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Donnerstag, 22. Februar 2018

Elegante Stürze aus Pjöngjang!

Der Winter soll angeblich zurück kommen und uns richtig knackige Minusgrade präsentieren. Tja, ausgerechnet jetzt quäle ich mich wieder mit dem Pellet - Mist herum, den uns der letzte Lieferant in das Sack - Silo geblasen hat.
Wenn der Winter weiter Winter bleibt, gibt es dennoch eine weitere, dieses Mal gute, Nachricht:

In drei Tagen haben wir den Olympia - Marathon aus Südkorea endlich geschafft. Es ist dann vorbei, mit der Brüllerei in den frühen Morgenstunden, wen irgendein bundesdeutscher Olympionik die Plätze 1 bis 3 belegen konnte, weil die anderen Mitkonkurrenten eben schlechter waren.
Das in fernen Südkorea jedoch nicht alles glänzte, was die dortigen Wettkämpfe über viele Stunden in die Wohnzimmer der Glotzer zeigten, lässt hieran erkennen:


Auweia! Nur fliegen ist schöner!

Der Klassiker, der Rainhard, der Fendrich zusammen mit Wolfgang Ambros und Georg Danzer:




Die Stolperkant´von Westerland



Vor einigen Tagen hörte ich - eher zufällig - einen alten Titel der deutschen Punk - Truppe " Die Ärzte ", der da " Westerland " heißt. Ich kannte das Stück bislang nicht, weil mich Punk - mit einigen Ausnahmen - nie interessierte und ich der Musik der Punkgruppe " Die Ärzte " schon gar nichts abgewinnen kann.
Immerhin produzierte die Band viele Stücke mit provokanten bis  sozialkritischen Texten. Das ist ja eigentlich schon was. Oder?

Also " Westerland " dröhnte aus dem Internetradio in die ausgekühlte Küche, aber ich konnte mich auch an diesem Lied nicht so richtig erwärmen. Dabei fiel mir allerdings eine Geschichte aus den späten 1980er Jahren ein, die just etwas mit Westerland zu tun hatte.

Meine Eltern hatten im Herbst 1986 Kurlaub auf Sylt gebucht. Genauer gesagt auf Westerland. Damals gab es diese, von den Krankenkassen zum Teil übernommene Mischung zwischen Anwendungen und Urlaub noch im vollen Umfang. So buchten sie ein Doppelzimmer in einer Pension und ließen sich tagsüber mit Bädern verwöhnen.

Auf einem Spaziergang in Westerland stolperte meine verstorbene Mutter über einen nicht abgesenkten Teil des Fußweges. Sie verlor das Gleichgewicht und schlug mit dem Gesicht auf die vergammelten Gehwegplatten auf. Dabei zog sie sich eine stark blutende Platzwunde an der Unterlippe zu, die der Notarzt nähen musste. Einen Tag später rief sie bei mir in der Uni an und schilderte mir den Unfall. Ich riet ihr sich ein ärztliches Attest ausstellen zu lassen und den Unfallort zu fotografieren.

Einige Tage später fuhr ich in die Kanzlei meines damaligen Ausbilders und besorgte mir dort eine Vollmacht. Diese sandte ich zusammen mit einer Erklärung über die ärztliche Schweigepflicht an die elterliche Adresse. Dann tippte ich ein Schreiben an die Stadtverwaltung in Westerland und schilderte dort den Vorfall.
Einige Wochen später kam eine Antwort.

Die Verwaltung bügelte das geschilderte Anliegen, dass sie wegen der Verletzung der Verkehrssicherungspflicht Schadenersatz zu leisten habe ab. Es vergingen weitere Wochen. Ich hatte meine juristische Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, als ich dann wegen des Unfalls gegen die Stadt Westerland Klage bei dem Amtsgericht in Niebüll erhob. Weil unser Büro damals nichts abwarf, wir deshalb von der Arbeitslosenhilfe existieren mussten, um überhaupt über die Runden zu kommen, rief ich meine Eltern an und bat diese, den Gerichtskostenvorschuss auf unser Konto zu überweisen. Nach Geldeingang kaufte ich beim Amtsgericht Bremen entsprechende Gerichtskostenmarken und sandte die Klageschrift zu dem von mir als zuständig erkannten Amtsgericht nach Niebüll.

Dort ging sie dann auch ein, wurde von der Verwaltung an die beklagte Stadt auf der schönen Insel Sylt zugestellt und harrte dann der Dinge, die da noch kommen könnten. In der Klage forderte ich 800 DM Schmerzensgeld sowie weitere 150 DM an Aufwendungen für Reinigung der Bekleidung, zusätzliche Fahrtkosten, Porto sowie Telefonkosten. Ein eigentlich lächerlicher Betrag, so sollte der Außenstehende meinen. Doch die Beklagte antwortete und bestritt nicht nur den Sachverhalt und das eigene Verschulden, sondern auch noch die Höhe der Geldforderungen. Der dortige Sachbearbeiter schusterte dazu eine Klageerwiderung zusammen. Darin verbog er die Wahrheit zu Gunsten seines Arbeitgebers, der Stadt Westerland.

Er behauptete, dass seine Mitarbeiter die Gehwege, so auch den im Streit benannten, regelmäßig alle 6 Monaten überprüft und hierzu ein Begehungsprotokoll erstellt hätten. Dieses manipulierte oder nachträglich erstellte Schriftstück fügte er dem Schriftsatz bei. Das Gericht übersandte die Klageerwiderung zusammen mit einem Hinweis, dass es sich als sächlich unzuständig sehe und fragte an, ob ein Verweisungsantrag an das Landgericht Flensburg gestellt wird. Gleichzeitig aber terminierte das Amtsgericht den Rechtsstreit für Mitte März 1987. Ich hatte mir allerdings Urlaub genommen, weil mein Kollege im Sommer 1987 in die USA flog, dort vor dem Friedensrichter in Las Vegas heiraten wollte und deshalb satte 4 Wochen frei nahm.

Tja, was also machen? Nach dem Gerichtsverfassungsgesetz ( GVG ) lag die ausschließliche Zuständigkeit für Streitigen zwischen einer natürlichen und juristischen Person und dem Staat, also dessen Organen, wegen vermögensrechtlicher Streitigkeiten, bei den Landgerichten lag, Dieses ergibt sich aus § 71 Absatz 2 Ziffer 2 GVG.
Ätsch! Da hatte ich wohl voll in die berühmte ... gegriffen. Vor lauter Aktionismus, nicht nur in dem Fall und weil es meine Mutter war, die dort verletzt wurde, sondern wohl auch, um mich als junger Rechtsanwalt nach außen zeigen zu können, wurde ich betriebsblind. Bereits in den Zivilrechtsgrundkursen an der Uni ist mir diese Besonderheit mehrfach übermittelt worden.

Somit stellte sich die existenzielle Frage, ob ein weiterer Rechtsanwalt, der bei dem Landgericht in Flensburg zugelassen war, beauftragt werden sollte und damit weitere Kosten verursacht hätte oder ob der Termin in Niebüll wahr genommen werden muss? Die beklagte Stadt Westerland, die offensichtlich ebenso wenig Ahnung gehabt hatte, nahm ja bereits zu der Klage Stellung und hatte die Abweisung beantragt. So weit, so richtig. Nur, jetzt? Auch die Beklagte hätte einen bei dem Landgericht in Flensburg zugelassenen Anwalt beauftragen müssen. Dadurch wären auch dieser Kosten entstanden, die den Streitwert fast überstiegen hätten. Deshalb hatte die Richterin am Amtsgericht Niebüll wohl auch einen Termin angesetzt.

Die Unzuständigkeit des Amtsgerichts hätte die bekalgte Stadt Westerland noch in der mündlichen Verhandlung rügen und damit den Rechtsstreit zu ihren Gunsten entscheiden können, denn die Klage müsste in diesem Fall abgewiesen werden. Verhandelt aber die Beklagte vor dem an sich unzuständigen Gericht durch " rügelose Einlassung " (   https://de.wikipedia.org/wiki/Rügelose_Einlassung ) entscheidet auch ein unzuständiges Gericht in der Streitsache.

