton Gardner & Dyke, Led Zeppelin, Edgar Broughton Band, Marsha Hunt und den Beatles



Beat-Club 54 vom 18. April 1970
mit Move, Flock, Marsha Hunt, Taj Mahal, Johnny Winter und It's a Beautiful Day


Beat-Club 55 vom 30. Mai 1970
mit Black Sabbath, Rare Bird, Jody Grind, Blodwyn Pig, Renaissance und Canned Heat


Beat-Club 56 vom 27. Juni 1970
mit Van der Graaf Generator, Brinsley Schwarz, Santana und Mungo Jerry Family


Beat-Club 57 vom 15. August 1970
mit Atomic Rooster, Steamhammer, Edgar Broughton Band, Dr. John & the Nighttripper und Jethro Tull


Beat-Club 58 vom 5. September 1970
mit Hard Meat, Pretty Things, Cat Stevens, Free und Humble Pie


Beat-Club 59 vom 26. September 1970
mit Status Quo, Third Ear Band, Black Sabbath, Eric Burdon & War und Jimi Hendrix Experience


Beat-Club 60 vom 24. Óktober 1970
mit Amon Düül II, Ginger Baker's Airforce und der Incredible String Band


Beat-Club 61vom 28. November 1970
mit Stone the Crows, Colosseum, Fotheringay und Muddy Waters


Beat-Club 62 vom 31. Dezember 1970
mit Ufo, Move, Warm Dust und Emerson, Lake & Palmer


Beat-Club 63 vom 30. Januar 1971
mit Patto, Ashton Gardner & Dyke, Iron Butterfly und Joe Cocker


Beat-Club 64 vom 27. Februar 1971
mit Golden Earring, Atomic Rooster, John Mayall, T. Rex, Ike & Tina Turner und Tom Paxton


Beat-Club 65 vom 27. März 1971
mit Skid Row, Soft Machine und Curved Air


Beat-Club 66 vom 24. April 1971
mit Yes, Man, Popol Vuh und Santana


Beat-Club 67 vom 22. Mai 1971
mit Rory Gallagher, Byrds und Kraftwerk


Beat-Club 68 vom 24. Juni 1971
mit Lucifer's Friend, Warhorse, Frumpy, Fleetwood Mac und Mountain


Beat-Club 69 vom 24. Juli 1971
mit der Mick Abrahams Band, Caravan, Grease Band, Osibisa, Et Cetera und James Gang


Beat-Club 70 vom 9. August 1971
mit Can, Emergency, Weather Report und Beggar's Opera


Beat-Club 71vom 25. September 1971
mit Jefferson Airplane, Birth Control, Canned Heat, If, Family, Curved Air, Deep Purple und Creedence Clearwater Revival


Beat-Club 72 vom 30. Oktober 1971
mit Champion Jack Dupree, Stoneground, T. Rex, Richie Havens, Passport, Alice Cooper, Procol Harum, Jethro Tull und Cash - Dylan


Beat-Club 73 vom 27. November 1971
mit Fanny, Man, Move, Hardin & York, Slade und Redbone


Beat-Club 74 vom 26. Dezember 1971
mit Rory Gallagher, King Biscuit Boy, Stone The Crows, Santana, Alexis Korner und Pink Floyd


Beat-Club 75 vom 29. Januar 1972
mit Billy Pre, Epitaph, Mountain, Curtis Mayfield, Canned Heaston, Brother Jack, Pocot und Heads Hand & Feet


Beat-Club 76 vom 26. Februar 1972
mit Livin' Blues, Brother Jack, Nazareth, Bell & Arc, Earth & Fire, Mouth & McNeal und Atomic Rooster


Beat-Club 77 vom 25. März 1972
mit Heaven, Guru Guru, Edwin Starr, Steve Miller Band, MC5, Jeff Beck Group und Stephen Stills Manassas


Beat-Club 78 vom 27. Mai 1972
mit Pacific Gas & Electric, Kinks, Chuck Berry, Greatful Dead, Doors und den Rolling Stones


Beat-Club 79 vom 24. Juni 1972
mit Tucky Buzzard, Deep Purple, Captain Beefheart, Frumpy, New Rider of the Purple Sage, Don McLean, Ashman Reynolds und Rory Gallagher


Beat-Club 80 vom 30. September 1972
mit Johnny Cash


Beat-Club 81 vom 28. Oktober 1972
mit Ike & Tina Turner, Everly Brothers, Grease Band, Byrds, Mick Abrahams, Manassas, Heads Hands & Feet, James Taylor und Three Dog Night


Beat-Club 82 vom 25. November 1972
mit Fanny, Phlorescent Leech & Eddie, King Crimson, Alice Cooper, Mike Hugg, Stone the Crows und Maggie Bell



Beat-Club 83 vom 9. Dezember 1972
mit The Osmonds

Ostertage - Osterbräuche - Osterunsitten.





Nun sind es nur noch 14 Tage, dann ist schon wieder Ostern. Ostern 2009! Wer es nicht wahr haben will, der ignoriert dabei die - bereits seit einigen Wochen - in den Auslagen der Discounter liegenden typischen Kalorienbomben, wie Schokoladen-Osterhasen, Nougateier oder gefüllte Praline's mit Osterküken-Aufdruck. Feine Leckerein für den Gaumen, Gift für die eigenen Zähne und Mastfutter für den Astralkörper. Alle Jahre wieder die gleiche Prozedur.
Auf den Wiesen und in den Vorgärten sowie in den Fenstern baumeln an Sträuchern grell gefärbte Plastikeier in allen Variationen. Da hängen sie alle nun hoch, höher, am höchsten und lassen sich den Märzwind, die Aprilschauer und einige Sonnenstrahlen um und auf ihrem Körper einwirken. Tja, dieser Brauch ist eine neuzeitliche Geschichte. In deutschsprachigen Ländern und den Niederlanden suchen die Kinder bunt bemalte versteckte Eier und Süßigkeiten, die von einem „Osterhasen“ versteckt wurden. Es gibt auch den Brauch, Zweige in Vasen oder auf Bäumen im Garten mit bunt bemalten Ostereiern zu schmücken. Als Ostergebäck gibt es einen Kuchen in Hasen- oder Lammform. Bräuche zum Osterei sind das Ostereiertitschen, Ostereierschieben und Eierschibbeln.

So lassen sich die meisten Grundstückseigentümer denn allehand einfallen, um aufzufallen. Pinke Ostereier sind da nicht einmal etwas Außergewöhnliches. Darf es noch ein wenig aufälliger sein?
Blaues Ostergras als Holzwolle, belegt mit gelben Schokoladen-Ostereiern und goldfarbenen, ja sogar lila-farbigen Osterhasen? Kein Problem. Die industreielle Massenproduktion kann hier jeden Geschmack bzw auch die ausgefallenste Geschmacksverirrung bedienen.Auch wenn es nicht immer so war, so hat der Mißbrauch des höchsten christlichen Festes doch Methode.
Ostern als religiös motiviertes Ereignis? Wann gab es dass seit meiner Kindheit eigentlich?
Nun, in den Jahren 1968 und 1969, als wir Vorkonfirmanten und dann Konfirmanten waren, da hatte Ostern in der Tat eine gewisse, eine rituelle Bedeutung. Die Gottesdienste, deren teilnahme Zwang und Pflicht waren, sie erinnerten schon ein wenig an den eigentlich Sinn jenes Festes.
Dennoch gab es in den Jahren zuvor den Brauch des Ostereiersuchens im Garten unserer Eltern.

