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Donnerstag, 28. August 2008

Und noch mehr Erinnerungen: Was war eigentlich am 16. und 28. 08. sowie 08.12. vor zwanzig Jahren?




Wenn die Medien sich selbst persiflieren wollen,dann haben sie heute mehr denn je dazu reichlich Gelegenheiten. Einst war die Anzahl der Nachrichtenanbieter und Formatproduzenten sehr überschaubar. Es gab die öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkprogramme und die privaten Printmedien. Dazu zählten: die Erzeugnisse aus den Häusern Burda,Bauer,Springer,die eine Vielzahl an Tageszeitungen und Wochendruckerzeugnissen heraus gaben. Dann gab es die kleineren Verlagshäuser und der "SPIEGEL" sowie den "Stern" als Nachrichtenmagazin. Es gab die Unzahl an Regionalblättern und alternative Druckerzeugnisse. Bereits damals, nämlich vor 20 Jahren ein Sammelsurium von Namen, Verlegern und Printerzeugnissen. Heute, im Jahre 2008 ist die Zahl der Medien unuüberschaubarer geworden. So verwundert es nicht weiter, dass der Konzentrationsprozess hier nie gekannte Ausmaße angenommen hat. Die Vielfalt schwindet, der Einheitbrei nimmt zu. Die Qualität ist damit oft auf ein unteres Niveau abgesunken. Dieses war allerdings auch im Jahre 1988 so.
Hierzu können zwei - unrühmliche - Ereignisse aus dem August jenes Jahres heraus gestrichen werden, die nicht nur bundesweit, sondern europaweit, für viel Aufsehens sorgten.

Es war der 20. 08. 1988 als ich von einem Banküberfall in Gladbeck, einer Stadt in Nordrhein-Westfalen durch die Nachrichten erfuhr. Die Hansawelle von Radio Bremen brachten diese Meldung irgendwann in den Vormittagsstunden. Zunächst ignorierte ich dieses Ereignis,dass nicht nur sehr weit von Bremen weg war,sondern mich auch nicht sonderlich interessierte. ich hatte damals andere Sorgen und Probleme. Als freiberuflicher Rechtsanwalt musste ich ums überleben kämpfen. Die Mandate waren nicht so üppig gesät und erbrachten darüber hinaus wenig Geld. Ich hatte gerade eine private Krise und suchte eher nach Orientierung, denn nach Sensationsmeldungen. So bekam ich erst von den Ereignissen etwas mit, als sie in der Tagesschau gezeigt wurden.

Zwei Räuber hatten eines Bankfiliale in Gladbeck überfallen und nahmen dabei eine Geisel. Die weiteren Ereignisse wurden danach viele Male rekonstruiert. Zunächst durch den späteren Prozess gegen die drei beteiligten Straftäter, später durch eine Dokumentation, einen Fernsehfilm und innerhalb eines Theaterstücks. Bis zur Beendigung der Irrfahrt mit den beiden später genommenen Geiseln aus Bremen, starben ein junger Italiener in dem gekarperten Linienbus und die Geisel Silke B. aus Bremen. Das Fluchtfahrzeug wurde auf der A3 bei Bad Honnef in Richtung Frankfurt von der Polizei gerammt, der anschließende Schusswechsel führte zum Tod der Silke B. durch Schüsse aus der Waffe des Täters D.
Als eine Dokumentation der ARD und ein Interview mit der zweiten Geisel Ines V. durch Radio Bremen die Ereignisse aufwärmten, war mir klar, dass auch das unverschämte Auftreten der Journalie in Köln und während der gesamten Aktion zur Sprache kam. Nur es blieb bei kleinen Randnotizen. Die Reporter der Boulevardzeitungen wurden nicht kritisiert, denn es waren ja Kollegen.

Es zeigte sich aber auch, dass jene unkritische Reflexion auf das damalige Geschehen nicht nur Methode hat, sondern eigentlich genau jenem Verhalten entspricht, dass im Verlaufe der vielen Jahre nach Gladbeck, nach dem 16. - 18. August 1988, noch gesteigert wurde. Die Medien sind heute über 365 Tage rund um die Uhr präsent. Die Jagd nach der Sensation, dem tollen Foto, der bahnbrechenden Story, sie ist allgegenwärtig. Nicht nur durch Gladbeck, sondern durch die Sensationgier und den Voyeurismus der Gesellschaft, die sich am Elend, dem Leid und dem Tod der anderen Mitmenschen auch noch ergötzt. Gladbeck ist nur ein Beispiel dafür, was ein ungezügelter Gossen-Journalismus zu leisten im Stande ist. Gladbeck ist sehr lange her, der Schoss aus dem der
Albtraum von Berichterstattung entfleuchte bleibt jedoch weiter fruchtbar.
Er wird nämlich seit vielen Jahren durch die Verblödungssendungen durch Privatsender - wenn auch in sehr verfeinerter Form - weiter geführt.

Jetzt, 20 Jahre später, wird vorsichtig nachgefragt: Was ist aus der zweiten Geisel Ines V. geworden? Einst war sie in einem Bremer Zoofachgeschäft im Steintor als Verkäuferin tätig. Ines V. war längst verheiratet gewesen, lebt unter anderem Namen weiter in Bremen und gibt sich in den Interviews zu den damaligen Ereignissen eher wortkarg. Warum soll sie auch - nach 20 Jahren - die alten Narben wieder aufreissen? Die Berichterstattung in den Öffentlich-Rechtlichen zeigt sich denn seriös. Sie ist als Hommage zu bewerten, an die Opfer des Mörder-Duos und als intensive Mahnung zu verstehen. Als schallende Ohrfeige an die einstigen Kollegen und Kolleginnen, die den Boulevard so gezeigt haben, wie er nun einmal ist: Menschen verachtend!