Ich erzählte meinem Kollegen davon nichts und der düste mit seinem chicen Honda CRX an der Stadt unseres gemeinsamen Erzfeindes, Hamburch, vorbei in Richtung Niebüll. Immerhin über 300 Kilometer und mehr als 3 Stunden Fahrt je Strecke. Als er im Termin dort erfuhr, dass das Amtsgericht eigentlich unzuständig sei, fiel er natürlich aus allen Wolken. Ob er innerlich Verwünschungen gegen mich ausgestoßen hat oder aufgrund des Jahre langen, gemeinsamen Leidensweg während der Ausbildung, eine gewisse Loyalität walten ließ, die ihn dazu hinderte, vermag ich nach mehr als 30 Jahren nicht mehr zu sagen.
Die junge Richterin am Amtsgericht Niebüll, einem Ort also, in dem nun wahrlich keine großen Karrieren durch außergewöhnliche Rechtsfälle entstehen können und der mit knapp unter 10.000 Einwohnern, denn eher als Kleinstadt zu sehen ist, obwohl dort ein schmucker Bahnhof steht, weil die Touristenmassen diesen zur Überfahrt auf dem Hindenburgdamm in Richtung Sylt nutzen, verwies erneut auf das bestehende Rechtsproblem, fragte aber in der Verhandlung an, ob sich die Parteien nicht heute einigen könnten. Durch den Abschluss eines Vergleichs eben.

Die Vertreter der Stadt Westerland schauten bei ihren Ausführungen genauso ungläubig, wie die schleswig - holsteinische Hochleistungsmilchkuh auf der dortigen Weide am Stacheldrahtzaun. Warum sie zu diesem Deal riet, war auch klar. Wäre die Sache weiter verwiesen worden, hätten bei dem Landgericht im fernen Flensburg vielleicht noch Zeugen auftreten können. Ich hatte nämlich in der Klageschrift sowohl meinen Vater als unmittelbaren Zeugen als auch den behandelnden Arzt als mittelbaren Zeugen benannt. Der erzählte schlankweg, dass der Unfall nicht er einzige in den letzten 2 Jahren gewesen sei. Dieses wäre eventuell für die beklagte Stadt Westerland peinlich geworden. Mehrere Unfälle auf dem gleichen Gehsteig? Da war wohl nichts mit dessen regelmäßiger Überprüfung.

So schlug die junge Richterin meinem Kollegen vor, die Forderung zu hälfteln, also eine Vergleichssumme von 500 DM anzunehmen, womit sämtliche Prozessrisiken berücksichtigt wären. Bei der Beklagten erhob sie allerdings den Zeigefinger und schrieb ihr hinter die Ohren, dass sie nun tatsächlich mal die schlechten Gehsteige sanieren möge. Noch bevor der Prozess eine weitere Runde vor dem Landgericht Flensburg mit einer größeren Besetzung, nämlich mindestens drei Volljuristen, hätte drehen können, ging er durch einen entsprechenden Vergleich vor dem unzuständigen Amtsgericht Niebüll, Sylter Bogen 1 A in 25899 Niebüll zu Ende.


https://de.wikipedia.org/wiki/Amtsgericht_Niebüll

Nach meiner Rückkehr aus dem Urlaub erteilte mein Kollege R. mir mir nicht nur eine Abfuhr, was die künftige Vertretung in solchen Zivilsachen betraf, sondern ich erhielt zudem auch noch einen kräftigen Einlauf. Nicht nur, weil ich das unzuständige Gericht angerufen hatte, sondern weil auch sonst nichts an Gebühren, also Money, Knete, Moneten, für uns rüber gewachsen war. Leider hatten meine Eltern zu jenem Zeitpunkt noch kein so genannte Vollrechtsschutz -, sondern nur eine Verkehrsrechtsschutzversicherung. Die trat allerdings hierfür nicht ein. Ich riet ihnen deshalb, eine solche abzuschließen. Später überwies ich einen Betrag von 400 DM; 100 DM behielt ich für die Fahrtkosten meines Sozius R. ein.

Immerhin hatte der eine Gelegenheit, die flache Landschaft Schleswig - Holsteins ( einstige Eigenwerbung: " meerumschlungen " )  kennenzulernen. Na, dat war dann auch irgendwie interessant und: Es muss ja nicht gleich Westerland sein. Oder???



Nun, ja, auch dort ist nicht alles echt, was blinkt und glänzt:

Betrüger gefasst
Vom 14. bis 19. August diesen Jahres mietete sich Holger Dieter P., 34 Jahre, 1,80 m groß und stämmig, in einem Westerländer Hotel ein. Zur selben Zeit arbeitete er in einem Wenningstedter Hotel, das ihn aber wegen ungenügender Arbeit nach zwei Tagen wieder entlassen musste. Daraufhin prellte er am 19. August die 600 Euro hohe Rechnung seiner Unterkunft und stahl seiner ehemaligen Kollegin aus dem Wenningstedter Hotel den Führerschein und die EC-Karte. Mit dieser Karte hob er mehrmals Geld ab und bestellte in Restaurants großzügig Menüs. In einigen Lokalen soll er Essen für 20 Personen bestellt, aber nur mit 10 Gästen gekommen sein. Den vorab mit der EC-Karte bezahlten Betrag ließ er sich anteilig bar auszahlen.

Nach einem weiteren Betrug am Montag konnte Holger Dieter P. in Wedel bei Hamburg festgenommen werden. Bei der Pinneberger Kripo hat er inzwischen ein umfassendes Geständnis abgelegt und mehr als 60 Taten zugegeben. Holger Dieter P. wird deutschlandweit wegen mehrerer Haftbefehle gesucht und wurde bereits zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt, die er nach seinem Prozess zusätzlich abzusitzen hat.

Sollte es noch mehr Geschädigte auf Sylt geben, bittet die Kripo Westerland um Informationen unter Tel. 04651 77 47 0. "

- Quelle: http://www.syltinfo.de/component/option,com_simplemap/Itemid,125/


Dazu dann doch:

" Die Ärzte " und " Westerland ":



Mittwoch, 21. Februar 2018

Der Einbruch der Cristina K.


Vorvorgestern hatte Cristina Geburtstag. Sie wurde genauso alt wie ich es auch in einigen Monaten werde. Cristina ist mir wohl bekannt. Nicht persönlich, aber durch die ungezählte Berichterstattung in den Medien. Cristina war nämlich die Staatspräsidentin des südamerikanischen Landes Argentinien. Von daher ist so ziemlich alles um sie herum berichtenswert.

Cristina ist seit 2010 Witwe. Sie war mit dem einstigen Präsidenten Argentiniens Nestor Kirchner von 1975 verheiratet. Cristina ist, wie ihr verstorbener, 1950 geborene Mann, ausgebildete Juristin. Über das Studium lernte sie auch ihren Mann kennen.

Dieser arbeitete nach seinem Universitätsexamen als Rechtsanwalt und verdingte sich dabei vornehmlich als so genannter Schuldeneintreiber für die FINSUD, eines international operierenden Immobilienkonzerns. In dieser Eigenschaft wurden Kirchner 20 Immobilien übertragen.

Auch Cristina war in ihrem bisherigen Leben nicht ganz untätig.

 https://de.wikipedia.org/wiki/Cristina_Fernández_de_Kirchner

Nun ist sie nach bundesdeutschem Recht beinahe Rentnerin / Pensionärin. Doch Cristina möchte sich nicht auf ihrem noch zarten Altenteil ausruhen. Sie überlegt, erneut als Präsidentschaftskandidatin anzutreten. Doch dieses sieht das mehrfach geänderte Wahlrecht allerdings nicht vor ( https://de.wikipedia.org/wiki/Präsident_von_Argentinien ). Nach maximal acht Jahren Amtszeit ist endgültig " Ende im Gelände ".

Aber die gute Cristina ist der festen Überzeugung, dass ihr Vaterland sie als politische Führungskraft braucht, um mit den anderen Nationen auf diesem Planten auf lange Sicht mithalten zu können.
In Sachen Fußball klappte das ja bislang sehr gut. In Sachen Fleischproduktion ebenfalls und uín Sachen Korruption alle Male.

So, what?

Cristina hat ja acht lange Jahre lang bewiesen, dass sie diesen drei Hauptsäulen ihres Mutterlandes sehr gewogen ist. Dazu kam sie als Nicht - Ökonomin während ihrer Amtszeiten auf die Schnapsidee, die von ihr propagierten Sozialprogramme durch das inflationär aufgeblähte Volumen des landeseigenen Geldumlaufs finanzieren zu können. Der argentinische Staat machte bei den Kreditgeber dafür zwar Schulden, ließ diese aber durch neu gedrucktes Geld bezahlen. Es kam, wie es bei einer solchen Milchmädchenrechnung immer kommen muss: Argentinien  erklärte zum zweiten Mal nach 2001 den Staatsbankrott ( https://de.wikipedia.org/wiki/Argentinien#Staatsverschuldung ).