Die Jahre verflogen, die Osterfeste reduzierten sich auf den Besuch eines Osterfeuers, dass später als lokale Vernastaltung im Bremer Umland für mich eher abstossend wirkte, denn es endete unisono in einer Massenbesäufnisorgie. Nachdem meine Tochter sich über Ostern genauso freuen konnte, wie ich es einst in ihrem Alter tat, erhielt Ostern zumindest einen pflichterfüllenden inn. Geschenke und Süßigkeiten zu kaufen,diese möglichst einfach zu verstecken und sich - je nach Wetter - über das Suchen durch das Kind zu erfreuen.

Das "Gelbe vom Ei", eine feste Größe zu Ostern in den 90ern, erbrachte dem Kommerzsender Radio FFN aus Niedersachsen hohe Einschaltquoten. Die Musik war zunächst prima, denn es wurde eine Mixture aus Oldies aller Richtungen gespielt. Später dudelte auch hier nur die profane Kommerz-Hitparade herauf und herunter. Das Gelbe vom Ei war in den ersten Jahren für mich ein Muß. Selbst nachts hörte ich noch diese Sendung, die über drei Tage ging und Samstagmorgen ab 10.00 Uhr eingeleitet wurde, FFN spielte 750 Stücke, die aufgrund einer Hörerumfrage plaziert wurden. Nach einigen Jahren hatte ich dann keine Lust mehr, das Geplärre aus der Hitparade an Ostern serviert zu bekommen. Das Gelbe vom Ei war für mich ausgelutscht: Ab damit in den Abfalleimer der Geschichte, dort hin, wo bereits bekanntere Radioleichen einbalsamiert sind.

Tja, was ist anders geworden als an all jenen Ostertagen in den Jahren und Jahrzehnten zuvor? Der Kommerz ist geblieben, die Verkehrsstaus auf den Autobahnen vor, während und nach den Feiertagen auch,die Märkte sind ebenso prall mit Ostergedöns gefüllt. Da war doch noch etwas? Aha, mein Alter hat sich um ein Jahr nach oben verschoben. Vielleicht liegt es daran, dass mich das Osterfest nicht so richtig begeistert?

Freitag, 27. März 2009

40 Jahre danach: Was ist aus der "Woodstock"-Generation eigentlich geworden?







Noch einige Wochen,dann wird die Medienindustrie sich eines Themas annehmen, dass vor 40 Jahren zum Synonym für eine einst praktizierte Lebensphilosophie auserkoren wurde: Love,Peace & Happiness. Jene drei Säulenheilige, an deren Umsetzung, so mancher Jugendliche, viele Künstler und ungezählte Profiteure aus der Ökonomie,sich vergeblich versuchten. Die Lebensinhalte jener Nachkriegsgenerationen zeigten einst mehr Verschiedenheiten,als viel Erwachsene real erkennen wollten.
Waren es zunächst die Rocker, die Rock 'N 'Roller, die Mods, schlichtweg die Halbstarken, die in den 50ern zum Feindbild für ältere Menschen hoch stilisiert wurden, so wandelte sich jenes in den Mittsechszigern dramatisch. Plötzlich galt der Rock 'N ' Roll als etabliert, weil von den Erwachsenen akzeptiert. Die Halbstarken waren nun selbst erwachsen geworden, gründeten Familien, führten ein bürgerliches Leben und bauten eben jene Vorurteile auf, die sie einige Jahre zuvor selbst hatten erleiden müssen.

Das Feindbild hieß nun Beat mit all seinen musikalischen Facetten, die Langhaarträger brachten diese Musikrichtung in Mode, die aber selbst sich von den Uniformen der Rocker abgrenzen wollten. Beat, dass war einst gleichlautend mit den Beatles, den Rolling Stones oder England und Amerika, das war aber auch einhergehend mit übelsten Schikanen, Strafen und Ausgrenzungen für ihre Anhänger. Die Erwachsennewelt duldete keine langen Haare, keine Mädchenkleidung und vorallem keine Widerworte. Der reaktionär-faschistoide Umgangston durch die älteren Generationen selbst weiter geführt, er war der jüngeren Beatanhängerschaft zutiefst zuwider. Es wurde - im Zuge des Vietnamkriegs - die Floskel " Make love, not war " kreiert. Also Liebe statt Krieg! Keine Befehl und Gehorsam, keine Sterben für das Vaterland, keine väterlichen Lebensweisen.

Aus diesem Sammelsurium von anti-gesellschaftlichen Einstellungen entstand eine Musik,die dann zunehmend politischer wurde. Die Industrie sprang schnell auf diesen fahrendeen Zug auf und ökonomisierte den Protest gegen das Etablissement. Die protestierenden 68er waren zunächst nur die Vorhut. Zunehmend verfestigte sich eine Anti-Haltung gegen Alles, was der Majorität in der westlichen Gesellschaft lieb und teuer war. Ehe und monogame Liebe waren verpönt, Wohlstand und bürgerliche Werte waren verhasst, ein strukturiertes Leben nach Normen wurde abgelehnt.

Die Erwachsenenwelt pöbelte zurück: Hippie wurde ein Schimpfwort, Gammler der Hauptfeind und die gesamte Musik sowie Mode war die Ausgeburt des Teufels. Als der Beat Club in der zweiten Hälfte der 60er Jahre in der ARD über Radio Bremen erstmals auf Sendung gehen durfte, hielten die biederen Programmoberen es noch für angebracht, eine Anmoderation in Form einer Entschuldigung für die gezeigte Sendung vorzuschalten. Dennoch hagelte es übelste Beschimpfungen und Faschisten drohten mit " vergasen, verrecken oder an die Wand stellen ", der Programmmacher.

Die Hasstiraden steigerten sich zunehmend und trafen auch jene Musiker,deren Absicht es war, das verlogenene System mittels Protestlieder in Frage zu stellen. Im Verlaufe der Jahre wurde der Protest greifbarer. Parallel hierzu entstand eine Künstlerszene, die sich mit dieser Ablehungshaltung nicht nur auseinander setzte, sondern sie quasi ideologisierte. Sukzessive verbreitete die Beatmusik einen Hauch von Revolution. Über die Ökonomisierung jener Protestbewegung erlangte diese einen höheren Grad der Akzeptanz bei einigen Erwachsenen. Sie schlossen sich der Mode an. Sie veröffentlichten die Inhalte der Bewegung.
Einer unstrukturierten und temporär limitierten Erscheinung, die aus einer Vision zwischen Liebe, Glauben und Andersleben gespeisten war, deren Verfalldatum bereits zum Zeitpunkt des Woodstock-Festivals erkennbar war.
So lässt sich denn jenes Großererignis vor fast 40 Jahren in kurzen, knappen Sätzen,wie folgt beschreiben:



Das Woodstock Music and Art Festival war ein Musikfestival, das als musikalischer Höhepunkt der US-amerikanischen Hippiebewegung gilt. Es fand offiziell vom 15. bis 17. August 1969 statt, endete jedoch erst am Morgen des 18. August. Der Veranstaltungsort war eine Farm in Bethel im US-amerikanischen Bundesstaat New York.

Auf dem Festival traten 32 Bands und Solisten der Musikrichtungen Folk, Rock, Soul und Blues für insgesamt rund 200.000 US-Dollar Gage auf. Auf dem Festivalgelände herrschten chaotische Zustände, da die erwarteten Besucherzahlen um ein Vielfaches übertroffen wurden.


