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Montag, 17. März 2008

Die Arche nimmt ( fast ) jedes hungrige Kind auf oder: Warum die Gesellschaft den Kindern aus sozial benachteiligten Elternhäusern keine Chance gibt.

Es war ein Sonntagnachmittag im September des letzten Jahres. Zwischen den beiden Fußballsendungen habe ich einfach mal hin und her gezappt. In einem der vielen dritten Programme wurde ein Bericht über ein Projekt in Berlin gesendet, der mich mehr las nur nachdenklich macht. Es wurde die Arbeit in einer - auf privater Initiative basierender - Einrichtung beschrieben, deren Grundgedanke auf Teilen der christlichen Moral - und Wertelehre fußt: Liebe deinen Nächste, wie dich selbst und teile mit ihm. So oder so ähnlich sind wohl die Inhalte des Konzepts von Pastor Bernd Sigelkow zu interpretieren, der in den Zeiten der Auswüchse einer Ellenbogengesellschaft versucht, jenen Abgehängten und ihren Kindern, ein winziges Stück ihrer eigenen Würde zu belassen. es muss - zumindest theoretisch - in diesem, unserem Land, kein Mensch hungern, frieren oder unter Brücken und in Parks schlafen. Die graue Theorie hat jedoch dort ihre Grenzen, wo sie auf die Realität trifft.

Fakt ist: Die angebliche Solidargesellschaft driftet permanent auseinander. Die Unterscheidung in Reich und Arm wird damit immer deutlicher. Es gibt eine kleine Zahl von Einkommens - und Vermögensmillionären, gefolgt von einer breiteren Schicht von Menschen, die wohlhabend sind und etwa 20 % an Mittellosen, deren Leben ständig am Existenzminimum gefügrt werden muss. Hierin befinden sich etwa 3 Millionen Kinder. Nach der Definiton der Gesellschaftswissenschaften ist arm, wer weniger als Einzelner weniger als 60 % des mittleren Einkommens zur Verfügung stehen hat. Das sind derzeit 781,-- € monatlich.

Die Gruppe der Armen stzt sich aus Alleinerziehenden, Hartz IV-Empfängern, Arbeitnehmern, die durch Sozialtransfers zusätzliches Einkommen erhalten und Rentner zusammen. In dieser Gruppe sind vorallem viele Frauen anzutreffen, die aufgrund von Scheidung oder Trennung in eine besonders prekäre Lage geraten sind. Auch wenn die Armut nicht ein spezifisches Unterschichtsproblem darstellt, sind in der Gruppe der Armen, jene Betroffenen häufig vorzufinden, die eine geringe Bildung und ein vorgeprägtes Elternhaus aufweisen.

Bisher wurde die Armut immer noch als ein Problem einer kleinen Gruppe der Gesellschaft abgetan. Inzwischen erreicht sie jedoch breitere Bereich der Gesellschaft.

Diesen Trend hat die private Einrichtung des Pastors Bernd Siggelkow in Berlin längst vorort erfahren müssen. Siggelkow gründete 1995 die erste Einrichtung in Berlin-Marzahn, wo bedürftigen Kindern eine warme Mahlzeit und eine Gelegenheit zum vorübergehenden Aufenthalt anbot. Er arbeitet hier noch persönlich mit und hat seine einstige Idee, den Schwachen, den Bedürftigen und Abgehängten dieser Gesellschaft eine Hilfestellung zuteil kommen zu lassen, sogar noch erweitert. Inzwischen gibt es weitere, ähnliche ausgestattete Einrichtung, wie die Arche.

Wenn es einer Kritik an der Konzeption dieser Einrichtung gibt, dann geht diese in die Richtung der Verursacher jener sozialen Mißstände. Als da wären: Die kapitalistische Wirtschaftordnung, die egoistisch ausgebaute Gesellschaft und ihre Besitzstandswahrer. Erst dann müssen die Eltern jener Kinder, die täglich in der Arche "abgespeist " werden benannt werden; denn dieses sind ja lediglich ein Produkt ihrer so gearteten Umwelt.

Sonntag, 16. März 2008

Die Renten steigen und was kommt dann?

Die Bundesregierung hat beschlossen, die gesetzlichen Altersrenten ab dem 01. 07. 2008 um 1, 1 % zu erhöhen. Dieses geschah außerhalb der eigentlichen Berechnungsmodalitäten, denn die Konjunktur soll mehr als nur zufriedenstellend verlaufen. Immerhin kann jenseits der komplizierten mathematischen Rentenformel, der einzelne Rentner aus dem Pulk jenes Viertel der Gesamtbevölkerung schnell und präzise für sich errechnen, wieviel Geld er ab dem 1. Juli dieses Jahres mehr in der Tasche oder auf seinem Konto hat.
Prima, wird er sich sagen.

Aber das dicke Ende kommt noch. Es muss nicht nur bezahlt werden, sondern es muss erwirtschaftete werden. Und hier beginnen sich die Geister zu scheiden. Die Bezahlgenerationen schreien Zeter und Mordio, weil sie die Zeche angeblich zu zahlen haben. Alt gegen Jung; junge Menschen gegen Rentner prügeln verbal und medial aufgeputzt aufeinander ein. Die "Blöd"-Zeitung tönt und titelt zum Generationenkrieg; die Talk-Runden reden sich mit ihren Protagonisten die Köpfe darüber heiß und die Politik spaltete sich - abseits von Parteizugehörigkeit - in zwei unversöhnliche Lager. Billige Polemik wird mit Fakten-Huberein vermischt und dem jeweils anderen Gegner oder Befürworter jener Rentenerhöhung um die Ohren gehauen.

