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Freitag, 19. Januar 2018

Vergessene Orte: Der Bahnhof in Nossen


Mein gestriger Bericht über das erlebte Chaos bei der " Mitteldeutschen Regio Bahn " aufgrund der Auswirkungen des Sturmtiefs " Friederike " erbrachte bei de Recherchen, nicht nur einige Informationen über den Bahnhof in Freital, sondern mich zu einem Portal, auf dem Bilder von verlassenen, vergessenen und herunter gekommenen Bahnhöfen zu sehen sind.

Unter " rottenplaces.de " haben sich einige Interessierte zusammen gefunden. deren Anliegen es ist, verfallene oder vom Verfall bedrohte Gebäude zu benennen und hiervon Fotos aufzunehmen.
Eher zufällig schaute ich mir hier ein Bild des Bahnhofs in Nossen an.

 http://www.rottenplaces.de/main/bahnhof-nossen-15318/

Dieses Gebäude wurde vor 150 Jahre, also 1868, fertig gestellt. Zunächst bestand es aus einer Holz - Empfangshalle. Mit der Erweiterung einer zusätzlichen Anbindung durch die " Zellwaldbahn " erfuhr die Konstruktion ein verändertes Aussehen. 1873 wurde ein Backsteingebäude in Betrieb genommen, zumal es ab diesem Zeitpunkt eine direkte Bahnverbindung in die tschechische Stadt Most ( einst Brüx  ) gab.

Sieben Jahre später erfolgte die Aufnahme der Strecke Riesa - Nossen und mit ihr eine weitere Vergrößerung des Gebäudes.
Ab 1886 kamen weitere Streckenanbindungen hinzu, womit der Bahnhof Nossen aus  9 Haupt - sowie 15 Nebengleisen bestand. Zwei weitere Gleisstränge waren für einen so genannten Hilfs - und einen Schlackzug vorgesehen.
1899 erfolgte eine Einbindung der Schmalspurbahn Freital - Potschapel - Nossen an den dortigen Bahnhof.

Neben dem Güterverkehr, der ständige Steigerungen erfuhr, registriere die Reichsbahn 1935 mehr als 181. 000 Personenbeförderungen.

Ab 1945 begann der schleichende Abbau von Gleisen und die Einstellung einiger Strecken.  Zu Beginn der 1970er Jahre erfolgte eine Stilllegung der Schmalspurbahnstrecke Freital - Potschappel - Nossen. Das Gleis zu der Lederfaserfabrik Siebenlehn wurde 1974 demontiert; 1977 kam es zu der Stillegung der " Zellwaldstrecke "; seit 1998 stellte die Deutsche Bahn den Verkehr zwischen Riesa - Nossen endgültig ein. Zurzeit fahren nur noch Güterzüge zum Tanklager Rhäsa: Der Bahnhof Nossen selbst ist lediglich durch die Strecke Borsdorf - Coswig eingebunden.

Einige Gleisanlagen blieben aus der Hochzeit des Bahnhofs bis heute erhalten. Das Gebäude gammelt indes vor sich hin, wie die Bilder belegen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_Nossen


https://www.google.de/search?q=Bahnhof+Nossen+Bilder&client=opera&hs=Xuw&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ved=0ahUKEwiH0ILouOTYAhVJJewKHdQLCcYQ7AkIQA&biw=1344&bih=732#imgrc=InT6mJPO8kG4YM:

Während die Deutsche Bahn sich mit sündhaft teure, mit sehr kostspieligen Prestigeprojekten selbst feiert, verrotten, vergammeln, verfallen, einstige Bahnhöfe, ohne dass die Damen und Herren in den leitenden Positionen dieses versuchen zu verhindern.
Eine Schande sind sie alle Male, die vergessenen Orte ( lost places )!


" Papir " - Papir -  I - Album: " Papir III " -  2013:



Donnerstag, 18. Januar 2018

Eine Zugfahrt ist nicht lustig.



Draußen stürmt Friederike. Immer diese rasanten Frauen. Sie macht viel Wind, bringt dem Hohen Norden dazu noch Schnee und lässt das Verkehrschaos - nicht nur dort - perfekt werden. Der größte Personentransporteur, die Deutsche Bahn, hat ihren Fernzugverkehr zunächst komplett eingestellt. Au, ha! Da wird so mancher nicht mehr rechtzeitig oder eventuell gar nicht an dem gewünschten Ziel ankommen.

Wenn die Züge nicht mehr fahren, gibt es nur die Möglichkeit, so lange zu warten, bis sie wieder anrollen. Das kann jetzt dauern. Die stürmische Dame tobt sich nämlich erst aus. Ich hatte gestern ja vollmundig behauptet, dass das Orkantief uns im Freistaat nicht tangiert. Doch: Pustekuchen, heute ist es auch bei uns angelangt.

Ab Mittag begann die windige Dame ihre Arbeit. Und schon vermeldete der Verkehrsfunk Unfälle, Sperrungen und gab zudem halbstündige Warnungen heraus. Wenn es sich nicht vermeiden ließ, sollte der mobile Bürger eher in den eigenen Vier Wänden bleiben. Er möge unbedingt darauf achten, sich nicht in der unmittelbaren Nähe von Bäumen aufzuhalten. Die Anzahl der gemeldeten Straßensperrungen nahm nahezu stündlich zu.

Als wenn ich es geahnt hätte, bereitete ich mich ab 15.30 Uhr auf eine Fahrt in Richtung Chemnitz vor. Meine bessere Hälfte hatte sich bereits über ihr Handy gemeldet, um mir zusagen, dass die Züge auf der Strecke Chemnitz - Dresden Verspätung haben werden. Dann kam gegen 16.30 Uhr ein weiterer Anruf. Die Mitteldeutsche Regio - Bahn ( MRB ) hatte den Zugverkehr komplett eingestellt. Der letzte Zug stand nun in Freiberg auf dem Bahnhof.