Nun, ja, kann der eleganten Cristina eh egal sein, denn sie dürfte schlankweg als Salon - Sozialistin gelten. Sie selbst verfügt - mutmaßlich durch illegale Finanztransaktionen im Ausland über ein zweistelliges Millionenvermögen. Da lässt sich doch gut von leben, wenn im eigenen Land, also quasi vor der Hoftür der Pleitegeier kreist und die wirtschaftliche Reputation des Staates den Rio de la Plata herunter geht. 

Jetzt möchte sie - weil sie genügend Geld angehäuft hat - es erneut wissen. Ob das Volk ihre soziale Mami noch liebt? Elegant sieht sie wohl noch immer aus, die Christina aus Argentinien. Da werden wohl bestimmt so manche Beauty - Docs ihre geldgeilen Griffel angelegt haben, Aber, das nur nebenbei. Die Cristina ist nicht nur am Körper noch jung, sie dürfte auch gewieft genug geworden sein, um zu erkennen, ob sie als Landes - Mutti noch gemocht wird. Und bevor sie in der Wählergunst massiv eingebrochen war, dürfte dieses, bei so vielen, auf Pump abgegeben staatlichen Wohltaten alle Male der Fall gewesen sein.


" Beiruth " mit " Horizonte de Sucesos " - Pt. II ( Conclusion ) - 2008:


Der Aufbruch des Olaf D.



Vorgestern Morgen hörte ich bei Radio Bremen 1 in den Nachrichten, dass der ehemalige Bürgerschaftsabgeordnete der " Bremer Grüne Liste " ( BGL ), die 1973 gegründet wurde (
https://de.wikipedia.org/wiki/Bremer_Grüne_Liste ) Olaf Dinne´ ( https://de.wikipedia.org/wiki/Olaf_Dinné ) eine Partei gründen wird, die sich von der derzeitigen Politik der Koalition zwischen der SPD und den " GRÜNEN ) auf Landesebene, klar abgrenzen möchte. Dinne´hält diese Politik für völlig verfehlt.

Im zarten Alter von 82 Jahren kann man es ja doch noch mal versuchen, oder etwa nicht? Olaf ist ja seit den 1960er Jahren durchaus kampferprobt, wie sich aus seinem Lebenslauf ergibt.
Schließlich schaffte er zusammen mit drei weiteren BGLern ab 1979 den Sprung in die Bremische Bürgerschaft. Bundesweit galt dieses als Sensation.
Nun, gut, das ist sehr lange her.

Inzwischen sind nicht nur die Bremer " GRÜNEN " zu einer festen Größe in der Politik geworden. Und damit lässt sich bekanntlich Geld verdienen. Das ist nicht nur heute so, sondern es galt auch für jenen Zeit, in der Olaf Dinne´zu den Vorkämpfern der grünen Politik in Bremen gehörte.

Dinne´, Olaf Dinne´, da war doch vor grauer Vorzeit mal etwas? Ja, tatsächlich. Olaf war so in den 1980er Jahren auch Vermieter einer Wohnung im so genannten Viertel, also dem Ostertor und Steintor. Hier hatte er auch eine Butze an eine damalige Mandantin vermietete. Claudia G., so hieß sie.

Claudia G. war eine Oberchaotin, eine junge Frau ohne festen Lebensplan, die sich mit irgendwelchen Jobs den Lebensunterhalt sicherte oder auch Sozialhilfe bezog. Eine der vielen Gestrandeten in einem dafür prädestinierten Viertel Bremens. G. wohnte in der Brunnenstraße 2, einem Altbau mit mehreren Einheiten und einer steilen Treppe, die in die obere Etage führte. Eigentlich waren es Löcher, die dort für relativ viel Geld vermietet wurden. Tatsächlich aber waren diese muffigen Wohnungen und Einzelzimmer sehr begehrt, weil sie eben mitten im Szene - Viertel lagen.

Claudi G. lebte hier alleine. Sie hatte vermutlich keinen festen Partner oder eine Lebensgefährtin. Letzteres nahm ich an, weil sie sich damals in den kurzen Gesprächen in unserer Kanzlei in der Brunnenstraße 5 eher verächtlich zu Männern äußerte. So auch über ihren Vermieter, Herrn Olaf Dinne´, den einstigen " GAL " - Abgeordneten und Aktivisten gegen den Bau der so genannten " Mozarttrasse " in Bremen, einem bundesweit bekannt gewordenen, regionalen Politikum, in dem es um die Verhinderung von Straßenbaumaßnahmen zugunsten des Individualverkehrs ging.

Damit hatte Claudia G. nix zu tun, sie saß wegen einer Mietsache in dem sehr spartanisch eingerichteten Büro im Hause Brunnenstraße 5 und erzählte mir irgendetwas von einem Wasserschaden. In der heutigen Zeit wäre dieser eventuell von der Hausrat - oder Privathaftpflichtversicherung reguliert worden. Der klassische Fall, der dazu immer wieder gerne erzählt wird, ist die während der Abwesenheit plötzlich auslaufende Waschmaschine, deren Wasserinhalt von mindestens 50 Litern bis zu 90 Litern - bei älteren Modellen -  sich wegen eines geplatzten Ab - oder Zulaufschlauch sodann in der Wohnung und noch weiter verteilt.

Zu der damaligen Zeit wären es mindestens das Dreifache gewesen. Der Schaden könnte deshalb immens werden, sofern auch noch eine darunter liegende Wohnung betroffen wird. Da sind locker mehrere Tausend Euro für dessen Beseitigung zu berappen. Dazu gibt es eben die obigen Versicherungen, die sich dann als durchaus sinnvoll zeigen und - entgegen so mancher anderen Versicherungsart - kein heraus geworfenen Geld darstellen.

Claudia G. hatte jedoch weder das eine, noch das andere Risiko versichert. Sie konnte die Prämien für einen solchen Luxus nicht bezahlen. Dass später die Sozialhilfe diese übernehmen musste, war in den späten 1980er Jahren noch höchst strittig. Danach musste der Träger der staatlichen Leistungstransfers, also die Stadtgemeinde Bremen beispielsweise, die Prämien in der Berechnung für die laufende Hilfe zum Lebensunterhalt ( HLU ) mit einrechnen.

Claudia G. war - wie gesagt - eine absolute Chaotin. Sie kümmerte sich weder um solche Dinge, noch schien sie ein derartiges Problem überhaupt zu tangieren. Sie lebte in den Tag hinein und nahm - mutmaßlich - zudem auch noch Drogen. Eine junge Frau, ohne Halt, Perspektive und Geld - so, what?

Der Kollege, der ihr in dem mir längst geläufigen Jargon einen freundlichen, aber sehr bestimmten Brief zugesandt hatte, er war irgendwo in Viertel tätig. So, wie mein Kompagnon und ich auch. Ich kannte ihn vom sehen. Er zählte - so, wie wir auch in den ersten Jahren der Berufsausübung - zu der nicht gerade kleinen Kategorie der " Hungerleider ". Was nichts anderes zu bedeuten hatte, dass er von seiner anwaltlichen Tätigkeit nicht leben konnte.

In dem Brief sülzte er geschwollen herum:

" Sehr geehrte Frau G.

gemäß der anliegenden Vollmacht, zeige ich an, dass mich Ihr Vermieter Herr Olaf D., wohnhaft...., mit der Wahrnehmung seiner Interessen beauftragt hat.

Dieser Sermon variierte zumeist, je nach Größe des Büros. Deshalb bliebt einst strittig, ob die Vollmacht als Urkunde im Original oder nur als von dem Rechtsanwalt beglaubigte Fotokopie dem Schreiben beigefügt werden musste.

Diesem Brief, in dem der werte Herr Kollege, dann den Sachverhalt schilderte, lag die Vollmacht in beglaubigter Fotokopie an.