Nach dem der Rauch sich gelegt hat, die Brüllerei dem Ende zu geht, muss sich der Nichtbeteiligte ernsthaft fragt: " Was soll das?"
Diese Fragestellung kann er dann aber sehr schnell selbst beantworten. Je intensiver die Interessen bestimmter Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausgespielt werden, desto schneller können die Profiteure der kapitalistischen Wirtschaftsordnung zum Tagesgeschehen übergehen und sich ungeniert die Taschen mit sechs - bis achtstelligen Jahreseinkünften füllen - zu Lasten der kleinen Männer und Frauen, der Rentnerinnen und Rentner, der HARTZ IV-Empfänger und SGB I - Alimentierten, der Nichtvermögenden und Obdachlosen, der Abgehängten und Aussortierten - der Mehrheit eben.

Die Rentenerhöhung ist eine Provokation. Diese ist gewollt, denn die Lobbyisten aus der Garde der Volksvertreter wollen sich selbst bedienen, nachdem sie eine Mehrheit ruhig gestellt haben. Das zeigen eben die Erhöhungen der Abgeordnetenbezüge bis 2009 um sage und schreibe 16,0 %.

Dienstag, 11. März 2008

Der gläserne Mensch, ein durchsichtiger Bürger: bleibt die Orwell´sche Vision eine solche?

Als ich 1980 mit dem Jura-Studium begann, war die Welt längst nicht mehr so, wie ich sie nach meiner Geburt vorfand. Die elektronischen Arbeitsmittel hielten bereits Einzug in unzählige Berufsbereiche. Die Verdatung des Lebenumfeldes jedes Einzelnen nahm rasant zu. Die ersten PCs wurden in Serie hergestellt und verkauft. Schnell wuchs auf die Anzahl der Einsatzbereiche, innerhalb derer jene elektronische Datenverarbeitung Platz hielt.

Als dann 1983 die Volkszählung oder die Durchführung eines Makro-Zensus vorgenommen werden sollte, regte sich in der Bevölkerung der Alten Bundesländer erheblicher Widerstand, der dazu führte, dass das Bundesverfassungsgericht das beabsichtigte Verfahren per einstweiliger Anordnung und anschließenden Urteil unterband. Auch in der Folgezeit wurde durch den Gesetzgeber das von dem höchsten Gericht kreierte Recht auf informationelle Selbstbestimmung, als Grundrecht und Ausfluss von Art. 1 I GG i.V.m. Art 2 I GG, in verschiedene Regelungen übernommen. Der Datenschutz hatte bald Hochkonjunktur und wurde zum Synonym für den Schutz des Einzelnen gegenüber der Gesellschaft und des Staates nebst seiner Institutionen. Das Urteil von 1983 gilt als Meilenstein der bundesdeutschen Rechtsgeschichte.

Das ist sehr lange her. Inzwischen hat sich das Land verändert, die Wiedervereinigung von Ost und West wurde vollzogen, die EU ist ständig größer geworden, die Welt dafür zusammen gerückt. Die Technologien und ihre rasante Verbreitung haben seit Mitte der 90er vor kaum einen Haushalt in der BRD halt gemacht. Das Land ist vernetzt, verkabelt, verbunden und verstrickt in den Ereignissen des 11. September 2001, jenem Tag also, der die Fragen nach einem zivilisierten Zusammenleben aller Menschen, Völker, Nationen und Kontinente neu definiert.
Die Zerstörung des World Trade Center in New York und die anschließenden Kriege der Allianz, angeführt von den USA, gegen Afghanistan, den Irak und gegen den angeblichen Welt-Terrorismus, sie stellen auch die Länder Europas auf eine harte Probe.

Die BRD hat sich bisher nur zum Teil an Militäraktionen beteiligt, innerhalb derer Feinde der Zivilgesellschaften bekämpft werden sollen. Aber, wer sind diese Gegner der humanen Gesellschaft eigentlich?
Ob sich diese Frage überhaupt je beantworten lässt, dürfte zweifelhaft sein. Fakt ist jedenfalls, dass auch in der BRD seit jenem Datum das Zusammenleben nicht mehr so verläuft, wie davor. Sicherheitsgesetze, Kontrollen und der Einsatz ständig neuer und verfeinerten Techniken zur Datenerfassung stehen nun im Vordergrund. Der Individualschutz durch die Geheimhaltung persönlicher Daten bleibt dabei auch der Strecke.
Der jetzige Bundesinnenminister ist ein strenger Verfechter einer restriktiven Sicherheitspolitik. Mittels Einsatzes von moderner Technik, schnüffelt nun der Staat und seine repressiven Organe, wie Polizei, Nachrichtendienste und auch Verwaltungsorgane in der Privatsphäre jedes Einzelnen herum. Unzählige Daten werden gespeichert und verarbeitet. Die Weitergabe an Dritte geduldet und das Veröffentlichen von so gewonnen Informationen und Erkenntnissen auch medial in höchster Form betrieben.

Der gläserne Mensch im Orwell´schen Überwachungs-und Schnüffelstaat, ist bereits in einem Ausmaß zur Realität geworden, das ich mir zu Beginn meines Studiumsder Rechtswissenschaften hätte nie erträumen lassen.
Schöne neue Welt im gläsernen Käfig der Illusionen und im virtuellen Netz der Manipulation. Nicht mit mir!

Die unendliche Geschichte einer Hessen-Wahl oder: Wie erhalte ich meine Macht, ohne etwas dafür zu tun?