Woodstock hatte zwar unendlich viele musikalische Nachwehen, die bis weit in die 70er hinein liefen. Einen revolutionären gesellschaftlichen Umschwung erbrachte dieses Ereignis allerdings nicht. Mit Beginn der 70er entstand eine kommerzielle Vermarktung der Rock - und Popmusik in Größenordnungen, die bis dato schier undenkbar waren. Mit "Negermusik" ließ sich sehr schnell, sehr viel Geld machen. Diese Erkenntnis hat bis zum heutigen Tage Gültigkeit.
Woodstock eine Wimpernschlag in der Musikhistorie, der die industrielle Vielfalt bezogen auf Kunst und Musik erst so richtig ins Rollen brachte.
Woodstock, ein Treffen von Hundertausenden aus einer gesellschaftlichen Minorität von jungen Menschen, die einst Außenseiter waren und nun - 40 Jahre danach - wohl zum überwiegenden Teil über sich selbst lachen müssen.
Woodstock war kein Synonym für eine exakt definierte Lebensphilosophie, es war ein Versuch sich selbst in einer immer komplexer werdenden Welt zu finden. Sich an einem bestimmten Zeitpunkt des eigenen Lebens mit Gleichgesinnten für einen kurzen Moment zu treffen, um dann das Leben so weiter zu führen, wie es Generationen zuvor auch praktizieren mussten.

Donnerstag, 19. März 2009

Lost and found - Wenn Musikstücke aus längst vergangener Zeit wieder auftauchen

Bei der Suche nach den vielen verflossenen Jahren wurde ich wieder einmal in meinem Musikarchiv fündig. Eine Kassette der Marke TDK FE,90 Minuten Spieldauer, geriet in meine Hände. Also: Umgehend in das Kassetten - Doppeldeck eingeführt und auf " abspielen " gedrückt.

Sie beginnt mit einem Titel von Santana der " Incedent at Neshabur " heisst und auf der einst als Triple-Album veröffentlichten " Last Days of Fillmore " erschien. Mir kamen einige Gedanken an jene Zeit, als ich dieses Album bei JPC in Wilhelmshaven kaufte und es auf dem alten Plattenhobel, den ich von meiner Schwester erhielt, regelmäßig dudelte.
Der Dual-Plattenspieler war längst technisch überholt. Er war, zusammen mit meinem "Quelle " - Universum 70 Watt- Verstärker und den Neckermann " Duo-Reflex-Boxen " aber noch gut genug, um darüber meine Musik zu hören. Das Dreifach-Album ist bestückt mit Aufnahmen aus den Zeiten des " Fillmore East ", dass von Bill Graham einst, nämlich in der Blütezeit des Rock der 60er und bis in die frühen 70er Jahre, jenen aufstrebenden Gruppen eine Bühne gab, auf der sie sich einem breiteren Publikum zeigen konnten. Dieses - vom Cover eher unscheinbare - Album begleitete mich denn durch die vielen Jahre meines Studiums, ehe es dann vorüber gehend in einem Ikea Regal bei meinen Eltern abgelegt wurde - so wie all die anderen LPs aus vergangenen Zeiten. Nein, die 90er waren nicht meine beste Schaffensphase. Erst ab 1998 wurde ich wieder wach und erkannte,dass das Leben auch andere Werte beinhaltete,als dem Hinterherjagen nach Geld.

" Incident at Neshnabur " ist aber auch aus einer Ära, in der die Selbstfindung kein Stigma war und nicht mit Verdummung durch Medien einher ging. Die Suche nach den tatsächlichen Inhalten des eigenen Lebens erfolgte über und durch die Musik. Die war damals nicht beliebig austauschbar.
Zu diesem Titel heisst es denn auch:

"Incident at Neshabur" first appeared on Santana's 1970 album Abraxas, but this treatment is more jazz-fusion in character. It begins the way any Santana jam did back then. Ingratiating Latin-tinged guitar and organ riffs propelled by Latin percussion dominate the introduction. Kermode plays a pleasing and familiar Santana-band trademark B-3 organ solo, after which things get more interesting. Santana's new jazzier and more technical musical personality emerges. The commercial hooks are dispensed with. He is effusive, tossing in quotes from "My Favorite Things" and "Afro Blue" as nods to Coltrane. The Japanese fans evidently have no clue. When he quotes the Beatles' "Fool on the Hill" a few minutes later, however, in a beautifully quiet section, they erupt into applause. (The fans, not the Beatles.) For the tune's coda, Santana plays the theme from the beautiful traditional hymn "Let Us Go Into The House Of The Lord," which appeared on Love Devotion Surrender. Lotus is a very successful album that marked the transition of a musician. "Incident at Neshabur" is its apex.

http://www.youtube.com/watch?v=yBExuLpTy3o

Der Titel findet sich - wie schon oben beschrieben - auf dem Santana -Album " Abraxas ", einem Meilenstein der Rockgeschichte, auf dem sagenhaften Triple-Album Lotus und auch auf dem " Last days of Fillmore ".
Der musikalische Abgesang einer untergehenden Ära, in der nicht nur Kommerz und Moneten eine Rolle spielten, sondern die Musik als Messenger, als Heilsbringer in einer sonst unheilvollen Zeit, die durch Unterdrückung der Jugendbewegungen und Vietnam-Krieg, durch Kalten Krieg und US-Imperialismus, sich auszeichnete.
Musik war die Droge, die viele Jugendliche einwarfen, um sich von dem Spießer-Leben der Erwachsenen, der Eltern und der Opportunisten in den eigenen Jahrgängen zu distanzieren.

Über Bill Grahmaś Fillmore East wusste ich einst nur so viel, dass dort eben jene Musiker, meine Idole, auftraten,die ich gerne selbst einmal live gesehen hätte.
Was waren dieses für Namen, die damals dort auftraten, in jenem legendären Musiktempel:

Fillmore East war der Name eines Musiktheaters in New York. Schon drei Jahre zuvor war das Fillmore West in San Francisco gegründet worden.

1965 eröffnete Bill Graham einen Rock-Tanzpalast in San Francisco an der Ecke Fillmore und Geary Street. 1968 zog das erfolgreiche Musiktheater in den ehemaligen Carousel Ballroom an der Market Street und nannte sich Fillmore West. Am 8. März 1968 nahm das Fillmore East in der New Yorker Second Avenue seinen Betrieb auf.

Über mehrere Jahre hinweg trat die Elite der Rock-Szene in den beiden Fillmore-Clubs auf. Als die Gagenforderungen immer weiter stiegen, schloss Bill Graham das Fillmore East am 27. Juni 1971 und später im gleichen Jahr das Fillmore West. Zu den vielen Rockbands und -musikern, die im Fillmore East oder West Live-Aufnahmen machten, gehören unter anderem:

* The Allman Brothers Band, Frank Zappa, Derek and the Dominos, Cream, Ten Years After, The Doors, Aretha Franklin, Jimi Hendrix, Procol Harum, Santana, Al Kooper und Mike Bloomfield, Country Joe and the Fish, Miles Davis, Grateful Dead, H. P. Lovecraft, The Byrds, Chuck Berry, The Who, Neil Young.

Nach dem Tod seines Gründers Bill Graham bei einem Hubschrauberabsturz 1991 wurde das Fillmore West an der Ecke Geary/Fillmore Street wiederöffnet. Es ist heute wieder eine der populärsten Konzertstätten San Franciscos. Besonders beeindruckend sind die mit Original-Konzertpostern aus vier Jahrzehnten Rockmusik geschmückten Wände an vielen Stellen des Clubs.