Danach ging es gleich ans Eingemachte:

" Sie haben am... durch grobe Fahrlässigkeit einen Wasserschaden im gesamten Haus verursacht, das Sie die Badewanne in Ihrer Wohnung unbeaufsichtigt befüllten, so dass die während Ihrer Abwesenheit überlief. Nach dem beigefügten Kostenvoranschlag der Firma ..X,Y, Z ..vom belaufen sich die Beseitigungs - und Reparaturkosten auf .... DM.
Sie haften hiermit gegenüber meinem Mandanten gemäß 823 .... BGB für den ihm entstandenen Schaden.

Ich habe Sie deshalb aufzufordern, den oben benannten Betrag sowie die Kosten meiner Beauftragung, die sich aus der gleichfalls beigefügten Gebührenrechnung ergeben, bis zum..... auf das im Briefkopf benannte Konto.... zu überweisen ( Zumeist kam noch der Hinweis, dass Geldempfangsvollmacht aus der anliegenden Vollmacht erkennbar ist ).

Nach fruchtlosem Ablauf der Frist bin ich den Auftrag, gegen Sie Klage zu erheben.

Mit freundlichen Grüßen

... / Rechtsanwalt ".


Die " sehr geehrte Frau G. " hatte aber weder eine Versicherung, die den Schaden bezahlen würde, noch hatte sie selbst das Geld. Also ließ ich mir zunächst eine Vollmacht unterschreiben, ein Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe ausfüllen und schrieb dem " sehr geehrten Herrn Kollegen " im Auftrag der Mandantin G. einen Brief. Hierin antwortet ich ihm und machte klar, dass Frau G. den Schaden nicht bezahlen könne, der im Übrigen nur durch einen Kostenvoranschlag nachgewiesen worden sei und, dass Herr Olaf D. doch bitte schön seine eigene Gebäudeversicherung für die Regulierung in Anspruch nehmen solle.

Danach geschah zunächst nichts. Einige Monate später erschien Claudia G. erneut in unserem Büro. Sie legte mir den typischen, mir seit Jahren bekannten, gelben Umschlag auf den Tisch und erzählte mir, dass sie diesen zwei Tage zuvor von dem Postamt, dass sich damals noch in einer der Nebenstraßen - nach meiner Erinnerung war es die Wielandstraße - befand, abgeholt hatte.
Der " werte Herr Kollege " hatte gegen Claudia G. Klage erhoben und forderte von ihr die gesamte Summe in Höhe des auch in der Klageschrift beigefügten Kostenvoranschlags. Nun, selbst damals galt bei Schadenersatzprozessen, dass der Anspruchsteller mindestens drei Kostenvoranschläge einzuholen hat.

Ich erklärte dieses der Frau G. und bat sie, den Sozialhilfebescheid noch mitzubringen, den ich dann in unserem Büro fotokopierte. Ich antwortete zunächst auf die Klage des Olaf D. und zeigte dabei die so genannte " Verteidigungsabsicht " an, wie es in der Zivilprozessordnung  ( ZPO ) vorgeschriebenen ist. Spätestens Tage danach reichte ich eine Klageerwiderung ein. Darauf antwortete die Klägerseite, Zum Schluss erhielt ich noch einmal Gelegenheit zu der Klage " vorzutragen ". Das war´s zunächst.

Es vergingen weitere Wochen, ja Monate, die Sommerferien waren in Bremen bereits beendet, als das Amtsgericht eine  Ladung sandte. Ich notierte mir den Termin und dackelte zu diesem zu Fuß in das Gerichtsgebäude. Die Parteien waren persönlich geladen ( " Zur weiteren Aufklärung des Sachverhalts ", wie es in der ZPO vorgesehen ist und so auch in dem Ladungsschreiben stand  ). Somit traf ich Claudia G. und auch Olaf D. vor dem Sitzungssaal im 2. Stock des Amtsgerichtsgebäudes an der Ostertorstraße. Der Richter, mit dem Nachnamen B., war mir natürlich bekannt. Er hatte einst in einem Mietprozess, dass der Justitiar des vormaligen Sozialwerks der Universität Bremen, ein inzwischen - dank SPD - Parteibuch - dann zum Staatsrat aufgestiegener Peter H. ( https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Härtl ), der mich damals wegen Mietrückständen, die aufgrund einer Mietkürzung und aus einer Differenz von der vertraglich vereinbarten Festmiete und einer Mieterhöhung, die H. jedoch gerichtlich nie durchgedrückt bekam, entstanden war, verklagt. H. sah seine Tätigkeit als Sport, hatte vom Mietrecht jedoch null Ahnung und verlor beinahe jeden Prozess gegen Hunderte von Wohnheimbewohner. So auch jenen gegen mich. Doch auch meine Widerklage aufgrund einer Mietminderung wegen einer klopfenden Heizung, bügelte Richter B. rigoros ab.

B. war damals - mindestens - so um die Ende 40. Hatte schon fast keine Haare mehr auf dem Kopf. War im Verlaufe der Jahre auseinandergegangen wie ein Hefekloß und wollte sich keinen großen Stress mehr machen. Er blieb Amtsrichter, hatte somit mit einer Karriere in der bremischen Justiz nichts am Hut und war eher ein Typ des " gutmütigen Onkel " von nebenan. Er thronte auf seinem Richterstuhl und ließ die Verhandlung eher so dahin plätschern. In der Sache selbst, war er jedoch eisenhart. Hatte er sich bereits ein Urteil gebildet, dass ja aufgrund der in der Akte vorhandenen Schriftsätze durchaus möglich ist, ließ er kaum davon ab.

Also B. hatte prozessual verfügt, dass die Parteien zur Aufklärung des Sachverhalts angehört werden sollten. Eher wahrscheinlich war jedoch, dass er den stadtbekannten " GRÜNEN " und einstigen Alt - Linken Olaf D. sehen wollte. Wann werden schon mal bekannte Politiker oder Personen aus der bremischen Prominenz zum  Gericht zitiert. Dann legte Richter B. los: " Sie sind Herr Olaf D. ? ", stellte er eingangs die scheinheilige Frage.
" Ja. ", antwortete dieser ihm pflichtbewusst.
" Ja, bekannt! ", gab Richter B. diesem zur Antwort. " Sie sind wie alt? ", Der bekannte D. antwortete Richter B. Dann kam Richter B. zur Sache.
Er wollte von D. wissen, wie dass jetzt mit dem Wasserschaden war.
D. antwortete ihm. Die präzisen Fragen ließen keinen Zweifel, dass das Wasser aus der Wohnung der Mandantin und Beklagten G. die Treppe herunter geflossen kam.

G. sei angeblich nicht in der Wohnung gewesen, so dass Olaf D. den Hauptwasserhahn absperren mussten. Doch die Überschwemmung im Treppenhaus und auf dem Flur konnte D. nicht mehr verhindern. Richter B. protokollierte dieses alles und formulierte die Sätze selbst. Dabei antichambrierte Richter B. bei dem Ex - Politiker D. derart, dass mir fast die Galle hoch kam. Tja, da zeigte sich doch in gewisser Weise bereits der oft zitierte Bremer Filz. Aber, das war auch in diesem Fall egal gewesen, denn G. hatte tatsächlich ihre Badewanne gefüllt und war dann aus der Wohnung gegangen. Eine Todsünde eigentlich, denn die alten Krücken in den muffigen " Viertel " - Wohnungen besaßen nicht alle einen so genannten Überlauf. Hätte die Gußeisenwanne so ein Überlaufventil gehabt, es wäre nichts passiert. Allenfalls hätte sich die Mandantin über eine exorbitante Wasserverbrauchsrechnung gewundert.

Ich hatte dieses als Argument in meinem Schriftsatz in den Prozess eingebracht und wollte jetzt in der Verhandlung darauf herum reiten. Richter B. führte jedoch nicht nur mich, sondern auch die Mandantin förmlich vor, und wischte das Argument mit einer abschätzigen Handbewegung vom Tisch. Dann erklärte er, dass es wohl schlecht um die Mandantin aussähe und sie wohl den Schaden bezahlen müsse. Auch der Hinweis, dass der Kläger Olaf D. eine Gebäudeversicherung hätte abschließen müssen, ließ er nicht gelten. " Dazu ist er weder verpflichtet, noch würde diese in diesem Fall eintreten. ", erklärte er uns oberlehrerhaft.
Tja, da wollte er gerade zu dem allseits beliebten, weil Arbeitsaufwand ersparen Hinweis, die Beklagte möge doch jetzt lieber anerkennen, ausholen, als ich ihn auf die fehlenden drei Kostenvoranschläge hinwies.