Die Gazetten hatten sich kaum von der Gladbecker-Berichterstattung erholt, da rauchte es - im wahrsten Sinne des Wortes - 350 Kilometer südlicher - im rheinland-pfälzischen Ort Ramstein. Am 28. August 1988 kamen bei einem Unglück auf der Air Force - Basis 70 Menschen um. Annähernd 1000 Besucher oder Anwesende wurden verletzt. Während eines Schauflugs einer italienischen Staffel gerieten drei Maschinen aus der Gruppe durch einen Navigations-und Pilotenfehler aneinander. Sie stürzten sofort ab und verursachten ein Inferno. Eine Feuerwalze aus Flugbenzin und zerborstenen Flugzeugteilen schoss über den Boden. Die dort aufhältigen Menschen wurden teilweise bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Es es enstand ein Chaos, dass vorallem durch die amerikanischen Militär verantwortlichen verstärkt wurde, die unkoordinierte Rettungsmaßnahmen befahlen und vollzogen. Notwendige Informationen wurden an die einheimischen Einsatzkräfte nicht weiter gegeben, weil die US-Offiziere befürchteten, sie könnten zur Spionagetätigkeit verwandt werden. Hinzu kam ein mehr als arrogantes und nationalistisch eingefärbtes Auftreten der Militärs.

Mehr als 20 Jahre danach warten viele Verletzte immer noch auf eine materielle Entschädigung durch die USA-Militärbehörde bzw. die NATO. Eine Reihe der einst Schwerverletzten ist mittlerweile verstorben, andere sind längst arbeitsunfähig, oft psychisch gebrochen und von ständig wiederkehrenden Traumata gezeichnet. Die Hilfsbereitschaft der US-Militärs hielt sich somit in engen Grenzen. Möglicherweise lag oder liegt esdarn, dass das Unglück nicht durch eigene Soldaten verursacht wurde. Die Betroffenen werden eine solche Ausrede nicht hinnehmen, denn ihr Leid ist nicht zu entschuldigen. Andererseits muss sich ein kritischer Betrachter fragen,warum es mehrere hunderttausend Besucher zu einer Kriegswaffenschau hinzieht? Neugier? Voyeurismus? Militarismus? Egal, welchen Grund diese Menschen gehabt haben, es gilt auch für andere riskobeladene Veranstaltungen: Wer sich in Gefahr begibt, der kann darin umkommen!
Wie wahr!

Ein ähnliches Flugzeugunglück geschah dann am 8. Dezember im nordrhein-westfälischen Remscheid. Einer Stadt zwischen Wuppertal und Köln. In den Morgenstunden raste ein Kampfjet der US Air Force in eine Häuserzeile des Stadtteils Hasten. Der Pilot steuerte seine Maschine direkt in ein Wohnhaus, das vollständig zerstört wurde, ehe sie auf einem nahe gelegenen Firmengelände zerschellte. Bei diesem Unglück kamen fünf Menschen ums Leben, fünfzig weitere Anwohner wurden teilweise schwer verletzt. Der amerikanische Pilot hatte wegen eines Flugfehlers die Kontolle über seine mit Spezial-Flugbenzin betankte Jagdmaschine verloren und stürzte mit ihr in das Wohngebiet. das es nicht noch mehr Tote hierbei gab, grenzt eher an ein Wunder. Vorallem auch deshab, weil die US-Militärbehörden den Vorgang sofort zur Geheimsach einstuften und keinerlei Informationen über die Umstände des Flugzeugabsturzes bekannt gegeben werden durften. Im Dezember 1988 wurde immer noch Krieg gespielt,obwohl die UdSSR bereits eine neue Führung hatte und die Schlagworte " Glasnost" und "Perestroika" in aller Munde waren. Mikael Gorbatschow hatte die Weichen auf Entspannung gestellt - die USA wollten es wohl nicht erkennen. So raste ein Pilot in eine Häuserzeile und verursachte eine Katastrophe.

20 Jahre später brachte der WDR eine Rückschau auf dieses Ereignis und stellte in dem Bericht fest,dass es nicht nur 5 Tote gegeben hatte,sondern in der Folgezeit einige Menschen an unerklärlichen Krebserkrankungen verstarben. Viele sind noch heute krank und leiden an diversen Körperschäden. So auch der einst ermittelnde OStA, der an einer ungewöhnlichen Form des Hautkrebses laboriert.
Die Maschine soll zwar nicht - wie zunächst befürchtet - mit urbanangereicherten Material bewaffnet gewesen sein, jedoch hatte sie eine Spezialtreibstoff getankt,der inzwischen als äußerst agressiv und hochgradig krebserregend gilt.

Wie schon in vielen Fällen zuvor und danach zeigte sich die USA bei derartigen Unglücken als sehr unkoperativ und wollte Informationen verschleiern. So, wie es bei Kriegen der Vereinigten Staaten schon immer Gang und gebe war - ein schöner Partner!

Mittwoch, 20. August 2008

Was war denn eigentlich am 21. August vor 40 Jahren? - Die Welt hat sich nicht verändert!

Als ich am 21. August vor vier Jahrzehnten während einer Klassenfahrt auf der Insel Wangerooge morgens beim gemeinsamen Essen fassen von dem Einmarsch der Warschauer Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei erfuhr, konnte ich mit dem pathetischen Gefasel des hierüber berichtenden Volksschullehrer Gehrmann nichts anfangen." Wovon redet der eigentlich? ", werde ich wohl einst - im zarten Alter von 15 Jahren - gedacht haben. Wer ist denn eigentlich Alexander Dubczek? Wer Ludvik Svoboda? Oder wer war Oldrich Cernik? Auch die vielen übrigen Namen, die in der Folgezeit im Zusammenhang mit den Ereignissen vor,während und nach dem so genannten "Prager Frühling" über einen sehr langen Zeitraum in den BRD-Medien herum spukten, sie sagten mir damals überhaupt nichts. Wo war denn eigentlich die Tschechoslowakei? Wer waren den die Tschechen und Slowaken? Wieviele Einwohner hat denn dieses Land und wie heißt die Hauptstadt? Alles Fragen, die ich mir damals nie gestellt haben; nicht stellen konnte und auch nicht nachfragen durfte. Nach der Propaganda der westdeutschen Verantwortlichen war alles, was aus dem so genannten Osten kam eh schlecht.

So plapperte denn Gehrmann genau dieses ideologisch vorgeprägte Statement zu den Ereignissen im August des Jahres 1968 herunter. Es war von einem völkerrechtswidrigen Einmarsch der Sowjetunion und ihrer Verbündeten in die Tschechei die Rede, von NATO-Alarmbereitschaft und von amerikanischen Truppentransporten in Europa die Rede. Viele Begrifflichkeiten waren mir unisono so fremd, wie eine regelmässige Taschengeldzahlung. Ich kann mich somit nur daran erinnern, dass ein "Duplo" am Insel-Kiosk 10 Pfennig gekostet hat und ich mit meinen "lumpigen" fünf Mark Fahrtgeld nicht einmal die erste Aufenthaltswoche bestreiten konnte. Das waren meine existenziellen Probleme. Was ging mich der Einmarsch in die Tschechoslowakei an?

Die Klassenfahrt endete an einem Freitag der Folgewoche. Damit waren auch die verlängerten Sommerferien vorbei, die einst vom 1. Juli bis zum 14. August andauerten;und zwar bundesweit. Das waren die Dinge, die mich in meiner Restschulzeit noch interessierten. Was hatte ich mit den Tschechen und Slowaken zu tun? In den vielen,vielen Jahren danach wurden immer wieder Namen und Begriffe aus der Tschechoslowakei über die Medien in die Öffentlichkeit posaunt. Wenn die tschechische Eishockey-Nationalmannschaft gegen die übermächtigen "Sputniks" aus der Sowjetunion bei Turnieren anzutreten hatten, war fast das gesamte westdeutsche Volk plötzlich Eishockey begeistert und drückte den Tschechen die Daumen. Einseitige, pöbelnde Kommentare aus den Mündern der Rundfunk - und Fernsehkommentatoren standen auf der Tagesordnung. Pfiffe gegen das " Tscheibu,tscheibu,tscheibu "-Gesinge der sowjetischen Zuschauer und ein trotziges ,monotones" Totoro,totoro,totoro!"- Gebrülle waren ein nicht mehr wegzudenkendes Ritual. So ging es Jahr für Jahr - bis Gorbatschow kam und dem maroden System ein schleichendes Ende bereitete.

Mittlerweile sind 40 Jahre vergangen,seit die Meldung von dem Einmarsch der Militärverbände des Warschauer Paktes in die einstige Tschechoslowakei über die Nachrichtenticker lief. Die Welt hat sich völlig verändert. Hat sie es wirklich?
Was das menschliche Zusammenleben betrifft, was die Umwelt, die Technik und die politischen Konstellationen betrifft - sicherlich. Was die Konsequenzen aus den geschichtlichen Abfolgen in den Spätsechzigern in der Tschechoslowakei für die größten Ländern der Erde betrifft - keineswegs.

Die USA haben Krieg gegen Vientnam, gegen Grenada,gegen den Iran,gegen Afghanistan,den Irak geführt. Sie waren an Putschen in Chile,Argentinien und weiteren Ländern beteiligt. Sie unterstützen Diktaturen in einigen weiteren Staaten dieser Erde, soweit sie sich hiervon wirtschaftliche Vorteile versprechen.
Die UdSSR gibt es nicht mehr. Auch sie hat über Kriege, wie den in Angola, Afghanistan, per Waffenlieferungen an ihr wohl gesonnene Staaten, aktiv an Mord und Elend teilgenommen.
Sie hat einen grotesken Grenzkrieg gegen China am Amur in Ostsibirien geführt. Sie ist weder in der Lage, noch daran interessiert, ein friedliches Miteinander der Völker zu fördern. Jetzt spricht die Macht des Geldes, nicht die der Partei.

Vierzig Jahre später muss ich feststellen, dass die Lernfähigkeit vieler Menschen sich auf jene Größe reduziert, die bereits als Urtrieb des Menschen zum Überleben in der gefährlichen Steinzeit wichtig war: das Jagen und Sammeln! Heute sind es materielle Statussymbole und selbstbefriedigende Funktionen innerhalb eines gut funktionierenden Apparates, der diesen Urinstinkt weiterleben lässt. Der " Prager Frühling " wurde so benannt, weil es eine angebliche Tauwetterperiode innerhalb der ansonsten versteinerten Partei und des Staatswesens gegeben haben soll. Frühling deshalb, weil dieser als eine neue Jahreszeit,die dann in einem Gegensatz zu der bisherigen stehen soll,einläutet - den Sommer. Hiernach folgt jedoch der Herbst und bekanntlich der erneute Winter.
Aber auch diese Jahreszeiten haben ihre guten Seiten, solange keine Kriege geführt werden! Wenn der " Prager Frühling " den Niedergang der Staaten des real existierenden Sozialismus eingeläutet haben sollte, dann wäre die einst auf jener ideologischen Basis fußende Gesellschaftsordnung eigentlich nicht mehr existent. Somit hätt das Gute über das Böse, der Westen über den Osten, die USA über die Sowjetunion gesiegt. Die Welt verläuft aber niemals unter derartig einfachen Mechanismen ab. Mit dem Untergang des Ostblocks verfiel auch die einstige Hegmoniemacht UdSSR mitsamt ihren repressiven Strukturen. Der Ostmensch war nun frei. Ungezügelt gab er sich dem Konsum hin, solange er es finanziell konnte. Fast 20 Jahre später tritt nicht nur eine Ernüchterung ein, sondern jene Verwerfungen zwischen Arm und Reich haben ein nie gekanntes Ausmaß angenommen. Die globalisierte Finanzkrise klopft nun an allen Türen und fordert ihren Tribut. Ob nun im Westen oder Osten, alle Geprellten werden zur Kasse gebeten.

Die " winds of change " sind verweht.Statt ihrer ist ein Orkan aufgezogen und mit ihm ein Tsunami.Sie beide haben eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. Wenn der Frühling vergeht, der Sommer verblüht, folgt der Herbst und mit ihm seine Stürme.

Dienstag, 19. August 2008

Das tödliche Ende eines Diskotheken-Besuchs, oder wie gefährlich sind nächtliche Alleingänge in dr BRD?

Es war wieder einmal eine Nachricht in der Frühsendung von MDR Info, die mich am 19.08.2008 hellhörig machte. Ein junger Mann war in den frühen Morgenstunden des 17.08. in einem Straßengraben in der Nähe einer Magdeburger Diskothek tot aufgefunden worden. Ansich wäre es eine jener Meldungen, die unter der Rubrik " Der alltägliche Wahnsinn " ab geheftet werden könnte. Nur in diesem Fall sind einige Tatumstände zu beachten,die nicht auf eine übliche Flat-rate-Sauforgie rückschliessen lassen. Hier geht es um Gewalt. Genauer gesagt, um rechte Gewalt. Ein einschlägig vorbestrafter Mann aus dem angeblich rechtsradikalen Spektrum der Stadt, der zuvor eine zweijährige Haftstrafe verbüßt hatte, wurde als Tatverdächtiger festgenommen.

Nun wären auch diese Besonderheiten nicht erwähnenswert, wäre es nicht jene Gesamtschau, die dem Rezipienten dieser Meldung mehr als nur nachdenklich stimmen.
Da wird ein junger Mann, ein Student aus Magdeburg, von einem in etwa Gleichaltrigen totgeschlagen. Warum? Ich könnte jetzt die wildesten Spekulationen anstellen. Sie würden alle auf ein Ergebnis hinauslaufen: dieses Gesellschaft ist krank! Sie ist krank, weil es eine zunehmende Zahl von Menschen - nicht nur Jugendliche gibt, die keinerlei Achtung mehr vor dem Mitmenschen haben. Für jene Gestrandeten gibt es keine Werte, keine Lebensinhalte,keine Perspektiven.

Ohne die genauen Tatumstände zu kennen, behaupte ich folgenden Täter zu identifizieren: Groß geworden bei der Mutter oder in einem Heim, keinen Schulabschluss, keine Arbeit, eine bereits in jungen Jahren begonnene kriminelle Karriere, keine Resozalisierungschancen und ein verblendeter Mitläufer einer Lebensideologie, die den eigenen Frust und die Unfähigkeit an dem sinnlosen Leben etwas zu ändern, in Gewalt gegenüber anderen Menschen oder Sachen zum Ausdruck bringen lässt. Die neo-faschistische Ideologie ist keine, sie basiert auf dem Prinzip, dass eine Abgehängter auf zum Gewinner werden kann. Dann nämlich, wenn er einen anderen Menschen toschlägt und dafür weggesperrt wird,damit er wieder einen geregelten Tagesablauf erhält. Traurig!


Tatverdächtiger aus rechter Szene festgenommen MDR.DE

Freitag, 15. August 2008

Das Ruhrgebiet, schreibt es eigene Geschichten? Oder:Wie der Phoenix aus der Asche und sonstige Schildbürger-Streiche in Dortmund

Eine Sendung aus der Reihe " Bilderbuch Deutschland " am 14. August diesen Jahres über die Stadt Dortmund machte mich sehr nachdenklich. Exemplarisch wurde anhand des Niedergangs der ehemaligen "Hoesch"-Anlagen aufgezeigt,mit welcher Intensität sich der Strukturwandel - bedingt durch die Globalisierung - seit vielen Jahren in der Stadt Dortmund und dem gesamten "Ruhrgebiet" bemerkbar gemacht hat. Wo vor unzähligen Jahren die Kohlegruben,die Zechenanlagen, die Stahlwerke mit ihren Hochöfen und die ihnen angegliederten Verarbeitungindustrien Platz hielten, stehen heute nur noch Brachen. Ruinen,die das Flair längst vergangene Hochkonjunktur verbreitet haben - sie sind heute abgetakelte Gelände, Gebäude, Werke, Anlagen. Eisen und Stahl, Kohle und Koks,Malocher und Bier haben sich auf Nimmerwiedersehen verabschiedet. Was bleibt sind Erinnerungen, Wehmut und Verbitterung, die aus den Schilderungen der Rentner-Generationen herauszuhören sind. Damals,ja damals, dat war noch wat.

Seit sehr vielen Jahren hat sich der Strukturwandel im einstigen Kohle-Stahl-Schmelztiegel Deutschlands mit voller Wucht durchgesetzt. Aus den vielen Städten, deren Luft vor 50 Jahren noch so schlecht war, wie in einer verqualmten Pinte,sind Armenhäuser geworden. Die Bevölkerung schrumpft, die Jungen ziehen weg,die Alten bleiben, die Stadt, die Region,das Land vergreist. So, wie überall in der BRD und in großen Teilen Europas. Dortmund, dass war einst nicht nur Kohle und Stahl,sondern auch Malocher-Fußball, dass war der BVB, nicht nur mit Lothar Emmerich, Siggi Held oder " Stan " Libuda, dass war Westfalen schlechthin, dass war die Eingangstür zum " Pütt ", woll!

Wer heute durch die Stadt geht, fährt, streift, der sieht an unzähligen Orten den Verfall. Der bemerkt die schleichende Lethargie, mit der sich die Einwohner ihrem Schicksal fügen. Der erkennt, dass nichts in unserem Leben, im Leben der Dortmunder, von Dauer sein kann. Längst sind die Visionäre aus den vergangenen Tagen eisgrau, sind alt, sind gebrechlich geworden. So, wie Lothar Emmerich an Lungenkrebs verstarb, so stirbt die Stadt einen langsamen, einen unaufhaltbaren Tod. Da nutzt auch kein verwaltungsfachtechnisches Chinesisch, das da aus dem Munde des Oberbürgermeisters entfleucht, da helfen auch keine visionäre Schönfärbereien rund um die Planungen zur Ansiedlung von Industrie und Gewerbe, da bringen auch keine Trainerwechsel beim BVB das erhoffte positive Ergebnis - der Umschwung kommt nicht! Er geht nicht einmal an Dortmund vorbei! Er beachtet diese Stadt kaum, denn es gibt attraktivere Ansiedlungplätze.

Dortmund schläft, Dortmund trinkt kaum noch Bier und Dortmund malocht keinen Fußball mehr. Dortmund ist austauschbar mit Essen, Duisburg,Bochum,Bottrop, Gelsenkirchen,Oberhausen. So verklärt der gezeigte Bericht denn auch nicht die " guten " alten Zeiten, weil es hier nichts zu verklären gibt. Er zieht nüchtern Bilanz, er befragt unprätentiös die Protagonisten von einst und heute, er zerreibt argumentativ die blau-äugigen Pläne einer Hochpreis-Ansiedlung rund um das ehemalige Hoesch-Werksgelände. Um jene Industriebrache, die neben den Kontanimierungsproblemen, den statistischen Fakten und empirischen Erhebungen, vorallem eine Glaubwürdigkeitproblem lösen muss. Wer hat nun den fahrenden Zug verpasst? Die Politik, die Wirtschaft, der Dortmunder selbst?

Der Filmbericht konnte, ja er wollte, diese Fragen nicht beantworten. Dazu war er allerdings auch zu eindeutig; in seinen Aussagen, den Bildern, den historischen Abhandlungen rund um Hoesch und die Dortmunder Union Brauerei.

Donnerstag, 14. August 2008

Abgesang einer Institution namens Zentral Vergabestelle für Studienplätze ( ZVS ) oder folgt der notwendige Neubeginn?

Als ich heute morgen den Nachrichtenblock über den - zwangsweise- eingestellten Sender MDR Info zu Ohren bekam, machte mich eine Meldung eher melancholisch,denn wütend: Der ZVS in Dortmund soll erneut durch eine Reformierung mehr Leben eingeimpft werden! Wie bitte? Zunächst dachte ich,dass dieses Monstrum längst zur Vergangenheit gehört,denn die einzelnen Bundesländer (BL ) haben unisono für die meisten Studienfächer im Wege Selbstverwaltung über individuelle Vergabemodalitäten an die Bewerber verteilt. Nach einer kurzen Recherche konnte ich jedoch feststellen,dass dieses nicht für Studiengänge, wie Humanmedizin, Zahnmedizin, Biologie, Psychologie etc. gilt. Also lebt die ZVS immer noch? Ja, sie lebtnoch! Wenn auch auf einem bescheideren Niveau. Immerhin müssen in Dortmund jährlich mehr als 120.000 Bewerbungen bearbeitet werden. Immerhin!

Ich wollte es nun wirklich wissen, was sich hinter dieser Meldung verbirgt und loggte mich auf der Homepage vom MDR ein. Siehe da, es hat tatsächlich einen realen Grund gegeben,warum einige Stimmen erhoben werden,die der ZVS nun wieder neue Kompetenzen zuordnen möchten.
Durch die Mehrfachbewerbungen vieler Studieninteressenten, kommt es bei einigen Hochschulen zu einem enormen Bearbeitungstau und einem kaum zu bewältigenden Ansturm auf bestimmte Fächer. Dieses gilt zum Beispiel auch für BWL und Jura. Aja?
Einige - allerdings nur unter den Bewerbern - beliebte Studienorte werden förmlich überrannt; andere bleiben von dem Ansturm vor Semesterbeginn nahezu verschont. So war diese Entwicklung zwar immer schon,dennoch gibt es augenscheinlich ein Gefälle zwischen Stadt und Stadt sowie BL zu BL oder Studienfach zu Studienfach. Weiterhin zwischen AL und NL innerhalb der BLs! Aha!

Wie auch immer, das einst, nämlich am 02. 05. 1973 Verwaltungsmonstrum sollte ja die Vergabe von Studienplätzen vereinfachen, übersichtlicher gestalten und gerechter regeln. Als ich im Frühsommer 1976 mich für einen BWL-Studienplatz beworben hatte, erhielt ich zunächs nur Absagen. Bielefeld, dass war für mich ortsnah, Hannover,das hatte für mich aller erste Präferenz oder auch Osnabrück, da wäre ich notgedrungen auch hingegangen, sie alle waren überlastet. damals schon! Oder war Wilhelmshaven nicht doch eine sinnvolle Alternative. Wie auch immer, ich schon zunächst Frust. Kein Studienplatz, das bedeutete für mich: Weiter in der Glasfabrik am Band arbeiten. Weiter drei Schichten fahren, Samstag und Sonntag zu Maloche müssen. Ich habe diese Arbeit gehasst, wie die Pest. Ich wurde dazu getrieben, ja gezwungen, weil meine Eltern der Auffassung waren, dass mein Bruder und ich gefälligst arbeiten sollten, damit wir Geld hätten und ihnen nicht auf der Tasche lägen. So einfach war die damalige Denkweise.

Nun, zunächst kam im September eine Studienplatzzusage von Wilhelmshaven,dann - einige Tage später - eine aus Osnabrück,dann aus Bielefeld und auch noch aus Hannover. So durfte ich mich denn entscheiden, zwischen all meinen Lieblingsorten und ging - in die Provinz nach Wilhelmshaven. Dass ich es dort nur knapp 2 Jahre aushielt, steht auf einem anderen Blatt. Was war das für eine lange Zeit zwischen dem Einreichen der Bewerbungsunterlage bei der ZVS. Da diese bis zum 15. September eines jeden Monats dort eingegangen sein mussten, gab es Tage zuvor ständige Hinweise auf jenes Datum über meinen Lieblingssender, dem WDR, auf fast allen Programmen und nahezu in sämtlichen Nachrichtensendungen. Dennoch entstanden am 15. September lange Schlangen vor dem Briefkasten der ZVS in Dortmund. Einige Bewerber benötigten wohl den gewissen Nervenkitzel! 24.00 Uhr war dann endgültig Schluss! Die Einwurfklappe des Briefkasten nahm dann nur noch Schriftstücke für den 16. September an, denn eine elektronisch gesteuerte, aber noch mechanische Sperre verschloss das Behältnis für den Kasten des 15. per Zeitschaltuhr. Noch primitiv, aber wirksam!

Dann folgte das lange Warten für alle Bewerber. Viele Ängste, ja Tränen, sogar Dramen oder familiäre Tragödien spielten sich ab. Rund um die Studienpaltzbewerbung, die ZVS und die Vergabemodalitäten. In den Jahren zuvor und vorallem danach wurden ganze Brigaden von Rechtsanwälten beauftragt, gegen die ZVS zu klagen, gegen den Vergabemodus, die Berechnung der Plätze, das Bonus-Malus-System. Eine Wissenschaft für sich, wer einst die Informationsbroschüren und die unzähligen Formulare sowie erläuternden Beiblätter lesen musste, benötigt viel Zeit, Intelligenz und Ruhe! Dank der elektronischen Vergabeformulare, die via Internet aufgerufen, ausgefüllt und abgesandt werden können, ist dieses heutzutage nicht mehr ganz so dramatisch. Aber immer noch spannend!

Die ZVS hat mich danach nicht mehr begleitet, denn ich durfte den Studienortwechsel direkt über die HfW in Bremen vornehmen. Dann das Jura-Studium als Zweitstudium in Folge auch. Ohne dieses Monstrum in Dortmund. Einerseits war es eine Erleichterung, andererseits würde ich es mir für heute wieder als zwingenden Schritt für die ungezählten Bewerber wünschen, die - oft orientierungslos wirkend - sich an dutzenden von Hochschulen melden, dort die Verwaltung blockieren und schlussendlich sich nicht einschreiben,weil sie einen vermeintlich attraktiveren Studienplatz, in einem - meist heimischen - Umfeld erhalten haben. Je mehr Bewerber sich jedoch so verhalten, desto schwieriger wird die Vergabepraxis. Sie wird aufwendiger, undurchsichtiger und ungerechter.
Ergo: es lebe die gute, die alte ZVS in Dortmund!

Dienstag, 5. August 2008

Schlaflos im August? Wenn müde Männer munter werden, und das TV-Programm keine Alternative dazu bietet.

Es gibt einige Monate, die haben nicht immer ihre guten Seiten, so wie einige Jahre eher möglichst schnell in die Annalen des eigenen Lebens abgelegt werden sollten. Die Sommermonate Juli und August gehören zu den Zwittern, denn während der Hochsommer - im Idealfall - uns bei Hochtemperaturen von 30 Grad und mehr ordentlich schwitzen lässt, sind gerade diese Jahresabschnitte nahezu prädestiniert, um die menschlichen Bedürfnisse nach Friede, Feier & Festivität vollumfänglich zu befriedigen. Wenn die Abende noch warm bis heiß sind, die Nächte so lau bleiben,dass ein Sitzen im Garten, auf der Terrasse oder dem Balkon bis weit nach Mitternacht möglich scheint,kommt auch eine Spezies aus der Höhle des eigenen Daseins,um den Mitmenschen zu zeigen,dass er auch noch lebt. So geschah es auch in diesem Jahr.


Die zweite Augustwoche,genauer gesagt: der 8. bis 10.08.2008 waren eben Tage,an denen sich die Volksseele richtig ausleben durfte. Das alljährliche Fest, das Sommerfest des Kleingärtenvereins, der sein Domizil nur weniger 100 Meter von dem Wohnhaus entfernt unterhält, er hatte zu diesem Großereignis geladen. So, wie in den vielen Jahren zuvor. Am Freitagabend begann denn - bei eher mäßigen Wetter - die Radauszenerie, ihre volle Blüte zu entwickeln. Da wurde Musik vom aller feinsten gespielt: Die Oberkrainer, die Egerländer, Heino, Roy Black, Heintje, Marainne Rosenberg,Abba, die Bee Gees usw. und so fort. Es dröhnten die Laustprecher bis nach Mitternacht. Es gröhlten die betrunkenen Kleingärrtner nebst ihren Gästen bis zum Morgengrauen - grauenhaft.


Der folgende Samstag erbrachte dann auch keine weitere Linderung. Musikgerummse bis zum frühen Morgen. So zog es denn auch die Nachbarn hinaus auf den kleinen Hügel, dort wo die Mäuse tanzten und die Puppen schunkelten. Frustriert kamen sie nach etwas mehr als einer Stunde zurück. " es ist nicht zum aushalten!", so lautete ihre einhellige Meinung. Aja, was war nicht zum aushalten? Die Musik oder die Besoffenen oder sogar Beides? Schlimm gestaltete sich auch die Moderation zu jenen sinnfreien Unterhaltsmarathon. Ein geschäumtes Bier zwischendurch hätte diese eben nicht erträglicher gestaltet. Irgendwann gegen 0.00 Uhr machte sich dann der hoch betagte DJ aus dem Staube. " Time to say goodbye!", dröhte es aus Lautprechern. Na endlich!


Zwischenzeitlich hatten wir uns am TV-Programm verlustiert. Ein Mix aus unzähligen Wiederholungen und verblödenden Privat - Anbieter-Kost. Schlimm, schlimmer, am schlimmsten? Immerhin gab´s denn auch noch etwas zu lachen: ein subalterndes Ehepaar trällerte auf dem Propagandasender "K TV " ( Kirchenfernsehen ) ihre eigens dafür mitgebrachten Lieder, eine Geplärre, das nur noch durch die idiotischen Texte, die zudem noch vom Blatt abgelesen wurden, getoppt werden konnten. Junge,junge, eine Qualität, wie ich sie nur zu Beginn der Fernsehhistorie her kenne. Wenn die Privaten einen auf Sendezeit bei mir haben sollten, dann verlange ich postum Schmerzensgeld für diese Dauerbelästigung.

Auch wenn die Hochsommermonate Juli und August eben sehr viel Sonnenschein und laue Nächte im Freien versprechen, so bedeuten sie nicht in jedem Fall eine Erholung für die gestresste Seele; dann nicht, wenn das zwangsfinanzierte TV-Programm in Verbindung mit den Werbung plärrenden Privatsendern ein Wiederholungsfestival starten und produzierte Krach aus den Nachbargrundstücken das Schlafen zur Qual werden lässt. Schlaflos im August - alle Jahre wieder?

Das Ende eines Traums oder wer hoch hinauf steigen will, der kann sehr schnell tief fallen!







Es war eher dem Zufall geschuldet, als ich heute über mehrere Links auf die Internetseiten des " Mindener Tageblatt " gelangte. Die Präsenz einer lokalen Zeitung mit einem bescheidenen Rezipientenkreis ist eher beschaulich und - das ergibt sich bereits aus dem Selbstverständnis einer Regionaltageszeitung -beschränkt die Sichtweise des Lesers schon bald auf die provinziellen Nachrichten. So auch in diesem Fall, der mir sofort ins Auge sprang.

Es wird von einem Kleinflugzeugabsturz berichtet, dass dort in den Morgenstunden des 19.07.2008 in der Nähe von Wittekindsburg im Wiehengebirge abgestürzt sei. In den Trümmer haben die gerufenen Rettungkräfte die verkohlten Leichname zweier männlicher Personen entdeckt. Schon kurz danach war klar, dass es sich bei den beiden Verunglückten um einen 70jährigen H-N-O-Arzt aus Stade und seinen gleichaltrigen Berufskollegen aus der selben Stadt handelt,die seit einigen Stunden vermisst wurden.

Nun, diese Nachricht stellt insgesamt für die täglichen Horror-und sonstige Negativereignisse eigentlich nichts besonderes dar,dennoch kamen mir nach der Verarbeitung von drei eingestellten Artikeln in dieser Tageszeitung, so einige Gedanken:
Was sucht ein Stader Arzt in den Morgenstunden in seinem privaten Kleinflugzeug bei schlechten Wetter und noch schlechterer,weil nebelig-dunstiger Sichtüber einem Gebiet,dass über 150 Kilometer von seinem Wohnort liegt? Erholung? Wohl kaum! Wollte er etwa einen Besuch abstatten? Oder hatte er eigentlich nur das Bedürfnis aus seinem Umfeld zu fliehen? So, wie es Reinhard Mey in seinem Lied " Über den Wolken " sehr schön beschreibt? Die Recherchen der auf diesen Unglücksfall ansetzten Lokalmatadoren der " Mindener Tageszeitung " hatten denn schon bald ein Motiv für jenen tödlich endenden Flug: Der Pilot war ein so genannter Draufgänger. Er scheute weder das Risiko noch das Abenteuer. Er war - trotz oder gerade wegen - seiner 70 Lebensjahre ein vielleicht noch jung gebliebener?

Vielleicht wollte er es den Anderen noch einmal so richtig zeigen,dass er ein richtiger Mann ist,dass er cojones hat, wie es die Südamerikaner so schön umschreiben. Es kann auch sein,dass er irgendwelchen Ärger, den er privat oder beruflich zu ertragen hatte, einfach entfliehen wollte und mit dem Flug seine vermeintliche Ruhe zu finden glaubte. Was auch immer die näheren Ursachen für diesen "waghalsigen" Flug waren - er Ende mit dem Tod. Zwei 70-jährige sind nichtmehr unter uns. Sie starben dennoch nicht auf einem gewöhnlichen Weg: Es war ein Flugzeugabsturz, ein Unglücksfall, der auf menschliches Versagen zurückzuführen ist. So, wie vor ihnen bereits einige tausend Tode in diesem Jahr verunglückten. Es gibt Tote auf den Straßen, bei der Bahn, in Schwimmbäder und offenen Gewässern ertrinken hunderte von Menschen,in den eigenen Vier Wänden einige Tausend. Was also könnte an diesem Unglück so besonderes sein?

Ich habe während des Lesens der Artikel daran gedacht, dass ich Region sehr gut kenne. Zum einen deshalb, weil ich in Heeßen bei Bad Eilsen, also im nahe belegenen Weserbergland ausgewachsen bin, zum anderen, weil ich in Minden und Umgebung während meiner Jugend - und Sturm - und Drangzeit häufig Diskotheken und Kneipen besucht habe, die zur damaligen Szene gehörten. Das Wiehengebirge ist deshalb ein Teil meiner Herkunft, ein Stück Begleitung auf meinem Lebensweg. Hier sind die Menschen per se bodenständig und traditionell konservativ. Die provinzielle Enge kann nur durch den Besuch einer der entfernter gelegen Großstädte, wie Bielefeld, Münster, Dortmund oder Hannover durchbrochen werden. So klein-kariert die Denkweisen der Bewohner sind, so neugierig ist ihr sonstiges Naturell.  Deshalb habe ich mich nicht gewundert, dass schon kurz nach dem Bekanntwerden des Flugzeugabsturzes ein üblicher " Katastrophentourismus " einsetzte, der die Bergungskräfte bei ihrer Tätigkeit erheblich behinderte. So, wie es bei den " Gaffern " auf den Autobahnen der Fall ist, wenn sich auf der gegenüber liegenden Fahrbahnseiten ein Unfall ereignet hat, bei dem es ordentlich " gerumst " hat. Je mehr Trümmer, je mehr Polizei, Krankenwagen und Feuerwehrautos, desto größer der Spaßfaktor.

Der Provinzpiefke aus dem Umkreis von Minden bildet somit keine Ausnahme,wenn es darum geht, das Leid der Anderen zu sehen und sich daran zu ergötzen. " Boah, hat dat jekracht!", so höre ich die Durchschnittsbewohner noch reden. " Da lagen über hundert Meter weit die Klamotten herum!", wird es weiterhin gehießen haben. Nun ja, wenn sich in dem tristen Alltag, in den langweiligen Stunden des Tages zwischen TV-Dauerglotzen und Abendessen, nichts weiteres spektakuläres ereignen kann, weil das eigene Leben seit tagen, Wochen, Monaten,Jahren,Jahrzehnten - eigentlich seit der Geburt in überschaubaren Bahnen verläuft, dann muss ein armseliger Porta Westfalicaner sofort die Gelegenheit beim Schopfe packen, das Auto anlassen und mit seiner Frau oder sonstiger Begleitung den Unglücksort bevölkern.

Zwei alte Männer sind nun tot, sind verunglückt,sind ohne sich von ihren Angehörigen zu verabschieden, aus dem Leben gegangen. Die Hinterbliebenen werden getrauert haben, die Familie wird nach dem Warum fragen. Die Verarbeitung eines solchen Unglücks ist oft kaum möglich,denn der Schmerz über den Verlust eines Menschen sitzt häufig sehr tief. Diese Reaktion liegt im menschlichen Naturell, sie ist deshalb auch menschlich. Wenngleich ein Außenstehender, so wie ich, sehr wohl die Frage stellen darf: " War das Unglück nicht doch abwendbar?" Der Pilot soll ein Hasardeur gewesen sein. Ist ein Mann, der mitten im Leben stand, der 7 Jahrzehnt bereits hinter sich gebrachthatte, nicht so vernünftig, dass er bei der Einhaltung ihm sehr wohl bekannter Sicherheitsstandards seinen Tod hätte vermeiden können? Ich behaupte deshalb, der Kerl hat den Tod heraus gefordert, er hat mit seinem und dem Leben des Kollegen gespielt und hat beides verloren. Es gibt - gehe ich jetzt nach dem typischen Schubladendenken - eine Reihe von Mitmenschen, deren Charakterzüge sich bereit durch den ausgeübten Sport erkennen lassen. Ein einstiger Tankstellenpächter in Bückeburg, dem Fürstendomizil vergangener Tage, formuliert es einmal so: " Die größten Spinner unter meinen Kunden sind Segelflieger, Golfer, Tennisspieler und Jäger,denn die haben allesamt ein Rad ab!". Wohl wahr, wenn ich den Flugzeugabsturz genauer betrachte.

So wird mir die Berichterstattung in dem " Mindener Tageblatt " für immer in Erinnerung bleiben:



Mindener Tageblatt - Flugzeugabsturz im Wiehengebirge: Pilot laut Polizei waghalsig unterwegs

Freitag, 1. August 2008

Die Tage werden kürzer, die Schatten werden länger,der Sommer verabschiedet sich schleichend im Blumenstrauß.

Wir schreiben den 1. August desJahres 2008. Es ist brütend heiß. Seit mehr als vier Tagen lastet ein schwüles, ja sogar subtropischen Klima über Europa, die BRD und Sachsen. Puuuh! Ein täglicher Gang im Garten, eine notwendige Wasserdusche für die Pflanzen, bringen es an den Tag: Der Sommer hat sich längst zum Winterhalbjahr gedreht,denn die Tage werden kürzer, die Schatten immer länger, die Nächte auch. So wie jeder Jahreszeitliche Zyklus seine Besonderheiten aufweist,so hat der Sommer, der kalendarisch am 21. Juni beginnt und am 21. September sein Ende findet, viele Eigenheiten. Während viele Sträucher, Blumen und Bäume ein sattes Grün oder bunte Blüten zeigen, werden die Nächte merklich kühler. Der Tag hat schließlich über 2 Stunden an die Dunkelheit abgegeben; er verabschiedet sich jetzt schon ab 20.15 Uhr. Jedes zusätzliche Datum bedeutet mindestens 2 bis 3 Minuten längere Dunkelheit. So gewöhne ich mich langsam an die letzten Sommertage, das Ferienende in vielen Bundesländern und im europäischen Ausland und das Zählen der Tage bis - Weihnachten!
Es sind nur noch 114 Tage! Wo ist die Zeit geblieben? 2008 war doch erst vor einigen Monaten ein neues Jahr!

Wenn die Zeiten immer komplizierte werden, erinnere ich mich gerne an die einfacheren Jahre in meinem Leben. Als die Tage immer länger wurden, die Jahre nicht enden wollten, die Spanne bis zur Schuleinführung, bis zum Schulabschluss,bis zum Ausbildungabschluss, dem Ende der verblödenden Bundeswehrzeit, dem Beginn der Maloche in dem einstigen - längst Pleite gegangenen Lehrbetrieb , dem Beginn der Berufsfachschule mit der Hochschulzugangsberechtigung, dem unsinnigen Schichten kloppen in der Glasfabrik,dem Beginn des BWL-Studium, der zwangsweisen Semester-Maloche in den Fabriken, dem Diplomabschluss, der Aufnahme des Jura-Studium, dem Ablegen des Examens,der Berufsausübung usw. usf. Lange,lange,sehr lange ist es her.

Jetzt rauschen die Tage, die Wochen, die Monate, die Jahre, die Dekaden an mir vorbei. Als würden auch die Tage immer kürzer werden und die Nächte immer länger?