Diskografie

* Al Kooper & Mike Bloomfield: Live Adventures
* Al Kooper & Mike Bloomfield: The Lost Concert Tapes 12–13–68
* Aretha Franklin: Live at Fillmore West
* Country Joe and the Fish: Live at Fillmore West 1966
* Cypress Hill: Live at the Fillmore
* Derek and the Dominos: Live at Fillmore East
* Dredg: Live at the Fillmore
* Frank Zappa/The Mothers: Fillmore East – June 1971
* Humble Pie: Performance – Rockin’ the Fillmore
* Jimi Hendrix: Band of Gypsys
* Jimi Hendrix: Live at the Fillmore East
* Joe Cocker: Mad Dogs and Englishman
* King Curtis: Live At Fillmore West
* Lucinda Williams: Live @ The Fillmore
* Miles Davis: Live at the Fillmore East
* Mountain: Live Fillmore East
* My Morning Jacket: Okonokos
* Neil Young and Crazy Horse: Live at the Fillmore East, March 6–7–1970
* Quicksilver Messenger Service: Happy Trails
* Taj Mahal: The Real Thing
* Ten Years After: Live at the Fillmore East
* The Allman Brothers Band: At Fillmore East
* The Allman Brothers Band: Eat A Peach
* The Allman Brothers Band: Fillmore East Feb 70
* The Byrds: Live At The Fillmore February 1969
* The Grateful Dead: Ladies and Gentleman, the Grateful Dead
* The Grateful Dead: Live/Dead
* The Grateful Dead: Fillmore West 1969
* The Grateful Dead: Live at Fillmore East 2–11–69
* The Mothers: Fillmore East – June 1971
* The Who: Fillmore East 1968
* Santana: Live at Fillmore West


Bereits zum Ende der 60er wehte der Wind der gesellschaftlichen Revoluton nicht mehr so scharf in das Gesicht der Spießer-Gesellschaft. Die Jugend verzog sich in sich selbst. Sie suchte nach individuellen Wegen, um der Industrie - und Leistungsgesellschaft zu entfliehen. Die Spiritualität gehörte auch dazu. Verknüpft mit der populären Musik, war sie zum Inhalt vieler Aussteiger geworden. Politik wurde zunehmend nur durch Sektiererclubs, die sich hochtrabend Partei nannten, zelebriert.

" In a silent way ", so ist der Titel des zweiten Stücks auf jener Musik-Casette. Der Santana - Auftritt zeigt die vielen Facetten des Musikers, dessen Latino-Herkunft immer dabei durchdringt. Ein weitgehend unbekannter Titel, eine graue Maus, in dem riesigen reportoire des gebürtigen Meikaners, dessen eigener Lebensweg genauso kurvenreich verläuft, wie die der hypermodernen Computergraphiken zu seiner Musik. " Ups and Downs " eben!
" In a silent way " ist aber auch eine Homage an eine der besten Jazz-Rock-Formation dieser Jahre: " Weather Report ". Jene Formation, die grenzüberschreitende Musik produzierte,ohne sich selbst Grenzen zu setzen.

Ein sichtlich bewegter Carlos Santana spielt jenen Titel, den auch einst John McLaughlin, mit dem er viele Jahre spirtuelle Musik gemacht hat, in seinem Reportoire aufgenommen hat,in Anlehnung an das Orginal von Weather Report im Jahre 2007 so:



http://www.youtube.com/watch?v=SITEdFZs_Bk

Wenn " In a silent way " auch als stiller Abschied von all jenen Musikern zu sehen wäre,die auch Carlos Santana einst begleiteten, so gilt der Name Joe Zawinul dabei als besonders heraus ragend:


http://de.wikipedia.org/wiki/Joe_Zawinul

Als das Album " The last days of Fillmore " längst - zusammen mit der Vinyl-Scheibe - seinen Abgang gefeiert hatte, blieb es dennoch für mich eines der die 70er prägenden Sammlungen von Rockmusik.

Das dritte - von mir einst aufgenommene - Stück musste denn die längere Fassung von " Incident at Neshnabur " aus dem Dreifach-Album " Lotus " sein. Jenem Zusammenschnitt aus den Auftritten von " Santana " in Japan. " Lotus " war zunächs für mich unerschwinglich, denn dieses Album kostete 44,-- DM. Später habe ich es dann für 39,-- DM bei " ear " in Bremen erworben.Später, dass hieß so 1978 in etwa. Damals, als ich wegen der Fortführung meines Studiums von Wilhelmshaven in die Hansestadt umzog.
" Lotus " lag - für mich sicht - und hörbar - das erste Mal bei einem Bekannten 1976 auf dem Plattenteller. Ein Musikfreund hatte ihm das Album geliehen. Ich fand soviel gefallen darn, dass ich es auf zwei Casetten überspielen ließ, die fortan in meinem lindgrünen R 4 lagen und die ich unzählige Male abspielte, vorallem auf dem Weg von Minden nach Kanbach/Münchehagen. Durch die Dörfer fuhr mein R 4 mit bis zum Anschlag aufgedrehter Stereo-Anlage.

Die Langversion von " Incident at Neshnabur " gefiel mir eh schon immer,weil Carlos hier so wunderbar die Gitarre singen läßt. In seiner unnachahmlichen Art, die er über Jahrzehnte hat beibehalten können. " Santana ", das war einst das weiße Album mit der Friedenstaube auf dem Cover, das war dann " Abraxas " mit dem psychaldelischen Bild auf der Frontseite,das war später dann auch " Borboletta " mit dem exzellenten Conga -und Schlaginstrumenteeinspielungen auf den letzten drei Titeln der B-Seite. das war eben " Santana ":



Santana und Band

Studio- und Livealben

* 1969: Santana
* 1970: Abraxas
* 1971: Santana III
* 1972: Caravanserai
* 1973: Welcome
* 1974: Borboletta
* 1975: Lotus (Live)
* 1976: Amigos
* 1977: Festival
* 1977: Moonflower (Live und Studio)
* 1978: Inner Secrets
* 1979: Marathon
* 1981: Zebop!
* 1982: Shango
* 1985: Beyond Appearances
* 1987: Freedom
* 1988: Viva Santana (Compilation und neue Songs)



* 1990: Spirits Dancing In The Flesh
* 1992: Milagro
* 1993: Sacred Fire (Live)
* 1994: Brothers (mit Bruder Jorge Santana und Neffe Carlos Hernandez)
* 1995: Dance Of The Rainbow Serpent (Compilation und neue Songs)
* 1996: La Fuente del Ritmo
* 1998: Best Of Santana
* 1999: Supernatural (Comeback)
* 2002: Shaman
* 2003: Ceremony (Remixes)
* 2004: Food for Thoughts (nur im Santana Online Shop zu bestellen)
* 2005: All That I Am
* 2005: Playing with Carlos
* 2007: Ultimate Santana (Hits und neue Songs)

Kompilationen

* 1974: Greatest Hits
* 2002: The Essential Santana

Konzertalben

* 1970: Live at Capitol Theatre
* 1997: Live At The Fillmore 1968

Santana solo

* 1972: Live - Carlos Santana and Buddy Miles
* 1973: Love, Devotion, Surrender - Carlos Santana und John McLaughlin
* 1974: Illuminations - Carlos Santana und Alice Coltrane
* 1979: Oneness, Silver Dreams - Golden Reality
* 1980: Swing Of Delight
* 1983: Havana Moon
* 1987: Blues For Salvador
* 2002: Cry Baby Cry
* 2007: Into the Night - Carlos Santana und Chad Kroeger

Der vierte Titel nennt sich " Dreams " und ist von " Streetmark " eingespielt worden.Das Stück befindet sich auf der dritten LP der deutschen Rockgruppe " Streetmark ", die einst zu Beginn der 70er unter dem "SKY " - Label einige LPs heraus brachte. Neben der LP " Nordland "
" Eileen ", so ist der Titel jenes dritten Albums.
Hierauf befinden sich folgende Stücke:

1.Crazy Nation : A.-Crazy Nation (2:25)
/ B.-I Like You (3:40) / C.-All Day Long (1:47) 7:52
2. Passage 4:25
3. Sea Of Melted Lead 5:45
4. Tomorrow 1:11
5. Eileen 5:33
6. Dreams 12:17
7. Choral 3:08

Einst tourte die Gruppe durch Westdeutschland. Ich habe sie deshalb sowohl 1977 im " Pumpwerk " in Wilhelmshaven, als auch 1978 in Bremen gesehen.
Es waren jene Jahre, in denen viele Rockgruppen mit diversen elektronischen Schnickschnack arbeiteten. Der Moog, der " Synthi ", also der Syntheziser gehörten zusammen Equipment, wie auch die Orgel, das Mellotron und die Keyboards. Eine Zeit, in der sich die populäre Musik längst in unzählige Segmente aufgespalten hatte. " Streetmark " spielte Elektro-Rock in sogenannten " Krautrock "-Genre.
Im Sommer 1977, als das Album veröffentlicht wurde, war die Gruppe um Dorothea Raukes bei Winfrid Trenkler in der Sendung " Radiothek am Donnerstag " und durfte dort das neue Album vorstellen.
Ich habe das Interview, dass Winfrid Trenkler mit ihr einst führte noch gut im Ohr. Dorothea Raukes bat darin - mehrfach und fast flehentlich -, ob die Band noch einmal wieder kommen könne, um sich vorzustellen. Einem breiteren Publikum eben, dass sich damals um diese Sendung scharrte, so wie auch " Rock in ", jene legendäre Sendung von und mit Winfrid Trenkler eine Stammhörerschaft hatte. Winfrid wich aus und formulierte sinngemäß: " ja, gerne, wenn ihr ein enues Album vorlegen könnt. "
Knallhartes Business - schon damals.

Nun, die Formation um Dorothea Raukes blieb nicht lange zusammen. Der exzellente Musiker Wolfgang Riechmann wurde von Betrunkenen am Rheinufer in Düsseldorf angegriffen, schwer verletzt und verstarb wenige Tage darauf an den Folgen der Messerattacke. Traurig!

http://www.wolfgangriechmann.de/

Streetmark auf " Eileen " waren einst:


Knauf, Manfred (1) (bass)
Raukes, Dorothea (4) (keyboards, vocals)
Riechmann, Wolfgang (3) (vocals, synthesizer, guitar)
Riechmann, Wolfgang; Spirit Of Sound
Flaming Bess; Riechmann, Wolfgang
Schreiber, Thomas (3) (guitar)
Schweiß, Hans (4) (drums, percussion)

Weil mir dieses Album, neben " Nordland " von den vier veröffentlichungen der Formation am Besten gefällt, habe ich noch den Titel " Choral " mit aufgenommen - als Bonus quasi.
Ein seichtes, dahin floatendes Stück - Streetmark Mitte der 7oer eben.

Die Gruppe brachte dann mit dem Album " Dry " und " Sky raser " noch zwei weitere LPs heraus, ehe sie sich in Wohlgefallen auflöste - so wie tausende Formationen vor und nach ihr es getan haben. Die Halbwertezit jener Musik nahm im Verlaufe der Folgejahre ab. Der Markt wurde undurchsichtiger, die Interpreten austauschbar - so wie ihre Stücke. Computerisierte Melodien mit Textbausteinen versehen und in steriler CD-Studio-Atmosphäre produziert. Ist das noch Musik?

Nach " Streetmark " folgt ein Stilbruch. Es ist " Catch the rainbow " von der Band um Ritchie Blackmore, dem Ex- " Deep Purple " - Gitarristen zu hören - als Live-version, natürlich!
Blackmore wäre nicht Blackmore, zeigte er sich auch auf diesem Stück nicht in Höchstform. Rock vom Allerfeinsten eben. Ritchie Blackmore, dass war einst Deep Purple, das war Klassik-Rock in einer exzellenten Mischung, das war das Album "Deep Purple in rock ",das zu Beginn der 7oer für Furore sorgte. Ein Meilenstein in der Geschichte der Rockmusik. Es folgten viele Alben,die auch mein Archiv zieren. Es folgte die Trennung der Formation, die Wiedergeburt jener Gruppe in den frühen 80ern. Blackmore hatte allerdings längts Solo-Pläne realisiert. Seine Band "Rainbow" gehörte dazu.

Auf der Doppel-LP, die ich irgendwann zwischen 1982 und 1983 erwarb, findet sich eben jenes Stück, das er sinniger Weise " Catch the rainbow " nennt. Ein über 15-minütiges Opus, das melodiös, aber gleichzeitig heavy ist. Eine Mischung aus erruptiven Gesang,untermalt von Blackmoreś einzig artigen Gitarrenspiel.

Es war 1982. Der Bruder meiner damaligen Freunding studierte in Berlin - auch Jura. Er fühlte sich dort nicht sehr wohl. Ein Provinzei in einer Weltstadt. Eine Konstlation, die nicht gut gehen konnte. Wir besuchten ihn im September 1982. Ebenso wie einen ehemaligen Studienkollegen,der Rechtswissenschaften - so wie ich auch - als Zweitstudium betrieb. Horst,so hieß er, war ein völlig anderer Typ,als Uwe,der Bruder meiner Ex-Freundin. Deshalb gingen wir zwar gemeinsam in eine der unzähligen Kneipen, die in Berlin wie Pilze aus dem Boden schossen, wir besuchten die FU-Fete'auch gemeinsam. Dennoch übernachtete ich bei meinem Studienkollegen,meine Ex-Freundin jedoch bei ihrem Bruder.
Während wir in einer jener Studneten-und Szenekneipen saßen, legte der langhaarige Kerl hinter dem Thresen jene LP von Blackmore auf, die ich mir später selbst kaufte.Er spielte jenes Stück, das mich über viele Jahre begleitete; auf die ungezählten fahrten zwischen Elternhaus und Uni: " Catch the rainbow ". Hieran schwelgten eben jene Erinnerungen,an die Fahrt von Bremen nach Berlin, die über das Bremer Kreuz, die A 1, die A 27 zum Walsroder Dreieck, von dort auf die A 7 in Richtung Hannover, über das Autobhankreuz Hannover Ost, auf die A 2 in Richtung Berlin führte. Bei Helmstedt/Marienborn war dann zunächst Schluss. Die befestigte DDR-Grenze folgt. Mit ihr die schikanösen Kontrollen. Es hielt sich an jenem Freitagnachmittag mehr uniformiertes Personal in der Anlage auf, denn Reisende. Ein Umstand, der einst noch nicht einmal so außergewöhnlich war.

Nach der Reisepassvorlage folgte ein Grinsen des DDR-Grenzers, als er die beiden Einreisestempel aus dem USA/Kanada-Trip 1980 sah. Demonstrativ klemmte er denn den DDR-Stempel dazwischen. Der Staat hatte eben seine Daseinsberechtigung, wenngleich er mit dem Komplex des allmächtigen Bruders und Klassenfeindes permanent zu kämpfen hatte. Es ging weiter auf einer maroden, mit Schlaglöchern versehenen Autobahn in Richtung Berlin.
Vorbei an verwaisten Gebäuden, an Ruinen und Rübenäckern, auf denen NVA-Soldaten die wesentlich kleineren Feldfrüchte mittels Militärfahrzeugen ernteten. Real exisitierender Sozialismus eben!

" Catch the rainbow " erinnert mich an Berlin; jene geteilte Stadt der frühen 80er, als ich als Jurastudent zu ersten Mal dort einreiste. Durch einen Staat, der bereits 7 Jahre später in seine Bestandteile zerfiel und sich dann 1990/1991 in Wohlgefallen auflöste. 40 Jahre geregeltes Sein. Trotzdem eine schöne Episode aus meinem Leben.
Eine Nuance aus dem Spektrum des Regenbogens:

When evening falls
She'll run to me
Like whispered dreams
Your eyes can't see
Soft and warm
She'll touch my face
A bed of straw
Against the lace

* We believed we'd catch the rainbow
Ride the wind to the sun
Sail away on ships of wonder
But life's not a wheel
With chains made of steel
So bless me come the dawn
Come the dawn

Ein herrlicher Titel.
Als ich ihn das erste Mal in einer dieser Szene-Kneipen in Berlin hörte, brüllte mein Nachbar den langhaarigen Barkeeper noch an: " Leiser!". Er war wohl genervt von dem Stück oder fühlte sich bei der Unterhaltung mit seiner Begleiterung gestört. Der " Tupamaro ", der " Großstadt-Indianer", so hießen jene langhaarigen Autonomen einst, ließ sich davon nicht abbringen und riß die Stereo-Anlage erneut auf. Blackmoreś Stimme dröhnte durch die leere Kneipe. Seine zerfetzenden Gitarrenriffs waren für mich wie Balsam auf den Ohren. Nachdem die FU-Fete eher Schmalkost brachte: Berliner Bands, die ich nicht kannte und deren Reportoire eher bescheiden war. So prägte sich der Titel in mein Gedächnis. Wenige Tage später kaufte ich mir das Live-Doppelalbum bei " ear " in Bremen. Es war ein kleines Plattengeschäft, dass ich bereits einige Jahre aufsuchte, um dort immer wieder einige Scheiben - vorallem günstige gebrauchte LPs - zu erwerben.

Da die Aufnahmezeit der Musikcasetten ja nun einmal nur 2 x 45 Minuten bemisst, habe ich den Titel auf der B-Seite vollständig aufnehmen müssen. Ein leichtes Knistern begleitet die ersten Töne dieses Stücks, das nach über 15 Minuten beendet wird.

Der Folgetitel wird von einer Gruppe mit Namen " Satin Whale " gespielt. Er heisst " Desert places ". " Satin Whale ", wo kommen die denn her?
Nun, ein Blick in das Internet gibt hierüber Aufschluss:


Die Gruppe Satin Whale entstand wahrscheinlich 1971 in der Kölner Gegend. Ihre erste LP "Desert Places" kam erst nach langem Suchen nach einer passenden Plattenfirma im Jahre 1974 auf den Markt. Damals gehörte noch Horst Schöffgen am Schlagzeug zu der Band, deren rauher Sound auf der Debut LP mich teilweise an den von Mc Church Soundroom erinnert. Ein Hauch von Underground eben. Bei dem Wettbewerb "Rocksound 74" wurden Satin Whale - vielleicht gerade deshalb - zur beliebtesten Gruppe Deutschlands gekürt. Nachdem Wolfgang Hieronymi zur Band kam wurde im Januar 1975 die zweite LP "Lost Mankind" eingespielt und man ging anschließend mit Barclay James Harvest auf Tournee. Das hatte Auswirkungen. Jetzt klang die Band schon etwas harmloser, hatte nun aber auch einen völlig eigenen Sound gefunden. Danach wurde es (was Veröffentlichungen angeht) still um die Band, die sich ganz aufs Touren beschränkte, bevor 1977 "As A Keepsake" veröffentlicht wurde. Während der Tournee 1977 entstand auch das wohl einfalls- und abwechslungsreichste Werk von Satin Whale, die Live-Doppel-LP mit Überlänge "Whalecome".
Hier bemerkt man auch endlich die Fähigkeit der Musiker, live einen ebenso perfekten Sound zu erzeugen, wie auf den Studioplatten. Man könnte beinahe vergessen, dass es in der Tat nur vier Musiker sind, die hier loslegen. Die Stärke der Band liegt in den langen, doch niemals zu langen Stücken, bei denen auch Platz für Improvisationen bleibt. Besonders die Livefassung von "Perception" und die 17 min Version von "Hava Nagila" haben es mir angetan.
Im gleichen Jahr erschien dann auch die nächste Studioplatte "A Whale Of A Time". 1979 wurde die Band noch einmal einem größeren Publikum bekannt, indem sie den Soundtrack zu dem Fernsehfilm "Die Faust In Der Tasche" (u.a. mit Ursela Monn und Tommy Piper) lieferte. Man erinnere sich: es gab damals nur drei Fernsehprogramme (ach, wie schön war doch die Zeit). Dieser Popularitätszuwachs sollte mit der nun folgenden Tournee und der neuen Platte "On Tour" noch weiter ausgebaut werden, was aber nur im Ansatz gelang. Obwohl 1980 noch eine weitere LP (programmatischer Titel: "Don't Stop The Show") gemeinsam mit dem neuen Sänger Barry Palmer (er war später bei Mike Oldfield) eingespielt wurde, blieb der gewünschte Erfolg danach jedoch aus. Die letzte Platte klang für viele nicht mehr nach den früheren Satin Whale, beinhaltete aber dennoch einige schöne und kompakte Songs, die dem Puls der Zeit angemessen waren. Den alten Fans war die Musik aber mittlerweile wohl zu stromlinienförmig geworden - die Platte blieb ein Ladenhüter. Zudem soll sich die Band auf ihrer letzten Tour völlig zerstritten haben. Schade für Satin Whale - aber, wie ich meine, auch für uns.

Das Stück " Dessert places " stammt eben aus jenem Live-Doppelalbum und zeigt, dass es bereits zu Beginn der 70er gute deutsche Rockformationen gab. Ich hatte einst einen Ausschnitt aus diesem Album in der legendären Musiksendung " rock in ", die auf WDR II an jedem Mittwochabend
ab 22.05 Uhr lief, gehört. Der Moderator Winfrid Trenkler spielte einst gerade die Musik,die eben nicht die Masse hören wollte. Ein Insider-Tipp folgte hier dem nächsten. Seine Sendungen waren eigentlich ein einziges Musikstück. Über viele Jahre hin habe ich jede von ihnen mit Spannung erwartet.
Der WDR, mit seinem Hauptsitz in Köln, war der Sender schlechthin. So machte es denn auch Sinn, dass ich bei einem Besuch meines Bruders in Mönchengladbach einen Abstecher zu " Saturn ", einem Kaufhaus für Platten, das sich damals am Saturnring in Köln befand,einlegte. Ich erwarb dort einige LPs, so unter anderen auch jenes Doppelalbum " Whale come " von " Satin Whale ". Die Platten waren dort preiswerter, die Auswahl riesig und der Käuferandrang immens.Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich an einem verkaufsoffenen Samstag vor Weihnachten kaum die Eingangstür aufbekam, so voll war es dort.
Die Zeichen der Zeit standen schon damals auf billig. Ein Konzept, das " Saturn " zu einem Giganten in der Unterhaltungselektronikbranche aufsteigen ließ:


Seit 1969 konnten auch Privatkunden bei Saturn-Hansa einkaufen. 1971 eröffneten die Waffenschmidts das erste technische Kaufhaus in Köln mit der nach eigenen Angaben „größten Schallplattenschau der Welt“. Anfang der 1980er Jahre entstand eine große Filiale auf der Theresienhöhe in München, die nur noch Saturn hieß. 1985 folgte eine Filiale in Frankfurt am Main unter Beteiligung der Kaufhof-Gruppe. Saturn wurde 1990 durch die Holding des Media Marktes erworben, beide gingen in der Media-Saturn-Holding GmbH auf. Die Saturn-Märkte wurden wie Media Märkte dezentralisiert.

" Satin Whale " spielte prima Rockmusik, so wie auch " Omega " aus Ungarn. Jene Gruppe, die ich in den 70er mehrfach live gesehen habe. Ihr Markenzeichen war der Sowjetstern auf dem Plattencover. " Omega " war einst genauso Kult,wie ihre ständigen Auftritte in der BRD bei ungezählten Festivals.
Ich habe die beiden Titel " Help to find me " und " 2.000 years after the last war " aufgenommen. Hier spaced der Synthi so richtig zum Mitwippen. Dieses Stück habe ich einige Male live gehört. So u.a. anlässlich eines Konerts in der "Grille" in MInden, bei dem Omega auch einige neuere Stücke spielten.
Das ist nun fast 35 Jahre her.

Als weiteren Titel aus der LP habe ich "200 years after the last war" aufgenommen. Es ist das letzte Stück, der Albumtitel, auf der A-Seite jener legänderen LP. Die Gruppe existiert nun über 46 Jahre. Alt, aber wohl nicht zu alt, um auf dem Markt in der Versenkung zu verschwinden.
Das Omega als "Rolling Stones des Ostens " bezeichnet wurden, scheint nicht übertrieben,denn sie hatten in den 7oern und auch 80ern enormen Erfolg, wennglich dieser - wegen der Zugehörigkeit Ungarns zum Ostblock- nicht in klingende Münze umgesetzt werden konnte, so wie es die Stones eben durften.

Der vorletzete Titel auf der MC heissr "Celloid heroes" von den Kinks. Ja, die Kinks, die hatten es mir in den 60ern schon angetan. Was waren das einst für klasse Scheiben: " Dedicated follover of fashion, Sunny afternoon, r. Pleasent,Dandy,Death of a clown,Dandy,Days,", um nur einige zu nenen, die ich auf dem Plattenteller hatte. Eine Gruppe, die in den 45 Jahren enorme Erfolge verbuchen konnte. Einige Titel hatte ich als Single im Schrank stehen gehabt, bis Anfang der 70er meine große Leidenschaft zu den LPs aufkam. The Kinks sind Kult.


Diskografie

Singles und EPs

Jahr Single USA UK D A CH
1964 Long Tall Sally {1} 129 ~ ~ ~ ~
1964 You Still Want Me {4}+{4a} ~ ~ ~ ~ ~
1964 You Really Got Me 7 1 39 ~ ~
1964 All Day and All of the Night 7 2 22 ~ ~
1965 Tired of Waiting for You 6 1 27 ~ ~
1965 Ev’rybody’s Gonna Be Happy {2} ~ 17 ~ ~ ~
1965 Set Me Free 23 9 ~ ~ ~
1965 See My Friends 111 10 ~ ~ ~
1965 Who’ll Be the Next in Line {2} 34 ~ ~ ~ ~
1965 Till the End of the Day 50 8 ~ ~ ~
1965 A Well Respected Man 13 ~ ~ ~ ~
1966 Dedicated Follower of Fashion 36 4 11 ~ ~
1966 Wonder Where My Baby Is Tonight {5} ~ ~ ~ ~ ~
1966 Sunny Afternoon 14 1 7 5 ~
1966 Dandy {5} ~ ~ 1 6 ~
1966 Dead End Street 73 5 5 ~ ~
1967 Waterloo Sunset ~ 2 7 10 ~
1967 Death of a Clown {7} ~ 3 3 ~ ~
1967 Mr. Pleasant {6} 80 ~ 12 ~ ~
1967 Autumn Almanac ~ 3 13 ~ ~
1968 Susannah’s Still Alive {7} ~ 20 27 ~ ~
1968 Wonderboy ~ 36 29 ~ ~
1968 Days (Ray Davies) ~ 12 28 ~ ~
1968 Lincoln County {7}+{4} ~ ~ ~ ~ ~
1969 Starstruck {6} ~ ~ ~ ~ ~
1969 Hold My Hand {7}+{4} ~ ~ ~ ~ ~
1969 Plastic Man {4} ~ 31 ~ ~ ~
1969 Drivin’ {4} ~ ~ ~ ~ ~
1969 The Village Green Preservation Society {3} ~ ~ ~ ~ ~
1969 Shangri-La {4} ~ ~ ~ ~ ~
1969 Victoria 70 33 ~ ~ ~
1970 Lola 9 2 2 2 4
1970 Apeman 45 5 9 2 7
1971 God’s Children ~ ~ ~ ~ ~
1971 20th Century Man {3} 106 ~ ~ ~ ~
1972 Supersonic Rocket Ship 111 16 ~ ~ ~
1972 Celluloid Heroes ~ ~ ~ ~ ~
1973 One of the Survivors {3} 108 ~ ~ ~ ~
1973 Sitting in the Midday Sun ~ ~ ~ ~ ~
1973 Sweet Lady Genevieve ~ ~ ~ ~ ~


Jahr Single USA UK D A CH

Obwohl ihre erfolgreichste Zeit in den 60ern lag, touren sie noch heute durch die Welt.

Die Casette endet mit einem Instrumental - Titel der Gruppe Mountain. Einer Hard-Rock-Formation der frühen 70er Jahre. Leslie West, der Gitarrist hat hier den bekanntesten Namen. Am Bass spielte Felix Papalardi, der einst Cream produzierte hat. Ein sehr melodiöser Titel, der einige Passagen des Stücks rückwärts abgespielt enthält.

So enden 90 Minuten Rockgeschichte; eine sehr schöne Zeitreise mit vielen unschätzbaren Erinnerungen.

Dienstag, 17. März 2009

Von Hyakutake bis Hale-Bopp - Zwei einmalige Ereignisse an den Ostertagen 1996/1997.








Eine Meldung in den Nachrichten brachte mich zum Nachdenken. Am 17. März sollte ab 20.10 Uhr MEZ über Deutschland und auch Dresden die Raumfähre Discovery sowie die Raumstation ISS mit bloßem Auge sichtbar sein.Also, nichts wie auf den Balkon und bei kaltem Wind in den Sternenhimmel geguckt. Und, tatsächlich, für ein paar Minuten konnten ich beide künstlichen Himmelskörper erkennen. Ein winzige Lichtquelle am riesigen Firmament. Nach einigen Minuten war das Schauspiel vorbei.

Wieder zurück im warmen Wohnzimmer mit dem Kaminofen erinnerte ich mich plötzlich an die beiden Kometen Hyakutake und Hale-Bopp, die 1996 und 1997 für Furore sorgten. Sie lieferten ein unvergessenes, ein imposantes Schauspiel am Nachthimmel und sorgten für ungezählte Schlagzeilen in den Printmedien. Diese berichteten über Massenhysterien und Suiziden, eine enorme Zahl von klerikalen Spinnern, Scharlatanen sowie selbst ernannte Weissager, sonderte enormen geistigen Sondermüll ab, um sich wichtig zu machen. Mich haben jene Schwätzer weder damals interessiert, noch habe ich in den beiden Himmelserscheinugen mehr gesehen, als sie de facto waren: zwei Kometen, die in einer großen Entfernung an der Erde vorbei rasten.

Meine Gedanken bewegten sich um die Osterfeiertage 1996 und 1997, den 7/8. April und den 30./31. März. Es waren die üblichen Osterfeuer, die - entsprechend der althergebrachten Bräuche - eben an jenen Tagen für Hundertausenden von Veranstaltungen vorbereitet, angezündet und zum Lodern gebracht wurden. Es war auch 1997 ein Osterfeuer, das der Betreiber eines Privat-Pferdehofes für seine Einsteller und deren Anhang veranstaltete,an das ich mich im Zusammenhang mit den beiden benannten Kometen noch sehr gut erinnern kann. Eine eher kleine Runde von höchsten 25 bis 30 Personen fand sich an jenem Ostersamstag, den 29. März 1996 in den Abendstunden ein. Wir saßen auf Strohballen und tranken Bier. Eine Unterhaltung kam kaum zustande, weil die Anwesenden doch zu verschieden waren. Ich war deshalb ein wenig missmutig. Was sollte dieses Treffen nun eigentlich bewirken?

So genehmigte ich mir an jenem besagten Samstag vor Ostern 1996 einige Biere, genauer es war Haake Beck Pils in 0,33 l -Flaschen. Der Bierkonsum machte den Abend zwar auch nicht interessanter, dafür wurde mir etwas wärmer, denn die Temperaturen lagen bei allenfalls 10 Grad. Das Feuer wärmte auch nicht so recht und ich schaute eher teilnahmslos in die Glut. Von einem Strohballen plärrte ein Kasettenradio die BRAVO-Hits '96 mit einer nervigen Monotonie ab. Der Abend, das Osterfeuer, zum Gähnen!

Das wurde auch nach dem 5ten oder 6ten Haake Beck Pils nicht anders. Ich hatte schon leichte Ausfallerscheinungen und begann wohl auch ein wenig zu lallen. Das Bier - eine fürchterliche Brühe, stieg mir langsam in den Kopf, es vernebelte mein Hirn, verursachte unkoordinierte Gedankengänge. Als die Nacht längst herauf gezogen war, erschien er, der Komet des Jahres 1996, Mr. Hale-Bopp. Er zog einen enormen Schweif nach sich, bestehend aus einer Gaswolke, innerhalb derer unzählige Teilchen oder Stoffe umher flogen. Ein einmaliges Schauspiel, ein Jahrtausendereignis,dass weder ich, meine Tochter oder meine Urururururururur...enkel erneut erleben können, denn Monsieur Hale-Bopp erscheint erst in 2400 Jahren wieder am Nachthimmel zu sehen sein, genauer:Der Komet Hale-Bopp wird ungefähr im Jahr 4380 zurückkehren.

OSTERN: Die beste Zeit für Hale-Bopp!

Die beste Sichtbarkeit für Laien wurde zu Ostern 1997 und in der auf Ostern folgenden Woche erreicht. Ab Mittwoch vor Ostern zog sich der Mond vom Abendhimmel zurück. Deshalb wurde der Himmel wieder richtig dunkel, was besonders dem Schweif zugute kam. Dann war Hale-Bopp am Abend bei Einbruch der Nacht zwei bis drei Handbreit über dem Nordwesthorizont zu sehen. Nur Mars, der gerade im Osten aufgegangen war und der hellste Fixstern Sirius waren noch heller als der Komet. Der Schweif war nicht so lang wie der von Hyakutake, dafür konnte man gut zwischen Gas- und Staubschweif unterscheiden. Die große Flächenhelligkeit des Staubschweifes machte eine Beobachtung auch unter nur mäßigen Bedingungen möglich.
Am Ostermontag stand der Komet bei Einbruch der Nacht um ca 21:30 Sommerzeit hoch und unübersehbar über dem Nordwesthorizont. In der nach einem Kaltlufteinbruch klaren Luft konnten von einem dunkleren Standort Gas und Staubschweif klar unterschieden und über etwa 10 Grad verfolgt werden. Während die Nachtstunden verstrichen, bewegte sich der Komet auf den Nordhorizont zu, den er etwa um 2:30 berührte. Dann steigt er langsam wieder Richtung Osten auf. Als sich der erste Silberstreifen am Horizont zeigt, hatte Hale-Bopp etwas mehr als eine Handbreit an Höhe gewonnen.

Erste Aprilhälfte

Am Abendhimmel änderte sich nicht viel. Der Komet war ab 21 Uhr Richtung Nordwesten ausgezeichnet zu beobachten, denn die Helligkeit, Höhe über dem Horizont sowie Schweiflänge gingen kaum zurück. Vom Morgenhimmel hingegen zog sich der Komet zurück.

Dann gab es noch einen weiteren, nicht so spektakulären Freund aus den Weiten des Alls, der uns seinen Schweif zeigte, nämlich:


Komet Hyakutake

Der vom Japaner Yuji Hyakutake entdeckte Komet C/1996 B2 (Hyakutake) passierte am 25. März 1996 die Erde in nur 15 Mio km Distanz (Distanz Erde-Sonne = 150 Mio km). Damals war er eine eindrückliche Erscheinung am Nachthimmel und Alan Hale, einer der Entdecker des Kometen Hale-Bopp, nennt ihn völlig zu recht den grossen Komet von 1996. Am Wochenende des 23./24. März erreichte die für jederman sichtbare Schweiflänge 20 Grad. Wer von einem dunklen klaren Standort aus beobachtete, konnte mindestens die doppelte Schweiflänge beobachten. Danach war der Komet noch während fast des ganzen Monat April am Abendhimmel zu sehen. Allerdings war er dann nicht mehr sehr auffällig. Das Perihel (sonnennächster Bahnpunkt, 35 Mio km) wurde am 1. Mai durchlaufen. Da der Komet anschließend südwärts wanderte, wurde er für die Nordhalbkugel unbeobachtbar.
Erst in ferner Zukunft, im Jahr 20500, wird Hyakutake erneut in Sonnen- und damit auch in Erdnähe kommen.

Unendlich Entfernungen, unendliche Zeiten, unendlich Weiten des Weltalls. Wie klein die Erde in Wahrheit ist, wurde mir beim Schreiben des Posts einmal mehr bewusst. Ein Sandkorn in sämtlichen Wüsten dieser Erde, wäre ein nur annähernder Vergleich.

Ob ich je wieder zwei derartige Schauspiele mit eigenem Auge sehen werde, wie einst 1996 und 1997, ist fraglich. Und ich habe mich damals mit billigem Bier betrunken. Aber auch danach unsere beiden schönen Freunde aus fernen Weiten kaum beachtet. Okay, das Nachrichtenmagazin " Der SPIEGEL " hatte einige Artikel hierüber veröffentlicht. Eigentlich aber nur totes Material.

So saß ich auf dem Strohballen am Ostersamstag und starrte im leicht angesäuselten Zustand in den Nachthimmel, sah, wie H-B an HB und an der Erde vorbei rauschte. Meine Nachbarin hatte mich sogar noch auf das Himmelsspektakel hinweisen müssen. " Da kommt der Komet!" oder so ähnlich sagte sie zu mir und tippte auf meine Schulter. Eine nette Frau, leider vom Alter schon etwas außerhalb meines Palette. Immerhin, wir unterhielten uns nun ein wenig, bis ihr Gatte zurück kam.
So wankte ich dann mit meiner Ex-Frau und Tochter in Richtung PKW. Über die kalten Wiesen, auf denen zuvor die Pferde geweidet hatten, über einen Feldweg, einen Zaun entlang.

Am nächsten Morgen war der Rausch verflogen, der Alltag hatte mich wieder eingeholt und Ostern 1997 war angebrochen. Ich hatte einen Besuch bei dem Schwiegervater und meinen Eltern noch zu überstehen. Auf Wiedersehen Hyakutake, bye, bye Hale-Bopp!