" Die muss er auch nicht einholen, denn das ist hier eine Mietsache! ", kanzelte er mich ab. " Doch, muss er. Der BGH hat.... ". Der Richter schaute etwas perplex, dann fasste er sich wieder. " Gut, aber was nutzt das Ihrer Mandantin jetzt noch, Herr Rechtsanwalt W...? "
" Einiges, denn die Schadensumme müsste sich um mindestens 20 % reduzieren, "
" Na, schön. Lassen wir das hier mal zu stehen. ", antwortete Richter B. mir.
" Vielen Dank, Herr D. ", entfleuchte es dem Richter B. noch, ehe er diesen und seinen Rechtsanwalt wegen eines Vergleichs ansprach.
" Wie sieht das hier mit der PKH aus? ", wollte ich noch von Richter B. wissen.
" Nee, PKH gibt´s dafür nicht. Die Beklagte hat den Wasserschaden eindeutig verursacht. "
" Aber wenigstens für den um 20 % niedrigeren Klagbetrag ? ", bettelte ich ihn an.
" Na, schön. Dann ergeht folgender Beschluss:
Der Beklagten wird für ihre Klageverteidigung Prozesskostenhilfe bewilligt, soweit sie sich gegen den Betrag in Höhe von.... DM wehrt und Rechtsanwalt W., Bremen, beigeordnet. Dieses gilt auch für den Abschluss eines Vergleichs. "
" Bitte lesen Sie noch mal vor! ", sagte Richter B. zu der Protokollführerin. Die Justizangestellte neben ihm, ebenfalls längst verbeamtet, damit in einem, mindestens bis zur Pensionierung, bombensicheren Arbeitsverhältnis, wenn auch nur in den Bereichen von A 9 bis A 11 angesiedelt, leierte, eher lustlos, den einen Satz herunter.

Dann sah Richter B meine Mandantin und mich mit einem aufgesetzt strengen Gesichtsausdruck an, der suggerieren sollte, dass wir bei ihm hier und heute keine weiteren Zugeständnisse zu erwarten hätten. " Herr Rechtsanwalt W. wollen Sie der Beklagten nicht doch dringend zu einem Vergleich anraten? ", formulierte er erneut sehr oberlehrerhaft. " Ich sehe hier keine weiteren Möglichkeiten, dass sie aus der Sache heraus kommen kann. ", ergänzte Richter B.
" Können Sie die Sitzung für 5 Minuten unterbrechen? ", antwortete ich ihm. " Ja, selbstverständlich! ", war seine sofortige Antwort.

Ich stand auf und ging mit Claudia G. auf den Gerichtsflur. Dann legte ich los. " Also, du kommst da nicht ohne weiteres heraus. Selbst wenn wir einen Gutachter zu dem Schadenverlauf beauftragen könnten, wird der nicht viel mehr feststellen können, als dass was D. jetzt gerade dem Richter erzählt hat. D. hat als Vermieter keine Pflicht, dort eine andere Badewanne mit modernen Armaturen einbauen zu müssen. Dass wäre allenfalls deine Privatsache. Verstehst du? "
Claudia G. zeterte herum. Sie stieß allerlei Verwünschungen in Richtung des Ex - " Politikers " aus. Ich bin mir heute nicht mehr so ganz sicher, ob dabei auch der Begriff " Miethai " im Zusammenhang mit dem, vermeintlich bestehenden Eigentum an weiteren Immobilien fiel, aber ich unterbrach ihren Redefluss mit der Feststellung: " Das tut jetzt hier nichts zur Sache!"
Claudi G. war ruhig.

" Also schließen wir den Vergleich ab? ", wollte ich noch von ihr wissen, ehe wir den Sitzungssaal wieder betraten. Sie nickte kurz, aber dafür völlig eindeutig. Ich öffnete ihr die Tür. Dann setzen wir uns wieder hin. " Herr Rechtsanwalt W., wie haben sie sich jetzt mit ihrer Partei besprochen? ". wollte Richter B. durch eine eher scheinheilig gestellte Frage von mir wissen, obwohl er wusste, dass ich schon allein wegen der zu verdienenden Vergleichsgebühr seinen Vorschlag annehmen würde.
" Ja, wir möchten den Vergleich abschließen. Allerdings mit dem Zusatz, dass Frau G. die Summe in monatlichen  Raten zu 100 DM zahlt. ", entgegnete ich ihm in einem bestimmend gewählten Ton.
" Herr D, sind Sie einverstanden? ", wollte Richter B. von diesem wissen.
" Ja, gut. Ich bin einverstanden. ". gabt D. dem Richter zur Antwort.

" Dann nehmen wir zu Protokoll, Frau X...!", sagte Richter B., seine ihm zugeteilte Protokollführerin dabei anschauend.
" Nach Erörterung der Sach - und Rechtslage und auf dringendes Anraten des Gerichts, schließen die Parteien folgenden Vergleich:

1. Die Beklagte zahlt an den Kläger einen Betrag von ..... DM nebst 4 % Zinsen seit dem... .

2. Der Beklagten wird nachgelassen, diesen in monatlichen Raten zu 100 DM, beginnend mit dem .....  an den Kläger zu zahlen.

3. Kommt die Beklagte mit mehr als 2 Raten in Verzug, ist der Restbetrag in einer Summe sofort fällig.

4. Von den Kosten des Verfahrens, einschließlich des Vergleichs,  tragen die Beklagte 4 /5; der Kläger 1/ 5. "

" Frau X lesen Sie dann bitte noch einmal vor! ", schnarrte Richter B. in Richtung seiner Protokollführerin. Die legte in dem leiernden Ton los.
" So, richtig? ", wollte Richter B. von den Anwesenden wissen.
Sowohl der Kollege aus dem Viertel als auch ich gaben ein hörbares " Ja " ab.
" Laut vorgelesen und genehmigt. ", ergänzte Richter B. dann noch.
" Damit ist die Sitzung beendet! ", stellte er zudem fest. Wir standen auf. Claudia G. stampfte wütend in Richtung der Tür. Sie war immer noch sauer auf den Vermieter D. Dabei hatte ich für sie aus dem Verfahren das Optimum heraus geholt.

Auf Weg zum Ausgang wollte sie doch tatsächlich von mir wissen, ob sich dieser und der Richter B. kennen würden.
" Wieso? ", wandte ich scheinheilig ein, wohl wissend, dass es eher nicht der Fall war. Allerdings war D. eben in Bremen so bekannt wie ein " bunter Hund ". Und damit hatte er bei Richter B. einen Halb - Promi - Bonus. Richter sind schließlich auch nur Menschen.
" Na,ja, wie der den D. hofiert hat. ", erklärte die Mandantin weiter.
Sie hatte ja vollkommen Recht. Uns hatte er wie Bettelpack behandelt und Olaf D., den Vorzeige - Grünen aus dem Viertel sah er als Sonnenkönig.
So ist Justitia halt auch: Auf einem Auge sehend, auf dem anderen blind.

Vor dem Gerichtsgebäude verabschiedete ich mich von der Mandantin. Ich hatte noch beim Landgericht und in der Hauptpost etwas zu erledigen.

Einige Tage später ließ Richter B. das Protokoll und den Vergleich per Post übersenden. Ich behielt eine Ausfertigung in der Handakte; die andere warf ich bei der Mandantin ,in den Briefkasten ein. Ihr Name war dort noch zu lesen und das Wohnhaus lag ja nur zirka 30 Meter von unserem Büro entfernt in der selben Straße.

Das Jahr 1987 neigte sich dem Ende. Irgendwann, so kurz vor Weihnachten, ließ der Kollege, der den Vermieter Olaf D. vertrat, den geschlossenen Vergleich von " Anwalt zu Anwalt " zustellen. Das bedeutete nichts anderes, dass Claudia D. nichts oder nicht mehr bezahlt hatte und der " werte Herr Kollege " aus dem Szene - Viertel die Zwangsvollstreckung einleiten wollte.
Nun, gut, einer nackten Frau kann man ( Mann ) aber nicht in die Tasche greifen. Und ich unterschrieb das beigefügte Formblatt, auf dem ich den Empfang der vollstreckbaren Ausfertigung des Titels ( Protokolls ) bestätigte, mit Kanzleistempel und Datum versehen und sandte den Sermon in dem beigefügten Freiumschlag an den " sehr geehrten Herrn Kollegen " zurück.