Ich bediente unser Navi und fuhr los. Es wurde langsam dunkel. Hinter Kesselsdorf begann es richtig zu wehen. Auf der B 173 lag bereits allerlei Zeug herum. Kleine Äste, Plastikteile und noch jede Menge Blätter des vergangenen Herbstes wirbelten auf und über die Straße.
Beim Hetzdorf stockte dann der Verkehrsfluss. Eine Fichte lag quer über der Straße. Noch war ein Vorbeifahren über den Gehweg möglich. In Freiberg rollte der Freiabendverkehr ohne Probleme.

Ich fahre noch einige hundert Meter in Richtung Bahnhof. In Freiberg besteht der dortige, von der Deutsche Bahn unterhaltene Bahnhof aus einem Backsteingebäude und einem neu errichteten Stahl - und Plexiglas - Überbau der beiden Gleise. Während das Relikt aus vergangenen, besseren Zeiten, mit den Charme der DDR aus den 197oern langsam aber dafür sicher vergammelt, macht der Standard - Gleisüberbau noch einen einigermaßen passablen Eindruck. Doch die lieblose, Einheitsfassade des Bahnhofs täuscht. Es sind dort weder Toiletten, noch sonstige Zusatzeinrichtungen vorhanden.
Wer hier ein dringendes Bedürfnis verspürt, der erledigt es an  und auch in dem alten Bahnhofsgebäude.

Bahn 2018, eben!

Ich nehme meine bessere Hälfte, ihren Kollegen und eine Dresdnerin aus dem Stadtteil Plauen auf. Unterwegs erzählen sie mir, dass es ab Freiberg nicht mehr weiter ging. Der Zugführer stoppte dort und behauptete - wahrheitswidrig - ab 16.28 Uhr bestünde eine Busverbindung in Richtung Dresden. Danach orderte er die " Evakuierung " oder besser " Beräumung " des Silberlings an. Das war´s für alle Fahrgäste, Open end!

Der Bus fuhr natürlich nicht. Der Zug wurde aber abgeschlossen und die Hundert und mehr Kunden, die ja für diese Fahrt bezahlt hatten, dem Orkan " Friederike " übergeben. Der Drecksladen DB Regio hatte natürlich weder eine saubere Wartehalle im Bahnhofsgebäude parat, noch gab es hier gereinigte Sitzgelegenheiten. Wer sich auf die wenigen Bänke setzen wollte, watete in Urinlachen. Ein Saustall, der Freiberger Bahnhof. Genauso einer, wie er es in Klingenberg - Colmnitz, Niederwiesa oder Dresden - Plauen ist. Für die Regionalverbindungen gibt der Konzern aus Berlin kein Geld mehr aus. Es lohnt sich nicht, die dortigen " Bahnhöfe " instand zusetzen.

Wir fuhren die zirka 38 Kilometer bis Dresden in einem gemächlichen Tempo. Im Auto war es angenehm warm. Draußen heulte uns " Friederike " etwas vor. Der Baum auf der B 173 innerhalb der Ortsdurchfahrt Hetzdorf war mittlerweile von der Feuerwehr zerkleinert und zur Seite gelegt worden. So, wie es in ganz Deutschland einige Tausend Mal geschah; an jenem stürmischen Donnerstag, als der Orkan " Friederike " mit mehr als 200 Km/h über den Harzer Brocken jagte, irgendwo in Nordrhein - Westfalen Dächer abdeckte, PKW zerbeulte und - noch tragischer - 6 Menschenleben forderte.

Als wir uns in dem beheizten Wohnzimmer über den Sturmabend unterhielten, kamen wir zu der übereinstimmenden Überzeugung, dass der Saftladen Deutsche Bahn nicht unter privatwirtschaftlichen Bedingungen geführt werden darf. Wer nur nach Rendite schielt, der verliert den Blick für das Notwendige, das Wichtige. Funktionierende Bahnhöfe sind eine Grundvoraussetzung, um jenes Ziel überhaupt in Angriff nehmen zu können, dass sich jeder Bundesverkehrsminister in jeder Legislaturperiode in seine Agenda schreiben lässt: Mehr Verkehr auf die Schiene und weniger auf die Straße!

Bei solchen Sauställen, die sich auch noch vollmundig Bahnhof nennen dürfen, wird das nix. Da macht eine Bahnfahrt keine Spaß und sie ist auch nicht lustig. Ob nun mit oder ohne Orkan " Friederike "!

Gut´s Nächtle mit:


" Colt 38 " - Ardonai:











" Simly the best "?


Am Sonntagvormittag entdeckte ich beim Vorbeigehen an einer Steinwand der Bahnunterführung an den DVB - Halsstellen ein Plakat mit dem Konterfei von Tina Turner. Von dem darunter stehenden Text konnte ich nur " Break Every Rule " entziffern. Hmh, dass ist ein bekannter Titel aus einem gleichnamigen Album der ehemaligen " Rock & Pop - Queen ", die ihre besten Jahre bekanntlich längst hinter sich hat und in den 1970ern bis in die Nuller - Dekade hinein, sämtliche Bühnen dieser Welt aufsuchte, um darauf ihre exzellente Show zu zeigen.

Doch auch Künstler werden älter. Der Zahn der Zeit nagt an ihnen. Der durchaus anstrengende Beruf lässt sich damit - wohl eher - nicht bis zum letzten Atemzug ausüben. Ein rational denkender Protagonist wird dieses alsbald erkennen und dem Publikum, der Öffentlichkeit sowie seinen Anhänger konsequenter Weise "Adieu " sagen. Wer diese Einsicht bekommt, wird sich verabschieden und eventuell so in Erinnerung bleiben, wie er oder auch sie, in den besten Jahren, in der Glanzzeit, in der Erfolgsära sich als Künstler darstellen durfte.

" Simply the best ", eben.