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  




Urh.: Herr Teschke,Bündigen,BRD      *                                                                                                

                                                                                                                                                                                                                                                            

                                                     
              
Nachdem im Bundesland Hessen die Landtagswahlen zwar einen Sieger, jedoch keinen Besiegten erbracht hatten, waren die Parteien sich unter einander nur in einer Richtung einig: Mit der Fraktion " Die Linke " möchte niemand zusammen arbeiten; geschweige denn, sich von ihr abhängig machen. So erstaunte es denn dem medial vorbelasteten, aber politisch Interessierten, doch um sehr mehr, als die SPD-Kandidatin Ypsilanti sich als durchaus flexibel zeigte, wenn es um Machtausübung geht. Sie betrieb ein " Bäumchen-wechsele-dich "-Spiel und legt es darauf an, zusamen mit den " Grünen " unter Tolerierung der Linksfraktion, zum Regieren antreten zu wollen. Nach einigen Tagen und Wochen des Sondierens, stellte sich jedoch heraus, dass dieses Vorhaben in der eigenen Partei nicht getragen wird. Insbesondere eine Landtagsabgeordnete der eigenen Partei ließ öffentlich ihre Bedenken erkennen und verhinderte somit die Durchsetzung des Plans der Ministerpräsidentin in spe Andrea Ypsilanti. Es folgten quälende Tage und Wochen, ehe sich Ypsilanti dazu entschloss, auf eine Kandidatur zu verzichten. Immerhin noch rechtzeitig, um ein Fiasko, wie es einst Karl Ravens bei seiner Wahl 1976 zum niedersächsischen Ministerpräsidenten oder auch Heide Simonis 2006 im Kieler Landtag erlebt hatten, zu vermeiden.



So wird dann der amtierende und jetzt nur noch geschäftsführende hessische Ministerpräsident Koch nach der Landesverfassung in seine Funktion eingesetzt, wenn gleich er die Landtagswahlen verloren hat. " The show must go on!", so könnte es für diesen Zustand zum Schlagwort werden. Koch gibt sich derweilen geläutert und versucht seine Niederlage in einen Sieg umzudeuten. Fern jedweder Realität hat er die Zügel als amtierender Landesvater immer noch in der Hand; das Regieren wird ihm jedoch in der Folgezeit nicht leichter gemacht. dafür sorgen schon die Oppositionsparteien. Dieses Desaster spricht allerdings auch für eine noch funktionierende "Parteien "-Demokratie; wenngleich deren Vertrauen bei dem einfachen Bürger beständig sinkt.
Koch wäre aber nicht Koch, würde er auch dieses Faktum nicht in einem postiven Licht sehen. Schließlich muss er ja nicht Vertaruen gewinnen, sondern nur die nächste Landtagswahl.

Die Medienlandschaft reagierte nach dem Scheitern dieses Vorhabens mit beissenden Hohn und Spott. Insbesondere die konservative Springer-Presse und CDU/CSU-lastige Anstalten kübelten tonnenweise sprachlich untereinander abgestimmten Nachrichtenmüll über die SPD-Kandidatin. Sie geriet in das mediale Sperrfeuer jener Ignoranten und Kurzdenker, die sich mit der parlamentarischen Geschichte nicht einmal ansatzweise auseinander gesetzt haben.

In ihrem Übereifer, den strategischen Spielen der Frau Ypsilanti, eine anrüchige Note und einen bitteren Beigeschmack zu verleihen, haben jene Schreiberlinge und Nachrichtenverbreiter völlig übersehen, was es bedeutet, innerhalb eines parlamentarischen Wahlprozederes, abgewatscht zu werden.

Musterbeispiele für jenes " Brutus "- Verhalten sind die Ministerpräsidentenwahlen 1976 in Niedersachsen und 2005 in Schleswig-Holstein.
Vor über 30 Jahren ist damals eine Ära zu Ende gegangen, die mit der Regierung des SPD´lers Hinrich Wilhelm Kopf im Jahre 1947 begann und von den Ministerpräsidenten Georg Diederichs und Alfred Kubel fort geführt wurde. Lediglich unterbrochen ab dem Jahr 1955 bis 1959 durch den DP-Ministerpräsidenten Heinrich Hellwege. Das waren über zwei Dekaden sozialdemokratischer Politik - allerdings getragen von verschiedenen Koalitonspartner. Mit der Wahl am 15. Januar 1976 - an ide ich mich noch sehr genau erinnern kann - war es so, dass es zunächst nach einer reinen Routine veranstaltung aussah. Kandidat der SPD war einst Helmut Kasimir. Der dann jedoch nach zwei Wahlgängen nicht mehr antrat und statt seiner Karl Ravens kandidierte. Alle drei Wahlgänge führten zu dem Ergebnis, dass der CDU-Kandidat Albrecht die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigen konnte und damit Ministerpräsident wurde. Er führte bis 1976 ein Minderheitenkabinett und wurde bei der anschliessenden Landtagswahl 1976 mit absolutr Mehrheit wieder gewählt.


Ein Schmierentheater war es damals, was sich dort im Niedersächsischen Landtag abspielte. Es war anscheinend der Modus der demokratischen und freien Willensbildung, der dort zum Ausdruck kam. Oder war es eher so, dass verschiedene Landtagsabgeordnete ihrer eigenen Partei in den Rücken fielen?
Nach dem - alterbedingten - Ausscheiden des niedersächsischen Ministerpräsidenten Alfred Kubel sollte der von der einst stärksten Fraktion zum Nachfolger benannte Karl Ravens in dessen Amt gewählt werden. Dieses Vorhaben mißlang, weil dem Nachfolgekandidaten eine Reihe von Mitglieder aus der SPD-Fraktion die Gefolgschaft verweigerten. Es kam zur Wahl des CDU-Gegenkandidaten Albrecht, der dann ein eigenes Kabinett benannte und zwei Jahre lang regierte, bis 1978 eine absolute Mehrheit ihm für vier weitere Jahre im Amt bestätigte.
Auch die Wahl der angetretenen Ministerpräsidentin in Schleswig-Holstein 2005 wurde zu einer Lachnummer. Obwohl die rot-grüne Regierungskoalition mit 33 Sitzen keine Mehrheit hatte, entschied sich Simonis für eine Kandidatur, denn der Vertreter der des Schleswig´schen Wählerverbandes, der die dänische Minderheit repräsentiert, entschied sich zu einer Tolerierung der noch gültigen Koalition. Nach vier Wahlgängen stnd jedoch fest: Simonis hatte eben keine parlamentarische Mehrheit, weil sich ein/e Abgeordnete/r permanent der Stimme enthielt. Ein Novum in der Historie dieses Bundeslandes und eine neue Nuance in dem Demokratiespektrum. Heide Simonis verzichtete auf eine weitere Kandidatur und trat zurück; gewählt wurde der CDU-Kandidat Carstensen - untr lautem Gejohle und Gejubele der Oppositionsparteien. Ein Kasperle-Theater eben.
Dieses wollte sich die hessische SPD-Kandidatin Ypsilanti nicht antun und barch die Bemühungen zur Regierungsbildung einfach ab. Das war gut so, denn es droht ein drittes Debakel für die SPD.
Nun darf Koch geschäftsführend weiter regieren, ohne die parlamentarische Mehrheit wird sein Job zu einer ständigen Drahtselnummer. Grinsen wird er nicht mehr so oft und auch seine populistischen reaktionären Formulierung muss er sich nun verkneifen. Das angeblich Volksfrontbündnis von " Grünen ", der SPD und " Die Linke " ist eben keines. Koch´s schwarz-weiß Malereien müssen deshalb zukünftig im Hinterzimmer und in den Schubladen der CDU-Abgeordneten diskutiert werden. Im Parlament bleibt dafür keine Zeit mehr.


* Lizenzfrei gemäss:              https://commons.wikimedia.org/wiki/File:DE_Ypsilanti_by_Steschke_03.jpg
                 

Sonntag, 9. März 2008

Der Niederrhein - schreibt er eigene Geschichten? - Teil II











Eigentlich hatte ich den Post thematisch längst zu Grabe getragen. Ich wollte die Geschichte zu der Entwicklung des Landstrichs zwischen zwischen Kleve, Goch, Kevelaer, Geldern und Moers, ad acta legen. Meine Gedanken und Empfindungen zu jener Dokumentationsendung über einen Zipfel Bundesrepublik zwischen vorgestern, gestern und heute waren für mich mit diesem post abgearbeitet. Es gab nichts mehr zu schreiben, weil die Ereignisse in einer abgehängten Region, deren sozioökonomischer Niedergang ein Spiegelbild des Ruhrgebiets darstellt, so banal sind, dass es Nachrichten von Niederrhein nicht einmal in die Regionalsendungen bringen. Aus einer Region in der die Blütezeit der einst westdeutschen Schlüsselindustrien nicht den erwünschten Um - oder Aufschwung gebracht hatten, die sich mit den Armenhäusern der dann wiedervereinigten Republik, die da u.a. heißen:

Emsland, Ostfriesland, Friesland, Ammerland, Nordfriesland, die gesamten Regionen zwischen Lübeck, Rostock und Berlin bis zur polnischen Grenze, Lauenburg, Lüchow-Danneberg usw. Sie alle sind immer noch wirtschaftlich und kulturell zurück geblieben.
Sie sind beispielhaft alle Male vergleichbar mit dem Niederrhein. Sie sind aber auch identisch mit jenen Regionen, die außerhalb der Großstädte als so genannte Einzugsgebiete die Diskrepanz zwischen Stadt und Land, zwischen Provinz und Metropole, zwischen überschaubar und undurchsichtig, deutlich aufzeigen. Das Rheinland gibt hierfür vielfältige Beispiele - nicht nur den Niederrhein. Auch die Gebiete entlang des "Vater" aller deutschen Flüsse, sie sind geprägt von Widersprüchen. Einerseits herrliche Landschaften, andererseits tiefe Provinz, in der die Zeit fast stehen geblieben zu sein scheint.
Das Gebiet zwischen Köln und Düsseldorf, jene Landstriche um Dormagen, sie zählen uneingeschränkt zu diesem Typus.

Es war ein Fernsehtipp bei MDR Info, der in den frühen Morgenstunden des Freitags mit aufhorchen ließ. Ab 21.00 Uhr bringt " ARTE " den Zweiteiler " Der Teufelsbraten ". Eine Geschichte aus dem Milieu des Nachkriegsdeutschlands, der Adenauer-50iger und 60iger Jahre, der Restaurationspolitik und der Geschichtsaufarbeitung. Zu einer Zeit also, in der die Zukunft völlig ungewiss, die Gegenwart sich bleiern ablagerte und die Vergangenheit noch allgegenwärtig war. In diesen Jahren wurde jedwede Individualität bereits im Keim erstickt, ein ansatzweisen Aufbegehren gnadenlos nieder gemacht, ein Abweichen von den Normen und Werten mit drastischen Sanktionen geahndet. In dieser Gemengelage. Der Krieg war erst 6 Jahre vorbei, als der Film einsetzt. Das Nachkriegskind Hildegard " Hilla " Palm ist fünf Jahre alt. Sie lebt in einer üblichen Familienkonstellation: Gr0ßeltern,Eltern, jüngerer Bruder - allesamt unter einem Dach in drei winzigen Räumen zusammengepfercht. Eine Behausung mit Hühnerstall, Kraut & Rüben - Garten, vor einem unbefestigten Weg und innerhalb eines ebenso armseligen Umfeldes. Der Vater ist ungelernter Arbeiter in einem Stahlwerk, die Mutter - ebenfalls ungelernt - verdingt sich stundenweise als Haushaltshelferin und Putzfrau, der Großvater laboriert an den Folgen eines KZ-Aufenthalts, die Großmutter ist eine bornierte Katholik in, die frömmelnd ihre unzähligen Vorurteile heraus lässt, der Bruder etwas mehr als 2 Jahre jünger, als "Hilla " wird von Beginn an bevorzugt behandelt. Nicht nur weil er als Junge eine höhere Wertstellung durch die Eltern und den fernab wohnenden, etwas wohlhabenden Onkel, erfährt, sondern, weil er eben nicht aufmüpfig ist. Eben kein " Teufelsbraten " oder auch " Satansbraten ". Kein Mensch also, der sich und andere Mitmenschen durch unbedachte Äußerungen und eine unangepasste Lebensweise in Verruf und in Schwierigkeiten bringt. Die Moral spielte eben in dieser Zeit bereits wieder eine große Rolle; vorallem die katholische Morallehre; die christliche Ethik, sie war wieder gefragt. Nachdem das Deutschland ab 1933 mit dem Nationalsozialismus sämtliche moralischen Ansätze und humanistische Werte verloren hatte.

Das tausendjährige Reich dauerte nur 12 Jahre. es waren allerdings auch zwölf sehr lange Jahre. die Bevölkerung erlebte, erlitt und ertrug einen Lebensabschnitt, der sich - je nach Alter - für immer in die eigene Biographie einbrannte. Ein Makel hinterließ, der nie wieder getilgt werden sollte. Diese Menschen mussten nun - von außen bestimmt - einen Umerziehungprozess durchlaufen, an dessen Abschluss ein neuer Bürger, ein demokratischer Deutscher stehen sollte. Dieses misslang!

m Verlaufe der Nachkriegsjahre entwickelte sich ein teutonischer Bundesbürger, der weder mit den ihm geschenkten Freiheiten etwas Konkretes anfangen konnte, noch diese Freiheiten an die Folgegeneration weiter gab. Eingeklemmt in der Vergangenheitbewältigung und der Technik - sowie Obrigkeitgläubigkeit wurde von Eltern verlangt, ihre Kinder wohl zu erziehen; sie auf das Erwachsenenleben vorzubereiten. Der Film zeigte ein Leben ab dem Jahre 1951, dass geprägt ist von einem äußerlich zwar intakten Familienleben, jedoch der kindlichen Entwicklung überhaupt keinen Raum lässt. Die Zerrissenheit der eigenen Eltern und Großeltern, bedingt durch die post-traumatischen Erlebnisse aus den Jahren des Nationalsozialismus, sie zeigt sich in unzähligen Szenen.


Die hervorragenden Schauspieler lassen nicht nur erkennen, dass es eine Zeit ist, die in dieser Form nie wieder vorkommt, die allerdings auch über 15 Jahre andauert und sich - vorallen in den ländlichen Gebieten -bis zum Ende der 60er fortsetzt. Eine Ära, in der die auf Kadavergehorsam getrimmten Eltern ihre eigenen Schwächen, ihr Unvermögen und die auf Selbstmitleid basierenden Wutausbrüche nicht nur in massiven Prügelorgien ausleben dürfen, sondern diese Charakterschwächen vollends in psychologischen Terror gegenüber den noch Schwächeren, dem Kind, ausleben. Ein ganzen Bündel von Strafen bis hin zum Einsperren, die Missachtung der kindlichen Würde durch barbarische Erniedrigungen, dieses Alles gehört zur Klaviartür des Sanktionierens.

Der Vater ist ein Schwächling, der sich in den entscheidenden Situationen, in denen er seine eigene, für ihn frustrierende, Lebenssituation hätte umkehren können, völlig versagt. Statt sich auf die Seite der Arbeiter und die Durchsetzung ihrer Rechte zu konzentrieren, lässt er sich von seiner Frau derartig beeinflussen, dass er seinen Plan, in die Gewerkschaft einzutreten und im Betriebsrat tätig zu werden, aus Angst vor - angeblichen - Sanktionen, wieder schnell verwirft. Die Schwiegermutter, die durch den manisch ausgelebten Katholizismus und der exzessiv ausgelebten Obrigkeithörigkeit, gegen Alles, was antiklerikal eingestellt sein könnte, was nicht in ihr provinzielles Weltbild und das medial vermittelte Adenauer´sche Raster passt, wettert und zetert. Gewerkschafter sind deshalb Kommunistenfreunde, Sozialdemokraten unisono, beide gesellschaftlichen Gruppen werden von Moskau, von Stalin und Chrustschow, von Ulbricht und der Sowjetisch Besetzten Zone, gesteuert. Sie sind Feinde des sich entwickelnden Deutschlands, des Westdeutschlands und seiner Alliierten Verbündeten, den USA, England und Frankreich. Die Hetze, die billige Polemik und die konform laufenden Medien, sie bringen ein reaktionäres Weltbild in jenen Arbeiterhaushalt, der sich dann nur noch der Frömmelei hingibt.

Der Großvater nimmt sich der Hilla an. Er zeigt genügend Herz und Verstand, um ihr jenen Überlebenswillen zu vermitteln, den das Mädchen benötigt, die eisernen Fesseln, des spießigen Denkens in der Familie abzuwerfen. Hilla wird eingeschult. In eine Volksschule des Nachbardorfes. Der Lehrer, ein strenger, jedoch auch gerechter, älterer Mann, erkennt sehr früh die Fähigkeiten des Mädchens. Sie ist nicht nur begabt, sie ist eine Querdenkerin, die damit nicht in das übliche Schema passt. Sie ist eher aufgeschlossen, jedoch fleißig, sie lernt gewissenhaft, sie zeigt sich literarisch sehr interessiert. Aus dem Vermögen, bereits sehr früh - mit Anfang sechs Jahren - passabel Lesen zu können, wird ein Vermögen, das weit über die Grenzen des Dorfschulniveaus hinaus geht.

Der Dorfschullehrer ist ihr deshalb wohl gesonnen. Er gibt ihr die Chance, sich auf der Mittelschule zu behaupten. Die Eltern, vorallem der Vater, sind strikt dagegen. Sie lenken jedoch auf Druck des Lehrers und der Schwiegereltern ein. Der Bruder wird schließlich noch - als kostenverursachender Esser - durch den Onkel mitgenommen, um ihn auf ein teures Internat zu bringen, wo er seien Chance erhält, eben jene bessere Schulhausbildung zu erhalten, die Hilla zunächst nur bedingt erhält. Die Mittelschule zeigt ihr ein anderes Bild der Gesellschaft.

Ihre Klassenkameraden stammen aus bereits gut situierten Familien, aus Kreisen, in denen mit Messer und Gabel gegessen wird, sich gepflegt unterhalten wird, in denen gelesen wird.

Das Sprechen in dem rheinischen Dialekt ist verpönt. Der Dorfschullehrer hatte Hilla ja schon darüber aufgeklärt, dass nicht nur in der Schule Deutsch gesprochen wird. Nicht das typische " j " statt des alphabetischen " g ". Aus dem Kalauer: " Eine gute gebratene Gans, mit einer goldenen Gabel gegessen, ist eine gute Gabe Gottes " kommt nicht ein Kauderwelsch, wie " Eine jute jebratene Jans,mit einem joldenen Jabel jejessen, ist eine jute Jabe Jottes. " heraus.

Die Freundin aus bürgerlichem Haus mag Hilla. Sie erhält eine Geburtstagseinladung, obwohl sie eigentlich nicht dazu gehört.
Hilla erhält Unterricht in den Fächern, die in der Schule nicht vermittelt werden: das respektvolle Umgehen miteinander, das Austragen von Konflikten mittels Worten.

Der Vater, ein Malocher ohne Selbstwertgefühl, Kriegsheimkehrer und Kriegsversehrter, weil auf dem linken Auge blind, bemerkt den positiven Einfluss jener anderen Mitmenschen, die es inzwischen weiter gebracht haben als er. Er hasst diese Menschen und schlägt deshalb seine Tochter grün und blau. Mit dem Rohrstock, mit der Hand, er erniedrigt sie, in dem er in einem Tobsuchtsanfall ihre Gabel zertritt, ihr dann mit den bloßen Fingern weiter zu essen befiehlt, und sich darüber lustig macht. Ein viehisches Verhalten, dass die Seele des Mädchens jedoch nicht bricht. Hilla hat andere Pläne. Sie möchte zur Oberstufe des Gymnasiums. Der Mittelschullehrer empfiehlt es ihr. Doch die Eltern sind dagegen. Die Mittelschule reicht, denn die heiratet dann eh.


Hilla kämpft sich durch. Sie erlebt die ersten a-sexuellen Kontakte zu Jungen. Zunächst ist es ein Italiener, den sie liebt, dann der Sohn eines Oberingenieurs, dessen Mutter sie schließlich - weil Hilla nicht standesgemäß ist - vertreibt, obwohl sie ihrem Sohn durch Nachhilfeunterricht vor dem schulischen Scheitern bewahrt. Statt das Gymnasium zu besuchen, muss Hilla eine Lehre in einer Stahlfabrik als Bürokauffrau beginnen. Sie sträubt sich dagegen; gegen die einengenden Zwänge, gegen eine verknöcherte Vorsetzte, die ihre sexuellen Gelüste durch das Erzählenlassen von - erfundenen - erotischen Begegnungen der jungen Frau, befriedigen möchte. Das streng organisierte Fabrikleben ödet Hilla an. Sie ist unterfordert, gibt sich aufmüpfig und unangepasst. Die Lehre zur Bürokauffrau gibt ihr nichts. Sie resigniert, beginnt zu trinken - bis ihr ehemaliger Mittelschullehrer, für den sie - wie einige Mädchen aus ihrer Klasse einst auch - schwärmte, zu Hause aufsucht und die elende, die psychisch labile Lage von Hilla wahrnimmt.

Er interveniert beim Pfarrer. Mit dem er gemeinsam den Entschluss fasst, die zunächst ausweglose Lebenssituation für Hilla zu beenden. Der Pfarrer besucht Hilla´s Eltern und spricht ein Machtwort. Sinngemäß gibt er eigentlich jene christliche Botschaft der Bibel wieder, für die er Vorort täglich eintritt: Es gibt im Leben gewisse Bestimmungen, denen sich irgendwann keiner entziehen kann. Der Malocher, der Vater, der Neider und Selbsthasser, er muss jetzt einlenken. Was das verkündete Wort Gottes einst bewirken konnte, ist aus heutiger Sichtweise nicht einmal zu erahnen. So gibt es denn auch ein happy end: Hilla legt ihre Hochschulreife ab und darf studieren.


Ende gut, alles gut?


Von wegen. Dieses Stück Zeitgeschichte verdeutlicht eindrucksvoll jene DenkeMuster der einstigen Gesellschaft, die nicht nur von nationalsozialistischen Inhalten geleitet waren. Da gibt es noch Fremdarbeiter und Neger, das Vokabular ist rassistisch eingefärbt. Die unzähligen Flüchtlinge, die aus den einst ins Reich heimgeholten Ostgebieten in der Provinz abgeladen wurden, sie stellen ein Bedrohungpotenzial dar. Diese Fremdkörper sind Feinde der Provinzidylle, die längst keine mehr ist. Die Großmutter hetzt gegen alles Andersartige - so auch gegen diese Menschen. Kleinkariertes Denken gepaart mit einem klerikalen Fundament, dass zeichnet den typischen Rheinländer von damals aus. Der geistige Horizont geht nicht einmal mehr über das eigene familäre Umfeld hinaus. Es gibt keine Zukunfstpläne, keine Visionen oder Veränderungen. Die provinziellen Einflüsse hemmen jedweden Lebensstil. Die deutsche Provinz ist einst sicherlich nicht piefig-miefiger gewesen, wie jene in den Nachbarländern. Sie ist jedoch post-faschistoide und das sind die inhaltlichen Unterschiede.

Genau jene Kindheit und Jugend habe ich in dem Film wieder erkannt. Jenes enge Korsett, dass sich auf Ober - und Unterordnung aufgebaut hatte, das die kindlichen Wünsche und Träume ausblendet und welches dann den unreifen Jugendlichen selbst dann noch verhöhnte, wenn er den Erwachsenen intellektuell überlegen war. Der egoistische Lebensstil einerseits und das mangelnde Selbstwertgefühl andererseits produzierten bei den Eltern ein widersprüchliches Verhalten, dass die Zuneigung und die Gefühle zu den eigenen Kindern im Verborgenen behielt und die züchtigende Werte - und Normenvermittlung in den Vordergrund spielte. Hinzu kam jene proletarischen Denkmuster und Reaktionen, die in den ersten Jahren durch die materiellen Einschränkungen geprägt waren und sich später in eine Art maßloser Selbstüberschätzung manifestierten. In den 50ern waren diese Lebensinhalte auf das bloße Existieren reduziert, in den 6ern auf das organisierende, deligierende Miteinbeziehen der eigenen Kinder in den täglichen Arbeitsfluss, welches auch mittels drastischer Sanktionen umgesetzt wurde.

Nein, meine Kindheit war nicht nur eitel Sonnenschein. Sie war auf Funktionieren und Ausleben von elterlichen Frustrationen geprägt. Wir Kinder liefen nebenher. Wir Kinder hatten jene Entbehrungen zu tragen, die auch den Erwachsenen auferlegt wurden. Die proletarische Herkunft habe ich in jenen Jahren nie ablegen können; dafür sorgte das Adenauer-Regime und seine willfährigen Vasallen in den Institutionen. Die Gesellschaft war in drei Gruppen unterteilt, Oberschicht, Mittelschicht und Unterschicht. Wir Kinder gehörten der Letzteren an.

Auch nach der Volksschule wurden nur bedingte Zugeständnisse gemacht. Dafür mussten wir Kostgeld abgeben. Von 90 DM Ausbildungsvergütung sage und schreibe 50 DM; von 120 DM, dann 70 DM von 180 / 210 DM, zum Schluss 110 DM. Geld, Geld, Geld, malochen, malochen, malochen und später konsumieren und reisen - schöne Kindheit? Eher schlimme Kindheit und verkorkste Jugend - so wie bei Hilla im " Teufelsbraten "!






















Freitag, 7. März 2008

Endstation HARTZ IV - das schleichende Ende der Hauptschule und des dreigliederigen Schulsystems?

Ein Bericht in einem der Spartensender der Öffentlich - Rechtlichen über eine Hauptschule in Bochum-Wattenscheid schlägt zunächst hohe Wellen. Der Schulrektor wird wegen seiner eingeschlagenen Richtung, den Absolventen der " Fröbel " - Hauptschule, nicht nur jene Fächer zu vermitteln, die in den Schulplänen ministeriell vorgegeben sind, sondern eine Schülerinnen und Schüler auf das reale Leben nach der Schule, das da heißt: HARTZ IV, vorzubereiten, gerüffelt. Es hagelt Proteste von der Elternseite, von jenen Besitzstandsbewahrern,die immer noch den Irrglauben vertreten, dass es die Hauptschule auch in der heutigen Form noch geben muß. Diese Ignoranten verkennen jedoch, dass sich die Welt in den annähernd 60 jahren nach Republikgründung eben auch über 21000 Mal um sich selbst gedreht hat.

Daseinstige Flaggschiff bundesdeutscher Bildungsideologien, die Volksschule, ist nicht nur zum Zeitpunkt ihrer Umbenennung zur Hauptschule, eine Restschule geworden, sie ist auch mausetot. Jene jungen Menschen, denen hier noch Wissen vermittelt werden soll, sind doch längst abgestempelt und als Datei im Computer der zuständigen Arbeitsagentur zu speichern. Unvermittelbar eben!

Was die Wattenscheider " Fröbel " - Schule betrifft, so ist dieser eingeschlagene Weg zwar nicht populär, aber eben kein Abweg. Statt sich der Illusion hinzugeben, die Chancengleichheit sei auch hier gegeben, es müsse nur der richtige Einsatz, die notwendige Lebenseinstellung der Schülerinnen und Schüler gezeigt werden, sollte - ja muss - das Elend beim Namen genannt werden:
" Du hast keine Chance, deshalb nutze sie!"
Diese Credo gibt der Schulleiter an seine Absolventen weiter. Ideologisch unverbrämt bereitet er sie auf das Leben vor, was sie nach Schulentlassung erwartet. Es gibt für sie keine Ausbildungstellen. Es wartet kein Ausbilder auf sie. Es entwickelt sich auch kein zukunftsträchtiges Älterwerden. Diese jungen Menschen werden nicht gebraucht, sondern gleich aussortiert und abgestempelt.
Als nicht vermittelbar!

Die Situation in der " Fröbel "-Schule ist nur ein Beispiel für viele Hauptschulen. Dieser Schulzweig ist abgestorben und muss schnellstens als Bildungsangebot aufgegeben werden - bevor es zu spät ist!

Dienstag, 4. März 2008

Was haben Franz Josef Pooth und Dieter Zumwinkel gemeinsam?

Es sind manchmal die alltäglichen Kleinigkeiten, das Banale, das Randgeschehen, was über den Gesamtzustand eines Ganzen dennoch einen exakten Überblick verschafft. Eine jener Randnotizen ist mir vor einigen Tagen übermittelt worden. Es betrifft eine Sendung des Dauer-Schönredners Johannes Baptist Kerner, der wieder zu seiner Selbstdarstellungsshow im ZDF, mit dem man ja besser sehen soll, geladen hatte. Gast war eine gewissen Verona Pooth. Nun wäre dieser Name nicht sonderlich erwähnenswert, hätte er nicht eine durchaus bewegte Vorgeschichte.

Pooth, geborene Feldbusch, ist Jahrgang 1968. Sie stammt somit aus einer Generation, in der Träume noch Wirklichkeit werden konnten. Sie hat Hauptschulabschluss, versucht eine Model-Karriere, ehe sie mit 18 in Hamburg eine Mode-Boutique zusammen mit einer Freundin eröffnet. Die attraktive junge Frau wird zur Miss Hamburg, dann zur Miss Germany gekürt. Zwischenzeitlich versucht sie sich als Sängerin - mit mässigen Erfolg. Es folgen einige weitere Stationen im Bereich der Schönheitskönigenwahlen, ehe sie 1996 den Pop-Produzenten Dieter Bohlen heiratet. Die Ehe endet spektakulär nach vier Wochen. Ein mediales Tamtam folgt.

Pooth erhält in der Folgezeit lukrative Fernsehengagements bei Privatsendern. Im Jahr 2000 dreht sie einen EXPO-Werbespot zusammen mit Sir Peter Ustinov. Ihre Gagen steigen, ihre Auftritt in den sinnfreien Shows auch. Sie erhält ab 2007 eine eigene Sendung.
Parallel herzu vermarktet Pooth eine Kosmetik-Reihe. Ihre Einnahmen aus den diversen Verträgen gehen bereits in die Millionen.

Privat versucht sie ihr Leben zu stabilisieren. Sie wird 2003 Mutter und heiratet 2004 ihren langjährigen Lebensgefährten und Vater des Sohnes in Wien. Eine pompöse Hochzeit wird zelebriert. Ihr Mann, der Unternehmer Franz-Josef Pooth bemüht sich, im IT-Bereich Fuß zu fassen. Ohne Erfolg! Zu Beginn des Jahres muss Pooth Insolvenz anmelden. Im Februar 2008 kommt es zu einer staatsanwaltschaftlichen Durchsuchung der Wohn - und Geschäftsräume von Pooths. Die Medien sind sofort dabei, dieses Ereignis auszuschlachten. Es wird spekuliert und gemutmaßt. In der Kerner-Sendung darf Verena Pooth nun fernsehgerecht öffentlich Stellung nehmen. Die Fragen sind eher harmlos, die Pooth´schen Antwort trivial.

Verena Pooth wiegelt ab. Sie habe mit den Geschäften ihres Mannes nichts zu tn. das seien zwei verschiedene Felder. A ja,ein Ehepaar, das den eigenen Lebensstandard in hohe Sphären aufbläst, muss doch wissen, woher das Geld kommt, das damit verschwendet wird. Pooth gibt sich ahnungslos. Nein, Verbrecher seien beide nicht. Sie seien auch keine " Post-Winkel ". Das wohl sicherlich auch nicht! Nur: FJ Pooth ist ein Betrüger, denn er hat sich zu einem Zeitpunkt durch Bestechung eines Kreditsachbearbeiters der Münchener Stadtsparkasse, Geld beschafft, das er nie bekommen hätte, wenn er die desaströse Lage seiner Firma dargelegt hätte. So wird FJ Pooth denn auch Insolvenzverschleppung, Betrug, Bestechung usw. zur Last gelegt.

Es ist zwar nicht korrekt, die Erfolge der Ehefrau und den Misserfolg des FJ Pooth in einen Topf zu werfen, um auf beide Personen nun herum zu treten, dennoch bleibt ein bitterer Nachgeschmack. FJ Pooth hat nämlich vor einiger Zeit sich öffentlich über das zu hohe Lohnniveau in der BRD beklagt, hat lamentiert, dass bei Bewerbungsgesprächen zuerst nach dem Verdienst und dem Urlaub gefragt werden würde, statt nach der Tätigkeit selbst, dass er solche Arbeitnehmer, die zudem zu viele Rechte inne hätten, erst gar nicht einstellen würde. Aber, aber Franjo Pooth, wer wird denn gleich an die Decke gehen! Greife lieber in die Trickkiste der kreativen Buchführung und verschleiere die faktische Pleite deines Unternehmens, gehe dann zu einer öffentlich-rechtlichen Kreditanstalt, trage dort dick mit dem Namen auf, gebe dem Sachbearbeiter einen teuren Plasma-Bildschirm als kleines Dankeschön für treue Dienste, offeriere dieses auch dem Filialchef und kassiere einen Millionenkredit, um die Pleite abzuwenden und den luxuriösen Lebensstil fort zu setzen.

Die BRD ist ein Tummelplatz für Spinner und Schaumschläger geworden. Immer getreu dem Motto: Je größer die Arroganz und die Schnauze, je niedriger die Hemmschwelle Straftaten dabei zu begehen, desto größer der Erfolg!