Danach hörte ich von diesem in der Rechtssache des Olaf D. gegen Claudia G. nichts mehr.

Im Herbst des darauf folgenden Jahres trennte ich mich von meinen Kompagnon, meinem Sozius.
Als ich Monate später wegen eines erledigten Gerichtstermins in das einstige, gemeinsam geführte Büro hinein schaute, saß der Kollege R. hinter seinem Schreibtisch. Wir tranken zunächst einen Kaffee. R. qualmte nach wie vor wie ein Schlot, öffnete aber mir zuliebe das Fenster. Irgendwann in dem Small Talk, bei Kaffee und Zigarettenqualm, wollte ich von dem Kollegen wissen, ob er je wieder etwas von der einstigen Mandantin Claudia G. gehört habe.
" Ja! ", war seine spontane Antwort. " Die ist verstorben! ", fügte er wenig emotionslos hinzu.
Ich muss ihn dabei wie einer stehen gebliebener Trecker angesehen haben, denn er fühlte sich bemüßigt mir noch zu erklären:
" Die war krank. Die hatte AIDS! ".
" Ach, so? Dann braucht sie das Geld an Olaf D, ja nicht mehr zu bezahlen! ", gab ich ihm bestimmend zur Antwort.
" Neee, wohl nicht! ", entgegnete Kollege R. mir in einem süffisanten Unterton.

Nach 30 Jahren fiel mir diese Geschichte wieder ein, als ich die Radio Bremen - Meldung hörte. Olaf D. möchte also eine neue Partei gründen. Mit über 82 Jahren? Ganz schön mutig. Aber, so ganz nebenbei gesagt: Mitnehmen können wir alle nichts aus diesem, unserem, Leben.
Der Eine erfährt dieses früher, der andere dann eben später. Und ob etwas von uns für die Nachwelt verbleibt, liegt dann wohl doch auch daran, was wir zuvor selbst waren.
Claudia G, war nichts, Olaf D. zumindest Politiker und Vermieter.


" Electra ( Combo )  aus Dresden mit " Nie zuvor " - 1986:















 












Montag, 19. Februar 2018

" Meta " - Der Film zu einem Film im Film?



Mit dem Namen " Meta " kann u.a. dieses verbunden werden:


https://de.wikipedia.org/wiki/Meta

Es kann sich aber last but not least auch um eine Folge aus der allseits beliebten " Tatort " - Serie handeln, die uns die alte Tante ARD über ihr Erstens beinahe jeden Sonntagabend und dieses pünktlich zur besten Sendezeit gleich nach der " Tagesschau " um die Glüsen haut. Okay, es gab von der mehr als 1.000 Folgen, die so seit den frühen 1970er über die dicke Mattscheibe des damaligen Röhrenfernsehapparat waberten, gute, weniger gute, aber - und dieses seit einigen Jahren zunehmend - miserable Beiträge der Mord - und Totschlag - Orgie.

Der gestrige RBB - " Tatort " wurde zwar von einer Vielzahl der Kritiker in den viel zu vielen Medien überwiegend positiv aufgenommen, das soll jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass dieser Versuch, einen " experimentellen " Krimi auf die Scheiben der sonntäglich darauf darbenden Glotzer zu zaubern gewaltig in die Büxe gegangen ist.

Es sollte sich dabei um eine Handlung drehen, die dem Kinofilm " Taxi Driver " angelehnt wurde. Ein ambitionierter Versuch den Scorsese´- Schinken aus dem Jahr 1976 nach mehr als 40 Jahren aus der Gruft zu ziehen, ihn in Leichenfledder - hafter Weise zu sezieren und für das breite TV - Publikum- Ein abgetrennter Finger, eine in Formaldehyd dazu gehörige Leiche einer jungen Frau und das Geheule der so genannten Fans, die auf der Berlinale den selbst ernannten Stars den Roten Teppich bereiten, gehören zu der Handlung, Da schnodderige Ermittlerduo aus Berlin hat es dann nicht gerade leicht, nicht die Bodenhaftung zu verlieren.

Es soll im dort gezeigten Film, der auch noch seine Premiere feiert, um einen Mord gehen, der auf einer Filmszenerie basiert. Genau diese Abfolge erleben dann die Berliner Kommissare Rubin ( Meret Becker ) und Karow ( Mark Waschke ).

Nach einer Stunde des Herumexperimentierens haben wir umgeschaltet. Nö, das war zu viel!  Bei all der cineastischen Kunst, aus einer hanebüchenen Geschichte, ein ebenso wildes Drehbuch, mit zwei selbstzerstörerischen Kripo - Beamten, nicht glatt die Eigenkontrolle zu verlieren. Ich fühlte mich dabei an die bekannte Fotografie erinnert, die einem Knipser zeigt, der gerade von einem anderen fotografiert wird und dieses wiederum von einem weiteren Fotografen festgehalten wird.
Immerhin hat dieses irgendwie noch mit Kunst zu tun.

http://www.zeit.de/kultur/film/2018-02/tatort-berlin-meta-obduktionsbericht


" Guru Guru " - " Stone In " - " UFO " - 1970:




Sonntag, 18. Februar 2018

Lambdasondenkalibrierung


Die vergangene Woche begann nicht gerade viel verheißend. Am Montagabend streikte erneut die Heizung. Das Pelletlager im " Bio Tech Top Light " - Kessel war leer. Ohne Moos nix los, ohne Pellets keine Wärme, ohne warme Bude gibt´s Mecker von der Finanzaufsicht und Staatsregierung. Also trollte ich mich zum wiederholten Mal in den Keller und prügelte mit beiden Fäusten auf das 5 Tonnen - Sack - Silo ein. Kurz danach befahl ich dem Kessel durch Knopf drücken auf dem Display, er möge endlich neuen Brennstoff nachziehen.

Befohlen, getan. Er zog und zog und zog über die 6 Meter lange Plaste - Saugleitung aus dem Sack die Sticks. Nach 10 Minuten verließ ich erleichtert den kalten Keller. Ich setzte mich in die noch handwarme " gute Stube " und stand nach einer Viertelstunde wieder auf, um nach dem Rechten zu hören. Beim Öffnen der Kellertür steckte ich mein ergrautes Haupt in die Tiefe der Dunkelheit und hörte angestrengt nach unten. Jaaaaaaaaaaah! Die sattsam bekannten Betriebsgeräusche des Ofens waren zu vernehmen. Alles Gut!

Ab Mittwochabend drohte mir das gleiche Heimspiel. Wieder ging es ab in den dunklen, kalten Keller. Die Anlage streikte erneut. Jedes Jahr die gleiche Sch..., jedes Jahr der gleiche Dreck?
Ich brachte den Brenner auf dem gleichen Wege wieder zum Glühen und erhielt - darüber war ich dankbar - ein warmes Arbeitszimmer etc.

Donnerstag verlief ohne Heizkessel - Störungen. Dafür sprang am Abend der " Dr. Mazda " nicht an. Die Batterie hatte ihren Heiligen Geist aufgegeben. Eigentlich waren draußen ja nicht die bitterkalten Minusgrade, so, wie wir sie aus den USA herüber gebracht bekamen, aber dennoch. Der Diesel wollte nicht und Anschieben ist nicht. Ich informierte meine bessere Hälfte, die noch in einem verspäteten DB - Zug von Tharandt saß. Die Deutsche Bahn muss auch Geld verdienen, weshalb sie ihre Güterzüge auf den Billigen - Jakob - Strecken ständig präferiert und sie durchfahren lässt, während die Regional - Milchkannen - Container zu warten haben. So einfach ist Kapitalismus!

Also: Einkaufstüten in die rechte Hand genommen und ab zum Bahnhof Dresden - Plauen. Doch der ursprüngliche Paln, in dem nahe gelegenen Supermarkt den Wocheneinkauf erledigen zu wollen, wurde bereits kurz nach den Eintreffen der verspäteten S - Bahn in Richtung Dresdner Hauptbahnhof, von meiner besseren Hälfte diskussionslos verworfen.
Sie hatte sich über den Fleischtransporter der MRB und der DB einen Erkältungsnachschlag eingefangen.

Sie war schlapp und platt, wie die Batterie unseres " Dr. Mazda ". Deshalb verschoben wir den Einkauf auf den Freitag. Der Nachbar leistete zuvor Starthilfe, der Diesel sprang an und der Einkauf konnte erledigt werden.
Dafür wurde die Erkältung bei meiner besseren Hälfte heftiger.
Schniefend, prustend und hustend, quälte sie sich über den Freitag.

Am Abend dieses halbwegs erfolgreichen Tages streikte die Heizung erneut. Dieses Mal hatte ich es nicht rechtzeitig vor dem Schlafen gehen auf dem Radar. Der Kessel heizte nicht mehr auf, die Räume blieben kalt und die beiden Kaminöfen mussten am folgenden Samstagmorgen in Gang gesetzt werden.

Nach kurzer Zeit brannten beide Öfen und gaben wenigstens für 3 Räume die gewünschte Wärme ab. Schniefend, röchelnd und niesend verbrachte meine bessere Hälfte den gesamten Vormittag auf der Wohnzimmercoach, während ich unten im kalten Keller herum werkelte. Ich schraubte am Sack - Silo eine runde Metallplatte ab, die sich im hoch trabende Techniker - Kauderwelsch Revisionsklappe nennt. Na, etwas übertrieben ist das schon. Eigentlich sollte darüber nur die Förderschnecke, die unterhalb des Sack - Silos in einem Stahlkasten eingebaut wurde, erreichbar werden. Und dieses nur bei Störungen. Eine solche lag jetzt vor.

Nachdem ich die Klappe abgeschraubt hatte, griff ich in das Innenleben und presste das dort abgelagerte Mehl der Pellets mit der Hand heraus. Hustend schob ich dieses zur Seite. Dann schraubte ich die Klappe, also den runden Deckel, wieder an den Stahlaufbau und ließ die Saugeinrichtung laufen. Der kranke Patient arbeitete zwar, er zog aber nicht genügend Pellets aus dem Behälter. Nach einer Viertelstunde gab dieser dann auf. Die rote Kontrollleuchte auf dem Display blinkte und die Laufschrift darunter meldete: " Pelletbehälter leer ".

Ich wiederholte die gleiche Prozedur und erhielt das gleiche Ergebnis. Erst beim dritten Mal war der Brennstoffbehälter am Kessel gefüllt. Ich stellte die Heizung mehrere Male aus und betätigte dazu den Hauptschalter, der oben an der Außenwand des Heizungsraums angebracht wurde. Es tat sich nichts. Die Heizung machte keinen Mucks. Kurz danach ließ sie mich aber über die Laufschrift am Display wissen " Lambakalb". Was dieses Untier zu bedeuten hat, wurde mir beinahe in jedem Betriebsjahr klarer. Nichts gutes, eben!

Dieses Meldung kann ein mittelschweres Erdbeben auf dem Online - Konto verursachen. Dann nämlich, wenn ein Fachmann, ein Servicetechniker, ein gelernter Mann der Heizungsstörungen, an diese Sache heran geht. Wir haben zwar einen Solchen einen Steinwurf von uns entfernt in der Nachbarschaft wohnen, doch der hatte bereits vor Jahren abgewunken. Davon, somit von Pelletheizungsanlagen hat er " keene " Ahnung. Da der einstige Experte auf diesem Gebiet uns vor einigen Jahren in der Kälte hat sitzen lassen, weil er für den Austausch der beiden Kohlebürsten des Brenners keine Knete verdienen konnte und in den Mails nur " dumm Tüch sabbelte ", war jetzt " selbst ist der Nicht - Fachmann " angesagt.

Ich googelte zunächst und fand einige Seiten zu dem Thema " Lambdasondenkalibrierung ", wobei mir zunächst nicht so richtig bekannt war, was es mit dieser Störungsmeldung, die aber eigentlich keine richtige war, denn das rote Signallämpchen blinkte ja nicht auf, auf sich haben könnte. Den technischen Begriff " Lamdasonde " kannte ich bereits aus jener Zeit, in der die erste PKW mit Katalysatoren auftauchten und über den Fortfall der Kfz - Steuer subventioniert wurden. Ich fuhr ab 1987 einen " Mazda 323 " mit Kat, las dann und wann von Horrormeldungen über Waldbrände, die von solchen Autos verursacht worden sein sollten und hatte aber nei das Gefühl, damit je etwas zu tun haben zu müssen.

Also eine solche Lambdasonde regelt die im Ofen das Mischverhältnis von Luft zu dem beim Verbrennen der Pellets entstehenden Kohlenmonoxydgehalt und beeinflusst damit die Brennstoffzufuhr. So weit, so unbekannt. Dann las ich den alles entscheidenden Satz eine Heizungsexperten: " Werden Pellets mit zu viel Staubanteilen in den Brennerraum eingeführt, misst die Sonde ein zu hohen Schadstoff wert und der Kessel wird nicht über eine Brennerlanze, die wie ein etwas größerer Fön aussieht, gezündet. Die Heizung streikt!

Na, toll! Und jetzt? Ohne Techniker, an einem Samstagmittag?

Ich las weiter. Der Pelletvorratsbehälter sollte dann in jedem Fall entleert und manuelle gereinigt werden. Aha! Und dann? Die Lambdasonde muss danach wieder kalibriert werden. Was heißt das? Sie ist neu einzustellen. Aber, wie, um aller Welt soll das gehen? Da komme ich nicht ran!

Ich sputete mich nach dem Mittagessen in einer nur halb - warmen Küche, die Gurke da unten im Keller wieder in Gang zu bekommen. Wieder und wieder schaltete ich die Heizungsanlage am Display ein, dann wieder aus. Auch der Hauptschalter wurde von mir malträtiert. Es tat siche einfach nichts. Dann schraubte ich das Blech zum Pelletlager am Kessel ab. Ich holte mehrere Behälter, den Staubsauger und begann die mindestens 60 Kilogramm Holzpellets aus dem Blechtank zu schippen. Überall war das Holzmehl zu sehen. Ich besorgte mir ein mittel großen Küchensieb und schüttete die Wanne, die Plasteschüssel und die beiden Eimer nach und nach in einen dritten Plasteeimer und siebte den Schmott ordentlich durch. Dann schüttete ich die entstaubten Pellets zurück in das Lager. Nach mehr als einer halben Stunde war die Reinigungsaktion beendet. Ich verschloss den Pelletbehälter am Heizkessel wieder und stellte die Anlage wieder auf Betrieb. Es tat sich - wie zuvor auch - nichts. Der vorgesehene Ablauf, dass der Kessel zunächst den Brennerrost automatisch reinigt, dann Pellets einfüllt und zuletzt zündet, funktionierte nur bis nach der Rostreinigung. Dann zeigte das " Lambdakalb " an. Das war´s!


Mittagspause. Ich grübele über eine Lösung unseres technischen Problems und male mir dabei den Eintritt eines Super - Gaus aus. Die Nachttemperaturen sinken von plus 3 bis 5 Grad auf - wie einst vor einigen Jahren im Winter selbst erlebt - minus 20 ° C ab. Der Horror!
Die Anlage friert dann ein. Die kalten Flunken bleiben und die Erkältung dabei natürlich auch.
Frustriert begab ich mich in die kalte Küche und stellte den Backofen des " Smeg " - Herdes an. Wenigstens der funktionierte und spendete alsbald ein wenig Wärme.

Nach einem kurzen Päuschen schaute ich erneut ins World Wide Web und gelangte auf ein Forum, in dem sich schlaue Laien mit noch schlaueren Halblingen aus der fremden Welt der Technik über allerlei Problem, Fehler und sonstige nicht technischen Malöre austauschen und sich dabei wechselseitig virtuell abwatschen. Aber immerhin bei all dem Gesülze dort, plötzlich kam mir die zündende Idee. Die Lambdasondenkalibrierung wurde dort mit " automatisch " angegeben. Wieso das? Ich las noch einige Minuten weiter, scrollte den ganzen Thread nach unten und konnte mir diesen technischen Ablauf nur so erklären, dass der Kessel sich, nachdem er wegen Wartungs - oder Reparaturarbeiten ausgestellt werden musste, natürlich erst wieder selbst einzurichten hatte. Ein entsprechendes elektronischen Programm sah dieses nun vor. Also: Nichts mit manueller Einstellung und so.