Sicherlich gibt es hier und da einige Hansel, die es einfach nicht lassen können. Sie benötigen die Bühne, das Publikum, den Beifall, um in ihrem Leben weiterhin Inhalte erkennen zu können. Die Gefahr dabei ist jedoch, dass sie sich mit jedem weiteren Lebensjahr, welches auf ihrem Buckel lastet, denn wohl eher lächerlicher, denn weiteren Erfolg verbuchen können. Viele Pop - und Schlagerlaffen, wie Roland " Rolli " Kaiser, Howard " Howie " Carpendale oder auch Peter " der Zwerg Nase " Maffay zählen hierzu. Sie müssen es sich immer wieder aufs Neue beweisen, dass sie noch dazu gehören. Eine einfältige Variante, seine ablaufende Uhr zum Stillstand bringen zu wollen. 
Doch die biologische Uhr des Menschen lässt sich nicht anhalten. Selbst bei den inflationär angewendeten kosmetischen Manipulationen kann das geliftete und auf gepolsterte Äußre nicht nach Innen gekehrt werden.

Nun, um sich beinahe Unsterblich zu machen, gibt es indes einige Möglichkeiten. Sie / Er kann ein Buch schreiben ( lassen ), seine Musik als " Best Of " zusammen klauben und ins Netz stellen oder über sich und das Künstlerleben im Musikgenre ein Musical zusammen schustern. Das gelingt oft, aber gerät dabei nicht immer zum Besten.

Über die schwedischen Pop - Giganten " ABBA " ist- nicht nur eine Musikshow ausgearbeitet worden, über die Rock - und Poptruppe " Queen " und selbst " Uns Udo " Lindenberg ließ sich mit " Hinter´m Horizont "  nicht lumpen

Musicals haben Tradition. Wer sich je eine Aufführung aus dem Katalog der namhaften Darbietungen ansehen durfte, dafür mittlerweile locker einen Betrag im oberen einstelligen bis unteren zweistelligen Bereich berappen muss, der wird durchaus bleibende Erinnerungen daran haben. Die Liste in diesem Genre ist sehr lang.

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Musicals

Doch leider wird mit dieser Art von Kunstvermittlung auch Schindluder getrieben. Es gibt so genannte Trittbrettfahrer, die mit schlechten Akteuren und einer nur mäßigen Bühnenausstattung ordentlich Kohle abfetten wollen.

Und just dieser Gedanke kam mir, als ich das Tina Turner - Plakat entdeckte. Das Musical mit dem Titel " Break Every Rule " tingelt seit geraumer Zeit, nämlich seit Frühjahr 2015, im Bundesgebiet umher. Da wurde ich natürlich neugierig und wollte partout wissen, was und wer hinter dieser Show steht.

So schnüffelte ich hierzu ein wenig im Netz herum und wurde, wie erwartet, auch fündig. Einige " Ticket " - Portale bieten diese Veranstaltung zu Preisen ab 29,40 Euro bis zu 53,90 Euro, je nach Veranstaltungsort , an.
Die " Tina Turner - Show " gastiert auch in Sachsen. In Leipzig darf der Interessierte gleich an mehreren Tagen das " Musical " besuchen, in Chemnitz gastiert das Ensemble am 10. April und zudem danach noch in Löbau.
Mal ganz davon abgesehen, dass die Veranstaltung im nordrheinwestfälischen Neuss und in der Stadt Schwäbisch - Hall in Baden - Württemberg abgesagt wurde, fallen die Kommentare einiger Besucher von " Break Every Rule " eher durchwachsen aus.


http://www.eventim.de/break-every-rule-tina-the-rock-legend-tickets.html?affiliate=TUG&doc=erdetaila&fun=erdetail&action=tickets&erid=1232782&index_ytix=0&jumpIn=yTix&scrollToAnchor=ticketTable


https://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/1385786/

Unabhängig von den - wohl gekauften - Lobhudel - Schreiberlingen und anderen Besuchern abgesetzten Bewertungen, würde ich hierzu festhalten: Dass nicht überall dort, wo live drauf steht, auch live drin sein muss und ein Musical nicht gleich ein Musical ist, nur weil dort ( playback ) gesungen und herum gehuppt wird. Vor einigen Jahren habe ich mir den authentischeren Film über Tina Turner bei " Arte " angesehen. Dass dürfte dann wohl ausreichend sein. Um sie in Erinnerung zu behalten, reichen mir zudem einige Tonträger aus. Da muss ich nicht noch einen dritten Aufguss in halbleeren, zugigen und akkustisch saumäßigen hallen über mich ergehen lassen.

" Break Every Rule " ab 2015 - " Not simply the best "!



Tina Turner - Mick Jagger - " It´s Only Rock & Roll " - 1985 ( Live Aid ):






Mittwoch, 17. Januar 2018

Mammutprozesse



Im bevölkerungsreichsten Bundesland, in Nordrhein - Westfalen laufen zurzeit drei strafrechtliche Großverfahren.
Ab dem 13. November 2017 hat sich ein Apotheker aus Bottrop vor dem Landgericht Essen u.a. wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung, des Betruges und anderer Vergehen zu verantworten. Der 47jährige soll bei den 1.000 angeklagten Fällen Krebsmittel versetzt und damit unwirksam gemacht haben.
Der Apotheker aus Bottrop war von behandelnden Onkologen beauftragt worden, die individuell zusammen zu stellenden Pharmazeutika nicht sach - und fachgerecht geliefert zu haben, womit den Patienten zum Teil unwirksame Mittel verabreicht wurden.

Das betrügerische Wirken des Mannes, der die " Alte Apotheke " in der Stadt Bottrop führte, begann bereits 2012. Somit ermittelte die Staatsanwaltschaft in insgesamt 61.980 Fällen wegen des Verstoßes gegen einschlägige Vorschriften. Den Krankenkassen soll dadurch ein Gesamtschaden von 56 Millionen Euro entstanden sein.

Der Angeklagte Apotheker Peter S. schweigt bislang zu den Vorwürfen. Somit ist ein Ende des Verfahrens nicht absehbar.


https://www.n-tv.de/panorama/Apotheker-panscht-62-000-Krebsmittel-article20128752.html

Einige Tage später, nämlich ab dem 8. Dezember 2017 wurde das Verfahren gegen zehn vermeintlich Verantwortliche der " Loveparade " - Veranstaltung in Duisburg eröffnet. Vier Mitarbeiter des damaligen Veranstalters " Lovpavent " sowie sechs der Stadt Duisburg müssen sich vor dem dortigen Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen, im Zusammenhang mit der damaligen Katastrophe, bei der 21 Personen getötete und 652 Besucher verletzt wurden, fahrlässige Tötung und Körperverletzung in dem benannten Umfang vor.

Das Großverfahren findet nach Jahre langen juristischen Gezerre nun doch statt. Die von den Beteiligten und der Öffentlichkeit als Hauptverantwortliche bezichtigten Adolf Sauerland als einstiger Oberbürgermeister der Stadt Duisburg und Rainer Schaller als Veranstalter selbst, sitzen indes nicht auf der Anklagebank.

Ob dieser Prozess wegen der Komplexität des Sachverhalts noch in diesem Jahr zu Ende gehen kann, ist ungewiss. 



http://www.spiegel.de/panorama/justiz/love-parade-prozess-in-duisburg-darum-geht-es-im-mammutverfahren-a-1181836.html


Gleiches gilt für das heute eröffnete Verfahren gegen fünf Angeklagte, die sich wegen des vor 9 Jahren eingestürzten Kölner Stadtarchivs vor dem dortigen Landgericht zu verantworten haben. Ihnen wird fahrlässige Tötung in zwei Fällen und Baugefährdung zur Last gelegt. Auch hier steht ein Prozessende noch in den Sternen.


https://de.wikipedia.org/wiki/Historisches_Archiv_der_Stadt_Köln#Einsturz_des_Archivs


Alle drei Mammutverfahren zeigen jedoch auf, dass sich die Dritte Gewalt mit solchen komplexen Sachverhalten sehr schwer tut.
Was zunächst wegen des Umfangs für einen Außenstehenden spektakulär aussieht, wird sich schon bald als eher langweilig darstellen, denn der oft zähe Verhandlungsablauf wirkt auf Laien eher als ermüdend. Doch die Strafprozessordnung sieht nun einmal vor, dass ein rechtsstaatliches Verfahren nicht immer an den Faktor Zeit gebunden sein muss. Es gilt hier der Grundsatz der Waffengleichheit. Ein faires Verfahren kommt auch jenen Angeklagten zuteil, die sich in - von der Öffentlichkeit gesehen - moralisch verwerflicher Weise verhalten haben.
Und auch hier gilt der verfassungsrechtlich verbriefte Grundsatz des
" nulla poena sine lege " ( keine Strafe ohne Gesetz ).

Moralische Verwerflichkeit ist jedoch kein Strafgesetz. Leider!


" Abunai " - " Gypsy Davy " - " Universal Mind Decoder " - 1997:






Im Dutzend fressen.



Draußen schneit es. Es sieht aber wohl eher nach Schneeregen aus, denn die Temperaturen liegen inzwischen bei 4 ° Plus. Für eine weiße Decke auf den vielen Flächen dieser Stadt ist es damit zu warm. Also bleibt der Schnee auch nicht liegen. Auch wenn das Sturmtief Friederike über einige Regionen in Deutschland erneut Winterwetter ein blies, bleiben wir in der sächsischen Landeshauptstadt wohl davon verschont. So erzählte es mir jedenfalls der Wetterbericht von MDR aktuell, der stündlich gesendet wird.

Ich sah deshalb ganz entspannt aus dem Fenster und beobachtete, wie das dichte Schneetreiben den Garten mit einer leichten, weißen Schicht überzog, die aber nach einer kurzen Zeit dahin schmolz. Der Schneeschauer zog vorüber. Es wurde draußen etwas heller. Kaum hatte sich das Schietwetter gelegt, erschienen sie wieder in unserem Ligusterbaum - die gefiederten Freunde.

Sie saßen auf den dünnen Zweigen, hingen an den Meisenknödeln, die ich zum Ende der vergangenen Woche aufgefrischt hatte, weil von sechs Knödeln nur noch drei einen Inhalt hatten und pickten eifrig an den Tennisball großen Kugeln herum. Geschickt sind sie schon, die Spatzen. Sie klammern sich an den grünen Netzen fest und hacken mit ihren Schnäbeln das feste Gemisch aus Talg, Sonnenblumenkernen sowie Weizen - und / oder Haferflocken heraus.

 Doch irgendetwas kam mir dabei leicht verändert vor. Beim routinemäßigen Durchzählen der Vögel stutzte ich. Nein, 12 Spatzen? Sonst waren es doch nur immer 6! Ich zählte sie nochmals ab. Immer noch 12! Dann erneut - es blieben 12 Vögel.
Dabei erinnerte ich mich an die Aktion des " NABU ", der zu Jahresbeginn dazu aufrief, die auf dem Grundstück  gesehenen Vogelarten zu zählen. Eine jährliche Aktion, die ganz grob betrachtet, eine Schätzung über den Bestand der jeweiligen Arten Auskunft geben soll.

Hätte ich daran teilgenommen, meine Angaben wären verfälscht gewesen. Staat 6 Spatzen, die sich Tag für Tag an der Futterquelle gütlich tun, waren es plötzlich doppelt so viele Vögel. Doch, woher kam dieser plötzliche Zuwachs? Vielleicht hatte sich die Spatzenschar vor dem Fressen aufgeteilt und war je zur Hälfte bei unseren Nachbarn und in unserem Baum eingeflogen? Es mag sein, dass in der Nachbarschaft kein Futter mehr ausgelegt war. Oder, sollten unsere Stammgäste die Artgenossen aus den umliegenden Gärten darüber informiert haben, dass ich inzwischen neue Knödel in den Baum gehängt habe?

Wie dem auch sei: Der Zwölferrat futterte in dem Ligusterbaum die Winterspeise. Dabei war das Dutzend aber sehr geschickt. Es hingen immer nur 3 oder 4 Spatzen an den Knödelnetzen. Der Rest saß, immer versetzt, in dem Baum und beobachtete das Umfeld. Spatzen sind eben sehr vorsichtig. Da sie längst registriert haben, dass in dem Haus vier Jäger leben, fressen sie deshalb nicht alle zugleich.

Nach fünf Minuten war das Spatzenmahl beendet. Die Schar flog davon. Sie werden wieder kommen. Ob nun zu sechs oder im Dutzend, es ist völlig egal. Solange bei uns der Winter herrscht, werden wir die Knödel immer wieder neu aufhängen. Unabhängig davon, ob die Spatzen nun im Dutzend fressen oder nicht.



" Pink Floyd " - " Wot´s ... Uh The Deal " - " Obscured By Clouds " - 1972:









Dienstag, 16. Januar 2018

Zwergenaufstand?


Die Regierungsbildung nach der letzten Bundestagswahl 2017 gestaltet sich tatsächlich schwierig. Die FDP ging unserer " Angie " Merkel von der Fahne, nachdem Lindner und seine Clowns merkten, dass es für sie ernst wurde und der Wähler seine Liberalen alsbald als Scharlatane, Dummschwätzer und Nichtskönner entlarvt hätte. Genau so ist es damals dem Zwerg Nase Rösler und Bruder " Viertele "  Brüderle ergangen. Weinerlich verabschiedete sich die einstige Gurkentruppe aus Berlin und kehrte nach nur vier Jahren in der Verdammnis neu gestärkt zurück. Der Supermann Christian stemmte die gelb - blaue Show während der Bundestagswahl 2017 fast im Alleingang. " Solo für O.N.K.E.L. "?

Doch regieren wollte der Super - Christian dann doch nicht. Er bekam kalte Füße und Jamaika blieb in der warmen Karibik.

Jetzt wollen es die Schwarzen erneut mit einer Großen Koalition der Wahlverlierer probieren. Eigentlich hatte SPDler Schulz nach dem ernüchternden Wahlergebnis diese Variante kategorisch ausgeschlossen. Doch Deutschland benötigt eine sattelfeste Regierung, um europäische Politik betreiben zu können. Deshalb trafen sich Merkel und Schulz bei Bundespräsident Steinmeier und ließen sich dort davon überzeugen, doch Sondierungsgespräche zu führen. Die endetet am Wochenende mit der Einigung, demnächst Koalitionsgespräche aufzunehmen.

Nun haben die SPD - Landesverbände das Sagen. Zunächst lehnte Thüringen die Aufnahme von Verhandlungen mit der CDU ab. Dem folgte ein Nein aus Sachsen - Anhalt und am 16. 01. 2018 ein solches aus Berlin.
Der SPD - Landesverband in Mecklenburg - Vorpommern stimmte indes einer Aufnahme von Gesprächen mit der CDU zu.
Die stärksten Landesverbände in Nordrhein - Westfalen. Niedersachsen, Hessen oder Rheinland - Pfalz  werden noch befragt.

Kaum berichteten die Medien über die ersten Ablehnungen zur Gesprächsaufnahme, polemisierte der CSU - Landesgruppenchef und Ex - Minister Dobrindt dagegen und fabulierte von einem Zwergenaufstand, den Martin Schulz in seiner Partei in den Griff bekommen müsse.
Der Rabulistiker hat es gerade nötig, dem SPD - Bundesvorsitzenden Ratschläge zu erteilen. Als Verkehrsminister ist diese Flachpfeife in Berlin kläglich gescheitert. Nun wurde der Doofbrindt von dem fast entthronten CSU - König von Bayern Seehofer zurück an die Heimatfront beordert, damit er in Berlin nicht noch mehr Schaden anrichten kann.

Doch Doofbrindt bekommt für seine verbalen Ausfälle kräftige Unterstützung in seiner Bauer - Provinz. Das CSU - Hofberichterstattungsblatt " Müchner Merkur ", eine reaktionär - klerikale Dorfpostille hetzt in seiner Ausgabe vom 16.01.2018 in einem " Kommentar " gegen die SPD - Führung und die geplante Mitgliederabstimmung zu den GroKo - Verhandlungen:

" Die alte Tante SPD ist ein Fall für die Psychatercoach . Die tiefen Depressionen der Sozialdemokraten wurzeln in dem Liebesentzug durch die Wähler. Diese dürsten nicht mehr nach dem Ideal der 68er - Bewegung, sondern nach so altmodischen Dingen wie Heimat, Familie, kulturelle Identität und Rechtsstaatlichkeit. Zu ihrem großen Unglück hat die SPD nichts in ihrem Bauchladen, was sie ihren Wählern anbieten könnte, um deren Grundbedürfnis nach Wärme zu erfüllen. "

Das schwulstige Geschreibsel eines grenzdebilen Redakteur dieses Latrinenblatts lässt erahnen, wie die Schwarzen es unter Söder demnächst und weit vor der nächsten Landtagswahl in Bayern, mit den politischen Schwerpunkten in der eigenen Politik halten möchte. Der einstige SPD - Wähler hat der Partei nicht den Rücken gekehrt, weil er sich nach Heimat und ähnlichen Schmus sehnt, sondern weil er sich seit den Nullerjahren von der Schröder - Politik, die einem sozialen Kahlschlag glich, verraten und verkauft fühlt. Die SPD möchte weder alte 68er - Klamotten aus der Mottenkiste ziehen, noch eine neue kulturelle Identitätsdebatte einleiten. Diesen nationalistischen Dreck mag die CSU - AfD  - CDU - Horde öffentlich propagieren und für sich im Wahlkampf vereinnahmen. Das Grundbedürfnis nach Wärme haben die Schwarzen mit dem Festhalten an eine neoliberale Wirtschaftspolitik, die Betrüger, Steuerhinterzieher und sonstige Sozialschmarotzer privilegiert, bereits abgeschafft.

Wenn es der Schulz - Partei gelingt, die drängende Soziale Frage, die da von Altersarmut durch Kleinstrenten, durch den Zwang zum Aufstocken, weil viele von der Billigheimer - Maloche nicht existieren können und dem latent vorhanden Absturz in das perfide SGB II - Labyrinth bei Krankheit und Arbeitslosigkeit, definiert werden muss, endlich durch Lösungsansätze zu beantworten, wird sie für die einfachen Leute und viele Abgehängte in den Neuen Bundesländern, die ständig von Armut und einem sozialen Abstieg bedroht sind, wieder wählbar.

Dies hat mit dem von dem CSU - Organ " Müchner Merkur "  behaupteten, zwingenden Programminhalten reinweg gar nichts gemein. Wärme bekomme ich nur, wenn ich mein 12 m² - Loch bezahlen und beheizen kann. Kulturelle Identität wird mir nur zuteil, wenn ich den Kühlschrank und die Küchenzeile mit bezahlbaren Fressalien füllen darf.
Heimat kann ich nur empfinden, wenn ich nicht 300 bis 500 Kilometer an jeden Sonntag und ab Donnerstagabend zur Wuppe in andere Bundesländer fahren muss. Und die geforderte Rechtsstaatlichkeit hat etwas mit meinem sozialen Status und dem gefüllten Portemonnaie zu tun. Wer von unter bezahlten Jobs existieren muss, der sehnt sich nicht nach dem Schismus, den der Blödmichel des Münchner Latrinenblatts erkennen möchte, sondern nach einem Hauch von sozialer Gerechtigkeit. Hierfür steht indes die SPD nicht mehr. Und die schwarze Bagage hat es eh nie versucht.

Eine zweite GroKo unter Merkel ist Mist; aber sie dürfte leider alternativlos sein.



" Öresund Space Collective " - " Portal Of Pogonic Progress " - " Music For Pogonologists " - 2014:

















Jana Hensel - " Zonenkinder ". Ein literarischer Fehlgriff?


Über die deutsch - deutschen, also die gesamtdeutschen Befindlichkeiten ist ja bereits vor dem bedeutungsschwangeren Jahr 1989 viel, sehr viel, ja, wohl eher zu viel geschrieben worden. Die veröffentlichten Werke hierzu dürften alle Male ganze Regalwände füllen. Da käme es nun nicht mehr so darauf an, ob sich zu diesem Thema ein weiterer Kleinstverlag und ein schreibender Hobby - Literat äußert. Anscheinend sind aber die gesammelten Werke aus diesem Genre nicht hinreichend bekannt, sonst dürfte eine gestellte Frage, wie jene, die ich kürzlich bei der Quizsendung " Gefragt -  Gejagt ", von dem Moderator " Alex " Bommes laut und deutlich vorgelesen, nicht falsch beantwortet werden. Alexander Bommes wollte von dem Kandidaten - Quartett wissen, was sich hinter dem Kürzel " SBZ " verbirgt. Die Antwort: " Sozialistische Besatzungszone "!

Arrrgh! A haua, haua,how! Räusper!

Dat war falsch! Die " Wessi " - Kandidatin griff ins Klo und holte für den einst braunen Kampfbegriff " SBZ " eine übermalte Variante, ein Stück rote Sch... hervor.
Nö, net " Sozialistische Besatzungszone ", sondern " Sowjetische Besatzungszone ", wie Sir Alex Bommes sofort korrigierend ablas.

Geschenkt! Frau und Mann muss zu der faschistoiden Kampfrhetorik der 1950er bis 1970er Jahre nicht mehr alles auf der Pfanne haben. Doch so gängige Kürzel, wie DDR ( die natürlich nicht in der  Art des Gossenjournalismus aus dem Hause von " Adolf " Springer in An - und Abführungszeichen zu setzen ist ), VEB oder auch SED sollten wohl bekannt sein. Korrekter ist es, zu behaupten, sie sollten noch bekannt sein. Die Generationen nach 1989 / 1990 werden allerdings mit diesen Abkürzungen, die - jedes für sich - irgendwie, irgendwann und irgendwo mit der Vergangenheit des zweiten deutschen Staates in Verbindung zu setzen sind, wohl nicht mehr allzu viel anfangen können.

Es sei denn, sie sind in einem familiären Umfeld groß geworden, dass sich alsbald mit den negativen Auswirkungen der so genannten " Wende " ab diesem Zeitraum herum plagen musste oder es immer noch muss. Wenn dann deren Eltern nur lange genug gegen die aktuellen Politiker, die Parteien, die Gewerkschaften, gegen einzelne Amtsträger, wie Merkel, Maas, Hilpert, hetzen, ohne von den Funktionsweisen der demokratischen Grundordnung und des Parlamentarismus auch nur die Bohne zu verstehen, werden aus jenen Indoktrinierten keine guten Demokraten, schon gar nicht sozialen Demokraten, sondern Neofaschisten.

Als die heutige Schriftstellerin ( sie darf auch Autorin und Journalistin genannt werden ) Jana Hensel am 3. Juli des Jahres 1976 das Licht der Welt erblickte, herrschte in ihrem Geburtsort Borna bei Leipzig noch die Diktatur des Proletariats, es gab zwei ( drei ) Machtblöcke, die sich, hochgerüstet mit Atomwaffen, wechselseitig die bleckenden Zähne zeigten. China kann zu dieser Zeit wohl eher nicht als Weltmacht gelten, weil es eher rückständig, denn politisch so einflussreich war, wie es die UdSSR und die USA zeigten.

Zu den Satellitenstaaten der mächtigen Sowjetunion zählte zweifelsohne die DDR. Damit begann der Eiserne Vorhang, den westliche Meinungsmacher so oft zitieren durften, wenn es um die Abgrenzung zu der eigenen, der als wahrhaftig verkauften Ideologie ging, bereits an der innerdeutschen Grenze. Der so genannten " Zonengrenze ". Wen die Gnade der richtigen Geburt traf, der durfte sich alsdann in dem reichen Westen des geteilten Deutschlands, in der BRD, versuchen; während jenseits von Mauer, Zäunen, Todesstreifen, Stacheldraht, Minen und Selbstschussanlagen, der pure sozialistische Mangel in der dortigen Ökonomie vorherrschte.

Der inzwischen wohl genährte bis voll gefressene Bundesbürger mit ockerbraunem Gedankengut und schwarzer Humorlosigkeit, fabulierte im Westen von der " Zone ", der " Ostzone " oder eben von der " Sowjetischen Besatzungszone " ( abgewandelt: " Sowjetisch besetzte Zone " ) und ließ anschließend an der " DDR " kein gutes Haar, wenn er sich zu einer der sattsam bekannten Hetztiraden aufschwang. So war auch klar: Wer nicht in diesem Sinne dachte und - noch westlich verwerflicher - handelte, wer also nicht dem gesellschaftlichen Diktat des kapitalistischen Dreiklangs " Wachstum - Wohlstand - Walzer ( damit ist Urlaub, Auto, Fressen und Saufen gemeint ) ", dazu auch noch Widerworte formulierte, dem wurde von dem schwarz - braun wählenden Malocher der einprägsame Satz: " Du kannst ja nach drüben gehen, wenn es dir hier nicht passt! " um die noch grünen Ohren gehauen.

Gut, ich sach´ma: Unwissenheit schützte damals auch vor Strafe, wenn es um die rechte Gesinnung ging.

Da ich - wie die Autorin / Schriftstellerin Hensel auch - in einem proletarischen Umfeld - will heißen, einem Malocherhaushalt - aufgewachsen bin, sind mir bestimmte Denk - und Handlungsstrukturen wohl bekannt. Prolet West unterschied sich hier nicht so dramatisch von Prolet Ost. Wobei der Erstgenannte später alle möglichen Hebel in Bewegung setzte, um dieses nicht mehr zu sein, während sein Ost - Pendant von Staats wegen hofiert werden musste und seine Privilegien über die SED - Politik in den Allerwertesten geschoben bekam.

So weit, so bekannt.

Jana Hensel möchte nun dem Leser ihres Buches " Zonenkinder " ( eine vermeintlich schlüssige Ableitung aus dem oben benannten Geburtsumständen; wobei der Kampfbegriff " Zone " im DDR - Propagandavokabular so nicht vorkam bzw. nicht vorkommen durfte, weil er vom Klassenfeind aus der BRD geprägt worden war ) ihre Eindrücke zu und über ihre Kindheit sowie Teile ihrer Jugend ab 1976 bis zum Zusammenbruch des Systems vermitteln. Sie beschreibt deshalb auf vielen Seiten jene abgeschottete Welt während der restlichen DDR - Laufzeit.

Dass diese - sie war zur  "Wende " noch ein Teenager im zarten Alter von 13 Jahren -, vornehmlich aus Konsumgedöns, schulischen sowie erzieherischen Abläufen und dazu - häufig verklärenden - Beschreibungen ihres familiären Umfelds besteht, lasse ich hier eher unkommentiert.
Wahrheitsgetreuer und demnach auch zutreffender wären Beschreibungen zu dem sich kurz vor dem Kollaps befindlichen, planwirtschaftlichen System, dass die Umwelt ( unter tatkräftiger Beihilfe von Westkonzernen ) dabei vor die Hunde ging, dass die DDR - Bürger aus den stinkenden VEB - Chemie - Braunkohle - Kombinaten langsam aber zuverlässig vergiftet und Jahre später mit diversen Krebs - und anderen gesundheitlichen Leiden überzogen wurden, dass die Mangelwirtschaft eine Schattenwirtschaft in Form eines Beziehungsgeflechts hervor brachte, dass der spießige - piefige - DDR - Altherren - Apparat nüscht mit der Gleichstellung von Frau und Mann am Hut hatte, obwohl es von den Propagandaonkeln ständig und öffentlich erklärt wurde, findet sich in Hensel´s Traktat nicht.

Okay, sie war erst 13 Jahre alt. Da kann ein kritischer Rückblick auf die Zeit nach 1976 bis zum Zusammenbruch nicht verlangt und erwartet werden. Deshalb kapriziert sich die Autorin auf ihre Erlebnisse nach dem behaupteten " Ende ihrer Kindheit / Jugend ", also die Nachwendezeit. Jene - auch für einen Wessi, wilden Zeitraum, in denen sich Ost mit West vermischte, sich die Menschen aus den beiden, vormals getrennten Staaten etwas näher kamen und in denen die Binnenwirtschaft einen Aufschwung nahm.

Dass dabei Horden hungriger Selbständiger, Kohorten - nur zu oft unfähiger - Beamter und Angestellter und Schwadrone von Versicherungs - oder Immobilienmakler, neben anderen Hasardeuren in die Neuen Bundesländer einfielen, um der dortigen, ehrfurchtsvoll zu ihnen aufblickenden Bevölkerung, die Vorzüge der kapitalistischen Produktionsweise, des veramerikanisierten Verkaufens und Bewerbens oder die Umsetzung des Luftnummern - und Känguru - Prinzips an der Haustür oder sonst wo zu zeigen, findet sich in Hensel´s Buch denn eher nur am Rande.

Natürlich hatte die Wende nicht nur Nachteile. Es wurden Straßen sowie viele Autobahnen gebaut, Bruchbuden und andere Ruinen abgerissen, saniert, renoviert, der Konsumsektor expandierte und die Reisefreiheit bezog sich nun nicht mehr auf Staaten des sozialistischen Auslands, mit der Jugoslawien - Einschränkung. Sicherlich gab es dabei viele Wendegewinner, die nach 1989 durch Land - und Immobilienverkäufe Geld verdienen durften. Zudem wurden auch reichlich neue Arbeitsplätze geschaffen, wobei es eben den einstigen DDR - Bürgern nunmehr möglich ist, auch in den westlichen Ländern zu arbeiten. Hinzu kommt, dass das gesamte Sozialsystem übertragen wurde.


Allerdings war die Umwälzung für jene 16,675 Millionen Bürger alles andere als sozial abgestimmt. Die Kaputtmacher von der Rohwedder / Breul´schen " Treuhand " pflügten die DDR - Wirtschaft komplett um. Alles was nicht in ihre Konzepte hinein passte wurde " abgewickelt ".
Gleiches galt bei der Einführung des föderalen Schulaufbaus.
Ehrlich gesagt: Für mich war das DDR - Schulsystem, wenn der ideologische Quark beiseite genommen wird, erheblich transparenter und damit gerechter.

Also: Jana Hensel schreibt in ihrem Buch, das sich nahezu 350.000 Mal verkaufen ließ und bei dem vormals renommierten Hamburger Rowohlt - Verlag erschien, dann über ihren Jugend und die Studienzeit in den Nachwendejahren bis 2002. Sie verwurstet dabei eigene Erlebnisse und setzt diese aber dann in die - als anmaßend kritisierte - " Wir " -  Form. Dieser Versuch, Selbsterlebtes zu verallgemeinern, endet auf dem Scheiterhaufen der Buchkritiker. Sie wird dafür - wohl nachvollziehbar - von ihnen herunter gemacht. Beispielhaft hierfür sind jene Kommentare einiger Leser/innen:


https://www.amazon.de/gp/customer-reviews/R3A2XNHI7UZMS7/ref=cm_cr_arp_d_viewpnt?ie=UTF8&ASIN=349802972X#R3A2XNHI7UZMS7


Tja, vor einigen Tagen hatte ich Jana Hensel´s " Zonenkinder " als gebraucht deklariertes Exemplar über eben jenen Versandgroßhändler bestellt. Es sollte - frankofrei - ganze 0, 78 Euro kosten. Ein Schnäppchen, das das Risiko, für mehr Geld, weniger Qualität gekauft zu haben, absolut minimiert.

Als gemischt - sozialisiertes Paar, als eine der vielen Ost - Westehen, als zudem aus einem Jahrgang, stellten wir uns vorab die Frage nach der Authentizität der Schilderungen jener, in der damaligen DDR geborenen, aber mehr als doppelt so lang in Gesamtdeutschland lebenden Autorin, die von sich aus nun beansprucht, für eine, ihre Generation zu schreiben.
Meine bessere Hälfte las es am Sonntag flüchtig durch und begann danach herum zu kritteln. Nein, so war das nicht. Sie muss es schließlich wissen und kommt aus dem Fach. Ihre hier vorhandene Privat - Bibliothek würde einen Klein - LKW füllen. Ich bin da eher nicht so der eingefleischte Bücher - Fan. Lese aber - je nach Lust und Laune und dieses vornehmlich im Urlaub an der Ostsee - schon eher einen der von ihr massenhaft mitgenommen Romane.
Deshalb gehe ich auch hier und heute eher moderat an den Versuch einer Buchkritik heran.

Vor einigen Jahren nahm ich mir zwei Buchveröffentlichungen der 1962 in Hamburg geborenen Schriftstellerin Martina Rellin aus dem Bestand meiner besseren Hälfte vor. Die Westfrau verkaufte ab 2001 mehrere Bücher mit dem Thema " Liebhaber ". Auf der Pirsch nach neuen Themen, die irgendwie, irgendetwas mit dem Ost - West / BRD - DDR - Sermon zu tun haben könnten, kam sie auch die todesmutige Idee, anhand von geführten Gesprächen mit einstigen " Ost - Frauen " die These aufzustellen, dass DDR - Frau oder jetzt Ost - Frau nicht nur freizügiger mit dem Begriff Fremdgehen und Zweitmann umgehen würden und könnten als ihre Schwestern in den Alten Bundesländern, sondern auch die daraus entstehenden Konsequenzen auf ihr eigenes Leben besser kalkulieren. 
Eine kühne und völlig irrige Behauptung, wie sich beim Lesen der " Liebhaber " - Schwarten heraus stellte. Zudem entpuppte sich das mit " Neue Liebhaber " verkaufte Sammelsurium als ein Paradebeispiel dafür, wie alter Wein in neuen Schläuchen marktkonform und umsatzträchtig an die Bevölkerung verkloppt werden kann.

Diese Gedanken kamen mir bei der Diskussion um den tieferen Sinn des " Zonenkinder " - Buchs von Jana Hensel. Es hat auch etwas mit Masche gemeinsam, die dahinter steckt. Auch diese Schriftstellerin hat zeitnah eine weitere Schwarte zum Thema " Ostzone " oder so ähnlich veröffentlichen lassen. Der Verlag macht alsbald mächtig Druck auf seine Hobby - Literaten, sofern sich eine - zumeist die erste - Schinken gut verkaufen ließ. Immerhin sind 350.000 Exemplare, die zudem wohl in verschiedenen Sprachen übersetzt werden mussten, kein Pappenstiel. Das ist in der heutigen Zeit schon eine Hausnummer, wenn handelsübliche Schundware nach 10.000 Plus gedruckten Exemplaren bereits wieder aus dem Programm genommen werden muss, um anderen Schreiberlingen Platz zu machen.

Fazit: Ich werde Jana´s Buch bis zur bitteren Neige zu Ende lesen. Werde mich dabei und vor allem danach fragen müssen, ob die DDR wirklich so unpolitisch war, wie sie ihre Bürger aus den Jahrgängen der 1970er geformt haben will und ob es nicht besser gewesen wäre, Berufstätige aus den Studienbereichen der vergeblichen, weil geisteswissenschaftlichen Fächern, es nicht eher vorziehen sollten, sich nicht auf der schriftstellerischen Ebene zu versuchen. 


https://de.wikipedia.org/wiki/Jana_Hensel

Konstantin Wecker mit " Stürmische Zeiten, mein Schatz! " - Live - 2002: