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Dienstag, 28. Oktober 2008

Herbstzeit-Jahrmarkts - oder Rummelzeit?

Einst waren die vier Jahreszeiten voneinander so scharf getrennt, dass sich jeder Mitteleuropäer fast exakt darauf einstellen konnte. Der Frühling begann ab Mitte März, nachdem Mitte Februar die Schneeglöckchen, die Krokusse, die Tulpen von den Narzissen, den Vergissmeinnicht und den Primeln, den Maiglöckchen abgelöst wurden. Die Kirschbäume blühten, mit ihnen der Ginster oder der Flieder. Es folgte die Apfelbaumblüte, zusammen mit den übrigen Obstbäumen. Wenn im Februar, nach einem oft sehr kalten Winter mit Eis, Schnee und heftigen Winden, mit Temperaturen unter 10 Grad Minus, der Schnee und das Eis langsam schmolzen, wenn die ersten zarten grünen Blättchen aus dem Schnee und dem dunkelbraunen Boden hervor lugten, dann kam nach der dunklen, der grauen und kalten Jahreszeit, auch die Sonne häufiger hervor. Die schon recht warmen Temperaturen und die Sonnenstrahlen tauten die Menschen dann wieder aus der Winterstarre auf.

In der Schule mussten wir die obligatorischen Frühlingsgedichte auswendig lernen.Edurad Mörike, Johann Wolfgang von Goethe oder aber auch Hugo von Hoffmannsthal waren die standardisierten Lyriker. Neben diesen Pflichtübungen gehörte aber auch der Frühjahrsputz dazu. Winterschuhe wurden gesäubert und in das Regal gestellt, Fahrräder gewienert, Fenster geputzt. Im Garten wurde gepflanzt, was grün macht. Der Frühling ließ die Menschen wieder zu neuen Ideen kommen, sie mobilisierten Kräfte, um ihr Leben neu zu ordnen. Oft waren wir Kindern daran eher unbeteiligt. Wir sahen nur staunend zu, wie sich unser Umfeld veränderte. Manchmal wurden wir zum Arbeiten mit eingeteilt. Mehr nicht! Eigenen Wünsche blieben sehr oft nur außen vor.

Wenn die Tage länger wurden,blieben wir auch länger zum Spielen draußen. Die lagsam grüner werdenden Felder, die sich an einem Grasweg entlang zogen, die grünen Bäume an den Walldichtungen und die vielen Spielmöglichkeiten entlang des kleines Bächleins, sie faszinierten uns immer wieder neu. So vollzog sich der Übergang vom Frühling zum Sommer eher nahtlos. Am 21. Juni, die kalendarischen Sommeranfang, an dem der Tag mehr Helligkeit bietet, als sonst in einem Jahr, fiebert wir den Großen Ferien, den Sommerferien und den Zeugnissen entgegen. Ab der ersten Juliwoche war es dann soweit, die Schule schloss für genau 6 Wochen ihre Türen. Nur im Sportverein, in der Turnhalle und auf dem Bolzplatz herrschte nach wie vor reger Betrieb. Der Juli und auch der August zeigten sich schon bald von seiner Hochsommerseite. Brütend heiße Tage mit Temperaturen von bis 30 Grad oder sogar darüber hinaus. Plötzliche Hitzegewitter mit sintflutartigen Regengüssen. Dann wieder Badetage von morgens ab 10.00 Uhr bis zum Nachmittag und in den Abend hinein.

Nach den Sommerferien gab es sogar einige Tage im August, an denen hitzefrei gegeben wurde, weil ab 12.00 Uhr die Temperaturen längst über 28 Grad gestiegen waren. Mit dem Ende des August kehrten dann plötzlich kühlere Tage ein. Es regnete regelmäßig und die Sommerzeit war so schnell vorbei, wie sie ab Mitte Juni gekommen war. Ab Mitte September färbte sich das Laub langsam bunt und die Blätter fielen zunächst nur spärlich von den Bäumen. Spätesten ab Anfang Oktober änderte sich dieses jedoch. Es gab jetzt einige warme Tage mit angenehmen Temperaturen und Sonnenschein. Es war die Zeit der Märkte. Der Jahrmärkte oder des Rummels. In Bückeburg fand dieser immer auf einem unbefestigten Platz neben der Kirche statt, später dann neben dem Rathaus. Die überschaubare Anzahl von Fahrgeschäften , Schaustellern und Kirmesbuden machten diese Veranstaltungen einst eher familiär. Jahrmarkt, Rummel oder Kirmes - das waren für uns richtige Ereignisse. Mit einigen Freunden fuhren wir per Bahn oder später mit dem Bus zur Schulstraße oder bis zur Bahnhofsstraße, wo wir noch einige Meter zu laufen hatten, ehe das Gedröhne aus den Lautsprechern der Fahrgeschäfte uns entgegen schallte. Mit bis zu fünf DM in der Tasche versuchten wir für 50 oder 70 Pfennig ein Maximum an Fahrten heraus zu holen.Das bisschen Geld reichte natürlich nie. Der Auto-Scooter war die Attraktion Nummer Eins, gefolgt von City-Express
oder dem Kettenkarussell. Wenig war damals einfach mehr.

Die Jahre verflogen, es wurden weitere Jahrmärkte eröffnet, die den Besucher weglocken sollten. Die Zahl der Geschäfte und die Arten der Schaustellbetrieb änderten sich. Mit der zunehmenden Kommerzialisierung stiegen die Preise an. Die Reizüberflutung stieg enorm an: Schneller, höher, weiter, teurer! Nach meinem Wegzug nach Wilhelmshaven, in eine Großstadt, verschoben sich für mich die Dimensionen des Rummels. Hier wurden nicht nur größere Fahrgeschäfte platziert, sondern auch eine höhere Anzahl ihrer. Später kam der Bremer Freimark, an dem ich eher unregelmäßig erfreute. Im Laufe der Folgejahre erlosch das bis dato eher geringe Interesse nun völlig. So habe ich mich dann auch nicht weiter gewundert, dass der " gute alte " Bückeburger Jahrmarkt von Jahr zu Jahr immer weniger Schausteller registriert und die zu hohen Preise die potentiellen Kauflustigen abschrecken. Der Herbstmarkt des Jahres 2008 war - das dürfte eben keine große Überraschung gewesen sein - eine einzige Enttäuschung,sowohl für die Gewerbetreibenden, die Stadt, als auch für die vielen Besucher. Massen schoben sich von rechts nach links,von oben nach unten - nur an den Buden stand niemand. Zu teuer, zu wenig Geld, zu viel Angst? Das dürften wohl die Hauptursachen sein, wenn der Rummel nicht läuft. In den Zeiten der Globalisierung macht auch der ungewisse Ausgang der nächsten Lebensjahre vor keiner Haustür halt. Arbeitslosigkeit ist auch in der Provinz längst kein Schimpfwort mehr, sondern bittere Realität. Die Arbeitplätze von einst, aus den goldenen 50 - bis 70er Jahren, sie sind nicht mehr vorhanden. Das Geld ist nicht mehr da, um auf den Rummel zu gehen und zu konsumieren, also wird flaniert und gegafft. Sehen und gesehen werden eben - im Schlepptau der Finanzkrise natürlich kostenlos!

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Der Niederrhein - schreibt er eigene Geschichten? - Teil III



Nun habe ich genau meine vagen Vorstellungen, über dieses Thema umsetzen können. Hilfestellung für die Ergänzung der geplanten Trilogie über jenes Gebiet, jene Region oder diesen Landstrich im wieder vereinigten Bundesgebiet, erhielt ich gestern, 22. 10. 2008 durch eine Sendung des Hessischen Rundfunks ( HR ), die aus Wiederholung im Rahmen der Senderserie Bilderbuch " Deutschland " ausgestrahlt wurde. Der Titel: " Grenzenloser Niederrhein. Vom Niederrhein bis zur Maas.Diese Zeitdokumentation bringt ein buntes Potpourri aus Landschaftbeschreibungen, Historie und Einzelpersonen.

Die Folgen aus der ARD-Serie " Bilderbuch " sind nicht chronologisch aufeinander abgestimmt, deshalb habe ich mir die Mühe gemacht und bin in das angebotene Archiv auf der ARD-Internetpräsenz gegangen und - siehe da - ich wurde weiter fündig!

Mit neuen Informationen aus der Rubrik " Bilderbuch " und eigenen Erinnerungen, werde ich nun die Trilogie weiter - und zu Ende führen.

Bleiben wir zunächst, wie in der ersten Episode schon beschrieben, in der Region um Kleve, Goch, Kavelaer und Geldern. Wir ziehen virtuell weiter in Richtung Niederlande, in die Grenzregion nach Westen und treffen dort auf den Fluss Maas. Aja, da war doch irgendetwas? Richtig, dass Deutschlandlied, das Lied der Deutschen eben.
Die so geliebte, dennoch unerwünschte erste Strophe:

Deutschland, Deutschland, über alles,
über alles in der Welt.

Wenn es steht zum Schutz und Trutze,
brüderlich zusammenhält.
Von der Maas bis an die Memel,
von der Etsch bis an den Belt.
Deutschland, Deutschland über alles,
über alles in der Welt.

Ja, ja, von der Maas. Aber die liegt bekanntlich heute in den Niederlanden. Unseren nicht so besonders geliebten Nachbarn. So erstreckt sich denn jenes Stück Land zwischen Rhein und Maas einst in Deutschland. In der Jetztzeit bleibt diese Region eher ein unbekanntes Land.
Im Osten verläuft, mächtig und breit, der Vater Rhein, der Fluss aller deutschen Flüsse. Er erzählt auch in diesem Zipfel der BRD seit jeher viele Geschichten, dabei ist er selbst ein Stück Deutscher Geschichte geworden. Westlich weiter verlaufend erreicht der Betrachter die Maas. Jenen Fluss, der einst die politisch-geographische Grenze der beiden Staaten Niederlande und Deutschland bildete. Sie entspringt auf dem Plateau de Langres in Lothringen, durchfließt mid den Ardennen eine prägnante Region in in Frankreich und schlängelt sich fortan über 925 Kilometer durch Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Auf ihrem letzten Teilstück bildet die Mosa (lateinisch), Meuse ( französisch ), Mou^ze ( wallonisch )zwei Arme.Einer wird zum niederländischen Waal, der andere mündet in den Holland Diep und ergießt sich alsbald in die Nordsee.

Bleiben wir an jenem Teilstück, dass NRWś Westen mit den Niederlanden verknüpft, an der Grenzregion, dem einstigen abgeschotteten Gebiet, von dessen ehemals typischen Charakter heute rein gar nichts mehr zu bemerken ist. Dieses Gebiet ist längst, länderübergreifend miteinander verschmolzen. Deutsche leben und arbeiten in Holland; Niederländer machen es umgekehrt auch. Selbst die unzähligen Wiesen und das darauf grasende Vieh kennt die einstige physische Abtrennung dieser Region nicht, es grast grenzüberlappend. Allenfalls die unterschiedliche Beschilderung der Straßen, Plätze und Orte lässt erahnen, dass hier zwei Staaten existieren.
Das war natürlich nicht immer so. In der Geschichte der BRD gab es in den ersten zwei Nachkriegsdekaden durchaus strenge Grenzkontrollen. Schmuggel und sonstige Kriminalität sollte dadurch eingedämmt und verhindert werden. Mit der EWG, zu der die Niederlande als Gründungsmitglied angehört,wurden die Möglichkeiten des so genannten kleinen Grenzverkehrs eingeführt. Bürokratische Hemmnisse und häufige Willkür der sonst noch allmächtigen Zollbeamten und der Grenzschutzeinheiten wurden zurückgeschraubt. Der einstige Handel und Wandel hielt wieder Einzug. Die grenznahen Gebiete erhielten eine wirtschaftliche Blütezeit - bis heute.Aus der EWG ist über die EG nunmehr die EU geworden. Seit 1997 gibt es mit dem Shengener Abkommen, die grenzenlosen Verkehrsmöglichkeiten innerhalb der Ratifizierungstaaten der Amsterdamer Verträge.

Freie Fahrt für freie Europäer?

Es gäbe jetzt viel, sehr viel über den Sinn und Unsinn des Brüsseler bis Straßbourger EU-Bürokratie und deren bisheriges Wirken zu schreiben. Keine Zeit zu bleiben, Geschichte wird gemacht! Es geht voran!

Fahren wir also von Kempen südwestlich über Viersen nach Mönchengladbach.Der kreisfreien niederrheinischen Metropole am Zipfel dieser Region, zwischen Roermond in den Niederlanden und Düsseldorf der NRW-Landehauptstadt belegen. Mönchengladbach (MG ) hat heute 265.000 Einwohner und musste - wie so viele NRW-Städte - im Verlaufe der Dekaden nach dem einstigen Wirtschaftswunder, viele, sehr viel schmerzlich Eingriffe über sich ergehen lassen. Nicht nur die industriellen Strukturumwälzungen gingen nicht spurlos an dieser Stadt vorüber, nein, mit dem Niedergang der Textilindustrie, der sich bis in die späten 80er Jahre vollzog, kam ab dem 1. Januar 1975 die Gebietsreform zum Tragen und vereinte die Städte Rheydt und MG mit dem einstigen Amt Wickrath zu der Stadt MG. Damit verbreiterte sich auch die Palette der ansässigen Wirtschaftunternehmen. Die Regional-Ökonomie verzweigte sich, wurde verschachtelt und damit nicht mehr monostrukturell. Die Krisenanfälligkeit konnte zunächst reduziert werden. Die diversifizierende Wirtschaftpolitik und ihre Grundrichtung zu ökonomischen Cluster-Bildungen konnte jedoch die Langzeitwirkungen der Textilkrise(n) nicht ab federn. Die Stadt hat seitdem nicht nur einen Schuldenstand von aktuell 1,2 Milliarden EURO aufgetürmt, etwa 6.000 Einwohner verloren,sondern im Innenstadtbereich durch den Wegfall vieler Besucher und Gäste,die bis in die 80er hinein sogar aus Düsseldorf kamen, einen sukzessiven Niedergang der Gastronomie - einst Szene-und Kneipenkultur - zu verzeichnen. Mit der ständigen Verteuerung der Lebenshaltungskosten, der Einführung der EU-Gemeinschaftswährung (T)EURO und der Vergreisung bzw. Überalterung der Gesellschaft, zeigen sich auch hier offene Anzeichen des Verfalls. Wo einst Schüler,Studenten und später sonstiges Party-Volk einkehrte oder grau-melierte und streng frisierte CDU-Mitglieder ihre Stammtische abhielten, steht ein Schild " Geschlossen " vor der Tür oder es herrscht gähnende Leere.
Mit dem stetigen Niedergang der Gastronomie geht auch der der Borussia einher. Was einst als westdeutscher Vorzeigeverein hochgehalten wurde, wo einst Weltklassefußballer ( Netzer,Bonhof,Heynckes ) aufspielten und ihre Gegner regelmässig vorführten, kam in den 90ern die große Krise. Beinaheabstiege und der GAU, der Abstieg in der Saison 1998/1999 waren die Folge.

Die Historie des Vereins zeigt jedoch auch, dass damit der sozi-ökonomische Änderungsprozeß, der regionale Strukturwandel, der auch durch die globalisierte Wirtschaft und die sich stark veränderte Gesellschaft in Wechselwirkung durchschlägt, nicht mehr aufzuhalten ist.
Mir fällt der Text von Hannes'(Wader) Lied: " Heute hier, morgen dort " ein. Wie wahr!

Ziehen wir nordöstlich weiter über Neuss, Willich, Meerbusch nach Duisburg. Der zweiten niederrheinischen Metropole.Eine Stadt, in der (einst) alles stinkt, alles spuckt, kracht und raucht, eine Stadt, deren Namen man nicht zu kennen und die man nie gesehen zu haben braucht? Wenn Hannes diese Beschreibung auf die vielen westdeutschen Städte in und aus den 70ern auch so treffend gedichtete hat, so trifft sie das heutige Duisburg nicht mehr. Längst hat auch der Strukturwandel seine Spuren hinterlassen. Die Eckpfeiler des industriellen und wirtschaftlichen Wiederaufbaus aus den 50er und 60er Jahren, sie sind nicht mehr überall sichtbar. Jene Symbiose zwischen Mensch/Maschine,Wohnung/Fabrik und Wohlstand/Lebensumfeld wurde sukzessive zerstört.
Mit den Krisen der letzten Jahrzehnte ist auch das Fundament weggebrochen, auf dem eine sozio-ökonomischer Aufbau stattfinden kann.

Duisburg kann als Prototyp jenes Wandels in Gesellschaft und Wirtschaft gelten,denn die Stadt steht heute mit viel Schatten und wenig Licht da. Mit dem Niedergang der Schwerindustrie, der Komponenten von Kohle/Stahl verlor sich die Stadt in einem wirtschaftlichen Abwärtsstrudel. Einst gehörte Duisburg zu den finanzstärksten Kommunen der Alten Bundesländer; heute hat die Stadt eine sehr hohe Arbeitslosenquote. Sie verlor allein ab Mitte der 80er Jahre über ein Drittel der steuerpflichtigen Arbeitplätze. Die Stadt verlor dadurch auch Einwohner und kompensierte den Schwund durch Eingemeindungen . so, wie es viele Städte praktizieren. Duisburg krank, ist aber nicht dem Siechtum verfallen.
Dafür sorgt die uneingeschränkte Mobilität, die sich durch eine exzellente Verkehrsanbindungspolitk offenbart. Damit gelingt auch die unmittelbare Flucht aus dem grauen Stadtflair, hin zu dem abwechselungsreichen Gebieten in Richtung Niederlande und der dort gelegenen Stadt Venlo. Diese Ex-Einkaufsmetropole im geographischen Dreieck von Mönchengladbach sowie Duisburg lässt sich über durchaus idyllische, abwechselungsreiche Landschaften erreichen. Das grüne Dreieck ist geprägt von Feldern,Wiesen,Wasser, von alten restaurierten Herrenhäusern,gepflegten Ortschaften und einem kilometerlangen Naturpark. Wo einst die Landesgrenze verlief, die noch in den Endsechszigern überwacht und kontrolliert wurde, hat sich heute die Natur ihre Flächen zurückgeholt.

Ausgedehnte Radtouren sind hier obligatorisch und bieten eine ökologisch sinnvolle Alternative zu dem motorisierten Massentourismus in Richtung der niederländischen Seegebiete. Beliebt sind aber auch die Biker-Ausflüge von Duisburg über Straelen nach Venlo, so, wie sie in dem WDR-"Bilderbuch"-Bericht skizziert werden.

Wenn wir zurückfahren von Venlo in nordwestliche Richtung, treffen wir auf Geldern. Eine Stadt mit 33.000 Einwohnern und historischen Wurzeln, die bis in das 9. Jahrhundert zurückführen. Ein landschaftlich reizvolles Umfeld lässt dieses städtische Kleinnod zu einer lokalen Perle in der niederrheinischen Region, die zwischen gestern und heute steht, heranwachsen. Gleiches gilt auch für die westliche davon belegende Stadt Kavelaer.

Die Historie belegt, dass bereits 800 v.Chr. erste Aufzeichnungen von einer dortigen Siedlung ausgehen. Die weitere Entwicklung von Kavelaer ist untrennbar mit politischen Abfolgen verbunden. Neben den Römern haben auch spanische,französiche und belgischen Truppen während der Kriege die Stadt besetzt.
Die Historie belegt auch,dass diese Stadt nahezu symbiotisch mit dem Katholizismus verbunden ist. Trotzt der wechselvollen Geschichte hat dieser dort das Fundament nie verloren.
Selbst in der Neuzeit wurde der katholische Glaube, die Katholische Kirche nebst ihrer - oft weltfremden- Doktrien hier nie aufgegeben.Politik bedeutet hier Parteimonopol der CDU und deren oft reaktionären Inhalten, die sich im Austausch mit dem rückwärtsgewandten Glaubensmonopol der Katholiken in eine Gemengelage gießen lassen, deren ideologisches Gift über 5 Jahrzehnte noch wirkt.
Erfreulicher als die enge Verknüpfung zwischen Klerus und weltlichen Interessen zeigt sich das Lied der Kavelaerer:


Kevelaerer Heimatlied

Das Kevelaerer Heimatlied "Wor hör ek t’hüß?", geschrieben von Theodor Bergmann (geboren am 29. Dezember 1868, gestorben 17. Mai 1948).

Wor hör ek t’hüß?

I.
Wor hör ek t'hüß? - kent gej min Land?
Gän Baerge schnejbelaeje,
Gän driewend Waater träkt en Band
Voerbej an groote Staeje:
Dor, wo de Nirs doer't Flackland geht,
Wor in den Baend et Maisüt steht,
On wor de Keckfoars quakt in't Lüß,
|: Dor hör ek t'hüß. :|

II.
Wor op de Hej de Loewrek sengt,
Den Haas sprengt doer de Schmeele,
Wor ons de ricke Sägen brengt
De Aerbejshand voll Schweele,
Wor in et Koarn de Klappros drömt,
Van Fäld on Weije rond ömsömt,
So frindlek röst et Burenhüß,
|: Dor hör ek t'hüß. :|


III.
Wor gärn de Lüj en oapen Hand,
in Not de Noaber reike,
Voer Gott on Kerk on Vaderland
Noch faas ston, as de Eike,
Wor män'ge Drömer, män'ge Sock,
So gut es, as den aandern ok,
Wor sälde Strit on groot Gedrüß,
|: Dor hör ek t'hüß. :|

IV.
Pries gej ow Land mar allemoal,
In Nord, Ost, Süd on Weste,
Ok män'ge groote Noet es hoel -
Min Laendche es et beste!
Hier stond min Wieg, hier lüjt mej ok,
So Gott well, eins de Dojeklok
Dann schrieft mej op et steene Krüß:
|: Hier hört haen t'hüß! :|

Phoentisch erscheint dem klaren norddeutsch Sprechenden eine Unzahl von Umlauten ins Auge zu stechen; hier scheint die skandinavisch-normannische Sprache ihren massiven Einfluss genommen zu haben. Wenngleich jene Völker einst heidnisch waren und nicht dem römisch-katholischen Glauben aufsaßen. Immerhin: Eine Mixture aus allen Ären oder Epochen; Relikte aus längst vergangenen Zeiten,deren Einflüße eben noch im 3. Jahrtausend sichtbar sind.

Ziehen wir also weiter. Von Kavelaer über Weeze nach Goch. Jene, etwa 34.000 Einwohner zählende Stadt, die in zwei Jahren ihr 750-jähriges Bestehen feiern wird und deren Stadtkern in den letzten Wochen des II. Weltkriegs mit nahezu 80 % zerstört wurde. Es begann ein, durch das "Wirtschaftswunder" geprängter Aufstieg, der vorallem über die Nachbarstadt Kleve, als ökonomisches Antriebszentrum, in die niederrheinische Region ausstrahlte. Die 60er und 70er Jahre waren eine Fortsetzung jenes Booms. Goch profitierte hiervon, wenn auch nicht in dem Maße, wie es Kleve tat. Kulturell und unter gesellschaftspolitischen Aspekten betrachtet, unterscheidet sich Goch nicht wesentlich von den übrigen Städten,deren klerikaler Hintergrund bis in die heutige Zeit spürbar ist und zu einer monolithischen CDU-Anhängerschaft geführt hat,deren sichtbare Verquickungen in allen Bereichen des Lebens Platz nimmt.

Die, durch eine zweite Gebietsreform 1975 dem Landkreis Kleve zugeschlagene Stadt, liegt an der Peripherie zur Gocher Heide. Jenes, durchaus attraktiven Landstrichs, dass für ein besonderes Novum steht: auf dem relativen begrenzten Gebiet werden innerhalb der Uedem, Keppeln,Kalkar,Bedburg, Haus bis Goch, zwei sehr unterschiedliche Dialekte gesprochen. Neben dem fortwährend anzutreffenden niederrheinischen, die Pfälzer Mundart. Dieses rührt aus der Vergangenheit her und lässt sich mit den Ansiedlungen von ehemaligen Bürgern aus der Pfalz erklären, die im Jahre 1741 ursprünglich nach Amerika immigrieren wollten, sich dann jedoch in der Gocher Heide nieder ließen und hier alsbald eine eigenständige Gemeinde gründeten, erklären.

Von Goch geht es auf der B 9 fast schnurstraks nach Kleve.
Der heutigen Kreisstadt gehören etwas mehr als 49.000 Einwohner an. Auch in Kleve liegt der konfessionelle Anteil der Katholiken mit über 65 % im niederrheinischen Durchschnitt. Kleve zeichnete sich einst durch einen historisch gewachsenen Kur-und Badeberteib aus, der auch die baulichen Gegebenheiten prägte, ehe nach dem II. WK eine wirtschaftliche Veränderung Einzug hielt, die u.a. auch durch die Ansiedlung der weltbekannten Schuhmarke " Elephanten Schuhe " bedingt war. Die Schuhfabriken stehen allerdings - trotz ihrer exzellenten Qualität, vorallem bei Kinderschuhen - längst in einer ökonomischen, weil Weltmarkt abhängigen, Strukturkrise.
Neben den üblichen Kirchebauten, finden sich eine Reihe von historischen Villen, Museen und Gartenanlagen nebst Bebauungen.

Etwas mehr als 10 Kilometer von der Stadt entfernt liegt, bereits auf rechtsrheinischem Terretorium Emmerich. Jene Hafenstadt, die mir auch wegen der ewig dudelnden Wasserstandsmeldung im ehemaligen westdeutschen Propagandasender Deutschlandfunk noch in guter Erinnerung ist. Emmerich gehört mit seinen annähernd 30.000 Einwohnern ebenfalls zum Landkreis Kleve.

Von Kleve besteht die Möglichkeit über Bedburg-Hau und Palzdorf, nämlich mittels der B 9 zurück nach Goch zu gelangen oder auf der B 57 durch Qualburg, Hasselt und Schloß Moyland, parallel zum Rheinverlauf, allerdings flußaufwärts nach Kalkar zu fahren. Kalkar? Da war doch etwas? Ja, richtig, der Schneller Brüter Jene über 1 Milliarde Deutsche Mark teure Investitionsruine der Atoma-Mafia aus den Technik gläubigen 70er Jahren. Vor gut 19 Jahren verkündete der damalige Bundesforschungsminister Riesenhuber, das war der mit dem riesigen Fliegen, der der CDU/CSU angehörte, das endgültige Aus für dieses bedrohliche Monstrum.
Die Stadt Kalkar hat einige besondere Sehenswürdigkeiten anzubieten,so u.a. das römische Kastell Moreburg. Ihr wurden bereits im Jahr 1242 die Stadtrechte verleihen.

An Appeldoorn vorbei, Kehrum-Marienborn rechtsseitig liegen lassend und über Wickermannsdorf gelangen wir nach Xanten.
Die einstige Römer - Dom - und Siegfriedstadt darf auf eine über 2000-jährige Geschichte zurück blicken. Auch hier finden sich eine Vielzahl vom Relikten aus den vergangnene Jahrhunderten, die durch Kriege, Not und Elend geprägt waren.

Von Xanten führt uns die B 57 nach Rheinberg.
Ihren keltischen Ursprung kann der Besucher durch entsprechende Hinweise innerhalb der ca. 32.000 Einwohner zählenden Stadt nachvollziehen, denn:

Rheinberg hieß ursprünglich Berke (frühe Belege stammen aus den Jahren 1003, 1106, 1253) oder Berka (belegt seit 1248). Den erklärenden Zusatz Rhein- erhielt der Ortsname erst im späten 16. Jahrhundert (erstmals 1583 belegt), wohl um Berk als Berk am Rhein von anderen Orten namens Berk oder Berg zu unterscheiden. Die frühen Namensformen und Schreibweisen waren u.a. Rhenberka, Rhinbergue, Rhynberg, Rhynberck, Rhimberg, Rheinberck, Rheinberk, bis sich schließlich Rheinberg durchsetzte. Bis heute kann allerdings der Rhein-Vorsatz im Dialekt fortgelassen werden (man nennt den Ort einfach Bäärk). Der Akzent von Rheinberg liegt bei den Einheimischen entgegen der üblichen Regel oft auf der zweiten Silbe, also Rheinbérg, ein weiterer Hinweis auf die ursprüngliche Namensform.

Von Rheinberg geht es weiter über oder unter die BAB 57 nach Kampp-Lintfort.
Die etwa 40.000 Einwohner zählende Stadt wird so beschrieben:
Kamp-Lintfort liegt in der niederrheinischen Tiefebene, sechs Kilometer südwestlich von Rheinberg und acht Kilometer nordwestlich von Moers. Nach der landschaftlichen Definition des Verdichtungsraums des Ruhrgebiets wird der Innenstadtbereich der Agglomeration zugeordnet, die weniger besiedelte, umgebende Fläche der Stadt jedoch nicht.[2] Einen Großteil des Stadtgebiets füllt das Waldgebiet „Leucht“ aus, welches zum Staatsforst Xanten gehört.
Stadtgliederung [Bearbeiten]

Das zusammenhängende Stadtgebiet wird größtenteils durch den Ortsteil Lintfort gebildet. Werkskolonien der Zeche Friedrich Heinrich sowie einer früher betriebenen Ziegelei prägen große Teile des Stadtbildes. Im Zentrum formen die „Drei Weißen Riesen“ die Skyline von Kamp-Lintfort; mit 95 Prozent Leerstand ist dieses stadtplanerische Projekt der späten 1960er-Jahre inzwischen zum Alptraum mutiert. Für diese Gebäude ist eine Umnutzung geplant. Geld des Landes Nordrhein-Westfalen hierfür wurde bereits bewilligt. Weiterhin wird die Skyline von Kamp-Lintfort durch die zwischen 1975 und 1985 errichteten Bauten der neuen Innenstadt bestimmt.

Im Gegensatz dazu bildet der Ortsteil Kamp mit der historischen Besiedlung aus der Blütezeit des Klosters das historische Zentrum der Stadt.

In den 1950er-Jahren wurden an den Rändern des Ortsteiles Lintfort am Tor Ost sowie in den Gemarkungen Geisbruch und Gestfeld zusätzliche Siedlungsbebauungen vorgenommen. Diese Stadtteile wurden später durch Eigenheimbauten aufgestockt. Der Stadtteil Niersenbruch zeichnet sich durch überwiegende Einzelbebauung aus. Die außerhalb liegenden Ortsteile haben sich den ländlichen Charakter bewahrt. Besonders hervorzuheben ist hierbei das Straßendorf Hoerstgen.

Von Kamp-Lintfort aus führt uns die A 57 direkt nach Moers. Östlich hiervon beschreibt die B 57 auch den Weg in die größe Nachbarstadt, während uns die B 510 nach Kerken, Wachtendonk in Rictung der deutsch-holländischen Grenzstadt Venlo geraten lässt.
Wir halten uns in Moers auf, in jener Stadt, die die Drehscheibe des Niedrrheins oder exakter der Region Niederrhein genannt wird.
Die Stadt Moers liegt in der niederrheinischen Tiefebene zwischen dem Rhein und einer Reihe von Moränenhügeln, die sich nördlich von Hüls nach Norden erstrecken. Moers liegt im Süden des Kreises Wesel, 7 km westlich der Ruhrmündung in Duisburg und 13 km nördlich von Krefeld. In der Landesplanung ist Moers als Mittelzentrum eingestuft.

Die Stadt hat mit ihren über 106.000 Einwohner den Status der größten Einheit im Landkreis Wesel.

Von Moers führt uns die A 57 in Richtung Krefeld. Jener Stadt,die einst von ihren Einwohnern als die Seidenstadt bezeichnet.Die Stadt Krefeld (bis 1929 auch Crefeld) ist eine kreisfreie Stadt am linken Niederrhein, nordwestlich von Düsseldorf, südwestlich von Duisburg in Nordrhein-Westfalen. Aufgrund der Seidenstoffproduktion des 18. und 19. Jahrhunderts wird sie auch als „Samt- und Seidenstadt“ bezeichnet. Krefeld ist mit 235.860 Einwohnern (Stand: Juni 2009) eine Großstadt mittlerer Größe. Innerhalb des Regierungsbezirks Düsseldorf nimmt sie gegenwärtig der Einwohnerzahl nach den sechsten Platz ein.

Die Stadt besteht in ihren heutigen Grenzen im Wesentlichen seit 1929, als der damalige Stadtkreis Krefeld (Crefeld) mit der Stadt Uerdingen und anderen Gemeinden zur Stadt Krefeld-Uerdingen vereinigt wurde. 1940 wurde diese in Krefeld umbenannt und 1975 nochmals geringfügig vergrößert. In der Landesplanung ist Krefeld als Oberzentrum eingestuft.

Von Krefeld führt uns die über Meerbusch nach Neuss, während die A 44 uns an Viersen vorbei wieder nach Mönchengladbach gelangen lässt.

Hier endet unsere kurze Stippvisite in der Region Niederrhein. Jenes Gebietes, dass sich in etwa so skizzieren lässt:

Kerngebiet des Niederrheins sind die Kreise Kleve, Wesel und Viersen sowie die Stadt Krefeld. Des Weiteren zählen am östlichen und südlichen Rand Teile der Städte Isselburg und Oberhausen sowie die Stadt Duisburg, der Rhein-Kreis Neuss, die Stadt Mönchengladbach und der Kreis Heinsberg zum Niederrhein.

Das Gebiet entspricht ungefähr den ehemaligen Landesherrlichkeiten, dem Herzogtum Kleve, der Grafschaft Moers sowie dem ursprünglich maasländischen Quartier Roermond des Herzogtums Geldern und dem nördlichen, linksrheinischen Teil des Kurfürstentums Köln. Vor Gründung der preußischen Rheinprovinz zählten diese Gebiete größtenteils zur Provinz Jülich-Kleve-Berg, während als Provinz Großherzogtum Niederrhein stattdessen Gebiete am heutigen Mittelrhein und in der Pfalz zusammengefasst wurden.

Damit ist auch die Trilogie über jenes sehr widersprüchliche Gebiet in Nordrhein-Westfalen abgeschlossen. Der Niederrhein wirft auch heute mehr Fragen auf, als er Antworten über seine weitere Entwicklung geben kann. Der sehr eigenwillige Menschenschlag wirkt auf den übrigen Bewohner des bevölkerungsreichsten Bundeslandes, des Landes Nordrhein-Westfalen selbst befremdlich.So bedarf es eines gewissen Anlaufs, ehe ein Norddeutscher jene eigenwillige Mentalität der hier lebenden Menschen versteht.
Interessant ist die Region und sind die hier lebenden Bewohner alle Male.

Dienstag, 14. Oktober 2008

Herbstzeit - Zeit zum Nachdenken und bilanzieren?

Als ich vor einigen Wochen, es muss in der ersten Septemberwoche gewesen sein, die Filiale eines Lebensmitteldiscounters aufsuchte,prangten mir in einem der prall gefüllten Universalregalen, bereits Weihnachtgebäck, Marzipan -und Schokoladenartikel entgegen. " Meine Güte, im September, wollen die schon wieder Weihnachtklamotten verkaufen ", so dachte ich damals.Inzwischen schreiben wir den 21. Oktober, und es sind nur noch 64 Tage bis zum Heiligen Abend. Die Zeit rast dahin! Die Tage vergehen, wie im Fluge, die Wochen laufen im Schnellzugtempo ab und die Monate, als wäre ich auf einem Schiff, das von Europa nach Südamerika fährt. Zeit als Faktor bekommt, wenn das eigene Leben im zweiten Drittel ertragen werden muss, eine besondere Bedeutung. Der Mensch erinnert sich. Er resümiert, er bilanziert und er sinniert - über sich selbst.

Jetzt, wo die Wertigkeiten völlig andere sind, als sie es vor 10, vor 20 oder vor 30 Jahren waren, tritt eine gewisse Gelassenheit hinzu, die dem reiferen Individuum es ermöglicht, auch Eines aus der bisherigen Lebensbiographie, die nun häufiger, wie im Zeitraffer sich gedanklich abspielt,aus der rosaroten Brille zu betrachten. Die Erinnerung, als eine gütige Gabe der Natur, die es einem ermöglicht, alles durch eine schöngefärbte Brille zu sehen und dann auf ein erfülltes Leben zurückblicken zu können, auch wenn man sein Lebtag eben doch nur Scheiße gemacht hat. So drückte es Hannes Wader einmal aus, als er anlässlich seines 60igen Geburtstags ein grandioses Konzert mit seinen beiden Kollegen Reinhard Mey und Konstantin Wecker in Bielefeld gab.
Jene einseitig gemalten Lebenserinnerungen sind es aber auch, die viele Dinge, die einst negativ verliefen und die sich wie ein Kainsmal in der menschlichen Haut einbrannten, auszublenden.

Der Herbst als symbolisch dritte Lebenszeitphase als von der Natur vorgegebenen Jahreszeit ist bunt. Er malt viele Farben, die der Sommermit seinen satten Grüntönen und der blühenden Farbepalette oder der Frühling in seinen zarten Pastellfarben eigentlich so nicht kennt. Herbstzeit ist auch Laubzeit, ist Zeit, um an manchen schon recht kühlen Abenden über die vergangenen 10 Monate zu denken. Wenn dann die ersten Blätter fallen, die ersten Herbststürme wehen und der Himmel sich schon in einer Art Vorahnung für den November grau einfärbt, dann heisst es auch bald Abschied nehmen von dem Jahr. Mir fällt der Song der Rockgruppe Gunś an'Roses ein: " November rain ":

When I look into your eyes,
I can see love restrained.
But darlin'when i hold you,
don t you know i feel the same.

'Cause nothin'lasts forever,
and we both know hearts ca change.
And itś hard to hold a candle
in the cold November rain."

In the cold November rain - der November ist eigentlich der Todesmonat und soll ja die kalten Vorzeichen für den kommenden Winter setzen. Graue Nebelbänke, wie sie einst üblich waren, habe ich seit vielen Jahren nicht mehr gesehen. Das Einheitwetter in einer Gr0ßstadt lässt diese Wetterkapriolen vielleicht gar nicht mehr zu. Mit den Nebel und dem grauen Himmel verbindet sich in meiner Erinnerung das krächzende Geschrei der Krähen. Wie sie über die längst kahlen Felder ziehen und in Schwärmen sich urplötzlich niederlassen, um aus dem umgepflügten Feldern doch noch Nahrung zu suchen. Die Reste des Jahres liegen jedoch nur sehr spärlich an der Erdoberfläche, denn die Ernte ist bereits im August eingefahren worden.

Herbst heisst Abschied nehmen von den Sonnentagen und Ferienträumen, von den Badevergnügen und Meeresrauschen, von den Autobahnstaus und den überfüllten Flughäfen. Keine Saure Gurkenzeit mehr bei den Medien. Die Nachrichtenmaschinerie läuft einige Wochen wieder auf vollen Touren. Sie bringt im Herbst auch jene Gutachter des Wirtschaftrates auf den Plan, diese fünf Waisen stellen ihr sogenanntes Herbstgutachten vor. Die Zahlen und Fakten werden sodann analysiert und in Meldungen, Berichte und Meinungen eingeflochten.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und hiermit endet auch die Saison, so wie es von Reinhard Mey beschrieben wird:

Ich liebe das Ende der Saison
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Montag, 13. Oktober 2008

Wo beginnt Neo-Faschismus und wo hört Rechtsradikalismus und wo Konservativismus auf?




Eine Meldung in der WDR Fernsehsendung " Westpol " zeigt einmal mehr, auf welch schmalen Grad die CDU und ihre Anhänger in der BRD oft wandeln. In der Partei gibt es ja so allerlei Strömungen, deren Ursprung sich manchmal gar nicht exakt definieren lassen. Neben Karrier geilen Jünglinge, trutschenhaften Muttchen und Blendax lächelnden Ministerinnen, hält eine Vielzahl von neoliberalen, konservativen und sonst Zurückgebliebenen der Partei die Treue. Das Sammelsurium an eitlen Selbstdarstellern und Möchte-gern-Politikern ist groß, die intellektuellen Fähigkeiten jener Protagonisten verlaufen oft diametral zu deren medienwirksamen Auftritten. Es gibt deshalb s manchen Verirrten, der der CDU etwas mehr rechtsradikale Würze beigeben möchte, indem er mit zwielichtigen Gestalten aus dem nationalistischen und faschistischen Lagern paktiert.
So geschehen in dem CDU - Kreisverband Oerlinghausen.

Das Kaff liegt in Ostwestfalen, also in NRW, dort, wo zurzeit noch die CDU mit der FDP koaliert und die Regierung stellt. Oerlinghausen ansich ist eher beschaulich. Felder, Wälder, Wiesen, Landwirte, Kleinbürger und sonstige Durchschnittsmichel wohnen hier. Es liegt direkt an der BAB 2, der " warschauer Allee ", der Autobahn, die einst zu Zeiten des " tausenjährigen Reichs " die Reichshauptstadt Berlin mit dem Schmeltiegel Ruhrgebiet, also der Region ab Dortmund und weiteren Eisen-, Kohle,- und Stahlstädten verband. Inzwischen ist se die vielbefahrene Ost-West-Tangente in Europa geworden. Hier quälen sich werktäglich über 10.00 LKW und mehr las 50.000 Fahrzeuge insgesamt herüber. Oerlinghausen liegt allerdings abseits jenes Klassenkampfes der PS-Enthusiasten, die den Freifahrtschein und Jagdschein mit dem Führerschein verwechseln, sobald sie das rollende Wohnzimmer anlassen und die BAB-Auffahrt nutzen.

In dem Bericht des WDR ging es ja eigentlich auch um so etwas, wie Kampf. Nämlich den Kampf der Rechtsradikalen gegen die Demokratie und deren Vertreter in der Politik. In einem von der CDU verlegten Blättchen mit dem vielsagenden Namen Ost-West-Panorama lassen sich regelmäßig Exponenten der NPD und aus deren Umkreis über die rechte, die wahre, die nationale Gesinnung aus. Das in einer Stückzahl von 10.000 Exemplaren verlegte Hetzblatt, verkommt deshalb im Namen und unter dem Deckmantel der Integration von Rußlanddeutschen zu einer Schmieren-Postille, in der über faschistisches Gedankengut schwadroniert und innerhalb deren Artikel per se Geschichtsklitterung betrieben wird. Schlimm, was die CDU sich da leistet.

Samstag, 11. Oktober 2008

Warte, warte, nur ein Weilchen, dann kommt der Sensenmann auch zu dir!







Wir schreiben Samstag, den 11. Oktober 2008. Die Frühnachrichten bei MDR Info ließen mich aufhorchen. In einer Meldung hieß es: " Der österreichische Rechtspopulist und Landeshauptmann von Kärnten Dr. Jörg Haider ist in den frühen Morgenstunden dieses Tages bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Eigentlich nicht schaden um ihn, so dachte ich zunächst. Haider war eine Hetzer und Vereinfacher, wie er bei den Nationalsozialisten hätte nicht besser in das ideologische Weltbild gepasst. Nicht von ungefähr waren seine Eltern während der NS-zeit und der Heimholung Österreichs in das Großdeutsche Reich glühende Parteimitglieder.

Der Apfel fällt eben nicht weit vom Stamm!

Im Verlaufe seiner politischen Karriere hat er nichtnur einmal gezeigt, dass er in Menschenverachtenden Kategorien denkt. Seine - von vielen Vorurteilen - geprägte Denk - und Handlungsweise hat ihn allerdings auch eine Unzahl von Freunden und Sympathisanten eingebracht - die Feinde kamen jedoch in der Mehrzahl zu der richtigen Überzeugung, dass Haider eben auch nur ein Trommler war. Dennoch sind es gerade jene Protagonisten, die - wie er einst - in der Öffentlichkeit jene Dinge beim Namen nennen, wo andere Mitmenschen eher noch schweigen. Sein faschistoides Gedankengut ist deshalb bei all jenen Menschen populär, die keine Toleranz kennen, die auf der Verliererseite stehen oder, bei denjenigen, die sich davon eben Vorteile versprechen; keine Vorteile, welche in Macht, Geld und Einfluss eingehen.

Haider ist tot! Es lebe sein Nachfolger! Es werden andere Haider folgen. Seine FPÄÖ, einst ein Haufen rechter Gesinnungfreunde und Plattitüden-Drescher, ist längst gespalten. Er hat eine neue Partei gegründet.Das Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ). Dieses Sammelbecken von Rechtsnationalisten errang in Kärtnen satte 39, 4 % und bundesweit 11.14 % der Stimmen bei der letzten Bundeswahl und zieht damit in den Wiener Nationalrat ein. Auch seine Ex-Partei, die FPÖ erzielt beachtliche 17.47 %. Ein Rechtsrutsch vollzog sich somit in dem Nachbarland Österreich.

Die Probleme, die in der BRD und in anderen europäischen Staaten mehr oder minder gleichartig vorhanden sind, gibt es in Österreich natürlich auch: Arbeitslosigkeit, Verarmung der einstigen Mittelschicht, Diskrepanzen zwischen Armen und Reichen, Jugendkriminalität, Zerfall alter Strukturen in den Familien, Neid, Missgunst, Menschenverachtende Handlungen in allen gesellschaftlichen Bereichen, Korruption, Politikverdrossenheit und jetzt aktuell die Finanzkrise.
Haider hat in seinen rechtspopulistischen Parolen zwar immer das Negative hervorgebracht, von der Unfähigkeit der Regierun, der übrigen Parteien schwadroniert. Eigene Lösungen hatte er jedoch nie parat. Ein kleiner Beckmässer bene, ein Gnom unter den Zwergen der nationalistischen Lager, ein Möchtegernegroß und ein Faktenverdreher.

Nun ist er unter der Erde und kommt nie wieder. Dafür stehen allerdings seine Nachfolger bereits Mikrophon bei Fuss bereit, um ihre Hetztiraden und Vereinfachungsalven auf die Österreicher loszulassen. Die sollten bei der nächsten Wahl dann doch mal endlich wach werden und erkennen, dass ihre Nation nicht der Nabel der Welt ist, Kärten nicht das Wallhalla der Neuen Zukunft und jene Rechtsideologien auch nur Blender par excellance sind. So wie jener Gefreite einst, der geboren in Braunau am Inn, auszog, um die Welt zu knechten - mit idiotistischen Parolen und Lügenmärchen, die dann als Propaganda in die ganze Welt verstreut wurden.
Wehrte den Anfängen!

Freitag, 10. Oktober 2008

Mer soan mer, aber keine CSU-Dauerwähler mehr.

Der 28. September 2008 wird als der Schwarze Sonntag in die Annalen der Christlich Sozialen Union ( CSU ) eingehen. Bei der Landtagswahl 2008 verlor diese Partei 17,4 % der Wählerstimmen im Vergleich zu denen aus 2004. Ein Erdrutsch, eine Sensation auch? Nein!
Wer die Querelen seit dem Sturz von Eddi Stoiber in 2007 verfolgt hatte, der musste sehr schnell zu der Erkenntnis gelangen, dass das dynamische Duo Beckstein / Huber dem einstigen CSU-Kronprinzen Stoiber nie das Wasser reichen konnte.Auch die Generalsekretärin Christine Haderthauer blieb nicht nur blass, sie zeigt sich zunehmend als überfordert.

Das Trio Infernale aus München schrumpfte alsbald auf Pygmäen-Größe zusammen.Damit aber auch die Akzeptanz ihrer Partei, die es über vier Jahrzehnte gewohnt war, alleine, ja in absolutistischer Form, zu regieren. Es gab seit der Ära Seidel ab 1957 nur noch Ministerpräsidenten aus dieser Partei, die dann mit absoluten Mehrheiten regieren durfte.
Was waren das nicht alles für ehrenwerte Politiker, die in dem CSU-Sumpf ihre Heimat fanden:
Strauß, Zimmermann, Schreiber, Tandler, Strauß jun.,Wildmoser,Hohlmeier, die Tochter des Partei-Übervaters FJS, usw. usf. Sie alle stehen mehr oder weniger für das bayrische Lebensgefühl, dass angebliche Überlegenheit suggerieren soll.
Mer san mer, und dann lange garnichts!

Nun hat der gemeine CSU-Wähler am 28. 09. 2008 eben nicht nur CSU gewählt. Und das ist gut so. Ein kräftiger Tritt in den Allerwerstesen zur rechten Zeit und an der rechten Stelle, kann den Rechten in diesem Lande nie schaden. Wer abgehoben und arrogant seine Posten schachert, wer betrügt, lügt, Steuern hinterzieht und die anderen Menschen für dumm verkaufen will, der muss sich nicht wundern, dass er irgendwann von diesen eine saftige Watschń bekommt.
So geschehen am 28. 09. 2008!

Der vor 20 Jahren rechtzeitig verstorbene Übervater der CSU, der Ex-Ministerpräsident FJS hat ja nun auch einige Tiefen und Höhen in seiner einstigen Laufbahn durchlebt. Sein Ziehsohn Stoiber weniger, weil er sich rechtzeitig nach rechts geöffnet hatte und damit den Rechtsradikalen in diesem Lande die rechte Heimat bescherte. Joa, ham mer denn scho Woihnachten? To be or not to be, thatś the question!
Diese Frage dürfte für den CSU-Haufen alsbald von existenzieller Bedeutung sein, kommt in ihren Reihen nicht schnellsten wieder Ruhe hinein.
FJS hätte wie Rumpelstilzchen getobt und ausgekeilt, das war ja einst seine Spezialität. Dabei machte er keine Unterschiede. Er schlug von links nach rechts und zurück. Bernd Neumann, der Ex-CDU-Vorsitzende in Bremen, war der kleinste Häuptling eines Zwerg-Pygmäenstammes. Bernt Engelmann, den hervorragenden Schriftsteller,titulierte er als " Ratte " und " Schmeißfliege ". Den CDU - Ex-Kanzler und einstigen Parteivorsitzenden qualifizierte er als " total unfähig " ab.

Strauß wäre nicht Strauß hätte er selbst nicht genug Gras gefressen, bevor er ins Selbige biss. Das die Bazis ihn nun ehren und eine mit viel Brimborium aufgeblasene Gedächnisfeier im katholiken Dom veranstalteten macht nur überdeutlich: Wer kriminell war, kommt zu was, war des CSU-Parteibuch inne hat, darf fast Alles, wer von oben nach unten durchtritt hat Erfolg!
Die Erinnerung ist eine barmherzige Gabe der Natur, die es den Menschen ermöglicht, die Vergangeheit auch dann noch in rosigen Zügen zu sehen, wenn er selbst sein Leben nur Scheiße gemacht hat.
Es lebe FJS, die CSU-Ignoranz und die künftige Koalition in München.