Es war inzwischen 15.00 Uhr, in einer halben Stunde würde mein SV Werder bei den Freiburgern im Breisgau aufzulaufen haben, sich dabei von einem miserablen Wetter im Stadion, den mauernden und holzenden Breisgauern, aber auch einer schwachen Vorstellung selbst, die drei erhofften Punkte abluchsen und dabei von einem miserablen Schiri aus der Bazi - Metropole auch noch verpfeifen lassen. Okay, Schwann drüber. Das war nix!

Dann wollte ich es aber wenigstens noch mal von der Pellet - Heizungskrücke wissen. Geladen stand ich auf und wollte nach dem 0:1 in den Heizungskeller stampfen. Ich hatte kaum die Kellertür aufgemacht, dann drangen mir wohl bekannte, ja, so heiß geliebte Geräusche entgegen, dass ich das Pleitespiel gegen die Breisgauer sehr schnell vergaß. Voller Freunde berichtete ich meiner schniefenden, hüstelnden, jammernden, bessern Hälfte von dem Erfolg des Menschen über ihm unbekannte Technik.

Nein, ich bin kein großes, technisches Genie, Auch wenn ich mich im Verlauf der vielen Lebensjahre dann und wann mit ihr versuche. Es begann mit einem " Trix " - Metallbaukasten, setzte sich über eine zusammen geschusterte Stereo - Anlage nebst Mischpult der Marke Eigenbau, das ich von einem Nachbar gekauft hatte, fort und endete selbst bei den vielfältigen Reparaturen an meinen roten, lindgrünen, gelben und marineblauen R 4 nicht. Ob die durchgerostete Auspuffanlage, die ausgelutschte Batterie oder die Kohlen der Lichtmaschine, ich versuchte mich an diesen Dingen einfach, um die Knete für die Werkstatt zu sparen. Wenn es nicht anders ging, suchte ich diese in Bückeburg dann doch auf. So auch, als der zweite R4 mal wieder nicht ansprang und ich die Handkurbel auspacken musste. Ich erklärte dem Werkstattmeister und Mitinhaber des Autohauses Sch. in Bückeburg von meinem Problem.
" Der springt manchmal nicht an, obwohl die Batterie fast neu ist. ", behauptete ich unfachmännisch.
" Das kann nicht sein, der kann ja nicht denken. ", entgegnete Kfz - Meister Sch. mir in einem süffisant, arroganten Ton.

Es stellte sich bei der Durchsicht heraus, dass die Verteilerkappe leicht gerissen war und darüber Feuchtigkeit in dieses wichtige elektrische Teil des Innenlebens dringen konnte. Dadurch funktionierte die elektrische Zündung nicht richtig. Er tauschte die Kappe aus, säuberte die Kontakte und setzte sich in den grünlichen Gartenstuhl. Dann drehte er das Zündschloss herum. Der R4 - Rödel sprang wie eine Eins an. Er wiederholte das Prozedere gut ein halbes Dutzend Mal.
" So, dass war´s! ". Dann unterschrieb er einen Werkstattzettel und entließ mich in Richtung des Büros. Dort rechnete eine kaufmännische Mitarbeitern den Betrag aus, den ich zu berappen hatte. Die Verteilerkappe kostete das Doppelte des Stundenlohns. Na, ja, dafür, dass ein Auto auch damals nicht mitdenken konnte, war das schweineteuer.

Sicherlich konnte es einst nicht Denken, aber es hätte wenigstens mir klar machen können, dass es nicht anspringen und mit mir irgendwo hinfahren will. Doch ein Mal das machen, was ich wollte und ein anderes Mal streiken, das geht gar nicht.

Und so überlegte ich mir bei solchen technischen Problemen, was sein kann und was nicht. Die Batterie unseres " Dr. Mazda " ist zwar nicht vollständig aufgeladen, aber dafür habe ich gegen die Kälte und die Feuchtigkeit jetzt eine Decke auf den Motorblock und die Batterie gelegt. Das hilft, wenn auch nicht bei einem Heizungsausfall, wenn der Pelletkessel nicht anspringen will und anzeigt, er müsse erst die " Lambdasondenkalibrierung " durchführen.



" Kanoi & KRPL " - " Hell Was´nt Built In A Day " - " Das blutige Samenkorn " - 2016:



Samstag, 17. Februar 2018

Fußball vom anderen Stern



Ab Dienstag rollte der Ball ja wieder in den beiden europäischen Wettbewerben. In der so genannten Königsklasse allerdings zunächst ohne bundesdeutsche Beteiligung. Die beiden ehemaligen Vertreter in der Gruppenphase Dortmund und Leipzig hatten diese bekanntlich nicht überstanden. Einzig die Bayern halten nunmehr die " schwarz - rote - geile " Fahnen in den Nachthimmel der Arenen von Porto über Madrid bis London und von Paris bis Barcelona.

Da durfte sich der Fußballfreund am Mittwoch auf einen Leckerbissen in Sachen Fußballästhetik freuen, denn es trafen sich in Madrid die beiden Klubs von Real sowie Paris Saint Germain zum Hinspiel in der ersten KO - Runde. Zuvor allerdings gab es zunächst am Dienstag erst die übliche Hausmannskost. Da ohrfeigte der Hampelmann Pep Guardiola mit seinem Millionärs - Klub Manchester City die wackeren, aber völlig überforderten Eidgenossen des FC Basel in deren Stadion mit 4:0. Zeitgleich trotzen die Tottenham Hotspur der alten Tante Juve, also Juventus Turin, in deren Arena, nach einem 0:2 noch ein 2:2 ab. Beim ersten Spiel begegneten sich zumindest Geld mit dem Irrglauben, dieses könne keine Tore schießen.

Ab Mittwoch indes kam es zum absoluten Showdown der Multimillionäre. Die " Königlichen " trafen auf die " Neureichen " oder anders, Geld spielte gegen neues Geld. Dass am Ende der Ronaldo - Klub mit 3:1 die Nase vorn hatte, lag eben an dem Meister des eleganten Balls selbst. Ronaldo traf 2 Mal. Sein vermeintlicher Konkurrent um die Krone des besten Fußballers auf diesem, unserem, geldgeilen Planeten, mit Namen Neymar ging indes noch leer aus.
Das könnte sich vielleicht schon im Rückspiel ändern.

Das 3:1 ist kein sanftes Ruhekissen, denn die Offensivtruppe von Paris SG ist im heimischen Stadion nun mal keine Zirkusnummer, sondern walzt hier regelmäßig ihre Gegner gnadenlos nieder.
Immer rennen die Millionäre in den mindestens 90 Minuten sehr viel für ihr Geld. Und dieses ist nicht gerade wenig. Der Brasilianer Neymar erhält von dem Pariser Verein ein monatliches Grundgehalt in Höhe von 3.069. 520 Euro. Dafür darf der PSG - Fan doch nun wirklich verlangen, dass er alleine die Madrilenen an die Wand spielt.

Doch: Pustekuchen. Die " Bettler " von Real zeigten es den Neureichen und jagten sie unter den Jubelgesängen der ansonsten eher biederen und operettenhaft agierenden Anhänger aus dem Bernabeu. Wiedersehen macht Freude?

Ganz nebenbei sei erwähnt, dass die von Jürgen Klopp trainierten " Reds " aus Liverpool den portugiesischen des FC Porto in dessen Arena mit 5:0 demütigten. Nun, hat wenigstens ein Deutscher mal gewonnen. In der CL, der Klasse der Könige und Millionäre. Vielleicht ist das Ansporn für die Bayern?

Die spielen allerdings keinen Fußball vom anderen Stern. Nicht mehr. Sonst müsste der Bazi - Lobhudeler   Reif von " Sky " reaktiviert werden - und: Wer will den noch?


http://www.kicker.de/news/fussball/chleague/startseite.html

Ach, ja, am Donnerstag gab es dann noch zwei Begegnungen mit Buli - Beteiligung. Und ausgerechnet gegen italienische Klubs. Die sind auch nicht mehr das, was sie vor vielen Jahren waren. Die RBler aus Leipzig schlugen den italienischen Meister SSC Neapel mit 3:1 in deren nur zu 10 % besuchten Stadion und der BVB aus Dortmund drehte ein Spiel gegen Atalanta Bergamo knapp mit 3:2.

Aber, darüber spricht und schreibt kaum ein Mensch, denn das war nur solide Handwerkskunst und keine Ballakrobatik, also Fußball vom anderen Stern.


" Stern Combo Meißen " - " Innenwelten " - 1980: